DE19623962A1 - Elektrotauchlack für metallische Schüttgüter - Google Patents

Elektrotauchlack für metallische Schüttgüter

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Description

Elektrotauchlacke werden in der industriellen Beschich­ tungstechnik dort eingesetzt, wo metallisch leitfähige Substrate in hohen Stückzahlen lackiert werden. Das Verfahren beruht darauf, daß in einem Lackbecken die als Anode- bzw. Kathode geschalteten Werkstücke mit Lack beaufschlagt werden. Am Werkstück findet hierbei eine Neutralisation des in Lösung befindlichen Lack­ systems und ein Niederschlag auf der Elektrode statt.
Das Verfahren bewährt sich insbesondere zur Beschich­ tung von Metallartikeln in hohen Stückzahlen. Durch die elektrische Abscheidung können dünne porenfreie Schichten erzielt werden.
Neben den bekannten Anwendungen in der Beschichtung von Automobilkarossen sind eine Reihe von Beschich­ tungen bekannt, die zur Oberflächenveredlung von industriellen Gütern dienen. Beispiele hierfür sind Stahlfelgen, Radiatoren, Hausgeräte und viele andere mehr.
Üblicherweise werden die Teile in automatischen Anla­ gen in einer Aufhängung, die die Kontaktierung mit der elektrischen Spannung sicherstellt, dem Lackierbecken zugeführt.
Nach der Abscheidung passieren die abgeschiedenen Lack­ filme einen Einbrennofen, in dem der abgeschiedene flüssige Film zu festen, duroplastischen Filmen vernetzt wird.
Die eingesetzten Lacke bestehen grundsätzlich, wie alle Lackmaterialien, aus Bindemitteln, Pigmenten, Füll­ stoffen, Additiven und geringen Mengen Lösemitteln sowie als Lösemittel Wasser und Neutralisationsmittel.
Von entscheidender Bedeutung sind normalerweise die Bindemittel. Diese bestimmen in ihrer Zusammensetzung Abscheidung, Umgriff, Spannungsstabilität, Korrosions­ schutz, Vernetzung etc. Man unterscheidet nach Abschei­ dung des Lackes an der Anode anodische Tauchlacke (ATL) und an der Kathode kathodische Tauchlacke (KTL). Die Löslichkeit in Wasser wird bei den Bindemitteln üblicherweise z. B. durch Verwendung von Caboxylgruppen (ATL) oder Aminogruppen (KTL) sichergestellt. Da die Abscheidung mit Hilfe des elektrischen Spannungsfeldes sichergestellt wird, genügen geringe Konzentrationen bzw. Lackfestkörper. Bei der Verabscheidung verarmt die Umgebung der Elektrode an Lack, die Nachlieferung des Lackmaterials aus dem wässerigen Tauchbecken er­ folgt durch Diffusion. Entsprechend dem verbrauchten Lackmaterial wird durch Nachfüllware der Badfestkörper auf konstantem Niveau gehalten. Die neben den Binde­ mitteln verwendeten Lackbestandteile Pigmente, Füll­ stoffe und Additive haben ähnliche Bedeutung wie in allen anderen Lackanwendungen, wobei insbesondere die Verwendung von Füllstoffen in Elektrotauchlackanwen­ dungen nur in geringem Umfang verwirklicht wird, da die Eigenschaften des Lackfilms im wesentlichen durch die Eigenschaften des verwendeten Bindemittels im Hinblick auf physikalisch-technologische Werte und das Verhalten bei der Abscheidung dargestellt werden.
Da im allgemeinen dünne Lackfilme mit Schichtdicken von 35 µm und weniger aufgebracht werden, und üblicher­ weise zur Erzielung gleichmäßiger dünner Schichten ge­ ringe Badfestkörper verwendet werden, verbietet sich die Verwendung von großen Füllstoffmengen. Der Stand der Technik mit der Verwendung großer Badvolumina, ge­ ringer Festkörper und Spezifikationen, die insbesondere durch bestimmte Bindemittelkombination erzielbar werden, verbietet die Verwendung von größeren Mengen Füllstoff im Lack, da hierdurch z. B. das Absetzverhalten des verdünnten Badansatzes negativ beeinflußt würde.
Die Verwendung des Elektrotauchlackverfahrens für Klein­ teile (metallische Schüttgüter) verbietet sich in der industriellen Praxis dadurch, daß der Aufwand zur Aufhängung (elektrische Kontaktierung) der Kleinteile in keinem Verhältnis zu den dadurch entstehenden Kosten pro Teil steht. Aus diesem Grunde hat die Beschichtung von Kleinteilen erst zögernd Einzug in die industrielle Lackiertechnik gefunden.
Es sind Verfahren bekannt, mit denen Kleinteile im Durchlaufverfahren beschichtet werden, z. B. das der archimedischen Schraube, in der eine kontinuierliche Beschichtung im Elektrotauchlackverfahren von Kleinteilen möglich ist. Die Teile werden nicht einzeln aufgehängt, sondern in einem Schneckenförderer durch das Lackbecken geführt (siehe auch EP-0 627 022/WO93/17155/DE 42 05 672).
Der elektrische Kontakt wird hier durch einzelne elektri­ sche Kontakte und die gegenseitige Kontaktierung der Teile in der Schüttung durchgeführt. Der Vorteil bei diesem Verfahren ist die Möglichkeit, in kurzen Zeit­ räumen große Mengen von Kleinteilen kontinuierlich zu beschichten. Im Anschluß an die kontinuierliche Teil­ beschichtung werden die Teile als Schüttgut in einem Durchlaufofen, auf einem Ofenband aufgeschüttet, der Einbrennung und Aushärtung des Lackfilmes zugeführt. Der Nachteil dieses Verfahrens besteht darin, daß so­ wohl im Durchlaufautomaten als auch im Einbrennofen die Teile gegenseitig kontaktieren und durch die Über­ wälzung der Teile und den gegenseitigen Kontakt von Lackfilm gegen Lackfilm sowohl Beschädigungen der Lack­ filme, als auch beim Einbrennen ein Verkleben der Lack­ filme beim Viskositätsabfall während des Einbrenn­ prozesses und anschließende Fixierung durch die Ver­ netzung auftreten.
Eine breite Verwendung dieses Ver­ fahrens ist daher nur möglich, wenn der Anteil der Be­ schädigungen des abgeschiedenen Lackfilms sowie der Beschädigungen und Verklebungen während des Einbrennens minimiert werden.
Um dieses zu erreichen, schlägt die Erfindung die in den Patentansprüchen angegebene Lösung vor.
Es zeigt sich, daß entgegen dem Stand der Technik die Verwendung von größeren Mengen Füllstoffen in den einge­ setzten Elektrotauchlacken die oben beschriebenen Be­ schädigungen der Lackfilme deutlich auf ein tolerier­ bar es Maß herabsenken.
Den gewünschten Effekt ergeben Füllstoffe mit mittleren Korngrößen von 0,2-2 µm, vorzugsweise 0,3-0,7 µm, entsprechend 1-20%, vorzugsweise 2-10% der Schichtdicken des abzuscheidenden Films, die Dichten der Füllstoffe liegen zwischen 1,5 und 4,5 entsprechend vorzugsweise 1,6-3,5 g/cm³.
Ebenso beeinflußt die Art des Füllstoffes ganz wesent­ lich den positiven Effekt als sogenannter Abstandhalter sowie das Verhalten im Absetzen im Lackbecken. Es wurde festgestellt, daß insbesondere die Verwendung von struk­ turbildenden Füllstoffen, z. B. von Aluminiumsilikaten, Magnesiumsilikaten unterschiedlicher chemischer Struktur sowie Siliziumdioxid und Kaolin, einzeln oder in Kombination, in bestimmten Korngrößenverteilungen, wie oben beschrieben, deutliche Verbesserungen in Oberflächenbeschädigungen bzw. -verklebungen ergibt.
Die beschriebenen unverdünnten Lackmaterialien beim Einsatz als 1K-System weisen Festkörper von 40-80%, vorzugsweise 50-75% auf und werden für die Verarbeitung mit Wasser auf Verarbeitungsfestkörper von 8-25%, vorzugsweise 10-20%, verdünnt (alle % Angaben in Gewichtsprozent).
Ganz wesentlich ist die Menge des eingesetzten Füll­ stoffs. Bezogen auf die beschriebenen unverdünnten Lackmaterialien werden üblicherweise entsprechend dem Stand der Technik, maximal 10% Füllstoff und weniger eingesetzt.
Die erfindungsgemäßen Mengen Füllstoff sind 10 bis 25%, im unverdünnten Lack vorzugsweise 15-23%.
Als weiteres Maß für die Höhe des Füllgrades im unver­ dünnten Lackmaterial dient die Pigmentvolumenkonzentration PVK. Die üblichen, dem Stand der Technik entsprechenden PVK sind < 10.
Die erfindungsgemäß verwendeten Pigment-Volumen-Konzen­ trationen liegen zwischen 10,0 und 40, vorzugsweise zwischen 12-35.
Die nachfolgenden Beispiele zeigen typischen Rezepturen, die dem Stand der Technik entsprechen. Beispiel 1: Eine anodische Tauchlackrezeptur und Beispiel 2: eine kathodische Tauchlackrezeptur.
Beispiele 3 und 4 zeigen entsprechende Rezepturen für anodische und kathodische Abscheidung mit Bindemittel- Füllstoff-Verhältnissen wie sie der Erfindung entsprechen, in denen beschädigungsarme schwarze Elektro­ lackierungen von Kleinteilen durchgeführt wurden.
Beispiel 1
53,0% Resydrol SWY 326
20,0% Cymel 1130
5,5% Amin-Lösung
8,0% Iso-Butanol
5,0% Talkum
2,0% Farbruß
6,5% Wasser
PVK = 5,0
Beispiel 2
46,5% E45K Luhydran
10,0% Cymel 1130
8,0% Iso-Butanol
1,2% Essigsäure
5,0% Talkum
2,0% Iso-Decanol
25,3% Wasser
2,0% Farbruß
PKV = 7,1
Beispiel 3
43,5% Reydrol SWY 326
12,0% Cymel 1130
5,5% Amin-Lösung
8,0% Iso-Butanol
2,0% Farbruß
15,0% ASP 600
7,5% mod. synth. Wachs
6,5% Wasser
PVK = 13,1
Beispiel 4
32,3% E45K
7,0% Cymel 1130
8,0% Iso-Butanol
1,2% Essigsäure
2,0% Farbruß
15,0% ASP 600
7,5% mod. synth. Wachs
27,0% Wasser
PVK = 18,5
Dabei bedeuten:
Bindemittel:
Resydrol SWY 326 Acrylharz
Luhydran E 45 K Kondensationsprodukt aus Expoxidharz und alipha­ tischem Amin.
Härter:
Cymel 1130 Methylierter, butylierter Melamin-Formaldehyd Vernetzer
Neutralisationsmittel:
Amin-Lösung 2-Dimethylamino-Ethanol
Essigsäure CH₃ COOH
Pigment (Farbgebung):
Farbruß Kohlenstoff, armoph
Füllstoff:
Talkum: Magnesiumsilikathydrat
ASP 600 Aluminim-Hydro-Silikat
Mod. synthetischer Wachs Polyethylen/halogenierter Kohlen­ wasserstoff
Lösemittel:
Iso-Butanol 2-Methylpropanol-1
Iso-Decanol Isomergemisch aus C10H21OH
Wasser H₂O
Beim Einsatz von 2-Kompoixenten-Systemen aus Bindemittel und Pigmentpaste, wie z. B. bei KTL-Systemen eingesetzt, wird der Füllstoff vorzugsweise in der sogenannten Pigmentpaste eingesetzt. Bezogen auf den Festkörper der Mischung werden die gleichen Füllstoffkonzentrationen verwendet wie sie oben beschrieben sind.
Die besonderen Vorteile des erfindungsgemäßen Elektro­ tauchlackes sind, daß die Füllstoffzugabe den Klebeeffekt der zu beschichtenden Teile aneinander vermindert und auch Schäden in der Beschichtungsvorrichtung, insbesondere Trommel etc. weitgehend mindert.
Zudem wird das Aneinanderkleben der beschichteten Teile im Aushärteofen weitgehend unterbunden. Auch mechanische Beschädigungen der beschichteten Teile durch Überrollen oder dergleichen in der Trommel werden durch den hohen Füllstoffanteil vermieden.

Claims (5)

1. Elektrotauchlack zur Beschichtung von metallischen, elektrisch leitfähigen Substraten, bestehend aus Bindemitteln, Pigmenten, Füllstoffen, Additiven und geringen Mengen Lösemittel sowie als Lösemittel Wasser und Neutralisationsmittel, wobei als Binde­ mittel vorzugsweise Carboxylgruppen oder Aminogruppen eingesetzt sind, wobei ferner der unverdünnte Lack beim Einsatz als Einkomponentensystem Festkörper in der Größenordnung von 40 bis 80 Gew.-%, vorzugs­ weise 50 bis 75 Gew.-%, aufweist und mit Wasser auf Verarbeitungsfestkörper von 8 bis 25 Gew.-%, vorzugs­ weise 10 bis 20 Gew.-%, verdünnt ist, dadurch gekenn­ zeichnet, daß Füllstoff in einer Menge von 10 bis 25 Gew.-%, vorzugsweise 15 bis 23 Gew.-%, im unver­ dünnten Lack enthalten ist.
2. Elektrotauchlack nach Anspruch 1, dadurch gekenn­ zeichnet, daß als Füllstoff strukturbildende Füll­ stoffe, insbesondere Aluminiumsilikate und/oder Magnesiumsilikate unterschiedlicher chemischer Struktur, Siliziumdioxid und Kaolin, einzeln oder in Kombination eingesetzt sind.
3. Elektrotauchlack nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß Füllstoffe mit einer mittleren Korngröße von 0,2 bis 2 µm, vorzugsweise 0,3 bis 0,7 µm, entsprechend 1 bis 20%, vorzugsweise 2 bis 10%, der Schichtdicken des abzuscheidenden Lackfilms eingesetzt sind, wobei die Dichten der Füllstoffe zwischen 1, 5 und 4,5, vorzugsweise 1,6-3,5 g/cm³ liegen.
4. Elektrotauchlack nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Pigmentvolumenkonzen­ tration zwischen 10 bis 40 Vol.-%, vorzugsweise zwischen 12 und 35 Vol.-%, liegt.
5. Verwendung eines Elektrotauchlackes nach einem der Ansprüche 1 bis 4 in einer kontinuierlichen Durch­ laufbeschichtungsvorrichtung, insbesondere einer Trommel.
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