DE3522234C2 - Verfahren zum energiegünstigen Betreiben einer Destillationskolonne - Google Patents
Verfahren zum energiegünstigen Betreiben einer DestillationskolonneInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum energiegünstigen Betreiben einer
Destillationskolonne (im weiteren Kolonne genannt), die in einem Teilbereich
eine Längsunterteilung - ausgeführt in Form einer Trennwand - zur
Unterdrückung einer Quervermischung von Flüssigkeits- und Brüdenströmen
aufweist. Mittels dieser Längsunterteilung wird die Kolonne in ihrem
mittleren Bereich in einen Zulauf- und einen Entnahmeteil unterteilt.
Bei der destillativen Zerlegung eines Gemisches in reine Fraktionen erfolgt
die Trennung im allgemeinen in einer Reihe hintereinander geschalteter
Kolonnen, wobei aus jeder Kolonne eine und aus der letzten zwei
Reinfraktionen gewonnen werden. Zur Senkung der Investitionskosten können
anstelle selbständiger Kolonnen auch Seitenkolonnen in Verbindung mit
Hauptkolonnen benutzt werden. Eine weitere Vereinfachung besteht darin,
die Seitenkolonnen wegzulassen und Seitenfraktionen über dampfförmige
oder flüssige Seitenabzüge direkt zu entnehmen.
Nachteilig wirkt sich bei der Entnahme von Seitenfraktionen aus, daß
dieselben grundsätzlich verunreinigt sind. Der Grad dieser Verunreinigung
läßt sich durch höhere Rücklaufverhältnisse verringern, dies bedeutet
jedoch größere Heizenergiemengen.
Dieser Nachteil kann umgangen werden, wenn man spezielle Kolonnen benutzt,
die in einem Teilbereich der Kolonnen Trennwände zur Verhinderung
einer Quervermischung von Flüssigkeits- und Brüdenströmen besitzen.
Solche Kolonnen weisen im Vergleich zu anderen Kolonnenschaltungen den
niedrigsten Energieverbrauch auf und erlauben es, bis zu 4 Reinfraktionen
aus einer einzigen Kolonne zu entnehmen.
Die Wirksamkeit einer Kolonne mit Längsunterteilung kann jedoch nur dann
voll zum Tragen kommen, wenn die Aufteilung des Brüdenstroms am unteren
Ende der Längsunterteilung und die Aufteilung des Flüssigkeitsstroms am
oberen Ende der Längsunterteilung richtig erfolgt. Aus dem Zulaufteil
dürfen nach oben nur Leichtsieder und Mittelsieder und nach unten nur
Hochsieder und Mittelsieder austreten. Nur dann ist sichergestellt, daß
man aus dem Entnahmeteil eine oder zwei reine Mittelsiederfraktionen entnehmen
kann. Falsche Einstellungen der Aufteilungsverhältnisse erfordern
den Einsatz von mehr Heizenergie.
Für den energieoptimalen Betrieb ist eine gezielte Einstellung der Aufteilungsverhältnisse
erforderlich, wobei sich für jede Trennaufgabe
eigene Werte ergeben. Die optimale Fahrweise kann bei Vorhandensein eines
mathematischen Modells für das Stoffsystem mit Hilfe von Destillationsrechnungen,
die allerdings wegen des gekoppelten Systems recht kompliziert
sind, ausgearbeitet werden.
Wenn kein brauchbares mathematisches Modell vorhanden ist, bleibt nur die
experimentelle Optimierung der Anlage. Wegen der oft schwankenden Betriebsbedingungen
erweist sich dies in der betrieblichen Praxis als
schwierig. Der Grund hierfür liegt darin, daß es bei diesem speziellen
Kolonnensystem bei einer Verunreinigung der Mittelsiederfraktion mit
Leichtsieder bzw. Hochsieder nicht ohne weiteres ersichtlich ist, ob das
Aufteilungsverhältnis beispielsweise der Flüssigkeit vergrößert oder verkleinert
werden muß, da die Verunreinigung sowohl über eine ungenügende
Trennung im Zulaufteil als auch über eine schlechte Trennung im Entnahmeteil
verursacht sein kann.
Gemäß der US-Patentschrift 4 230 533 wird dieses Problem über aufwendige
Analysen des Kolonneninhaltes bewerkstelligt.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, durch eine einfache apparative
Maßnahme den energiegünstigen Betrieb einer solchen längsunterteilten
Kolonne ohne rechnerische oder experimentelle Optimierung und für
beliebige Zulaufgemische sicherzustellen.
Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren zum energiegünstigen Betreiben
einer Kolonne, erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß man
- - im längsunterteilten Bereich der Kolonne im mittleren Bereich des
Teilstücks, das sich sowohl oberhalb der Zulaufstelle als auch oberhalb
der Entnahmestelle der Seitenfraktion oder im Falle von 2 Entnahmestellen
oberhalb der obersten Entnahmestelle befindet, im Zulauf-
und im Entnahmeteil paarweise Temperaturmeßstellen auf gleicher
Höhe der Kolonne anordnet
und
im längsunterteilten Bereich der Kolonne im mittleren Bereich des Teilstücks, das sich sowohl unterhalb der Zulaufstelle als auch unterhalb der Entnahmestelle der Seitenfraktion oder im Falle von 2 Entnahmestellen unterhalb der untersten Entnahmestelle befindet, im Zulauf- und im Entnahmeteil paarweise Temperaturmeßstellen auf gleicher Höhe der Kolonne anordnet, und - - durch eine Temperaturdifferenzregelung, die automatisch oder von Hand erfolgt, die Temperaturen an den beschriebenen Meßstellen so einstellt, daß die Temperatur im Zulaufteil an der oberen Meßstelle niedriger oder höchstens gleich hoch ist wie im Entnahmeteil und die Temperatur im Zulaufteil an der unteren Meßstelle höher oder mindestens genau so hoch ist wie im Entnahmeteil und
- - als Stelleingriff für die Temperaturdifferenzregelung die Flüssigkeitsaufteilung am oberen Ende der Längsunterteilung benutzt.
Weitere Merkmale des erfindungsgemäßen Verfahrens sind Gegenstand der
Unteransprüche.
Es versteht sich von selbst, daß das energiegünstige Betreiben auch für
ein Kolonnensystem Gültigkeit hat, bei dem der längsgeteilte Bereich der
Kolonne aufgeteilt ist in 2 Einzelkolonnen.
Bei Einhaltung dieser erfindungsgemäßen Bedingungen ist eine energiegünstige
Fahrweise sowohl einer Kolonne mit Längsunterteilung als auch eines
oben beschriebenen Kolonnensystems sichergestellt. Diese erstaunlich einfache
Realisierung eines praktisch energieoptimalen Betriebs einer solchen
komplexen Kolonne konnte experimentell für verschiedene Trennprobleme
mit sehr unterschiedlichem Destillationsverhalten gefunden werden.
Im Falle von einfachen Stoffgemischen, deren Stoffeigenschaften ausreichend
bekannt waren und die daher auch mit mathematischen Modellen beschreibbar
waren, konnte diese überraschende Tatsache auch rechnerisch
bestätigt werden. Bei Einhaltung des beschriebenen Temperaturkriteriums
betragen die Abweichungen vom absoluten Energieminimum weniger als 1 %.
Die Empfindlichkeit des Temperaturkriteriums bei der beschriebenen Meßstellenanordnung
erwies sich als ungewöhnlich stark ausgeprägt. Bereits
ganz geringe Abweichungen vom optimalen Betriebspunkt bewirken eine Verletzung
der Temperaturbedingungen und erlauben eine rechtzeitige Korrektur.
Für die Einstellung der gewünschten Temperaturwerte wurde folgende Regel
gefunden. Eine Absenkung/Erhöhung der Temperatur im Zulaufteil gegenüber
der Temperatur im Entnahmeteil wird durch Erhöhen/Erniedrigen der Flüssigkeitsaufgabemenge
und bzw. oder Erniedrigen/Erhöhen der Brüdenmenge
auf den Zulaufteil erreicht. Dabei werden die Temperaturen im oberen Teil
bevorzugt durch Verändern der Flüssigkeitsmenge und die Temperaturen im
unteren Teil bevorzugt durch Verändern der Brüdenaufteilung auf die geforderten
Werte eingestellt.
Die Aufteilung der Brüden erwies sich als weit weniger bestimmend als die
Aufteilung der Flüssigkeit. Da die gezielte Brüdenaufteilung kostenintensiver
ist als die gezielte Flüssigkeitsaufteilung, wird man auf eine Regelung
der Brüdenaufteilung meist verzichten. In den meisten Fällen ist
es zulässig, den Wert der Brüdenaufteilung z.B. durch Halbierung der Gesamtquerschnittsfläche
bei etwa 1:1 zu belassen. Abweichungen von diesem
Wert bis zu ca. 40 % sind unerheblich. Lediglich bei sehr unsymmetrischen
Trennproblemen muß vom Standardwert 1:1 abgewichen werden, da sich sonst
das Temperaturkriterium nicht in der geforderten Weise einhalten läßt.
Auf eine aufwendige Brüdenregelung kann man auch hier verzichten, da bereits
eine grobe Festeinstellung beispielsweise durch eine Blende den
Erfordernissen genügt.
Für die Flüssigkeitsaufteilung, die wie gefunden wurde, erstaunlicherweise
ungleich wirksamer ist als die Brüdenaufteilung, ergeben sich für
jedes Trennproblem eigene Werte, die in einem engen Bereich einzuhalten
sind. Als vermutlich allgemeine Regel stellte sich nur heraus, daß sich
bei flüssiger Seitenentnahme, die aus energetischen Gründen der dampfförmigen
Entnahme vorzuziehen ist, Werte für das Aufteilungsverhältnis
der Flüssigkeit auf den Zulauf- und den Entnahmeteil ergeben, die kleiner
oder gleich 1 sind.
Die beschriebene Regel der Flüssigkeits- bzw. Brüdenaufteilung wirkt sich
nicht auf die Abzugsbilanz der Kolonne aus und hat daher nichts zu tun
mit der Kolonnenregelung im üblichen Sinne, die die Einhaltung der richtigen
Abzugsbilanz und der gewünschten Entnahmekonzentrationen zum Ziel
hat. Diese Regelung, die beispielsweise über eine Beeinflussung der Kopfabzugsmenge,
der Seitenabzugsmenge und der Heizleistung erreicht werden
kann, ist in jedem Falle erforderlich. Die erfindungsgemäße zusätzliche
Beeinflussung der Aufteilungsverhältnisse dient darüber hinausgehend der
energieoptimalen Fahrweise einer Kolonne mit Längsunterteilung.
Claims (5)
1. Verfahren zum energiegünstigen Betreiben einer Destillationskolonne,
die in einem Teilbereich eine Längsunterteilung - ausgeführt in Form
einer Trennwand - zur Unterdrückung einer Quervermsichung von Flüssigkeits-
und Brüdenströmen aufweist, dadurch gekennzeichnet, daß man
- - im längsunterteilten Bereich der Kolonne im mittleren Bereich
des Teilstücks, das sich sowohl oberhalb der Zulaufstelle als
auch oberhalb der Entnahmestelle der Seitenfraktion oder im
Falle von 2 Entnahmestellen oberhalb der obersten Entnahmestelle
befindet, im Zulauf- und im Entnahmeteil paarweise Temperaturmeßstellen
auf gleicher Höhe der Kolonne anordnet
und
im längsunterteilten Bereich der Kolonne im mittleren Bereich des Teilstücks, das sich sowohl unterhalb der Zulaufstelle als auch unterhalb der Entnahmestelle der Seitenfraktion oder im Falle von 2 Entnahmestellen unterhalb der untersten Entnahmestelle befindet, im Zulauf- und im Entnahmeteil paarweise Temperaturmeßstellen auf gleicher Höhe der Kolonne anordnet,
und - - durch eine Temperaturdifferenzregelung, die automatisch oder von Hand erfolgt, die Temperaturen an den beschriebenen Meßstellen so einstellt, daß die Temperatur im Zulaufteil an der oberen Meßstelle niedriger oder höchstens gleich hoch ist wie im Entnahmeteil und die Temperatur im Zulaufteil an der unteren Meßstelle höher oder mindestens genau so hoch ist wie im Entnahmeteil und
- - als Stelleingriff für die Temperaturdifferenzregelung die Flüssigkeitsaufteilung am oberen Ende der Längsunterteilung benutzt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man den Bereich
der Längsunterteilung der Destillationskolonne durch 2 parallel
angeordnete Destillationskolonnen ersetzt.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß
man zur Einstellung der Flüssigkeitsaufteilung am oberen Ende der
Längsunterteilung die Reglervorschrift für die Stellgrößenänderung
ΔS = Koben × (Temperatur im Entnahmeteil, oben
- Temperatur im Zulaufteil, oben)
+ Kunten × (Temperatur im Entnahmeteil, unten - Temperatur im Zulaufteil, unten)benutzt und das Verhältnis der Reglerverstärkungen Koben/Kunten zu 2:1 bis 1:10 einstellt, wobei ΔS die Änderung der Flüssigkeitsaufgabemenge auf den Entnahmeteil oder die Änderung des Verhältnisses der Flüssigkeitsaufgabemenge auf den Entnahmeteil zur Gesamtmenge oder - mit negativem Vorzeichen - die Änderung der Flüssigkeitsaufgabemenge auf den Zulaufteil oder die Änderung des Verhältnisses der Flüssigkeitsaufgabemenge auf den Zulaufteil zur Gesamtmenge bedeutet.
+ Kunten × (Temperatur im Entnahmeteil, unten - Temperatur im Zulaufteil, unten)benutzt und das Verhältnis der Reglerverstärkungen Koben/Kunten zu 2:1 bis 1:10 einstellt, wobei ΔS die Änderung der Flüssigkeitsaufgabemenge auf den Entnahmeteil oder die Änderung des Verhältnisses der Flüssigkeitsaufgabemenge auf den Entnahmeteil zur Gesamtmenge oder - mit negativem Vorzeichen - die Änderung der Flüssigkeitsaufgabemenge auf den Zulaufteil oder die Änderung des Verhältnisses der Flüssigkeitsaufgabemenge auf den Zulaufteil zur Gesamtmenge bedeutet.
4. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß
man als Stelleingriff für die Temperaturdifferenzregelung die Flüssigkeitsaufteilung
am oberen Ende der Längsunterteilung und zusätzlich
die Brüdenaufteilung am unteren Ende der Längsunterteilung
benutzt.
5. Verfahren nach den Ansprüchen 1, 2 und 4, dadurch gekennzeichnet, daß
man
- - zur Einstellung der Flüssigkeitsaufteilung am oberen Ende der
Längsunterteilung die Reglervorschrift für die Stellgrößenänderung
ΔSF = KFoben × (Temperatur im Entnahmeteil, oben
- Temperatur im Zulaufteil, oben)
+ KFunten × (Temperatur im Entnahmeteil, unten - Temperatur im Zulaufteil, unten)benutzt und das Verhältnis der Reglerverstärkungen KFoben/KFunten zu 3:1 bis 1:6 einstellt, wobei ΔSF die Änderung der Flüssigkeitsaufgabemenge auf den Entnahmeteil oder die Änderung des Verhältnisses der Flüssigkeitsaufgabemenge auf den Entnahmeteil zur Gesamtmenge oder - mit negativem Vorzeichen - die Änderung der Flüssigkeitsaufgabemenge auf den Zulaufteil oder die Änderung des Verhältnisses der Flüssigkeitsaufgabemenge auf den Zulaufteil zur Gesamtmenge bedeutet
und - - zur Einstellung der Brüdenaufteilung am unteren Ende der Längsunterteilung
die Reglervorschrift für die Stellgrößenänderung
ΔSD = KDoben × (Temperatur im Zulaufteil, oben
- Temperatur im Entnahmeteil, oben)
+ KDunten × (Temperatur im Zulaufteil, unten - Temperatur im Entnahmeteil, unten)benutzt und das Verhältnis der Reglerverstärkungen KDoben/KDunten zu 1:1 bis 1:15 einstellt, wobeiΔSD die Änderung der Brüdenaufgabemenge auf den Entnahmeteil oder die Änderung des Verhältnisses der Brüdenaufgabemenge auf den Entnahmeteil zur Gesamtmenge oder - mit negativem Vorzeichen - die Änderung der Brüdenaufgabemenge auf den Zulaufteil oder die Änderung des Verhältnisses der Brüdenaufgabemenge auf den Zulaufteil zur Gesamtmenge bedeutet.
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