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Die
vorliegende Erfindung betrifft ein neuartiges wasserquellbares Hybridmaterial
umfassend eine strukturvernetzte Polymermatrix und darin gebundene
anorganische Feststoffteilchen, mit einem zeitabhängigen Quellverhalten,
das einer Wasseraufnahme von mindestens dem 7,5 fachen des Eigengewichts
des Hybridmaterials innerhalb einer Stunde entspricht, sowie dessen
Verwendungen. Ferner wird ein Verfahren zur Herstellung eines solchen
wasserquellbaren Hybridmaterials beschrieben, umfassend das Bereitstellen
einer Reaktionsmischung umfassend mindestens eine polymerisierbare
Komponente und mindestens ein geeignetes Lösungsmittel, wobei der pH-Wert
der Reaktionsmischung kleiner als 7 ist; Einmischen von anorganischen
Feststoffteilchen und mindestens eines Vernetzers in die Reaktionsmischung;
Starten der Polymerisationsreaktion; und Steuern der Polymerisationsreaktion,
so dass unter Volumenvergrößerung relativ
zum Volumen der Reaktionsmischung ein schwammartiges, wasserquellbares
Hybridmaterial umfassend eine strukturvernetzte Polymermatrix und
darin gebundene anorganische Feststoffteilchen erhalten wird.
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ERFINDUNGSHINTERGRUND
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Acrylat(co)polymere,
die Wasser oder wässrige
Flüssigkeiten
unter Bildung von Hydrogelen aufnehmen, sind bereits beschrieben
worden. Hergestellt werden diese üblicherweise durch Verfahren der
inversen Suspensions- oder Emulsionspolymerisation, wie sie in den
US-PS 4,286,082 ,
DE-PS 27 06 135 ,
US-PS 4,340,706 und
DE-PS 28 40 010 beschrieben
worden sind. Auf diese Weise erhältliche Polymerisate
werden auch Superabsorber genannt und üblicherweise im Hygiene- und
Sanitärsektor verwendet.
Es ist auch schon vorgeschlagen worden, die für den Hygienesektor gewonnenen,
Hydrogele bildenden Polymerisate im botanischen Sektor als Wasserspeicher
einzusetzen, z.B. in der deutschen Patentanmeldung
DE 101 14 169.6 , oder auch in der internationalen
Patentanmeldung
WO 03/000621 .
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Bei
Materialien wie in der
WO 03/000621 beschrieben
wurde gefunden, dass eruptivstoffhaltige Superabsorber aufgrund
ihres Gehaltes an mehrwertigen Metallionen, die als Komplexbildner
wirken können,
eigenen Gesetzmäßigkeiten
sowohl bei der Herstellung als auch bei der Anwendung folgen. Insbesondere
hat sich gezeigt, dass sowohl der Herstellungsprozeß, als auch
die verwendeten Gesteinsmehle einen erheblichen Einfluss auf das
Quellverhalten der in dieser internationalen Anmeldung beschriebenen
Produkte haben. So wurde beispielsweise gefunden, dass bei der Herstellung
dieser konventionellen Materialien aus basischer Polymerisationsmischung
Partikel erhalten werden, die eine relativ lange Zeit brauchen,
um vollständig
aufzuquellen, teilweise 24 Stunden und mehr.
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ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG
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Es
ist daher eine Aufgabe der Erfindung, ein Produkt bereitzustellen,
das diese lange Quellzeit nicht mehr benötigt.
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Es
stellte sich ferner die Aufgabe, ein wasserquellbares Hybridmaterial
zur Verfügung
zu stellen, welches z.B. das für
Pflanzen notwendige Mineral- und Nährstoffangebot in einer ballaststoffhaltigen,
vernetzten Polymermatrix so bereitstellt, dass die Wasserspeicherfähigkeit
bzw. Quellfähigkeit
des Hybridmaterials nicht beeinträchtigt wird.
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Darüber hinaus
stellt sich die Aufgabe, Verfahren zur Herstellung von Mineralstoffe
und anorganische Feststoffe enthaltende Hybridmaterialien für vielfältige Einsatzzwecke
zur Verfügung
zu stellen, welche zu Produkten führen, die im Wesentlichen frei von
Monomerrückständen sind.
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Die
Lösungen
der vorliegenden Erfindung ergeben sich aus den Gegenständen der
unabhängigen
Produktansprüche.
Vorteilhafte Ausgestaltungen sind in den jeweiligen Unteransprüchen angegeben.
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BESCHREIBUNG DER FIGUREN
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1 zeigt die schwammartige Struktur eines
exemplarischen erfindungsgemäßen Hybridmaterials
nach Beispiel 1, wobei 1A das trockene Material mit
einer Stecknadel als Größenvergleich, und 1B das
gleiche Material im Wasser-gesättigten,
aufgequollenen Zustand zeigt.
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2 zeigt
das Quellverhalten des Materials nach Beispiel 4 (untere Kurve,
Dreiecke) gegenüber dem
Hybridmaterial nach Beispiel 1 (obere Kurve, Quadrate).
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3 zeigt die unterschiedlichen Wuchshöhen von
Gras bei Vergleich von Pflanzsubstrat ohne Zusatz von erfindungsgemäßen Hybridmaterial
(linke Töpfe)
mit Pflanzsubstrat enthaltend das Hybridmaterial (rechte Töpfe), bei
einer Bewässerung
von 57 ml alle drei Tage, wobei 3B eine
Ausschnittsvergrößerung des
Fotos von 3A darstellt.
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4 zeigt die unterschiedlichen Wuchshöhen von
Gras bei Vergleich von Pflanzsubstrat ohne Zusatz von erfindungsgemäßen Hybridmaterial
(linke Töpfe)
mit Pflanzsubstrat enthaltend das Hybridmaterial (rechte Töpfe), bei
einer Bewässerung
von 57 ml alle sechs Tage, wobei 4B eine
Ausschnittsvergrößerung des
Fotos von 4A darstellt.
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DETAILLIERTE BESCHREIBUNG
EXEMPLARISCHER AUSFÜHRUNGSFORMEN
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Zur
Lösung
der oben genannten sowie weiterer Aufgaben wird in der vorliegenden
Erfindung ein neues, wasserquellbares Hybridmaterial umfassend eine
strukturvernetzte Polymermatrix und darin gebundene anorganische
Feststoffteilchen bereitgestellt, welches außergewöhnliche Eigenschaften, insbesondere
im Quellverhalten, aufweist. Ohne auf eine bestimmte Theorie festgelegt
werden zu wollen, wird gegenwärtig
angenommen, dass die neuartigen Eigenschaften des Hybridmaterials
durch das Verfahren seiner Herstellung bedingt sein können.
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Gemäß einer
exemplarischen Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung wird ein wasserquellbares Hybridmaterial
und ein Herstellungsverfahren hierfür bereitgestellt, umfassend
eine strukturvernetzte Polymermatrix und darin gebundene anorganische
Feststoffteilchen, wobei das Hybridmaterial bei Kontakt mit wässrigen
Flüssigkeiten,
z.B. Wasser, unter Wasseraufnahme schnell aufquillt und möglichst
frühzeitig
sein Aufnahmemaximum erreicht.
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Unter "wasserquellbar" wird vorliegend
ein Material verstanden, dass bei Kontakt mit Wasser oder wässrigen
Flüssigkeiten
wie z.B. Salzlösungen, Körperflüssigkeiten
etc., oder anderen protisch-polaren Lösungsmitteln, unter Aufnahme
dieser Flüssigkeiten
eine Vergrößerung seines
Eigenvolumens, vorzugsweise jedoch nicht seiner chemischen Struktur,
erfahrt. Der Begriff "strukturvernetzte
Polymermatrix" bezeichnet
vorliegend ein dreidimensional vernetztes Homo- oder Copolymer mit
offener und/oder geschlossener Porenstruktur, welche die anorganischen
Feststoffteilchen vorzugsweise in gebundener Form, z.B. chemisch
gebunden und/oder in der Porenstruktur okkludiert, enthält. Bevorzugt
ist, dass die strukturvernetzte Polymermatrix bzw. das Hybridmaterial
auch im wassergesättigten
Zustand ihre Struktur im Wesentlichen behält. Die strukturvernetzte Polymermatrix
bzw. das Hybridmaterial kann vorzugsweise Wasser bis zur Sättigungsgrenze
aufnehmen, ohne ein Hydrogel zu bilden, d.h. die Polymermatrix bzw.
das Hybridmaterial bildet unter Wasseraufnahme kein flüssiges Hydrogel
aus, wie dies bei Superabsorbern üblicherweise der Fall ist.
Gewichtsprozentangaben sind, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben, auf
das Gesamtgewicht des trockenen Hybridmaterials, d.h. beispielsweise
bei einem Wassergehalt von unter etwa < 0,1 Gew.-% und/oder nach 12 Stunden
Trocknung des Materials, vorzugsweise bei etwa 40°C, bevorzugt
im Umluftofen bezogen. Alle hierin gemachten Zahlen-, Bereichs-
und Eigenschaftsangaben sowie Parameter sind, sofern nicht ausdrücklich anders
angegeben, grundsätzlich
als beliebig miteinander kombinierbar zu verstehen.
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Das
Quellverhalten des Hybridmaterials kann z.B. bestimmt werden durch
Kontaktieren des Hybridmaterials mit einer ausreichenden Menge z.B. vollentsalzten
Wassers typischerweise bei Raumtemperatur von etwa 20–23°C, bevorzugt
20°C und Wiegen
des abgetropften Materials nach bestimmten Zeitabständen.
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Das
Hybridmaterial weist gemäß einer
beispielhaften Ausführungsform
der Erfindung ein zeitabhängiges
Quellverhalten auf, welches einer Wasseraufnahme von mindestens
dem 7,5 fachen des Eigengewichts des trockenen Hybridmaterials innerhalb
einer Stunde entspricht, vorzugsweise mindestens dem 10 fachen,
bevorzugt dem 12,5 fachen, besonders bevorzugt mindestens dem 15
fachen des Eigengewichts des trockenen Hybridmaterials innerhalb
der ersten Stunde. Nach 2 Stunden kann die Wasseraufnahme des Hybridmaterials
bei mindestens dem 10 fachen des Eigengewichts des trockenen Hybridmaterials
liegen, vorzugsweise mindestens dem 12,5 fachen, bevorzugt dem 15
fachen, besonders bevorzugt mindestens dem 17,5 fachen des Eigengewichts
des trockenen Hybridmaterials. Nach 3 Stunden kann die Wasseraufnahme
des Hybridmaterials bei mindestens dem 12,5 fachen des Eigengewichts
des trockenen Hybridmaterials liegen, vorzugsweise mindestens dem
15 fachen, bevorzugt dem 17,5 fachen, besonders bevorzugt mindestens dem
20 fachen des Eigengewichts des trockenen Hybridmaterials. Die Wasseraufnahme
des Hybridmaterials nach 24 h liegt mindestens beim 15 fachen, vorzugsweise
beim 20 fachen, bevorzugt mindestens dem 25 fachen, besonders bevorzugt
mindestens dem 30 fachen des Eigengewichts des trockenen Hybridmaterials,
und kann mehr als das 50 fache betragen, ohne wie konventionelle
Superabsorber ein Hydrogel zu bilden.
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Das
feststoffhaltige, wasserquellbare Hybridmaterial der vorliegenden
Erfindung unterscheidet sich durch seine Herstellung und Zusammensetzung von
herkömmlichen Materialien.
Es besitzt insbesondere eine hohe Quellbarkeit und ist im ungetrockneten,
restfeuchten Zustand beispielsweise mit Humus direkt vergleichbar.
Beim Quellungsprozess in wässrigen
Flüssigkeiten
kann aufgrund der Zunahme des Porenvolumens ein Saugeffekt eintreten,
der eine über
die Absorptionsfähigkeit
der Polymermatrix hinaus gehende Flüssigkeitsaufnahme bewirken
kann.
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In
beispielhaften Ausführungsformen
der Erfindung ist das Hybridmaterial im Wesentlichen frei von Alkalisilikat
und/oder im Wesentlichen frei von Monomerrückständen. Erfindungsgemäß wird unter Begriff „im Wesentlichen
frei von Monomerrückständen" ein Material verstanden,
welches weniger als 1000 ppm, vorzugsweise weniger als 500 ppm und besonders
bevorzugt weniger als 300 ppm, ggf. sogar weniger als 100 ppm oder
weniger als 50 ppm Monomerrückstände enthält.
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In
bestimmten beispielhaften Ausführungsformen
umfasst die Polymermatrix mindestens ein Homopolymer und/oder Copolymer
von ethylenisch ungesättigten
Komponenten, insbesondere der Acrylsäure oder von Acrylsäurederivaten.
Die Polymermatrix kann beispielsweise durch Polymerisation von mindestens
einem wasserlöslichen,
ethylenisch ungesättigten,
Säuregruppen
enthaltenden Monomer, und ggf. zusätzlich mit mindestens einem
damit polymerisierbaren, wasserlöslichen,
ethylenisch ungesättigten
Comonomeren gebildet werden, dem mindestens ein Vernetzer und ggf.
weiteres wasserlösliches
Polymer, vorzugsweise in Mengen von etwa 0,01 bis 5 Gew.-%, typischerweise
0,1 bis 2 Gew.-%. zugesetzt werden können. Als Vernetzer lassen
sich z.B. Substanzen verwenden, die mindestens zwei ethylenisch
ungesättigte
Gruppen oder mindestens eine ethylenisch ungesättigte Gruppe und mindestens
eine weitere funktionelle Gruppe enthalten, die gegenüber Säuregruppen
reaktiv ist. Geeignete Monomere, Comonomere, wasserlösliche Polymere, Vernetzer
und sonstige Polymerbestandteile sind weiter unten im Zusammenhang
mit dem Herstellungsverfahren beschrieben.
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In
bestimmten Ausführungsformen
können die
Monomere bzw. Comonomere ggf. mit basischen Substanzen wie Natriumhydroxid,
Salmiakgeist, Ammoniumhydroxid, Kaliumhydroxid, Natriumcarbonat, Kaliumcarbonat,
Guanidin und Guanidincarbonat oder durch die Verwendung basischer
Gesteinsmehle/Mineralstoffe als anorganische Feststoffteilchen teilneutralisiert
sein.
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In
beispielhaften Ausführungsformen
der Erfindung kann das Gewichtsverhältnis von Polymermatrix zu
den anorganischen Feststoffteilchen zwischen 99:1 und 1:99, vorzugsweise
zwischen etwa 90:10 bis 10:90 liegen, oder ggf. zwischen etwa 70:30
bis etwa 30:70. In bevorzugten Ausführungsformen liegt der Anteil
an anorganischen Feststoffen bei mindestens etwa 50 Gew.-%, vorzugsweise
mindestens etwa 60 Gew.-% und besonders bevorzugt mindestens etwa
70 oder sogar mindestens 80 Gew.-%. Der Polymeranteil kann bei mindestens etwa
5 Gew.-%, vorzugsweise mindestens etwa 10 Gew.-% oder mindestens
etwa 20 Gew.-% liegen.
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Die
anorganischen Feststoffteilchen können z.B. gemahlene Mineralstoffe,
Schlacken oder Gesteinsmehle umfassen, die mindestens ein Material ausgewählt aus
Quarzsand, Ton, Schiefer, Sedimentgesteine, Meteoritengesteine,
Eruptivgesteine, wie z.B. Lavagesteinsmehl, Grauwacke, Gneis, Trass, Basalt,
Diabas, Dolomit, Magnesit, Bentonit, pyrogene Kieselsäure und
Feldspat, umfassen. Diese Feststoffteilchen, eingebunden in die
strukturvernetzte Polymermatrix des Hybridmaterials, können beispielsweise
in landwirtschaftlichen bzw. botanischen Anwendungen die Bodenstruktur
und das Bodenklima erheblich verbessern und durch Hinzufügung von Düngemitteln
aus der Gruppe konventioneller K-, N-, P-Düngemittel und/oder Spurenelementen
wie Eisen, Zink etc. eine optimale Nährstoffquelle für Pflanzen
darstellen, wobei alle wichtigen Bedingungen für deren Wachstum erfüllt werden.
Durch die poröse, schwammartige
Struktur des Hybridmaterials der vorliegenden Erfindung kann die
Bodenkapillarität verbessert
und gleichzeitig die Bodenqualität
durch die Anwesenheit fein gemahlener Mineralien, insbesondere fein
gemahlenem Sand, positiv beeinflusst werden. Außerdem stellt der Mineralstoffgehalt
der Hybridmaterialien eine Beschwerung des Produkts dar, so dass
z.B. ein Aufschwimmen bei hoher Bodennässe verhindert werden kann.
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Da
die anorganischen Bestandteile des erfindungsgemäßen Hybridmaterials, besonders
bezüglich
der Spurenelemente und/oder in Verbindung mit der Partikelgröße den Polymerisationsablauf
und damit die Schwammstruktur des Hybridmaterials beeinflussen können, hat
es sich als vorteilhaft erwiesen in bestimmten beispielhaften Ausführungsformen
der Erfindung die Partikelgröße der anorganischen
Feststoffteilchen in geeigneter Weise zu wählen. Da dieses Gesteinsmehle
gleichzeitig eine mineralische Nährstoffquelle
für die
Pflanzen darstellen, kann der Mahlgrad so gewählt werden, dass die Partikelgrößen der
anorganischen Feststoffteilchen unter 200 μm, bevorzugt unter 100 μm liegen.
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In
bestimmten Ausführungsformen
der Erfindung kann das Hybridmaterial z.B. Tonmaterialien wie Bentonit,
Montmorillonit, Phyllosilikate, Zeolithe, etc. umfassen. Diese Tonmaterialien
können
z.B. die Eigenschaft besitzen, selbst geringe Flüssigkeitsmengen aufzunehmen
und Kationen zu binden. Sie können
daher zur Festigkeit und zum Quellungsverhalten des Hybridmaterials
beitragen. Ihre Partikelgrößen können besonders
bevorzugt zwischen etwa 0,1–8
mm, vorzugsweise zwischen etwa 0,3–5 mm liegen. Ihr Mengenanteil
in bestimmten beispielhaften Ausführungsformen des Hybridmaterials
der Erfindung kann zwischen etwa 5 Gew.-% und 60 Gew.-% liegen,
bezogen auf das Gesamtgewicht des Hybridmaterials im trockenen Zustand.
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Die
anderen, im erfindungsgemäßen Hybridmaterial
vorzugsweise zugesetzten anorganischen Feststoffe wirken vor allem
auch produktbeschwerend und können
damit eine wichtige Funktion erfüllen.
Die erfindungsgemäßen Hybridmaterialien
können
zusätzlich
in untergeordneter Menge weitere feste, ggf. fein gemahlene, anorganische
oder organische Zusatzstoffe enthalten.
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Außerdem kann
das Hybridmaterial ggf. wasserlösliche
und/oder in Wasser gelöste
anorganische Zusatzstoffe ausgewählt
aus mindestens einem aus Alkalisilikat, Kaliwasserglas, Natriumwasserglas, Alkalihydroxid,
Kaliumhydroxid, Natriumhydroxid, Kieselsäure, Alkaliphosphat, Alkalinitrat,
Erdalkalihydrogenphosphat, Phosphorsäure, Magnesiumoxid, Magnesiumhydroxid,
Magnesiumcarbonat, Eisenoxide, Eisensalze, insbesondere Fe(II)-Salze,
und/oder Borsäure
umfassen.
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Die
Eigenschaften des erfindungsgemäßen Hybridmaterials
können
weiter modifiziert bzw. verbessert werden, wenn dieser zusätzlich wasserlösliche oder
in Wasser gelöste,
oder auch feste, gegebenenfalls fein zerkleinerte, wasserunlösliche organische
Zusatzstoffe wie z. B. Harnstoff, Harnsäure, z.B. zur CO2-Entwicklung
während
der Polymerisation und/oder als düngende Stickstoffquelle, Guanidin, z.B.
als Düngemittel,
Glykol, Glycerin, Polyethylenglykol, Polysaccharide, Stärke, Stärkederivate,
Zellulose, Holz, Stroh, Torf, Altpapier, chromfreies Leder und Recyclinggranulat
aus Holz oder Kunststoff, oder Kunststoffgranulat, Faserstoffe oder
Vliesstoffe, z.B. zur Modifizierung der physikalischen Eigenschaften je
nach gewünschtem
Verwendungszweck, enthält.
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In
bestimmten Ausführungsformen
können die
erfindungsgemäßen Hybridmaterialien
Mikroorganismen wie Algen, Bakterien, Hefen, Pilze, Pilzsporen und
dergleichen, z.B. zur Nährstoffversorgung
enthalten. Auch Farbstoffe, Geruchsstoffe, könne z.B. zur Verbesserung der
sensorischen Eigenschaften zugesetzt werden, wo dies gewünscht wird. Fungizide,
Pestizide, Herbizide und dergleichen können, wo erwünscht, zugesetzt
werden, um z.B. eine aerosolfreie, umweltschonende Einbringung der Wirkstoffe
wurzelnah, ggf. mit Depotwirkung bzw. langsamer, ggf. kontrollierter
Freisetzung zu realisieren.
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Das
Hybridmaterial kann nach seiner Herstellung im wässrigen Medium einen Restfeuchtegehalt
bei 20°C
von mindestens etwa 0,1 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des
restfeuchten Materials, vorzugsweise bis zu etwa 60 Gew.-%, besonders
bevorzugt etwa 20 bis 40 Gew.-%, insbesondere etwa 35 Gew.-% aufweisen.
Dieser kann durch partielle Trocknung den gewünschten Erfordernissen entsprechend
eingestellt werden.
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Durch
seine herstellungsbedingte, schwammartige Struktur weist das erfindungsgemäße Hybridmaterial
bestimmter beispielhafter Ausführungsformen
für eine
Vielzahl von Anwendungen vorteilhafte mechanische Eigenschaften
auf. In einer beispielhaften Ausführungsform kann das Hybridmaterial
nach einer Stunde Lufttrocknung des Hybridmaterials bei 40°C eine Shore
A Härte
(nach DIN 53505) von mindestens etwa 25, bevorzugt etwa 30 bis 50, aufweisen.
Im fabrikationsfeuchten Zustand unmittelbar nach Herstellung, Feuchtegehalt
etwa 30–40 Gew.-%,
kann das Hybridmaterial zusätzlich
oder alternativ eine Shore A Härte
(DIN 53505) von mindestens etwa 15, vorzugsweise etwa 20 bis 30,
aufweisen. Ferner kann das Hybridmaterial, im gesättigten Zustand
nach Lagerung des Materials über
24 Stunden in vollentsalztem Wasser, zusätzlich oder alternativ noch
eine Shore A Härte
(DIN 53505) von mindestens etwa 1, vorzugsweise etwa 2 bis 10, aufweisen.
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Das
spezifische Gewicht des Hybridmaterials liegt, in Abhängigkeit
von den verwendeten Feststoffteilchen und/oder polymeren Bestandteilen
bei mindestens 1 g/cm3, vorzugsweise zwischen
etwa 1,1 und 5 g/cm3, bevorzugt zwischen
etwa 1,2 und 2,5 g/cm3.
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HERSTELLUNGSVERFAHREN
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Nach
den in der
WO 03/000621 beschriebenen
konventionellen Herstellungsverfahren werden bei neutralem oder
alkalischem pH-Wert die Mineralstoffe als wässrige, Alkalicarbonat- und/oder
Kohlendioxid-haltige Aufschlämmung
vorgelegt und die ethylenisch ungesättigten, Säuregruppen enthaltenden Monomere
einschließlich
des Vernetzungsmittels anschließend
eingetragen, wobei Kohlendioxid freigesetzt wird und Schaum entsteht.
Nach Beendigung der Schaumentwicklung wird die Polymerisation durchgeführt. Alternativ
hierzu werden bei neutralem oder alkalischem pH-Wert die Mineralstoffe
als wässrige
Aufschlämmung
zusammen mit Alkalisubstanzen zur Teilneutralisation der Säuregruppen
der Monomere vorgelegt und anschließend polymerisiert.
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Auf
diese Weise wurden üblicherweise
neutrale oder schwach alkalische Erzeugnisse mit stabiler Schwammstruktur
erhalten, die im pH-neutralen Zustand ähnlich wie die Superabsorber
große
Mengen von Wasser absorbieren. Bei beiden herkömmlichen Verfahren werden stets
die Mineralstoffe vorgelegt und erst anschließend die Monomere zugesetzt.
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Überraschenderweise
wurde nun gefunden, dass durch eine Veränderung der Reihenfolge der Reaktandenzugabe
und ggf. zusätzlich
die Auswahl geeigneter pH-Wert Bereiche in der Reaktionsmischung
bei geeigneter Steuerung der Polymerisationsreaktion die Eigenschaften
des Hybridmaterials und insbesondere des Quellungsverhaltens deutlich verbessert
werden können.
Auch wurde gefunden, dass durch geeignete Steuerung der Polymerisationsbedingungen
auf die Zugabe von Carbonaten und ähnlichen Verbindungen zur Gaserzeugung
für die
Aufschäumung
des Hybridmaterials zu seiner Schwammstruktur weitgehend verzichtet
werden kann.
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Es
hat sich gezeigt, dass ein Vorlegen der Säuregruppen-haltigen Monomere
und das anschließende
Zugeben der Mineralstoffe in dieser Reihenfolge besonders vorteilhaft
für die
Entstehung einer im Wesentlichen homogenen Schwammstruktur des resultierenden
Materials sein kann. Die Polymerisation verläuft gleichmäßiger als bei den herkömmlichen Verfahren
und führt
zu Produkten mit einer deutlich verbesserten Anfangsquellung, d.h.
die nach diesem Verfahren hergestellten Hybridmaterialien quellen nach
Wasserzugabe sehr schnell auf und erreichen zu einem frühen Zeitpunkt
ihre maximale Wasseraufnahme.
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Die
Polymerisationsreaktionen ethylenisch ungesättigter Säuregruppen enthaltender Monomere ist
typischerweise exotherm, weshalb beispielsweise bei den konventionellen
Superabsorber-Herstellungsverfahren die Reaktion bei möglichst
niedrigen Temperaturen (typischerweise um 0°C) gestartet wird und nachfolgend
die Reaktionswärme
kontinuierlich abgeführt
wird um die Temperatur möglichst
niedrig zu halten.
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In
einer beispielhaften Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung wurde gefunden, dass durch geeignetes
Steuern der Polymerisationsreaktion eine zumindest teilweise Verdampfung
des Lösungsmittels
bewirkt werden kann, so dass unter Volumenvergrößerung relativ zum Volumen
der Reaktionsmischung ein schwammartiges, wasserquellbares Hybridmaterial
umfassend eine strukturvernetzte Polymermatrix und darin gebundene
anorganische Feststoffteilchen erhalten wird. Dieses Hybridmaterial weist
insbesondere ein hervorragendes Quellungsverhalten auf, insbesondere
eine deutlich schnellere anfängliche
Wasseraufnahme bei exzellenter mechanischer Stabilität im gesättigten
Zustand.
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Ferner
wurde gefunden, dass durch Vorlage der sauren Monomere bei pH-Werten
unter 7 und anschließende
Zugabe der anorganischen Feststoffteilchen unter anderem eine verbesserte
Bindung der Mineralstoffe in der schwammartigen Polymermatrix erreicht
werden kann, ohne das Quellungsverhalten nachteilig zu beeinflussen.
Dies ist selbst dann möglich,
wenn die anorganischen Feststoffteilchen wie beispielsweise Eruptivgesteine
einen hohen Spurenelement- bzw. Elektrolytgehalt aufweisen, der
in herkömmlichen
Verfahren typischerweise zu Polymerisationsverzögerungen und einer anderen
Materialstruktur führt,
welche üblicherweise
ein langsames Anfangsquellverhalten aufweisen.
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In
einer beispielhaften Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung wird ein wasserquellbares Hybridmaterial
umfassend eine strukturvernetzte Polymermatrix und darin gebundene
anorganische Feststoffteilchen zur Verfügung gestellt, herstellbar durch
ein Verfahren welches die folgenden Schritte umfasst:
- a) Bereitstellen einer Reaktionsmischung umfassend mindestens
eine polymerisierbare Komponente und mindestens ein geeignetes Lösungsmittel,
wobei der pH-Wert der Reaktionsmischung kleiner als 7 ist;
- b) Anschließendes
einmischen von anorganischen Feststoffteilchen in die Reaktionsmischung;
- c) Zugabe mindestens eines Vernetzers;
- d) Starten der Polymerisationsreaktion; und
- e) Steuern der Polymerisationsreaktion, so dass unter Volumenvergrößerung relativ
zum Volumen der Reaktionsmischung ein schwammartiges, wasserquellbares
Hybridmaterial umfassend eine strukturvernetzte Polymermatrix und
darin gebundene anorganische Feststoffteilchen erhalten wird.
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Wie
bereits erwähnt,
kann die Polymermatrix aus homopolymeren oder copolymeren, vernetzten Polymeren
auf der Basis ethylenisch ungesättigter, Säuregruppen
enthaltender Polymere, z.B. Polyacrylate, gebildet werden. In einer
bevorzugten beispielhaften Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung wird daher ein wasserquellbares Hybridmaterial umfassend
eine strukturvernetzte Polymermatrix und darin gebundene anorganische
Feststoffteilchen zur Verfügung
gestellt, herstellbar durch ein Verfahren welches die folgenden
Schritte umfasst:
- a) Bereitstellen einer Reaktionsmischung
umfassend mindestens ein ethylenisch ungesättigtes, Säuregruppen enthaltendes Monomer
und mindestens ein geeignetes Lösungsmittel,
wobei der pH-Wert der Reaktionsmischung kleiner als 7 ist;
- b) Anschließendes
einmischen von anorganischen Feststoffteilchen in die Reaktionsmischung;
- c) Zugabe mindestens eines Vernetzers;
- d) Starten der Polymerisationsreaktion; und
- e) Steuern der Polymerisationsreaktion, so dass unter Volumenvergrößerung relativ
zum Volumen der Reaktionsmischung ein schwammartiges, wasserquellbares
Hybridmaterial umfassend eine strukturvernetzte Polymermatrix und
darin gebundene anorganische Feststoffteilchen erhalten wird.
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Die
mindestens eine polymerisierbare Komponente kann ausgewählt sein
aus wasserlöslichen, ethylenisch
ungesättigten,
Säuregruppen
enthaltenden Monomeren umfassend mindestens eines aus Acrylsäure, Methacrylsäure, Ethacrylsäure, Sorbinsäure, Maleinsäure, Fumarsäure, Itaconsäure, Vinylsulfonsäure, Methacrylaminoalkylsulfonsäure, Vinylphosphonsäure, oder
Vinylbenzolphosphonsäure.
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Der
Anteil an Comonomeren in der Reaktionsmischung kann 0 bis zu 50
Gew.-% betragen, bezogen auf die polymerisierbaren Komponenten der monomeren
Reaktionsmischung. Wasserlösliche, ethylenisch
ungesättigte
Comonomere können
ausgewählt
werden aus mindestens einem aus ungesättigten Aminen wie Acrylamid,
Methacrylamid, N-Alkylacrylamid, N-Alkylmethacrylamid, N-Dialkylaminoacrylamid,
N-Dialkylaminomethacrylamid,
N-Methylolacrylamid, N-Methylolmethacrylamid, N-Vinylamid, N-Vinylformamid, N-Vinylacetamid,
N-Vinyl-n-methylacetamid, N-Vinyl-n-methylacetamid, N-Vinyl-n-formamid;
Vinylpyrrolidon, Hydroxyethylenacrylat, Hydroxyethylmethacrylat,
Acrylsäureester und/oder
Methacrylsäureester.
Besonders bevorzugt ist Acrylsäure
als Monomer, vorzugsweise ohne den Zusatz von Comonomeren.
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Der
monomeren Reaktionsmischung können weiterhin
wasserlösliche
Polymere bis zu 30 Gew.-% zugesetzt werden, bezogen auf die polymerisierbare Substanz
der monomeren Reaktionsmischung. Als lösliche Polymere können Homo-
oder Copolymerisate der zuvor genannten Monomeren oder Comonomeren,
teilverseiftes Polyvinylacetat, Polyvinylalkohol, Stärke, Stärkederivate,
pfropf-polymerisierte Stärke,
Zellulose und Zellulosederivate wie Carboxymethylzellulose, Hydroxymethylzellulose
sowie Galaktomannose und dessen oxalkylierte Derivate, sowie beliebige
Mischungen dieser eingesetzt werden. Diese wasserlöslichen
Polymere werden im wesentlichen physikalisch eingebunden.
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Die
Monomere bzw. Comonomere werden in mindestens einem geeigneten Lösungsmittel
vorgelegt. Das mindestens eine Lösungsmittel
kann in einer beispielhaften Ausführungsform der Erfindung protisch-polare
Lösungsmittel,
wie Wasser, wässrige Lösungen,
Alkohole wie Methanol, Ethanol; Alkylamine, Tetrahydrofuran, Dioxan,
und beliebige Mischungen davon, insbesondere bevorzugt jedoch Wasser, umfassen.
Ferner können
diese protisch-polaren Lösungsmittel
ggf. auch in Mischungen mit aprotischen und/oder unpolaren Lösungsmitteln
verwendet werden, ggf. unter Zusatz von Tensiden, Emulgatoren oder
anderen amphiphilen Stoffen, um eine möglichst homogene Reaktionsmischung
zu erhalten.
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In
bevorzugten beispielhaften Ausführungsformen
der Erfindung kann der pH-Wert der Reaktionsmischung vor Zugabe
der anorganischen Feststoffteilchen kleiner als 7 sein. Besonders
bevorzugt liegt der pH-Wert unter 6,8, vorzugsweise unter 6,5, insbesondere
unter pH 6 oder unter pH 5, etwa zwischen pH 0 und pH 6 oder zwischen
pH 1 und 5.
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Der
Reaktionsmischung aus Lösungsmittel und
mindestens einer polymerisierbaren Komponente kann mindestens ein
Vernetzer zugesetzt werden. Bevorzugt wird der mindestens eine Vernetzer
in einer Menge von 0,01 bis 5 Gew.-%, vorzugsweise 0,1 bis 2,0 Gew.-%,
bezogen auf die Gesamtheit der polymerisierbaren Monomeren, zugegeben.
Als Vernetzer können
alle Substanzen verwendet werden, die mindestens zwei ethylenisch
ungesättigte
Gruppen oder mindestens eine ethylenisch ungesättigte Gruppe und mindestens
eine weitere funktionelle Gruppe enthalten, die gegenüber Säuregruppen
reaktiv ist. Als beispielhafte Vertreter werden hier genannt: Methylenbisacrylamid,
Mono-, Di- und Polyester der Acrylsäure, Methacrylsäure, Itaconsäure und
Maleinsäure
von mehrwertigen Alkoholen wie von Butandiol, Hexandiol, Polyethylenglykol,
Trimethylolpropan, Pentaerythrit, Glycerin und Polyglycerin, sowie
von den daraus resultierenden oxalkylierten Homologen, z. B. Butandioldiacrylat,
ferner auch die Ester dieser Säuren
mit Allylalkohol und seinen oxalkylierten Homologen. Weiter seien
beispielhaft aufgeführt:
N-Diallylacrylamid, Diallylphthalat, Triallylcitrat, Tri-monoallyl-polyethylenglykolethercitrat,
Allylacrylamid, Triallylzitrat, Trimonoallyl, Polyethylenglykoletherzitrat sowie
Allylether von Di- und Polyolen und deren Oxethylate. Vertreter
der zuletzt genannten Gattung sind Polyallylether von Glycerin,
Trimethylolpropan, Pentaerythrit und deren Oxethylate, wie auch
Tetraallyloxyethan und Polyglycidylallylether wie Ethylenglykoldiglycidylether
und Glyceringlycidylether. Ferner sind geeignet beispielsweise auch
Diamine und deren Salze mit mindestens zwei ethylenisch ungesättigten Substituenten
wie etwa Di- und Triallylamin und Tetraallylammoniumchlorid. In
beispielhaften Ausführungsformen
der Erfindung können
ggf. mindestens zwei verschiedene Vernetzern verwendet werden, wobei
sich diese vorzugsweise in ihrer Hydrolysestabilität unterscheiden,
oder mindestes drei Vernetzer. Bevorzugte Vernetzer bei mindestens
zwei Vernetzern sind z.B. Butandioldiacrylat und Methylenbisacrylamid.
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Vor,
nach oder zusammen mit dem mindestens einen Vernetzer können die
anorganischen Feststoffteilchen zugesetzt werden. Besonders bevorzugt
werden die anorganischen Feststoffteilchen in die Reaktionsmischung
gegeben, welche die mindestens eine polymerisierbare Komponente
bereits enthält.
Durch Vorlegen der polymerisierbaren Komponente(n), insbesondere
von Säuregruppen
enthaltenden, ethylenisch ungesättigten
Monomeren, und insbesondere bei saurem pH-Werten, und danach anschließende Zugabe
der anorganischen Feststoffteilchen können Hybridmaterialien mit
besonders ausgeprägtem
Anfangsquellverhalten, d.h. z. B. schneller Aufquellung unmittelbar
nach Wasserkontakt erhalten werden. Die anorganischen Feststoffteilchen
können
z.B. gemahlene Mineralstoffe, Schlacken oder Gesteinsmehle umfassen,
die mindestens ein Material ausgewählt aus Quarzsand, Ton, Schiefer,
Sedimentgesteine, Meteoritengesteine, Eruptivgesteine, wie z.B.
Lavagesteinsmehl, Grauwacke, Gneis, Trass, Basalt, Diabas, Dolomit,
Magnesit, Bentonit, pyrogene Kieselsäure und Feldspat, umfassen.
Diese Feststoffteilchen können
auch aus Düngemitteln
aus der Gruppe konventioneller K-, N-, P-Düngemittel ausgewählt werden,
die ggf. zusätzlich
zu den oben genannten Mineralstoffen in die Reaktionsmischung eingegeben
werden.
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Die
Menge an anorganischen Feststoffteilchen kann je nach Bedarf und
gewünschtem
Verwendungszweck entsprechend gewählt und eingestellt werden,
wobei übliche
Mengen und Mengenverhältnisse
oben genannt sind. Bevorzugt sind hochfeststoffhaltige Hybridmaterialien,
vorzugsweise mit anorganischen Feststoffgehalten von mehr als 60 Gew.-% bezogen auf trockenes
Hybridmaterial. Der Gehalt an Eruptivgesteinen, z.B. Lavagestein,
liegt dabei vorzugsweise unter 35 Gew.-%, bezogen auf das trockene
Hybridmaterial, insbesondere unter 30 Gew.-%, besonders bevorzugt
unter 25 Gew.-%. Besonders bevorzugt enthalten die anorganischen Feststoffteilchen
keine in Gegenwart von Säure
Kohlendioxidentwickelnden Mineralstoffe oder Salze.
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Durch
Verwendung basischer Feststoffteilchen in geeigneter Menge kann
die mindestens eine polymerisierbare Komponente zumindest teilweise hydrolysiert
werden, und so der pH-Wert, der Polymerisationsverlauf und letztlich
die Produktstruktur geeignet modifiziert werden. Vorzugsweise werden etwa
maximal 80 Mol-%, z.B. etwa 60 bis 80 Mol-% und in beispielhaften
Ausführungsformen
maximal 40 Mol-% der Säuregruppen
der Monomere neutralisiert. Alternativ oder zusätzlich zur Verwendung von basischen
Feststoffteilchen kann ggf. eine Teilneutralisation oder pH-Wert
Einstellung durch Zusatz mindestens einer basischen Substanz, z.B.
ein Erdalkali- und/oder Alkalihydroxid, Kalk, Alkylamine, Salmiakgeist
etc., wie auch die oben genannten Verbindungen, vorgenommen werden.
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Durch
geeignete Homogenisierungsmaßnahmen,
beispielsweise Rühren,
werden die Feststoffteilchen in der Reaktionsmischung im wesentlichen
gleichmäßig verteilt,
wobei das Rühren
vorzugsweise auch während
der Polymerisation fortgesetzt wird.
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Zur
Initiierung der radikalischen Polymerisation können konventionelle Redoxsysteme
verwendet werden, z. B. Peroxo- oder Azoverbindungen wie Kaliumperoxomonosulfat,
Kaliumperoxodisulfat, tert.-Butylhydroperoxid, 2,2'-Azo-bis(2-methylenpropionamidin)dihydrochlorid
oder Wasserstoffperoxid, ggf. zusammen mit einem oder mehreren Reduktionsmitteln
wie Kaliumsulfit, Kaliumdisulfit, Kaliumformamidinsulfinat und Ascorbinsäure. Hierbei
wird vorzugsweise das Oxidationsmittel vorgelegt. In besonders bevorzugten
beispielhaften Ausführungsformen
der Polymerisation kann die Initiierung auch durch Fotokatalyse
in Verbindung mit geeigneten Sensibilisatoren erfolgen.
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Zur
Förderung
der Ausbildung einer porösen Schwammstruktur
des Hybridmaterials kann in beispielhaften Ausführungsformen der Erfindung
die Polymerisationsreaktion so gesteuert werden, dass sich das Hybridmaterial
unter Volumenvergrößerung relativ
zum Volumen der Reaktionsmischung bildet. Vorzugsweise wird insbesondere
die Reaktionswärme durch
geeignete Maßnahmen
kontrolliert.
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In
beispielhaften Ausführungsformen
der Erfindung kann die Reaktionswärme der exothermen Polymerisationsreaktion
so gesteuert werden, dass etwa 0,1 bis 30 Gew.-%, vorzugsweise etwa
2 bis 15 Gew.-%, des mindestens einen Lösungsmittels verdampfen. Das
verdampfende Lösungsmittel
wird hierbei als Schäumungsgas
das Hybridmaterial unter Volumenzunahme aufschäumen, so dass typischerweise
auf den Zusatz von Schäumungsmitteln
wie Gas-entwickelnde Stoffe verzichtet werden kann, zumal auch bei
der Polymerisation bestimmter Monomere ggf. abgespaltene Gase wie
Kohlendioxid freigesetzt werden können. Sofern erwünscht, kann
jedoch zusätzlich
auch mindestens ein Gasbildner zugesetzt werden, beispielsweise
Carbonatsalze und/oder Harnstoff, um die Volumenvergrößerung zumindest
teilweise hierdurch zu bewirken oder zu unterstützen. In besonders bevorzugten
beispielhaften Ausführungsformen
der Erfindung wird der Reaktionslösung bzw. dem Hybridmaterial
kein Carbonatsalz und/oder kein Mineralstoff bzw. allgemein keine Substanz,
insbesondere keine anorganische Substanz, zugesetzt, welcher in
Gegenwart von Säuren Kohlendioxid
freisetzt. Falls zur Unterstützung
der Schwammbildung des Hybridmaterials neben der Wasserdampfentwicklung
Kohlendioxid freigesetzt werden soll, werden hierzu vorzugsweise
organische Verbindungen, z.B. Harnstoff oder dergleichen verwendet,
welche neben der Kohlendioxidentwicklung eine vorteilhafte Stickstoffquelle
darstellen.
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In
weiteren beispielhaften Ausführungsformen
der Erfindung kann die Reaktionswärme alternativ oder zusätzlich auch
durch das Mengenverhältnis
der mindestens einen polymerisierbaren Komponente zu dem mindestens
einen geeigneten Lösungsmittels
bzw. über
das Volumen des Lösungsmittels
gesteuert werden. Vorzugsweise liegt das Mengenverhältnis der
mindestens einen polymerisierbaren Komponente zu dem mindestens
einen geeigneten Lösungsmittels
zwischen etwa 1:1 bis 1:5. Alternativ oder zusätzlich kann die Reaktionswärme auch
durch Kühlen
der Reaktionsmischung gesteuert werden.
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In
beispielhaften Ausführungsformen
der Erfindung kann durch Steuern der Polymerisationsreaktion eine
Volumenvergrößerung relativ
zum Volumen der Reaktionsmischung vor Einsetzen der Polymerisationsreaktion
von mindestens 10%, vorzugsweise mindestens 20%, insbesondere mindestens 50%,
und besonders bevorzugt mindestens 100% bewirkt werden.
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Bevorzugt
wird die mittlere Reaktionstemperatur der Polymerisationsreaktion
zwischen etwa 50°C
und 130°C
gehalten, vorzugsweise von etwa 60 bis 110°C, insbesondere von etwa 70
bis 100°C.
Die Starttemperatur der Reaktionsmischung kann zwischen etwa 4°C und etwa
40°C, vorzugsweise
bei etwa 15°C
bis etwa 30°C,
z.B. etwa bei Raumtemperatur, d.h. etwa 20 bis 22°C, eingestellt
werden.
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In
bestimmten beispielhaften Ausführungsformen
der Erfindung können,
beispielsweise in Schritt b), zusätzlich organische Feststoffteilchen
wie oben aufgelistet eingemischt werden, wodurch diese auch in der
Polymermatrix gebunden werden. Bevorzugte Beispiele hierfür können mindestens
einen organischen Stoff aus der Gruppe der Mikroorganismen, Bakterien
Pilze, Algen, Hefen, Fungizide, Pestizide, Herbizide, Zellulose,
Stärke,
Derivate von Stärken,
Kunststoffe oder Polysaccharide; Holz, Stroh, Torf, Altpapier, chromfreies
Leder und Recyclinggranulat, Kunststoffgranulat, Faserstoffe oder Vliesstoffe
umfassen.
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Darüber hinaus
kann der Reaktionsmischung mindestens ein wasserlöslicher,
wasserquellbarer und/oder in Wasser gelöster Zusatzstoff zugesetzt
werden, wie diese oben aufgelistet sind. Bevorzugte Beispiele hierfür umfassen
mindestens einen aus Alkalisilikat, Kaliumwasserglas, Natriumwasserglas,
Kaliumhydroxid, Natriumhydroxid, oder Harnstoff.
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Im
Gegensatz zu herkömmlichen
Verfahren ist bei dem hierin beschriebenen Verfahren eine Nachbehandlung
wie z.B. eine Nachvernetzung, Neutralisierung und dergleichen üblicherweise
nicht erforderlich, d.h., nach dem hier beschriebenen verfahren
kann das Hybridmaterial in einer Form erhalten werden, die für die hier
beschriebenen Anwendungszwecke unmittelbar geeignet ist.
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Das
Hybridmaterial gemäß der vorliegenden Erfindung
kann durch geeignete Auswahl der Bestandteile und/oder geeignete
Verfahrenskontrolle im Wesentlichen frei von Monomerrückständen erhalten werden,
was jedoch nicht immer der Fall sein muss. Insbesondere bei Anwendungen
im landwirtschaftlichen Bereich ist es jedoch vorteilhaft, dass
der nach der Polymerisation ggf. noch im Produkt verbliebene, geringe
Restmonomergehalt jegliche Gefährdung natürlichen
Lebens ausschließt.
Nach konventionellen Verfahren im Bereich der Superabsorber können die
Polymerisate nach der Herstellung einer Intensivtrocknung unterzogen
werden, um Monomerrückstände zu entfernen.
Dabei liegen die Trocknungstemperaturen typischerweise weit oberhalb
der Siedetemperatur der Acrylsäure
(Kp: 142°C),
im allgemeinen oberhalb 170°C.
Zwangsläufig
ist unter diesen Bedingungen auch die Gefahr einer beginnenden Produktzersetzung
vorhanden.
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Gemäß einer
bestimmten beispielhaften Ausführungsform
der Erfindung kann daher zur Verminderung bzw. Entfernung des Restmonomergehaltes
im Hybridmaterial ein Reinigungsverfahren angewandt werden. Danach
kann das Hybridmaterial thermisch oder chemisch nachbehandelt werden,
etwa durch Erhitzen des Hybridmaterials im Umluftofen, oder, insbesondere
bevorzugt, mit Heißdampf
bei Temperaturen von etwa 100 bis etwa 150°C, ggf. unter Druck. Dies kann
beispielsweise dadurch erfolgen, dass Produkte mit restlicher monomerer
Acrylsäure
oder anderen Schadstoffen in einen wärmeisolierten Drucktopf mit
unterer Wasserdampfzuleitung und oberem Überdruckventil gegeben und
anschließend
einer Wasserdampfbehandlung unterzogen werden. Die Temperatur des
Wasserdampfes kann vorteilhaft zwischen 100 bis 150°C, insbesondere zwischen
100 und 120°C,
unter Druck entsprechend geringer, eingestellt werden.
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Überraschenderweise
wurde festgestellt, dass diese Wasserdampfbehandlung bereits nach kurzer
Zeit eine deutliche Minderung des Acrylsäure- bzw. Monomeranteils bewirkte.
Als besonders vorteilhaft ist anzusehen, dass auch Ammoniumpolycarboxylate
ohne Gefahr einer Zersetzung mit Wasserdampf behandelt werden konnten.
Wenn die Behandlung zusätzlich
unter Druck durchgeführt
wird, kann damit gleichzeitig eine Abnahme des Wassergehalts im
Hybridmaterial verbunden sein, so dass auf diese Weise ebenfalls
zumindest eine Teiltrocknung durchgeführt werden kann. Zusätzlich ergibt
sich vor, während
oder am Ende des Dämpfungsprozesses
die Möglichkeit,
durch Zugabe beispielsweise von Schwefeldioxidgas oder Ammoniak
zum Wasserdampf oder getrennt davon die Entfernung noch verbliebener
restlicher Minimalmengen von Acrylsäure oder anderen Monomeren
oder Comonomeren zu erreichen bzw. zu beschleunigen.
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Mit
dieser Nachbehandlung bzw. diesem Reinigungsverfahren lassen sich
in vorteilhafter Weise alle polycarboxylathaltigen Produkte mit
einem Anteil von Acrylsäure,
also auch jede Art von Superabsorbern, insbesondere auch die Hybridmaterialien wie
in dieser Erfindung beschrieben, vorzugsweise ohne Totaltrocknung
in ihrem Restmonomergehalt auf ein Niveau mindern, das eine Gefährdung des
natürlichen
Lebens ausschließt
oder zumindest minimiert.
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Die
beschriebenen Nachbehandlungsschritte können beim Hybridmaterial darüber hinaus
alternativ oder zusätzlich
auch zur Nachvernetzung, zur Teilhydrolyse und/oder einfach zur
Trocknung bzw. zur Einstellung eines definierten Restfeuchtegehaltes
des Hybridmaterials angewendet werden. Geeignete Restfeuchtegehalte
sind weiter oben definiert. Bevorzugt wird das Hybridmaterial nach
seiner Herstellung nicht vollständig
getrocknet.
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Ein
optionaler Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist daher auch
ein Verfahren zur Entfernung von restlicher Acrylsäure aus
partikelförmigen, polycarboxylathaltigen
Polymerprodukten und Mischungen enthaltend diese Polymerprodukte,
durch Behandlung mit Wasserdampf bei einer Temperatur von etwa 100° bis 160°C, ggf. unter
Druck, unterzogen werden. Vorzugsweise erfolgt die Behandlung mit
Wasserdampf einer Temperatur von etwa 100 bis 150°C, insbesondere
bei etwa 20 bis 140°C,
unter Druck ggf. geringer. Optional können zusätzlich dem Wasserdampf Ammoniak
oder Schwefeldioxid zugemischt werden, vorzugsweise in geringen
Mengen, z.B. etwa 0,1 bis 10 Vol.-%, z.B. 0,1 bis 5 Vol.-% bezogen
auf das Dampfvolumen.
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Überraschend
wurde zudem festgestellt, dass mit Wasserdampf nicht nur Polyacrylate
oder polyacrylathaltige Produkte von Restmonomermengen wie Acrylsäure befreit
werden, sondern gleichfalls, besonders bei esterartigen Kettenverknüpfungen,
die Kapazität
der Wasseraufnahme nochmals deutlich erhöht werden. Dies lässt den
Schluss zu, ohne auf eine bestimmte Theorie festgelegt werden zu
wollen, dass ggf. einige Kettenbrücken gelöst werden und somit durch die
dadurch stattfindenden Kettenverlängerungen zwischen zwei Vernetzungsstellen
dieser Effekt zustande kommt. Somit kann ggf., z.B. durch Verwendung
mindestens zweier Vernetzertypen unterschiedlicher Hydrolysestabilität oder mehrere, über Wasserdampfbehandlung
oder Erhitzen des feuchten Produktes eine gegebene Wasseraufnahmefähigkeit
nochmals nachträglich
gesteigert werden.
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Ein
weiterer optionaler Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist daher
ein Verfahren zur Erhöhung
der Wasseraufnahmekapazität
von polycarboxylathaltigen Polymerprodukten und deren Mischungen,
durch Wasserdampfbehandlung wie oben beschrieben, oder durch kurzzeitiges
(etwa 10 Sekunden bis 1 Stunde) Hocherhitzen (Temperatur mindestens
140°C, vorzugsweise
mindestens 150°C)
nach der Polymerisation im feuchten Zustand.
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Nach
diesen Verfahren lassen sich alle partikelförmigen, polycarboxylathaltigen
Produkte inklusive ihrer Ammoniumsalze, also Superabsorber wie auch
das Hybridmaterial, mit einem Restanteil von Acrylsäure, ohne
Intensivtrocknung bezüglich
ihres Restmonomergehaltes auf ein Niveau mindern, dass eine Gefährdung und
Geruchsbelästigung
nicht mehr vorhanden ist. Außerdem
kann die Wasseraufnahmekapazität
des Polymers weiter erhöht
werden. Ist dabei ein wasserfreies, carboxylathaltiges Produkt erwünscht, lässt sich
ggf. eine schonende, emissionsfreie, offene Trocknung anschließen.
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Da
die Produkte nach der Herstellung in der Regel in Form von Blöcken oder
größeren Stücken anfallen,
kann üblicherweise
eine Zerkleinerung vor der weiteren Verwendung vorgesehen werden,
wobei konventionelle Zerkleinerungsverfahren für ggf. elastische, schwammartige
Hybridmaterialien geeignet sind. Der erste Schritt ist meist ein
Zerschneiden, so dass Scheiben, Matten oder kleinere Blöcke entstehen.
Bleibt man bei der Mattenform, lassen sich durch weiteres Zerschneiden
oder Stanzen die verschiedensten Formen erreichen.
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So
können
beispielsweise Vierkantstäbchen hergestellt
werden, die den Pflanzenwurzeln nachträglich den für das Wachstum notwendigen
Mineral- und Düngerbedarf
liefern, wenn sie in deren Nahrungsbereich gesteckt werden. Es kann
aber auch eine Häckselmaschine
eingesetzt werden, womit die Herstellung von erdartigen Krumen beliebig
einstellbarer Partikelgröße direkt
möglich
ist. Diese können in
Aussehen und Beschaffenheit besonders gut an Humus angepasst sein.
Im herstellungsfrischen Zustand kann noch eine gewisse Klebrigkeit
vorhanden sein, die dazu genutzt werden kann weitere Feststoffe
zuzumischen und die verschiedensten Formen und Gebilde durch einfaches
Zusammenpressen der Krumen zu erzeugen.
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Vorzugsweise
werden Zerkleinerungsverfahren eingesetzt, deren Energieeintrag
möglichst
gering ist, zum Beispiel langsam drehende Schneid/Reissapparate
(Shredder) ein- oder
mehrwelliger Bauart, oder dergleichen. Der Energieeintrag bei der
Zerkleinerung wird dabei in geeigneter Weise gewählt und beträgt vorzugsweise
nicht mehr als 100 W/kg, im Besonderen nicht mehr als 30 W/kg.
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Die
Hybridmaterialien sind, beispielsweise in Granulat- oder Krumenform,
zur Verwendung als Bodenhilfsstoffe in vielfältigen Anwendungsbereichen hervorragend
geeignet. Als Bodenhilfsstoffe in geeigneter Menge in Erde, Sand,
Humus, Torf und dergleichen oder dergleichen eingemischt fördern sie
durch ihr Wasseraufnahme- und Speichervermögen die Keimung, das Wachstum
und die Kultivierung von Pflanzen und können daher auch bei der Zumischung in
ungünstige
Erdböden
bei schlechten Witterungsverhältnissen
gute Pflanzresultate ergeben. Nebenbei erlauben sie zusätzlich eine
Einschränkung
der Bewässerungsintervalle
und sind daher besonders in regenarmen Anbaugebieten nutzbringend.
Eine besonders bevorzugte Anwendung der erfindungsgemäßen Erzeugnisse
liegt in der Beimischung in Böden
in ariden Regionen zur Wasserspeicherung.
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Es
ist möglich,
die erfindungsgemäßen Hybridmaterialien
auch alleine zur Pflanzenaufzucht zu verwenden. Eine besondere Ausführungsform
hierfür ist
der Einsatz der Erzeugnisse in Pflanzbehältern, die mit einem Wasserreservoir
verbunden sind, beispielsweise durch Kapillarstäbe, aus denen sich die Produktschwämme das
Wasser holen das ihnen durch die Pflanzenwurzeln genommen wird.
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Die
Krumen der erfindungsgemäßen Erzeugnisse
mit ihren Poren und Taschen sind als Trägerstoff für die verschiedensten Feststoffe
hervorragend geeignet. Von den zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten
soll hier die nachträgliche
Abmischung mit Rizinusschrot genannt werden. Rizinusschrot fällt bei
der Rizinusölgewinnung
an und zählt
zu den festen Düngemitteln.
In alternativen Ausführungsformen kann
anstelle von Rizinusschrot auch Rapsschrot, ein Restprodukt der
Rapsölproduktion,
verwendet werden. Mischungen dieser und weiterer Ölgewinnungsschrotrückstände sind
selbstverständlich
auch verwendbar.
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Auch
die Verwendung der Hybridmaterialien als Gülleabsorber bzw. Einstreumaterial
in der Tierhaltung kann erwünscht
sein. Möglich
ist auch eine Kombination eines düngerfreien Produktes mit Holzmehl
oder Holzspänen,
das anschließend
getrocknet als „Tierstreu" für die Tierhaltung,
insbesondere bei Huftieren, genutzt werden kann. Interessant ist
es auch, die Krumen nachträglich
mit feinstkörnigen,
oftmals staubenden, synthetischen Polymerpartikeln auszurüsten, deren
Verwendung in reiner Form normalerweise problematisch ist. Durch
die Klebewirkung der frischen Krumen des erfindungsgemäßen Produkts
lassen sich auch Gewebe oder Vliese rieselfrei ausrüsten und überall dort
einsetzen wo wasserabsorbierende Produkte gebunden und/oder fixiert
gefragt sind. Hierzu zählen
Hangbegrünungen, Beilagen
für den
Warentransport und Sacheinlagen.
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Werden
diese krumenhaltigen Gewebe und Vliese zusätzlich mit schwimmfähigen Natur-
und Kunststoffen ausgestattet, können
diese in Feuchtgebieten wie Pflanzenzucht, Reisanbau oder auch zur
Insektenbekämpfung
bei entsprechender Ausrüstung
eingesetzt werden.
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Bevorzugte
Anwendungen des Hybridmaterials können ferner im Hygienebereich
liegen, im Kosmetik- oder Wellnessbereich, wobei z.B. das Hybridmaterial
als Bestandteil von Fangopackungen, Moor- oder Schlammbädern, oder
für Mineralpackungen wie
mineralstoffhaltige Gesichts- oder Körpermasken genutzt werden kann.
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Aufgrund
seines hohen spezifischen Gewichts und seiner Wasseraufnahme- und
Quellfähigkeit
kann das Hybridmaterial darüber
hinaus in Dichtungsanwendungen verwendet werden, etwa als Zusatzstoff
in Systemen zur Bohrlochabdichtung z.B. in Erdölbohrungen, als Bestandteil
in Sandsäcken
für die
Deichreparatur oder -erhöhung,
als Kabelschutzmittel, um das zerstörerische Eindringen von Meerwasser
in die Kabel zu verhindern, oder auch als Füllmasse von elastischen Schläuchen, um
bei Mauerdurchbrüchen,
die für
Rohr- und Kabelverlegungen notwendig sind, wirksame Abdichtungen
gegenüber Grund-
und Regenwasser herbeizuführen
zu können.
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Hieraus
ist ersichtlich, dass die erfindungsgemäßen Erzeugnisse aufgrund ihrer
außergewöhnlichen
Eigenschaft und Taschenstruktur gleichzeitig Synergieträger und
Trägermaterial
für die
unterschiedlichsten Fest- und Flüssigprodukte
sind. Sie können
also nicht nur als Wasserspeicher und Nährstoffquelle, sondern auch
als Depotmaterial zur umweltschonenden Einbringung von Fungiziden,
Herbiziden, Pestiziden, etc. genutzt werden.
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Die
Erfindung wird im weiteren durch die folgenden Beispiele beschrieben,
welche nicht einschränkend
gedacht sind.
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Beispiel 1
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In
einem Becherglas wurden 180 g vollentsalztes Wasser mit 150 g Acrylsäure bei
Raumtemperatur vorgelegt. Dann wurden unter Rühren 7 g Harnstoff zugegeben
und gelöst.
Der pH-Wert betrug etwa 1,6. Danach wurden als Vernetzer 0,02 g
Wako V50 und 0,4 g Butandioldiacrylat zugesetzt. Anschließend wurden
460 g anorganische Feststoffe (Mischung aus Lavagesteinsmehl 200
g (Eifelgold', von Fa.
Lavaunion, Deutschland, < 0,2
mm mittlere Korngröße), Bentonit
60 g (Agromont CA, von S&B
Minerals, < 0,065
mm mittlere Korngröße) und
200 g Sand (von Quarzwerke Baums, L60, 0,2 mm mittlere Korngröße) unter
Rühren
zugegeben und die Aufschlämmung
homogenisiert. Durch Zusatz von 75 g KOH wurde die Acrylsäure teilweise
neutralisiert. Anschließend
wurde die Polymerisationsreaktion durch Zugabe von 0,15 g Kaliumdisulfit,
0,9 g Natriumperoxodisulfat und 0,45 g Ascorbinsäure (in Wasser gelöst) gestartet.
Im Verlaufe der exothermen Polymerisationsreaktion wurde Wasserdampf
und Kohlendioxidgas freigesetzt. Unter Zunahme des Volumens auf das
Doppelte des Anfangsvolumens der Reaktionsmischung bildete sich
ein geschlossenporiges elastisches, schwammartiges Produkt bei einer
mittleren Reaktionstemperatur von 105°C. Etwa 4% des eingesetzten
Wassers verdampfte. Anschließend
wurde das Produkt mittels eines langsam drehenden Schneidwerkzeugs
zerkleinert. Das resultierende Hybridmaterial wies eine maximale
Quellfähigkeit
(24 Stunden vollentsalztes Wasser) von nahezu dem 30 fachen seines
Eigengewichts und eine Shore-Härte von
etwa 15 im fabrikationsfeuchten Zustand (Wassergehalt ca. 35 Gew.-%)
auf. 1A zeigt die schwammartige Struktur des so erhaltenen
trockenen Materials, wobei eine Stecknadel als Größenvergleich
dient. 1B zeigt das gleiche Material
im Wassergesättigten,
aufgequollenen Zustand.
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Beispiel 2
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Unter
Verwendung der gleichen Materialien wie in Beispiel 1 beschrieben
wurde ein weiterer Polymerisationsansatz durchgeführt, jedoch
unter Verwendung von 260 g vollentsalztem Wasser. Der pH-Wert betrug
etwa 1,6. Im Verlauf der exothermen Polymerisationsreaktion wurde
bei einer mittleren Reaktionstemperatur von 80°C Wasserdampf (etwa 2% Wasser
wurde verdampft) und Kohlendioxidgas freigesetzt, wodurch sich das
Volumen des Ansatzes um etwa 50% vergrößerte. Das resultierende geschlossenporige,
elastische, schwammartige Produkt wurde mittels eines langsam drehenden Schneidwerkzeugs
schonend zerkleinert. Das resultierende Hybridmaterial wies eine
maximale Quellfähigkeit
(24 Stunden vollentsalztes Wasser) von etwa dem 30 fachen seines
Eigengewichts und eine Shore-Härte
von etwa 20 im fabrikationsfeuchten Zustand (Wassergehalt ca. 35
Gew.-%) auf.
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Beispiel 3
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Ein
Polymerisationsansatz wie in Beispiel 1 beschrieben wurde unter
Verwendung der gleichen Materialien und der dort angegebenen Mengen durchgeführt. Während der exothermen
Polymerisationsreaktion wurde das Reaktionsgefäß im Wasserbad gekühlt, so
dass die mittlere Reaktionstemperatur bei etwa 65°C gehalten
wurde. Die Volumenexpansion betrug ca. 15%. Das Produkt wurde wie
in Beispiel 1 beschrieben zerkleinert. Das resultierende Hybridmaterial
wies eine maximale Quellfähigkeit
(24 Stunden vollentsalztes Wasser) von etwa dem 25 fachen seines
Eigengewichts und eine Shore-Härte von
etwa 28 im fabrikationsfeuchten Zustand (Wassergehalt ca. 35 Gew.-%)
auf.
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Beispiel 4 (Vergleichsbeispiel)
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100,0
g Wasser, 560 g Kaliumhydroxidlösung
(50%) wurden mit 100,0 g Acrylsäure
und 40,0 g wässriger
Butandioldiacrylatlösung
(0,8 Gew.-%), 40,0 g Bentonit und 140,0 g Quarzsand sowie 120 g Lavagesteinsmehl
(Eifellava) in fein gemahlener Form bei basischem pH-Wert vermischt,
gut umgerührt
und die Polymerisation durch Zugabe von 20,0 ml einer 1,0 Gew.-%-igen
Natriumperoxo-disulfatlösung,
10 ml einer 0,2 Gew.-%-igen Ascorbinsäurelösung und 10 ml einer 1,25 Gew.-%-igen
Kaliumdisulfitlösung
initiiert. Nach ca. 1 Minute, in der weiter gut gerührt wurde,
ließ sich
der Polymerisationsbeginn anhand der Wärmetönung unter Bildung von Mikroblasen
an der Oberfläche
feststellen. Nach ca. 3 Minuten war das Gemisch so zähviskos
geworden, dass ein Absinken der Feststoffe nicht mehr möglich war
und das Rühren
eingestellt wurde. Das Polymerisat erfuhr nun durch das Ausblasen
von Kohlendioxid in den nächsten
Minuten eine Volumenvergrößerung.
Das Polymerisat war ohne Schwierigkeiten dem Gefäß zu entnehmen und wurde mittels
einer Schneidmühle
zerkleinert und durch Umlufttrocknung getrocknet. Die 2 zeigt
das Quellverhalten des Materials nach Beispiel 4 (untere Kurve)
gegenüber dem
Hybridmaterial nach Beispiel 1 (obere Kurve) bei Kontakt des Hybridmaterials
mit vollentsalztem Wasser. Die verwendeten Proben wurden hierbei
jeweils nach bestimmten Zeitabständen
aus dem Wasser entnommen, auf einem Sieb abgetropft und gewogen.
Deutlich zu sehen ist, dass das Material nach Beispiel 1 zu Anfang
erheblich schneller das Wasser aufnimmt und bereits nach etwa 2
Stunden mehr als das 20 fache seines Eigengewichts an Wasser aufgenommen
hatte.
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Beispiel 5
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Dieses
Beispiel zeigt einen Vergleich der Biomasseentwicklung von Gras
in Substrat welches 1 Gew.-% des Hybridmaterials aus Beispiel 1
enthält reinem
Sand als Substrat. In Pflanzgefäßen mit
8 cm Durchmesser wurde entweder nur Feinsand der Fa. Haver & Boecker der Bezeichnung
L60 eingefüllt, oder
Feinsand gemischt mit 1 Gew.-% des Hybridmaterials nach Beispiel
1, und anschließend
jeweils eine Rasensaatgutmischung RSM 3.1 (50% Lolium perenne, 50%
Poa pratensis) eingesät.
Zur Reproduzierbarkeit wurde mit 4 facher Wiederholung gearbeitet.
| Bedingungen: | 25°C konstant, 10 kLux bei einer
Beleuchtungsdauer von 12 h |
| Wasserzufuhr: | 3 mm/d, 3-Tagesrhythmus,
entsprechend 57 ml alle 3 Tage
1,5 mm/d, 6-Tagesrhythmus, entsprechend
57 ml alle 6 Tage |
| Varianten: | Variante 0-3/57 I-IV =
reiner Sand, 57 ml H2O alle 3 Tage
Variante
1-3/57 I-IV = 1% Material aus Beispiel 1, 57 ml H2O
alle 3 Tage
Variante 0-6/57 I-IV = reiner Sand, 57 ml H2O alle 6 Tage
Variante 1-6/57 I-IV
= 1% Material aus Beispiel 1, 57 ml H2O/6
Tage |
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Bereits
kurz nach dem Auflaufen des Grases konnte beobachtet werden, dass
sich das Gras bei Zugabe des wasserquellbaren Hybridmaterials deutlich
kräftiger
entwickelte als ohne. Dies waren in allen 4 Wiederholungen gleichermaßen zu beobachten. 3 zeigt die unterschiedlichen Wuchshöhen des Vergleichs
der Variante 0-3 ohne Hybridmaterial (linke vier Töpfe) mit
Variante 1-3 mit Hybridmaterial (rechte vier Töpfe), also bei einer Bewässerung
von 57 ml alle drei Tage, wobei 3B eine
Ausschnittsvergrößerung des
Fotos von 3A darstellt. 4 zeigt
die unterschiedlichen Wuchshöhen
des Vergleichs der Variante 0-6 ohne Hybridmaterial (linke vier
Töpfe)
mit Variante 1-6 mit Hybridmaterial (rechte vier Töpfe), also
bei einer Bewässerung
von 57 ml alle sechs Tage, wobei 4B eine
Ausschnittsvergrößerung des
Fotos von 4A darstellt.
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Zu
drei Zeitpunkten wurden die Wuchshöhen des Grases gemessen. Zu
allen Zeitpunkten lag die Grashöhe
bei 1% wasserquellbaren Hybridmaterial aus Beispiel 1 deutlich über der
der unbehandelten Variante, und zwar mit jeweils etwa 18 bis 27%.
Die Unterschiede waren sowohl bei 1,5 mm/d Wasserzugabe als auch
bei 3 mm/d zu verzeichnen. Die Ergebnisse zeigen, dass das Wachstum
der Pflanzen um mehr als 20% erhöht
werden kann, der Trockenmasseertrag des Grases erhöht und die
Wassereffizienz bei einer Kombination von reduzierter Wasserzufuhr und
der Zugabe des neuartigen wasserquellbaren Hybridmaterials aus Beispiel
1 deutlich gesteigert werden kann.
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Beispiel 6
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Das
Granulat nach Beispiel 4 wurde mit 0,1 Gew.-% des Fungizids Parmetol® DF12
homogen gemischt und mit Wasser maximal getränkt. Das feuchte Granulat wurde
für 12
Monate offen an Luft bei Raumtemperatur gelagert und weiter feucht
gehalten. Es erfolgte keine Besiedlung mit Mikroorganismen.
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Die
vorliegende Erfindung wird im Folgenden anhand der beigefügten Ansprüche näher definiert, welche
grundsätzlich
nicht einschränkend
zu verstehen sind.