Die Erfindung betrifft eine Bohrvorrichtung für das Herstellen von Bohrlöchern
in der Geotechnik, im Spezialtiefbau und insbesondere im Brunnenbau mit einem Ge
triebegehäuse, einem über ein zugehöriges Getriebe auf das Innenrohr und einem über
ein zweites Getriebe auf das Außenrohr einwirkenden Antriebsmotor, wobei die An
triebsmotoren gegenläufig drehend eingestellt sind.
In der Geotechnik, im Spezialtiefbau sowie im Brunnenbau müssen Bohrungen
in instabilen Formationen im Schutz einer mitgeführten Verrohrung, d. h. im Außen
rohr durchgeführt werden. Zur Lösung dieses Problems bieten sich verschiedene Bohr
verfahren an, die entweder mit Drehgetrieben oder Hydraulikhämmern oder bei Dop
pelkopfanlagen sowohl mit Drehgetrieben als auch Hydraulikhämmern durchgeführt
werden. Beim sogenannten Duplex-Überlagerungsverfahren werden Außenrohr und
Innenrohr im gleichen Drehsinn angetrieben, was zum Beispiel bei Schneckenbohrun
gen für das Innensystem nicht möglich ist. Zur Erzielung einer großen Richtungsstabili
tät bei minimalen Abweichungen der Bohrachse hat sich herausgestellt, dass ein gegen
läufiges Rotieren von Außenrohr und Innenrohr (Innensystem) sehr vorteilhaft ist. Ein
solches gegenläufiges Rotieren von Außenrohr und Innenrohr ist bisher nur bei entkop
pelten Doppelkopfanlagen durchzuführen. Hierbei werden das Außenrohr und das In
nenrohr rechts- bzw. linksdrehend durch je einen eigenen Kraftdrehkopf bzw. ein ent
sprechendes Aggregat angetrieben. Nachteilig bei diesen Bohrvorrichtungen ist die
große Gesamtlänge des kompletten Bohraggregates, weil beide Aggregate in Bohrrich
tung hintereinander angeordnet werden müssen. In niedrigen Räumen beispielsweise
unter Brücken kann daher ein derartiges Bohraggregat gar nicht erst zum Einsatz kom
men, ganz davon abgesehen, dass derart lange Bohraggregate auch auf den vorhande
nen Lafetten Bohrlänge wegnehmen oder aber den Einsatz entsprechend langer Lafetten
erfordern.
Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, eine auch unter engen Raum
verhältnissen insbesondere in niedrigen Räumen einsetzbare Bohrvorrichtung zu schaf
fen, die ein gegenläufiges Rotieren von Innen- und Außenrohr gestattet.
Die Aufgabe wird gemäß der Erfindung dadurch gelöst, dass die mit den separat
betreibbaren Antriebsmotoren gekoppelten Getriebe im Getriebegehäuse axial hinterein
ander angeordnet und über Hohlwellen unabhängig von einander mit den vor dem Ge
triebegehäuse endenden Innen- und Außenrohr verbunden sind.
Mit Hilfe der besonderen Ausbildung des Getriebegehäuses bzw. der Getriebe
ist es möglich, mit einer sehr kurz bauenden Bohrvorrichtung zu arbeiten, weil die
benötigten Antriebsmotoren nicht hintereinander, sondern quasi nebeneinander angeord
net werden können. Sie arbeiten jeweils auf das ihnen zugeordnete Getriebe, wobei
diese ineinandergeschachtelt im Getriebegehäuse angeordnet auf die auf der gegenüber
liegenden Seite angebrachten Innen- und Außenrohr einwirken können. Während bisher
meist das Innenrohr durch Außenrohr und den dafür benötigten Antrieb und das Getrie
be hindurchgezogen wurde und auf der gegenüberliegenden Seite dann selbst über den
zugeordneten Antriebsmotor beaufschlagt wurde, wird hier auf das Einfädeln der Innen-
und Außenrohre verzichtet und statt dessen die Anbindung von Innen- und Außenrohr
an der Außenperipherie des Getriebegehäuses verlagert. Damit ist die Möglichkeit ge
geben, das Außenrohr beispielsweise rechtsdrehend mit einer von Null bis zu einem
Maximum veränderlichen Drehgeschwindigkeit anzutreiben, wobei gleichzeitig der
zweite Antriebsmotor auf das Innenrohr linksdrehend einwirkt. Durch die Gegenläufig
keit der beiden Antriebssysteme ergeben sich viele bohrtechnische Vorteile, wie zum
Beispiel hoher Bohrfortschritt und hohe Richtungsstabilität bei minimalem Bodenaus
trag. Selbstverständlich kann auch eine Entkopplung von Außenrohr und Innenrohr
erfolgen, indem das Außenrohr nur für instabile Formationen genutzt wird, sodass nach
dem Absetzen des Außenrohres unverrohrt nur mit dem Innenrohr weiter gebohrt wer
den kann. In jedem Fall können beide Antriebssysteme aufgrund der völlig getrennten
Kraftflüsse stufenlos und sowohl die Drehzahl als auch das Drehmoment und ihre Dreh
richtung verändern. Weiterhin lassen sich wie weiter hinten noch erläutert die Überset
zungsverhältnisse innerhalb der Systeme durch verschiedene Zahnradpaarungen optimal
den Bohraufgaben anpassen. Die Antriebsmotoren können in ihrer Auslegung sowohl
bezüglich Drehzahl und Drehmoment variiert werden, was die bohrtechnische Anwen
dungsmöglichkeit der gesamten Bohrvorrichtung weiter erhöht.
Zur einfachen zweckmäßigen und kurzbauenden Anbindung von Innenrohr und
Außenrohr an die sich drehenden Hohlwellen sieht die Erfindung vor, dass die Hohl
wellen über Zwischenflansche mit Innen- und Außenrohr verbunden sind. Dabei ist es
denkbar, mit relativ kurzen Ansatzinnen- und Ansatzaußenrohr zu arbeiten, um dann
die übliche Anbindung über Gewinde einsetzen zu können. Denkbar ist es aber auch,
einfach das erste Innen- und auch das erste Außenrohr normaler Länge zum Einsatz zu
bringen und erst dann die Ankupplung herkömmlicher Art zu verwirklichen.
Die vorteilhaft kompakte Bauweise wird weiter dadurch gewährleistet, dass die
Zwischenflansche ineinanderdrehend angeordnet und ausgebildet sind, sodass die jewei
ligen Innen- bzw. Außenrohr bis dicht an das Getriebegehäuse herangeführt werden
können.
Um den Getriebebereich innerhalb des Getriebegehäuses ausreichend gegenüber
der Atmosphäre und insbesondere der Spülung und des Bohrkleins absichern zu kön
nen, ist vorgesehen, dass die Zwischenflansche und die ineinanderdrehenden Hohlwel
len gegeneinander über Dichtungen die Getriebe schützend gesichert sind. Die Dichtun
gen sind zwischen den einander drehenden Teilen angeordnet, wobei selbstverständlich
auch zwischen den drehenden Teilen und dem Getriebegehäuse entsprechende Dichtun
gen angeordnet sind, sodass der gesamte Innenbereich des Getriebegehäuses gesichert
ist.
Weiter vorne ist bereits darauf hingewiesen worden, dass die kompakte Bau
weise vor allem auch dadurch erreicht werden kann, dass die Getriebe innerhalb des
Getriebegehäuses in axialer Richtung hintereinander angeordnet sind. Zusätzlich ist
vorgesehen, dass die Antriebsmotoren separat aber in gleicher Höhe am Getriebegehäu
se angeflanscht sind, wobei sie in aller Regel und für den Einsatz in engen Verhält
nissen trotzdem günstig in axialer Richtung hinter dem Getriebegehäuse angeordnet
sind, während an der gegenüberliegenden Seite des Gehäuses Innen- und Außenrohr
angeflanscht sind.
Um das umgebende Gebirge bzw. die instabilen Formationen möglichst durch
das Bohren unbeeinflusst zu lassen, wird durch das Innenrohr hindurch die Spülung bis
zum Bohrkopf geführt, um dann im Zwischenkanal das Bohrklein zusammen mit der
Spülung, d. h. mit dem Wasser bzw. der Luft zum Tage bzw. zum Bohrlochmund zu
fördern. Hierbei ist ein Austritt aus dem Zwischenkanal gemäß der vorliegenden Erfin
dung sehr zweckmäßig und an einer geeigneten Stelle möglich, da einer der Antriebs
motoren über die Hohlwelle und den Zwischenflansch und eine zwischengefügte Aus
wurfglocke mit dem Außenrohr verbunden ist. Der Auswurf bzw. das Bohrklein wird
somit unmittelbar vor dem Getriebegehäuse aus dem Zwischenkanal herausgeführt,
sodass in aller Regel eine Beeinträchtigung des Getriebegehäuses bzw. der Getriebe
nicht eintreten kann. Rein vorsichtshalber ist aber wie weiter hinten noch erläutert
durch Dichtungen eine zusätzliche Sicherung vorgesehen.
Die weiter vorn beschriebene Anordnung der beiden Getriebe in axialer Rich
tung hintereinander wird dadurch möglich, dass einer der Antriebsmotoren über eine
Steckwelle mit Loslager, die ein Ritzel aufweist, mit einem der äußeren Hohlwelle
zugeordneten Zahnrad auf die äußere Hohlwelle und den äußeren Zwischenflansch
einwirkend ausgebildet ist. Über die Steckwelle mit dem Loslager wird somit die An
triebskraft quasi von einem Gehäuseteil in den anderen hinüber übertragen, um das in
Bohrrichtung vorgeordnete Getriebe für das Außenrohr problemlos erreichen zu kön
nen. Die Abmessungen des gesamten Getriebegehäuses werden praktisch durch diese
Ausbildung nicht verändert. Auch dies stellt somit eine deutlich vorteilhafte Ausbildung
dar. Beim anderen quasi dem gerade beschriebenen nachgeordneten Getriebe sieht es so
aus, dass der andere Antriebsmotor über ein aufgesetztes Ritzel auf ein der inneren
Hohlwelle, die durch die äußere Hohlwelle gesteckt ist, zugeordnetes Zahnrad und
damit auf den inneren Zwischenflansch einwirkend ausgebildet ist. Der innere Zwi
schenflansch seinerseits ist mit dem Innenrohr bzw. einem diesem zugeordneten
Flansch verbunden, sodass die Übertragung der Kräfte gesichert ist. Da die beiden
Zwischenflansche ineinanderdrehend angeordnet und ausgebildet sind, kann die Anbin
dung von Außen- und Innenrohr bzw. Auswurfglocke und Innenrohr in gleicher Höhe
erfolgen. Die gewünschte und angestrebte kurze Bauweise bzw. kompakte Bauweise ist
somit gewährleistet.
Der notwendige Leichtlauf des Getriebes für das Außenrohr und der sichere
Lauf ist dadurch gesichert, dass das die äußere Hohlwelle antreibende Zahnrad inner
halb des Getriebegehäuses eine spezielle, sich am Getriebegehäuse abstützende Verlage
rung aufweist. Diese Ausbildung sichert auch einen ausreichend ruhigen Lauf des Ge
samtsystems, weil ja auch das Zahnrad, das auf der inneren Hohlwelle sitzt entspre
chend gelagert und abgestützt ist.
Weiter vorne ist bereits erläutert, dass durch entsprechende Dichtungen sicher
gestellt ist, dass die Getriebe vor der Spülung einerseits und dem Bohrklein andererseits
gesichert sind. Zur weiteren Optimierung ist vorgesehen, dass die innere Hohlwelle
gegenüber der äußeren Hohlwelle über die spezielle Dichtung abgedichtet ist. Dies
bedeutet, dass auch die Hohlwellen noch gegeneinander abgedichtet sind, um so den
Durchtritt von schädlichem Bohrklein zu verhindern.
Die Antriebsmotoren können gemäß der weiter vor beschriebenen Ausführung in
ihrer Auslegung bezüglich Drehzahl und Drehmoment variiert werden. Weiter ist vor
gesehen, dass die Antriebsmotoren unabhängig voneinander in beide Richtungen dre
hend und umschaltbar ausgebildet sind. Damit können die gleichen Antriebsmotoren für
den Antrieb des Innen- wie auch des Außenrohres eingesetzt werden, was auch vorteil
haft sein kann, wenn beispielsweise nur mit dem Innenrohr gearbeitet wird und dessen
Antriebsmotor ausfällt. Dann kann problemlos mit dem anderen, eigentlich für das
Außenrohr vorgesehenen Antriebsmotor weitergearbeitet werden. Darüber hinaus kann
bei Bedarf eben durch Umschalten erreicht werden, dass die Drehrichtung der Rohre
verändert wird, um diese beispielsweise bei Blockaden zu lösen bzw. leichter lösen zu
können.
Eine weitere Anpassung an sich ändernde Gegebenheiten ist dadurch möglich,
dass die Zahnräder und die Ritzel lösbar mit der Steckwelle bzw. dem Wellenstumpf
der Antriebsmotoren oder den Hohlwellen verbunden, vorzugsweise verschraubt sind.
Sie können damit bei Bedarf zur Änderung des Übersetzungsverhältnisses beispiels
weise ohne große Probleme ausgetauscht werden, sodass die bohrtechnischen Anwen
dungsmöglichkeiten weiter verbessert werden.
Bekannt ist es, dass das aus dem Zwischenkanal austretende Bohrklein aufgrund
des mitgebrachten Materials aggressiv sein kann. Von daher wird der Zwischenraum,
zwischen den beiden ineinanderdrehenden Zwischenflanschen zusätzlich dadurch abgesi
chert, dass die zwischen ihnen angeordnete Dichtung aus einer gegenüber dem Bohr
kleinstrom vorgeordnete Lippendichtung und einer nachgeordneten Lippendichtung
besteht. Die vorgeordnete Lippendichtung ist so ausgebildet, dass der Druck des Spül
mediums eine positive Andruckkraft der Dichtlippe auf der rotierenden Dichtfläche
bewirkt. Sollte wider Erwarten durch Verschleiß diese erste Lippendichtung versagen,
so kann durch die nachgeordnete Lippendichtung das System ausreichend abgedichtet
bleiben.
Um diese nachgeordnete Lippendichtung dabei gleichzeitig abzusichern und zu
entlasten, ist gemäß der Erfindung vorgesehen, dass zwischen den beiden Lippendich
tungen eine oder mehrere radiale Drainagebohrungen vorgesehen sind. Durch diese
radiale Drainagebohrung oder die mehreren Bohrungen kann das Spülmedium austreten,
was gleichzeitig eine optische Anzeige über den Zustand der vorgeordneten Dichtung
darstellt, also einen Doppeleffekt bewirkt. Die radialen Drainagebohrungen führen
nämlich gleichzeitig zu einer Druckentlastung für den nachgeordneten Dichtungsbe
reich, was sich für diesen vorteilhaft auswirkt.
Bei der nachgeordneten Lippendichtung kann es sich um eine genauso wie bei
der vorgeordnete Lippendichtung ausgebildete Lippendichtung handeln, doch sieht die
Erfindung optimierend vor, dass die nachgeordnete Lippendichtung als Doppeldichtung
ausgebildet und über eine Radialbohrung mit Schmiernippel verfügend ausgebildet ist.
Das nachfolgende Dichtsystem der Doppeldichtung wird über die externe Fettzufuhr
ständig mit Fett versorgt und somit auch bezüglich Feuchtigkeitsdurchtritt zusätzlich
abgesichert. Die beiden Lippendichtungen sind dementsprechend zweckmäßigerweise
gegenläufig eingestellt, sodass sich ein entsprechender dichtender Fettraum ergibt. Über
den Schmiernippel kann das benötigte Fett bei Bedarf oder in regelmäßigen Abständen
nachgefördert werden. Möglich ist es dabei aber auch, im äußeren Zwischenflansch
radial angeordnete Fettkammern vorzusehen, in denen in Richtung Doppeldichtung
wirkende Federn oder Kolben angeordnet sind, sodass über eine entsprechende Bevor
ratung für eine dauernde Abdichtung ohne Wartungsprobleme Sorge getragen ist.
Um auch bei Ausfall dieser zweiten nachgeordneten Lippendichtung in Form der
Doppeldichtung das nachgeordnete System, d. h. die Getriebe abzusichern, ist als wei
tere Sicherheit vorgesehen, dass zwischen den die Dichtlippen aufnehmenden Kammern
der Doppeldichtung und dem Zwischenraum zwischen den beiden Hohlwellen ein Dich
tungsspalt vorgesehen ist. Bei Versagen der Doppeldichtung erfolgt somit eine Druck
entlastung und Ableitung der Spülung durch diesen speziellen Dichtungsspalt. Auch hier
besteht eine optische Kontrollmöglichkeit durch das austretende Spülmedium, was auf
den Verschleißzustand der Dichtungen hinweist. Damit ist nach den Regeln der Technik
eine allen Anforderungen genügende Absicherung dieses Bereiches auch unter den er
schwerten Bedingungen im Bohrbetrieb geschaffen.
Die Erfindung zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass eine Bohrvorrich
tung geschaffen ist, die auch unter engsten Raumverhältnissen, insbesondere in niedri
gen Räumen, beispielsweise unter Brücken eingesetzt werden kann, wenn in instabilen
Formationen mit Innen- und Außenrohr gearbeitet werden muss. Dabei kann mit einem
rechtsdrehenden Außenrohr und einem linksdrehenden Innenrohr aber auch mit einem
rechtsdrehenden Innenrohr und einem linksdrehenden Außenrohr gearbeitet werden,
weil über die getrennt angeordneten und einstellbaren Antriebsmotoren entsprechende
Bohrverfahren verwirklicht werden können. Die kurze und kompakte Bauweise wird
vor allem dadurch erreicht, dass das benötigte Doppelgetriebe aus zwei in axialer Rich
tung hintereinander angeordneten Getrieben besteht, die mit ineinandergesteckten Hohl
wellen arbeiten, die in Richtung Bohrgestänge aus dem Getriebegehäuse geringfügig
herausragen und hier ein Anflanschen ermöglichen. Außen- und Innenrohr werden also
gar nicht in das Getriebegehäuse eingeführt, sondern vielmehr außen mit den entspre
chenden Antriebsteilen verbunden, was vor allem auch den Vorteil hat, dass der Bohr
kleinstrom erst gar nicht in das Getriebegehäuse hineinkommen kann. Dennoch sind
zusätzlich Dichtungssysteme geschaffen, die den Übergangsbereich zwischen Bohr
gestänge und Getriebegehäuse Abdichten und absichern, sodass die entsprechenden
Getriebe von diesen Beeinflussung freigehalten werden und dies mit annähernd absolu
ter Sicherheit. Vorteilhaft ist weiter, dass sich durch die Gegenläufigkeit der Antriebs
motoren und damit des Bohrgestänges erhebliche bohrtechnische Vorteile ergeben.
Sowohl der Bohrfortschritt wird gesteigert, wie auch die Richtungsstabilität verbessert.
Darüberhinaus kann bei Bedarf das Außenrohr entkoppelt werden, sodass dann nur mit
dem Innenrohr weitergearbeitet wird, sodass bei Durchbohren der instabilen Formatio
nen nicht mit dem aufwendigen Doppelrohr weitergearbeitet werden muss, sondern
vielmehr dann auf das Einfachrohr übergegangen werden kann. Vorteilhaft ist aufgrund
der völlig getrennten Kraftflüsse die Möglichkeit, stufenlos sowohl die Drehzahl wie
auch das Drehmoment und die Drehrichtung zu verändern. Darüber hinaus kann auf
das Übersetzungsverhältnis durch Austausch der Zahnräder bzw. Ritzel verändert wer
den, sodass in weiten Bereichen Anpassungen an die sich ändernden Gegebenheiten mit
minimalem Aufwand möglich sind.
Weitere Einzelheiten und Vorteile des Erfindungsgegenstandes ergeben sich aus
der nachfolgenden Beschreibung der zugehörigen Zeichnung, in der ein bevorzugtes
Ausführungsbeispiel mit den dazu notwendigen Einzelheiten und Einzelteilen dargestellt
ist. Es zeigen:
Fig. 1 einen Längsschnitt durch eine Bohrvorrichtung mit ge
trenntem Antrieb für Innen- und Außenrohr,
Fig. 2 eine vergrößerte Wiedergabe des Getriebebereiches für das
Außenrohr,
Fig. 3 einen Schnitt durch das Bohrgestänge und
Fig. 4 einen Schnitt durch den Kontaktbereich zwischen den bei
den Zwischenflanschen.
Fig. 1 zeigt eine Bohrvorrichtung 1, die sich durch ein kompaktes, vor allem
kurz bauendes Getriebegehäuse 2 auszeichnet. Im Getriebegehäuse 2 sind die Getriebe
3 und 4 für Innenrohr 5 und Außenrohr 7 untergebracht.
Das Innenrohr 2 verfügt über einen Innenkanal 6, durch den bei der hier ge
zeigten Ausführung die Spülung Richtung Bohrkrone gepumpt oder geführt wird. Das
von der hier nicht dargestellten Bohrkrone hereingewonnene Bohrklein wird über den
Zwischenkanal 8 in Form des Bohrkleinstromes 9 abgeführt und im Bereich des Bohr
lochmundes aufgefangen. Die Spülung ist mit 10 bezeichnet.
Das kompakte Getriebegehäuse 2 weist auf der dem Innenrohr 5 und Außenrohr
7 fixierenden Gehäuseseite gegenüberliegenden Seite zwei Antriebsmotoren 11 und 12
auf. Diese Antriebsmotoren 11, 12 wirken auf die noch weiter hinten beschriebene
Weise mit Innenrohr 5 und Außenrohr 7 zusammen.
Der Antriebsmotor 11 treibt eine Steckwelle 15 mit Loslager 16 an, auf der ein
Ritzel 17 aufgebracht ist. Dieses Ritzel 17 treibt das Zahnrad 19 an, das über eine
spezielle Verlagerung 34 die äußere Hohlwelle 18 antreibt. Die Hohlwelle 18 wiederum
treibt über einen Flansch 23 den äußeren Zwischenflansch 20 mit der Dichtung 32 an.
Der Zwischenflansch 20 ist über eine Auswurfglocke 21 mit Bohrkleinaustritt 22 form-
und kraftschlüssig mit dem Außenrohr 7 verbunden.
Der Antriebsmotor 12 treibt über das Ritzel 25 auf dem Wellenstumpf 35 das
Zahnrad 27 an, das fest mit der inneren Hohlwelle 26 verbunden ist, die wiederum
durch die Hohlwelle 18 gesteckt wird. Die Hohlwelle 18 und die Hohlwelle 26 sind
über eine spezielle Dichtung 31 innerhalb des Getriebegehäuses 2 gegeneinander abge
dichtet. Die Hohlwelle 26 treibt den inneren Zwischenflansch 28 an, der wiederum mit
dem Innenrohr 5 über den Flansch 29 verbunden ist.
Das Getriebegehäuse 2 besteht quasi aus zwei Gehäuseteilen 50, 51, wobei das
Getriebegehäuseteil 52 das auf das Außenrohr 7 einwirkende Getriebe 4 aufnimmt.
Erkennbar ist, dass das auf der Steckwelle 15 aufsitzende Ritzel 17 über eine Ver
schraubung 61 gesichert ist, damit aber auch bei Bedarf ausgetauscht werden kann.
Entsprechendes zeigt auch Fig. 2, wo dieser Bereich des Getriebegehäuseteils 51 ver
größert wiedergegeben ist. Auch die Steckwelle 15 kann ausgetauscht werden, da sie
über die Zentralschraube 65 am Wellenstumpf 66 des Antriebsmotors 11 festgelegt ist.
Mit 16 ist das sogenannte Loslager bezeichnet.
Aus Fig. 1 und auch aus Fig. 2 ist zu entnehmen, dass auch das Getriebege
häuse 2 gegenüber der äußeren Hohlwelle 18 und der inneren Hohlwelle 26 über Dich
tung 62, 63 abgedichtet ist.
Fig. 3 verdeutlicht in etwa die Größenverhältnisse im Bohrgestänge 68. Wäh
rend die Spülung über den Innenkanal 6 des Innenrohrs 5 in Richtung Bohrkrone ge
fördert wird, kann der vom Volumenstrom größere Bohrkleinstrom 9 sicher über den
Zwischenkanal 8 abgeführt werden.
Fig. 4 zeigt den Abdichtungsbereich zwischen den ineinanderdrehenden Zwi
schenflanschen 20 und 28. Hier ist zur Absicherung des Innenraums des Getriebegehäu
ses 2 zunächst eine vorgeordnete Lippendichtung 37 vorgesehen, die mit der nachge
ordneten Lippendichtung 38 zusammen die allgemein mit 32 bezeichnete Dichtung
darstellt. Zwischen der vorgeordneten Lippendichtung 37 und der nachgeordneten Lip
pendichtung 38 ist eine Drainagebohrung 39 vorgesehen, über die der mit Fremdstoffen
befrachtete Bohrkleinstrom dann noch vor der nachgeordneten Lippendichtung 38 abge
führt werden kann, wenn die vorgeordnete Lippendichtung 37 durch Verschleiß versa
gen sollte. Diese vorgeordnete Lippendichtung 37 ist so ausgebildet, dass der Druck
des Spülmediums bzw. des Bohrkleinstromes 9 eine positive Andruckkraft auf die ent
sprechende Dichtlippe auf der rotierenden Dichtfläche bewirkt.
Die nachgeordnete Lippendichtung 38 besteht wiederum aus einer Doppeldich
tung 40, wobei eine der Lippendichtung 37 entsprechende Dichtlippe 44 in einer Kam
mer 45 und eine umgekehrt wirkende Dichtlippe 46 in einer Kammer 47 angeordnet ist.
Über die Radialbohrung 41 und den Schmiernippel 42 ist der Zwischenraum zwischen
den beiden Dichtlippen 44, 46 ständig mit Fett zu versorgen.
Bei Versagen dieser zweiten Dichtungsbarriere, d. h. der Doppeldichtung 40
erfolgt Druckentlastung und Ableitung der Spülung durch einen speziellen Dichtungs
spalt 49, wobei dieser Dichtungsspalt 49 ebenso wie die Drainagebohrung 39 den Vor
teil hat, dass eine optische Kontrollmöglichkeit durch sie gegeben ist, da mit dem Aus
treten des Spülmediums klar ist, dass die Wirkung der Dichtung 32 zumindest beein
trächtigt ist.
Die Montage der Bohrvorrichtung 1 wird durch lösbare Verbindungen aller
wesentlichen Teile erleichtert, wobei damit auch gleichzeitig die Möglichkeit gegeben
ist, durch Austausch der einzelnen Teile die Bohrvorrichtung 1 auf sich ändernde Gege
benheiten einzustellen. Ähnlich wie das Ritzel 17 über die Verschraubung 61 lösbar mit
der Steckwelle 15 verbunden ist, ist auch das Ritzel 25 über eine Verschraubung 64
lösbar mit dem Wellenstumpf 35 verbunden. Das über das Lager 52 gesicherte und
gelagerte Zahnrad 27 wird über die Hohlwelle 26 und die Verschraubung 56 lösbar mit
dem inneren Zwischenflansch 28 verbunden. Dieser innere Zwischenflansch 28 ist
wiederum über die Verschraubung 57 lösbar mit dem Flansch 29 verbunden, der Teil
des Innenrohrs 5 ist.
Das Getriebegehäuseteil 50 ist über die Verschraubung 53 mit dem Getriebege
häuseteil 51 verbunden, während über die Verschraubung 54 das Loslager 16 am Ge
triebegehäuseteil 51 gesichert gelagert bzw. gehalten ist. Mit 55 ist die Verschraubung
zwischen Hohlwelle 18 und Flansch 23 bezeichnet, während die Auswurfglocke 21 mit
dem Außenrohr 7 über die Verschraubung 58 gehalten ist. Fig. 1 verdeutlicht hierzu,
dass ein Zwischenstück 60 vorgesehen sein kann, das mit dem Gewinde 59 des Außen
rohres 7 korrespondierend mit Gewinde ausgerüstet ist, sodass hier ein Verschrauben
der beiden Teile gegeneinander möglich ist.
Alle genannten Merkmale, auch die den Zeichnungen allein zu entnehmenden,
werden allein und in Kombination als erfindungswesentlich angesehen.