DE19546614C2 - Oxidationsbeständige, chromoxidbildende Legierung - Google Patents
Oxidationsbeständige, chromoxidbildende LegierungInfo
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Description
Die Erfindung bezieht sich auf ein Bauteil, das aus
einer chromoxidbildenden Legierung besteht sowie auf
ein Herstellungsverfahren für das Bauteil. Die
chromoxidbildende Legierung besteht aus Chrom, bis zu
1% reaktive Elemente, deren Sauerstoff-Affinität höher
als die von Chrom ist, Eisen, Nickel und/oder Cobalt
sowie herstellungsbedingte Verunreinigungen als Rest.
Eine Legierung der vorgenannten Art ist aus der
Druckschrift EP 0 570 072 A2 bekannt. Eine chromhaltige
Legierung mit 15-30 Gew.-% Chrom und zugesetzten
reaktiven Elementen wird ferner in der Druckschrift US
4 029 477 beschrieben.
Beide vorbekannten Legierungen wurden mit der
Zielsetzung geschaffen, oxidationsbeständige Werkstoffe
bereitzustellen.
Chromoxidbildende Legierungen auf der Basis NiCr, FeCr,
FeNiCr, CoCr oder Cr werden in vielen Bereichen der
Technik (Turbinen- und Triebwerksbau, Chemie, Ofenbau,
Energieumwandlungsanlagen wie Brennstoffzellen,
Müllverbrennung, etc.) als Konstruktionswerkstoffe für
Hochtemperaturkomponenten eingesetzt. Die
Korrosionsbeständigkeit bei hohen Betriebstemperaturen
(z. B. bei 500-1100°C) beruht auf Cr2O3-Deckschichten,
die sich bei Betriebstemperatur durch selektive
Oxidation des Legierungselementes Cr (typische
Konzentration in den betreffenden Legierungen < 15%) an
der Komponentenoberfläche bilden.
Chromoxidbildende Legierungen sind bei hohen
Temperaturen nur bedingt einsetzbar. Z. B. ist aus DE
44 10 711 bekannt, daß bei bipolaren Platten in
Hochtemperatur-Brennstoffzellen die sich bildenden
Chromoxid-Deckschichten abplatzen und so die
Lebensdauer und Funktionsweise der Komponente begrenzt
wird.
Aufgabe der Erfindung ist die Schaffung eines aus einer
chromoxidbildenden Legierung bestehenden Bauteils, das
unter Hochtemperatur-Bedingungen eine gegenüber dem
vorgenannten Stand der Technik erhöhte Lebensdauer und
verbesserte Funktionsweise aufweist. Ferner ist Aufgabe
der Erfindung die Schaffung eines Verfahrens zur
Herstellung des Bauteils.
Gelöst werden die Aufgaben durch ein Bauteil mit den
Merkmalen des Haupt- sowie ein Herstellungsverfahren
mit den Merkmalen des Nebenanspruchs.
Die Lebensdauer der Legierung wird erstens durch in
geringen Mengen (z. B. 0.1-1 Mass.-%) zugesetzte
reaktive Elemente zur Legierung gesteigert.
Zweitens sind reaktive, in der Oberfläche der Legierung
implantierte oder auf der Oberfläche aufgebrachte
Elemente vorgesehen. Unter reaktiven Elementen sind
chemische Elemente wie z. B. Y, Ce, Hf, La zu
verstehen, die eine höhere Affinität zum Sauerstoff im
Vergleich zu Chrom aufweisen. Diese verlangsamen oder
stoppen den Transport von Sauerstoff- und Metallionen
durch Cr2O3.
Bilden sich Cr2O3-Deckschichten auf der Legierung, so
diffundieren die reaktiven Elemente in die
Deckschichten hinein. Infolge des Diffusionsprozesses
werden die reaktiven Elemente in die Oxidkorngrenzen
eingebaut und blockieren dann die Transportwege für
Metall- und Sauerstoffionen. Die weitere Bildung von
Cr2O3 wird hierdurch verlangsamt. Das verlangsamte
Wachstum führt wiederum zu einer verbesserten Haf
tung der Cr2O3-Deckschicht auf der Legierung. Auf
grund dieser zwei Wirkungen wird insbesondere bei
einem Einsatz unter hohen Temperaturen die Funk
tionsweise der Legierung bzw. eine aus dieser Legie
rung hergestellte bipolare Platte wesentlich verbessert
sowie ihre Lebensdauer erheblich erhöht.
Die Diffusionsgeschwindigkeit reaktiver Elemente
von der Legierung in die sich bildende Oxidschicht be
einflußt die gewünschte Wirkung: Je schneller reaktive
Elemente in sich bildende Cr2O3-Deckschichten hinein
diffundieren, desto eher wird das Wachstum dieser
Deckschichten vorteilhaft verlangsamt. Eine verbesser
te Ausgestaltung der Erfindung liegt daher vor, wenn
Mittel vorgesehen sind, die den Diffusionsprozeß der
reaktiven Elemente in die sich bildende Cr2O3-Schicht
fördern.
Die Diffusionsgeschwindigkeit ist z. B. vergleichswei
se gering, wenn die Legierungsmatrix nur eine geringe
Löslichkeit für das reaktive Element aufweist z. B. ist
Yttrium oder Yttriumoxid in einer Cr-Basislegierung
nur gering löslich. Vorteilhaft sind daher Legierung und
reaktives Element so zu wählen, daß die Löslichkeit
groß ist. Beispielsweise ist die Löslichkeit von Y in Ni-
20-Cr-Y2O3 erheblich höher als in einer Cr-Basislegie
rung mit Yttriumoxid. Eine derartige Auswahl stellt ein
Mittel zur Erhöhung der Diffusionsgeschwindigkeit dar.
Im Fall von Yttrium oder Yttriumoxid in einer Cr-Ba
sislegierung ist beispielsweise ferner das reaktive Ele
ment in der Legierung in einer thermodynamisch stabi
len Phase gebunden (z. B. Y in Form von Y-Oxid). Die
thermodynamisch stabilen Phase erschwert weiter
nachteilhaft die Diffusion des reaktiven Elementes in die
Chromoxid-Deckschicht. Vorteilhaft sind die Kombina
tionen so auszuwählen, daß eine thermodynamisch in
stabile Phase vorliegt Ni9Y ist eine geeignet weniger
stabile Phase in einer Ni-20Cr-Y2O3-Legierung.
Bei ODS-Legierungen (d. h. Legierungen mit reaktive
Element-Oxide-Dispersionen, insbesondere Y2O3) auf
NiCr- und insbesondere Cr-Basis treten geringe Diffu
sionsgeschwindigkeiten auf. Hohe Wachstumsraten der
Chromoxid-Deckschichten treten daher z. B. bei 1000°C
etwa 20 h lang auf. Bei tieferen Temperaturen kann die
se Zeit hoher Wachstumsraten noch wesentlich länger
sein. Erst nach 20 Stunden und mehr ist der Diffusions
prozeß soweit fortgeschritten, daß die erwünschten sehr
geringen Wachstumsraten eintreten.
Um die Zeit bis zum Eintreten geringer Wachstums
raten zu verkürzen, sind in einer weiteren Ausgestal
tung der Erfindung vorteilhaft in bzw. an der Legie
rungsoberfläche vor Oxidation bzw. vor Betriebseinsatz
reaktive Elemente oder deren Oxide in sehr hohen Kon
zentrationen vorgesehen. Die hohe Konzentration stellt
ein Mittel zur Beschleunigung der Diffusionsgeschwin
digkeit dar. Insbesondere Konzentrationen gemäß den
Ausführungsbeispielen haben sich als erfolgreich her
ausgestellt.
Die reaktiven Elemente sind insbesondere als sehr
dünne Schicht zu implantieren oder auf die Legierungs
oberfläche aufzubringen, da es lediglich auf das Kon
zentrationsgefälle ankommt, um die rasche Diffusion zu
bewirken. Insbesondere Schichtdicken gemäß den Aus
führungsbeispielen haben sich als erfolgreich herausge
stellt.
Die Oberfläche einer metallischen Legierung wurde
mit Ionen eines reaktiven Elementes implantiert. Die
Implantationsdosis von reaktiven Elemente lag zwi
schen 5 . 1015 und 5 . 1017 Ionen/cm2. Als vorteilhaft hat
sich eine Dosis zwischen 1 . 1016 und 1 . 1017 Ionen/cm2
herausgestellt. Die maximale Konzentration reaktiver
Elemente betrug in der implantierten Zone 30 at-%.
Vorteilhaft waren Konzentrationen von 5-10 at.-%.
Die Tiefe der implantierten Zone lag bei maximal 500
nm. Vorteilhaft lagen sie bei 10-500 Angström.
Zur Herstellung einer Legierung wurde diese in oxi
dierender Atmosphäre (z. B. Luft) bei einer Temperatur
zwischen 300 und 800°C, bevorzugt jedoch zwischen
400 und 600°C, für maximal zwei Stunden, bevorzugt für
5-20 Minuten vorgewärmt. Anschließend wurde die
heiße Legierungsprobe in eine gesättigte wäßrige Lö
sung eines Nitrates des gewünschten reaktiven Ele
ments getaucht. Nach Entfernen der Legierung aus der
Lösung wurde die Probe erneut bei gleichen oder ähnli
chen Bedingungen wie beim ersten Erwärmungsschritt
erwärmt Abhängig von der verwendeten Nitratlösung,
den Erwärmungstemperaturen und -zeiten entstand
durch diese dreistufige Behandlung an der Legierungs-
bzw. Komponentenoberfläche eine sehr dünne Schicht
(1-200 nm) bestehend aus dem Oxid des reaktiven Ele
ments.
Es hat sich gezeigt, daß bei Legierungen, die bereits
reaktive Elemente in metallischer Form und insbeson
dere in Form einer Oxiddispersion aufwiesen, die
Wachstumsrate der Cr-Oxid-Deckschicht in den An
fangsstadien hoch ist. Dies galt insbesondere für Legie
rungen, die nur eine geringe Löslichkeit für das reaktive
Element aufweisen. Erst nach längere Zeiten nahm die
Wachstumsrate stark ab.
Hergestellt und untersucht wurden Legierungen auf
NiCr-, FeCr- und Cr-Basis gemäß Ausführungsbei
spielen 1 oder 2 und zwar solche, die bereits zugesetzte
reaktive Elemente (insbesondere Y) beinhalteten sowie
Legierungen ohne derartige Zusätze. Die entsprechend
den Ausführungsbeispielen 1 oder 2 in einer sehr dün
nen Schicht an bzw. in die Oberfläche eingebrachten
reaktiven Elemente (insbesondere Y) oder deren Oxide
wurden bei Einsatz der Legierung unter oxidierenden
Bedingungen und hohen Temperaturen in die Cr-Oxid
schicht eingebaut.
Wurden Oberflächen von Legierungen, die keine Zu
sätze von reaktiven Elementen und/oder deren Oxide
enthielten nach Ausführungsbeispiel 1 oder 2 modifi
ziert, so wurden in den Anfangsstadien der Oxidation
niedrige Wachstumsraten der Cr2O3-Deckschichten be
obachtet.
Diese günstige Wirkung ging jedoch bereits nach we
nigen Stunden (10 bis 100 Stunden je nach herrschender
Temperatur) verloren.
Wurde eine Legierung (oder eine Komponente aus
einer derartigen Legierung), die Zusätze von reaktiven
Elementen und/oder deren Oxiden enthielt vor Oxida
tion bzw. Betriebseinsatz entsprechend Ausführungs
beispiel 1 oder 2 behandelt, so trat sofort, d. h. auch in
den Anfangsstadien der Oxidation, geringe Oxidschicht
wachstumsraten auf. Die geringen Wachstumsraten und
die gute Schichthaftung blieben auch nach langen Zei
ten erhalten.
Claims (2)
1. Bauteil, bestehend aus einer Legierung aus (in
Gew.-%):
15-30% Chrom,
bis zu 1% reaktive Elemente, deren Sauerstoff- Affinität höher als die von Chrom ist, und
Eisen, Nickel und/oder Kobalt sowie herstellungsbedingte Verunreinigungen als Rest, als Substrat,
welches eine Oberflächenschicht aufweist, in der Oxide eines reaktiven Elements bis zu 30 at.-%, gerechnet in Bezug auf den Anteil des reaktiven Elements, auftreten.
15-30% Chrom,
bis zu 1% reaktive Elemente, deren Sauerstoff- Affinität höher als die von Chrom ist, und
Eisen, Nickel und/oder Kobalt sowie herstellungsbedingte Verunreinigungen als Rest, als Substrat,
welches eine Oberflächenschicht aufweist, in der Oxide eines reaktiven Elements bis zu 30 at.-%, gerechnet in Bezug auf den Anteil des reaktiven Elements, auftreten.
2. Verfahren zum Herstellen des Bauteils nach Anspruch
1, dadurch gekennzeichnet, daß das Substrat aus einer
Legierung nach Anspruch 1 mit einer Ionendichte von
5.1015 bis 5.1017 Ionen/cm2 der reaktiven Elemente
beschossen wird.
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