DE3729211C1 - Reaktive Panzerung - Google Patents
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Description
Die Erfindung betrifft eine reaktive Panzerung gemäß dem Oberbegriff
des Anspruches 1.
Eine solche Schutzeinrichtung ist aus der DE-PS 20 08 156 bekannt.
Der darin beschriebene Mechanismus, die kinetische Energie der Partikel
teile eines Hohlladungs-Strahles durch Langloch-Ausbildung an relativ
zum Strahl bewegten und geneigt zu seiner Ausbreitungsrichtung orien
tierten Inert-Platten abzubauen, ist zwar an sich nachgewiesen.
Es hat sich aber herausgestellt, daß eine solche reaktive Schräg
plattenanordnung im wesentlichen nur gegen die rückwärtigen Partikel
teile des Hohlladungsstrahles wirksam ist; während dessen viel energie
reichere Strahlspitze die Plattenanordnung noch praktisch ungeschwächt
durchschlägt und dadurch dann doch dahinter in der Hauptpanzerung
des zu schützenden Objektes noch erhebliche Wirkung haben kann.
Hinzu kommt eine Gefährdung des Objektes durch die Beanspruchung
beim Aufprall der von der Sprengstoffüllung in Strahlrichtung be
schleunigten Panzerplatte.
In Erkenntnis dieser Gegebenheiten liegt der Erfindung die Aufgabe
zugrunde, eine reaktive Panzerung anzugeben, die gegen den Hohl
ladungsstrahl in seiner Gesamtheit und dabei insbesondere auch gegen
die kritische Strahlspitze wirksam ist, wobei die Bauhöhe jener
vorbekannten Aktivplattenanordnung nicht wesentlich überschritten,
möglichst sogar unterschritten, und die Beanspruchung des zu schützenden
Objektes durch den Reaktionsmechanismus reduziert werden soll.
Diese Aufgabe ist nicht dadurch lösbar, daß gemäß der FR 23 80 528 der
lichte Abstand zwischen der Hauptpanzerung eines zu schützenden
Objektes und der parallel davor angeordneten Vorpanzerung durch Quer
streben in einzelne Hohlräume gegeneinander abgeschottet wird, in
denen mit Stahlblech belegte Sprengstoffplatten winklig zueinander
gehaltert werden. Die einander benachbarten Plattenränder sind zuein
ander distanziert aber über Zündschnüre miteinander gekoppelt, um
zeitverzögert gegen die Anzündung einer Platte vom eindringenden Hohl
ladungsstrahl auch quer dazu orientierte Platten zu aktivieren. Auch
dieser Funktionsmechanismus ist im wesentlichen gegen die masse
reicheren rückwärtigen Strahlpartikel wirksam, ohne die gefährliche
Energie zu absorbieren, die gerade in der Strahlspitze konzentriert
ist.
Vorgenannte Aufgabe wird dagegen erfindungsgemäß dadurch gelöst,
daß die reaktive Panzerung gattungsgemäßer Art gemäß dem Kennzeichnungs
teil des Anspruches 1 ausgelegt ist.
Diese Lösung basiert auf der Erkenntnis, daß die die Aktivplatten
anordnung noch praktisch ungeschwächt durchschlagende Strahlspitze
in einer Sprödkörperstruktur vernichtet werden kann, deren Bauhöhe
(gemessen in Eindringrichtung des Strahles) allenfalls die Hälfte
einer wirksamen, dann nur noch auf die nachfolgenden Strahlpartikel
teile zu optimierenden Aktivblechstruktur betragen muß; so daß sich
insgesamt, bei größerer Wirksamkeit gegen alle Funktionsteile eines
Hohlladungsstrahles, jedenfalls keine Gewichts- und Bauhöhenver
größerung gegenüber der bisherigen Auslegung von (praktisch nur
gegen die weniger energiereichen Partikelteile hinreichend wirksamen)
Aktivplattenauslegungen ergibt.
Die in Angriffsrichtung des Strahles vorne, also zwischen der Aktiv
blechstruktur und dem zu schützenden Objekt, gelegene Sprödkörper
struktur besteht im wesentlichen aus Schichten von amorphem sprödem,
beispielsweise durch Tonerde oder Bortrioxyd gesteigert-druckfestem
Silikat nachfolgend einfachkeitshalber bezeichnet als Hart-Glas
schichten, unter einer dünnen Sprengstoff-Deckschicht, die durch
quer orientierte dünne Sprengstoff-Trennschichten seitlich unterbrochen
sind und vorzugsweise auf einer Schock-Absorberschicht, einer dahinter
liegenden passiven Panzerung gegenüber, abgestützt sind. Die dünnen
Sprengstoffschichten bestehen zweckmäßigerweise aus zwar hochener
getischem aber schwer initiierbarem kunststoffgebundenem Sprengstoff,
wie er als solcher etwa aus der EP-PS 36 481 bekannt und in Folienform,
also fertigungstechnisch beim Aufbau erfindungsgemäßer Panzerungsmodule
relativ leicht handhabbar, verfügbar ist.
Zusätzliche Alternativen und Weiterbildungen sowie weitere Merkmale
und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den weiteren Ansprüchen
und, auch unter Berücksichtigung der Darlegungen in der Zusammen
fassung, aus nachstehender Beschreibung eines in der Zeichnung unter
Beschränkung auf das Wesentliche etwas abstrahiert und nicht ganz
maßstabsgerecht skizzierten bevorzugten Realisierungs- und Einsatz-Bei
spiels zur erfindungsgemäßen Lösung. Es zeigt:
Fig. 1 im Längsschnitt den Aufbau eines Panzerungsmoduls
im Verband zwischen weiteren gleichartigen Modulen
auf der Hauptpanzerung eines zu schützenden Objektes
und
Fig. 2 in vereinfachter Darstellung des Modules nach Fig. 1
eine Gruppierung mit Modulen weiterer Wirkmechanismen.
Der reaktive Panzerungsmodul 11 gemäß Fig. 1 hat sich bei vergleichs
weise geringer Gesamt-Bauhöhe als höchst wirksam gegen Hohlladungen
aller praktisch in Betracht kommenden Kaliber erwiesen. Die extrem
energiereiche und schnelle Spitze 13 des aus der Hohlladungs-Einlage
10 beim Zünden der Gefechtsladung gebildeten Partikelstrahles 12
erfährt praktisch noch keine Schwächung, wenn sie beim Eindringen
in den Modul 11 zunächst den reaktiven Plattenstapel 14 durchschlägt.
Die Spitze 13 dringt danach, im zum schützenden Objekt 15 hin gelegenen
rückwärtigen Bereich des Moduls 11, in wenigstens einen der geschichteten
Spröd-(Glas-)körper 16 ein und leistet dabei Umwandlungsarbeit.
Im Zuge des Einschlags in einen Glaskörper 16 wird eine dünne Deck
schicht, nachfolgend als Deckfolie 17 bezeichnet, aus nicht leicht
initiierbarem Sprengstoff, vorzugsweise aus kunststoffgebundenem
Sprengstoff, mit hochfester, zäher Stahlblech-Umhüllung 33 durch
schlagen und dabei von der Strahlspitze 13 initiiert, so daß die
Sprengstoff-Deckfolie 17 zur Zerlegung der Glaskörper 16 im Zuge
des Eindringens der Strahlspitze 13 beiträgt und dessen Energie
abbaut. Ein weiterer Beitrag zu diesem Energieabbau gerade der kritischen
da hochenergetischen Strahlspitze 13 leisten gleichartige dünne
Sprengstoffschichten, nachstehend als Trennfolien 18 bezeichnet,
die sich quer zur Deckfolie 17, also zwischen den einzelnen Sandwich-Glas
körpern 16, erstrecken und von der angezündeten Deckfolie 17 initiiert
werden.
Um diese im Modul 11 rückwärtig, dicht über der passiven Hauptpanzerung
19 des Schutzobjektes 15 gelegene Glaszellenstruktur 20 nicht nur
gegen die Strahlspitze 13 wirken zu lassen, sondern auch gegen die
dahinter eintreffenden Projektilteile 21 größerer Masse aber geringerer
Geschwindigkeit, müßte an sich die der Angriffsrichtung 22 entgegen
gemessene Bauhöhe der Glaszellenstruktur 20 vergrößert werden. Es
hat sich aber herausgestellt, daß die energieabbauende Wirkung der
Glaskörper 16 mit größerer Bauhöhe jenseits einer wirkoptimierten
Dimensionierung nur unwesentlich zunimmt. Deshalb werden zusätzlich
Maßnahmen zur Vernichtung der durch die nachfolgenden Projektilteile
21 einwirkenden Energie getroffen. Diese Maßnahmen liegen in einer
Kombination der beschriebenen Glaszellenstruktur 20 mit einer Aktivblech
struktur 23. Jene besteht im wesentlichen aus einem angepaßten Hart
schaumkörper 24, etwa aus Polyurethan, in den in geringem Abstand
zueinander zwei Panzerbleche 25 eingebettet sind, die sich z. B.
von einer rückwärtigen Grundrißseite auf der Glaszellenstruktur
20 zu einer diametral gegenüberliegenden vorderen Grundrißseite
erstrecken.
Wie in der Beispielsdarstellung in Fig. 1 der Zeichnung berücksichtigt
müssen aber nebeneinanderliegende Module 11 nicht untereinander
gleiche, also zueinander parallele Lagen der Panzerbleche 25 auf
weisen; vielmehr können die Schrägorientierungen auch abwechselnd
gegensinnig (dachförmig) oder abwechselnd in Längs- und in Quer
richtung geneigt bzw. gekreuzt sein, so daß nur ein Teil des Spreng
stoffes 26 zur Umsetzung kommt, nämlich nur von den Panzerblechen,
die wirklich von einem Hohlladungs-Strahl getroffen worden sind.
Auch kann zur Überlappung benachbarter Module 11 eine parallelogramm
ähnliche oder stufenförmige Berandung der Seitenwände der Module
11 ausgebildet sein.
Der im Verhältnis zur Stärke der Panzerbleche 25 schmale Spalt zwischen
diesen ist mit einer dünnen Schicht von Sprengstoff, vorzugsweise
wieder kunststoffgebundenem Sprengstoff, gefüllt, in vorliegendem
Zusammenhang als Zwischenfolie 26 bezeichnet. Um zu vermeiden, daß
die Splitter der vom Strahl 12 zerlegten Schicht-Glaskörper 16 benach
barte Module 11 zerstören, womöglich durch energiereichen Partikel
einschlag deren Sprengstoff-Folien 17, 18, 26 zünden, ist der gesamte
Modul 11 aus Glaszellenstruktur 20 und Aktivblechstruktur 23 in
ein zäh-hochfestes Gehäuse 27 aus Stahlblech oder faserverstärkten
Verbundkunststoffen eingeschlossen. An dem können zugleich Befestigungs
mittel 28 für eine einfache Anbringbarkeit und leichte Auswechsel
barkeit der Module 11 auf der Außenfläche der Objekt-Hauptpanzerung
19 ausgebildet sein. Im übrigen hält das Modul-Gehäuse 27 zweck
mäßigerweise einen geringen Abstand von der Oberfläche der Haupt
panzerung 19 ein, der aber auch von einer z. B. ausgeschäumten Schock-
Absorberschicht 29 ausgefüllt sein kann.
Ein solcher Modul 11 aus Glaszellenstruktur 20 mit dagegen wesentlich
höherbauender Aktivblechstruktur 23 stellt insgesamt einen höchst
wirksamen Schutz gegen Hohlladungs-Strahlen 12 aller gängiger Kaliber
ihrer strahlbildenden Einlagen 10 dar. Denn wenn die Strahlspitze
13 zunächst praktisch ungeschwächt die vorneliegende Aktivblechstruktur
23 durchschlagen hat, wird ihre Energie durch Zerstörung der dahinter
gelegenen Glaszellenstruktur 20 in deren Materialnebel umgesetzt;
während gleichzeitig von der Zwischenfolie 26 die Panzerbleche 25
relativ zur Einschlagbewegung der Projektilteile 21, gegen deren
Angriffsrichtung 22 geneigt, in Bewegung gesetzt werden, um die
Energie der nachfolgenden Projektilteile 21 über die ausreichende
Höhe der Aktivblechstruktur 23 aufzuzehren.
Dabei tritt hierdurch nun keine wesentliche Beanspruchung der Haupt
panzerung 19 mehr auf, weil nur noch sehr dünne Sprengstoffschichten
(wenig Gramm Folien 26,17) für einen wirksamen reaktiven Schutz
mechanismus erforderlich sind und weil das nach unten beschleunigte
Panzerblech 26 schon vor den Resten der Glaskörper 16 abgefangen
wird.
Wie in Fig. 2 stärker abstrahiert skizziert ist es besonders zweck
mäßig, vor einem solchen insbesondere gegen Hohlladungsstrahlen
12 wirkenden reaktiven Panzerungsmodul 11 ein vorgelagertes passives
Schutzelement 30, etwa eine im Vergleich zu Panzerplatten leichtere
Verbundkeramikplatte, anzuordnen. Diese bewirkt, daß die Struktur
des reaktiven Panzerungsmoduls 11 nicht schon durch Beschuß mit
konventionellen Kleinkaliber-Geschossen beschädigt oder gar ausgelöst,
also abgeräumt werden kann.
Ferner ist in Fig. 2 berücksichtigt, daß es zweckmäßig sein kann,
einen universellen Schutz des Objektes 15 dadurch zu erreichen,
daß hinter dem gegen Hohlladungsstrahlen 12 wirkenden Panzerungs
modul 11 eine gegen KE-Projektile wirkende reaktive Panzerungsstruktur
31 angeordnet wird, bevorzugt die in der heutigen eigenen Parallel
anmeldung "Reaktiver Panzerschutz" näher beschriebene Struktur 31.
Im Falle einer solchen Gesamtanordnung ist zweckmäßigerweise zwischen
dem Hohlladungs- Panzerungsmodul 11 und der KE-Panzerungsstruktur
31 zur Entkopplung eine passive Zwischenpanzerung 32 angeordnet,
als die einfach eine dünne Panzerplatte dienen kann.
Claims (7)
1. Reaktive Panzerung mit zwei Inert-Blechen (25), zwischen denen
Explosivstoff angeordnet ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Bleche (25) etwa höhendiagonal in einer quaderförmigen
Struktur (23), in einen Hartschaumkörper (24) eingebettet, vor
einer geschichteten Sprödkörperstruktur (20) angeordnet sind,
die unter einer dünnen Sprengstoff-Deckschicht (17) voneinander
durch dünne Sprengstoff-Trennschichten (18) distanzierte Spröd
körper (16) aufweist.
2. Panzerung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Gesamtheit aus Zellenstruktur (20) und dagegen wesentlich
bauhöherer Aktivblechstruktur (23) von einem zäh-hochfesten
Gehäuse (27) zu einem Panzerungsmodul (11) eingefaßt ist.
3. Panzerung nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Modul (11) mit Befestigungsmitteln (28) zur beabstandeten
Anordnung auf einer passiven Panzerung (19, 32) ausgestattet
ist.
4. Panzerung nach Anspruch 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Modul (11) hinter der Zellenstruktur (20) mit einer
schockabsorbierenden Schicht (29) belegt ist.
5. Panzerung nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß vor der Aktivblechstruktur (23) ein flachbauendes passives
Schutzelement (30) angeordnet ist.
6. Panzerung nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß hinter ihr eine gegen KE-Projektile optimierte Panzerungs
struktur (31) angeordnet ist.
7. Panzerung nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Sprengstoffschichten zwischen und über Glaskörpern (16)
sowie zwischen den Inert-Blechen (25) als kunststoffgebundene
Sprengstoff-Folien (17, 18, 26) ausgelegt sind.
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| DE2633163A1 (de) | Landmine, insbesondere schuetzen- splittermine |
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