DE10052745A1 - Verfahren zum Erreichen eines erhöhten Kaltumformvermögens von korrosionsbeständigen metastabilen austenitischen Stählen im Prozeß ihrer Herstellung und Weiterverarbeitung - Google Patents
Verfahren zum Erreichen eines erhöhten Kaltumformvermögens von korrosionsbeständigen metastabilen austenitischen Stählen im Prozeß ihrer Herstellung und WeiterverarbeitungInfo
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Abstract
Verfahren zum Erreichen eines erhöhten Kaltumformvermögens von korrosionsbeständigen metastabilen austenitischen Stählen im Prozeß ihrer Herstellung und Wiederverarbeitung. DOLLAR A Die Erfindung kann bei der Herstellung von Halbzeugen und kaltumgeformten Teilen, die einer Tiefzieh-, Streckzieh- oder anderen Beanspruchung ausgesetzt sind, eingesetzt werden. DOLLAR A Der Erfindung liegt die technische Aufgabe zugrunde, im Prozeß der Herstellung und Weiterverarbeitung von metastabilen austenitischen Stählen ein erhöhtes Kaltumformvermögen zu nutzen, um dadurch größere Umformungen und Kaltverfestigungen ohne bzw. mit weniger Zwischenglühungen zu erreichen bzw. kaltumzuformende Teile rißfrei nach höchsten Beanspruchungen zu erzeugen. DOLLAR A Überraschenderweise konnte gefunden werden, daß das höchste Kaltumformvermögen unabhängig von der Art der Beanspruchung ist und an einen für die metastabilen austenitischen Stähle gleichen austenitisch-martensitischen Gefügezustand, der die Bildung von 22 +- 3% alpha'-Verformungsmartensit einschließt, gebunden ist. Das heißt, erfindungsgemäß ist für alle Kaltumformverfahren die Bildung von 22% alpha'-Umformmartensit anzustreben. Dieser austenitisch-martensitische Gefügezustand ist der Garant für das maximale Kaltumformvermögen.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Ausnutzung eines erhöhten
Kaltumformvermögens von korrosionsbeständigen metastabilen austenitischen Stählen
im Prozeß ihrer Herstellung und Weiterverarbeitung. Sie kann bei der Herstellung von
Halbzeugen und kaltumgeformten Teilen eingesetzt werden.
Korrosionsbeständige austenitische Stählen zeichnen sich durch eine hohe
Korrosionsbeständigkeit und in der Regel ein gutes Kaltumformvermögen aus. Das
Kaltumformvermögen ist auf die plastische Deformation des Austenits und maßgeblich
auf die ablaufenden Martensitbildungen vor bzw. während der Umformung
zurückzuführen.
Das Kaltumformvermögen ist empfindlich von der chemischen Zusammensetzung der
Stähle abhängig. Für einen metastabilen austenitischen Stahl, der mit seiner chemischen
Zusammensetzung an der unteren bzw. oberen zulässigen Toleranzgrenze der DIN 17 440-85
bzw. 17 441-85 liegt, werden unter vergleichbaren Umformbedingungen
deutliche Unterschiede im Kaltumformverhalten beobachtet. Neben der chemischen
Zusammensetzung beeinflussen die auftretenden Spannungs- und Temperaturzustände
vor und während der Umformung die Martensitbildung. Die Martensitbildung kann sich
auf das Kaltumformvermögen positiv als auch negativ auswirken. Ausschlaggebend ist
die Enstehungsweise des Martensits, daß heißt, ob er sich spontan während einer
Kühlung, oder spannungsinduziert im elastischen Deformationsbereich des Austenits
oder verformungsinduziert im plastischen Deformationsbereich des Austenits bildet.
Untersuchungen haben gezeigt, daß die chemische Zusammensetzung der Stähle die
Phasenstabilität des Austenits und damit die Martensitbildung bestimmt. Mit steigender
chemischer Zusammensetzung der Stähle wird die Bildung von martensitischer ε- und α'-Phase
erschwert und die entsprechenden martensitischen Bildungstemperaturen fallen.
Die Ms-Temperaturen für die spontane ε- und α-Martensitbildung liegen in den
austenitischen CrNi-Stählen unterhalb Raumtemperatur [Eckstein, H.-J. und A. Weiß:
Korrosionsbeständige Stähle, Dt. Verlag f. Grundstoffindustrie GmbH, Leipzig 1990, S.
89-98]. Ein solches Verhalten ist für die Kaltumformung erwünscht, da als Folge einer
spontanen Martensitbildung das Kaltumformvermögen der Stähle eingeschränkt würde.
Besonders der Einfluß des stark versprödend wirkenden ε-Martensits ist hier
herauszustellen [Lepistö, T. und P. Kettunen, Scandinavian Journal of Metallurgy 71
(1978), S. 71-76]. Der Temperaturunterschied zwischen Raumtemperatur und der Ms-
Temperatur kann bei den instabilen austenitischen Stählen nur wenige Grad betragen.
Wirken auf solche Stähle niedrige Spannungen ein, die nur mit elastischen
Deformationen einhergehen, kann eine spannungsinduzierte Martensitbildung auftreten.
Durch sie wird eine nachfolgende Kaltumformung negativ beeinflußt. Besonders anfällig
sind hier die austenitischen CrNi-Stähle 1.4310 und 1.4301, wenn sie mit ihrer
chemischen Zusammensetzung im unteren Toleranzbereich der DIN liegen. Austenitische
Stähle mit mittleren und höheren Legierungsgehalten sind bezüglich einer spontanen
bzw. spannungsinduzierten Martensitbildung in der Nähe von Raumtemperatur nicht
anfällig. Diese Stähle lassen sich deshalb problemlos in der Nähe von Raumtemperatur
kaltumformen. Durch die Kaltumformung wird eine verformungsinduzierte ε- und α'-
Martensitbildung hervorgerufen.
Die verformungsinduziert ε- und α'-Martensitbildungen sind, wie auch die spontanen
und spannungsinduzierten ε- und α'-Martensitbildungen empfindlich von der
Temperatur abhängig. Ihre Intensität nimmt mit fallender Temperatur zu, wodurch das
Kaltumformvermögen in unterschiedlicher Weise beeinflußt wird. Nur die
verformungsinduzierten Martensitbildungen gehen mit plastischen Deformationen in
Beanspruchungsrichtung einher und rufen die Umwandlungsplastizität (TRIP-Effekt)
hervor. Er zeigt sich in einer Temperaturanomalie des Kaltumformvermögens. Das
Kaltumformvermögen verbessert sich mit sinkender Temperatur, erreicht ein Maximum
und fällt erst danach wieder ab. Es existiert folglich für alle diese Stähle, die eine
verformungsinduzierte Martensitbildung durchlaufen, ein Temperaturbereich mit
maximalem Kaltumformvermögen [Schmidt, W. und W. Gebel: Draht 41 (1990) 4, S.
509-510].
Dieser Temperaturbereich kann in metastabilen austenitischen Stählen oberhalb als auch
unterhalb Raumtemperatur liegen. Seine Temperaturlage ist von der chemischen
Zusammensetzung der Stähle und den Beanspruchungsbedingungen abhängig und
verschiebt sich mit sinkendem Legierungsgehalt zu höheren Temperaturen [Schmidt, W.
und W. Gebel: Draht 41 (1990) 4, S. 509-510].
Der Temperaturbereich mit maximalem Kaltumformvermögen ist dadurch
gekennzeichnet, daß sich im Prozeß der Kaltumformung ein bestimmter austenitisch-
martensitischer Gefügezustand einstellt, der bisher nur in Laborversuchen nach
einachsiger Zugbeanspruchung definiert worden ist [Schmidt, W. und W. Gebel: Draht
41 (1990)4, S. 509-510]. Die Lage dieses Temperaturbereiches und seine Veränderung
mit den Umform- und Beanspruchungsbedingungen sind für die metastabilen
austenitischen Stähle nicht bekannt.
Obwohl die herkömmlichen metastabilen austenitischen Stähle in der Regel ein gutes
Kaltumformvermögen bei den üblichen Umformtemperaturen aufweisen, wird das
anzustrebende maximale Kaltumformvermögen der Stähle im Prozeß ihrer Herstellung
und Weiterverarbeitung nur selten und zufällig ausgenutzt.
Der Erfindung liegt die technische Aufgabe zugrunde, im Prozeß der Herstellung und
Weiterverarbeitung von metastabilen austenitischen Stählen ein erhöhtes
Kaltumformvermögen zu nutzen, um dadurch größere Umformungen und
Kaltverfestigungen ohne bzw. mit weniger Zwischenglühungen zu erreichen bzw.
kaltumzuformende Teile rißfrei nach höchsten Beanspruchungen zu erzeugen. Das
Verfahren läßt sich auf metastabile austenitische Stähle mit einem bestimmten absoluten
Martensitäquivalent /M/ anwenden. Das absolute Martensitäquivalent /M/ wird über die
chemische Zusammensetzung des Stahles bestimmt. Für nichtstabilisierten Stähle gilt die
Beziehung 1 und für stabilisierte Stähle die Beziehung 2. Das absolute
Martensitäquivalent /M/ für die nichtstabilisierte Stähle muß kleiner 21 und für
stabilisierte Stähle kleiner 19 sein.
M = 20 - [%Cr + 1,5(%Ni + %Cu) + 0,75%Mn + 0,7%Si + 0,6%Mo + 1,9%Ti +
45(%C + %N) + 1,5%V + 1,1%W + 0,2%Co - 0,1%Al] (1)
M = 20 - [%Cr + 1,5(%Ni + %Cu) + 0,75%Mn + 0,7%Si + 0,6%Mo +
1,1%W + 0,2%Co] (2)
Überraschenderweise konnte gefunden werden, daß das höchste Kaltumformvermögen
unabhängig von der Art der Beanspruchung ist und an einen für die metastabilen
austenitischen Stähle gleichen austenitisch-martensitischen Gefügezustand, der die
Bildung von 22 ±3% α'-Verformungsmartensit einschließt, gebunden ist. Das heißt,
erfindungsgemäß ist für alle Kaltumformverfahren die Bildung von 22% α'-
Umformmartensit anzustreben. Dieser austenitisch-martensitische Gefügezustand ist der
Garant für das maximale Kaltumformvermögen.
Es ist darauf zu achten, daß sich die Angaben auf den α'-Martensitanteil beziehen, der
sich im Prozeß der Kaltumformung gebildet hat. Geringe ferromagnetische Phasenanteile,
die unter Umständen im Ausgangsmaterial vorliegen können und magnetisch erfaßt
werden, sind entsprechend zu berücksichtigen.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe dadurch gelöst, daß am Ort der höchsten
Beanspruchung im umgeformten Material der α'-Martensitanteil bestimmt wird. Dazu
können magnetische oder magnetinduktive Verfahren angewandt werden. Der ermittelte
α'-Martensitanteil ist das Kriterium für die weitere Einstellung der Umformprozesse
bezüglich der Veränderung der Umformparameter. Zu diesem Zweck muß der sich
praktisch eingestellte Werkstoffzustandes mit dem anzustrebenden 22%igen α'-
Martensitanteil des Gefügebestzustandes verglichen werden.
Wird im kaltumgeformtem Material ein höherer α'-Martensitanteil als 22% ermittelt, so
muß die Umformtemperatur oder die Umformgeschwindigkeit erhöht werden. Auch
durch ein Anwärmen des Materials wird eine Verbesserung des Kaltumformvermögens
erreicht. Ergeben sich niedrigere α'-Martensitanteile als 22%, einschließlich α'-
Martensitanteile von Null Prozent, so muß die Umformtemperatur oder die
Umformgeschwindigkeit erniedrigt werden. Durch eine Kühlung des Materials wird das
Umformvermögen ebenso verbessert.
Mittels der Erfindung läßt sich das Kaltumformvermögen der metastabilen austenitischen
Stähle im Prozeß ihrer Herstellung und Weiterverarbeitung besser ausschöpfen. Das
bedeutet zum Beispiel, daß z. B. die Anzahl möglicher Zwischenglühungen im Prozeß der
Herstellung der Stähle reduziert bzw. z. B. kaltumformbare Teile durch höhere
Umformungen im Tief und Streckziehprozeß rißfrei hergestellt werden können.
Die Erfindung soll an nachfolgendem Ausführungsbeispiel näher erläutert werden.
Von einer Charge des Stahles 1.4301 werden an auf 40°C vorgewärmten 200 mm Ronden
durch Streckziehen Kalotten hergestellt. An den Kalotten wird eine Tiefung von 60 mm
erreicht, ohne das die Proben reißen. Auf der Kuppe der Kalotten wird der α'-
Martensitanteil mittels Tastspule (Feritscope) bestimmt. Es ergibt sich ein Wert von 15%.
Dieser Martensitanteil ist kleiner als der anzustrebende α'-Martensitanteile von 22%.
Das heißt, das Kaltumformvermögen während des Streckziehens ist nicht optimal
ausgeschöpft worden. Da der ermittelte α'-Martensitanteil niedriger als der anzustrebende
Wert ist, wird nachfolgend bei einer niedrigeren Umformtemperatur von 20°C bei
ansonsten gleichen Umformbedingungen streckgezogen. Es werden nun maximale
Kalottentiefen von 72 mm erreicht, ohne das die Kalotten reißen. Der auf der
Kalottenkuppe magnetinduktiv ermittelte α'-Martensitanteil beträgt 22%. Er entspricht
dem anzustrebenden Gefügezustand.
Claims (4)
1. Verfahren zum Erreichen eines erhöhten Kaltumformvermögens von
korrosionsbeständigen metastabilen austenitischen Stählen im Prozeß ihrer Herstellung
und Weiterverarbeitung, dadurch gekennzeichnet, daß für nichtstabilisierte metastabile
austenitische Stähle ein Martensitäquivalent /M/ von kleiner 21 nach der Beziehung 1
M = 20 - [%Cr + 1,5(%Ni + %Cu) + 0,75%Mn + 0,7%Si + 0,6%Mo + 1,9%Ti + 45(%C + %N) + 1,5%V + 1,1%W + 0,2%Co - 0,1%Al] (1)
und für stabilisierte metastabile austenitische Stähle ein Martensitäquivalent /M/ von kleiner 19 nach der Beziehung 2
M = 20 - [%Cr + 1,5(%Ni + %Cu) + 0,75%Mn + 0,7%Si + 0,6%Mo + 1,1%W + 0,2%Co] (2)
gelten muß.
M = 20 - [%Cr + 1,5(%Ni + %Cu) + 0,75%Mn + 0,7%Si + 0,6%Mo + 1,9%Ti + 45(%C + %N) + 1,5%V + 1,1%W + 0,2%Co - 0,1%Al] (1)
und für stabilisierte metastabile austenitische Stähle ein Martensitäquivalent /M/ von kleiner 19 nach der Beziehung 2
M = 20 - [%Cr + 1,5(%Ni + %Cu) + 0,75%Mn + 0,7%Si + 0,6%Mo + 1,1%W + 0,2%Co] (2)
gelten muß.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß am kaltumgeformten
Material solcher Stähle am Ort der höchsten Beanspruchung der α'-Martensitanteil
ermittelt und dieser Anteil mit dem 22%igen α'-Martensitanteil des Bestzustandes
verglichen und daraus ableitend eine Veränderung der Umformparameter vorgenommen
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Bestimmung des α'-
Martensitanteiles am Ort der höchsten Beanspruchung mittels magnetischer bzw.
magnetinduktiver Verfahren erfolgt.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß bei positiven und negativen
Abweichungen vom Gefügebestzustand, die sich aus der Differenz von ermitteltem α'-
Martensitanteil und dem 22%igen Vergleichsstandard ergeben, die Veränderung der
Umformparameter durch eine Erhöhung bzw. eine Erniedrigung der Umformtemperatur
bzw. ein Vorwärmen bzw. eine Kühlung des Materials vorgenommen wird.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE2000152745 DE10052745A1 (de) | 2000-10-25 | 2000-10-25 | Verfahren zum Erreichen eines erhöhten Kaltumformvermögens von korrosionsbeständigen metastabilen austenitischen Stählen im Prozeß ihrer Herstellung und Weiterverarbeitung |
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| DE2000152745 Withdrawn DE10052745A1 (de) | 2000-10-25 | 2000-10-25 | Verfahren zum Erreichen eines erhöhten Kaltumformvermögens von korrosionsbeständigen metastabilen austenitischen Stählen im Prozeß ihrer Herstellung und Weiterverarbeitung |
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|---|---|
| DE (1) | DE10052745A1 (de) |
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE102015005742A1 (de) | 2015-05-05 | 2016-11-10 | Dbi Gas- Und Umwelttechnik Gmbh | Verfahren zur Herstellung von Feinblech aus einem nichtrostenden, austenitischen CrMnNi-Stahl |
-
2000
- 2000-10-25 DE DE2000152745 patent/DE10052745A1/de not_active Withdrawn
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|---|---|---|---|---|
| DE102015005742A1 (de) | 2015-05-05 | 2016-11-10 | Dbi Gas- Und Umwelttechnik Gmbh | Verfahren zur Herstellung von Feinblech aus einem nichtrostenden, austenitischen CrMnNi-Stahl |
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|---|---|---|---|
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