DD300207A7 - Verfahren und Anordnung zur Bestimmung der Schutzwirkung elektrochemischer Korrosions- und Streustromschutzanlagen- und -systeme - Google Patents

Verfahren und Anordnung zur Bestimmung der Schutzwirkung elektrochemischer Korrosions- und Streustromschutzanlagen- und -systeme

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Abstract

Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anordnung zur Bestimmung der Schutzwirkung elektrochemischer Korrosionsschutzanlagen, Streustromschutzanlagen und -systeme an erdverlegten metallischen Objekten, wie z. B. an metallischen Gas- und Wasserleitungen oder Behaeltern. Das Ziel der Erfindung ist es, ein Verfahren und eine Anordnung vorzuschlagen, das die mesztechnische Nachweisfuehrung der Schutzwirkung von elektrochemischen Korrosions- und Streustromschutzanlagen verbessert und vereinfacht und die Fernueberwachung sowie ihre automatische Steuerung ermoeglicht. Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, ein Verfahren und eine Anordnung zur Bestimmung der Schutzwirkung elektrochemischer Korrosionsschutzanlagen, Streustromschutzanlagen und -systeme unter Verwendung einer bekannten Korrosionsmeszsonde, die nach dem Prinzip der AEnderung des elektrischen Widerstandes eines Leiters arbeite, vorzuschlagen. Erfindungsgemaesz wird die Korrosionsmeszsonde mit einem zu ueberwachenden Schutzobjekt galvanisch so verbunden, dasz eine kuenstliche Fehlstelle am Schutzobjekt 4 gebildet wird, auf die alle die Schutzwirkung beeinflussenden Faktoren einwirken und nach einer systembedingten Einwirkdauer durch Messung der erfolgten Widerstandsaenderung die Schutzwirkung an der Fehlstelle erfaszt wird.{Bestimmung; Schutzwirkung; Korrosionsschutzanlagen; Streustromschutzanlagen und -systeme; elektrochemisch, metallische Objekte; Korrosionsmeszsonde; Widerstandsaenderung; Fehlstelle; Einwirkdauer}

Description

Hierzu 4 Seiten Zeichnungen
Anwendungsgebiet der Erfindung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anordnung zur Bestimmung der Schutzwirkung elektrochemischer Korrosions- und Streustromschutzanlagen und -systeme an erdverlegton metallischen Objekten, wie z. B. an metallischen Gas- und Wasserleitungen oder Behältern.
Charakteristik des bekannten Standes der Technik
Nach Baeckmann/Schwenk, Handbuch des katodischen Korrosionsschutzes, Verlag Chemie 1980, erfolgt die Bestimmung der Schutiwirkung von elektrochemischen Korrosionsschutzanlagen bisher weltweit durch Messung des Objekt/Elektrolyt-Potentials. Dazu wird eine Bezugselektrode (z.B. gesättigte Kupfer/Kupfersulfatelektrode, ges. Kalomelektrode, usw.) mit bekanntem Potentialwert in den gleichen Elektrolyten eingebracht, dem auch das Meßobjekt ausgesetzt ist. Bezugselektrode und Meßobjekt werden über ein hochohmiges Spannungsmeßgerät elektrisch leitend verbunden. Die gemessene Spannungsdifferenz zwischen Bezugselektrode und Meßobjekt stellt das Objekt/Elektrolyt-Potential bezogen auf die jeweilige Bezugselektrode dar. Das Meßergebnis wird mit bestimmten standardisierten, als Schutzkriterien geltenden Potentialwerten verglichen und daraus abgeleitet, ob ein ausreichender Schutz erzielt wird oder nicht, ohne auf den Grad der erzielten Schutzwirkunc schließen zu können.
Das älteste Schutzkriterium des aktiven elektrochemischer Korrosionsschutzes fordert ein Objekt/Elektrolyt-Potential von -85OmV gemessen gegen gesättigte Cu/CuS04-Elektrode bei eingeschalteter elektrochemischer Schutzanlage (Einschaltmethode).
Dieses Schutzkriterium ist unkompliziert meßtechnisch nachweisbar und hat sich jahrzehntelang für die Beherrschung einfacher Schutzcbjekte (z.B. einzelner Fernrohrleitungen in normalen Erdböden) bewährt.
Sein wesentlichster Nachteil besteht jedoch darin, einen in komplizierter Weise vcn den Umgebungsbedingungen abhängenden Fehler, den sog. IR-Anteil, zu enthalten, der eine Verfälschuno des wahren Objekt/Elektrolyt-Potentials bis zu einigen hundert Millivolt vortäuschen kann, so daß der meßtechnische Nachweis des &50-Millivolt-Schutzkriteriums zumindest unter komplizierten Bedingungen keine Garantie für eine ausreichende Schutzwirkung des elektrochemischen Schutzes darstellt. Diesen Nachteil vermeidet die sogenannte IR-freie Potentialmessung, bei der das Objekt/Elektrolyt-Potential unmittelbar nach Abschaltung aller den Meßort beeinflussenden Schutzanlagen gemessen wird (Ausschaltmethode). Hier sind z. B. -80OmV, gemesse.i gageri die gesättigte Cu/CuSO^Bezugselektrode als Schutzkriterium standardisiert. Die Nachteile dieser Methode bes'.ohen in:
- Vervielfachung des Meßaufwandes gegenüber der Einschaltmethode
- Die Erfüllung des Schutzkriteriums erfordert in komplizierten Fällen mit hoher Verlegungsdichte von metallischen Objekten extreme Übördime.nsionierungen der Schutzanlagen und derart hohe Schutzströme, daß der aktive elektrochemische Korrosionsschutz unwirtschaftlich wird.
In solchen Fällen ist die Anwendung der „Potentialabsenkungsmsthode" üblich geworden. Dazu ist zunächst die sorgfältige Ermittlung des „freien Korrosionspotentials" des Schutzobjektes notwendig. Anschließend wird der aktive elektrochemische Korrosionsschutz so eingeregelt, daß eine Absenkung des Objskt/Elektroly t-Potentials um 100 mV bei IR-freier Potentialmessung (Ausschaltmethode) bzw. von 30OmV bei Anwendung der Einschaltmethode erzielt wird.
-2- 300 207 Die Nachteile dor Methode sind:
- hoher Meßaufwand und hohe erforderliche Qualifikation des Meßpersonals,
- freies Korrosionspotential und „abgesenktes" Potential müssen unter exakt gleichen Bedingungen (Jahreszeit, Fsuchtegrad, evtl. Temperatur) gemessen werden, da sonst die auftretenden Potentialschwankungen Potentialabsenkungon vortäuschen können, die tatsächlich nicht vorhanden sind.
- Bei Veränderungen der Umgebungsbedingungen (z.B. Bodenveränderungen durch Baumaßnahmen, Düngungen usw.) ist keine Kontrolle vorhanden, ob der Schutz noch wirksam ist.
Insgesamt haften den auf Potentialmessungen beruhenden bisherigen Schutzkriterion folgende gemeinsame Nachteile an:
- Das Objekt/Elektrolyt-Potential hängt nur mittelbar mit den tatsächlich am Schutzobjekt ablaufenden Korrosionsprozessen zusammen. Es erlaubt keinerlei quantitative Rückschlüsse auf deii Grad der Schutzwirkung des elektrochemischen Korrosionsschutzes, sondern liefert nur eine mehr oder weniger unsichere „Ja-Nein-Aussage".
- Eine exakte Bestimmung des Objekt/Elektrolyt-Potentials ist auch bei sorgfältiger Meßdurchführung nicht möglich, da selbst bei Ausschaltung des IR-Fehlers viele Einflußfaktoren das Meßergebnis beeinflussen können (. B. im Falle erdverlegter Schutzobjekte: Meßort, Bodenfeuchtigkeit, Jahreszeit usw.), so daß eine Optimierung der Betriebsparameter elektrochemischer Korrosionsschutzanlagen praktisch nicht möglich ist.
- Das Objekt/Elektrolyt-Potential versagt als Schutzkriterium in Streustrombeeinflussungsgebieten.
- Die Fernüberwachung und automatische Steuerung von Schutzsystemen ist nur mit Hilfe von „Dauerbezugselektroden" möglich, die aber nur über eine begrenzte Lebensdauer verfügen.
Weiterhin ist es möglich, nach Hildebrand, W.Schwenk, Werkstoffe und Korrosion 29,92 (1978), die Korrosionsgoschwindigkeit erdverlegter Anlagen mit Kupons zu messen.
Diese werden leitend mit dem zu überwachenden Objekt verbunden, so daß sie als Fehlstellen im passiven Schutz wirken.
Diese Kupons müssen nach angemessener Auslagerungszeit ausgegraben und können erst dann ausgewertet werden. Die Auswertung erfolgt durch Bestimmung des Masseverlustes. Aus dem Masseverlust wird die Korrosionsgeschwindigkeit berechnet.
Daraus ergeben sich folgende eklatante Nachteile:
- enorm hoher Arbeitsaufwand zur Erzielung weniger Meßpunkte
- keine Erfassung der jahreszeitlichen Schwankung der Korrosionsgeschwindigkeit
- keine Möglichkeit zur Fernüberwachung und Fernsteuerung von Schutzsystemen.
Ziel der Erfindung
Das Ziel der Erfindung ist es, ein Verfahren und eine Anordnung vorzuschlagen, das die meßtechnische Nachweisführung der Schutzwirkung von elektrochemischen Korrosions- und Streustromschutzanlagen verbessert und vereinfacht und die Fernüberwachung sowie ihre automatische Steuerung ermöglicht.
Darlegung des Weaens der Erfindung
Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, ein Verfahren und eine Anordnung zur Bestimmung der Schutzwirkung elektrochemischer Korrosions- und Streustromschutzanlagen und -systeme unter Verwendung einer bekannten Korrosionsmeßsonde, die nach dem Prinzip der Änderung des elektrischen Widerstandes eines Leiters arbeitet, vorzuschlagen. Die Korrosionsmeßmethode beruht auf der Tatsache, daß der elektrische Widerstand eines metallischen Leiters zunimmt, wenn sich seine Querschnittsfläche verringert. Realisiert ist dieses Meßprinzip in einer Meßsonde, die aus einem, dem Korrosionsmedium ausgesetzten, Meßelement und einem im Sondenkörper sicher vor Korrosion geschützten Referenzelement besteht. Beide Elemente sind Zweige einer Wechselstromwiderstandsmeßbrücke, die über ein fünfpoliges Meßk&bel mit dem Meßinstrument verbunden sind, das die Stromversorgung und die restlichen Zweige der Meßbrücke enthält. Erhöht sich der Widerstand des Meßelements durch korrosionsbedingte Querschnittsabnahme, wird die Meßbrücke verstimmt. Die Verstimmung ist proportional der Widerstandserhöhung des Meßelements und damit der Querschnittsabnahme. Das Widerstandsprinzip gestattet-daher eine direkte Messung des linearen Korrosionsabtrages, ähnlich wie bei der Auslagerung von Probekörpern. Es ist jedoch wesentlich eleganter, da mit einer einzigen Meßsonde in viel kürzerer Zeit Ergebnisse erhalten, deren Änderungen über die Einsatzdauer erfaßt, diese registriert und unmittelbar zur Steuerung von Prozessen verwendet werden können. Die Methode wird deshalb im Englischen auch als „electric coupon" bezeichnet.
Erfindungsgemäß wird zur Bestimmung der Schutzwirkung elektrochemischer Korrosions- und Streustromschutzanlagen für erdverlegte metallische Systeme (Rohrleitungen und Rohrleitungssysteme, Kabel, Fundamenterder aber auch Spundwände und Schleusenkammern von Wasserbauten usw.) eine für den er" und Wassereinsatz geeignete Korrosionsmeßsonde in unmittelbarer Nähe des zu überwachenden Objsktos an dem für die Korrosionswirkung kritischsten Ort (bei Rohrleitungen Sechsuhrposition) so eingebaut, daß das Meßelemtnt innigen Kontakt mit dem Korrosionsmediurn bekommt. Das Anschlußkabel der Korrosionsmaßsonde wird zur nächstgelegenen Meßssule des katodischen Schutzsystems geführt und dort in leichtlösbarer Form (z. B. Steckkontt_kt) so angeklemmt, daß das Meßglied der Korrosionsmeßsonde und das zu überwachende Objekt (z. B. Rohrleitung) leitend miteinander verbunden sind. Das Meßglied der Korrosionsmeßsonde wirkt dadurch wie eine Fehlstelle im passiven Korrosionsschutz der zu überwachenden Rohrleitung. Es ist damit allen Einflüssen ausgesetzt, die auch auf eine Fehlstelle in der Rohrleitungsisolation an dieser Stelle der Rohrleitung einwirken würden, wie Bodenkorrosion, Streustromkorrosion, Langstreckenströme, aber auch dem katodischen Schutz. Überraschend wurde erstmalig festgestellt, daß mit einer so angeordneten Korrosionsmeßsonde die aus allen Einflüssen resultierende Korrosionsgeschwindigkeit direkt gemessen und damit auch die Schutzwirkung des katodischen Schutzes unmittelbar nachgewiesen werden kann, obwohl diese Korrosionsmeßmethode seit etwa 30 Jahren bekannt ist.
Zur Messung selbst wird im einfachsten Fall die jeweilige Korrosionsmeßsonde in der Meßsäule von der Rohrleitung getrennt
und mit dem Meßgerät verbunden. Nach Ablesung des zur vorangegangenen Messung erfolgten Korrosionsfortschrittes wirddie Verbindung zum überwachten Objekt wieder hergestellt. Aus dem Ableseergebnis kann die Korrosionsgeschwindigkeit fürden Zeitraum zwischen zwei Ablesungen und die mittlere Korrosionsgeschwindigkeit seit Beginn dar Messungen errechnetwerden. Durch geeignete Wahl der Ablesetermine kann dadurch die zoitliche Veränderung des Korrosionsfortschrittes erfaßtwerden.
Beim Vorhandensein von katodischem Schutz besteht die Möglichkeit, mit Hilfe dieses Verfahrens und der Anordnung den Schutzstrom des Schutzsystems auf das technisch notwendige Niveau mittels unterschiedlicher Regelströme (handgesteuert
oder automatisch) einzuregeln. Das besitzt besonders Bedeutung für Industrieanlagen und Stadtgebiet mit hoher Verlegedichtemetallischer Objekte, die ohne eine solche exakte Regelmöglichkeit ökonomisch nicht zu betreiben sind. Ein Ausfall deskatodischen Schutzes oder Veränderungen der äußeren Bedingungen, z. B. durch eine zusätzliche Beeinflussung durch
Fremdeinrichtungen, können festgestellt werden, bevor am überwachten System Schädigungen aufgetreten sind. Durch entsprechende elektronische Schaltungen und Einsatz von Mikrorechentechnik läßt sich die dargestellte Meßanordnung
automatisieren. Sie ist damit ausgezeichnet für die Fernüberwachung ganzer Systeme und natürlich auch für die automatische
Steuerung des elektrochemischen Korrosionsschutzes geeignet. Ein weiterer Vorteil besteht darin, daß die verwendete Korrosionsmeßsonde eine sehr kleine Fehlstelle in der Rohrleitungsisolation simuliert. Nach der bekannten Flächenragel der Korrosion stellen derartige kleine Fehlstellen besonders
korrosionsgefährdete Punkte in der Rohrleitung dar.
Deshf Ib gestatten die erhaltenen Meßergebnisse eine sichere Gesamteinschätzung der Schutzwirkung des katodischen Schutzsystems in der Umgebung des Meßsystems. Die erfindungsgemäße Korrosionsmessung mittels der Widerstandsmethode liefert direkt zuverlässige Aussagen über die
tatsächlich vorhandenen Schutzverhältnisse. Sie stellt damit für den Nachweis des an kritischen Punkten des Schutzobjektestatsächlich erzielten Schutzzustandes die zuverlässigste und sicherste Methode dar.
Ausführungsbelsplele Die Erfindung wird mittels einer Figur und der Tabellen und Diagrammen näher erläutert: In der Figur 1 ist die Anordnung dargestellt, die ein katodisch geschütztes metallisches Objekt als erdverlegte metallische Rohrleitung 1 mit einer Verbindungsleitung 4 zwischen der Schweißstelle 3 und der Meßsäule 5 beinhaltet. In der Meßsäule 5
wird die Verbindungsleitung 4 mit dem Verbindungskabo! 7 auf der Klemmleiste 6 elektrisch leitend miteinander verbunden. Das
Verbindungskabel 7 wird in der Meßsäule 5 mit dem Sondenkabel 8 zusammengesteckt. Von der Meßsäule 5 führt das Sondenkabel 8 zur Korrosionsmettsonde 9, die in unmittelbarer Nähe der Rohrleitung 1 in einer Entfernung von 5-10 cm
installiert ist.
Die Korrosionsmeßsonde 9 liegt im unteren Bereich der Rohrleitung 1. Die Korrosionsmeßsonde 9 wurde durch Kandschachtung
in das Erdreich 2 eingebracht. Über eine Bohrung, entsprechend dem Sondondurchmcisser, wurde die Korrosionsmeßsonde 9 inder erforderlichen Ausgangstage lckalisie-t und dort im Erdbereich 2 eingeschwemmt, um einen guten Bodenkontakt zugewährleisten.
Figur 1 zeigt den Betriebszustand, der gewährleistet, daß die Korrosionsmeßsonde als Fehlstelle in der Rohrleitungsisolation
wirkt und allen 81Jf eine solche einwirkenden Einflüsse, u.a. dem katodischen Schutz ausgesetzt ist.
Zur Messung wird das Verbindungskabel 7 von dem Sondenkabel 8 an der Steckverbindung gelöst. Mit dem Sondenkabel 8 und
dem Korrosionsmeßgerät 10 wird eine Steckverbindung hergestellt und die Messung entsprechend Betriebsanleitung des
Korrosionsmeßgerätes durchgeführt. Durch die Abtrennung des Verbindungskabels 7 wird die Korrosionsmeßsonde 9 für den Zeitraum der Messung vom katodischen Schutz abgeschaltet. Nach Abschluß der Messung wird zwischen dem Verbindungskabel 7 und dem Sondenkabel 8 in der Meßsäul* 5 mittels der Steckverbindung wieder die elektrisch leitende Verbindung zwischen Meßsonde und Rohrleitung hergestellt. ' Die beschriebene Meßanordnung wurde in einem ersten Ausführungsbeispiel an einer Ferngasleitung, die in trockenem Sandboden liegt, realisiert. Die erzielten Meßergebnisse sind in Tabelle 1 und Diagramm 1 a-c dargestellt. Es ist zu erkenn en, daß
geringe Korrosionsfortschritte nurzwischen einzelnen Ablesedaten, wie Juli-August 1988, September-Oktober 1988, Ap. il-Mai1989 bei Ausschluß der Meßsonde aus dem katodischen Schutz und Juni-Juli 1989 eintraten. In den Zwischenzeiten erfr Igtekeinerlei Korrosion. Die mittlere lineare Korrosionsgeschwindigkeit weist mit Werten zwischen 0,0013 und 0,0022 mm/a einetechnisch vernachlässigbare Größenordnung auf.
Im Gegensatz dazu liegen die Ausschaltpotentiale an der Meßsonde mit Werten zwischen -300mV und -45OmV gegen Cu/ CuSO4 sehr viel positiver als das gültige Schutzkriterium von -85OmV gegen Cu/CuSO« IR-frei gemessen. Selbst die IR-
behafteten Einschaltpotentiale erreichen mit Werten zwischen -500mV und -700 mV gegen Cu/CuSO« das Schutzkriteriumnicht. Der IR-Abfall schwankt im vorliegenden Fall zwischen ca. 200 und 3UOmV.
Erfüllt wird dagegen das sog. 100-mV-Kriterium, wie ein Vergleich der Ausschaltpotentiale der geschützten Meßsonde mit dem
nach Abtrennung vom katodischen Schutz gemessenen beweist. Dieses Kriterium wurde mit einei durch den vorhandenenkatodischen Schutz erzielten Mindestabsenkung von 175mV gegenüber dem freien Korrosionspotential jederzeit eingehalten.
Ein zweites und drittes Ausführungsbeispiel wurde an oiner Meßstelle mit parallelen Ferngasleitungen in sehr feuchtem Sandboden errichtet. Die erzielton Meßergebnisse sind in den Tabellen 2 und 3 und Diagrammen 2 a-c und 3 a-c dargestellt. Insgesamt liegen die linearen Korrosionsgeschwindigkeiten bei 0,013 bis 0,02mm/a etwa eine Größenordnung über denen des Beispiels 1. Trotzdem ist diese Abtragsrate technisch unbedenklich, da z. B. bei Vk = 0,02 mm/a 50 Jahre benötigt werden, um
einen Millimeter abzutragen. Interessant sind die jahreszeitlichen Unterschiede im Korrosionsabtrag. Während im
September-Oktober 1968 Maximalwerte um 0,03mm/a und im August 1989 0,03-O,04mm/a vorgefunden wurden, sank die Korrosionsgeschwindigkeit im Zeitraum November 1988-März 1989 aufwerte um 0,005-0,009 mm/a.
Sowohl die Ausschaltpotentiale der beiden Meßsonden als auch die Einschaltpotentiale der Rohrleitungen liegen deutlich negativer als im Beispiel 1.
Auch der IR-Abfall zwischen Ein- und Ausschaltpotential beträgt in dem hier vorliegenden sehr feuchten Sandboden nur 0 bis ca. 10OmV. Trotz der nur geringen Abweichungen von den geforderten Schutzpotentialen werden hier deutlich höhere Korrosionsabträge vorgefunden. Eine Erklärung liefern Potential- und Korrosionsmeßergebnisse nach der vierwöchigen Abtrennung der Meßsonden vom katodischen Schutz. Am Beispiel 2 zeigte eich, verursacht durch die Abtrennung, ein Potentialanstieg von nur 6OmV, der mit einem Korrosionsanstieg auf ca. 0,04 mm/a verbunden war.
Am Beispiel 3 verursachte dagegen die Abtrennung weder eine Potential- noch eine Korrosionsverändeiung. Das beweist, daß der vorhandene katodische Schutz beim Beispiel 2 nur geringe und beim Beispiel 3 gar keine Wirkung besitzt. Insgesamt ist einzi > chätzen, daß reine Potentialmessungen keine Aussagen über den tatsächlichen Schutzzustand einer Rohrleitung zulassun, da bei relativ positiven Potentialen im vorliegenden Fall Korrosionswerte nahe Null gefunden wurden (Beispiel 1), während bei Potentialen η Jr wenig positiver als die gültigen Schutzkriterien erheblich höherer Korrosionsabtrag auftrat. Die einzige Abhängigkeit zwischen einem Potentialmeßwert und der tatsächlichen Korrosionsrate zeigte die Differenz zwischen freiem Korrosionspot?ntial (ohne katodischem Schutz) und Ausschaltpotential der katodisch geschützten Sonde, ohne daß der Zusammenhang exakt quantifizierbar war.
Tabelle 1: Meßergebnisse des Ausführungsbeispiels 1
Ablese Zeit in d (ti) Abtrag in pm * gemessen nach ca. 4 Wochen ohne kat. Schutz (d1) Meßergebnisse des Ausführungsbeispiels 2 (ti) Abtrar; in pm (o .) Meßergebnisse des Ausführungsbeispiels 3 (tr, Abtrag in pm (d1) Korrosionsgeschw. in μιη/a inpm/a in μπΊ/a Potential in mV Sonde
datum t d Tabelle 2: Zeit in d d Zeit in d d V 'v1J (v1) (Vi) Leitg. (Aus)
Diff. Ablese Diff. t Diff. Diff. t Diff. Diff. Diff. Diff. Diff. (Ein)
kumu. 30 kumu. datum 0,33 71 kumu. 2,1 71 kumu. 2,7 mittl. 4 10,8 14 -305
04.08.88 30 46 0,33 0 kumu. 46 2,1 3,3 kumu. 46 2,7 3,8 4 0 26,2 30 -540...-560 -300
19.09.88 76 37 0,33 0,66 71 37 5,4 3,0 71 37 6,6 3,2 1,5 6 29 31,5 -5G0...-570 -308
26.10.88 113 49 0,99 04.08.88 0 117 49 8,8 1,2 117 49 9,8 0,9 3 0 8,9 6,7 -550...-5)30 -365
15.12.88 162 95 0,99 19.09.88 0 154 95 9,6 1,2 154 95 10,7 2,1 2,2 0 4,6 8,0 -610 -407
20.03.89 257 23 0,99 26.10.88 0 203 23 10,8 1,5 203 23 12,8 0,6 1,4 0 23,8 9,5 -605...-620 -400
11.04.89 280 30 0,99 15.12.88 0,33* 298 30 12,3 3,2» 298 30 13,4 0,6» 1,3 4 38,9» 7,3» -620...-640 -125»
11.05.89 310 25 1,32· 20.03.89 0 321 25 15,6 0 321 25 14 0,3 1,55 0 0 4,4 -650...-660 -440
05.06.89 335 51 1,32 11.04.89 0,33 351 51 15,6 2 351 51 14,3 2,1 1,4 2,3 14,3 15 -680 -330
26.07.89 386 35 1,65 11.05.89 0 376 35 17,6 2,55 376 35 16,2 4,3 1,5 0 26,6 44,8 -500...-530 -450
30.08.89 421 1,65 05.06.89 427 20,15 427 20,5 1,4 -720...-760
26.07.89 462 * gemessen nach 4wöchigar Abtrennung vom kat. Schutz 462
30.08.89 Tabelle 3: Korrosions'jeschw. Korrosionsgeschw.
Ablese V V Potential in mV Sonde
datum Leitg. (Aus)
mittl. mittl. (Ein)
10,8 14 -722
04.08.88 16,8 20 -690...-715 -700
19.09.88 20 23 -750...-760 -700
26.10.88 17 19,2 -700 -695
15.12.88 13 15,6 -710 -720
20.03.89 13 15,2 -742...-752 -730
11.04.89 16,2 14,5 -745 -670*
11.05.89 16 13,8 -722 -730
05.06.89 15 13,8 -732 -630
26.07.89 15,9 16,2 -670...-670 -650
30.08.89 -680
Potential in mV Sonde
Leitg. (Aus)
(Ein)
-750
-800...-850
-750...-760 -750
-720... -730 -750
-780 -830
-835... -860 -765
-820...-845 -765*
-800 -818
-822 -770
-660...-700 -740
-745
* gemessen nach 4wöchiger Abtrennung vom kat. Schutz

Claims (2)

1. Verfahren zur Bestimmung der Schutzwirkung elektrochemischer Korrosions- und Streustromschutzanlagen und -systeme mit einer Korrosionsmeßsonde, die nach dem bekannten Widerstandsprinzip arbeitet, dadurch gekennzeichnet, daß die Korrosionsmeßsonde mit einem zu überwachenden Schutzobjekt im Betriebszustand des katodischen Schutzes galvanisch so verbunden wird, daß eine künstliche Fehlstelle in unmittelbarer Nähe des Schutzobjektes durch das vcn allen die Schutzwirkung beeinflussenden Faktoren ausgesetzte Meßelement der Ko; rosionsmeßsonde gebildet wird und nach einer von der Art der Meßwerterfassung abhängigen Einwirkdauer durch Erfassung der erfolgten Widerstandsänderung des Meßelementes die Schutzwirkung des katodischen Schutzes direkt an der Fohlsielle erfaßt wird.
2. Anordnung zur Bestimmung der Schutzwirkung elektrochemischer Xorrosions- und Streustromschutzanlagen und -systeme mit einer Korrosionsmeßsonde, die nach dem bekannten Widerstandsprinzip arbeitet, dadurch gekennzeichnet, daß das zu schützende Objekt im Betriebszustand des katodischen Schutzes galvanisch mit einer im Einflußbereich der korrosionsbewirkenden Faktoren und der Schutzwirkung des katodischen Schutzsystems liegenden Korrosionsmeßsonde nach dem Widerstandsprinzip verbunden ist und in der Meßphase die Korrosionsmeßsonde mit einem bekannten Korrosionsmeßgerät gekoppelt ist.

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