DE4435524C2 - Festtreibstoff auf der Basis von reinem oder phasenstabilisiertem Ammoniumnitrat - Google Patents
Festtreibstoff auf der Basis von reinem oder phasenstabilisiertem AmmoniumnitratInfo
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Description
Die Erfindung betrifft einen Festtreibstoff für Raketen
antriebe oder Gasgeneratoren, der als Oxidator Ammonium
nitrat (AN) in reiner oder phasenstabilisierter Form
(PSAN) enthält.
Ammoniumnitrat in reiner Form weist für extreme Einsatz
zwecke (große Differenzen in der Umgebungstemperatur und
starke Temperaturwechselbeanspruchungen) keine ausrei
chende Volumenstabilität auf. Diese wird durch Umsatz mit
Nickeloxid (DE 36 42 850 C1) oder Kalium- oder Cäsiumnitrat
zu phasenstabilisiertem Ammoniumnitrat erhalten.
Festtreibstoffe der genannten Art weisen in der Regel
eine niedrige Abbrandgeschwindigkeit und einen hohen
Druckexponenten auf. Die Abbrandgeschwindigkeit läßt sich
durch Zusatz von festen energetischen Stoffen, wie Okto
gen (HMX) oder Hexogen (RDX) oder von Metallen mit hoher
Verbrennungswärme, wie Aluminium oder Bor steigern (DE 35
23 953 C2). Neben Aluminium sind ferner Magnesium und Le
gierungen aus beiden Metallen (DE 26 44 211 B2) sowie hoch
schmelzende Metallnitride, -carbonitride und -boride (DE
37 04 305 A1) vorgeschlagen worden. Dem gleichen Ziel dienen
auch Kombinationen mit energiereichen Bindern. Hierzu
zählen isocyanat-gebundenes Glycidylazidopolymer (GAP),
nitratesterhaltige Polymere, wie Polyglycidylnitrat und
Polynitratomethylethyloxetan oder nitroamino-substituier
te Polymere. Auch wenn sich hierdurch die Abbrandge
schwindigkeit steigern läßt, werden der Druckexponent und
der Temperaturkoeffizient nicht oder nur wenig er
niedrigt.
Zusätze von Ammoniumperchlorat, die zu einer Steigerung
der Abbrandgeschwindigkeit führen, senken zwar bei höhe
rer Dosierung den Druckexponenten, führen jedoch zur
Bildung von Salzsäure im Abgas und damit zu starker
Rauchbildung bei hoher Luftfeuchtigkeit.
Bei Doublebase- und Composit Doublebase-Festtreibstoffen
läßt sich das Abbrandverhalten durch Zusatz von Blei- und
Kupfersalzen oder -oxiden in Verbindung mit Ruß (DE 37 04
305) oder Aktivkohle (DE-OS 18 06 550) günstig beeinflussen,
doch lassen sich diese Zusätze bei ammoniumnitrathaltigen
Treibstoffen nur in begrenztem Maß einsetzen. Die genann
ten Salze und Oxide wirken wiederum vornehmlich im Sinne
einer Steigerung der Abbrandgeschwindigkeit, können
jedoch den Druckexponenten nicht ausreichend absenken.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, das Abbrand
verhalten von Festtreibstoffen auf der Basis von reinem
und phasenstabilisiertem Ammoniumnitrat zu verbessern.
Erfindungsgemäß besteht ein solcher Festtreibstoff aus 35
bis 80 Massen-% Ammoniumnitrat (AN) in reiner oder mit
Nickeloxid, Kalium- oder Cäsiumnitrat phasenstabilisier
ter Form (PSAN) mit einer mittleren Korngröße von 5 bis
200 µm, 15 bis 50 Massen-% eines Bindersystems aus einem
Binderpolymer und einem energiereichen Weichmacher sowie
0,2 bis 5,0 Massen-% eines Abbrandmoderators aus Vana
diumoxid/Molybdänoxid als Oxidmischung oder Mischoxid.
Festtreibstoffe dieser Formulierung zeigen ein sehr
günstiges Abbrandverhalten. Es werden je nach Zusammen
setzung Abbrandgeschwindigkeiten über 8 mm/s bei Normal
temperatur und einem Brennkammerdruck von 10 MPa er
reicht. Der Druckexponent erreicht im Bereich von 4 bis
25 MPa, gegebenenfalls 7 bis 25 MPa, Werte von n 0,6,
im günstigen Fall n 0,5. Dieses Abbrandverhalten
verleiht dem erfindungsgemäß zusammengesetzten Festtreib
stoff besondere Eignung zum Einsatz in Flugkörpern der
taktischen oder strategischen Raketenabwehr.
Die erfindungsgemäßen Festtreibstoffe zeichnen sich
zunächst dadurch aus, daß sie als Oxidator reines AN oder
mit Nickeloxid, Kalium- oder Cäsiumnitrat umgesetztes
phasenstabilisiertes Ammoniumnitrat als Oxidator enthal
ten, wobei die Nickeloxide vorzugsweise mit 1 bis 7
Massen-%, Kalium- oder Cäsiumnitrat mit 3 bis 15 Massen-%
eingesetzt werden. Sie stabilisieren die Kristallphasen
des AN und unterdrücken größere Volumenänderungen des
Korns im Temperaturbereich von -40° bis +70°C. Der Einbau
in die Kristallmatrix des AN geschieht über eine chemi
sche Reaktion der Additive mit der Schmelze des reinen
Ammoniumnitrats unter Abspaltung von Wasser. Die für die
Herstellung des Treibstoffs günstigste Partikelform kann
durch Versprühen der Schmelze und schnelles Abkühlen im
kalten, zyklonartig geführten Luftstrom erhalten werden.
Für raucharme Treibstoffe wird vorzugsweise AN in reiner
Form mit einem Wassergehalt unter 0,2 Massen-% oder
NiO-stabilisiertes PSAN eingesetzt, während mit Kalium-
oder Cäsiumnitrat stabilisiertes PSAN etwas höhere Rauch
anteile mit sich bringt.
Das Abbrandverhalten wird maßgeblich durch die Korngröße
des AN bzw. PSAN beeinflußt. Bevorzugt wird eine fein
kristalline Form mit einer mittleren Korngröße von 5 bis
200 µm bei einem Anteil von 35 bis 80 Massen-% im Treib
stoff. Besonders günstige Abbrandwerte ergeben sich dann,
wenn die AN- bzw. PSAN-Fraktion überwiegend in kleinerer
Korngröße von 10 bis 80 µm und weniger in mittlerer Korn
größe von 100 bis 160 µm vorliegt.
Der erfindungsgemäße Festtreibstoff kann ferner energie
reiche Nitramine enthalten, nämlich Hexogen (RDX) oder
Oktogen (HMX) mit einer mittleren Korngröße von 2 bis 200
µm bei einem Anteil von 1 bis 40 Massen-%.
Weiterhin können Metalle, ausgewählt unter Aluminium,
Magnesium oder Bor mit 0,5 bis 20 Massen-% des Treib
stoffs zugesetzt sein. Hierbei empfiehlt sich eine Korn
größe von 0,1 bis 50 µm.
Um dem Treibstoff eine ausreichende chemische Stabilität
zu verleihen, werden ihm mit Vorteil Stabilisatoren
zugesetzt, die als Stickoxid- und Säurefänger wirken.
Hierbei handelt es sich vorzugsweise um Diphenylamin,
2-Nitrodiphenylamin, N-Methylnitroanilin, die jeweils
allein oder in Kombination miteinander in Konzentrationen
von 0,4 bis 2 Massen-% zum Einsatz kommen. Diese lassen
sich insbesondere bei salpetersäureesterhaltigen Treib
stoffen mit geringen Mengen im Bereich von 0,5 Massen-%
des im gleichen Sinne wirkenden Magnesiumoxids kombinie
ren.
Die erfindungsgemäß mit 0,2 bis 5,0 Massen-% eingesetzten
Abbrandmoderatoren aus Vanadiumoxid/Molybdänoxid als
Oxidmischung oder Mischoxid werden vorteilhafterweise mit
Ruß oder Graphit mit einem Anteil von 5 bis 20 Massen-%
der Fraktion des Abbrandmoderators zugesetzt.
Weiterer wesentlicher Bestandteil in Konzentrationen von
15 bis 50 Massen-% ist ein Bindersystem, bestehend aus
einem Binderpolymer und einem energiereichen Weichmacher.
Das Binderpolymer selbst kann inert sein, wobei es sich
vorzugsweise um isocyanathärtende, bi- oder trifunktio
nell hydroxysubstituierte Polyester- oder Polyetherprepo
lymere handelt. Statt dessen können auch energiereiche
Polymere, vorzugsweise isocyanathärtendes, di- oder
trifunktionelles hydroxysubstituiertes Glycidylazidopoly
mer (GAP) eingesetzt werden.
Die energiereichen Weichmacher werden vorzugsweise aus
der Gruppe der chemisch stabilen Nitratester, Nitro-,
Nitroamino- oder Azidoweichmacher ausgewählt.
Als Nitratester kommen vor allem Trimethylolethantrini
trat (TMETN), Butantrioltrinitrat (BTTN) oder Diethylen
glykoldinitrat (DEGDN) in Frage.
Als Beispiel für einen Nitroweichmacher sei ein 1 : 1
Gemisch von Bisdinitropropylformal/Bisdinitropropyl
acetal (BDNPF/BDNPA) erwähnt, während als Nitroamino
weichmacher ein 1 : 1 Gemisch von N-Ethyl- und N-Methyl
nitratoethylnitroamin (EtNENA, MeNENA) oder N-n-Butyl-N-
nitratoethylnitroamin (BuNENA) oder N,N′-Dinitratoethyl
nitroamin (DINA) geeignet ist.
Als Azidoweichmacher kommen insbesondere kurzkettige,
GAP-Oligomere (GAP-A) mit endständigen Bisazido-Gruppen
oder das 1, 5-Diazido-3-nitroaminopentan (DANPE) in
Frage.
Je nach Inhalt, Verträglichkeit und Energieinhalt der
Binderkomponenten beträgt das Verhältnis Polymer/Weich
macher 1 : 3 bis 20 : 1 Massen-%.
Dem reinen oder phasenstabilisierten Ammoniumnitrat
werden vorzugsweise 0,1 bis 1 Massen-% seiner Fraktion an
ultrafeinem Silicagel (Korngröße etwa 0,02 µm) Natrium
laurylsulfonat, Tricalciumphosphat oder anderen ober
flächenaktiven Tensiden als Antibackmittel zugesetzt.
Erfindungsgemäß lassen sich die Vanadiumoxid/Molybdän
oxid-Abbrandmoderatoren in idealer Weise mit Nickel- und
Kupfer- Salzen, -Oxiden, oder -Komplexen einsetzen, was
eine weitere Steigerung der Abbrandgeschwindigkeit mit
sich bringt.
Die Abbrandmoderatoren bestehen vorzugsweise aus Misch
oxiden, in denen Molybdän in der Oxidationsstufe +VI und
Vanadium in den Oxidationsstufen +IV und +V vorliegen.
Die Mischoxide können ferner Chrom III sowie Titan IV-
Oxide als inaktives oder ebenfalls am Reaktionsgeschehen
teilnehmendes Trägermaterial enthalten.
In bevorzugter Ausführung weisen die Abbrandmoderatoren
eine Korngröße im Bereich von 1 bis 60 µm, vorzugsweise 1
bis 10 µm und eine hohe innere Oberfläche von 5 bis
100 m²/g, vorzugsweise 20 bis 60 m²/g auf.
Bei einer mittleren Korngröße unter 10 µm und
gleichbleibender, hoher innerer Oberfläche lassen sich
gegenüber groberem Korn die Abbrandgeschwindigkeit im
niederen Druckbereich weiter anheben und der
Druckexponent weiter absenken.
Die erfindungsgemäßen Festtreibstoffe erfahren eine
vorteilhafte Weiterentwicklung dadurch, daß hochschmel
zende Metallcarbide oder -nitride, vorzugsweise Silicium-
und Zirkoniumcarbid im Konzentrationsbereich von 0,1 bis
1 Massen-% zugegeben werden. Damit wird vor allem ein
instabiles oszillierendes Abbrandverhalten bei der Anwen
dung in Raketenmotoren unterdrückt. Dies ist vor allem
für raucharm brennende Treibstoffe ohne Metallzusatz von
Bedeutung.
Festtreibstoffe der beschriebenen Art, insbesondere mit
Oxidatoren in Gestalt von reinem AN oder Ni-PSAN, eignen
sich durch ihren Energieinhalt, ihren raucharmen, salz
säurefreien Abbrand und ihre vergleichsweise geringe,
mechanische und detonative Empfindlichkeit für den Ein
satz in Raketenmotoren, während energieärmere Formulie
rungen mit höherem Binderanteil für die Anwendung als
Gasgeneratortreibsätze geeignet sind.
Tabelle 1 zeigt in ihrem oberen Teil neun verschiedene
Formulierungen mit reinem Ammoniumnitrat und eine mit 3%
Nickeloxid phasenstabilisierten PSAN. Im unteren Teil der
Tabelle ist zu den einzelnen Formulierungen die Abbrand
geschwindigkeit r (mm/s) bei 20°C und bei drei verschie
denen Brennkammerdrucken angegeben. Darunter findet sich
der Druckexponent n für verschiedene, in Klammern angege
bene Druckbereiche.
Neben der Abhängigkeit von der Art des zugegebenen Ab
brandmoderators ist dabei auch eine Abhängigkeit vom
Grob/Fein-Anteil des eingesetzten Ammoniumnitrats sowie
vom Gehalt des Azidopolymeren in Relation zum Weich
macheranteil beobachtbar. Mit überwiegendem Anteil von AN
der mittleren Korngröße 160 µm werden mit V/Mo-Oxid
Abbrandmoderatoren bei AN1 nur knapp 8 mm/s bei 10 MPa
Brennkammerdruck erreicht. Ohne oder mit konventionellen
Abbrandmoderatoren auf der Basis von Bleisalzen und Ruß
sind es bei gleicher Formulierung nur 6,6 mm/s. Demgegen
über tritt bei AN2 mit überwiegendem Feinanteil des
Ammoniumnitrats eine deutliche Steigerung der Abbrand
geschwindigkeit mit weiterer Senkung des Druckexponenten
ein.
AN3 bis AN8 besitzen durch den hohen Weichmacheranteil
hohe spezifische Impulse von 2345 bei AN6 und ANS sowie
237s bei AN3, AN4 und AN5 bei einem Entspannungsverhältnis
von 70 : 1. Als besonders günstig hat sich in diesem Fall
die synergistische Wirkung von Kupferverbindungen und
V/Mo-Oxid-Abbrandmoderatoren erwiesen. Am günstigsten in
der Kombination von Abbrandgeschwindigkeitssteigerung,
Senkung des Druckexponenten und annehmbaren Stabilitäts
eigenschaften hat sich dabei Kupferphthalocyanat erwie
sen.
Das Abbrandverhalten der Formulierung AN9 zeigt, daß auch
das Nickeldiaminodinitrat als Phasenstabilisator im AN
eine günstige Wirkung auf das Abbrandverhalten ausübt.
Ebenso wird dies beim Zusatz von Nickelphthalocyanat in
der Formulierung ANS beobachtet. Der Zusatz von RDX
bewirkt ebenfalls eine Steigerung der Abbrandgeschwindig
keit, ohne jedoch den Druckexponenten positiv zu beein
flussen.
Tabelle 2 zeigt mit den Beispielen AN10, AN11 und AN12
AN/GAP-Treibstofformulierungen, bei denen der Abbrandmo
derator in unterschiedlicher Korngröße und Kornverteilung
bei sonst gleicher Zusammensetzung enthalten ist. Im
unteren Teil der Tabelle ist die mit kleiner werdendem
Korn erzielte Steigerung der Abbrandgeschwindigkeit bei
gleichzeitiger Absenkung des Druckexponenten deutlich
ersichtlich. AN13 zeigt das Abbrandverhalten bei einer
Formulierung mit Azidoweichmacher, während AN14 eine
Formulierung mit Zusatz von Zirkoniumcarbid ist, mit dessen
Hilfe Abbrandoszillationen beim Einsatz des Treibstoffs
in Raketenmotoren unterdrückt werden.
In den Diagrammen ist das Abbrandverhalten als Funktion
lg r [mm/s] = f(lg p) [MPa] = n lg p + A, wobei A=Kon
stante (Vieilles Gesetz: r=A×pn) aufgezeigt, und
zwar in Abb. 1 für die Formulierungen AN1, AN2 und
AN9, in Abb. 2 für AN3, AN4 und AN5, in Abb. 3
für AN7, AN8 und AN9 und in den Abb. 4 und 5 für
die Formulierungen AN10, AN11, AN12 bzw. AN 13 und AN14.
Der Vergleich von Abb. 1 und 2 zeigt, daß bei glei
chem RDX-Gehalt von 10% die Wirkung des Abbrandmoderators
bei hohem Weichmacheranteil weniger ausgeprägt ist als
bei hohem GAP-Anteil (Pl=Platiziser). Abb. 3 zeigt
eine wirkungsvolle Abbrandregelung auch bei hohem Nitrat
esteranteil im Treibstoff ohne RDX-Zusatz. Hierfür ver
antwortlich ist die synergistische Wirkung von Cu- und
Ni-Komplexen mit den V-/No-Oxid Abbrandmoderatoren.
Claims (25)
1. Festtreibstoff für Raketenantriebe oder Gasgenerato
ren, bestehend aus 35 bis 80 Massen-% Ammoniumnitrat
(AN) in reiner oder mit Nickeloxid, Kalium- oder
Cäsiumnitrat phasenstabilisierter Form (PSAN) mit
einer mittleren Korngröße von 5 bis 200 µm, 15 bis 50
Massen-% eines Bindersystems aus einem Binderpolymer
und einem energiereichen Weichmacher, sowie 0,2 bis
5 Massen-% eines Abbrandmoderators aus Vanadiumoxid/
Molybdänoxid als Oxidmischung oder Mischoxid.
2. Festtreibstoff nach Anspruch 1 mit einem weiteren
Anteil von 1 bis 40 Massen-% energiereicher Nitrami
ne, ausgewählt unter Hexogen und Oktogen, mit einer
mittleren Korngröße von 2 bis 200 µm.
3. Festtreibstoff nach Anspruch 1 oder 2 mit einem
weiteren Anteil von 0,5 bis 20 Massen-% Metalle,
ausgewählt unter Aluminium, Magnesium und Bor, mit
einer Korngröße von 0,1 bis 50 µm.
4. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 3 mit
einem weiteren Anteil von 0,4 bis 2 Massen-% eines
als Stickoxid- und Säurefänger wirkenden Stabilisa
tors aus Diphenylamin, 2-Nitrodiphenylamin oder
N-Methylnitroanilin oder einer Kombination dersel
ben.
5. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 4 mit
einem Zusatz von Ruß oder Graphit mit 5 bis 50
Massen-% der Fraktion des Abbrandmoderators.
6. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 5, bei
dem das Binderpolymer ein isocyanathärtendes bi-
oder trifunktionelles hydroxysubstituiertes Poly
ester- oder Polyetherprepolymer ist.
7. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 5, bei
dem das Binderpolymer ein energiereiches Polymer
ist.
8. Festtreibstoff nach Anspruch 7, bei dem das energie
reiche Polymer ein isocyanathärtendes, bi- oder
trifunktionelles hydroxysubstituiertes Glycidylazi
dopolymer (GAP) ist.
9. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 8, bei
dem der energiereiche Weichmacher aus der Gruppe der
chemisch stabilen Nitratester, Nitro-, Nitroamino-
oder Azidoweichmacher ausgewählt ist.
10. Festtreibstoff nach Anspruch 9, bei dem der Nitrat
ester ein Trimethylolethantrinitrat (TMETN), Butan
trioltrinitrat (BTTN) oder Diethylenglykoldinitrat
(DEGDN) ist.
11. Festtreibstoff nach Anspruch 9, bei dem der Nitro
weichmacher ein 1 : 1 Gemisch von Bisdinitropropylfor
mal/Bisdinitropropylacetal (BDNPF/BDNPA) ist.
12. Festtreibstoff nach Anspruch 9, bei dem der Nitro
aminoweichmacher ein 1 : 1 Gemisch von N-Ethyl- und N-
Methylnitratoethylnitroamin (EtNENA und MeNENA)
oder N-n-Butyl-N-nitratoethylnitramin (BuNENA) oder
N,N′-Dinitratoethylnitramin (DINA) ist.
13. Festtreibstoff nach Anspruch 9, bei dem der Azido
weichmacher aus kurzkettigen GAP-Oligomeren (GAP-A)
mit endständigen Bisazido-Gruppen oder aus 1,5
Diazido-3-nitroaminopentan (DANPE) besteht.
14. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 13,
dadurch gekennzeichnet, daß die Binderpolymere und
die Weichmacher in Abhängigkeit von Art, Verträg
lichkeit und Energieinhalt im Bindersystem in einem
Verhältnis von 1 : 3 bis 20 : 1 Massen-% vorliegen.
15. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 14,
bei dem das reine Ammoniumnitrat einen Wassergehalt
unter 0,2 Massen-% aufweist.
16. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 14,
bei dem Ammoniumnitrat eingesetzt wird, das durch
Umsetzung mit 1 bis 7 Massen-% Nickeloxid oder 3 bis
15 Massen-% Kalium- oder Cäsiumnitrat phasenstabili
siert ist.
17. Festtreibstoff nach Anspruch 16, bei dem das phasen
stabilisierte Ammoniumnitrat (PSAN) durch Einmischen
der Additive in die Schmelze des reinen Ammonium
nitrats (AN) und Versprühen der Schmelze unter
gleichzeitigem Abkühlen erhältlich ist.
18. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 15 bis 17,
wobei dem Ammoniumnitrat 0,1 bis 1 Massen-% seiner
Fraktion an ultrafeinem Silicagel (Korngröße etwa
0,02 µm), Natriumlaurylsulfonat, Tricalciumphosphat
oder anderen oberflächenaktiven Tensiden als Anti
backmittel zugesetzt sind.
19. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 18,
wobei das Ammoniumnitrat mit einer mittleren Korn
größe von 10 bis 80 µm vorliegt.
20. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 19,
bei dem die Vanadiumoxid/Molybdänoxid-Abbrandmode
ratoren in Verbindung mit Cu- und Ni-Salzen, Oxiden
oder Komplexen eingesetzt sind.
21. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 20,
wobei die Abbrandmoderatoren Mischoxide von
Molybdän der Oxidationsstufe +VI und Vanadium der
Oxidationsstufen +V und +IV enthalten.
22. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 21,
wobei die Abbrandmoderatoren als Trägermaterial
Chrom (III)- oder Titan (IV)-Oxid aufweisen.
23. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 22,
dadurch gekennzeichnet, daß die Abbrandmoderatoren
eine Korngröße im Bereich von 1 bis 60 µm, vorzugs
weise 1 bis 10 µm, und eine große innere Oberfläche
von 5 bis 100 m²/g, vorzugsweise 20 bis
60 m²/g aufweisen.
24. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 23,
dadurch gekennzeichnet, daß dieser bei Verwendung in
Raketenmotoren 0,1 bis 1% Massen-% an hochschmelzen
den Metallcarbiden oder -nitriden als Additive zur
Unterdrückung eines instabilen, oszillierenden
Abbrandverhaltens enthält.
25. Festtreibstoff nach Anspruch 22, dadurch gekenn
zeichnet, daß die Additive Silicium- und/oder Zir
koniumcarbid sind.
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