DE278432A - - Google Patents
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
- JVi 278432 KLASSE 3Oi. GRUPPE
in BERLIN.
enthaltendem Wasserdampf gesättigter Luft.
Die Desinfektion mittels heißer, trockener und feuchter Luft wird seit langer Zeit bei
verschiedenen Desinfektionsobjekten angewandt, und zwar das Verfahren mit trockener,
heißer Luft wegen der notwendigen hohen Temperaturen bis zu 140 ° C und mehr nur
für metallene Gegenstände, das Verfahren mit feuchter, heißer Luft von 60 bis 100 ° C für
Bücher und andere, gegen Hitze empfindliche Gegenstände, wie Ledersachen, Pelze usw.
Bei dem letzteren Verfahren hat man entweder die Luft mit einfachem Wasserdampf gemischt oder aber ein verdampfbares oder
gasförmiges Desinfektionsmittel, Alkohol oder Formaldehyd in flüchtigem Zustande, beigemengt.
Dieses Verfahren hat jedoch den Nachteil, daß der Desinfektionsvorgang auf 48 Stunden und noch länger durchgeführt werden
muß, wenn man auf eine sichere Abtötung der Schädlinge rechnen will.
Im allgemeinen verwandte man zur Ausübung des bisherigen Verfahrens einen Apparat,
bei dem der Desinfektionsraum ringsum mit einem Heizmantel (Wassermantel) umgeben
war, dessen Inhalt man auf einer Temperatur von etwa 80° C hielt. Um die Wirksamkeit
der verhältnismäßig niedrig erhitzten Luft zu erhöhen, war man genötigt, ihr so viel Wasserdampf zuzuführen, daß ihr Feuchtigkeitsgehalt
mindestens 30 bis 40 Prozent betrug.
Gemäß -vorliegender Erfindung wird auf etwa 1,3 bis i,5 Atm. oder mehr komprimierte, mit
Wasserdampf oder ein flüchtiges Desinfektionsmittel enthaltendem Wasserdampf gesättigte
heiße Luft zur Desinfektion verwendet. Die Temperatur der Luft soll je nach der Empfindlichkeit
der Gegenstände 45 ° bzw. 60 ° bzw. 70 ° betragen.
Die angewendete Maßnahme hat zunächst den Zweck, einen größeren Wärmeeffekt pro
Raumeinheit zu erzielen. Es enthält z. B. ι cbm von mit Wasserdampf vollständig gesättigte
Luft bei dem normalen Druck von 760 mm Qs. 94,47 W. E., bei 0,3 Atm. Überdruck = 988 mm Qs. absolutem Druck jedoch
106 W. E. Daher ist auch die Wärmeübertragung im letzteren Falle günstiger als bei
ungespannter Luft.
Das vorliegende Verfahren gestattet demnach eine viel schnellere und gleichmäßige
Durchwärmung der Desinfektionsobjekte.
Um. die Wirksamkeit des Verfahrens noch zu erhöhen, kann man die Luft statt mit
reinem Wasserdampf in an sich bekannter Weise mit Formalinwasserdampf o. dgl. sättigen;
auch in diesem Fall ist das vorliegende Verfahren bedeutend wirksamer als die bekannten
Desinfektionsverfahren, z. B. als das Verfahren mit niedrig temperierten Formaldehydwasserdämpfen
unter Vakuum, und zwar wieder vorzugsweise deshalb, weil die
komprimierte gesättigte Luft pro Raumeinheit einen größeren Wärmeinhalt besitzt als reiner
Formaldehydwasserdampf bei gleicher Temperatur.
Die komprimierte Luft ist aber auch infolge ihrer größeren Dichte besser als Träger
für Desinfektionsmittel, z. B. für gasförmigen Formaldehyd geeignet als die unter Vakuum
bei gleicher Temperatur erzeugten spezifisch
ίο bedeutend leichteren Wasserdämpfe. Rubner
hat z. B. einwandfrei festgestellt, das Dampf von atmosphärischer Spannung und unter
Überdruck entwickelter Dampf bedeutend mehr Formaldehyd mit sich reißt, als wenn
der Dampf unter Vakuum entwickelt wird.
In der der Erfindung beiliegenden Zeichnung ist eine Vorrichtung zur Ausführung des vorliegenden
Verfahrens veranschaulicht. Die Vorrichtung besteht im wesentlichen aus dem doppelwandigen Apparat α mit Wassermantel η
und Expansionsgefäß m, ferner dem Lufterhitzer c mit Heizschlange d und Brenner e,
einem Rotationskompressor b und dem Tropfgefäß g.
Der Innenraum der Vorrichtung α wird durch Wassermantel η und Brenner f auf die
gewünschte Temperatur 45 ° bzw. 60° oder mehr erhitzt. Gleichzeitig erhitzt man in d
die Luft und führt derselben Wasser oder eine verdünnte Formalinlösung tropfenweise
zu, so daß sich also die in der Schlange d befindliche Luft mit Feuchtigkeit sättigt. Nunmehr
wird mittels des in die Rohrleitung eingeschalteten Kompressors b die erhitzte Luft
durch die Rohrleitung k in den Apparat gedrückt. Die heiße, feuchte Luft füllt von
oben her den Raum α an und drängt die darin befindliche, trockene und daher schwerere
Luft nach unten. Letztere wird dann durch die Rohrleitung 0 in den Kompressor
gesaugt und gelangt durch diesen in die Schlange d, wo sie erhitzt und befeuchtet
wird. Sobald der Innenraum und die zu desinfizierenden Gegenstände auf die richtige
Temperatur erhitzt sind, was man am Thermometer r beobachten kann, schließt man Hahn p
und öffnet Hahn q, so daß Frischluft in die Schlange d gepumpt wird, so daß ein Überdruck
im Apparat α und dem ganzen Rohrsystem' 0 und k entsteht. Ist der gewünschte
Überdruck erreicht, wird Hahn q wieder geschlossen und dafür Hahn p geöffnet und so
bewirkt, daß die nunmehr gespannte Luft durch das Rohrsystem und den Apparat mit
großer Geschwindigkeit strömt. Während des Kreislaufes der Luft wird ständig Wasser oder
Formalinlösung in die Luft eingetropft, damit die Luft stets mit Feuchtigkeit gesättigt ist.
Um die Temperatur der in den Raum a eintretenden Luft festzustellen, ist ein Thermometer
I vorgesehen. Das Tropfgefäß g ist einerseits durch Rohr h, durch welches die
Flüssigkeit fließt, andrerseits durch Rohr i, das zum Druckausgleich dient, mit der Leitung
0 verbunden.
Die ganze Anordnung ist in wärmetechnischer Beziehung äußerst vollkommen, da die
warme Luft immer wieder verwandt wird und ihr nur so viel Wärme zugeführt werden muß,
.als durch die Abkühlung an der Wandung und in den Röhren bedingt ist.
Man kann übrigens auch mit stets erneuerter Luft arbeiten; in diesem Falle fällt die Verbindung
des Rohres 0 mit dem Kompressor fort; das Rohr 0 endigt hinter dem Thermometer
r mit einem Regulierventil.
Claims (3)
1. Verfahren zur Desinfektion mittels auf . beliebige Temperatur erhitzter, mit
Wasserdampf oder ein chemisches Desinfektionsmittel in Gas- oder Dampfform enthaltendem Wasserdampf gesättigter Luft,
dadurch gekennzeichnet, daß die Luft vor dem Einströmen in den Desinfektionsapparat
komprimiert, erhitzt und mit Wasserdampf ■ oder ein gas- oder dampfförmiges
chemisches Desinfektionsmittel enthaltendem Wasserdampf gesättigt wird.
2. Ausführungsform des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
komprimierte Luft in dem Desinfektionsgefäß vorgeschalteten Behältern auf die gewünschte
Temperatur erhitzt und mit Wasserdampf bzw. chemische Desinfektionsmittel enthaltendem Wasserdampf gesättigt,
dann dem mit Heizmantel versehenen Desinfektionsbehälter von oben her zugeführt,
aus diesem durch einen Ventilator unten abgesaugt und nach Durchströmen des Ventilators dem Heiz-, Sättigungsund
Desinfektionsgefäß im Kreislauf wieder zugeführt wird.
3. Ausführungsform des Verfahrens gemaß Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet,
daß außer der im Kreislauf befindlichen Luft durch ein seitlich angebrachtes Hahnrohr
nach Bedarf frische Luft zugeführt wird.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen.
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