DE3238993C2 - - Google Patents

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Description

Die Erfindung bezieht sich auf Mörtel mit mineralischen Bindemitteln oder Beschichtungsstoff mit organischen Bindemitteln mit einer textilen Armierung aus einem verseifungs- und schiebefest ausgerüsteten weitmaschi­ gen Gewebe oder Gewirke. Es ist bekannt, für eine der­ artige texile Armierung, z. B. ein sehr reißfestes Glasseidengewebe zu verwenden, das durch eine Kunst­ harz- oder Silicon-Beschichtung gegen den Angriff des Alkalis des Zements geschützt ist. Das zum Einbetten in hochwertige mineralische Putze oder Kunstharzputze bestimmte Gewebe ist außerdem noch schiebefest aus­ gerüstet, d. h. die Berührungspunkte der Fäden sind - meist mit einem Kunstharz - verklebt, so daß das Gewebe eine geometrisch stabile Struktur erhält.
Die Gewebeverstärkung ist bei der Oberbeschichtung von Außendämmsystemen üblich, die aus Gründen der Energie­ einsparung im letzten Jahrzehnt erheblich an Bedeutung gewonnen haben. Eine einschalige Außendämmung besteht beispielsweise aus Dämmplatten aus Hartschaumstoff, insbesondere Polystyrol, die mit der Außenwand des Hauses verklebt sind und die eine Oberbeschichtung aus Dispersionsputz erhalten haben. Durch die materialbe­ dingte Schrumpfung der Hartschaumplatten und Temperatur­ und Wettereinflüsse treten erhebliche Spannungen zwi­ schen den Dämmplatten und der Putzbeschichtung auf. Das kann zu einem Abscheren dieses Außenputzes von den Dämm­ platten und zur Rißbildung in der Deckschicht führen und zwar insbesondere dort, wo die Dämmplatten aneinan­ der stoßen. Zur Vermeidung der Rißbildung wird die Armie­ rung mit alkaligeschützten, schiebefest ausgerüsteten Glasseidengeweben vorgesehen. Diese Glasgewebe bestehen in Kette und Schuß aus ungedrehtem Garn bzw. aus Fäden, die nur eine Schutzdrehung von beispielsweise weniger als 30 Touren pro Meter erhalten haben.
Es hat sich nun überraschenderweise herausgestellt, daß die zur Armierung verwendeten Glasgewebe selbst zur Riß­ bildung der Beschichtung beitragen, weil sie das Schwin­ den oder eine Ausdehnung des Putzes nicht mehr mit voll­ ziehen können, wenn sie nach dessen Erhärtung fest darin eingebettet sind. Glasfäden haben zwar eine hohe Reiß­ festigkeit, aber eine schlechte Querstabilität und sie brechen daher leicht, wenn sie gedehnt oder gestaucht werden. Während die Kettfäden, bedingt durch ihre Leinen­ oder Dreherbindung die Stauchung, insbesondere beim Er­ härten der Putzschicht, und eine später auftretende Län­ genveränderung mitmachen können, ist das bei den Schuß­ fäden aus der praktisch unelastischen Glasseide nicht der Fall. Diese wirken vielmehr als eine starre versteifende Armierung, die auftretenden Längenveränderungen Widerstand entgegensetzt. Bei der Stauchung sprengt der Schußfaden den Mörtel ab, der dann quer zum Schußfaden reißt. So kommt es bei vertikaler Verlegung gesamter Bahnen auch zu einer vertikalen Rißbildung. Während man bisher an­ nahm, daß die Rißbildung der Oberbeschichtung aus mine­ ralischen oder kunstharzgebundenen Putzen durch dessen Dehnungsverhalten bestimmt wird und versuchte, den Aus­ dehnungskoeffizienten des Putzes dem der Dämmplatten an­ zupassen, hat die Anmelderin jetzt erkannt, daß auch das zur Verstärkung eingesetzte Glasseidengewebe in der geschilderten Weise zur Rißbildung beiträgt.
Hier schafft die Erfindung Abhilfe, indem sie bei Mörteln mit mineralischen Bindemitteln und Beschichtungsstoffen mit organischen Bindemitteln als textile Armierung ein Gewebe oder Gewirke vorsieht, das in Längsrichtung und in Querrichtung eine Elastizität von mindestens 3% und in beiden Richtungen eine Reißfestigkeit von wenigstens 1200 N pro 5 cm Breite aufweist und bei dem der Schuß­ faden ein gezwirntes Garn ist.
Das erfindungsgemäß einzusetzende Gewebe sollte ganz oder überwiegend aus Glas- und/oder Kohlenstoffasern bestehen. Die Mitverwendung hochreißfester organischer Fasern, z. B. aus Polyamiden, Polyestern oder Aramiden ist zur Erzielung spezieller mechanischer Eigenschaften möglich und kann durch die Verwendung eines Mischgarns oder eines Misch­ gewebes erfolgen.
Glasgewebe aus gedrehtem Zwirn sind an sich bekannt und wurden für spezielle Anwendungen, beispielsweise in der Filtertechnik, eingesetzt. Unabhängig von dem er­ findungsgemäßen speziellen Einsatzzweck ist es jedoch sehr ungewöhnlich, bei einem solchen Glasgewebe eine einfache Kette, d. h. ein ungezwirntes Garn als Kett­ faden, aber einen gedrehten Zwirn als Schußfaden vor­ zusehen.
Ein als textile Verstärkung von mineralischen oder kunst­ harzgebundenen Beschichtungsmaterial besonders geeignetes Glasgewebe ist beispielsweise aus einem Dreherstrang von 136 tex pro Faden aufgebaut, d. h., das Kettgarn hat eine Garnstärke von 136 tex. Darin haben die Einzelfilamente in der Regel einen Durchmesser von 9 oder 13 µm. Für die Schußfäden werden Glasfäden der gleichen Feinheit von beispielsweise 136 tex auf 150 Touren durch Z-Drehung hochgedreht und dann mindestens zwei dieser Fäden in S-Drehung mit etwa 135 Touren gegengedreht, d. h. verzwirnt. In dem weitmaschigen Gittergewebe kommen dann auf 10 cm 7 bis 45 Dreherstränge, d. h. 7 bis 35 Fäden als Kette und 7 bis 35, insbesondere 24 bis 25 Fäden pro 10 cm als Schuß. Dieses Gewebe hat vorzugsweise ein Flächengewicht von 100-600 g/m2, eine Elastizität in Kett- und Schußrich­ tung vom 3-10, insbesondere 3-6% und pro 5 cm Breite eine Reißfestigkeit in Kettrichtung über 1800 N und in Schußrichtung über 1300 N.
Es ist möglich, auch für die Kettfäden ein gezwirntes Garn zu verwenden. Dadurch verteuert sich die Herstellung des Gewebes, ohne daß dadurch, verglichen mit einer einfachen Kette, wesentliche Vorteile für die textile Armierung von Mörteln mit mineralischen Bindemitteln oder Beschichtungs­ stoffen mit organischen Bindemitteln verbunden sind. Die Form des Gitters hat keinen entscheidenden Einfluß auf den Einsatz des Gewebes als textile Armierung. In der Regel sind Kett- und Schußfäden senkrecht zueinander angeordnet, aber auch andere geometrische Formen des Gitters, z. B. Rhomben oder Sechsecke sind möglich.
Eine in Längs- und Querrichtung elastische textile Ar­ mierung z. B. für Deckenputze oder insbesondere für die Oberbeschichtungen der Hartschaumplatten in den bekannten Außendämmsystemen, kann auch ein loses Gewirke aus Glas­ oder Kohlenstoffasern sein. Eine solche Wirkware zeichnet sich durch 20 bis 25% Dehnung in Längsrichtung und eine Dehnung in Querrichtung bis zu 10% aus. Die zur Herstel­ lung der Wirkware benutzte Glasseide sollte gezwirnt sein.
Bei der Verwendung der in beiden Hauptrichtungen elasti­ schen und zugleich hochreißfesten Gewebe oder Gewirke in Vollwärmeschutzsystemen traten keine durch Temperatur­ belastungen oder Schwindung der Deckschicht herrührende Risse mehr auf. Es zeigte sich vielmehr, daß diese elasti­ schen Gewebe oder Gewirke den Längenveränderungen der Ein­ bettmassen bei Wärme und Kälte keinen Widerstand entgegen setzen, so daß die Rißbildung unterbleibt.
Ein solches Vollwärmeschutzsystem hat beispielsweise folgenden Aufbau.
An der tragenden Wand werden abgelagerte Polystyrol- Hartschaumplatten mit einem Raumgewicht von 15 bis 30 kg/m3 und einer Plattendicke von 3 bis 20 cm durch Verkleben oder mit Dübeln angebracht. Dann wird ein hydraulisch erhärtender, mit organischen Aditiven vergüteter Verbundmörtel aufgerackelt, und das erfindungsgemäß zu verwendende elastische Gewebe oder Ge­ wirke aufgelegt und oberflächlich eingedrückt. Anschließend kann direkt eine Dekorbeschichtung mit einer Druckfestigkeit unter 2,5 N/cm2 auf die Verbundschicht aufgetragen werden. Bei Einsatz von Dekorschichten mit einer Druckfestigkeit über 2,5 N/mm2 empfiehlt es sich, auf die Verbundschicht zunächst eine Dehnungsausgleichs­ schicht aus einem elastischen, gering plastischen dis­ pergierten Kunststoff und einem Gemenge aus organischem bzw. anorganischen Füllstoffen einer Korngröße von 10 bis 500 µm aufzutragen.
In der Zeichnung ist als Beispiel verkleinert ein Voll­ wärmeschutzsystem mit einem Mörtel oder Beschichtungs­ stoff 6 dargestellt, der mit einem eingebetteten Gitter­ gewebe 3 verstärkt ist. Der Ausschnitt zeigt vergrößert das Gittergewebe 3 mit einer Kette als einfachen Dreher­ strang 4 und einem gezwirnten Schußfaden 5. Für die Her­ stellung dieser Oberbeschichtung wird der vergütete Verbundmörtel 6 auf die Dämmplatte 2 zunächst in Strei­ fen 7 aufgerackelt, dann das Gittergewebe 3 aufgelegt und durch oberflächliches Eindrücken in den Verbund­ mörtel eingebettet. Anschließend kann noch ein Dekor­ putz 1 aufgebracht werden.

Claims (7)

1. Mörtel mit mineralischen Bindemitteln oder Be­ schichtungsstoff mit organischen Bindemitteln mit einer textilen Armierung aus einem versei­ fungs- und schiebefest ausgerüsteten weitma­ schigen Gewebe oder Gewirke, dadurch gekenn­ zeichnet, daß der Schußfaden des Gewebes oder Gewirkes ein gezwirntes Garn ist und das Gewebe oder Gewirke in Längs- und Querrichtung eine Elastizität von mindestens 3% und in beiden Richtungen eine Reißfestigkeit von wenigstens 1200 N pro 5 cm Breite aufweist.
2. Mörtel oder Beschichtungsstoff nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Gewebe oder Ge­ wirke auf der Basis von Glas- und/oder Kohlen­ stoffasern hergestellt ist.
3. Mörtel oder Beschichtungsstoff nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Gewebe oder Gewirke ein Flächengewicht von 100 bis 600 g/m2 aufweist.
4. Mörtel oder Beschichtungsstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Kettfaden ein ungezwirntes Garn ist.
5. Mörtel oder Beschichtungsstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Gewebe pro 5 cm Breite eine Reißfestigkeit in Kettrichtung (Längsrichtung) über 1800 N und in Schußrichtung (Querrichtung) über 1300 N aufweist.
6. Mörtel oder Beschichtungsstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Gewebe in Kettrichtung und Schußrichtung eine Elastizität von 3 bis 10, insbesondere 3 bis 6% aufweist.
7. Mörtel oder Beschichtungsstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Gewirke aus Glasseide hergestellt ist und in Längsrichtung eine Dehnung von 5 bis 25%, in Querrichtung eine Dehnung von 3 bis 10% aufweist.
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