DE4041114C2 - Arzneimittel enthaltend eine IgG 2a-Antikörperfraktion aus Körperflüssigkeiten von HIV-infizierten Patienten - Google Patents
Arzneimittel enthaltend eine IgG 2a-Antikörperfraktion aus Körperflüssigkeiten von HIV-infizierten PatientenInfo
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Description
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Arzneimittel
enthaltend eine IgG 2a-Antikörperfraktion, erhältlich aus
Körperflüssigkeiten von HIV-infizierten Patienten.
Die zur Zeit gängigen AIDS-Therapien basieren u. a. auf der
Applikation von Hemmstoffen der reversen Transkriptase.
Dieses Enzym ist verantwortlich für die Umschreibung der
viralen Ribonukleinsäure (RNA) des HIV-Virus in DNA. Als
besonders wirksam haben sich bestimmte Di-desoxynucleoside
herausgestellt, zum Beispiel 3′-Azido-2′,3′di-desoxytymidin
(AZT). Diese Medikamente besitzen jedoch ebenfalls nicht
unerhebliche Nebenwirkungen. Eine vollständige Genesung von
einer HIV-Infektion wurde auch bei Applikation von AZT nicht
berichtet. Eine Übersichtsarbeit findet sich in AIDS Treat
ment Registry Inc., Aug.-Sept. 1990, New York.
Andere Therapieansätze gehen in die Richtung, daß Anker
protein, mit dem das Virus an die zu infizierende Primärzelle
andockt, zum Beispiel durch Antikörper, zu maskieren. Auf
diese Weise soll ein Eindringen des Virus in die Zelle
verhindert werden. Ausgangspunkt dafür sind tierische mono
klonale Antikörper, die gegen bestimmte Glycoproteine der
viralen Oberfläche gerichtet sind. Auch diese Therapieansätze
stecken noch in den Anfängen.
Die US-PS 4,942,122 betrifft einen Kit und ein Verfahren zum
Nachweis von Antikörpern gegen die HIV-Reverse Transkriptase.
Es wird dort beschrieben, daß die Antikörpermenge gegen die
HIV-Reverse Transkriptase in einem infizierten Patienten
einen Anhaltspunkt für die Prognose des weiteren Krankheits
verlaufs des jeweiligen Patienten gibt. Dazu werden die
Antikörper, die HIV-Reverse Transkriptase inhibieren, aus
infizierten Patienten isoliert, wobei es nicht darauf an
kommt, ob diese Patienten Kranheitsymptome zeigen oder nicht.
Die DE-OS 39 40 784 offenbart ein Verfahren der passiven Im
muntherapie zur Behandlung von Individuen, die bekanntermaßen
HIV-immunpositiv sind. Dem Individium wird eine pharmazeutisch
annehmbare Menge eines, die Reverse Transkriptase in
hibierenden, Antikörpers verabreicht. Die Quelle des Anti
körpers ist entweder Globulin von Patienten, von denen
bekannt ist, daß sie hohe Konzentrationen dieses Antikörpers
aufweisen, oder stammt aus monoklonalen Antikörpern.
Die DE-OS 36 04 947 beschreibt auch lediglich in allgemeiner
Weise ein Verfahren zur Herstellung eines immunglobulinhalti
gen Präparates zur Prophylaxe und Therapie von Aids durch
Aufarbeiten von Blut, Plasma oder Serum auf eine immuno
globulinhaltige Lösung. Das Verfahren ist dadurch ge
kennzeichnet, daß man als Ausgangsmaterial ein potentiell
infektiöses HIV-positives Blutplasma oder -serum verwendet.
Dieses Serum soll neutralisierende Antikörper gegen den
Erreger von Aids enthalten. Diese Antikörper treten in der
frühen Phase nach Infektionen auf, während der anti
körperpositive Patient noch nicht unter Krankheitssymptomen
leidet. Es wird dort weiterhin als zweckmäßig beschrieben,
den Antikörpertiter speziell von neutralisierenden Anti
körpern gegen HIV in seropositiven Personen auf hohem Niveau
zu halten, um eine Ausbreitung der Viren im Organismus zu
verhindern.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist somit, eine Substanz
für eine AIDS-Therapie bereitzustellen.
Die Aufgabe wird gelöst durch ein Arzneimittel enthaltend
eine IgG 2a-Antikörperfraktion, erhältlich aus Körperflüssig
keiten von HIV-infizierten Patienten, die sich in der Latenz
phase befinden.
Nach der Primärinfektion durch HIV befinden die Patienten
sich zunächst in einem symptomlosen Zustand. Zwar sind
Antikörper gegen HIV nachweisbar, jedoch sind die überwiegend
durch opportunistische Infektionen erkennbaren AIDS-Symptome
noch nicht nachweisbar. Dieser symptomfreie Zustand kann sich
von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren erstrecken. Es
ist versucht worden, den Krankheitsverlauf einer AIDS-In
fektion in verschiedene Abschnitte einzuteilen. Die soge
nannte Walter-Reed-Klassifikation teilt den Zeitraum in
sieben Abschnitte ein, wobei in den Abschnitten WR1 bis WR3
bzw. 4 zwar die Zahl der T4-Lymphozyten absinkt, jedoch die
Wirksamkeit der natürlichen Immunantwort gegen HIV erst im
WR4-Stadium dramatisch abzusinken beginnt, jedoch die Zahl
der lebensfähigen Viren im Körper dramatisch zunimmt. Das
Walter-Reed-Stadium 5 korreliert mit dem Krankheitsbild des
AIDS Related Complex (ARC), während die Walter-Reed-Klasse
6 den Zeitraum beschreibt, in dem der Patient das voll
ständige klinische Bild einer HIV-Infektion zeigt (Spektrum
der Wissenschaften, Heft 12, 1988).
Die molekularen Mechanismen, die eine Latenzzeit bewirken,
sind völlig unbekannt. Es bleibt nur festzustellen, daß
Patienten, die HIV-infiziert sind, über eigene spezifische
Mittel verfügen müssen, die ihre eigene zelluläre Immunabwehr
aufrechterhält und so die asymptomatische Phase (Latenzphase)
bewirken. Corbeau et al., Journal of Virology, Volume 64,
No. 4, Seiten 1459 bis 1464 (1990) berichten über die in
vitro Hemmung der reversen Transkriptase durch einen mono
klonalen Antikörper der Maus aus der IgG2a-Unterklasse.
Ausgangspunkt der hier vorgeschlagenen Therapie ist die
Behandlung von AIDS-infizierten Patienten mit einem Arznei
mittel enthaltend eine IgG 2a-Fraktion von Antikörpern, die
aus Körperflüssigkeiten von mit HIV-infizierten Patienten,
die sich in der Latenzphase befinden, isoliert wurden. Die
Spender dieser Fraktion befinden sich also in einer Phase
der Krankheit, bei der noch relativ viele T4-Helferzellen
vorhanden sind, das klinische Bild des AIDS-Related-Complex
noch nicht vorliegt, die Anzahl der Viren im Körper relativ
gering ist und eine hinreichende Immunantwort des Patienten
noch vorhanden ist.
Erfindungsgemäß wird dabei ein Arzneimittel enthaltend eine
IgG 2a-Antikörperfraktion eingesetzt. Die Trennung und
Isolierung der einzelnen Antikörperklassen kann mit an sich
bekannten Methoden erfolgen. Genannt seien die Gel-Per
meationschromatographie, Elektrophorese, isoelektrische
Fokussierung und/oder Kombinationen dieser Methoden. Auch
gentechnisch gewonnene IgG 2a-Antikörper oder in Zellkultur
gewonnene IgG 2a-Antikörper können im erfindungsgemäßen
Arzneimittel eingesetzt werden. Es kann auch die IgG 2a-
Antikörperfraktion enthaltendes Serum oder Körperflüssigkeit
direkt als Arzneimittel eingesetzt werden.
Als Körperflüssigkeiten kommen sämtliche mit HIV-kontaminier
baren Flüssigkeiten in Frage, wie beispielsweise Blut,
Sputum, Sperma, Liquor cerebrospinalis, Gewebsflüssigkeiten
etc.
Durch Verabreichung eines Arzneimittels enthaltend die oben
beschriebene IgG 2a-Antikörperfraktion gelingt es, HIV-
infizierte Patienten im asymptomatischen Zustand, der Latenz
phase, zu halten und eine Progredienz der Erkrankung zu
verhindern.
Ein weiterer Ansatzpunkt einer AIDS-Therapie ergibt sich
daraus, daß die aus Körperflüssigkeiten eines mit HIV-infi
zierten und in der Latenzphase befindlichen Patienten iso
lierte IgG 2a-Antikörperfraktion ihm selbst re-infudiert wer
den kann im Sinne eines Auto-immunpassivtransfers. Da solche
Fraktionen im tiefgefrorenen Zustand jedenfalls 6 Monate
ohne Probleme haltbar sind, könnte sich die Entnahme der
Antikörper enthaltenden Körperflüssigkeiten, beispielsweise
im Abstand von 6 Monaten, wiederholen, um dann verabreicht
zu werden, wenn erstens der Zustand des Patienten sich
verschlechtert oder zweitens zur Quasi-Prophylaxe gegen eine
Verschlechterung; durch die in zeitlicher Reihenfolge wieder
holte Injektion des erfindungsgemäßen Arzneimittels ent
haltend eine IgG 2a-Antikörperfraktion wird es in den meisten
Fällen gelingen, den Immunstatus des HIV-infizierten Pa
tienten stabil zu halten, die Latenzphase zu verlängern
und/oder zu stabilisieren.
Die Behandlung von HIV-infizierten Patienten, insbesondere
in der Latenzphase mit dem erfindungsgemäßen Arzneimittel
enthaltend IgG 2a-Antikörperfraktionen, welche von ihm selbst
stammen, sind besonders bevorzugt, da sich das Risiko einer
allergischen Reaktion im Verlauf der Therapie auf ein Minimum
reduzieren läßt.
Aber auch aus fremden HIV-Patienten stammende IgG 2a-Anti
körperfraktionen (Heteroimmunpassivtransfer) im erfindungs
gemäßen Arzneimittel können beispielsweise durch parenterale,
z. B. intramuskuläre Verabreichung gegeben werden, ohne daß
allergische Komplikationen drohen. Auch die Verwendung von
Fab Fragmenten der IgG 2a-Antikörper im erfindungsgemäßen
Arzneimittel kommt in Frage.
Eine Sekundärinfektion durch die Verwendung von aus HIV-
Patienten stammenden Antikörperfraktionen kann durch ge
eignete Maßnahmen bei der Isolierung ausgeschlossen werden.
So ist seit langem eine Methode zur Inaktivierung von AIDS-
Viren durch Thermobehandlung und/oder Waschen mit Deter
genzien bekannt (EP-A-0 131 740). Eine Infektionsgefahr durch
Verabreichung des erfindungsgemäßen Arzneimittels mit einer
IgG 2a-Antikörperfraktion läßt sich durch Anwendung dieser
Methoden zur Gewinnung der IgG 2a-Antikörperfraktion aus
schließen.
Claims (3)
1. Arzneimittel enthaltend eine IgG 2a Antikörperfraktion,
erhältlich aus Körperflüssigkeiten von HIV-infizierten
Patienten, die sich in der Latenzphase befinden.
2. Arzneimittel nach Anspruch 1, wobei die IgG 2a-anti-
HIV-Antikörper gentechnisch oder in Zellkultur ge
wonnen wurden.
3. Arzneimittel nach einem der Ansprüche 1 und/oder 2,
wobei die Antikörper aus Fraktionen von Blut, Liquor
cerebrospinalis, Sperma, Sputum, Gewebeflüssigkeiten
gewonnen wurden.
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|---|---|---|---|
| DE4041114A DE4041114C2 (de) | 1990-12-21 | 1990-12-21 | Arzneimittel enthaltend eine IgG 2a-Antikörperfraktion aus Körperflüssigkeiten von HIV-infizierten Patienten |
Applications Claiming Priority (1)
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| DE4041114A1 DE4041114A1 (de) | 1992-07-02 |
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Country Status (1)
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|---|---|
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Family Cites Families (2)
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|---|---|---|---|---|
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| US4942122A (en) * | 1987-02-24 | 1990-07-17 | Research Education Institute, Inc. | Aids prognosis test detecting the presence of antibodies inhibiting HIV reverse transcriptase |
-
1990
- 1990-12-21 DE DE4041114A patent/DE4041114C2/de not_active Expired - Fee Related
Also Published As
| Publication number | Publication date |
|---|---|
| DE4041114A1 (de) | 1992-07-02 |
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