DE102012202630A1 - Verfahren zum Abgleichen eines Beschleunigungssensors und Beschleunigungssensor - Google Patents
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Abstract
Es wird ein Verfahren zum Abgleichen eines Beschleunigungssensors vorgeschlagen, wobei in einem ersten Schritt Messwerte in Abhängigkeit von auf den Beschleunigungssensor wirkenden Beschleunigungskräften erzeugt werden, wobei in einem zweiten Schritt die Messwerte dahingehend analysiert werden, ob eine Störbeschleunigung vorliegt, und wobei in einem dritten Schritt der Beschleunigungssensor in Abhängigkeit eines mathematischen Filters kalibriert wird, wenn im zweiten Schritt keine Störbeschleunigung detektiert wird, wobei ferner im zweiten Schritt auf die Messwerte ein mathematischer Hypothesentest zur Detektion einer Störbeschleunigung durchgeführt wird.
Description
- Stand der Technik
- Die Erfindung geht aus von einem Verfahren nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
- Sensoren, insbesondere mikromechanische Sensoren, wie beispielsweise Beschleunigungs-, Druck-, Magnetfeld- oder Drehratensensoren, werden in vielfältigen Einsatzgebieten eingesetzt. Durch Prozessstreuungen während der Sensorfertigung müssen die Sensoren auf das jeweilige Einsatzgebiet abgeglichen werden. Aus dem Stand der Technik ist bekannt, den Abgleich eines Beschleunigungssensors anhand des langzeitstabilen und temperaturunabhängigen Gravitationsvektors durchzuführen. Beispielsweise ist aus der Druckschrift
DE 10 2009 029 216 A1 ein Verfahren zum Selbstabgleich eines dreiachsigen Beschleunigungssensors im Betrieb bekannt, bei welchem mittels eines Abgleichalgorithmus in einem Ruhezustand überprüft wird, ob der Betrag der gemessenen Beschleunigung dem Betrag der Erdbeschleunigung entspricht. Dabei werden die Kalibrierungsparameter Sensitivität und der Offset, sowie deren jeweilige Varianz mittels eines gemeinsamen Kalmans-Filters geschätzt. - Bei den bekannten Methoden wird zur Erkennung, ob eine Störbeschleunigung vorliegt oder nicht, ein NIS-Wert (NIS = (y – ŷ)·S –1·(y – ŷ)) innerhalb des Kalmanfilters als Entscheidungskriterum herangezogen. Der Parameter S stellt dabei die Innovations-Kovarianzmatrix dar, y die gemessene Größe (nachfolgend auch als Messwert bezeichnet) und ŷ die geschätzte Größe. Eine überlagerte Störbeschleunigung mit vergleichsweise großer Amplitude und Dynamik kann durch diese Methode, vor allem während der Anfangsphase der Kalibrierung, jedoch nicht sicher detektiert werden. Sollten die Kalibrierungsparameter noch sehr ungenau bekannt sein, kommt es dann zu einer Fehlkalibrierung des Sensors.
- Offenbarung der Erfindung
- Das erfindungsgemäße Verfahren und der erfindungsgemäße Beschleunigungssensor gemäß den nebengeordneten Ansprüchen haben gegenüber dem Stand der Technik den Vorteil, dass zur Bestimmung, ob eine Störbeschleunigung vorliegt, ein dem Kalibrierungsverfahren zeitlich vorgelagerter mathematischer Hypothesentest auf den Messwerten durchgeführt wird, mit welchem auch überlagerte Störbeschleunigungen mit hoher Dynamik und großer Amplitude erkannt werden. Wenn eine solche Störbeschleunigung erkannt wird, wird der Kalibrierungsschritt gar nicht erst gestartet bzw. die ermittelten Messwerte werden nicht zur Kalibrierung herangezogen.
- Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung sind den Unteransprüchen, sowie der Beschreibung unter Bezugnahme auf die Zeichnungen entnehmbar.
- Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, dass im zweiten Verfahrensschritt auf die Messwerte ein mathematischer Hypothesentest in Form eines z-Tests oder eines t-Tests durchgeführt wird. In vorteilhafter Weise wird mit einem z-Test (auch als Gauß-Test bezeichnet) oder einem t-Test eine besonders effiziente Überprüfung dahingehend ermöglicht, ob die Mittelwerte der letzten gespeicherten Messwerte mit dem aktuellen Messwert übereinstimmen.
- Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, dass zeitlich vor dem ersten Verfahrensschritt durchgeführten nullten Verfahrensschritt eine Vielzahl von weiteren Messwerten der Vergangenheit, welche in Abhängigkeit von den auf den Beschleunigungssensor wirkenden Beschleunigungskräften erzeugt wurden, gespeichert werden, wobei im zweiten Verfahrensschritt aus der Vielzahl von gespeicherten Messwerten Mittelwerte gebildet werden und mittels einer Nullhypothese überprüft wird, ob die Mittelwerte und die im ersten Verfahrensschritt erzeugten Messwerte von der gleichen Normalverteilung stammen. Vorzugsweise wird hierbei die Nullhypothese aufgestellt, dass die Mittelwerte von der gleichen Normalverteilung mit bekannter Varianz stammen (U S = U K), oder die Alternativhypothese, dass die Mittelwerte unterschiedlich sind (U S ≠ U K).
- Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, dass in Abhängigkeit der Messwerte eine Testvariable durch Dividieren der Differenz aus den berechneten Mittelwerten vom nullten Verfahrensschritt und den Messwerten aus dem ersten Verfahrensschritt durch eine Standardabweichung berechnet wird und wobei die Testvariable mit einem Grenzwert verglichen wird. Die Testvariable z wird vorzugsweise wie Folgt berechnet:
- Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, dass der Grenzwert aus der inversen Normalverteilung oder aus der Students T-Verteilung berechnet wird, wobei ein Signifikanzniveau α vorgegeben wird:
T = N–1(1 – α / 2) - Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, dass das Vorliegen einer Störbeschleunigung angenommen wird, wenn der Betrag der Testvariablen größer als der Grenzwert ist. Vorteilhafterweise wird somit ein eindeutiges Entscheidungskriterium geschaffen, welches das Vorliegen einer Störbeschleunigung oder die Abwesenheit einer Störbeschleunigung angibt. Auf diese Weise werden auch Störbeschleunigungen mit hoher Dynamik und großer Amplitude detektiert. Die mathematische Bedingung hierfür lautet insbesondere: |z| > T.
- Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, dass ein Interrupt erzeugt wird, wenn das Vorliegen einer Störbeschleunigung angenommen wird und wobei die Kalibrierung des Beschleunigungssensors verhindert und/oder abgebrochen wird, wenn der Interrupt detektiert wird. Auf diese Weise wird verhindert, dass der aktuelle Messwert zur Kalibrierung des Beschleunigungssensors verwendet wird, wenn der aktuelle Messwert durch eine Störbeschleunigung beeinflusst ist.
- Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist vorgesehen, dass im dritten Verfahrensschritt der Beschleunigungssensor mittels eines Kalman-Filters und insbesondere eines nicht-linearen Kalman-Filters kalibriert wird, so dass eine effiziente und präzise Abschätzung von Sensitivität und Offset des Beschleunigungssensors während seines Verwendungsmodus (auch als "In-Use-Calibration" bezeichnet) ermöglicht wird. Ein Abgleich am Bandende des Herstellungsprozesses ist somit nicht notwendig.
- Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Beschleunigungssensor kalibriert nach dem vorhergehenden Verfahren. Der Beschleunigungssensor umfasst insbesondere einen dreiachsigen Beschleunigungssensor. Vorzugsweise umfasst der Beschleunigungssensor einen mikromechanischen Beschleunigungssensor, welcher vorzugsweise in einem Standardhalbleiterherstellungsprozess hergestellt ist.
- Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung sind in den Zeichnungen dargestellt und in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert.
- Kurze Beschreibung der Zeichnungen
- Es zeigen
-
1 eine schematische Ansicht eines Verfahrens zum Abgleichen eines Beschleunigungssensors gemäß dem Stand der Technik und -
2 eine schematische Ansicht eines Verfahrens zum Abgleichen eines Beschleunigungssensors gemäß einer beispielhaften Ausführungsform der vorliegenden Erfindung. - Ausführungsformen der Erfindung
- In
1 eine schematische Ansicht eines Verfahrens zum Abgleichen eines Beschleunigungssensors gemäß dem Stand der Technik dargestellt. In einem ersten Verfahrensschritt werden Messwerte eines dreiachsigen Beschleunigungssensors1 erzeugt. Die Messwerte sind dabei proportional zu Beschleunigungen entlang der drei Messachsen des Beschleunigungssensors. Der Beschleunigungssensor1 umfasst beispielsweise ein Substrat und eine relativ zum Substrat entlang der drei Messachsen beweglich aufgehängte seismische Masse. Wenn der Beschleunigungssensor eine Beschleunigung erfährt, wird die seismische Masse aufgrund von Trägheitskräften aus ihrer Ruhelage ausgelenkt. - Die Auslenkung der seismischen Masse wird vorzugsweise kapazitiv, beispielsweise mittels einer Plattenkondensatorstruktur oder einer Fingerelektrodenstruktur, ausgewertet und in ein analoges Sensorsignal gewandelt. Das Sensorsignal ist dabei der Größe der Auslenkung und somit der anliegenden Beschleunigung proportional. Aus dem Sensorsignal können dann entsprechende Messwerte abgeleitet werden.
- Die Messwerte werden in einem dritten Schritt
3 an einen Kalmanfilter übergeben. Wenn der Beschleunigungssensor1 sich in einem Ruhezustand befindet (auch als 1g-Zustand bezeichnet), in welchem lediglich die Erdbeschleunigung (1g) auf den Beschleunigungssensor1 wirkt, kann anhand der Messwerte eine Abschätzung der Sensitivität und des Offsets des Beschleunigungssensors1 vorgenommen werden. Eine solche Vorgehensweise geht beispielsweise aus der DruckschriftDE 10 2009 029 216 A1 hervor, dessen Offenbarungsgehalt hiermit durch Bezug einbezogen werden. - In
2 ist eine schematische Ansicht eines Verfahrens zum Abgleichen eines Beschleunigungssensors1 gemäß einer beispielhaften Ausführungsform der vorliegenden Erfindung dargestellt. Das erfindungsgemäße Verfahren weist gegenüber dem anhand von1 beschriebenen Abgleichverfahren einen zusätzlichen Schritt zwischen der Ermittelung der Messwerte (auch als erster Verfahrensschritt bezeichnet) und der Kalibrierung des Beschleunigungssensors1 (auch als dritter Verfahrensschritt3 bezeichnet). In dem zusätzlichen Schritt (auch als zweiter Verfahrensschritt2 bezeichnet) wird geprüft, ob die im ersten Verfahrensschritt vom Beschleunigungssensor1 erzeugten Messwerte durch eine impulsive Störbeschleunigung beeinflusst sind. Der zweite Verfahrensschritt wird nachfolgend daher auch als Störbeschleunigungserkennung bezeichnet. -
- Mit den Parametern n wird die Empfindlichkeit der Störbeschleunigungserkennung eingestellt. Je größer der Parameter n gewählt wird, desto weniger Störbeschleunigung wird im Signal zugelassen. Anschließend wird anhand des statistischen z-Tests überprüft, ob die Mittelwerte der letzten gespeicherten Beschleunigungswerte mit dem aktuellen gemessenen Messwert übereinstimmen. Hierzu wird die Testvariable z berechnet:
- Dazu wird eine Nullhypothese aufgestellt, dass die Mittelwerte von der gleichen Normalverteilung mit bekannter Varianz stammen
und die Alternativhypothese, dass die Mittelwerte unterschiedlich sind(U S = U K) (US ≠ UK). - Mit diesem zweiseitigen z-Test kann die Überprüfung der Nullhypothese durchgeführt werden. Da eine Gaußverteilung des z-Wertes vorliegt, kann mit Hilfe der inversen Normalverteilung und einem vorgegeben Signifikanzniveau α ein Grenzwert T für die Verwerfung der Nullhypothese errechnet werden:
T = N–1(1 – α / 2) - Unterscheidet sich der aktuelle Messwert signifikant von der Messwerthistorie, ist der Betrag der Testvariablen z der Stichprobenfunktion größer als der errechnete Grenzwert T:
|z| > T - Daher wird die Nullhypothese verworfen und der aktuelle Messwert nicht an den Kalibrierungsalgorithmus (dritter Verfahrensschritt
3 ) weitergeleitet. Durch dieses Verfahren ist es nun möglich, unabhängig von der verwendeten In-Use-Kalibrierungsmethode, das Vorliegen einer impulsiven Störbeschleunigung zu erkennen. Wenn die impulsive Störbeschleunigung im zweiten Verfahrensschritt2 erkannt wird, wird insbesondere ein Interrupt erzeugt, welcher das Weiterleiten des aktuellen Messwertes an den Kalibrierungsalgorithmus (dritter Verfahrensschritt3 verhindert. - ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
- Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde automatisiert erzeugt und ist ausschließlich zur besseren Information des Lesers aufgenommen. Die Liste ist nicht Bestandteil der deutschen Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung. Das DPMA übernimmt keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
- Zitierte Patentliteratur
-
- DE 102009029216 A1 [0002, 0020]
Claims (9)
- Verfahren zum Abgleichen eines Beschleunigungssensors (
1 ), wobei in einem ersten Verfahrensschritt Messwerte in Abhängigkeit von auf den Beschleunigungssensor wirkenden Beschleunigungskräften erzeugt werden, wobei in einem zweiten Verfahrensschritt (2 ) die Messwerte dahingehend analysiert werden, ob eine Störbeschleunigung vorliegt, und wobei in einem dritten Verfahrensschritt (3 ) der Beschleunigungssensor (1 ) in Abhängigkeit eines mathematischen Filters kalibriert wird, wenn im zweiten Verfahrensschritt (2 ) keine Störbeschleunigung detektiert wird, dadurch gekennzeichnet, dass im zweiten Verfahrensschritt (2 ) auf die Messwerte ein mathematischer Hypothesentest zur Detektion einer Störbeschleunigung durchgeführt wird. - Verfahren nach Anspruch 1, wobei im zweiten Verfahrensschritt (
2 ) auf die Messwerte ein mathematischer Hypothesentest in Form eines z-Tests oder eines t-Tests durchgeführt wird. - Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei zeitlich vor dem ersten Verfahrensschritt durchgeführten nullten Verfahrensschritt eine Vielzahl von weiteren Messwerten in Abhängigkeit von auf den Beschleunigungssensor (
1 ) wirkenden Beschleunigungskräften erzeugt werden, wobei im zweiten Verfahrensschritt (2 ) aus der Vielzahl von weiteren Messwerten Mittelwerte gebildet werden und mittels einer Nullhypothese überprüft wird, ob die Mittelwerte und die im ersten Verfahrensschritt erzeugten Messwerte von der gleichen Normalverteilung stammen. - Verfahren nach Anspruch 3, wobei in Abhängigkeit der Messwerte eine Testvariable durch Dividieren der Differenz aus den Mittelwerten und den Messwerten durch eine Standardabweichung berechnet wird und wobei die Testvariable mit einem Grenzwert verglichen wird.
- Verfahren nach Anspruch 4, wobei der Grenzwert aus der inversen Normalverteilung oder aus der Students T-Verteilung berechnet wird.
- Verfahren nach einem der Ansprüche 4 oder 5, wobei das Vorliegen einer Störbeschleunigung angenommen wird, wenn der Betrag der Testvariablen größer als der Grenzwert ist.
- Verfahren nach Anspruch 6, wobei ein Interrupt erzeugt wird, wenn das Vorliegen einer Störbeschleunigung angenommen wird und wobei das Kalibrierung des Beschleunigungssensors (
1 ) verhindert und/oder abgebrochen wird, wenn der Interrupt detektiert wird. - Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei im dritten Verfahrensschritt (
3 ) der Beschleunigungssensor (1 ) mittels eines Kalman-Filters und insbesondere eines nicht-linearen Kalman-Filters kalibriert wird. - Beschleunigungssensor (
1 ) kalibriert nach einem Verfahren gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche.
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