DE4329177A1 - Klonierung eines neuen Mitgliedes der Familie der Serin-Threonin-Kinasen - Google Patents
Klonierung eines neuen Mitgliedes der Familie der Serin-Threonin-KinasenInfo
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Description
Die vorliegende Erfindung betrifft eine neue Serin-Threonin-
Kinase, das dafür kodierende Gen und den Nachweis von Verän
derungen dieses Gens und seiner Produkte bei humanen Tumoren.
Die Aktivierung intrazellulärer biochemischer Netzwerke als
Antwort auf externe Stimuli führt zur koordinierten Kontrolle
des Wachstums und der Differenzierung in Eukaryonten. Pro
tein-Kinasen sind als Bestandteile von vielen Signaltrans
duktionswegen bekannt. Hierbei phosphorylieren diese Kinasen
ihre normalen physiologischen Substrate und werden in ihrer
enzymatischen Aktivität durch die Interaktion mit anderen
Kinasen und Phosphatasen reguliert. Die Identifikation einer
großen Zahl von Protein-Kinasen bei vielen eukaryontischen
Zellen von Säugetieren, Hefe und Drosophila macht es wahr
scheinlich, daß grundlegende zelluläre Differenzierungs- und
Wachstumsprozesse in einem breiten Spektrum von Organismen
durch gleiche Mechanismen gesteuert werden.
In Eukaryonten phosphorylieren alle bisher bekannten Protein-
Kinasen die Hydroxyaminosäuren Serin, Threonin oder Tyrosin.
Die Phosphorylierung durch diese Kinasen spielt für die Kon
trolle der Mitose und der zellulären Differenzierung eine
hervorgehobene Rolle. Rezeptoren für zahlreiche Polypeptid
wachstumsfaktoren sind transmembranöse Tyrosinkinasen, die
ihrerseits Serin/Threonin-Kinasen wie Protein Kinase C, MAP-
Kinase und p74raf phosphorylieren. Die zentrale Komponente
der Zellzyklusmaschinerie ist die Serin/Threonin-Kinase
p34cdc2, die ursprünglich als Produkt der Mitosegene cdc2
(cell division cycle) aus Schizosaccharomyces pombe und CDC28
aus Saccharomyces cerevisiae isoliert worden ist. Die Aktivi
tät von p34cdc2 wird durch die Wechselwirkung mit Cyclinen
reguliert. In der G1-Phase, dem Beginn des Zellzyklus, ist
p34cdc2 nicht mit Cyclinen assoziiert und hat keine Kinaseak
tivität. Werden Zellen mit ausreichenden Nährstoffen ver
sorgt, akkumuliert G1-Cyclin, das durch Assoziation die
Kinaseaktivität von p34cdc2 initiiert. Hierdurch wird "Start"
überschritten und der Übergang in den Zellzyklus (DNA-Repli
kation, Bildung des MTOC, microtubule organizing centre)
eingeleitet. Hierbei beginnt auch die Synthese von Cyclin B,
das dann an p34cdc2 bindet. Dieser Komplex ist inaktiv, denn
die Bindung von Cyclin B induziert die Phosphorylierung von
p34cdc2 an Tyrosin 15, wodurch die Kinaseaktivität inhibiert
wird. Der inaktive Komplex, der auch als preMPF (maturation
promoting factor) bezeichnet wird, ist auch an Threonin 160
phosphoryliert. Diese Phosphorylierung ist für die MPF-Akti
vität notwendig, aber nicht ausreichend, um den inhibitori
schen Effekt der Tyrosinphosphorylierung aufzuheben. Die
anschließende Dephosphorylierung von p34cdc2 während der
späten G2-Phase des Zellzyklus aktiviert MPF und führt zur
Induktion der Mitose (M-Phase). Die posttranslationalen Reak
tionen, die einer komplexen physiologischen Steuerung unter
liegen, spielen eine wesentliche Rolle für die zeitliche
Regulation der MPF-Aktivität. Die Protein-Tyrosin-Kinase wee1
wurde ursprünglich aus Schizosaccharomyces pombe isoliert und
inhibiert über den beschriebenen Mechanismus den Eintritt in
die Mitose, während das Produkt des cdc25-Gens den Beginn der
Mitose fördert. Aktives MPF aktiviert die Tyrosin-Phosphatase
und inhibiert die Protein-Tyrosin-Kinase, die p34cdc2 modifi
zieren, wodurch MPF explosionsartig vollständig aktiviert
wird, so daß Zellen sehr schnell und irreversibel in die
Mitose getrieben werden.
Neueste Untersuchungen des Zellzyklus zeigen, daß wesentliche
Regulatoren des Zellzyklus an der Krebsentstehung beteiligt
sind. Dies ist deshalb nicht überraschend, weil fortwährende
Proliferation von Zellen ein herausragendes Merkmal von Tumo
ren ist. Änderungen am Cyclin A, das sowohl an p34cdc2 als
auch der p34cdc2verwandten Protein-Kinase bindet, können die
Transformation von Zellen hervorrufen. Das Cyclin A-Gen ist
Integrationsort für ein Fragment des Hepatitis B-Virusgenoms
in einem humanen Hepatokarzinom. Darüber hinaus ist Cyclin A
mit dem transformierenden Protein E1A in Adenovirus-transfor
mierten Zellen assoziiert. Möglicherweise ist Cyclin A ein
Zielprotein von E1A, denn es ist in der S-Phase mit dem
Transkriptionsfaktor E2F in einem Komplex assoziiert, der
geringere Transkriptionsaktivität hat als freies E2F. Ein
weiterer Bestandteil dieses Komplexes ist p34cdc2. Auf diese
Weise wird der Bezug zur Genexpression hergestellt. E1A kann
diesen Komplex zerstören, wodurch E2F freigesetzt wird. Somit
können bestimmte Gene reguliert werden, die für den transfor
mierten Phänotyp bedeutsam sind.
Darüber hinaus gibt es weitere Beziehungen zwischen Onkopro
teinen, Tumorsuppressorgenprodukten und Cyclin-p34cdc2-Kom
plexen. Das mos-Onkoprotein ist ebenfalls eine Serin/
Threonin-Kinase. Das c-mos-Protein aus Xenopus ist eine Kom
ponente des zytostatischen Faktors, der für die Stabilisie
rung des aktivierten Cyclin B-p34cdc2 in wachstumsgehemmten
Xenopus-Eiern erforderlich ist. Die Rolle des mos-Proteins
ist jedoch noch unklar, da es den Komplex in vivo nicht zu
phosphorylieren scheint. Einerseits stabilisiert c-mos den
aktivierten Cyclin B-p34cdc2-Komplex, wodurch die Zellen in
ihrer Mitoseaktivität gehemmt werden, und andererseits för
dert es den Zellzyklus. Bisherige Untersuchungen belegen die
Annahme, daß das unterschiedliche Verhalten der Zellzyklusma
schinerie durch die Menge an mos-Protein gesteuert wird.
Verschiedene Onkoproteine wie z. B. die src- und abl-Protein-
Tyrosin-Kinasen werden im Rahmen der Mitose ebenfalls von der
Serin/Threonin-Kinase p34cdc2 phosphoryliert. In der src-
Familie wird die mitotische Phosphorylierung von erhöhter
Kinaseaktivität begleitet. Die Produkte der Tumorsuppressor
gene RB und p53 bilden ebenfalls Komplexe mit Cyclin-p34cdc2
und werden hierbei phosphoryliert. Im Falle von RB scheint
die Phosphorylierung notwendig zu sein, um die RB-Funktion zu
inaktivieren, so daß die Zellen von G1 in die S-Phase fort
schreiten können. Als Konsequenz der aberranten Expression
des Cyclin-p34cdc2-Komplexes ergibt sich, daß solche Tumor
suppressorgenprodukte in ihrem phosphorylierten inaktiven
Zustand konserviert werden, was die ungezügelte Zellteilung
zur Folge hat.
Die Verbindung zwischen der Funktion von Serin/Threonin-Kina
sen des Zellzyklus und der Transformation zeigt deutlich, daß
geringfügige Störungen der Mitoseabläufe eine kritische Rolle
bei der Krebsentstehung spielen. Da sich die Karzinogenese
als Mehrstufenprozeß darstellt, kooperieren Mutationen in
Zellzyklus-Regulatoren mit Mutationen, die Proto-Onkogene
aktivieren oder Tumorsuppressorgene inaktivieren.
Aufgrund der enormen klinischen Bedeutung von Serin-Threonin-
Kinasen bestand somit ein Bedürfnis, eine neue Serin-Threo
nin-Kinase und das dafür kodierende Gen bereitzustellen.
Ein Gegenstand der Erfindung ist somit eine neue, als PLK
bezeichnete Serin-Threonin-Kinase, welche dadurch gekenn
zeichnet ist, daß sie
- (a) die in SEQ ID NO:1 dargestellte Aminosäuresequenz oder
- (b) Varianten der Sequenz aus (a) umfaßt.
Vorzugsweise ist das erfindungsgemäße PLK-Protein ein aus dem
Menschen erhältliches Protein, d. h. es ist das in SEQ ID NO:1
gezeigte Protein oder eine natürlich vorkommende humane Va
riante davon.
Ein Gegenstand der Erfindung ist auch ein neues Protein, das
Teile der in SEQ ID NO:1 dargestellten Aminosäuresequenz
umfaßt. Die Erfindung betrifft vorzugsweise ein PLK-Protein,
welches die in SEQ ID NO:1 dargestellte Aminosäuresequenz
enthält, es kann jedoch auch Varianten dieser Sequenz enthal
ten. Unter dem Begriff "Variante" im Sinne der vorliegenden
Erfindung sind Sequenzen zu verstehen, die durch Substitu
tion, Deletion oder/und Insertion einzelner Aminosäuren oder
kurzer Aminosäureabschnitte sich von der in SEQ ID NO:1 dar
gestellten Aminosäuresequenz unterscheiden. Unter den Begriff
"Variante" fallen sowohl natürlich vorkommende allelische
Variationen des PLK-Proteins, sowie durch rekombinante DNA-
Technologie (insbesondere durch in vitro-Mutagenese mit Hilfe
von chemisch synthetisierten Oligonukleotiden) erzeugte Pro
teine, die hinsichtlich ihrer biologischen oder/und immunolo
gischen Aktivität dem in SEQ ID NO:1 gezeigten Protein
entsprechen.
Erfindungsgemäße Proteine zeichnen sich vorzugsweise dadurch
aus, daß auf Aminosäureebene eine Homologie von mindestens
95%, gegenüber der in SEQ ID NO:1 dargestellten Aminosäure
sequenz aufweisen.
Das hier beschriebene, für das erfindungsgemäße Protein ko
dierende Gen PLK (polo-like-kinase) wurde aus einer cDNA-
Bank, basierend auf humaner Lungentumor-RNA (Plattenepithel
karzinom), isoliert.
Für eine Northern-Blot-Untersuchung wurde RNA aus folgenden
humanen adulten Geweben isoliert: Lunge, Leber, Herz, Gehirn,
Pankreas, Niere, Plazenta, Skelettmuskel, Ösophagus, Kolon,
Magen und Milz. Nur in Plazenta und Kolon, also in Geweben,
die einen größeren Prozentsatz von proliferierenden Zellen
enthalten, wurde PLK-Expression nachgewiesen. Die Länge der
PLK-mRNA beträgt ca. 2,3 kb. Im folgenden wurde der Hypothese
nachgegangen, daß PLK-Expression mit der Proliferation von
Zellen korreliert: Hierzu wurden humane Tumoren inklusive
umgebender normaler Referenzgewebe untersucht. Starke Expres
sion wurde in Tumoren folgender Organe gefunden: Lunge, Mam
ma, Ösophagus, Magen und Darm sowie in Leiomyosarkomen und
Non-Hodgkin-Lymphomen. In einem Stichprobenkollektiv von 48
Lungentumoren war PLK in 84% der Proben stark exprimiert. In
den restlichen 16% der Tumoren war PLK gering oder gar nicht
exprimiert. Southern-Blot-Untersuchungen von restringierter
DNA aus Tumoren und gesunden Referenzgeweben zeigten mit
einer PLK-spezifischen Sonde keine Unterschiede.
Aufschluß über den Tumortyp und den PLK-Expressionsstatus
gibt Tabelle 1:
Neben humanen Geweben und primären Zellen wurden folgende
Zellinien auf PLK-Expression getestet:
HELA-Zellinie (Zelltyp: Zervix-Karzinom),
Lungenepithel-Zellinie (Zelltyp: Lungen-Karzinom),
A431-Zellinie (Zelltyp: Epidermoides Karzinom),
HEP-38-Zellinie (Zelltyp: Hepatozelluläres Karzinom),
A498-Zellinie (Zelltyp: Nierenkarzinom),
BT20-Zellinie (Zelltyp: Mammakarzinom),
T47D-Zellinie (Zelltyp: ductales Mammakarzinom),
SKBR3-Zellinie (Zelltyp: Adenokarzinom der Mamma),
NCF7-Zellinie (Zelltyp: Adenokarzinom der Mamma) und
HUV-EC-C-Zellinie (Zelltyp: Nabelschnurvenen-Endothelzellen).
HELA-Zellinie (Zelltyp: Zervix-Karzinom),
Lungenepithel-Zellinie (Zelltyp: Lungen-Karzinom),
A431-Zellinie (Zelltyp: Epidermoides Karzinom),
HEP-38-Zellinie (Zelltyp: Hepatozelluläres Karzinom),
A498-Zellinie (Zelltyp: Nierenkarzinom),
BT20-Zellinie (Zelltyp: Mammakarzinom),
T47D-Zellinie (Zelltyp: ductales Mammakarzinom),
SKBR3-Zellinie (Zelltyp: Adenokarzinom der Mamma),
NCF7-Zellinie (Zelltyp: Adenokarzinom der Mamma) und
HUV-EC-C-Zellinie (Zelltyp: Nabelschnurvenen-Endothelzellen).
PLK-Transkripte waren in sämtlichen untersuchten Zellinien
nachweisbar.
Ruhende Lymphoyzten aus peripherem Blut exprimieren das PLK-
Gen nicht. Durch Zugabe von PHA (Phytohaemagglutinin) oder
PHA/IL-2 (Interleukin-2) werden Lymphozyten stimuliert und es
kommt zur Induktion der Expression von PLK. Demzufolge kann
die Expression von PLK auch als Maß der Aktivierung von Lym
phozyten genommen werden. In einem weiteren Experiment wurde
die Zellinie A431 zunächst in serumhaltigem und dann in se
rumfreiem Medium kultiviert. Die Expression von PLK ging im
Laufe der 5 Tage ohne Serum zurück. Nach Zugabe von Serum
stieg die PLK-Expression wieder stark an.
Makrophagen aus peripherem Blut sind Zellen, wenn überhaupt,
mit sehr geringer Proliferationsaktivität. Je nach Spender
hatten Makrophagen nach 15 Tagen in Kultur keine oder nur
sehr geringe PLK-Expression. Nach Zugabe von LPS (Lipopoly
saccharid) wurde die PLK-Expression innerhalb von 24 Stunden
komplett abgeschaltet.
Ein Gegenstand der Erfindung ist somit ein Verfahren zur
Bestimmung der Teilungsaktivität von Zellen, insbesondere von
humanen Zellen, wobei man die Expressionsstärke des für das
PLK-Protein codierenden Gens in der betreffenden Zelle ermit
telt, z. B. auf Transkriptionsebene durch Northern-Blot-Ver
fahren oder/und auf Proteinebene durch Aktivitätsbestimmungen
oder immunologische Methoden. Aufgrund der oben gezeigten
Korrelation der PLK-Expression in humanen Geweben, primären
Zellen und Zellinien mit der Teilungsaktivität der Zellen
stellt die Expressionsstärke des PLK-Gens eine geeignete
Meßgröße dar, um den Status von bestimmten Zellen hinsicht
lich einer Teilungsaktivität zu ermitteln. Dieses extrakorpo
ral durchführbare Verfahren kann z. B. auf dem Gebiet der
Tumor- oder Immundiagnostik von großem Nutzen sein.
Die in SEQ ID NO:1 dargestellte Aminosäuresequenz stellt das
gesamte PLK-Protein dar. Dieses Protein weist 603 Aminosäuren
auf. Das PLK-Gen oder Varianten davon können routinemäßig in
einem Vektor kloniert werden, so daß dieser Vektor in einer
geeigneten Wirtszelle zur Expression gebracht wird, wobei das
erfindungsgemäße Protein entsteht. Bevorzugte Wirtszellen
sind Mikroorganismen wie E.coli oder Hefe, aber auch höhere
Zellen (z. B. Säuger- oder Insektenzellen). Bevorzugte Expres
sionsvektoren sind z. B. Plasmide, Bakteriophage Lambda für
Prokaryonten, Hefevektoren oder virale Vektoren für höhere
Zellen (z. B. SV40, Vaccinia, Baculoviren).
Bezüglich der
Expression des PLK-Gens soll insbesondere auf die bei Sam
brook et al. (A Laboratory Manual (1989) Cold Spring Harbor
Laboratory Press) genannten Methoden verwiesen werden. Wei
terhin ist die Expression verwandter Kinase-Proteine in den
Arbeiten von Crews, C.M. et al., (1991), Proc.Natl.Acad.Sci.
USA 88, 8845-8849; Ben-David, Y. et al. (1991) EMBO J. 10
(2), 317-325; Parker, L.L. et al. (1991) EMBO J. 10 (5),
1255-1263; Parker L.L. et al. (1992) Science 257, 1955-1957;
Colemann, T.R. et al. (1993) Cell 72, 919-929 beschrieben,
auf deren Offenbarung hier zu diesem Zweck Bezug genommen
wird.
Ein Vergleich der PLK-Sequenz mit der EMBL-Datenbank ergibt
ein hohes Maß an Homologie mit der Familie der Serin/Threo
nin-Kinasen. Das erfindungsgemäße Protein wird aufgrund sei
ner Homologie zum polo-Gen, das aus Drosophila melanogaster
isoliert wurde, als PLK (polo-like-kinase) bezeichnet.
Es treten folgende Protein-Kinase spezifische Sequenzcharak
teristika auf:
- 1. Das ATP-Bindungsmotiv:
GlyLysGlyGlyPheAla . . . (16 Aminosäuren) . . . Lys (Aminosäuren 60-86). - 2. Zwei in der katalytischen Domäne von Protein-Kinasen
liegende Aminosäure-Motive, die bei allen Protein-Kina
sen hinsichtlich der Aminosäuresequenz und des Abstandes
der Motive zueinander hoch konserviert sind:
HisArgAspLeu (AS 174-177)
AspPheGly (AS 194-196).
Weiterhin ein Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist eine
Nukleinsäure, die für ein erfindungsgemäßes PLK-Protein oder
Teile davon kodiert. Diese Nukleinsäure kann z. B. genomische
DNA oder RNA sein. Vorzugsweise handelt es sich dabei jedoch
um ein rekombinantes DNA-Molekül.
Weiterhin ein Gegenstand der Erfindung ist eine erfindungsge
mäße Nukleinsäure, welche
- (a) die in SEQ ID NO:1 dargestellte kodierende Sequenz,
- (b) eine der Sequenz aus (a) im Rahmen der Degeneration des genetischen Codes entsprechende Nukleinsäuresequenz oder
- (c) eine mit den Sequenzen aus (a) oder/und (b) unter strin genten Hybridisierungsbedingungen hybridisierende Se quenz enthält.
Unter stringenten Hybridisierungsbedingungen im Sinne der
vorliegenden Erfindung versteht man, daß eine Hybridisierung
auch nach Waschen bei 55°C, vorzugsweise bei 62°C, besonders
bevorzugt bei 68°C in einem wäßrigen Niedrigsalz-Puffer (z. B.
0,2 × SSC, 0,1% SDS) noch auftritt (siehe auch Sambrook, J.
et al. (1989), Molecular Cloning. A Laboratory Manual).
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Vektor, der
mindestens eine Kopie einer erfindungsgemäßen Nukleinsäure
oder einen Teil davon enthält. Der Vektor kann in Eukaryon
ten oder Prokaryonten replizierbar sein. Er kann ein in das
Genom der Wirtszelle integrierbarer Vektor (z. B. Bakterio
phage Lambda) oder ein Vektor sein, der extrachromosomal
vorliegt (z. B. ein Plasmid). Der erfindungsgemäße Vektor kann
durch Subklonierung des PLK-Gens in einen Basisvektor erhal
ten werden. Derartige Basisvektoren, insbesondere Vektoren
mit den zur Proteinexpression erforderlichen Elementen sind
einem Fachmann geläufig.
Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist eine
Zelle, die mit einer erfindungsgemäßen Nukleinsäure oder
einem erfindungsgemäßen Vektor transformiert ist. Die Zelle
kann sowohl eine eukaryontische als auch eine prokaryontische
Zelle sein. Verfahren zur Transformation von Zellen sind
allgemeiner Stand der Technik und brauchen daher nicht erläu
tert zu werden.
Ebenfalls ein Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist die
Verwendung des PLK-Proteins oder des dafür codierenden Gens
oder eines gegen das Protein gerichteten Antikörpers im Rah
men der Tumordiagnostik. So haben Versuche gezeigt, daß die
Expression des PLK-Gens in Tumoren und korrespondierenden
tumorfreien Referenzgeweben unterschiedlich ist. Es besteht
daher die Möglichkeit, aus der Expressionshöhe des Gens bzw.
des Proteins auf die Teilungsaktivität von Zellen zu
schließen.
Außerdem betrifft die Erfindung ein diagnostisches oder the
rapeutisches Mittel auf Basis eines PLK-Proteins, eines dage
gen gerichteten Antikörpers oder einer dafür kodierenden
Nukleinsäure (z. B. als Antisense-Nukleinsäure zur Unter
drückung der Genexpression). Ein derartiges Mittel kann gege
benenfalls bekannte pharmazeutische Verdünnungs-, Füll-,
Träger- und Hilfsmittel enthalten.
Ferner betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Bestimmung
der Aktivität von Lymphozyten, bei dem ein erfindungsgemäßes
Protein, eine erfindungsgemäße Nukleinsäure oder ein gegen
das Protein gerichteter Antikörper verwendet werden. Dieses
Verfahren kann z. B. extrakorporal an entnommenen Blutproben
durchgeführt werden. Besonders geeignet ist dieses Verfahren
zum Nachweis von Störungen des Immunsystems, insbesondere bei
Autoimmunerkrankungen oder Immunmangelsyndromen einschließ
lich AIDS.
Schließlich umfaßt die vorliegende Erfindung noch die Verwen
dung des PLK-Proteins oder von Fragmenten dieses Proteins als
Immunogen zur Herstellung von Antikörpern. Die Herstellung
von Antikörpern gegen das PLK-Protein erfolgt auf übliche
Weise durch Immunisierung von Versuchstieren mit dem voll
ständigen PLK-Protein oder Fragmenten davon und anschließende
Gewinnung der resultierenden (polyklonalen) Antikörper. Nach
der Methode von Köhler und Milstein oder deren Weiterentwick
lungen können aus den PLK-Antikörper produzierenden Zellen
der Versuchstiere auf bekannte Weise durch Zellfusion mono
klonale Antikörper erhalten werden. Ebenso können humane
monoklonale Antikörper erhalten werden.
Die Erfindung soll weiter durch die Sequenzprotokolle SEQ ID
NO:1 bis SEQ ID NO:5 zusammen mit den folgenden Beispielen
erläutert werden, ohne daß dabei der Umfang der Erfindung
beschränkt werden soll.
Es zeigt:
SEQ ID NO:1 eine 2131 bp lange Nukleinsäuresequenz, die die für das PLK-Gen kodierende genetische Information und die 603 AS lange Aminosäure sequenz des PLK-Proteins enthält,
SEQ ID NO:2 die Nukleinsäuresequenz des Oligonukleotidpri mers P6 DEA,
SEQ ID NO:3 die Nukleinsäuresequenz des Oligonukleotidpri mers Eco HRDL,
SEQ ID NO:4 die Nukleinsäuresequenz des Oligonukleotidpri mers P12T+ und
SEQ ID NO:5 die Nukleinsäuresequenz des Oligonukleotidpri mers RAF2.
SEQ ID NO:1 eine 2131 bp lange Nukleinsäuresequenz, die die für das PLK-Gen kodierende genetische Information und die 603 AS lange Aminosäure sequenz des PLK-Proteins enthält,
SEQ ID NO:2 die Nukleinsäuresequenz des Oligonukleotidpri mers P6 DEA,
SEQ ID NO:3 die Nukleinsäuresequenz des Oligonukleotidpri mers Eco HRDL,
SEQ ID NO:4 die Nukleinsäuresequenz des Oligonukleotidpri mers P12T+ und
SEQ ID NO:5 die Nukleinsäuresequenz des Oligonukleotidpri mers RAF2.
- 1.1 Es wurde gemäß dem Verfahren von Chirgwin et al. (Bio
chemistry 18 (1979), 5294) RNA aus humanem Lungentumor
gewebe isoliert. Mit dieser RNA wurde eine Oligo(dT)
vermittelte cDNA-Synthese durchgeführt. Die Reaktionsbe
dingungen waren wie folgt:
50 mmol/l Tris/HCl, pH 8,3 (22°C)
75 mmol/l KCl
10 mmol/l Dithiothreitol (DTT)
3 mmol/l MgCl₂
500 µmol/l dNTP-Lösung
0,2 µmol/l Oligonukleotid-Primer P12T+ mit der in SEQ ID NO:4
dargestellten Nukleinsäuresequenz
3,0 µg Gesamt-RNA
100 µg/ml Rinderserumalbumin
10 Einheiten Reverse Transkriptase (aus Moloney - Murine Leukemia virus).
Das obige Reaktionsgemisch wurde in 20 µl Reaktionsvolumen
eine Stunde lang bei 37°C inkubiert.
- 1.2 Die Amplifizierung der cDNA aus 1.1 erfolgte mit zwei zu hoch konservierten Regionen von PTK-Genen komplementären Primern Eco HRDL und P6 DEA. Die Nukleinsäuresequenz des Primers P6 DEA ist in SEQ ID NO:2 angegeben. Die Sequenz von Eco HRDL ist in SEQ ID NO:3 dargestellt (diese Se quenz ist den Nukleotiden 588 bis 601 der in SEQ ID NO:1 dargestellten Sequenz homolog).
Reaktionsbedingungen:
8,3 mmol/l Tris/HCl, pH 8,8 (22°C)
41,7 mmol/l KCl
1,25 mmol/l MgCl₂
0,01% Gelatine
166,7 µmol/l dNTP-Lösung
0,6 µmol/l Primer P6 DEA und Eco HRDL
5 Einheiten Taq-Polymerase
10 µl cDNA-Syntheseansatz.
8,3 mmol/l Tris/HCl, pH 8,8 (22°C)
41,7 mmol/l KCl
1,25 mmol/l MgCl₂
0,01% Gelatine
166,7 µmol/l dNTP-Lösung
0,6 µmol/l Primer P6 DEA und Eco HRDL
5 Einheiten Taq-Polymerase
10 µl cDNA-Syntheseansatz.
Das Reaktionsvolumen war 60 µl. Die Bedingungen für einen
PCR-Zyklus waren wie folgt:
95°C Denaturierung für 1 Minute,
40°C Hybridisierung für 2 Minuten,
72°C Elongation für 3 Minuten.
95°C Denaturierung für 1 Minute,
40°C Hybridisierung für 2 Minuten,
72°C Elongation für 3 Minuten.
Es wurden insgesamt 40 Zyklen durchgeführt.
Das gebildete Amplifikat wurde zwecks Aufreinigung in einem
2%igen Agarosegel elektrophoretisch aufgetrennt und die DNA
im Längenbereich von ca. 190 bp bis 220 bp elektrisch eluiert
und erneut unter den oben angegebenen Bedingungen für 30
Zyklen amplifiziert. Die so erhaltenen und gereinigten PCR-
Produkte wurden anschließend mit der Restriktionsendonuklease
EcoRI verdaut und in den ebenfalls mit EcoRI gespaltenen
Vektor Bluescript-KS (Stratagene) kloniert.
Auf diese Weise wurde ein 199 bp langes DNA-Fragment iso
liert und sequenziert (Sambrook, J. et al., Molecular
Cloning, A Laboratory Manual, Cold Spring Harbor Laboratory
1989). Die Nukleinsäuresequenz dieses DNA-Fragments ent
spricht den Nukleotiden 588 bis 787 der in SEQ ID NO:1 darge
stellten Sequenz.
Es wurde eine cDNA-Bank aus poly A⁺ RNA von humanem Lungentu
morgewebe mit 1,8 × 10⁶ rekombinanten Klonen etabliert. Die
Isolierung der mRNA erfolgte gemäß Aviv und Leder (Proc.Natl.
Acad.Sci. USA 69 (1972), 1408). Die cDNA-Klonierung erfolgte
gemäß Gubler und Hoffman (Gene 25 (1983), 263). Diese Genbank
wurde mittels einer DNA-Sonde durchmustert. Die DNA-Sonde
wurde durch PCR hergestellt. Als Primer für die PCR wurde das
Oligonukleotid RAF2 verwendet. Die Nukleinsäuresequenz für
RAF2 ist in SEQ ID NO:5 dargestellt (diese Sequenz entspricht
den Nukleotiden 746 bis 767 der in SEQ ID NO:1 dargestellten
Sequenz).
Reaktionsbedingungen:
20 ng PLK Insert (aus Beispiel 1)
10 mmol/l Tris/HCl, pH 8,8 (22°C)
50 mmol/l KCl
1,5 mmol/l MgCl₂
0,01% Gelatine
0,8 µmol/l a³²P-dCTP (6000 Ci/mmol)
0,8 µmol/l dATP/dGTP/dTTP
0,2 µmol/l des Primers RAF2
2,5 Einheiten Taq-Polymerase.
20 ng PLK Insert (aus Beispiel 1)
10 mmol/l Tris/HCl, pH 8,8 (22°C)
50 mmol/l KCl
1,5 mmol/l MgCl₂
0,01% Gelatine
0,8 µmol/l a³²P-dCTP (6000 Ci/mmol)
0,8 µmol/l dATP/dGTP/dTTP
0,2 µmol/l des Primers RAF2
2,5 Einheiten Taq-Polymerase.
Das Reaktionsvolumen war 25 µl. Die Durchführung der Reaktion
erfolgte in 20 Zyklen bei den oben (in Beispiel 1) genannten
PCR-Bedingungen.
Zum Nachweis eines positiven Klons wurde cDNA aus der Genbank
auf Filtern immobilisiert und an die radioaktiv markierte
DNA-Sonde (1 × 10⁶ dpm/ml Lösung bei einer spezifischen Son
denaktivität von 5 × 10⁹ dpm/µg DNA) hybridisiert. Die Hybri
disierungstemperatur war 42°C.
Hybridisierungslösung:
5 × SSC
0,02 mol/l Tris/HCl, pH 7,6 (22°C)
1 × Denhardt-Lösung
10% Dextransulfat
0,1% SDS
100 µg/ml Heringssperma DNA
50% Formamid.
5 × SSC
0,02 mol/l Tris/HCl, pH 7,6 (22°C)
1 × Denhardt-Lösung
10% Dextransulfat
0,1% SDS
100 µg/ml Heringssperma DNA
50% Formamid.
Als Waschlösung wurde 2 × SSC, 0,1% SDS bei einer Waschtem
peratur von 42°C eingesetzt.
Es wurde ein positiver Klon gefunden und charakterisiert. Er
enthielt die in SEQ ID NO:1 dargestellte Nukleinsäuresequenz.
Claims (16)
1. PLK-Protein,
dadurch gekennzeichnet,
daß es
- (a) die in SEQ ID NO: 1 dargestellte Aminosäuresequenz oder
- (b) Varianten der Sequenz aus (a) umfaßt.
2. Protein nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß es aus dem Menschen erhältlich ist.
3. Nukleinsäure,
dadurch gekennzeichnet,
daß sie für ein PLK-Protein nach Anspruch 1 oder 2 ko
diert.
4. Nukleinsäure nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß sie ein rekombinantes DNA-Molekül ist.
5. Nukleinsäure nach Anspruch 3 oder 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß sie
- (a) die in SEQ ID NO: 1 dargestellte Protein-kodierende Sequenz,
- (b) eine der Sequenz aus (a) im Rahmen der Degeneration des genetischen Codes entsprechende Nukleinsäurese quenz oder
- (c) eine mit den Sequenzen aus (a) oder/und (b) unter stringenten Hybridisierungsbedingungen hybridisie rende Sequenz enthält.
6. Vektor,
dadurch gekennzeichnet,
daß er mindestens eine Kopie einer Nukleinsäure nach
einem der Ansprüche 3 bis 5 oder einen Teil davon ent
hält.
7. Zelle,
dadurch gekennzeichnet,
daß sie mit einer Nukleinsäure nach einem der Ansprüche
3 bis 5 oder einem Vektor nach Anspruch 6 transformiert
ist.
8. Verwendung eines Proteins nach Anspruch 1 oder 2 oder
von Fragmenten dieses Proteins als Immunogen zur Her
stellung von Antikörpern.
9. Verwendung eines Proteins nach Anspruch 1 oder 2 oder
einer Nukleinsäure nach einem der Ansprüche 3 bis 5 oder
eines Antikörpers gegen ein solches Protein zur Tumor
diagnostik oder/und Tumortherapie.
10. Verwendung eines Proteins nach Anspruch 1 oder 2 oder
einer Nukleinsäure nach einem der Ansprüche 3 bis 5 oder
eines Antikörpers gegen ein solches Protein zur Herstel
lung eines pharmazeutischen Mittels für die Tumordiagno
stik oder/und Tumortherapie.
11. Verwendung eines Proteins nach Anspruch 1 oder 2 oder
einer Nukleinsäure nach einem der Ansprüche 3 bis 5 oder
eines gegen ein solches Protein gerichteten Antikörpers
zur Bestimmung der Aktivität von Lymphoyzten.
12. Verwendung nach Anspruch 11 zur Bestimmung der Lymphozy
tenaktivität bei Störungen des Immunsystems, insbesonde
re bei Autoimmunerkrankungen oder Immunmangelsyndromen.
13. Diagnostisches Mittel,
dadurch gekennzeichnet,
daß es als aktiven Bestandteil ein Protein nach Anspruch
1 oder 2 oder einen Antikörper gegen ein solches Protein
oder eine Nukleinsäure nach einem der Ansprüche 3 bis 5
umfaßt.
14. Arzneimittel,
dadurch gekennzeichnet,
daß es als aktiven Bestandteil ein Protein nach Anspruch
1 oder 2 oder einen gegen ein solches Protein gerichte
ten Antikörper oder eine Nukleinsäure nach einem der
Ansprüche 3 bis 5, gegebenenfalls zusammen mit pharma
zeutisch üblichen Hilfs-, Träger-, Füll- und Verdün
nungsmitteln umfaßt.
15. Verfahren zur Bestimmung der Teilungsaktivität von Zel
len, insbesondere von humanen Zellen,
dadurch gekennzeichnet,
daß man die Expressionsstärke des für ein Protein nach
Anspruch 1 oder 2 codierenden Gens in der betreffenden
Zelle ermittelt.
16. Verfahren nach Anspruch 15,
dadurch gekennzeichnet,
daß man die Expressionsstärke auf Transkript- oder/und
Proteinebene ermittelt.
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