-
Die
Erfindung betrifft eine Vorrichtung, die zur Deposition von biologischem
Material in einem Substratmaterial eingerichtet ist, insbesondere
eine Depositionsvorrichtung, die zur Einbettung von biologischen
Zellen oder Zellbestandteilen in dem Substratmaterial eingerichtet
ist. Des weiteren betrifft die Erfindung Verfahren und Anwendungen
der Deposition von biologischem Material in einem Substratmaterial.
-
Aus
der Praxis biologischer oder medizinischer Verfahren ist allgemein
bekannt, biologische Zellen aus einer Zellkultur oder einem Spenderorganismus
zu einem Substrat zu übertragen. Auf dem Substrat werden
die Zellen zum Beispiel einem Test oder einer weiteren Kultivierung
unterzogen. Das Substrat, zu dem die Zellen übertragen
werden, kann ein Teil eines Laborgerätes, wie zum Beispiel
ein Kulturgefäß, oder ein biologisches Material,
wie zum Beispiel eine Zellkultur oder ein Gewebe in einem biologischen
Organismus umfassen. Während für die Deposition
biologischer Zellen auf festen Substratoberflächen zahlreiche
Techniken (z. B. Dispensiertechniken, Picking-Spotting-Techniken
usw.) verfügbar sind, ist die Technik der gezielten und
reproduzierbaren Deposition von Zellen oder Zellbestandteilen in
biologischem Material nur ungenügend entwickelt.
-
Zur
Einbettung von Zellen im Gewebe eines Organismus zum Beispiel für
medizinische Zwecke wird bisher eine Suspension der Zellen direkt
in das betreffende Gewebe eingespritzt oder in die Blutbahn des
Organismus injiziert. Das Einspritzen von Zellen in Gewebe, z. B.
Herzmuskelgewebe hat den Nachteil, dass beim Einspritzen das dichte
Material des Gewebes verdrängt werden muss, wobei hohe
mechanische Belastungen der suspendierten Zellen auftreten. Des
weiteren ist von Nachteil, dass beim Einspritzen meist erhebliche
Flüssigvolumenanteile in das Gewebe eingebracht werden,
die unerwünscht sind oder eine Störung im Gewebe
darstellen. Schließlich ergibt das Einspritzen undefinierte
Depositionen, da die Verteilung der Zellen im Gewebe kaum beeinflusst
werden kann. Die Injektion der Zellen in die Blutbahn ermöglicht
zwar einen schonenden Transfer in den Organismus. Das Problem der geometrisch
undefinierten Deposition vergrößert sich jedoch
noch. In der Blutbahn kann es durch eine Verdriftung der Zellen
in Teile des Organismus außerhalb des Zielgewebes zu unerwünschten
Nebenwirkungen, bis hin zur Tumorbildung kommen.
-
Bei
der Injektion von Stammzellen oder Vorläuferzellen in eine
Zellkultur oder einen biologischen Organismus sind zusätzliche
Anforderungen gegeben, die mit dem herkömmlichen Verfahren
nur ungenügend erfüllt werden. Stammzellen stellen
extrem sensible Zelltypen dar, deren Zustand und Differenzierungspotenzial
durch mechanische und biochemische Umgebungsbedingungen und insbesondere Oberflächenkontakte
beeinflusst werden. Eine wirkungsvolle Therapie mit Stammzellen,
die beispielsweise im Zielgewebe in einen bestimmten Zelltyp differenzieren
sollen, erfordert einen schonenden Transfer und eine reproduzierbare
Deposition im Zielgewebe. Eine örtlich reproduzierbare
Deposition erfordert nicht nur die Ablage der Zellen im gewünschten
Zielgewebe, sondern auch die genaue Einstellung der Zahl, Tiefenposition
und/oder gegenseitigen Abstände der eingebetteten Zellen
im Zielgewebe.
-
In
WO 2004/074426 wird
ein Verfahren zur schonenden Übertragung biologischer Zellen
in biologisches Gewebe unter Verwendung eines verletzungsfrei verdrängenden
Transferwerkzeugs beschrieben. Diese Technik kann in der Praxis
nachteilig sein, wenn große Zellzahlen übertragen
werden sollen. Beispielsweise kann in der regenerativen Medizin
die Aufgabe bestehen, 10
6 bis 10
8 Zellen und entsprechend ein Suspensionsvolumen
von einigen Millilitern in ein Gewebe einzubringen. Da die Positionierung
des Transferwerkzeugs extrem zeitaufwändig ist, kann die
in
WO 2004/074426 beschriebene Technik
für eine routinemäßige Deposition derart
großer Zellzahlen ungeeignet sein.
-
Die
genannten Probleme treten nicht nur bei der Deposition von Stammzellen,
sondern auch bei der Einführung von anderen Zelltypen,
Zellbestandteilen oder Wirkstoffen auf, wenn ein verlustfreier, schonender
Transfer unter vorgebbaren geometrischen oder quantitativen Bedingungen
erforderlich ist. Beispielsweise stellt die gezielte Deposition
von Wirkstoffen, wie zum Beispiel Differenzierungs- oder Wachstumsfaktoren
im Gewebe ein bisher ungelöstes Problem dar. Des weiteren
bestehen die genannten Probleme nicht nur bei der Deposition biologischen
Materials in einem Organismus, sondern auch bei der Einbettung von
biologischem Material in biologische oder nicht-biologische Substratmaterialien außerhalb
eines Organismus, wie zum Beispiel in eine Zellkultur.
-
Die
Aufgabe der Erfindung ist es, eine verbesserte Depositionsvorrichtung
bereitzustellen, die zur Deposition biologischen Materials in ein
Zielsubstrat eingerichtet ist und mit der Nachteile herkömmlicher
Depositionstechniken überwunden werden. Die Aufgabe der
Erfindung ist es des weiteren, ein verbessertes Verfahren zur Deposition
biologischen Materials in einem Zielsubstrat bereitzustellen, mit dem
Nachteile der herkömmlichen Techniken überwunden
werden.
-
Diese
Aufgaben werden durch eine Depositionsvorrichtung, eine Injektorpatrone
und ein Verfahren zur Deposition biologischen Materials mit den Merkmalen
der unabhängigen Ansprüche gelöst. Vorteilhafte
Ausführungsformen und Anwendungen der Erfindung ergeben
sich aus den abhängigen Ansprüchen.
-
Gemäß einem
ersten Gesichtspunkt basiert die Erfindung auf der allgemeinen technischen
Lehre, eine Depositionsvorrichtung bereitzustellen, die zur Deposition
von biologischem Material in einem Zielsubstrat eingerichtet ist
und eine Antriebseinrichtung aufweist, mit der das biologische Material
durch Ausübung einer Antriebskraft in das Zielsubstrat
eingeführt werden kann. Die Depositionsvorrichtung ist mit
einer Ladeeinrichtung ausgestattet, die zur Bereitstellung des biologischen
Materials an der Antriebseinrichtung eingerichtet ist. Im Unterschied
zu herkömmlichen Techniken zur Übertragung biologischen
Materials ist die Antriebseinrichtung so gebildet, dass das biologische
Material in einem gefrorenen Zustand beschleunigt wird und zumindest
ein Teil des biologischen Materials unter der Wirkung der Antriebskraft
auf das biologische Material in das Zielsubstrat eingebettet wird.
-
Gemäß einem
zweiten Gesichtspunkt basiert die Erfindung auf der allgemeinen
technischen Lehre, ein Verfahren zur Deposition biologischen Materials
in einem Zielsubstrat bereitzustellen, bei dem das biologische Material
unter der Wirkung einer Antriebskraft in einem gefrorenen Zustand
in das Zielsubstrat eingeführt wird.
-
Die
Erfinder haben festgestellt, dass die Probleme der herkömmlichen
Techniken effektiv gelöst werden können, indem
das biologische Material im gefrorenen Zustand mit einer derart
hohen Geschwindigkeit zu dem Zielsubstrat bewegt wird, dass ausschließlich
das gefrorene biologische Material unmittelbar in das Material des
Zielsubstrats eindringt. Der Weg des biologischen Materials wird
durch Verdrängung im Zielsubstrat gebildet. Das biologische Material
im gefrorenen Zustand ist ein festes Material, das mindestens einen
festen Partikel umfasst. Der feste Zustand ermöglicht eine
schonende Einbettung des biologischen Materials in das Zielsubstrat.
Des weiteren wird durch den festen Zustand sichergestellt, dass
während der Bewegung des biologischen Materials zum Zielsubstrat
und während des Eindringens des biologischen Materials
in das Zielsubstrat die Masse und Form des biologischen Materials
unverändert bleibt. Vorteilhafterweise können
somit der Depositionsort und die Depositionsmenge durch die Einstellung
der Antriebskraft (insbesondere Richtung und/oder Betrag der Antriebskraft)
reproduzierbar eingestellt werden. Das biologische Material kann
erfindungsgemäß verkapselüngsfrei in
das Zielsubstrat eingeführt werden. Vorteilhafterweise
ermöglicht die Erfindung somit eine rückstandsfreie
Einbettung des biologischen Materials im Zielsubstrat. Ein wesentlicher
Vorteil der Erfindung wird erreicht, wenn das biologische Material
mindestens eine biologische Zelle enthält. Biologische
Zellen sind im gefrorenen Zustand nicht aktiv und nicht gegenüber
Umgebungseinflüssen sensitiv. Entsprechend können
sie beim Durchgang durch das Gewebe bei der Einbettung keine biochemischen
Signale aufnehmen. Vorteilhafterweise wird das biologische Material
unverändert eingebettet, d. h. der biochemische Zustand
des biologischen Materials vor der erfindungsgemäßen
Einbettung ist identisch mit dem biochemischen Zustand des biologischen
Materials bei oder unmittelbar nach der Deposition im Zielsubstrat.
Dieser Vorteil ist bei der Deposition von Stammzellen besonders
wichtig. Stammzellen zeichnen sich dadurch aus, dass bei Oberflächenberührungen
Signalkaskaden ausgelöst werden können, die den
Zellzustand und schließlich eine Differenzierung der Stammzelle
bestimmen. Während bei den herkömmlichen Techniken,
bei denen lebende, nicht- gefrorene Zellen in Gewebe eingeführt
werden, die Zellen vielen biochemischen Signalen ausgesetzt sind,
die unerwünscht oder zumindest unkontrollierbar sind, werden
beim erfindungsgemäßen Verfahren biochemische
Signale während der Einbettung vermieden. Erst nach dem
Auftauen im Zielsubstrat können Kontakte der eingebetteten Stammzelle
mit der Umgebung, z. B. mit biologischen Zellen in einem Gewebe
erfolgen und eine gewünschte Entwicklung der Stammzelle
auslösen.
-
Die
mit der Antriebseinrichtung ausgeübte Antriebskraft wird
in Abhängigkeit von der konkreten Anwendung der Erfindung
so gewählt, dass das biologische Material eine ausreichend
hohe Geschwindigkeit erhält, um im Zielsubstrat in die
Oberfläche und/oder in die gewünschte Tiefe einzudringen.
Die Geschwindigkeit wird so gewählt, dass das biologische
Material eine kinetische Energie erhält, die gleich der
Verdrängungsarbeit ist, welche das biologische Material
bis zum Erreichen der gewünschten Tiefe im Zielsubstrat
verrichtet. Die erforderliche Verdrängungsarbeit ist vom
Material des Zielsubstrats, z. B. von der Art des biologischen Gewebes
abhängig und kann beispielsweise durch einfache Testreihen ermittelt
werden. Vorzugsweise wird das gefrorene biologische Material auf
eine Geschwindigkeit beschleunigt, die mindestens 0,5 m/s, besonders
bevorzugt mindestens 2 m/s beträgt. Die Geschwindigkeit
wird z. B. mit der Geschwindigkeit eines Druckfluids und/oder eines
Kühlmediums eingestellt, mit dem das biologische Material
in der Antriebseinrichtung beaufschlagt wird.
-
Weitere
Vorteile der Erfindung bestehen darin, dass vorbestimmte Zahlen
biologischer Zellen im Zielsubstrat deponierbar sind. Dabei können
das deponierte Volumen und/oder die Belastung (Stress durch Scherkräfte)
während der Deposition minimiert werden. Die Deposition
des biologischen Materials kann mit einer örtlichen Auflösung
im Sub-Millimeterbereich in lateraler und/oder transversaler Richtung realisiert
werden. Ohne Einschränkung der örtlichen Depositionsgenauigkeit
kann die Depositionsvorrichtung (oder zumindest ein Teil von dieser)
relativ zum Zielsubstrat im Millimeter- oder sogar im Zentimeter-Bereich
Verfahren werden, um das biologische Material in einem relativ großen
Zielsubstrat einzubetten. Ein weiterer Vorteil besteht in der hohen
Depositionsgeschwindigkeit. Die Einbettung einer Vielzahl biologischer
Zellen in ein Zielsubstrat kann innerhalb weniger Sekunden oder
Minuten erfolgen, was insbesondere für in vitro-Anwendungen
der erfindungsgemäßen Deposition von Vorteil ist.
-
Das
eingebettete biologische Material bildet mit dem umgebenden Zielsubstrat
einen Materialschluss, d. h. das eingebettete biologische Material wird
im eingebetteten Zustand allseitig vom Material des Zielsubstrats
berührt. Vorteilhafterweise ermöglicht dies ein
schnelles Auftauen nach der Deposition und einen schnellen Abtransport
von einem ggf. im biologischen Material enthaltenen Kryoprotektivum bereits
beim Auftauen.
-
Mit
dem Begriff „biologisches Material" wird hier jedes Material
bezeichnet, das mindestens eine biologische Zelle, mindestens eine
Zellgruppe, mindestens ein Zellbestandteil, mindestens ein biologisches
Makromolekül, wie zum Beispiel Enzyme, Proteine, Aminosäuren,
DNS oder RNS, mindestens einen Wirkstoff (biologisch oder medizinisch
wirksame Zusatzsubstanz) und/oder mindestens einen biokompatiblen
Zusatzstoff, wie zum Beispiel einen Füllstoff, eine Suspensionsflüssigkeit,
oder ein Kultivierungsmedium, enthält. Das biologische
Material hat bei Raumtemperatur oder einer Kultivierungstemperatur (oberhalb
0°C) einen flüssigen, fließfähigen
oder deformierbaren Zustand. Besonders bevorzugt sind Ausführungsformen
der Erfindung, bei denen das biologische Material min destens eine
biologische Zelle enthält, da sich bei dieser die Vorteile
der schonenden Einbettung im gefrorenen Zustand besonders ausprägen.
Im biologischen Material ist insbesondere mindestens einer der Zelltypen
enthalten, die Stammzellen, Vorläuferzellen, differenzierte
Zellen, Tumor-beeinflussende Zellen, Nervenzellen, Muskelzellen,
insbesondere Herzmuskelzellen, Knorpelzellen, Knochenzellen, Inselzellen,
Drüsenzellen, Endothelzellen und Epithelzellen umfassen.
Die mindestens eine biologische Zelle bildet vorteilhafterweise mit
der Zusatzsubstanz eine Zusammensetzung, in der die Zelle oder Zellgruppe
von der Zusatzsubstanz oder umgekehrt die Zusatzsubstanz von einer
Zellgruppe umhüllt ist.
-
Im
gefrorenen Zustand bildet das biologische Material mindestens einen
festen Partikel mit einer typischen Querschnittsdimension, die vorzugsweise kleiner
als 1 mm, besonders bevorzugt kleiner als 500 μm, insbesondere
kleiner 100 μm, wie zum Beispiel 20 μm oder 10 μm
oder kleiner ist. Typischerweise ist die Masse der Partikel im Bereich
von 0,1 ng bis 10 μg gewählt. Die geringe Partikelgröße
ergibt den zusätzlichen Vorteil einer minimalen Verwundung
des Zielsubstrats bei der Einführung des biologischen Materials.
Im Zielsubstrat werden minimale, bei Verwendung eines deformierbaren
Substratmaterials reversibel sich verschließende Einschusskanäle
gebildet, die sich nach der Einbettung ohne Hinterlassung einer
störenden Wunde verschließen. Der im biologischen
Material optional enthaltene biokompatible Zusatzstoff kann eine
bei Raumtemperatur feste, flüssige oder gasförmige Substanz
enthalten. Das biologische Material kann beispielsweise in ein inertes
Gas, z. B. CO2, eingebettet sein, das im
gefrorenen Zustand des biologischen Materials fest ist und nach
der Einbettung in das Zielsubstrat rückstandslos in die
Gasphase übergeht.
-
Optional
kann das biologische Material zusätzlich ein bei Raumtemperatur
festes Trägermaterial enthalten. Das Trägermaterial
umfasst z. B. ein Substratmaterial, mit dem das biologische Material durch
ein vorhergehendes Kryokonservierungsverfahren verbunden ist.
-
Mit
dem Begriff „Zielsubstrat" wird hier jede Materialzusammensetzung
natürlichen oder synthetischen Ursprungs bezeichnet, die
zur Einbettung des biologischen Materials eingerichtet ist. Das
Zielsubstrat umfasst insbesondere biologische Zellen, z. B. als
Teil eines menschlichen oder tierischen Organismus, als Teil einer
Pflanze, als Zellgruppe außerhalb des Organismus oder der
Pflanze oder als Zellkultur. Alternativ oder zusätzlich
kann das Zielsubstrat ein festes, deformierbares Substratmaterial,
insbesondere ein Kultivierungsgel, wie zum Beispiel Agar-Gel, oder
eine zähflüssige Kultivierungsflüssigkeit
umfassen.
-
Mit
dem Begriff „Deposition" des biologischen Materials in
dem Zielsubstrat wird die Einbettung oder Einführung des
biologischen Materials in das Material des Zielsubstrats bezeichnet.
Die Deposition umfasst eine vollständige Einbettung, bei
der das biologische Material allseitig vom Material des Zielsubstrats
umgeben ist, oder eine teilweise Einbettung, bei der das biologische
Material hin zu zumindest einer Seite in die Oberfläche
des Zielsubstrats eingebettet ist. Die Einführung des biologischen Materials
wird auch als Schießen des mindestens einen festen Partikels
des biologischen Materials in das Zielsubstrat bezeichnet. Das gefrorene
Partikelmaterial wird bei der Verabreichung mit Hilfe z. B. eines
komprimierten Gases auf hohe Geschwindigkeit gebracht und dringt
auf Grund seiner Massenträgheit in das Zielsubstrat ein.
-
Mit
dem Begriff "Ladeeinrichtung" wird eine Komponente bezeichnet, die
zur Bereitstellung des biologischen Materials in einem Zustand eingerichtet ist,
in dem die Beaufschlagung mit der Antriebskraft vorgesehen ist.
-
Vorteilhafterweise
kann die erfindungsgemäße Deposition biologischen
Materials mit verschiedenen Typen von Antriebskräften realisiert
werden. Beispielsweise kann gemäß einer bevorzugten
Ausführungsform der Erfindung ein Fluidantrieb vorgesehen sein,
der zur Erzeugung der Antriebskraft durch Ausübung eines
Fluiddruckes, insbesondere Gas- oder Flüssigkeitsdruckes
auf das biologische Material eingerichtet ist. Vorteilhafterweise
sind Druckwellen verwendbar, die für andere technische
Anwendungen, wie zum Beispiel die Materialbearbeitung mit beschleunigten
CO2-Kristallen oder das spritzenfreie Impfen
bekannt sind. Ein weiterer Vorteil des Fluidantriebs besteht in
der hohen Effektivität der Kraftübertragung, die
insbesondere hohe Eindringtiefen im Zielsubstrat bis zu 5 cm ermöglicht.
Der Fluidantrieb umfasst zum Beispiel eine Druckquelle mit einem steuerbaren
Ausgangsventil.
-
Der
Fluidantrieb enthält vorzugsweise eine Beschleunigungsleitung,
in der das Fluid von der Druckquelle strömt. In der Beschleunigungsleitung wird
das biologische Material der Antriebskraft ausgesetzt. Vorteilhafterweise
wird durch die longitudinale Ausdehnung der Beschleunigungsleitung
dem biologischen Material eine vorbestimmte Bewegungsrichtung aufgeprägt,
so dass durch die Ausrichtung der Beschleunigungsleitung relativ
zum Zielsubstrat der Depositionsort des biologischen Materials bestimmt
werden kann.
-
Alternativ
oder zusätzlich kann gemäß weiteren Ausführungsformen
der Erfindung ein Translationsantrieb vorgesehen sein, der ein mechanisches Antriebselement
aufweist. Das mechani sche Antriebselement ist zur unmittelbaren
Ausübung der Antriebskraft auf das biologische Material
eingerichtet. Vorzugsweise umfasst das mechanische Antriebselement
einen Träger, z. B. in Form einer Platte, eines Stabes
oder eines Gitters, zur Aufnahme des biologischen Materials, wobei
der Träger mit einer Schwingungsquelle, z. B. einer elektromagnetischen
oder piezoelektrischen Schwingungsquelle zu Schwingungen anregbar
ist. Durch die Schwingung wird auf das biologische Material eine
Abstoßungskraft ausgeübt, unter deren Wirkung
das biologische Material zum Zielsubstrat beschleunigt wird.
-
Der
Translationsantrieb enthält vorzugsweise eine Trägerplattform,
die zur Aufnahme von hängenden Tropfen des biologischen
Materials, insbesondere hängenden Tropfen eines Kultivierungsmediums,
in dem biologische Zellen suspendiert sind, eingerichtet ist. Vorteilhafterweise
bilden hängende Tropfen schonende Kultivierungsbedingungen
für empfindliche Zellen, wie zum Beispiel Vorläuferzellen oder
Stammzellen. Die Trägerplattform ermöglicht die
Erhaltung der Kultivierungsbedingungen bis zu einer Abkühlung
und Überführung in den gefrorenen Zustand zu Beginn
der Deposition.
-
Gemäß einer
bevorzugten Variante der Erfindung wird das biologische Material über
einen freien Abstand von der Depositionsvorrichtung zu dem Zielsubstrat
bewegt. Unter der Wirkung der Antriebskraft fliegt das biologische
Material über eine freie Wegstrecke, deren Länge
im Bereich von Bruchteilen eines mm bis zu 50 cm gewählt
sein kann. Besonders bevorzugt ist eine freie Wegstrecke, deren
Länge im Bereich von 1 mm bis 10 cm gewählt ist
und zum Beispiel 0,5 cm bis 2 cm beträgt. Diese Wegstrecken
haben sich für eine störungsfreie Einbettung als
besonders vorteilhaft erwiesen. Vorteilhafterweise kann mit der
Richtung der Wegstrecke auch der Depositi onsort im Zielsubstrat
beeinflusst werden. Alternativ kann die Depositionsvorrichtung zur Übertragung des
biologischen Materials auf das Zielsubstrat aufgesetzt werden.
-
Gemäß einer
bevorzugten Ausführungsformen der Erfindung ist die Depositionsvorrichtung
mit einer Präparationseinrichtung ausgestattet, die zur Vorbereitung
des biologischen Materials und zu dessen Bereitstellung an der Ladeeinrichtung
vorgesehen ist. Vorteilhafterweise können physikalische und/oder
chemische Eigenschaften des biologischen Materials unmittelbar vor
dessen Übertragung im gefrorenen Zustand zu dem Zielsubstrat
eingestellt werden. Physikalische Eigenschaften umfassen zum Beispiel
die Größe (Volumen, Masse) von Suspensionstropfen
und/oder die Zahl der in einem Suspensionstropfen enthaltenen Zellen.
Chemische Eigenschaften umfassen zum Beispiel die Anteile eines Kryoprotektivums
im Suspensionstropfen.
-
Vorteilhafterweise
sind verschiedene Varianten der Erfindung möglich, die
sich in Bezug auf den Zeitpunkt der Überführung
des biologischen Materials in den gefrorenen Zustand unterscheiden.
Erstens kann das biologische Material in flüssiger Form bereitgestellt
und erst an der Ladeeinrichtung und/oder während der Bewegung
zum Zielsubstrat in den gefrorenen Zustand überführt
werden. In diesem Fall umfasst die Präparationseinrichtung
vorzugsweise einen Tropfengenerator, der zur Bildung voneinander
abgegrenzter Tropfen des biologischen Materials eingerichtet ist.
Zweitens kann erfindungsgemäß vorgesehen sein,
dass das biologische Material bereits in der Präparationseinrichtung
in den gefrorenen Zustand überführt wird. In diesem
Fall umfasst die Präparationseinrichtung vorzugsweise einen
Partikelgenerator, der zur Erzeugung von gefrorenen Tropfen des
biologischer Materials eingerichtet ist. Diese Variante der Erfindung
hat den besonderen Vorteil, dass das biologische Material sich nach
der Präparation und Bereitstellung an der Ladeeinrichtung
nicht mehr verändern kann.
-
Allgemein
kann durch die Einstellung der Antriebskraft mit der Antriebseinrichtung
der Depositionsort des gefrorenen biologischen Materials bestimmt
werden. Wenn die erfindungsgemäße Depositionsvorrichtung
jedoch mit einer Lenkeinrichtung ausgestattet ist, die zur Einstellung
der Bewegungsrichtung des biologischen Materials eingerichtet ist, können
sich Vorteile durch eine verbesserte Depositionsgenauigkeit ergeben.
Die Lenkeinrichtung weist vorzugsweise eine Düseneinrichtung
mit einer oder mehreren Ausgangsdüsen auf. Jede Ausgangsdüse bildet
das Ende eines Düsenkanals, dessen longitudinale Richtung
die Bewegungsrichtung des biologischen Materials bestimmt. Vorteilhafterweise
kann die Düseneinrichtung zur Bewegung des biologischen
Materials zu dem Zielsubstrat auf Bahnen eingerichtet sein, die
ein vorbestimmtes geometrisches Muster bilden. Erfindungsgemäß können
gefrorene Partikel des biologischen Materials zeitgleich an verschiedenen
Depositionsorten im Zielsubstrat eingebettet werden. Vorteilhafterweise
wird damit eine hohe Parallelität der Deposition zum Beispiel
von biologischen Zellen und damit eine hohe Depositionsgeschwindigkeit
erreicht.
-
Wenn
die Lenkeinrichtung Teil eines manuell handhabbaren Werkzeugs ist,
können sich Vorteile für eine flexible Ausrichtung
der Bewegungsbahn des biologischen Materials relativ zum Zielsubstrat
durch eine Person ergeben, die die Depositionsvorrichtung bedient.
Vorzugsweise ist die Lenkeinrichtung relativ zu den übrigen
Komponenten der Depositionsvorrichtung beweglich. Beispielsweise
kann ein behandelnder Arzt die Lenkeinrichtung manuell wie ein Operationswerkzeug
oder eine Bestrahlungsquelle in geeigneter Weise relativ zum Zielsubstrat
orientieren.
-
Gemäß einer
bevorzugten Ausführungsform der Erfindung umfasst die Ladeeinrichtung
einen Probeninjektor, der zur Bereitstellung des biologischen Materials
in der Antriebseinrichtung, insbesondere in der Beschleunigungsleitung
oder auf der Trägerplattform der Antriebseinrichtung eingerichtet
ist. Mit dem Probeninjektor kann die Menge des biologischen Materials
festgelegt werden, das an einen bestimmten Depositionsort im Zielsubstrat
eingebettet werden soll. Vorteilhafterweise können verschiedene Typen
von Probeninjektoren verwendet werden, die an die jeweilige Form
des biologischen Materials bei Bereitstellung in der Antriebseinrichtung
angepasst sind.
-
Gemäß einer
ersten Variante der Erfindung kann der Probeninjektor eine Injektorleitung
aufweisen, die in die Beschleunigungsleitung der Antriebseinrichtung
mündet. Durch die Injektorleitung kann die biologische
Probe in die Beschleunigungsleitung eingeführt werden.
Der Transport der biologischen Probe in der Injektorleitung erfolgt
beispielsweise durch einen Druck, der an der Ladeeinrichtung und/oder
Präparationseinrichtung ausgeübt wird. Vorzugsweise
weist die Injektorleitung ein steuerbares Injektorventil auf, mit
dem die Zuführung des biologischen Materials in die Beschleunigungsleitung einstellbar
ist.
-
Gemäß einer
weiteren Variante weist der Probeninjektor einen Tropfendispenser
auf, der zur Zuführung von flüssigen Tropfen des
biologischen Materials in die Beschleunigungsleitung oder auf die Trägerplattform
eingerichtet ist. Der Tropfendispenser kann beispielsweise aufgebaut
sein, wie es aus der herkömmlichen Dispensiertechnik für
Screening-Methoden in der Biologie oder Medizin bekannt ist. Gemäß einer
alternativen Variante kann der Probeninjektor einen Partikeldispenser
aufweisen, mit dem feste Partikel des gefrorenen biologischen Materials
in die Beschleunigungsleitung injizierbar sind.
-
Besondere
Vorteile für eine breite und flexible Anwendung der erfindungsgemäßen
Deposition ergeben sich, wenn der Probeninjektor eine Injektorpatrone
aufweist, die in die Beschleunigungsleitung der Antriebseinrichtung
einsetzbar ist. Die Injektorpatrone umfasst eine Hülse,
die zur Aufnahme von Partikeln gefrorenen Materials eingerichtet
ist. Die Injektorpatrone weist in Längsrichtung eine Einströmöffnung
und eine Ausströmöffnung auf, die zur Durchströmung
mit Fluid des Fluidantriebs eingerichtet sind. Bei Durchströmung
des Fluids durch die Injektorpatrone wird das biologische Material
der Antriebskraft ausgesetzt und mit dem Fluid zum Zielsubstrat
bewegt. Vorzugsweise ist die Injektorpatrone in der Beschleunigungsleitung
austauschbar angeordnet. Vorteilhafterweise kann eine beladene Injektorpatrone
in die Beschleunigungsleitung eingesetzt und zur Deposition des
biologischen Materials mit dem Fluid durchströmt werden.
Nach Beendigung der Deposition kann die Injektorpatrone aus der
Beschleunigungsleitung entfernt und ggf. durch eine weitere Injektorpatrone
ersetzt werden.
-
Vorzugsweise
ist mindestens eine der Einström- und Ausströmöffnungen
mit einem Abdeckelement versehen, durch das die Injektorpatrone
geschlossen ist und dass bei Ausübung der Antriebskraft,
z. B. durch das strömende Fluid geöffnet, z. B. durchbrochen
werden kann. Vorteilhafterweise wird damit ein verbesserter Schutz
des biologischen Materials beim Transport der Injektorpatrone vor
dem Einsetzen in die Depositionsvorrichtung erreicht.
-
Die
Lade- und Präparationseinrichtungen, die oben getrennt
beschrieben werden, können alternativ durch eine gemeinsame
Komponente der erfindungsgemäßen Depositionsvorrichtung
gebildet werden. In diesem Fall wird z. B. der Tropfengenerator zugleich
als Tropfendispenser zur Bereitstellung des biologischen Materials
an der Antriebseinrichtung verwendet.
-
Allgemein
kann die erfindungsgemäße Depositionsvorrichtung
ohne Kühlung verwendet werden. Bei ausreichend schneller
Beladung und Deposition gefrorener Partikel des biologischen Materials und
der Verwendung von thermisch isolierten Bauteilen wird eine Kühlung
nicht benötigt. Bei dieser Ausführungsform der
Erfindung wird der Aufbau der Depositionsvorrichtung und deren Bedienung
vorteilhafterweise vereinfacht. Gemäß bevorzugten
Ausführungsformen der Erfindung ist jedoch vorgesehen, dass
die Depositionsvorrichtung mit mindestens einer Kühleinrichtung
ausgestattet ist, die zur Überführung des biologischen
Materials in den gefrorenen Zustand eingerichtet ist. In Abhängigkeit
von den verschiedenen Bauformen der Depositionsvorrichtung kann
die Kühleinrichtung als eigenständige Komponente
oder als Teil der Lade-, Präparations- und/oder Antriebseinrichtung
vorgesehen sein. Ein wesentlicher Vorteil der Kühleinrichtung
ist, dass das biologische Material zeitlich unmittelbar vor und/oder
während der Beschleunigung zum Zielsubstrat im gekühlten
Zustand bereitgestellt und/oder in diesen überführt
werden kann.
-
Wenn
gemäß einer ersten Variante die Kühleinrichtung
zur Kühlung mindestens eines Teils der Ladeeinrichtung
eingerichtet ist, ergeben sich Vorteile durch die Überführung
des biologischen Materials in den gefrorenen Zustand unmittelbar
vor oder während der Bereitstellung an der Antriebseinrichtung. Wenn
alternativ oder zusätzlich die Kühleinrichtung zur
Kühlung mindestens eines Teils der Antriebseinrichtung
einge richtet ist, können sich weitere Vorteile für
eine besonders kurzzeitige Abkühlung des biologischen Materials
ergeben. Die Kühleinrichtung kann beispielsweise zur Bereitstellung
eines Fluids (Gases) zur Übertragung der Antriebskraft
bei einer Temperatur unterhalb des Gefrierpunkts des biologischen Materials
eingerichtet sein. In diesem Fall erfüllt die Antriebseinrichtung
vorteilhafterweise die Funktionen der Abkühlung und des
Antriebs der biologischen Probe.
-
Gemäß einer
weiteren Modifikation der Erfindung kann die Kühleinrichtung
zur Kühlung mindestens eines Teils der Lenkeinrichtung,
z. B. zur Kühlung der Düseneinrichtung vorgesehen
sein. Vorteilhafterweise wird damit die Funktionssicherheit der Depositionsvorrichtung
erhöht.
-
Eine
weitere vorteilhafte Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Depositionsvorrichtung zeichnet sich durch einen Regelkreis aus,
der mit der Antriebseinrichtung verbunden ist. Vorteilhafterweise kann
mit dem Regelkreis in Abhängigkeit von Depositionsparametern,
wie zum Beispiel einem gemessenen Depositionsort oder gemessenen
Partikelgrößen die Antriebskraft eingestellt werden.
Die Einstellung der Antriebskraft ergibt eine erhöhte Genauigkeit
und Reproduzierbarkeit der Einbettung des biologischen Materials
im Zielsubstrat.
-
Gemäß einer
weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung ist
die Depositionsvorrichtung für einen Schaltbetrieb eingerichtet.
Die Lade-, Antriebs-, Präparations- und/oder Kühleinrichtung sind
gezielt ein- und ausschaltbar. Vorteilhafterweise können
damit vorbestimmte Depositionsprotokolle realisiert werden, mit
denen insbesondere die Art des biologischen Materials und der zugehörige
Depositionsort festgelegt wird. Besonders bevorzugt sind die Lade-
und Antriebseinrichtung für einen synchronisierten Schaltbetrieb eingerichtet.
Beide Komponenten, insbesondere die Injektor- und Fluidventile sind gemeinsam
schaltbar, um eine Deposition des biologischen Materials zu realisieren.
-
Weitere
Vorteile für die Funktionalität der Depositionsvorrichtung
ergeben sich, wenn diese mit mindestens einer der folgenden Zusatzkomponenten ausgestattet
ist. Mit einer Abbildungseinrichtung, die vorzugsweise mindestens
eine von einer Kameraeinrichtung, einer Mikroskopieeinrichtung,
einer Ultraschalleinrichtung, einer Stroboskopeinrichtung und einer
Endoskopieeinrichtung umfasst, können vorteilhafterweise
Bilder der Depositionsvorrichtung und/oder des Zielsubstrats aufgenommen
werden. Die aufgenommenen Bilder, die zum Beispiel Bilder der Oberfläche
oder des Volumens des Zielsubstrats oder Bilder des aus der die
Positionsvorrichtung austretenden biologischen Materials umfassen,
ermöglichen eine Steuerung der Einbettung des biologischen
Materials in das Zielsubstrat und/oder eine Bewertung des Depositionsergebnis.
Des weiteren ermöglicht eine Navigationseinrichtung, die
zur Bewegung und Fixierung der Depositionsvorrichtung in Bezug auf
das Zielsubstrat eingerichtet ist, eine erhöhte Depositionsgenauigkeit.
Schließlich kann eine Konditioniereinrichtung, die zum
Beispiel zur Einstellung vorbestimmter Beleuchtungs- und/oder Temperaturbedingungen
am Zielsubstrat eingerichtet ist, zur Beobachtung des Depositionsergebnisses
oder zur Beeinflussung des Auftauens des biologischen Materials
im Zielsubstrat verwendet werden. Als Konditioniereinrichtung kann
zum Beispiel ein Auftausystem vorgesehen sein, mit dem die Überführung
der biologischen Probe in den nicht-gefrorenen Zustand im Zielsubstrat
beschleunigt wird.
-
Die
Injektorpatrone des Probeninjektors, vorzugsweise umfassend eine
Hülse mit Abdeckelementen an Ein- und Ausströmöff nungen
stellt einen unabhängigen Gegenstand der Erfindung dar.
-
Einen
weiteren unabhängigen Gegenstand stellt die Verwendung
von biologischem Material im gefrorenen Zustand zur Modifizierung
biologischen Gewebes dar, wobei das biologische Material mindestens
eine Zelle, Zellgruppe, Zellbestandteile, biologische Makromoleküle
und/oder einen biologisch wirksamen Wirkstoff enthält.
-
Weitere
Einzelheiten und Vorteile der Erfindung werden im Folgenden unter
Bezug auf die beigefügten Zeichnungen beschrieben. Es zeigen:
-
1:
eine schematische Illustration einer ersten Ausführungsform
der erfindungsgemäßen Depositionsvorrichtung;
-
2:
eine schematische Illustration einer weiteren Ausführungsform
der erfindungsgemäßen Depositionsvorrichtung;
-
3 und 4:
Illustrationen von Einzelheiten von weiteren Ausführungsformen
der erfindungsgemäßen Depositionsvorrichtung;
-
5 und 6:
Einzelheiten der erfindungsgemäßen Verwendung
einer Injektorpatrone;
-
7:
Illustrationen von verschiedenen Varianten von biologischem Material,
das erfindungsgemäß zur Einbettung in ein Zielsubstrat
verwendet wird;
-
8:
eine schematische Querschnittsansicht eines Zielsubstrats mit eingebettetem
biologischen Material;
-
9:
Querschnittsillustrationen von verschiedenen Phasen der Einbettung
biologischen Materials im Zielsubstrat; und
-
10 bis 13:
Illustrationen weiterer Merkmale von bevorzugten Ausführungsformen
des erfindungsgemäßen Depositionsverfahren.
-
Die
Erfindung wird im Folgenden zunächst unter beispielhaftem
Bezug auf die Einbettung biologischer Zellen in ein biologisches
Gewebe innerhalb oder außerhalb eines biologischen Organismus
beschrieben. Die Erfindung ist jedoch nicht auf diese Anwendung
beschränkt. Die Einbettung biologischer Materialien in
das Volumen oder die Oberfläche anderer Zielsubstrate,
wie zum Beispiel Zellkulturen kann in entsprechender Weise realisiert
werden. Einzelheiten der Überführung biologischer
Materialien in den gefrorenen Zustand, wie zum Beispiel Merkmale des
verwendeten Kühlmediums, der Zusatz eines Kryoprotektivums
oder die Schritte eines Einfrierverfahrens werden im Folgenden nicht
erläutert, da sie als solche aus der herkömmlichen
Kryokonservierung biologischer Proben bekannt sind.
-
1 zeigt
eine erste Ausführungsform einer erfindungsgemäßen
Depositionsvorrichtung 100 in schematischer Schnittansicht.
Die Depositionseinrichtung 100 umfasst eine Ladeeinrichtung 10 mit
einem Probeninjektor 11 und einer Injektorleitung 12 und
eine Antriebseinrichtung 20 mit einer Druckquelle 21 und
einer Beschleunigungsleitung 22. Als optionale Komponenten
sind zusätzlich eine Präparationseinrichtung 30 und
eine Kühleinrichtung 50 gezeigt.
-
Der
Probeninjektor 11 wird im einfachsten Fall durch die Mündung
der Injektorleitung 12 in die Beschleunigungsleitung 22 gebildet.
Tropfen oder gefrorene Partikel des biologischen Materials 1 werden
durch die Injektorleitung 12 unter der Wirkung eines Druckes
von der Präparationseinrichtung 30 zum Probeninjektor 11 transportiert.
Die Injektorleitung 12 ist ein Rohr oder Schlauch, z. B.
aus Glas oder Kunststoff, mit einem Innendurchmesser von zum Beispiel
0,2 mm. In der Injektorleitung 12 werden z. B. flüssige
Suspensionstropfen transportiert, zwischen denen Abstände
mit Luft oder Inertgas gebildet sind. Alternativ können
in der Beschleunigungsleitung 12 gefrorene Tropfen transportiert
werden. In diesem Fall besteht die Beschleunigungsleitung vorzugsweise
aus einem reibungsarmen Kunststoffmaterial, wie zum Beispiel Teflon.
-
Die
Druckquelle 21 ist eine Druckgas-Quelle, die ein Inertgas,
wie zum Beispiel Stickstoff enthält und mit einem steuerbaren
Fluiddruckventil (siehe 3) ausgestattet ist. Die Beschleunigungsleitung 22 ist
eine Hohlleitung, zum Beispiel in Form eines Rohres oder Schlauches,
die an einem Ende mit der Druckquelle 21 verbunden ist
und ein zweites, freies Ende mit einer Austrittsöffnung 23 aufweist.
Die Beschleunigungsleitung 22 ist vorzugsweise zumindest an
dem zur Austrittsöffnung 23 weisenden Ende, besonders
bevorzugt jedoch vollständig gerade gebildet. Sie besteht
zum Beispiel aus Glas oder formstabilen Kunststoff mit einem Innendurchmesser
von zum Beispiel 100 μm und einer Länge von zum
Beispiel 3 cm. Für eine freie Ausrichtung der Beschleunigungsleitung 22 im
Raum kann eine flexible Schlauchverbindung mit der Druckquelle 21 vorgesehen
sein, die ortsfest angeordnet ist. Des weiteren kann für
eine manuelle Handhabung der Depositionsvorrichtung 100 auf
der Außenseite der Beschleunigungsleitung 22 ein
Griffstück (nicht dargestellt) vorgesehen sein.
-
Die
Präparationseinrichtung 30 umfasst einen Tropfen-
oder Partikelgenerator, mit dem die Tropfen oder Partikel in der
Injektorleitung 12 erzeugt werden. Der Tropfengenerator
besteht zum Beispiel aus einer Pumpe, die aus einem Vorratsgefäß mit
einer Zellsuspension vorbestimmte Tropfenvolumina in die Injektorleitung 12 fördert.
-
Die
Kühleinrichtung 50 ist beispielhaft am Ort des
Probeninjektors 11 gezeigt. Alternativ oder zusätzlich
kann die Kühleinrichtung 50 in die Präparationseinrichtung 30 oder
in die Antriebseinrichtung 20, speziell in die Druckquelle 21 integriert
sein.
-
Das
in 1 beispiehaft illustrierte Zielsubstrat 2 umfasst
einen Wundbereich 2.1 innerhalb eines Muskelgewebes. Das
Ziel der erfindungsgemäßen Deposition des biologischen
Materials 1 besteht in der Einbettung von Epithelzellen
oder Vorläuferzellen von Epithelzellen in den Wundbereich 2.1,
um die Wundheilung zu fördern.
-
Zu
Deposition des biologischen Materials 1 im Wundbereich 2.1 wird
das mit der Ladeeinrichtung 10 in die Antriebseinrichtung 20 eingeführte
biologische Material 1 der Antriebskraft ausgesetzt, die durch
das Gas, das von der Druckquelle 21 durch die Beschleunigungsleitung 22 strömt,
auf das biologische Material 1 ausgeübt wird.
Unter der Wirkung der Antriebskraft bewegt sich das biologische
Material 1 im gefrorenen Zustand durch die Beschleunigungsleitung 22 zunächst
zwischen der Austrittsöffnung 23 und dem Wundbereich 2.1 auf
einer freien Flugbahn. Bei Auftreffen auf der Oberfläche
des Wundbereichs 2.1 kann das biologische Material 1 aufgrund
seiner kinetischen Energie die Zellen des Wundbereichs 2.1 verdrängen
und in der gewünschten Depositionstiefe eingebettet werden.
-
Die
in 1 gezeigte Ausführungsform der Depositionsvorrichtung 100 kann
dahingehend modifiziert sein, dass die Ladeeinrichtung eine Kombination
aus einer Injektorleitung 12 und einem Einführtrichter
(siehe 3) umfasst. Gefrorene Partikel des biologischen
Materials werden in den Einführtrichter gefüllt
und von diesem unter der Wirkung der Gravitation zum Probeninjektor 11 bewegt,
um in der Beschleunigungsleitung 22 der Antriebskraft durch
das strömende Gas aus der Druckquelle 21 ausgesetzt zu
werden.
-
Bei
der in 2 gezeigten Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Depositionsvorrichtung 100 bildet die Antriebseinrichtung 20 einen
mechanischen Translationsantrieb mit einem Antriebselement 24 und
einer schwingfähigen Trägerplattform 25.
Als Ladeeinrichtung 10 ist eine von der Antriebseinrichtung 20 getrennte
Komponente vorgesehen, die zur Ablage von Tropfen des biologischen
Materials 1 auf der Trägerplattform eingerichtet
ist. In diesem Fall wird als Probeninjektor 11 eine Pipette
oder ein anderer Tropfendispenser verwendet. Die Bereitstellung des
biologischen Materials 1 an der Antriebseinrichtung 20 erfolgt,
wie es von der herkömmlichen Kultivierung anhängenden
Tropfen an sich bekannt ist. Zunächst werden die Tropfen
des biologischen Materials 1 auf der Trägerplattform 25 abgelegt.
Anschließend wird die Trägerplattform 25 mit
einer schnellen Schwenkbewegung umgekippt, so dass die Suspensionstropfen
in den hängenden Zustand überführt werden.
In dieser Situation kann zunächst noch eine Kultivierung
von Zellen in den hängenden Tropfen vorgesehen sein, beispielsweise
um vor der Einbettung des biologischen Materials 1 im Zielsubstrat 2 in jedem
Tropfen Zellgruppen zu bilden. Als Zielsubstrat 2 ist beispielsweise analog
zu 1 Gewebe mit einem Wundbereich 2.1 vorgesehen,
in dem biologischen Material 1 mit Epithel-bildenden Zellen
eingebettet werden soll.
-
Die
erfindungsgemäße Deposition des biologischen Materials 1 im
Zielsubstrat 2 umfasst die Beaufschlagung des biologischen
Materials 1 mit der mechanischen Antriebskraft, die mit
dem Translationselement 24 erzeugt und mit der Trägerplattform 25 z.
B. durch Schwingungen auf das biologische Material 1 übertragen
wird. Anschließend erfolgt die Bewegung des biologischen
Materials in einem gefrorenen Zustand in das Zielsubstrat 2.
Die Überführung des biologischen Materials 1 in
den gefrorenen Zustand kann in Abhängigkeit von der konkreten
Anwendung der Erfindung bereits erfolgen, während sich
das biologische Material 1 noch an der Trägerplattform 25 befindet.
Alternativ oder zusätzlich kann ein Einfrieren auf dem
Weg von der Trägerplattform 25 zu Zielsubstrat 2 vorgesehen
sein. In beiden Fällen erfolgt das Einfrieren durch Aufblasen
von Dampf flüssigen Stickstoffs, der eine Temperatur von –130°C
ausweist.
-
Bei
der in 3 gezeigten Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Depositionsvorrichtung 100 umfasst die Ladeeinrichtung 10 als
Probeninjektor 11 eine Fallöffnung, durch die
gefrorene Partikel des biologischen Materials 1 bei Betätigung
des Injektorventils 13 aus einem Einführtrichter 14 in
die Beschleunigungsleitung 22 der Antriebseinrichtung 20 fallen.
Des weiteren enthält die Ladeeinrichtung einen Vorratsbehälter 15,
der über eine Öffnung 16 das bereits
gefrorene biologische Material 1 aufnimmt. Das biologische
Material 1 kann über die Öffnung 16 einmalig,
periodisch oder kontinuierlich von einer Präparationseinrichtung
(nicht dargestellt) zugeführt werden, mit der die gefrorenen
Partikel des biologischen Materials 1 erzeugt werden. Die Überführung des
biolo gischen Materials 1 vom Vorratsbehälter 15 in
den Einführtrichter 14 erfolgt über ein
Sieb 17. Durch eine Bewegung des Siebes 17 mit
einem Schwingelement 18, z. B. durch Rütteln oder
Schwingungen, kann der Durchsatz vom Vorratsbehälter 15 zum
Einführtrichter 14 beeinflusst werden.
-
Die
Druckquelle 21 der Antriebseinrichtung 20 ist über
eine Druckleitung 26 in Form eines flexiblen Schlauchs
und ein Fluiddruckventil 27 mit der Beschleunigungsleitung 22 verbunden.
Am Ende der Beschleunigungsleitung 22 ist die Lenkeinrichtung 40 mit
einer Düsenanordnung 41 vorgesehen, an der sich
der Kanal der Beschleunigungsleitung 22 in eine Vielzahl
von einzelnen Düsenkanälen 42 aufspaltet. Die
Düsenöffnungen der Düsenkanäle 42 bilden
ein vorbestimmtes geometrisches Muster. Die Düsenanordnung 41 ist
vorzugsweise an der Beschleunigungsleitung 22 lösbar
befestigt und austauschbar. Dies ermöglicht, in Abhängigkeit
von den Anforderungen einer konkreten Anwendung eine geeignete Düsenanordnung 41 mit
einer passenden Zahl von Düsenkanälen 42 und
einen passenden Muster der Düsenöffnungen zu verwenden.
-
Bei
der in 3 gezeigten Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Dosiervorrichtung ist die Kühleinrichtung 50 zur
Kühlung der Ladeeinrichtung 10, eines Teils der
Antriebseinrichtung 20 und der Lenkeinrichtung 40 eingerichtet.
Die Kühleinrichtung 50 umfasst ein Kühlmittereservoir 51 und
einen Kühlbehälter 52, die über
Schläuche 53 miteinander verbunden sind. Das Kühlmittelreservoir 51 ist
zur Aufnahme eines flüssigen Kühlmittels 54 (z.
B. flüssiger Stickstoff) eingerichtet. Zum Kühlbetrieb
ist zwischen dem Kühlmittelreservoir 51 und dem
Kühlmittelbehälter 52 eine Zirkulation
des Dampfes des flüssigen Stickstoffs über die
Schläuche 53 (siehe Pfeil) vorgesehen. Das Kühlmittelreservoir 51 bildet
einen Kryostaten. Im Kühlbehälter 52 wird
z. B. eine Temperatur im Bereich von –20°C bis –150°C
vorgesehen. Die Komponenten der Kühleinrichtung 50 sind
aus an sich bekannten, thermisch isolierenden Materialien aufgebaut.
-
3 illustriert
einen optional vorgesehenen Regelkreis 60 mit einer Regeleinrichtung 61,
die zur Betätigung des Injektorventils 13, des
Fluiddruckventils 27 und/oder des Schwingelements 18 in
Abhängigkeit von mindestens einem Depositions-Referenzwert
eingerichtet ist. Der Depositions-Referenzwert ist zum Beispiel
vom Messsignal einer Mikroskopeinrichtung 72 oder einer
anderen Abbildungs- oder Überwachungseinrichtung abgeleitet
und für einen Betriebszustand der Depositionsvorrichtung 100 charakteristisch.
Wenn beispielsweise in einem gegebenen Betriebszustand die Menge
und/oder die Eindringtiefe des bioloischen Materials 1 im
Zielsubstrat 2 nicht den gewünschten Parametern
entspricht, kann mit dem Regelkreis 60 mindestens eines
der Teile 13, 27 und 18 verstellt werden,
um die Zahl der zugeführten Partikel des biologischen Materials 1 zu erhöhen
oder zu erniedrigen und/oder um die mit der Antriebseinrichtung 20 ausgeübte
Antriebskraft zu erhöhen oder zu erniedrigen.
-
3 illustriert
als weitere Komponente die Beleuchtungseinrichtung 91,
die zur Beleuchtung des Zielsubstrats 2 eingerichtet ist
und zum Beispiel eine Weißlichtquelle oder eine Laser-Quelle
enthält. Die Beleuchtungseinrichtung 91 und die
Mikroskopeinrichtung 72 können mit den übrigen
Komponenten der Depositionsvorrichtung 100 fest verbunden
und zum Beispiel auf der Außenseite des Kühlbehälters 52 befestigt
sein. Anstelle der Mikroskopieeinrichtung 72 kann ein anderes
bildgebendes Instrument, wie zum Beispiel eine Ultraschalleinrichtung
oder eine Tomographieeinrichtung vorgesehen sein.
-
Zur
Durchführung des erfindungsgemäßen Depositionsverfahren
wird die Depositionsvorrichtung 100 relativ zum Zielsubstrat 2,
insbesondere in Bezug auf einen zu behandelnden Wundbereich 2.1 ausgerichtet.
Nach Erfassung der Topographie des Wundbereichs 2.1 mit
der Mikroskopeinrichtung 72 kann ggf. eine Feinjustierung
der Lenkeinrichtung 40 vorgesehen sein. Nach der Justierung
wird das biologische Material 1 in Form gefrorener Partikel über den
Einführtrichter 14 und das Injektorventil 13 in
die Beschleunigungsleitung 22 eingeführt, durch
die Luft oder Stickstoff strömt. Hierzu werden die Ventile 13 und 27 geöffnet
und das Schwingelement 18 betätigt. Die gefrorenen
Partikel des biologischen Materials 1 treten durch die
Lenkeinrichtung 40 auf freie Bewegungsbahnen aus, die zum
Wundbereich 2.1 führen. In Abhängigkeit
von dem beobachteten Depositionsergebnis wird die Zufuhr von biologischem
Material fortgesetzt, unterbrochen oder zum Beispiel in Bezug auf
den Typ des biologischen Materials modifiziert.
-
In 4 ist
eine abgewandelte Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Depositionsvorrichtung 100 gezeigt, die sich durch eine
kompakte Bauform und manuelle Handhabbarkeit auszeichnet. Zu Illustrationszwecken
ist die Depositionsvorrichtung 100 in 4 teilweise
in perspektivischer Phantomansicht und teilweise in Schnittansicht
gezeigt.
-
Die
Depositionsvorrichtung 100 hat einen langgestreckten, schlauchförmigen
Aufbau, der sich von der Antriebseinrichtung 20 über
die Ladeeinrichtung 10 mit der Präparationseinrichtung 30 zur
Lenkeinrichtung 40 erstreckt. In der Depositionsvorrichtung 100 sind
mindestens zwei, sich entlang der Schlauchform erstreckende Kammern
vorgesehen, die erstens das beschleunigende Fluid zur Übertragung
der Antriebskraft auf das biologische Material und zweitens ein
Kühlmittel zur Kühlung des biologischen Materials
und dessen Überführung in den gefrorenen Zustand
aufnehmen. Die Kammern bilden zum Beispiel koaxial angeordnete Gas-
und/oder Flüssigkeitsleitungen.
-
Die
Antriebseinrichtung 20 umfasst einen koaxialen Aufbau mit
einer inneren Druckleitung 26 und einer äußeren
Kühlmittelleitung 28, die jeweils entsprechend
mit einer Druckquelle und einem Kühlmittelreservoir (beide
nicht dargestellt) verbunden sind. Beide Leitungen sind mit steuerbaren
Ventilen ausgestattet. Die innere Druckleitung 26 besteht
zum Beispiel aus einem Kunststoffschlauch, der durch Abstandhalter
in der äußeren Kühlmittelleitung 28 positioniert
ist. Die äußere Kühlmittelleitung 28 besteht aus
einem flexiblen Schlauch, der mit einem isolierenden Material aufgebaut
ist, z. B. einem metallischen Balgenschlauch mit einer isolierenden
Kunststoffbeschichtung.
-
Die
Ladeeinrichtung 10 umfasst eine Kammer, die zur Durchströmung
mit dem zentralen Strom des Druckfluids und dem äußeren
Strom des Kühlmittels eingerichtet ist. Als Probeninjektor 11 ist
ein Tropfendispenser mit mindestens einer Dispenserdüse 11.1 vorgesehen,
die in den zentralen Druckfluidstrom ragt. Bei der dargestellten
Ausführungsform weist der Tropfendispenser mehrere Dispenserdüsen 11.1 auf,
die als Reihe entsprechend der Strömungsrichtung des Druckfluidstroms
(siehe Pfeil) angeordnet sind, so dass orteilhafterweise gleichzeitig
eine Vielzahl von Tropfen des biologischen Materials 1 in den
Druckfluidstrom injiziert werden können. Der Probeninjektor 11 ragt
durch den äußeren Kühlmittelstrom in
den zentralen Druckfluidstrom, so dass das biologische Material
zunächst in flüssiger Form in den Druckfluidstrom
injiziert wird. Der Probeninjektor 11 ist mit der schematisch
gezeigten Präparationseinrichtung 30 verbunden,
die ein Probenreservoir und eine Pumpe zur Förderung einer
Suspension oder Lösung des biologischen Materials zum Probeninjektor 11 enthält.
-
Stromabwärts
von der Ladeeinrichtung 10 erstreckt sich die Beschleunigungsleitung 22,
die koaxial von einem zweiten Abschnitt der Kühlmittelleitung 28 umgeben
ist, bis zur Lenkeinrichtung 40. Bei der Bewegung des biologischen
Materials 1 im Druckfluidstrom durch die Beschleunigungsleitung 22 erfolgt
durch einen Wärmeaustausch mit dem Kühlmittelstrom
in der Kühlmittelleitung 28 eine Abkühlung
des biologischen Materials unter dessen Gefrierpunkt, so dass das
biologische Material spätestens beim Durchtritt durch die
Lenkeinrichtung 40 im gefrorenen Zustand ist. Die Länge
der Beschleunigungsleitung 22 von der Ladeeinrichtung 10 bis
zur Lenkeinrichtung 40 beträgt zum Beispiel 4
cm bis 5 m.
-
Die
Lenkeinrichtung 40 umfasst eine Düsenanordnung 41 mit
einem Düsenkanal 42, ein Handstück 43,
Kühlkammern 44, eine Betätigungseinrichtung 45, 46 und
einen Ausströmkanal 47. Das Handstück 43 bildet
einen Hohlzylinder aus einem thermisch isolierenden Kunststoffmaterial,
in dem die Komponenten 44 bis 47 angeordnet sind
und der sich in Stromabwärtsrichtung zur Düsenanordnung 41 konusförmig
verjüngt. Die Kühlkammern 44 sind dazu eingerichtet,
das durch die Kühlmittelleitung 28 strömende
Kühlmittel aufzunehmen und den gefrorenen Zustand des biologischen
Materials 1 weiter einzustellen oder zu erhalten. Bei ausreichender
thermischer Isolation des Handstücks 43 und ausreichender
Länge der Beschleunigungsleitung 22 kann auf die
Kühlkammern 44 verzichtet werden.
-
Die
Betätigungseinrichtung umfasst einen Ventilstößel 45,
dessen freies Ende aus dem Handstück 43 ragt,
und eine Feder 46, mit der der Ventilstößel 45 federnd
gelagert ist. Beispielsweise ist vorgesehen, dass im entspannten
Zustand die Beschleunigungsleitung 22 geschlossen und vom
Düsenkanal 42 getrennt ist. Durch Ausübung
eines mechanischen Drucks auf dem Ventilstößel 45,
z. B. mit einem Finger, wird eine Durchgangsöffnung im
Ventilstößel 45 mit der Beschleunigungsleitung 22 ausgerichtet,
so dass die Verbindung zum Düsenkanal 42 freigegeben
wird. Vorzugsweise ist die Betätigungseinrichtung 45, 46 zusätzlich
mit einem Schalter (nicht dargestellt) ausgestattet, mit dem der
Probeninjektor 11 und eines der Ventile in den Leitungen 26, 28 betätigbar
sind.
-
Die Überströmleitung 47 dient
der Ableitung von Kühlmittel aus der Kühlmittelleitung 28 und
den Kühlkammern 44. Die Überströmleitung 47 ist
aus Sicherheitsgründen so angeordnet, dass die Hand einer
die Lenkeinrichtung 40 haltenden Person nicht vom austretenden
Kühlmittel getroffen wird.
-
Zur
Durchführung des erfindungsgemäßen Depositionsverfahrens
strömt gasförmiges oder flüssiges Kühlmittel,
z. B. Dampf flüssigen Stickstoffs, mit einer vorbestimmten
Kühlmitteltemperatur durch die Kühlmittelleitung 28 von
der Antriebseinrichtung 20 über die Ladeeinrichtung 10 bis
zur Lenkeinrichtung 40. Mit der Druckfluidleitung wird
ein Druckfluidstrom, z. B. aus Stickstoff oder Luft, durch die Ladeeinrichtung 10 und
die Beschleunigungsleitung 22 zur Lenkeinrichtung 40 geleitet.
Mit dem Probeninjektor 11 werden tropfenförmige
Proben biologischen Materials 1 in den Druckgasstrom injiziert
und mit diesem stromabwärts durch die Beschleunigungsleitung 22 transportiert.
Die Injektion der Tropfen erfolgt durch Gaspulse oder mit einem
piezoelektrischen Tropfengeber. Auf dem Weg durch die Beschleunigungsleitung 22 wird
das biologische Material 1 in den gefrorenen Zustand überführt.
Durch den Düsenkanal 42 erfolgt der Austritt des
biologischen Materials 1 auf eine freie Bewegungsbahn hin
zu einem Zielsubstrat (nicht dargestellt).
-
Die
Ausführungsform der Depositionsvorrichtung 100 gemäß 4 kann
dahingehend modifiziert werden, dass die Funktion der Kühlung
des biologischen Materials mit dem Druckgasstrom erfüllt wird.
In diesem Fall kann der koaxiale Aufbau durch eine einfache, thermisch
isolierte Leitung ersetzt werden. Als Druckgas wird zum Beispiel
unter Druck stehender Dampf flüssigen Stickstoffs verwendet.
In diesem Fall verfolgt ein Gefrieren der Tropfen des biologischen
Materials 1 unmittelbar nach Austritt aus dem Probeninjektor 11.
Des weiteren kann in diesem Fall auf den koaxialen Aufbau der Beschleunigungsleitung 22 mit
der Kühlmittelleitung 28 verzichtet werden. Die
Kühlmittelleitung 28 kann durch eine evakuierte
Kammer ersetzt werden, die die Beschleunigungsleitung 22 umgibt.
Des weiteren kann die Düsenanordnung 41 mit einem
einzelnen Düsenkanal 42 durch einen Aufbau mit
mehreren Düsenkanälen ersetzt werden, wie er zum
Beispiel in 3 gezeigt ist. Die Depositionsvorrichtung 100 gemäß 4 kann
mit weiteren Komponenten, z. B. zur Überwachung der Depositionsvorrichtung
und/oder zur Abbildung des Zielsubstrats ausgestattet sein.
-
Die 5 und 6 illustrieren
eine weitere Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Depositionsvorrichtung 100, bei der die Ladeeinrichtung 10 mit
einer Injektorpatrone 19 vorgesehen ist. Bei dieser Ausführungsform
umfasst die Antriebseinrichtung 20 ein langgestrecktes
Gehäuse, dessen hinteren und vorderen Teile entsprechend
die Druckleitung 26 und die Beschleunigungsleitung 22 bilden
und an dessen stromabwärts gelegenen, vorderen Ende die Lenkeinrichtung 40 mit
der Düseneinrichtung 41 angeordnet ist.
-
Die
Ladeeinrichtung 10 umfasst eine Kammer zwischen den Druck-
und Beschleunigungsleitungen 26, 22. Diese Kammer
ist zur Aufnahme der Injektorpatrone 19 eingerichtet. Die
Injektorpatrone 19 umfasst eine Patronenhülse 19.1 aus
einem thermisch isolierenden Kunststoff (6). Die
Patronenhülse 19.1 weist in Längsrichtung
eine Einströmöffnung und eine Ausströmöffnung
auf, die entsprechend mit Abdeckelementen 19.2, 19.3 verschlossen sind.
Mit den Abdeckelementen 19.2, 19.3 ist das Innere
der Patronenhülse 19.1 während deren
Lagerung verschlossen. Bei Beaufschlagung der Abdeckelemente 19.2, 19.3 mit
einem Fluiddruck der Antriebseinrichtung 20 werden die
Abdeckelemente 19.2, 19.3 geöffnet, so
dass der Druckfluidstrom durch die Injektorpatrone 19 hindurchtreten
und das biologische Material 1 durch die Beschleunigungsleitung 22 und
die Lenkeinrichtung 40 zum Zielgewebe (nicht dargestellt)
transportieren kann.
-
Die
Injektorpatrone 19, die einen unabhängigen Gegenstand
der Erfindung darstellt, enthält das biologische Material 1 im
gefrorenen Zustand. Vorteilhafterweise kann die Injektorpatrone 19 mit
dem gefrorenen Material 1 unabhängig vom Betrieb
der Depositionsvorrichtung 100 gefüllt, gelagert
und transportiert werden.
-
Die
Injektorpatrone 19 wird in der Ladeeinrichtung 10 durch
eine Spanneinrichtung gehalten, die in der Druckfluidleitung 26 angeordnet
ist und einen Haltering 29.1, eine Spannfeder 29.2 und
einen Spannhebel 29.3 umfasst. Zum Einsetzen der Injektorpatrone 19 durch
eine seitliche Öffnung des Gehäuses der Depositionseinrichtung 100 wird
der Haltering 29.1 mit dem Spannhebel 29.3 zurückgezogen und
nach Einlegen der Injektorpatrone 19 freigegeben. Der Haltering 29.1 sitzt
auf dem rückseitigen Rand der Patronenhülse 19.1 auf
und lässt das Abdeckelement 19.2 zur Beaufschlagung
mit dem Fluiddruck der Antriebseinrichtung 20 frei.
-
Zur
Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahren
wird eine befüllte, gekühlte Injektorpatrone 19 in
die Ladeeinrichtung 10 eingesetzt. Anschließend
wird die Depositionsvorrichtung 100 relativ zum Zielsubstrat
positioniert. Mit einer Betätigungstaste 45 wird
ein Druckfluidventil in der Druckleitung 26 geöffnet,
so dass das Druckfluid mit hoher Geschwindigkeit durch die Druckleitung 26 strömt,
die Abdeckelemente 19.2, 19.3 der Injektorpatrone 19 durchbricht
und das biologische Material durch die Beschleunigungsleitung 22 mitreißt.
-
Die 7A bis 7L zeigen
verschiedene Varianten der Form und Zusammensetzung des biologischen
Materials 1, das erfindungsgemäß im gefrorenen
Zustand in das Zielsubstrat eingebettet wird, in vergrößerten,
schematischen Querschnittsansichten. Die typische Querschnittsdimension
der gefrorenen Partikel des biologischen Materials ist vorzugsweise
im Bereich von 20 μm bis 5 mm gewählt. Vorzugsweise
umfasst das biologische Material 1 mindestens eine biologische
Zelle 3 oder Zellgruppe 5 und mindestens eine
Zusatzsubstanz 4. Die Zusatzsubstanz 4 ist typischerweise
das Umgebungsmedium, in dem die Zelle für die Deposition
vorbereitet (präpariert) wurde. Alternativ kann das biologischen Material
ausschließlich aus der im gefrorenen Zustand zugeführten
Zusatzsubstanz, wie zum Beispiel einem Füllstoff, einer
Suspensionsflüssigkeit, oder einem Kultivierungsmedium
bestehen.
-
Gemäß 7A umfasst das biologische Material eine
Zusammensetzung mit der Zellgruppe 5 und der Zusatzsubstanz 4.
Die Zusatzsubstanz 4 weist ein im Vergleich zur Zellgruppe 5 vernachlässigbares
Volumen auf. Die Reduzierung der Zusatzsubstanz 4 auf ein
Minimum (gefrorener Rest einer Umgebungslösung) ist von
Vorteil, wenn die Zellen mit minimaler Verdrängung und
geringster Kontamination in das Zielsubstrat einge bracht werden
sollen, wie es insbesondere bei Anwendungen in der Medizin und beim
Tissue Engineering von Interesse ist.
-
Alternativ
kann gemäß 7B das
biologische Material die Zellgruppe 5 und die Zusatzsubstanz 4 umfassen,
deren Volumen gleich oder größer als das Volumen
der Zellgruppe 5 ist. Diese Variante hat den Vorteil, dass
eine definierte Menge einer vorbestimmten Lösung, die zum
Beispiel Wirkstoffe enthalten kann, mit den Zellen in das Zielsubstrat
eingebracht werden kann. Des weiteren bietet die Umhüllung
mit der gefrorenen Zusatzsubstanz 4 einen verbesserten
Schutz bei der Einbettung der Zellgruppe 5 im Zielsubstrat.
Schließlich vereinfacht ein großes Volumen der
Zusatzsubstanz 4 die Möglichkeit, die gefrorenen
Partikel des biologischen Materials mit einer vorbestimmten Form
zu bilden. Es kann beispielsweise beim Einfrieren eine Partikelform
eines langgestreckten Ellipsoiden gebildet werden, die das Eindringen
in das Zielsubstrat erleichtert. Des weiteren kann durch die Formgebung
die Lage des Partikels im Zielsubstrat beeinflusst werden.
-
Das
biologische Material kann erfindungsgemäß mehrere
Zusatzsubstanzen 4.1, 4.2 enthalten, wie beispielhaft
in 7C gezeigt ist. Die Zellgruppe 5 wird
von mehreren Schichten umhüllender Lösungen im
gefrorenen Zustand umgeben. Beispielsweise enthält die
innere Zusatzsubstanz 4.1 ein Kultivierungsmedium mit einem
Kryoprotektivum und die äußere Zusatzsubstanz 4.2 ein
Kultivierungsmedium ohne Kryoprotektivum. Ein derartiger mehrschichtiger
Aufbau kann erzeugt werden, indem zum Beispiel zunächst
die Zellgruppe mit der inneren Zusatzsubstanz eingefroren und anschließend
durch Eintauchen mit der äußeren Zusatzsubstanz
beschichtet wird. Der Vorteil dieser Ausführungsform der
Erfindung ergibt sich beim Auftauen des biologischen Materials im
Zielsubstrat. Beim Auftauen vermischen sich beide Zusatzsubstanzen 4.1, 4.2,
so dass die Konzentration des Kryoprotektivums im Gesamtvolumen
beider Zusatzsubstanzen sinkt. Vorteilhafterweise wird damit eine
erhöhte Überlebensrate der eingebetteten Zellen
durch einen verringerten Stress beim Auftauen erreicht.
-
Die
Zusatzsubstanz 4 kann gemäß einer weiteren
Variante (7D) einen Hohlkörper,
insbesondere eine Hohlkugel bilden. In diesem Fall kann von Vorteil
sein, dass die Zellgruppe 5 eine freie Zelloberfläche
aufweist und dennoch bei der Einbettung in das Zielsubstrat durch
die Zusatzsubstanz 4 geschützt ist. Der Hohlkörper
der Zusatzsubstanz 4 gemäß 7D kann durch eine gefrorene Flüssigkeit oder
ein gefrorenes Gel oder gemäß einer weiteren Variante
der Erfindung durch ein festes Trägermaterial (siehe auch 7G) gebildet werden.
-
Alternativ
kann das biologische Material eine Zusammensetzung aus einer Vielzahl
einzelner Zellen 3 und der Zusatzsubstanz 4 gebildet
werden (siehe 7E). Von Vorteil bei
Anwendungen im Tissue Engineering oder beim Klonieren von Zellen
ist es, wenn gemäß 7F einzelne
Zellen 3 ohne oder mit Zusatzsubstanz 4 im Zielsubstrat
eingebettet werden.
-
Gemäß 7G kann die Zusatzsubstanz, z. B. als
gefrorene Flüssigkeit oder gefrorenes Gel (oder alternativ
als festes Trägermaterial 6) einen Träger
für die Zellgruppe 5 bilden. In diesem Fall wird vorteilhafterweise
eine große mechanische Stabilität des gefrorenen
Partikels und ein direkter Kontakt der Zellen 5 mit dem
Zielsubstrat erreicht.
-
7H zeigt eine weitere Ausführungsform einer
erfindungsgemäß verwendeten Zusammensetzung einer
Zellgruppe 5 mit einer Zusatzsubstanz 4, die einen
schützenden Hohlraum für die Zellgruppe 5 bildet.
-
Eine
weitere Variante einer Zusammensetzung mit einem festen Trägermaterial 6 ist
in 7I gezeigt. Das Trägermaterial 6 umfasst
ein Substrat, auf dem biologische Zellen 3 aufgewachsen
oder adheriert sind. Das Substrat umfasst zum Beispiel ein Gewebe,
einen Faden, ein Netz, ein Gel, ein Polymer oder dergleichen. Vorteilhafterweise
bildet das feste Trägermaterial 6, ggf. in Verbindung
mit der Zusatzsubstanz 4 im gefrorenen Zustand einen Festkörper, der
wie die anderen illustrierten gefrorenen Partikel in das Zielsubstrat
eingeschossen werden kann. Abweichend von der in 7I gezeigten
Variante kann das biologische Material ohne die Zusatzsubstanz 4, d.
h. ausschließlich mit biologischen Zellen 3 und dem
festen Trägermaterial 6 gebildet sein.
-
Erfindungsgemäß kann
das biologische Material ein Konglomerat (Zusammenballung, Gemisch) aus
verschiedenen gefrorenen Teilen sein, die Zellen enthalten oder
nicht. Ein Beispiel eines derartigen Konglomeratpartikels ist schematisch
in 7J gezeigt. Konglomerate haben
den Vorteil, dass die einzelnen Teile nach Bedarf zusammengesetzt
werden können und nach dem Auftreffen auf das Zielsubstrat oder
nach dem Auftauen zerfallen und getrennt wirksam werden.
-
Ein
weiteres Beispiel für ein biologisches Material mit einem
festen Trägermaterial 6 ist in 7K gezeigt.
In diesem Fall bildet das feste Trägermaterial 6 einen
Kernkörper, der zum Beispiel Substanzen beinhalten kann,
die erst nach dem Einbetten und Auftauen des biologischen Materials
freigesetzt werden. Vorteilhafterweise wird damit der Wirkungsbereich
der Substanzen auf den Depositionsort begrenzt. Das feste Trägermaterial 6 kann
ein kugelförmiger Festkörper (Bead), ein Gel,
ein Polymer oder ein gefrorener Flüssigkeitspartikel sein.
-
Die
oben erläuterten Varianten der Zusammensetzung des biologischen
Materials können kombiniert und erweitert werden, wie beispielhaft
in 7L illustriert ist. Es können
beispielsweise mehrere Zelltypen 3.1, 3.2 auf
einem zentralen Trägermaterial 6 angeordnet und
mit einer äußeren Zusatzsubstanz 4 umhüllt
sein. Vorteilhafterweise können so vorgefertigte Gewebepartikel,
z. B. mit Alginat umhüllte Inselzellen, in Form von Xenontransplantaten oder
für den allogenen Transfer in das Zielsubstrat eingebettet
werden.
-
8 illustriert
in schematischer Schnittansicht verschiedene Typen eingebetteter
Partikel gefrorenen Materials in einem Zielsubstrat 2,
das durch ein Gewebe biologischer Zellen gebildet wird. Die Partikel
A, B, C und D werden im gefrorenen Zustand mit einer ersten Temperatur
T1 in das Zielsubstrat 2 eingebettet,
das eine Umgebungstemperatur T2 aufweist.
Die Temperatur T1 kann in Abhängigkeit
von den verwendeten Materialien und der konkreten Anwendung der
Erfindung im Bereich zwischen zum Beispiel –270°C
bis zum Gefrierpunkt des Partikels, vorzugsweise im Bereich von –40°C
bis –160°C gewählt sein. Vorteilhaft
sind insbesondere Temperaturen unterhalb von –130°C,
da in diesem Temperaturbereich zum Beispiel CO2 stabil
ist und Wassereiskristalle kein migratorisches Wachstum zeigen.
Die Temperatur T1 kann des weiteren gewählt
werden, um eine vorbestimmte Eindringtiefe im Zielsubstrat 2 zu
erreichen. Da beim Einbetten des biologischen Materials im Zielsubstrat 2 durch
Reibungswärme und Wärmeaustausch mit dem Zielsubstrat 2 eine
Erwärmung der Partikel erfolgt, kann mit der Wahl der Temperatur
T1 unter Berücksichtigung der Größe
der gefrorenen Partikel die Eindringtiefe des biologischen Materials 1 im
Zielsubstrat 2 eingestellt werden. Die Umgebungstemperatur
T2 ist typischerweise die Raumtemperatur, eine Kultivierungstemperatur
oder die Gewebe temperatur des lebenden Organismus (z. B. 36°C
bis 37°C beim Menschen).
-
8 zeigt,
dass durch die Form und Größe der Partikel Depositionsparameter,
wie zum Beispiel die Eindringtiefe unter die Oberfläche 2.2 des
Zielsubstrats 2, die Verdrängung im Zielsubstrat 2 (z.
B. Verdrängung von Zellen in einem Zielgewebe) und die
Ausrichtung des eingebetteten biologischen Materials beeinflusst
werden können. Die Partikel tauen unmittelbar nach dem
Eindringen in das Zielsubstrat 2, während der
Bewegung in diesem oder nach Erreichen der Depositionsposition auf.
Damit sind Eindringtiefen im Bereich von einigen μm bis
hin zu einigen mm oder sogar cm erreichbar, wobei Verletzungen oder
Verdrängungen im Volumen des Zielsubstrats 2 minimiert
werden.
-
Ein
wesentlicher Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens
besteht darin, dass die Einbettung biologischen Materials nicht
auf Zellen oder Zellgruppen beschränkt ist, sondern entsprechend
auch gefrorene Lösungen, insbesondere gefrorene Wirkstoffe,
oder bei Raumtemperatur weiche oder elastische Materialien, wie
zum Beispiel Gele, Matrixmaterialien oder Polymere durch Einfrieren
in eine starre Form gebracht und entsprechend geschützt
und stabil in das Zielsubstrat eingebettet werden können.
-
9 illustriert
in schematischer Schnittansicht verschiedene Phasen der erfindungsgemäßen Deposition
biologischen Materials 1 in ein Zielsubstrat 2 und
anschließende Entwicklungsschritte, die nach der Einbettung
mit dem biologischen Material 1 im Zielsubstrat 2 erhalten
werden können. Bei Schritt A wird das biologische Material 1 im
gefrorenen Zustand auf einer freien Bewegungsbahn von der Lenkeinrichtung 40 der
Depositionsvorrichtung 100 (perspektivische Teildar stellung)
zur Oberfläche 2.2 des Zielsubstrats 2 bewegt.
Durch die Beaufschlagung mit einer Antriebskraft weist das biologische
Material 1 beim Eintreffen an der Oberfläche 2.2 eine
vorbestimmte kinetische Energie Wkin auf,
die das Eindringen in das Zielsubstrat 2 (z. B. ein biologisches
Gewebe) ermöglicht. Bei Schritt B erfolgt das Eindringen des
gefrorenen biologischen Materials 1 in das Zielsubstrat 2.
Beim Eindringen verdrängt oder zerstört das biologische
Material 1 minimale Teile des Zielsubstrats 2.
Vorteilhafterweise könnten jedoch aufgrund der geringen
Partikelgröße Verdrängungsräume,
wie zum Beispiel ein vom Partikel gebildeter Einschusskanal oder
Verletzungen schnell geschlossen und geheilt werden. Gleichzeitig
erfolgt durch den unmittelbaren Kontakt des biologischen Materials 1 mit dem
Zielsubstrat 2 ein Wärmeaustausch, bis das biologische
Material 1 aufgetaut ist (Schritt C). Dabei diffundiert
die im biologischen Material 1 ggf. enthaltene Zusatzsubstanz
(Kultivierungsmedium, Wirkstoff oder Wachstumsfaktor) in die Umgebung
des Depositionsortes.
-
Die
Schritte D und E illustrieren Entwicklungsschritte, die optional
bei der Einbettung von zum Beispiel Stammzellen oder Vorläuferzellen
in ein biologisches Gewebe auftreten können. Einzelne differenzierte
Zellen können durch Auflösung und Wandern der
ursprünglich eingebetteten Zellgruppe und/oder durch Differenzierung
vorhandener Zellen in verteilter Form im Gewebe auftreten (Schritt
D). Gleichzeitig oder anschließend können sich
ausgehend von den vereinzelten Zellen physiologische Gewebeformen
ausbilden. Beispielsweise ist bei Schritt E eine beginnende Angiogenese
illustriert.
-
Die
in Schritt A der 9 gezeigte freie Flugbahn des
biologischen Materials 1 muss nicht zwingend zwischen der
Lenkeinrichtung 40 und der Oberfläche 2.2 des
Zielsubstrats 2 ge geben sein, sondern kann bei einer abgewandelten
Ausführungsform der Erfindung in einem Hohlraum 2.3 des
Zielsubstrats 2 gebildet werden (10). In
diesem Fall umfasst die Lenkeinrichtung der Depositionsvorrichtung
(nicht dargestellt) einen langgestreckten Düsenkanal, der eine
Hohlleitung, wie zum Beispiel eine Kanüle, Spritzenspitze
oder Kapillare bildet. Die Lenkeinrichtung kann in das Zielsubstrat 2 bis
in den Hohlraum 2.3, wie zum Beispiel ein Hohlorgan, eingeführt
werden, um von dort das biologische Material 1 in das umgebende
Zielsubstrat 2 einzuschießen.
-
In 10 ist
auch eine weitere Variante des erfindungsgemäßen
Verfahrens illustriert, bei der aufeinanderfolgend Partikel mit
verschiedenen biologischen Materialien an einem gemeinsamen Depositionsort
im Zielgewebe 2 eingebettet werden. Vorteilhafterweise
können damit beim Auftauen am Depositionsort bestimmte
physiologische Zusammensetzungen, z. B. aus Zellen, Zellbestandteilen,
biologischen Makromolekülen, Wirkstoffen und/oder biokompatiblen
Zusatzstoffen, z. B. Füllstoffen bereitgestellt werden.
Beispielsweise umfasst der in 10 gezeigte
unterste Partikel eine Gruppe von Stammzellen, der mit dem mittleren
Partikel ein Kultivierungsmedium zugesetzt wird, das zum Beispiel
Differenzierungsfaktoren enthält. Vorteilhafterweise kann das
Kultivierungsmedium ohne Kryoprotektivum zugeführt werden.
Dies ermöglicht ein schnelles Verdünnen des im
untersten Partikel enthaltenen Kryoprotektivums und damit eine erhöhte
Vitalitätsrate der eingebetteten Zellen. Schließlich
kann mit dem obersten Partikel ein weiterer Zelltyp mit einer Kultivierungslösung
eingebracht werden, mit dem die Differenzierung der Stammzellen
beeinflusst werden soll.
-
11 illustriert
eine weitere Anwendung der Erfindung bei der Deposition biologischen
Materials 1 in ein Zielsubstrat 2, das durch eine
Zellkultur, z. B. in einem Kultivierungsgefäß gebildet
wird. Mir der Depositionsvorrichtung 100, die als manuell handhabbares
Werkzeug gezeigt ist, wird das biologische Material 1 in
Abhängigkeit von der Gestalt der Düsenanordnung 41 der
Lenkeinrichtung 40 und der Bewegung der Depositionsvorrichtung 100 über
dem Zielsubstrat 2 in diesem eingebettet. Beispielhaft
ist bei A eine Einzeldüse gezeigt, die für ein
serielles Einschießen des biologischen Materials 1 in
das Zielsubstrat 2 eingerichtet ist. Des weiteren ist bei
B eine Düsenanordnung 41 mit einer Matrixform
der Austrittsdüsen gezeigt, die zum gleichzeitigen Einschießen
oder für eine schnelle Musterbildung im Zielsubstrat 2 eingerichtet
ist (Formationsbildung). Die gleichzeitige (parallele) Einbettung
von biologischem Material 1 im Zielsubstrat 2 ist
auch für die Einbettung von Stammzellen in geschädigtes
Gewebe von Vorteil, wie es in der regenerativen Medizin angewendet wird.
-
12 illustriert
die Einbettung biologischen Materials in ein inhomogenes Zielsubstrat 2 mit
einer Gewebeschicht 2.4 und einem Blutgefäß 2.5.
Mit der Düsenanordnung 41 der Depositionsvorrichtung 100 (Teildarstellung)
können mehrere Proben des biologischen Materials in das
Zielsubstrat 2 eingebettet werden. Bei der Einbettung von
Zellen, welche die Eigenschaft haben, im biologischen Gewebe aktiv
zu wandern, wie zum Beispiel Stammzellen, Fibroblasten oder Makrophagen,
können diese Zellen in das Blutgefäß 2.5 des
behandelten Organismus übertreten. Die Position und Größe
der eingebetteten Proben des biologischen Materials 1 können
in Abhängigkeit von Betriebsparametern der Depositionsvorrichtung 100 und
insbesondere der Gestalt der Düsenanordnung 41 gewählt
werden.
-
Weitere
Beispiele für die Einbettung biologischen Materials 1 in
Zellkulturen sind in den 13A und 13B gezeigt. Gemäß 13A umfasst das Zielsubstrat 2 eine
Zellkultur in einem Kultivierungsgefäß 200.
Die Zellkultur umfasst zum Beispiel tierische oder pflanzliche Zellen,
Bakterien, Pilze oder Gemische aus diesen. Die Zellkultur kann vorteilhafterweise
mit einer Flüssigkeit 201 überschichtet
sein, ohne dass die erfindungsgemäße Deposition
des biologischen Materials 1 beeinträchtigt wird.
Dies ist auch bei der Einbettung in natürliche Kultivierungseinrichtungen
(14B) von Vorteil, wenn das Zielsubstrat 2 durch
ein inhomogenes System mit einer Phasengrenze gebildet wird. In 13B ist beispielhaft die Einbettung gefrorener
Partikel in ein Vogel- oder Fischei schematisch illustriert. Anwendungen
dieser Technik sind bei der gemeinsamen Kultivierung embryonaler
Zeilen oder anderer Zellen oder Gewebeteile gegeben. Der Vorteil
der Erfindung besteht bei dieser Anwendung in der hohen Depositionsgenauigkeit
und dem mechanischen Schutz der Zellen bis zum Auftauen. Abweichend
von der illustrierten Variante kann die Deposition des biologischen
Materials auch in anderen Teilen der natürlichen Kultivierungseinrichtung,
z. B. im Eigelb erfolgen.
-
Die
in der vorstehenden Beschreibung, den Zeichnungen und den Ansprüchen
offenbarten Merkmale der Erfindung können sowohl einzeln
als in Kombination für die Verwirklichung der Erfindung
in ihren verschiedenen Ausgestaltungen von Bedeutung sein.
-
ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
-
Diese Liste
der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde automatisiert
erzeugt und ist ausschließlich zur besseren Information
des Lesers aufgenommen. Die Liste ist nicht Bestandteil der deutschen
Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung. Das DPMA übernimmt
keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
-
Zitierte Patentliteratur
-
- - WO 2004/074426 [0005, 0005]