DE19903613C1 - Tripod-Lagerungseinrichtung und Verfahren zur Torsionskompensation - Google Patents
Tripod-Lagerungseinrichtung und Verfahren zur TorsionskompensationInfo
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Abstract
Eine Tripod-Lagerungsvorrichtung weist ein feststehendes Gestell und einen relativ dazu bewegbaren Träger auf, die über drei in ihrer Länge verstellbare Streben miteinander verbunden sind. Jede Strebe ist an dem Gestell und an dem Träger über je ein Gelenk mit zwei Drehfreiheitsgraden angekoppelt. Überdies ist jeder Strebe ein Torsionsantrieb zugeordnet, zum Verdrehen des trägerseitigen Gelenkes der betreffenden Strebe relativ zu dem gestellseitigen Gelenk dieser Strebe um deren Längsachse. Hierdurch läßt sich eine konstruktiv einfache Parallelstruktur mit drei Bearbeitungsachsen verwirklichen, die bei hoher dynamischer Steifigkeit eine genaue Zustellung des Trägers ermöglicht. Weiterhin ist ein Verfahren zur Torsionskompensation in den Streben angegeben.
Description
Die Erfindung betrifft eine Tripod-Lagerungseinrichtung mit einem feststehenden Gestell
und einem relativ dazu bewegbaren Träger, die über drei in ihrer Länge verstellbare
Streben miteinander verbunden sind. Weiterhin betrifft die Erfindung ein Verfahren zur
Torsionskompensation in der vorgenannten Vorrichtung.
Solche Vorrichtungen bzw. Verfahren werden in Werkzeugmaschinen zur Aufnahme und
Bewegung eines Werkzeuges verwendet, das in der Regel an dem Träger befestigt und
durch eine Relativbewegung gegenüber einem an dem Gestell gehaltenen Werkstück
zugestellt werden kann. Weitere Anwendungsgebiete für Tripod-Lagerungsvorrichtungen
sind Handlingsysteme und Roboter, bei denen beispielsweise an dem Träger ein Mani
pulator, eine Klemmvorrichtung oder ein Greifer angebracht werden kann.
Im Unterschied zu konventionellen, dreiachsigen Werkzeugführungen, bei denen für
jede Linearachse ein eigener, angetriebener Schlitten vorgesehen ist, wobei diese
Schlitten in Reihe geschaltet sind, handelt es sich bei Tripod-Lagerungsvorrichtungen
um sogenannte Parallelstrukturen, bei denen für eine Linearbewegung in Richtung einer
Achse in der Regel nicht nur ein, sondern mehrere Zustellorgane, beispielsweise in ihrer
Länge verstellbare Streben betätigt werden müssen.
Zu dem Gebiet der Parallelstrukturen gehören auch sogenannte Hexapoden, die sich
durch eine sechsbeinige Aufhängung des Trägers an dem Gestell auszeichnen. Ein
Hexapod-Bearbeitungszentrum sowie eine Vorrichtung und ein Verfahren zur Steuerung
desselben sind aus der DE 196 36 100 A1 und DE 196 36 102 A1 derselben Anmelderin
bekannt.
Die genannten Hexapoden ermöglichen, bei Anordnung eines Bearbeitungswerkzeuges
an dem Träger, eine fünfachsige Bearbeitung an einem an dem Gestell festgelegten
Werkstück, wobei Translationen in sämtliche Raumrichtungen sowie Schwenkbewegun
gen um zu der Spindelachse des Bearbeitungswerkzeuges senkrecht verlaufender Ach
sen möglich sind. Bei solchen Hexapoden werden die einzelnen Streben ausschließlich
auf Zug und Druck belastet, so daß es möglich ist, relativ lange Streben zu verwenden,
die eine relativ geringe Torsionssteifigkeit aufweisen, was bei Hexapoden im Hinblick auf
eine möglichst freie Bewegung des Trägers im Raum unter dem Gesichtspunkt von Stre
benkollisionen günstig ist.
Aus der DE 196 40 769 A1 ist eine auf dem Tripod- bzw. Hexapod-Prinzip beruhende
Einrichtung mit mindestens einer Bewegungseinheit bekannt, bei der an einem Gestell
Verbindungsglieder und Einzelvorrichtungen gelagert sind, die über weitere Verbin
dungsglieder an einen, eine Bewegungseinheit bildenden Basiskörper angekoppelt sind,
wobei der Antrieb eine entsprechende Steuervorrichtung erfolgt.
Aus der US 5,401,128 ist eine Hexpod-Vorrichtung mit einem feststehenden Gestell und
einem bewegbaren Träger bekannt, wobei die Verbindung zwischen Gestell und Träger
über längs verstellbare Streben erfolgt und jede Strebe an seinen Befestigungspunkten
gelenkig angekoppelt ist.
Hexapoden sind jedoch aufgrund ihrer Komplexität nicht nur hinsichtlich ihrer Struktur,
sondern auch ihrer Steuerung technisch aufwendig und daher für Anwendungsfälle, in
denen eine geringere Bearbeitungsvariabilität ausreicht ist, weniger rentabel.
Bei Anwendungsfällen, bei denen lediglich eine dreiachsige Bearbeitung gefragt ist, be
steht die Möglichkeit, die Strebenanzahl und damit die Komplexität der Vorrichtung ge
genüber einem Hexapoden zu verringern. Die hierbei auftretenden Komplikationen aus
der Bindung von rotatorischen Freiheitsgraden verhindern, daß bei Hexapoden übliche
Konstruktionsprinzipien ohne weiteres auf Strukturen mit geringerer Strebenanzahl über
tragen werden können. Durch die Bindung der rotatorischen Freiheitsgrade treten im
Gegensatz zu Hexapoden neben Zug- und Druckkräften auch Torsionsmomente auf, für
die die üblicherweise bei Hexapoden verwendeten Streben mit geringer Torsionssteifig
keit an sich ungeeignet sind. Eine torsionssteifere Ausführung würde jedoch aufgrund
der räumlichen Restriktionen insbesondere an einem kompakten Träger die Beweglich
keit desselben negativ beeinträchtigen.
Im Hinblick auf die Torsionsproblematik ist bereits vorgeschlagen worden, bei einer Tri
pod-Lagerungsvorrichtung, d. h. einer Vorrichtung mit drei Streben, diese jeweils als
Doppelstäbe auszubilden, so daß auftretende Momente jeweils in zwei Zug/Druck
kraftanteile aufgeteilt werden. Diese Lösungen verwenden jedoch längenunveränderliche
Streben, bei denen die Zustellung des Trägers durch eine gestellseitige Fußpunktver
schiebung der Streben verwirklicht wird. Eine solche Lösung ist jedoch bei Streben, die
in ihrer Länge verstellbar sein sollen, impraktikabel.
Längenunveränderliche Streben mit Fußpunktführung weisen überdies den Nachteil auf,
daß durch die Führungsbahnen der Fußpunkte Fehler in die Lagerung des Trägers ein
gebracht werden, die nur sehr schwierig und aufwendig zu kompensieren sind.
Demgegenüber liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine Tripod-Lagerungsvor
richtung mit in ihrer Länge verstellbaren Streben zu schaffen, die eine hohe Genauigkeit
der Zustellung bei geringem technischen Aufwand ermöglicht.
Diese Aufgabe wird bei der eingangs genannten Tripod-Lagerungsvorrichtung dadurch
gelöst, daß jede Strebe an dem Gestell und an dem Träger über je ein Gelenk mit zwei
Drehfreiheitsgraden angekoppelt ist, und eine Torsionskompensationsregelvorrichtung
mit den einzelnen Streben jeweils zugeordneten Torsionsantrieben zusammenwirkt zum
Verdrehen des trägerseitigen Gelenks der betreffenden Strebe relativ zu dem gestellsei
tigen Gelenk dieser Strebe um deren Längsachse zur Ausregelung von in den Streben
auftretenden Torsionen.
Mit der erfindungsgemäßen Lösung können durch die Torsionsantriebe der einzelnen
Streben in der Parallelstruktur auftretende Torsionen, die zu einer rotatorischen Abwei
chung des Trägers von seiner Sollposition führen, gezielt ausgeglichen, vorzugsweise
auf Null reduziert werden. Insbesondere kann die aufgrund von Bearbeitungskräften
auftretende Verlagerung einer an dem Träger vorgesehenen Hauptspindel kompensiert
werden, wodurch praktisch eine wesentlich höhere Steifigkeit der Lagerung des Träges
gegenüber konventionellen Vorrichtungen erzielt werden kann, ohne daß hierzu eine
Strukturverstärkung an den Streben vorgenommen werden müßte. Somit kann auch
eine hohe Beweglichkeit des Trägers im Raum selbst bei einem räumlich kompakten
Träger verwirklicht werden. Überdies können Fertigungsungenauigkeiten sowie ther
misch beeinflußte Maßveränderung steuerungstechnisch in allen sechs Freiheitsgraden
kompensiert werden. Im Gegensatz hierzu ist dies bei konventionellen Dreiachsenrei
henstrukturen lediglich für die drei translatorischen Freiheitsgrade möglich.
Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist der Torsionsantrieb zwischen
dem trägerseitigen Gelenk und dem gestellseitigen Gelenk, vorzugsweise an dem trä
gerseitigen Ende der Strebe angeordnet. Letzteres ist insbesondere dann von Vorteil,
wenn der Torsionsantrieb im Vergleich zu der Strebe relativ leichtgewichtig ist. Mit klei
nen, trägerseitigen Massen lassen sich hohe Beschleunigungen verwirklichen, wodurch
eine hohe Fertigungsgeschwindigkeit möglich ist.
Vorzugsweise ist der Torsionsantrieb als rotatorische Antriebsvorrichtung für kleine We
ge mit hoher Antriebsgeschwindigkeit ausgebildet. Der rotatorische Antrieb stellt dabei
einen Zusatzantrieb zu dem translatorischen Hauptantrieb der Streben dar, der große
Wege mit einer relativ großen Eigenmasse zurücklegt. Hieraus resultiert eine hohe
Grenzfrequenz der gesamten Anordnung.
Gemäß einer vorteilhaften Ausgestaltung ist der Träger an den Streben im Raum orien
tierungsgetreu gelagert, d. h. bei einer Bewegung des Trägers im Raum behält dieser
seine Ausrichtung zu den translatorischen Raumachsen stets bei.
Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung ist an den Streben jeweils eine Vor
richtung zur Ermittlung einer Torsion der betreffenden Strebe um deren Längsachse
vorgesehen zur Erzeugung eines Signals, in Abhängigkeit dessen jeweils der Torsions
antrieb der betreffenden Strebe betätigt wird. Durch die unmittelbare Erfassung der tat
sächlich auftretenden Torsionen lassen sich diese während des Betriebs der Tripod-
Lagerungsvorrichtung on-line, d. h. während einem Bearbeitungsvorgang kompensieren.
Prinzipiell können die Torsionsantriebe auch in einem gewissen Umfang zur Erzeugung
von Torsionen eingesetzt werden, sofern im Rahmen eines Bearbeitungsvorganges ge
ringfügige Schwenkbewegungen um die Translationsachsen erwünscht sein sollten.
Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung ist in eine Steuer- und/oder Regelvor
richtung zur Längenveränderung der Streben eine Torsionskompensationsregelvorrich
tung integriert, die einen Regler sowie die Vorrichtung zur Ermittlung der Torsionen der
Streben umfaßt, wobei dem Regler eingangsseitig eine Regeldifferenz aufgeschaltet ist,
die aus Parametern, die die Torsionssollwerte repräsentieren, und Parametern, die von
der Torsionsermittlungsvorrichtung erzeugten Torsionssistwerte repräsentieren, gebildet
ist, und der Reglerausgang auf die Torsionsantriebe geschaltet ist. Hiermit lassen sich
auftretende Störgrößen wie aus einem Bearbeitungsvorgang resultierende Momente in
gewünschter Art und Weise je nach Konfiguration des Reglers ausgleichen. Die Rege
lung kann dabei sowohl analog als auch digital erfolgen, wobei ersteres den Vorteil einer
großen Dynamik des Systems bietet.
Im Gegensatz zu Hexapoden ist es bei Tripoden oftmals möglich, eine geschlossene
analytische Lösung der Vorwärtstransformation zu bestimmen. Hierdurch kann im Fall
der digitalen Regelung die Abtastrate und damit die Regelgüte erhöht werden.
Die übergeordnete Steuer- und/oder Regelvorrichtung gibt lediglich Sollwerte, wie zum
Beispiel Off-Set-Größen aus der Kalibrierung oder der thermischen Verlagerung des
Systems an die rotatorischen Antriebe, wobei diese Größen einen eher statischen Cha
rakter aufweisen und nur sehr langsam verändert werden.
Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung erfolgt die Rückkopplung der die Torsi
onsistwerte repräsentierenden Parameter auf die Reglereingangsseite autonom, ohne
die Bewegungssteuerung und/oder Regelung der Längenveränderungen der Streben zu
beeinflussen. Hierzu wird für die Längenänderung der Streben ein kaskadenförmiges
Steuerungskonzept verwendet, dem die Torsionskompensationsregelung autonom un
tergeordnet ist.
Die eingangs genannte Aufgabe wird weiterhin gelöst durch ein Verfahren zur Torsions
kompensation in einer Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 12, bei dem in den
Streben auftretende, lastbedingte Torsionen erfaßt, mit Solltorsionen verglichen und die
ermittelte Torsionsdifferenz durch Beaufschlagung der Torsionsantriebe ausgeregelt
wird. Dieses Verfahren ermöglicht es, auf kostengünstige Weise die dynamische Steifig
keit einer Tripod-Lagerungsvorrichtung und somit die Fertigungsgenauigkeit zu erhöhen,
ohne daß hierdurch die Beweglichkeit der Vorrichtung beeinträchtigt würde.
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen angegeben. Nachfol
gend wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der beigefügten Zeichnungen
näher erläutert. Diese zeigen in:
Fig. 1 eine räumliche Ansicht einer Tripod-Lagerungsvorrichtung nach der Erfin
dung, und in
Fig. 2 den Torsionskompensationsregelkreis für die in Fig. 1 dargestellte Tripod-
Lagerungsvorrichtung.
In Fig. 1 ist eine Tripod-Lagerungsvorrichtung mit einem Gestell 1 und einem relativ
dazu bewegbaren Träger 2 dargestellt, die in ein Maschinenbett integriert und prinzipiell
in einer Werkzeugmaschine, einem Handlingssystem oder einem Roboter verwendet
werden kann. In dem gezeigten Ausführungsbeispiel ist an dem Träger 2 eine Spindel
11 zur Aufnahme eines Bearbeitungswerkzeugs, beispielsweise eines Bohrers oder Frä
sers oder dergleichen angeordnet. Das Gestell 2 ist als räumliches Dreieck in Fach
werkstruktur ausgebildet, an dessen Ecken jeweils ein Ring zur Lagerung eines Gelen
kes vorgesehen ist. Die Fachwerkstruktur ist dabei so ausgestaltet, daß die Verbindun
gen zwischen den Gelenkaufnahmeringen stets gleich lang sind. Die Gelenkaufnahme
ringe liegen jeweils in einer eigenen Ebene, wobei jede der drei Ebenen zu den jeweils
beiden anderen Ebenen im Raum senkrecht liegt, vorzugsweise jeweils unter einem
Winkel von 90°.
Der Träger 2 ist als räumlicher Körper zur Aufnahme der bereits erwähnten Spindel 11
ausgebildet und besitzt in dem Ausführungsbeispiel eine kubische Form. Jeweils eine
Seite des Trägers 2 ist zu einer Ebene der Gelenkaufnahmeringe des Gestells 1 hin ori
entiert.
Der Träger 2 ist über drei Streben 3 an dem Gestell 1 abgestützt, wobei sämtliche Stre
ben gleichartig ausgestaltet sind. Dies ermöglicht eine hohe Anzahl von Wiederholteilen
und eine baukastenartige System-Struktur. Jede Strebe 3 ist über ein erstes, gestellsei
tiges Gelenk 4 an dem Gestell 1 und über ein zweites, trägerseitiges Gelenk 5 an dem
Träger 2 angekoppelt. Fig. 1 zeigt eine Ruhestellung der Tripod-Lagerungsvorrichtung.
In dieser Ruhestellung befinden sich die Streben in einem torsionsfreien Zustand. Die
Streben erstrecken sich dabei in die drei Raumrichtungen X, Y, Z, die ein Orthogonal
system bilden. Sie sind jeweils in ihrer Längsrichtung, d. h. in Richtung ihrer Längsachse
in ihrer Länge verstellbar, wobei hier Linearantriebe in Frage kommen, die zur Übertra
gung von Torsionskräften geeignet sind. Beispielsweise können Hydraulikmotoren ver
wendet werden, wobei der schwerere Zylinder auf der Gestellseite und die Kolbenstange
auf der Trägerseite angeordnet wird.
Die Ankopplung der Streben 3 erfolgt, wie bereits erwähnt, über Gelenke 4, 5 mit jeweils
zwei Freiheitsgraden. In dem dargestellten Ausführungbeispiel sind hierzu Kreuzgelenke
gezeigt, die ein Schwenken um zwei senkrecht zu der Längsrichtung der jeweiligen
Strebe 3 und zueinander stehende Achsen ausgebildet sind. Die gestellseitigen Gelenke
4 sind entsprechend den trägerseitigen Gelenken 5 ausgebildet. Da bei einer Längen
veränderung der Streben diese in den gestellseitigen Gelenken 4 verschwenkt werden,
werden die Massen der Zylinder der Streben 3 in den Gelenkaufnahmeringen des Ge
stells 1 ausbalanciert, in dem die Zylinder durch die Gelenkaufnahmeringe hindurchver
laufen.
Weiterhin ist jeder Strebe 3 ein Torsionsantrieb 6 zugeordnet, der in dem dargestellten
Ausführungsbeispiel zwischen dem trägerseitigen Gelenk 5 und dem gestellseitigen
Gelenk 4 an dem tägerseitigen Ende der jeweiligen Strebe 3 angeordnet ist. Der Torsi
onsantrieb 6 kann auch zwischen dem Gestell 1 und dem gestellseitigen Gelenk 4 oder
zwischen dem Träger 2 und dem trägerseitigen Gelenk 5 angeordnet werden.
Der Torsionsantrieb 6 ist als rotatorische Antriebsvorrichtung für kleine Wege mit hoher
Antriebsgeschwindigkeit ausgebildet. Er weist überdies im Vergleich zu dem Längsan
trieb der Streben eine erheblich geringere Masse auf, woraus insgesamt eine hohe
Grenzfrequenz der Antriebsanordnung resultiert, die eine schnelle Ausregelung von an
den Streben auftretenden, unerwünschten Torsionen infolge eines Bearbeitungsvorgan
ges ermöglicht. Überdies können neben solchen Abweichungen auch Fertigungstoleran
zen der Lagerung des Trägers bzw. der Spindel 11 sowie thermische Verformungen der
gesamten Parallelstruktur unter Zugrundelegung eines thermischen Modells derselben
ausgeglichen werden.
Fig. 1 zeigt, wie bereits ausgeführt, die Tripod-Lagerungsvorrichtung in einer Ruhestel
lung, bei der sich die Streben in den drei Raumrichtungen X, Y, Z senkrecht zueinander
erstrecken. Da alle Streben gleichartig ausgebildet sind, ist in diesem Fall auch die Aus
zugslänge für jede der Streben 3 gleich. Die Aufhängung über Gelenke 4, 5 mit jeweils
zwei Gelenkfreiheitsgraden ermöglicht es, den Träger 2 in den drei translatorischen
Raumrichtungen X, Y, Z orientierungstreu zu verlagern, so daß eine dreiachsige Bear
beitung eines Werkstückes ermöglicht wird. Ein Verschwenken des Trägers 2 um eine
der genannten Achsen X, Y, Z ist hierbei unerwünscht.
An den Streben 3 ist jeweils eine eigene Vorrichtung 7 zur Ermittlung einer Torsion der
betreffenden Strebe um deren Längsachse vorgesehen. Wesentlich ist, daß die Mes
sung im Kraftfluß erfolgt. Dies kann an geeigneten Stellen der Gelenke 4 und 5 sowie an
dem Gestell 1 oder dem Träger 2 erfolgen. Diese Vorrichtung 7 erzeugt einen Befehl
bzw. ein Signal, in Abhängigkeit dessen jeweils der Torsionsantrieb 6 der betreffenden
Strebe 3 betätigt wird. Die Vorrichtung zur Ermittlung einer Torsion umfaßt einen nicht
näher dargestellten Meßaufnehmer zur Erfassung des in einer Strebe wirkenden Mo
ments. Hierzu kann beispielsweise ein Kraftaufnehmer bzw. Dehnungsmeßstreifen ver
wendet werden. Weiterhin umfaßt die Vorrichtung 7 eine Auswertvorrichtung zur Ermitt
lung der Torsion der Strebe aus dem erfaßten Moment sowie der bekannten und vorge
gebenen Torsionssteifigkeit der Strebe 3. Die nicht dargestellte Auswertvorrichtung dient
dabei als Mittel zur Umsetzung der Signale des Meßaufnehmers in für eine Regelvor
richtung geeignete Parameter, die dann die in den Streben jeweils auftretenden Torsio
nen repräsentieren. Wie in Fig. 1 dargestellt, kann ein Teil der Vorrichtung 7, d. h. insbe
sondere der Meßaufnehmer, unmittelbar an einer Strebe 3, hier vorzugsweise an dem
Zylinder appliziert werden. Die Auswertvorrichtung wird vorzugsweise separat angeord
net und kann beispielsweise in eine Steuer- und/oder Regelvorrichtung 8 integriert wer
den, die u. a. die Längenveränderung der Streben 3 zur Zustellung des Trägers 2 ge
genüber dem Gestell 1 übernimmt.
In diese Steuer- und Regelvorrichtung 8 ist eine Torsionskompensationsregelvorrichtung
10 eingebunden, die einen Regler 9 sowie die Vorrichtung zur Ermittlung der Torsionen
der Streben 3 umfaßt.
Die Torsionskompensationsregelvorrichtung 10 ist, wie in Fig. 2 dargestellt, in ein
kaskadenförmiges Steuerungskonzept der Steuer- und Regelvorrichtung 8 integriert,
wobei die Rückkopplung des Torsionsmeßsignals aus den Streben 3 auf eine Stell
größe für die Torsionsantriebe 6 autonom, d. h. unabhängig von der übergeordneten
Steuerung bzw. Regelung der Längsveränderungen der Streben 3 erfolgt. Wie in Fig.
2 dargestellt, wird dem Regler 9 eingangsseitig eine Regeldifferenz aufgeschaltet, die
aus Parametern XSoll, die die Torsionssollwerte der Streben repräsentieren, und Pa
rametern Xist, die von der Torsionsermittlungsvorrichtung 7 erzeugte Torsionsistwerte
repräsentieren, gebildet. Die Parameter XSoll, die die Torsionssollwerte repräsentie
ren, werden aus der Steuer- und Regelvorrichtung 8 abgezweigt. Diese Größe ändert
sich während des Betriebs des Systems in der Praxis kaum, da die entsprechenden
Werte für die einzelnen Streben zur Vermeidung einer Verschwenkung des Trägers 2
bzw. der Hauptspindel 11 theoretisch konstant bleiben sollen. Lediglich fertigungsbe
dingte und thermisch bedingte Offsetwerte können zeitlich geringfügig schwanken.
Diese Größen besitzen jedoch eher einen statischen Charakter und ändern sich nur
sehr langsam.
Die während des Betriebs aus den Reaktionskräften resultierenden Torsionen treten
als Störgrößen Z in dem System im Bereich der Regelstrecke, d. h. der Struktur der
Streben 3 auf und führen zu Torsionswinkeln zwischen dem gestellseitigen Gelenk 4
und dem trägerseitigen Gelenk 5 in Form eines Differenzwinkels ϕist. Dieser Torsi
onswinkel wird unmittelbar, in dem dargestellten Ausführungsbeispiel mittelbar, durch
die Vorrichtungen 7 zur Ermittlung der Torsionen der Streben 3 erfaßt. Konkret lassen
sich beispielsweise mit Hilfe von Kraftaufnehmern oder Dehnungsmeßstreifen die in
der Strebenstruktur auftretenden Kräfte bzw. Momente erfassen. Da die Geometrie
und damit die Torsionssteifigkeit der Streben 3 bekannt sind, können mit Hilfe der
nicht dargestellten Auswerterschaltung anhand der Kraftgrößen und der Informatio
nen über die Strebenstruktur Verschiebungsgrößen ermittelt werden, die in für die
Torsionskompensationsregelvorrichtung 10 geeignete, die Torsionsistwerte repräsen
tierende Parameter Xist umgerechnet werden. Diese Parameter werden auf die ent
sprechenden Torsionssollwert-Parameter zurückgeführt.
Die Regelung kann sowohl analog als auch digital erfolgen. Die von dem Regler 9 er
zeugten Stellgrößen werden schließlich den Torsionsantrieben 6 aufgeschaltet, zur
Kompensation von Verlagerungen der Hauptspindel, die während des Betriebs der
Vorrichtung kontinuierlich durchgeführt wird. Bei einem Ausfall der Torsionskompen
sationsregelvorrichtung 10 kann aufgrund der autonomen Ausbildung in der Steuer-
und Regelungsvorrichtung 8 die Tripod-Lagerungsvorrichtung in herkömmlicher Wei
se ohne Torsionskompensation weiter betrieben werden.
Zur Veranschaulichung der Wirkungsweise der Torsionskompensationsregelungs
vorrichtung 10 sei angenommen, daß an der Spindel 11 bzw. dem Träger 2 eine Kraft
in Richtung der in Fig. 1 horizontalen linken Strebe angreife. Hierdurch wird in dieser
linken Strebe eine Gegenkraft erzeugt. In der rechten Strebe hingegen wird ein
Drehmoment erzeugt. Wird die Kraft in den Streben gemessen, kann durch die
translatorische Hauptbewegung der linken Strebe die Verschiebung der Hauptspindel,
die aufgrund der Kraft und der damit verbundenen Federwirkung in dieser Strebe er
zeugt wird, kompensiert werden. Ohne Hybridantrieb, d. h. ohne Zuschaltung der
Torsionsantriebe könnte die Verdrehung der rechten Strebe, die aufgrund des
Drehmomentes und der damit verbundenen Torsionsfederwirkung entsteht, nicht
kompensiert werden. Der hybride Antrieb dreht die Hauptspindel entgegen dem wir
kenden Drehmoment in der Strebe wieder zurück in ihre senkrechte Lage.
In Abwandlung von dem in Fig. 1 dargestellten Ausführungsbeispiel kann an dem
Träger anstelle einer Hauptspindel auch eine Greiferkonstruktion für einen Roboter
oder eine Laserbearbeitungsvorrichtung vorgesehen werden.
Claims (14)
1. Tripod-Lagerungsvorrichtung mit einem feststehenden Gestell (1) und einem re
lativ dazu bewegbaren Träger (2), die über drei in ihrer Länge verstellbare Streben (3)
miteinander verbunden sind, wobei jede Strebe (3) an dem Gestell (1) und an dem Trä
ger (2) über je ein Gelenk (4, 5) mit zwei Drehfreiheitsgraden angekoppelt ist, und mit
einer Torsionskompensationsregelvorrichtung (10), die mit den einzelnen Streben (3)
jeweils zugeordneten Torsionsantrieben (6) zusammenwirkt, zum Verdrehen des träger
seitigen Gelenks der betreffenden Strebe relativ zu dem gestellseitigen Gelenk dieser
Strebe um deren Längsachse zur Ausregelung von in den Streben (3) auftretenden Tor
sionen.
2. Tripod-Lagerungsvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
der Torsionsantrieb (6) zwischen dem trägerseitigen Gelenk (5) und dem gestellseitigen
Gelenk (4) angeordnet ist.
3. Tripod-Lagerungsvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeich
net, daß der Torsionsantrieb (6) an dem trägerseitigen Ende der Strebe (3) angeordnet
ist.
4. Tripod-Lagerungsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch ge
kennzeichnet, daß der Torsionsantrieb (6) als rotatorische Antriebsvorrichtung für klei
ne Wege mit hoher Antriebsgeschwindigkeit ausgebildet ist.
5. Tripod-Lagerungsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch ge
kennzeichnet, daß die Gelenke (4, 5) als Kreuzgelenke ausgebildet sind.
6. Tripod-Lagerungsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch ge
kennzeichnet, daß in einer Ruhestellung des Trägers die Streben (3) in den drei
Raumrichtungen (X, Y, Z) senkrecht zueinander angeordnet sind.
7. Tripod-Lagerungsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch ge
kennzeichnet, daß alle Streben (3) gleichartig ausgebildet sind.
8. Tripod-Lagerungsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch ge
kennzeichnet, daß der Träger (2) an den Streben (3) im Raum orientierungstreu gela
gert ist.
9. Tripod-Lagerungsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch ge
kennzeichnet, daß an den Streben (3) jeweils eine Vorrichtung (7) zur Ermittlung einer
Torsion der beteffenden Strebe an deren Längsachse vorgesehen ist zur Erzeugung
eines Signals, in Abhängigkeit dessen jeweils der Torsionsantrieb (6) der betreffenden
Strebe betätigt wird.
10. Tripod-Lagerungsvorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß
die Vorrichtung (7) zur Ermittlung einer Torsion einen Meßaufnehmer zur Erfassung des
in einer Strebe wirkenden Moments umfaßt, sowie eine Auswertvorrichtung zur Ermitt
lung der Torsion der Strebe aus dem erfaßten Moment sowie der vorgegebenen Torsi
onssteifigkeit der Strebe.
11. Tripod-Lagerungsvorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch ge
kennzeichnet, daß in eine Steuer- und/oder Regelvorrichtung (8) zur Längenverände
rung der Streben eine Torsionskompensationsregelvorrichtung (10) integriert ist, die ei
nen Regler (9) sowie Vorrichtungen (7) zur Ermittlung der Torsionen der Streben um
faßt, wobei dem Regler (9) eingangsseitig eine Regeldifferenz aufgeschaltet ist, die aus
Parametern (XSoll), die die Torsionssollwerte repräsentieren, und Parametern (Xist), die
von der Torsionsermittlungsvorrichtung erzeugten Torsionsistwerte repräsentieren, ge
bildet ist, und der Reglerausgang auf die Torsionsantriebe (6) geschaltet ist.
12. Tripod-Lagerungsvorrichtung nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekenn
zeichnet, daß die Rückkopplung der die Torsionsistwerte repräsentierenden Parameter
(Xist) auf die Reglereingangsseite autonom erfolgt, ohne die Bewegungssteuerung
und/oder -regelung (8) der Längenveränderung der Streben (3) zu beeinflussen.
13. Verfahren zur Torsionskompensation in einer Vorrichtung nach einem der An
sprüche 1 bis 12, bei dem in den Streben (3) auftretende, lastbedingte Torsionen erfaßt,
mit Solltorsionen verglichen und die ermittelte Torsionsdifferenz (XIst, XSoll) durch Beauf
schlagung der Torsionsantriebe ausgeregelt wird.
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß das Verfahren
während des Betriebes der Vorrichtung kontinuierlich on-line durchgeführt wird.
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