DE19748212A1 - Odorierung von Schutzgasen - Google Patents
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Description
Die Erfindung betrifft odorierte Inertgase und Schutzgase.
Gase der öffentlichen Gasversorgung wie Erdgase und Flüssiggase werden mit
Odorierungsmitteln, bei denen es sich in der Regel um organische
Schwefelverbindungen (Thioether und Mercaptane) handelt, versehen, um bei
Leckagen die Gase wahrnehmbar zu machen. Solche Odorierungsmittel werden in dem
DVGW-Arbeitsblatt G 280, "Gasodorierung", ISSN 0176-3490, beschrieben.
WO 90/061 70-A1 beschreibt die Odorierung von Sauerstoff mit Dimethylsulfid,
Tetrahydrothiophen und Methylmercaptan.
Eine Odorierung von Inertgasen und Schutzgasen ist nicht bekannt.
Inertgase wie Argon oder Kohlendioxid werden beim Schweißen als Schutzgas
verwendet. Inertgase, insbesondere Inertgase mit höherer Dichte als Luft, können sich
in Räumen oder Gruben ansammeln und so eine tödliche Gefahr darstellen.
Gasgemische mit einem Sauerstoffgehalt von 8 bis 9 Vol.-% sind vom Menschen
gerade noch ohne Schaden atembar. Gasgemische mit einem Sauerstoffgehalt von 7
Vol.-% führen nach einiger Zeit zu Cyanose und Bewußtlosigkeit. Gasgemische mit
einem Sauerstoffgehalt von 3 Vol.-% führen zur Erstickung.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die Gefahr von unbemerkt ausströmendem
Schutzgas zu beseitigen.
Die Aufgabe wurde gelöst durch ein odoriertes Schutzgas.
Schutzgase sind Gase oder Gasgemische, die als schützende Atmosphäre oder als
Reaktionspartner in der Verfahrenstechnik, Chemie, Metallurgie, Lebensmittelindustrie
und Elektroindustrie verwendet werden. Schutzgase werden beispielsweise beim
Schweißen, insbesondere MAG-, MIG- und WIG-Schweißen, eingesetzt. Als
Schutzgase werden je nach Anwendungszweck Inertgase wie Edelgase, Kohlendioxid,
Stickstoff, Stickstoff-Wasserstoff-Gemische, Verbrennungsprodukte von
Kohlenwasserstoffen und Schwefelhexafluorid verwendet.
Schutzgase enthalten in der Regel Inertgase als Hauptkomponente.
Inertgase sind beispielsweise Edelgase wie Helium, Neon, Argon, Krypton und Xenon
und inerte Gase wie Kohlendioxid und Stickstoff oder Gasgemische mit einem oder
mehreren Inertgasen. Als Inertgas werden allgemein ein Gas oder Gasgemische
verstanden, die mindestens 88 Vol.-%, vorzugsweise mindestens 95 Vol.-% eines nicht
die Atmung unterhaltenden Gases oder Gasgemisches enthalten. Als Inertgas werden
auch Gasgemische verstanden, die im wesentlichen aus einem oder mehreren
Inertgasen bestehen, beispielsweise Gasgemische mit einem Gehalt von mindestens
75 Vol.-%, bevorzugt 90 Vol.-% und besonders bevorzugt 95 Vol.-% von einem oder
mehreren Inertgasen. Der Sauerstoffgehalt der Schutzgase beträgt nicht mehr als 12
Vol.-% Sauerstoff, bevorzugt nicht mehr als 10 Vol.-%, besonders bevorzugt nicht mehr
als 5 Vol.-%, insbesondere nicht mehr als 3 Vol.-% Sauerstoff.
Beispiele für Schweiß-Schutzgase sind in der Tabelle aufgeführt.
Schutzgase oder Inertgase werden durch Zugabe eines Odoriermittels odoriert.
Odoriermittel sind in der Regel unter Normalbedingungen flüssige oder gasförmige
anorganische oder organische Substanzen. Das Odoriermittel ist in der Regel sehr
geruchsintensiv und ist beispielsweise wohlriechend oder unangenehm riechend.
Odoriermittel sind beispielsweise Parfüms oder unangenehm riechende
Schwefelverbindungen oder Phosphorverbindungen. Es können Gemische
verschiedener Odoriermittel eingesetzt werden.
Schwefelverbindungen sind z. B. niedermolekulare lineare oder zyklische organische
Verbindungen, die Schwefel in Form einer Schwefelbrücke oder einer SH-Gruppe
enthalten.
Als Odoriermittel geeignete Schwefelverbindungen sind z. B. Alkanthiole (Mercaptane),
Alkandisulfide (Thioether), zyklische organische schwefelhaltige Verbindungen wie
Thiophen und Tetrahydrothiophen oder deren Gemische. Schwefelverbindungen sind z. B.
Dimethylsulfid, Tetrahydrothiophen, Methylmercaptan, 1-Propan-thiol, 2-Propan-thiol
oder 2-Methylpropan-2-thiol. Besonders bevorzugt als Schwefelverbindungen werden
tert.-Butylmercaptan (2-Methylpropan-2-thiol; (CH3)3C-SH, abgekürzt TBM) und
Tetrahydrothiophen (abgekürzt THT).
Angenehm riechende Odoriermittel sind z. B. ätherische Verbindungen oder
Zubereitungen, die ätherische Verbindungen (Parfüms) enthalten.
Das Schutzgas wird beispielsweise mit einem Odoriermittel in einer Menge vermischt,
so daß die Konzentration des Odoriermittels das 1,4-fache bis zweifache der
Warngeruchsstufe 2 (K2) beträgt (z. B. 2 × K2).
Odoriermittel und deren Zumischung und Dosierung werden in dem DVGW-Arbeitsblatt
G 280, "Gasodorierung", ISSN 0176-3490, beschrieben, worauf Bezug genommen wird.
Das odorierte Schutzgas kann durch Zugabe eines Odoriermittels oder eines
Vorgemisches mit Odoriermittel (Odoriermittel-Konzentrat, z. B. in Argon) bei der
Abfüllung des Schutzgases in Transport- oder Lagerbehältern (z. B. Druckgasflaschen)
oder in situ durch Zumischung des Odoriermittels in den Gasstrom des Schutzgases bei
der Verwendung hergestellt werden.
Das Schutzgas enthält das Odoriermittel im allgemeinen in Konzentrationen im Bereich
von 0,001 bis 2500 vpm, vorzugsweise 0,001 bis 1000 vpm und besonders bevorzugt
0,01 bis 50 vpm (vpm: 1 : 106 Volumenteile).
Odoriertes Schutzgas wird z. B. als komprimiertes Gas in Druckgasbehältern wie
Druckgasflaschen mit Drücken von in der Regel 100 bis 350 bar transportiert und
gelagert.
Thiole als Odoriermittel werden in der Regel in technischer Reinheit eingesetzt. Zum
Beispiel kann TBM als Produkt mit einem Gehalt von mindestens 70 Gew.-% TBM,
vorteilhafter mit einem Gehalt von mindestens 75, 80, 85 oder 90 Gew.-% TBM,
besonders vorteilhaft mit einem Gehalt von mindestens 95 Gew.-% TBM, insbesondere
mit einem Gehalt von mindestens 98 oder 99 Gew.-% TBM, als Odoriermittel eingesetzt
werden.
Von den Thiolen wird TBM besonders bevorzugt, da es eine höhere Stabilität und
Geruchsintensität aufweist. Gegenüber vielen anderen Odoriermitteln zeichnet sich
TBM durch eine ausreichende chemische Stabilität und ein günstigeres Abbauverhalten
nach Freisetzung in Räumen aus. Gegenüber Dimethylsulfid, Tetrahydrothiophen und
Methylmercaptan besitzt TBM eine höhere Geruchsintensität, so daß TBM in kleineren
Mengen dem Schutzgas zugesetzt werden kann.
Das Schutzgas enthält vorzugsweise 0,001 bis 10 mg TBM pro m3 Schutzgas (bei 1 bar
und 293,15 K). Besonders bevorzugt ist ein Schutzgas mit 0,01 bis 1 mg, insbesondere
0,03 mg (ca. 7 ppb TBM) TBM pro m3 Schutzgas (bei 1 bar und 293,15 K).
Das Odoriermittel wird vorzugsweise dem Schutzgas so zudosiert, daß bei Erreichen
einer noch unbedenklich verträglichen Sauerstoffkonzentration von ca. 10 Vol.-% (z. B.
0,5 Volumenteile Luft und 0,5 Volumenteile Schutzgas) die Warngeruchstufe K2 erreicht
wird.
Bei TBM als Odoriermittel liegt die Warngeruchstufe K2 bei 0,03 mg pro m3 Schutzgas
(ca. 7 ppb THT; ppb: 1 : 109 Volumenteile).
Bei THT als Odoriermittel liegt die Warngeruchstufe K2 bei 0,08 mg pro m3 Schutzgas
(ca. 20 ppb THT).
Das odoriertes Schutzgas wird beispielsweise durch direktes Vermischen von
Odoriermittel und Schutzgas oder durch Verdünnung eines Vorgemisches des
Odoriermittels in einem Gas (z. B. Edelgas, insbesondere Helium, Argon oder anderes
Inertgas, insbesondere Stickstoff, Kohlendioxid) mit Schutzgas hergestellt.
Die Odoriermittel-Konzentration eines Vorgemisches kann z. B. 0,1 Vol.-% (z. B. 0,1
Vol.-% THT in Argon oder Helium) betragen. Durch Verdünnung 1 : 25000 (z. B. 0,2
Liter/Stunde Vorgemisch auf 5 m3/Stunde Schutzgas) wird die doppelte Konzentration
von der Warngeruchstufe K2 erreicht (0,16 mg pro m3 Schutzgas, entspricht 40 ppb
THT im Schutzgas).
Beispielsweise besteht ein geeignetes Vorgemisch aus ca. 2100 vpm TBM in Argon.
Die Herstellung von Schutzgas mit einem Odoriermittel erfolgt vorzugsweise durch
dynamisches Verdünnen zweier Gasströme, z. B. im Verhältnis 1 : 10000 bis 1 : 50000.
Es kann analog zur Herstellung von odoriertem Sauerstoffgas durch Mischung mit
einem Odoriermittel-Vorgemisch verfahren werden, beispielsweise in WO 90/06170-A1
beschrieben, worauf Bezug genommen wird.
Zusätze zu Schutzgasen können das Schweißergebnis beeinträchtigen.
Überraschenderweise wurden nachteilige Auswirkungen beim Schweißen durch
Verwenden odorierter Schutzgase nicht festgestellt.
Claims (9)
1. Odoriertes Schutzgas.
2. Schutzgas gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzgas
mindestens 88 Vol.-% eines oder mehrerer Gase enthält, die die Atmung nicht
unterhalten.
3. Schutzgas gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der
Sauerstoffgehalt nicht größer als 12 Vol.-% Sauerstoff ist.
4. Schutzgas gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß
Schwefelverbindungen, ätherische Verbindungen oder Zubereitungen mit ätherischen
Verbindungen als Odoriermittel eingesetzt werden.
5. Schutzgas gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß der
Gehalt eines Odoriermittels im Bereich von 0,001 bis 2500 vpm liegt.
6. Schutzgas gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß
2-Methylpropan-2-thiol zur Odorierung dient und der Gehalt von 2-Methylpropan-2-thiol
bei 0,01 bis 1 mg pro Kubikmeter Schutzgas bei 1 bar und 293,15 K liegt.
7. Verfahren zur Herstellung eines Schutzgases gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzgas durch Verdünnen eines Vorgemisches
von Odoriermittel in einem inerten Gas mit einem Schutzgas hergestellt wird.
8. Verfahren zur Herstellung eines Schutzgases gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß Schutzgas und Odoriermittel in situ hergestellt wird.
9. Verwendung von odoriertem Schutzgas zum Schweißen.
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