DE10110258C1 - Verfahren zum Betrieb eines Hörhilfegerätes oder Hörgerätesystems sowie Hörhilfegerät oder Hörgerätesystem - Google Patents
Verfahren zum Betrieb eines Hörhilfegerätes oder Hörgerätesystems sowie Hörhilfegerät oder HörgerätesystemInfo
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Abstract
Bei einem Hörhilfegerät (2; 11, 11') werden zur Reduzierung rückkopplungsbedingter Oszillationen Mikrofonsignale eines ersten Mikrofons (1; 12) und eines beabstandeten zweiten Mikrofons (4; 12') miteinander verglichen. Werden in beiden Mikrofonsignalen Oszillationen bei derselben Frequenz detektiert, so handelt es sich dabei um tonale Nutzsignale. Oszillationen, die nur in einem der Mikrofonsignale vorhanden sind, sind dagegen rückkopplungsbedingt und werden durch geeignete Maßnahmen unterdrückt.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb eines Hör
hilfegerätes oder Hörgerätesystems mit wenigstens einem ers
ten Mikrofon zum Erzeugen eines ersten Mikrofonsignals und
einem davon beabstandeten zweiten Mikrofon zum Erzeugen eines
zweiten Mikrofonsignals. Ferner betrifft die Erfindung ein
Hörhilfegerät oder Hörgerätesystem zur Durchführung des Ver
fahrens.
Akustische Rückkopplungen treten häufig bei Hörhilfegeräten
auf, insbesondere wenn es sich um Hörhilfegeräte mit hoher
Verstärkung handelt. Diese Rückkopplungen äußern sich in
starken rückkopplungsbedingten Oszillationen einer bestimmten
Frequenz (Feedback). Dieses "Pfeifen" ist in der Regel sowohl
für den Hörgeräteträger als auch für Personen in seiner nähe
ren Umgebung sehr unangenehm.
Feedback kann auftreten, wenn Schall, der über das Mikrofon
des Hörhilfegerätes aufgenommen, durch einen Signalverstärker
verstärkt und über den Hörer ausgegeben wird, wieder zum Mik
rofon gelangt und erneut verstärkt wird. Damit es zum typi
schen "Pfeifen" - meist bei einer dominanten Frequenz -
kommt, müssen jedoch zwei weitere Bedingungen erfüllt sein.
Die sogenannte Schleifenverstärkung des Systems, d. h. das
Produkt aus der Hörgeräteverstärkung und der Abschwächung des
Rückkopplungspfades, muss größer als 1 sein. Darüber hinaus
muss die Phasenverschiebung dieser Schleifenverstärkung einem
beliebigen ganzzahligen Vielfachen von 360° entsprechen.
Der einfachste Ansatz zur Reduzierung rückkopplungsbedingter
Oszillationen ist die dauerhafte Reduktion der Hörgerätever
stärkung, so dass die Schleifenverstärkung auch in ungünstigen
Situationen unter dem kritischen Grenzwert bleibt. Der
entscheidende Nachteil ist jedoch, dass durch diese Begren
zung die bei stärkerer Schwerhörigkeit erforderliche Hörgerä
teverstärkung nicht mehr erreicht werden kann.
Andere Ansätze sehen eine Messung der Schleifenverstärkung
während der Hörgeräteanpassung vor und reduzieren mit Hilfe
sogenannter Notchfilter (schmalbandige Sperrfilter) die Hör
geräteverstärkung gezielt im kritischen Bereich. Da sich die
Schleifenverstärkung im Alltagsleben jedoch ständig ändern
kann, ist der Nutzen ebenfalls begrenzt.
Zur dynamischen Reduktion rückkopplungsbedingter Oszillatio
nen sind eine Reihe von adaptiven Algorithmen vorgeschlagen
worden, die sich automatisch auf die jeweilige Feedbacksitua
tion einstellen und entsprechende Maßnahmen bewirken. Diese
Verfahren lassen sich grob in zwei Klassen einteilen:
Die erste Klasse umfasst die sogenannten Kompensations-Algo rithmen, die mit Hilfe adaptiver Filter den Feedbackanteil im Mikrofonsignal schätzen und durch Subtraktion neutralisieren und somit die Hörgeräteverstärkung nicht beeinträchtigen. Al lerdings setzen diese Kompensationsverfahren unkorrelierte, d. h. idealerweise "weiße", Eingangssignale voraus. Tonale Eingangssignale, die immer eine hohe zeitliche Korrelation aufweisen, führen zu einer fehlerhaften Schätzung des Feed backpfades, was dazu führen kann, dass irrtümlicherweise das tonale Eingangssignal selbst subtrahiert wird.
Die erste Klasse umfasst die sogenannten Kompensations-Algo rithmen, die mit Hilfe adaptiver Filter den Feedbackanteil im Mikrofonsignal schätzen und durch Subtraktion neutralisieren und somit die Hörgeräteverstärkung nicht beeinträchtigen. Al lerdings setzen diese Kompensationsverfahren unkorrelierte, d. h. idealerweise "weiße", Eingangssignale voraus. Tonale Eingangssignale, die immer eine hohe zeitliche Korrelation aufweisen, führen zu einer fehlerhaften Schätzung des Feed backpfades, was dazu führen kann, dass irrtümlicherweise das tonale Eingangssignal selbst subtrahiert wird.
Die zweite Klasse beinhaltet die Algorithmen, die erst dann
aktiv werden, wenn rückkopplungsbedingte Oszillationen vor
handen sind. Sie beinhalten im Allgemeinen einen Mechanismus
zur Detektion von Oszillationen, der das Mikrofonsignal kon
tinuierlich überwacht. Werden Feedback-typische Oszillationen
detektiert, wird die Hörgeräteverstärkung so weit reduziert,
dass die Schleifenverstärkung unter die kritische Grenze
sinkt. Die Verstärkungsreduktion kann z. B. durch Absenkung
eines Frequenzkanals oder durch Aktivierung eines geeigneten
schmalbandigen Sperrfilters (Notchfilter) erfolgen. Nachtei
lig dabei ist, dass die Oszillationsdetektoren prinzipiell
nicht zwischen tonalen Eingangssignalen und Feedbackpfeifen
unterscheiden können. Das Resultat ist, dass tonale Eingangs
signale für Feedbackoszillationen gehalten und dann unzuläs
sigerweise durch den Reduktionsmechanismus (z. B. Notchfilter)
im Pegel abgesenkt werden.
Bei den Kompensationsalgorithmen werden häufig dekorrelierend
wirkende Verzögerungsglieder in die Signalverarbeitungskette
eingebracht, um zu verhindern, dass tonale Signalabschnitte
mit einer für Sprachsignale charakteristischen Länge nicht
merklich angegriffen werden. Allerdings sind aufgrund von
Echoeffekten und Irritationen durch desynchronisierte visu
elle und auditive Informationen nur Verzögerungen im Millise
kundenbereich zulässig. Daher kann beispielsweise die Reduk
tion von Musiksignalen, die häufig über einen deutlich länge
ren Zeitraum korreliert sind, nicht vermieden werden. Eine
weitere Gegenmaßnahme besteht darin, die Adaption des Filters
so zu verlangsamen, dass alle relevanten tonalen Nutzsignale
nicht angegriffen werden. Allerdings hat dies auch zur Konse
quenz, dass das Kompensationsfilter rapiden Änderungen des
Feedbackpfades nicht mehr schnell genug folgen kann, so dass
für eine gewisse Zeit rückkopplungsbedingte Oszillationen
entstehen und erst dann wieder verschwinden, wenn sich der
Feedbackpfad stabilisiert hat und das Filter wieder ausrei
chend genug adaptiert ist. Den negativen Folgen der Fehlde
tektion von Oszillationsdetektoren begegnet man dadurch, dass
die resultierende Verstärkungsabsenkung nur im begrenzten
Maße stattfindet, so dass irrtümlich für rückkopplungsbe
dingte Oszillationen gehaltene tonale Nutzsignale (z. B.
Alarmsignale) noch hörbar bleiben. Dies birgt allerdings die
Gefahr, dass im Feedbackfall die Verstärkungsabsenkung nicht
ausreicht, um die kritische Grenze zu unterschreiten und da
mit das "Pfeifen" zu beseitigen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Funktions
weise sämtlicher adaptiver Feedbackreduktionsverfahren durch
Eingangssignale, die einen durch dominante Sinussignalanteile
geprägten tonalen Charakter aufweisen (z. B. Triangeltöne, A
larmsignale), beeinträchtigt werden. Dies führt häufig zu in
akzeptablen Klangverschlechterungen des Eingangssignals.
Aus DE 693 27 992 T2 ist eine Rückkopplungsunterdrückungsan
ordnung mit adaptiver Filterung für eine Hörprothese bekannt,
welche in einer speziellen Ausführungsform zwei Mikrofone
aufweist. Eine Detektion von Oszillationen wird nicht durch
geführt.
Aus der US 6,072,884 A ist eine Vorrichtung zum Unterdrücken
von Rückkopplungen bekannt, welche ebenfalls zwei Mikrofone
aufweist. Eine Detektion bzw. ein Vergleich von Oszillationen
wird nicht durchgeführt.
Aus der DE 199 22 133 A1 ist ein Hörhilfsgerät mit einem Os
zillationsdetektor bekannt. Dieses Gerät weist nur ein Mikro
fon auf, so dass ein Vergleich mehrerer Mikrofonsignale nicht
möglich ist.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren zum
Betrieb eines Hörhilfegerätes oder Hörgerätesystems sowie ein
Hörhilfegerät oder Hörgerätesystem anzugeben, bei denen rück
kopplungsbedingte Oszillationen vermieden werden, ohne dabei
die Klangqualität merklich zu verschlechtern.
Die Aufgabe für das Verfahren wird gelöst durch die im Patentanspruch 1 angegebenen Merkmale.
Vorteilhafte Verfahrensvarianten sind
in den Patentansprüchen 2 bis 8 gekennzeichnet. Der das Hör
hilfegerät oder Hörgerätesystem betreffende Teil der Aufgabe
wird gelöst durch die im Patentanspruch 9 angegebenen Merkmale. Vor
teilhafte Gerätevarianten sind in den Patentansprüchen 10 bis
16 angegeben.
Die Erfindung kann bei allen gängigen Hörhilfegeräte-Typen
angewendet werden, beispielsweise bei hinter dem Ohr tragba
ren Hörhilfegeräten, in dem Ohr tragbaren Hörhilfegeräten,
implantierbaren Hörhilfegeräten oder Taschengeräten. Weiter
hin kann zur Versorgung eines Schwerhörigen auch ein aus meh
reren Geräten bestehendes Hörgerätesystem eingesetzt werden,
z. B. ein Hörgerätesystem mit zwei am Kopf getragenen Hörgerä
ten zur binauralen Versorgung. Die Mikrofonsignale, die zum
Erkennen rückkopplungsbedingter Oszillationen analysiert wer
den, können dann auch von unterschiedlichen Geräten ausgehen.
Bei der Erfindung werden Mikrofonsignale wenigstens zweier
voneinander beabstandeter Mikrofone erzeugt. Dabei muss we
nigstens ein Mikrofon so angeordnet sein, dass es rückkopp
lungsbedingte Oszillationen eines Hörhilfegerätes nicht oder
allenfalls in stark abgeschwächter Form aufnimmt. Nutzsignale
sollen von den betreffenden Mikrofonen jedoch in ähnlicher
Weise aufgenommen werden. Durch Analyse und Vergleich der
Mikrofonsignale oder daraus abgeleiteter Signale ist eine Un
terscheidung zwischen rückkopplungsbedingten Oszillationen
und Nutzsignalen mit hoher Sicherheit möglich. Insbesondere
unterscheiden sich dann auch bei tonalen Nutzsignalen die von
den Mikrofonen erzeugten Mikrofonsignale kaum, so dass diese
als Nutzsignale erkannt werden. Im Unterschied hierzu werden
durch die Anordnung der Mikrofone rückkopplungsbedingte Sig
nale von den Mikrofonen stark unterschiedlich aufgenommen, so
dass diese aus dem Vergleich der Mikrofonsignale als rück
kopplungsbedingt erkannt und durch geeignete Maßnahmen redu
ziert werden können.
Der Abstand zwischen den Mikrofonen, deren Mikrofonsignale
miteinander verglichen werden, kann beispielsweise durch die
Anbringung eines Mikrofons an einem Kragenclip hergestellt
werden. Eine weitere Möglichkeit bildet ein Hörgerätesystem
mit zwei Hörhilfegeräten zur binauralen Versorgung. Der Ver
gleich kann dann zwischen einem Mikrofonsignal oder einem
daraus abgeleiteten Signal des einen Hörhilfegerätes mit ei
nem Mikrofonsignal oder einem daraus abgeleiteten Signal des
zweiten Hörhilfegerätes erfolgen. Nutzsignale werden dann von
den beiden Mikrofonen in etwa gleich aufgenommen und rück
kopplungsbedingte Oszillationen, die an einem Hörhilfegerät
entstehen, werden von dem anderen Hörhilfegerät nicht er
fasst. Zur Signalübertragung ist zwischen den Hörhilfegeräten
ein Signalpfad vorgesehen. Dabei kann die Signalübertragung
drahtlos oder drahtgebunden erfolgen. Um den zur Datenüber
tragung erforderlichen Energiebedarf möglichst gering zu hal
ten, ist es vorteilhaft, nicht direkt das Mikrofonsignal zu
übertragen, sondern ein daraus abgeleitetes Signal. Das abge
leitete Signal umfasst charakteristische Kenngrößen des Mik
rofonsignals, die zum Erkennen von Oszillationen relevant
sind. Beispielsweise sind dies die Oszillationsfrequenzen des
Mikrofonsignals und die Signalstärke bei den jeweiligen Os
zillationsfrequenzen.
Treten in beiden Hörhilfegeräten eines Hörgerätesystems
gleichzeitig Rückkopplungen auf, so werden sich diese dennoch
unterscheiden. Die Unterschiede können einerseits durch un
terschiedliche Verstärkungseinstellungen und Frequenzgänge
der Hörhilfegeräte, bedingt durch eine meist unterschiedliche
Ausprägung der Hörschäden an den beiden Ohren, verursacht
werden. Andererseits verursachen individuelle Varianzen der
Rückkopplungspfade der Ohren, z. B. durch unterschiedlichen
Sitz der Hörgeräte, unterschiedliche Oszillationen. Weiterhin
werden auch Gerätetoleranzen dazu beitragen, dass sich in
zwei unterschiedlichen Hörhilfegeräten gleichzeitig auftre
tende rückkopplungsbedingte Oszillationen unterscheiden. Dies
bedeutet also, dass mit großer Wahrscheinlichkeit rückkopp
lungsbedingte Oszillationen bei den einzelnen Hörhilfegeräten
bei unterschiedlichen Frequenzen auftreten. Ein tonales Nutz
signal, z. B. ein Sinussignal, erscheint dagegen auf beiden
Seiten bei derselben Frequenz. Wird also auf einer Seite eine
Oszillation detektiert, so handelt es sich nur dann um ein
Rückkopplungssignal, wenn aus dem Mikrofonsignal des anderen
Hörhilfegerätes keine Oszillation bei dieser Frequenz detek
tiert wird. Lässt sich dagegen auf beiden Hörhilfegeräten
eine Oszillation bei derselben Frequenz feststellen, so han
delt es sich mit großer Sicherheit um ein sinusförmiges Ein
gangssignal.
Zum Vergleich der Mikrofonsignale zweier beabstandeter Mikro
fone zum Erkennen rückkopplungsbedingter Oszillationen wird
bei einer Variante der Erfindung eine Korrelationsanalyse
vorgenommen. Unterschiedliche Frequenzen rückkopplungsbeding
ter Oszillationen in zwei Mikrofonsignalen bedeuten, dass zum
Oszillationssignal des einen Mikrofons keine wesentlichen
korrelierten Signalanteile in dem jeweils anderen Mikrofon
signal existieren. Im Rückkopplungsfall sind damit beide Mik
rofonsignale nur wenig korreliert. Im Unterschied hierzu ergibt
sich im Fall eines tonalen Nutzsignals eine hohe Korre
lation. Dies gilt nicht nur für tonale Signale, sondern jedes
von einer Nutzschallquelle kommende Signal fällt mit einem
hohen Kreuzkorrelationswert in zwei voneinander beabstandete
Hörgerätemikrofone ein.
Wurden aus dem Vergleich von Mikrofonsignalen oder aus diesen
abgeleiteter Signale rückkopplungsbedingte Oszillationen er
kannt, so bildet die Reduzierung der Hörgeräteverstärkung
eine Möglichkeit, diese zu unterdrücken. Erfolgt die Signal
verarbeitung in einem Hörhilfegerät in mehreren parallelen
Kanälen einer Signalverarbeitungseinheit, so kann gemäß einer
Variante der Erfindung die Hörgeräteverstärkung lediglich in
den Frequenzkanälen reduziert werden, in denen rückkopplungs
bedingte Oszillationen vorhanden sind.
Eine weitere Möglichkeit zur Reduzierung rückkopplungsbeding
ter Oszillationen bildet die Erfindung darin, diese mittels
schmalbandiger Filter, deren Grenzfrequenzen in etwa mit den
Oszillationsfrequenzen übereinstimmen, zu beseitigen. Die
Filter können z. B. als Notchfilter ausgeführt sein. Reicht
ein Notchfilter nicht aus, so werden bei erneuter Detektion
von Oszillationen weitere Notchfilter bei der jeweiligen Fre
quenz aktiviert.
Wird bei einem Hörhilfegerät ein adaptives Filter zur Redu
zierung rückkopplunsbedingter Oszillationen verwendet, so
wird gemäß einer Variante der Erfindung bei erkannten rück
kopplungsbedingten Oszillationen das adaptive Kompensations
filter angepasst. Beispielsweise können die Betriebsparameter
des Filters derart geändert werden, dass eine Erhöhung der
Adaptionsgeschwindigkeit erfolgt. Umgekehrt wird die Adapti
onsgeschwindigkeit des adaptiven Kompensationsfilters redu
ziert, wenn keine rückkopplungsbedingten Oszillationen detek
tiert werden. Dieses Prinzip lässt sich analog auch auf fre
quenzbereichsbasierte Kompensationsfilter anwenden. Sowohl
die Korrelationsanalyse zum Erkennen rückkopplungsbedingter
Oszillationen als auch die Regelung der Adaptionsgeschwindig
keit können vorteilhaft frequenzspezifisch erfolgen.
Erkennt ein Hörhilfegerät gemäß der Erfindung rückkopplungs
bedingte Oszillationen anhand einer Korrelationsanalyse we
nigstens zweier Mikrofonsignale (Kreuzkorrelation), so be
steht eine weitere Möglichkeit zur Reduzierung dieser Oszil
lationen darin, unkorrelierte Freuenzanteile der Mikrofonsig
nale zu unterdrücken. Es werden dann nur die Signalanteile
weiter verarbeitet, die im Wesentlichen in allen Mikrofonsig
nalen gleichermaßen vorhanden sind.
Weitere Einzelheiten der Erfindung werden nachfolgend anhand
der in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiele näher
erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 schematisch ein Hörhilfegerät, bei dem durch Ver
gleich zweier Mikrofonsignale rückkopplungsbedingte Oszilla
tionen erkannt werden, und
Fig. 2 zwei Hörhilfegeräte, zwischen denen zum Erkennen
rückkopplungsbedingter Oszillationen ein Signalaustausch vor
gesehen ist.
Das in Fig. 1 schematisch dargestellte Hörhilfegerät umfasst
ein Mikrofon 1, eine Signalverarbeitungseinheit 2 sowie einen
Hörer 3. Gelangt Schall, der über den Hörer 3 ausgegeben
wird, wieder zum Mikrofon 1, so können rückkopplungsbedingte
Oszillationen (Feedback) entstehen. Bedingungen hierfür sind,
dass die sogenannte Schleifenverstärkung des Systems, d. h.
das Produkt aus der Hörgeräteverstärkung und der Abschwächung
des Rückkopplungspfades, größer als 1 ist und dass die Pha
senverschiebung dieser Schleifenverstärkung einem ganzzahli
gen Vielfachen von 360° entspricht. Bei dem Hörhilfegerät ge
mäß Fig. 1 ist einer Auswerte- und Steuereinheit 5 neben dem
Mikrofonsignal des Mikrofons 1 ein weiteres Mikrofonsignal
von einem Mikrofon 4 zugeführt. Die beiden Mikrofone 1 und 4
sind so angeordnet, dass Nutzschall von beiden Mikrofonen in
etwa gleichermaßen aufgenommen wird. Von dem Hörer 3 ausge
hender Schall kann jedoch nicht oder allenfalls stark abge
schwächt zum Mikrofon 4 gelangen. Hierzu ist das Mikrofon 4
beispielsweise an einem Kragenclip außerhalb des Gehäuses, in
dem das Mikrofon 1 angeordnet ist, angebracht. In der Aus
werte- und Steuereinheit 5 werden die von den Mikrofonen aus
gehenden Mikrofonsignale analysiert und miteinander vergli
chen. Beispielsweise können durch Autokorrelationsanalysen
Oszillationen in den einzelnen Mikrofonsignalen detektiert
werden. Sind in beiden Mikrofonsignalen Oszillationen vorhan
den, so werden deren Frequenzen bestimmt und miteinander ver
glichen. Bei Oszillationen, die in beiden Mikrofonsignalen
gleichermaßen vorhanden sind, handelt es sich mit großer Si
cherheit um tonale Eingangssignale. Bei Oszillationen, die
nur in einem Mikrofonsignal, insbesondere in dem von Mikrofon
1 ausgehenden Mikrofonsignal, vorhanden sind, handelt es sich
mit großer Wahrscheinlichkeit um rückkopplungsbedingte Oszil
lationen. Zu deren Beseitigung erfolgt eine Anpassung der
Signalverarbeitungseinheit 2 mittels der Auswerte- und Steu
ereinheit 5. So können z. B. zum Herausfiltern der Oszillati
onsfrequenzen in der Signalverarbeitungseinheit 2 schmalban
dige Notchfilter aktiviert und angepasst werden.
Wie in Fig. 1 gezeigt ist, können die Mikrofonsignale der
Mikrofone 1 und 4 auch zunächst je einer Signalvorverarbei
tungseinheit 6 und 7 zugeführt sein. Die Signalvorverarbei
tung kann dabei beispielsweise eine A/D-Wandlung oder eine
Signalvorverstärkung umfassen.
Fig. 2 zeigt zwei Hörhilfegeräte 11 und 11' mit je einem
Mikrofon 12 bzw. 12', einer Signalverarbeitungseinheit 13
bzw. 13' und einem Hörer 14 bzw. 14'. Je ein Oszillationsde
tektor 15 bzw. 15' überwacht das Mikrofonsignal kontinuier
lich auf Oszillationen und bestimmt bei detektierten Oszilla
tionen die Oszillationsfrequenzen. Zwischen den Hörhilfegerä
ten 11 und 11' existiert ein Signalpfad 17 zum Signalaustausch
zwischen den Hörhilfegeräten, der drahtlos oder draht
gebunden erfolgen kann. So erfolgt gemäß der Erfindung über
den Signalpfad 17 ein Austausch der detektierten Oszillati
onsfrequenzen. In den Vergleichseinheiten 16 bzw. 16' werden
die Oszillationsfrequenzen des betreffenden Hörhilfegerätes
mit den Oszillationsfrequenzen des jeweils anderen Hörhilfe
gerätes verglichen. Bei übereinstimmenden Oszillationsfre
quenzen handelt es sich mit großer Sicherheit nicht um rück
kopplungsbedingte Oszillationen, sondern das Nutzsignal hat
bei diesen Frequenzen einen stark tonalen Charakter. Wird da
gegen in einem Hörhilfegerät eine Oszillation bei einer be
stimmten Frequenz detektiert, bei der keine Oszillation in
dem jeweils anderen Hörhilfegerät gemeldet wird, so handelt
es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine rückkopplungs
bedingte Oszillation. Die Oszillationsfrequenz wird dann an
die Steuereinheit 18 bzw. 18' weitergegeben. Diese Steuerein
heit berechnet und aktiviert das zur vorliegenden Oszillati
onsfrequenz passende Notchfilter N1 bzw. N1', das dann ge
zielt bei der Frequenz, bei der die Oszillation detektiert
worden ist, die Verstärkung reduziert. Die Schleifenverstär
kung sinkt dadurch für einen schmalbandigen Frequenzbereich
unter die kritische Grenze und die rückkopplungsbedingte Os
zillation verschwindet. Da sehr schmalbandige Notchfilter
verwendet werden können, beschränkt sich die Wirkung auf ei
nen engen Frequenzbereich, so dass nennenswerte Verstärkungs
verluste oder Klangeinbußen vermieden werden. Reicht ein
Notchfilter nicht aus, so können bei erneuter Detektion von
Oszillationen weitere Notchfilter N2 bis NN bzw. N2' bis NN'
an den jeweiligen Frequenzen aktiviert werden.
Die Erfindung ist nicht auf die dargestellten Ausführungsbei
spiele beschränkt, sondern um eine Vielzahl an Varianten er
weiterbar. Beispielsweise können zum Erkennen rückkopplungs
bedingter Oszillationen auch mehr als zwei Mikrofonsignale
miteinander verglichen werden. Weiterhin kann die Signalver
arbeitung bei einem Hörhilfegerät gemäß der Erfindung paral
lel in mehreren Kanälen der Signalverarbeitungseinheit erfolgen.
Der Vergleich von Mikrofonsignalen bzw. die Korrelati
onsanalyse kann dann ebenfalls parallel in mehreren Kanälen
erfolgen. Maßnahmen zur Reduzierung erkannter rückkopplungs
bedingter Oszillationen sind dann vorteilhaft nur auf die
betreffenden Kanäle beschränkt. Darüber hinaus kann der Ver
gleich bzw. die Korrelationsanalyse von Mikrofonsignalen kon
tinuierlich oder in Abhängigkeit bestimmter Parameter (z. B.
des eingestellten Hörprogrammes oder der Lautstärkeneinstel
lung) nur zeitweilig erfolgen.
Claims (16)
1. Verfahren zum Betrieb eines Hörhilfegerätes oder Hörgerä
tesystems (11, 11') mit wenigstens einem ersten Mikrofon (1;
12) zum Erzeugen eines ersten Mikrofonsignals und einem davon
beabstandeten zweiten Mikrofon (4; 12') zum Erzeugen eines
zweiten Mikrofonsignals, dadurch gekenn
zeichnet, dass durch Vergleich der Mikrofonsignale
oder daraus abgeleiteter Signale rückkopplungsbedingte Oszil
lationen erkannt werden und bei erkannten rückkopplungsbe
dingten Oszillationen Maßnahmen zur Reduzierung der rückkopp
lungsbedingten Oszillationen durchgeführt werden.
2. Verfahren zum Betrieb eines Hörhilfegerätes oder Hörgerä
tesystems nach Anspruch 1, dadurch gekenn
zeichnet, dass beide Mikrofonsignale auf das Vor
handensein von Oszillationen untersucht werden und eine rück
kopplungsbedingte Oszillation bei einer Oszillationsfrequenz
festgestellt wird, bei der nur in einem der beiden Mikrofon
signale eine Oszillation vorhanden ist.
3. Verfahren zum Betrieb eines Hörhilfegerätes oder Hörgerä
tesystems nach Anspruch 1 oder 2, dadurch ge
kennzeichnet, dass die Mikrofonsignale einer
Korrelationsanalyse unterzogen werden und rück
kopplungsbedingte Oszillationen bei den Frequenzen erkannt
werden, bei denen zu einer Oszillation in einem Mikrofonsig
nal keine korrelierten Signalanteile in einem anderen Mikro
fonsignal vorhanden sind.
4. Verfahren zum Betrieb eines Hörhilfegerätes oder Hörgerä
tesystems nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch
gekennzeichnet, dass bei erkannten rückkopp
lungsbedingten Oszillationen die Hörgeräteverstärkung redu
ziert wird.
5. Verfahren zum Betrieb eines Hörhilfegerätes oder Hörgerä
tesystems nach Anspruch 4, wobei die Signalverarbeitung in
mehreren parallelen Kanälen einer Signalverarbeitungseinheit
(2; 13, 13') erfolgt, dadurch gekenn
zeichnet, dass bei erkannten rückkopplungsbeding
ten Oszillationen die Hörgeräteverstärkung des Kanals redu
ziert wird, in dem die Oszillationsfrequenz liegt.
6. Verfahren zum Betrieb eines Hörhilfegerätes oder Hörgerä
tesystems nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch
gekennzeichnet, dass erkannte rückkopplungs
bedingte Oszillationen durch Aktivieren und/oder Anpassen von
Filtern (N1, N2, NN, N1', N2', NN') reduziert werden.
7. Verfahren zum Betrieb eines Hörhilfegerätes oder Hörgerä
tesystems nach einem der Ansprüche 1 bis 6 mit einem adapti
ven Kompensationsfilter zur Reduzierung rückkopplungsbeding
ter Oszillationen, dadurch gekenn
zeichnet, dass bei erkannten rückkopplungsbeding
ten Oszillationen das adaptive Kompensationsfilter angepasst
wird.
8. Verfahren zum Betrieb eines Hörhilfegerätes oder Hörgerä
tesystems nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch
gekennzeichnet, dass zur Unterdrückung rück
kopplungsbedingter Oszillationen unkorrelierte Frequenzan
teile der Mikrofonsignale reduziert werden.
9. Hörhilfegerät oder Hörgerätesystem (11, 11') mit wenigs
tens einem ersten Mikrofon (1; 12) zum Erzeugen eines ersten
Mikrofonsignals, einem davon beabstandeten zweiten Mikrofon
(4; 12') zum Erzeugen eines zweiten Mikrofonsignals und einer
Signalverarbeitungseinheit (2; 13, 13'), dadurch
gekennzeichnet, dass das Hörhilfegerät oder
Hörgerätesystem (11, 11') Mittel zum Vergleich der Mikrofon
signale oder daraus abgeleiteter Signale zum Erkennen rückkopplungsbedingter
Oszillationen sowie Mittel zum Reduzieren
erkannter rückkopplungsbedingter Oszillationen umfasst.
10. Hörhilfegerät oder Hörgerätesystem nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, dass das
Hörhilfegerät oder Hörgerätesystem (11, 11') Mittel zum Er
kennen einer Oszillation und zur Bestimmung der Oszillati
onsfrequenz in dem ersten Mikrofonsignal, Mittel zum Erkennen
einer Oszillation und zur Bestimmung der Oszillationsfrequenz
in dem zweiten Mikrofonsignal sowie Mittel zum Vergleich der
in den beiden Mikrofonsignalen bestimmten Oszillationsfre
quenzen aufweist.
11. Hörhilfegerät oder Hörgerätesystem nach Anspruch 9 oder
10, gekennzeichnet durch Mittel zur
Durchführung einer Korrelationsanalyse der Mikrofonsignale.
12. Hörhilfegerät oder Hörgerätesystem nach einem der Ansprü
che 9 bis 11, gekennzeichnet durch
Mittel zur Reduzierung der Hörgeräteverstärkung.
13. Hörhilfegerät oder Hörgerätesystem nach einem der Ansprü
che 9 bis 12, bei dem die Signalverarbeitung in mehreren pa
rallelen Kanälen der Signalverarbeitungseinheit (2; 13, 13')
erfolgt, gekennzeichnet durch
Mittel zur Reduzierung der Hörgeräteverstärkung in einem Ka
nal.
14. Hörhilfegerät oder Hörgerätesystem nach einem der Ansprü
che 9 bis 13, gekennzeichnet durch
adaptive Filtermittel mit einstellbaren Betriebsparametern
zum Reduzieren erkannter rückkopplungsbedingter Oszillatio
nen.
15. Hörgerätesystem nach einem der Ansprüche 9 bis 14 mit we
nigstens einem ersten Hörhilfegerät und einem zweiten Hörhil
fegerät, dadurch gekennzeichnet,
dass das erste Mikrofon (12) zum Erzeugen des ersten Mikro
fonsignals in dem ersten Hörhilfegerät (11) und das zweite
Mikrofon (12') zum Erzeugen des zweiten Mikrofonsignals in
dem zweiten Hörhilfegerät (11') angeordnet ist.
16. Hörgerätesystem nach Anspruch 15, gekenn
zeichnet durch einen drahtlosen Signalpfad
(17) zur Übertragung der Mikrofonsignale oder daraus abgelei
teter Signale zwischen den Hörhilfegeräten (11, 11').
Priority Applications (6)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE10110258A DE10110258C1 (de) | 2001-03-02 | 2001-03-02 | Verfahren zum Betrieb eines Hörhilfegerätes oder Hörgerätesystems sowie Hörhilfegerät oder Hörgerätesystem |
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