DE69034003T2 - Wärmehärtbares Harz und Verbundstoff aus Lignozellulosematerial - Google Patents

Wärmehärtbares Harz und Verbundstoff aus Lignozellulosematerial

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Description

  • Im europäischen Patent No. 161 766 des Anmelders wird ein Prozess zur Herstellung von Verbundprodukten aus lignocellulosehaltigen Material bereitgestellt. Dieser Prozess umfasst zunächst die Zersetzung und Hydrolyse von Hemicellulose zu wasserlöslichen Stoffen aus niedermolekularen Kohlehydraten, indem man das lignocellulosehaltige Material Hochdruckdampf aussetzt und dann diese wasserlöslichen Stoffen als warmhärtbaren Klebstoff benutzt, um die anderen Komponenten des lignocellulosehaltigen Materials unter Hitze und Druck zu einem neu gebildeten Verbundprodukt "in situ" zu verkleben. Die wasserlöslichen Stoffe fungieren gleichzeitig als Leim- und Füllstoff zur Herstellung eines Verbundprodukts mit guter mechanischer Festigkeit und vorzüglicher Formstabilität. Folglich ist der Prozess aus ökonomischer und technischer Sicht der herkömmlichen Methode überlegen, die zum Kleben warmhärtbare synthetische Harze benötigt, wie Phenol- und Harnstoff-Formaldehyd.
  • Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Extraktion eines warmhärtbaren Harzklebstoffs aus lignocellulosehaltigen Material und die Umformung des lignocellulosehaltigen Materials zu einem Verbundprodukt. Dieses Verfahren ist auf jedes lignocellulosehaltige Material holzhaltiger oder nichtholzhaltiger Natur anwendbar. Der so erhaltene warmhärtbare Kleber hat gute Klebeeigenschaften zum Kleben von Iignocellulosehaltigen und nicht lignocellulosehaltigen Material, um eine wasserfesten Verbindung zu herzustellen.
  • Zuerst wird die Hemicellulose eines Iignocellulosehaltigen Materials durch Hochdruckdampf zersetzt und hydrolysiert, um ein wasserlösliches, niedermolekulares Harzmaterial, ausgewählt aus der Gruppe, die aus Pentose- und Hexose-Zuckern, Zuckerpolymeren, Furfural, dehydratisierten Kohlenhydraten, organischen Säuren und anderen Zersetzungsprodukten besteht, herzustellen. Diese wasserlöslichen Stoffe können extrahiert und konzentriert werden, um als warmhärtender Harzkleber verwendet zu werden. Unter Hitze und Druck können diese wasserlöslichen Harzmaterialien polymerisiert, vernetzt und ausgehärtet werden, um eine wasserfeste Verbindung herzustellen, die widerstandsfähig gegen kochendes Wasser ist.
  • Der lignocellulosehaltige Überrest, von dem die wasserlöslichen Stoffe extrahiert wurden, wird erneut mit Hochtemperaturdampf behandelt, um beim zweiten Mal eine thermische Zersetzung und Hydrolyse von Cellulose in niedermolekulare wasserlösliche Stoffe, ausgewählt aus der Gruppe, die aus Hexose- und Pentose-Zuckern, Zuckerpolymeren, Hydroxymethylfulfural, Fulfural, organischen Säuren und anderen Zersetzungsprodukten besteht, zu bewirken. Diese wasserlöslichen Stoffe können extrahiert und konzentriert werden, um allein oder vermischt mit den aus der Hydrolyse der Hemicellulose extrahierten wasserlöslichen Stoffen als warmhärtbarer Harzklebstoff benutzt zu werden. Auch Lignin macht während der Behandlung mit Hochdruckdampf eine thermische Zersetzung und Hydrolyse durch, die niedermolekulares Lignin und Ligninprodukte ergibt. Übrigens enthält wasserlösliches Harzmaterial immer eine kleine Menge dieser Lignin-Zersetzungsprodukte.
  • Bei herkömmlichen Methoden zur Herstellung von Verbundprodukten aus lignocellulosehaltigem Material werden zum Kleben warmhärtbare Harzbindemittel benötigt. Die warmhärtbaren Harzbindemittel werden üblicherweise synthetisch hergestellt aus Petrochemikalien, wie Harnstoff-Formaldehyd und Phenol-Formaldehyd, welche die üblichsten in Verbundprodukten aus lignocellulosehaltigen Material verwendeten Kunstharze sind. Weil diese synthetischen Harzbinder aus nicht erneuerbaren Petrochemikalien gewonnen werden, werden sie aufgrund der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen immer teurer. Die Verwendung von erneuerbarem lignocellulosehaltigem Material als Einsatzstoff für warmhärtende Klebstoffe wird daher hochattraktiv für Hersteller sein, da sein Gebrauch konventionellen Methoden gegenüber technisch und ökonomisch überlegen ist.
  • Die Verwendung von wasserlöslichen Kohlenhydraten aus der Hemicellulose-Fraktion von lignocellulosehaltigen Material als Klebstoff tauchte zum erstem Mal in den dreißiger Jahren auf, nachdem Mason sein Verfahren, "Masonite" (US Patent Nos. 1,578,609, 1,824,221 und 2,303,345), zur Herstellung von Hartfaserplatten aus Holzsschnitzeln patentierte. Das Masonite Verfahren beinhaltet die Behandlung von Holzschnitzeln mit Hochdruckdampf, um Lignin von dem lignocellulosehaltigen Material abzutrennen, Hemicellulose zu hydrolysieren und wasserlöslich zu machen. Am Ende des Bedampfens werden die behandelten Schnitzel von der Hochdruckspritze mit einer Explosion abgefeuert, welche die Schnitzel zu Fasern und Faserbündeln verkleinert. Die wasserlöslichen Stoffe werden mit Wasser ausgespült und abgetrennt, und die zurückbleibenden Fasern, die Cellulose und Lignin enthalten, werden zu Hartfaserplatten verarbeitet. Masonite stützt sich zum Kleben auf natürliches Lignin.
  • Die wasserlöslichen Stoffe werden getrennt als Nebenprodukt mit dem Warenzeichen "Masonoid" verarbeitet. In U.S. Patent 2,224,135 "Masonoid" von R. Boehm wird das wasserlösliche Nebenprodukt der Hartfaserplattenherstellung zur Herstellung von Aldehyden, Alkoholen und organischen Säuren benutzt. Dieses Patent erwähnt auch, dass die so gewonnenen wasserlöslichen Stoffe weiter konzentriert und als wasserlöslicher Klebstoff verwendet werden können. Die Benutzung von "Masonoid" als wasserlöslicher Klebstoff wird auch in den US Patenten 2,643,953 und 2,716,613 von W. Schoel aus 1949 bzw. 1950 gelehrt. In diesen Patenten wird angegeben, dass diese wasserlöslichen Stoffe, obwohl sie Klebeeigenschaften haben, nicht gänzlich befriedigend für die Benutzung als Klebstoff seien. Eine angegebene Begründung ist, dass diese wasserlöslichen Stoffe unerwünscht hygroskopisch seien und dass deshalb bei ihrer Verwendung als Klebstoff die geschaffene Verbindung ein wenig instabil sei. Bei hoher Feuchtigkeit nehme die durch diese wasserlöslichen Stoffe geschaffene Verbindung Feuchtigkeit aus der Luft auf, wodurch die Klebebindung geschwächt würde, wohingegen bei niedriger Feuchtigkeit, die durch die wasserlöslichen Stoffe geschaffene Klebebindung Feuchtigkeit verliere und schwächer würde. Auf die Aufnahme von Feuchtigkeit hin tendiere die Klebeverbindung zur Verflüssigung, wohingegen Feuchtigkeitsverlust zu Verhärtung der Verbindung tendiere, so dass sie sich einem brüchigen Zustand nähere. (US Patent No. 2,643,953, Spalte. 1, Zeilen 25-35).
  • Boehm und Schoel waren sich nicht bewusst, dass diese wasserlöslichen Stoffe von Natur aus warmhärtbar sein können, falls eine geeignete thermische Zersetzung und Hydrolyse ausgeführt werden kann, und zur Benutzung als wasserfester Klebstoff tauglich ist. Dagegen, könne laut den Patenten von Boehm und Schoel, das "Masonoid" nur als wasserlöslicher Klebstoff benutzt werden. Da sie die bindende Natur des wasserlöslichen Materials nicht erkannten, lehren ihre Patente nur die Erzeugung einer wasserlöslichen Klebeverbindung. Ein wasserlöslicher Klebstoff hat nur begrenzte wirtschaftliche Verwendung.
  • Boehms und Schoels Mangel an Erkenntnis, dass die wasserlöslichen Stoffe aus der Hydrolyse von Hemicellulose zur Warmhärtung tauglich sind, falls sie gemäß der vorliegenden Erfindung ausgeführt wird, kann auf die logische Entwicklung des Masonite- Verfahrens zurückgeführt werden. Das Masonite-Verfahren verwendet das natürliche Lignin als Bindemittel und nicht die wasserlöslichen Materialien, die im Masonite-Verfahren als "Masonoid" entfernt werden. Die Entfernung der wasserlöslichen Stoffe ist ein Schlüsselmerkmal des Masonite-Verfahrens zur Herstellung von Plattenprodukten, weil das Vorhandensein dieser wasserlöslichen Stoffe das Endprodukt verschlechtert. Es scheint, dass Boehm und Schoel entweder nicht erkannten, dass diese wasserlöslichen Stoffe zur Warmhärtung geeignet waren oder dass sie versuchten eine warmhärtbare Verbindung aus den als Nebenprodukt des Masonite-Verfahrens anfallenden wasserlöslichen Stoffen herzustellen und dabei fanden, dass eine solche wasserfeste Verbindung nicht möglich sei. Es ist wahrscheinlich, dass der Grad der thermischen Hydrolyse im Masonite-Verfahren nicht geeignet war, die nötigen wasserlöslichen Stoffe zu produzieren, die zur Herstellung einer warmhärtbaren wasserfesten Verbindung erforderlich sind. Wie die vorliegende Erfindung lehrt, erzeugt nur eine sehr spezifische Kombination von Temperatur und Zeit, die sich auf einen bestimmten und spezifischen lignocellulosehaltigen Einsatzstoff bezieht, die erforderliche Hydrolyse und die daraus resultierenden wasserlöslichen Stoffe, welche bestimmte für die warmhärtbare Verbindung benötigte Zersetzungsprodukte enthalten. Insbesondere wäre die Optimaltemperatur hoch genug, um die im lignocellulosehaltigen Material enthaltene Hemicellulose zu zersetzen und zu hydrolysieren, ohne die Hemicellulose zu carbonisieren.
  • Kohlehydrate wurden auch in der Vergangenheit sowohl als Reaktionspartner für Phenolharz als auch als einziger Bestandteil eines Klebstoffs erforscht. Meigs führte in den US Patenten 1,593,342, 1,801,953 und 1,868,216 einige der ersten Arbeiten mit Phenol- Kohlehydrat-Kombinationen aus. Diese Reaktionen benutzten sowohl saure als auch basische Katalysatoren und beinhalteten später Reaktionen mit Anilin oder aliphatischen Anionen.
  • Chang und Kononenko (Adhesives Age, Juli 1962: 36-40) entwickelten ein Klebesystem in dem Sucrose unter alkalischen Bedingungen mit Phenol zum Reagieren gebracht wurde. Von dem so erhaltenen Klebstoff wird behauptet, dass er für die Herstellung von Außensperrholz geeignet sei. Gibbons und Wondolowski erzeugten in US Patent 4,048,127 einen löslichen Flüssigklebstoff, in welchem das Kohlehydrat-Harnstoff-Phenol- Reaktionsprodukt neutralisiert und ferner mit Formaldehyd zur Reaktion gebracht wurde, um einen alkalischen Klebstoff für Sperrholz zu bilden.
  • Kürzlich schlug Stofko in US Patent 4,107,370, 4,183,997 und 4,375,194 Systeme vor, die als wasserfesten Klebstoff zum Kleben von lignocellulosehaltigem Material eine Vielzahl von Kohlehydrat-Ausgangsstoffen, einschließlich Sucrose und Stärke, und einen sauren Katalysator benutzten. Eines der Patente lehrt auch die Benutzung von Frischdampf unter Druckdichtigkeit, um den Zucker-Stärke-Klebstoff in eine wasserfeste Bindung zu verwandeln.
  • Gemäß einem ersten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zur Behandlung von lignocellulosehaltigen Material bereitgestellt, bei dem man:
  • a) lignocellulosehaltiges Material in verteilter Form bei einer zur Zersetzung und Hydrolyse von im Material enthaltener Hemicellulose ohne Carbonisierung ausreichenden Temperatur, schnell mit Hochdruckdampf in Kontakt bringt;
  • b) das lignocellulosehaltige Material nur solange mit dem Hochdruckdampf in Kontakt hält, dass Hemicellulose bei vernachlässigbarem Abbau von Cellulose ohne Carbonisierung zu niedermolekularem wasserlöslichem Harzmaterial, ausgewählt unter Pentose- und Hexosezuckern, Zuckerpolymeren, dehydratisierten Kohlenhydraten, Furfural, organischen Säuren und anderen Zerfallsprodukten, zersetzt und hydrolysiert wird;
  • c) zumindest einen Teil des wasserlöslichen Harzmaterials vom lignocellulosehaltigen Material abtrennt, wobei das abgetrennte wasserlösliche Harzmaterial als warmhärtbarer wasserfester Harzklebstoff benutzt werden kann und das verbleibende lignocellulosehaltige Material als warmhärtbarer wasserfester Klebstoff und Füllstoff verwendet werden kann.
  • Die Temperatur des Hochdruckdampfs liegt vorzugsweise im Bereich zwischen 120ºC bis 280ºC.
  • Gemäß einem zweiten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verbindungsverfahren aufgezeigt, bei dem man ein nach dem Verfahren im ersten Aspekt hergestelltes Harzmaterial in konzentrierter Form erhitzt und gegen eine damit zu verklebende Oberfläche presst, was bei einer solchen Temperatur und einem solchen Druck und über einen so langen Zeitraum geschieht, dass das Harzmaterial zu einer an der Oberfläche haftenden wasserfesten Klebeverbindung polymerisiert, vernetzt und warmgehärtet wird.
  • Die Temperatur, bei der das Harzmaterial gegen die Oberfläche gepresst wird, beträgt vorzugsweise mindestens 160ºC.
  • Die Oberfläche kann aus nicht lignocellulosehaltigem Material bestehen.
  • Gemäß dem dritten Aspekt der Erfindung wird ein Verfahren zur Herstellung eines Verbundproduktes aufgezeigt, bei dem man wasserlösliches Harzmaterial, das gemäß dem ersten Aspekt der Erfindung hergestellt wurde, anderem Material beimischt, um eine Mischung herzustellen und diese Mischung bei einer solchen Temperatur und einem solchen Druck und für einen so langen Zeitraum und bei einem solchen Druck verpresst, dass das Harzmaterial polymerisiert, vernetzt und warmgehärtet wird, wodurch sich eine wasserfeste Klebeverbindung hergestellt wird, welche das besagte andere Material zusammenbindet.
  • Die Temperatur, bei der die Mischung verpresst wird, beträgt vorzugsweise mindestens 160ºC und liegt vorzugsweise im Bereich von 160ºC bis 250ºC.
  • Die Mischung kann zu einer Matte geformt werden.
  • Das andere Material kann lignocellulosehaltiges oder nicht lignocellulosehaltiges Material sein.
  • Das wasserlösliche Harzmaterial kann in flüssiger oder fester Form verwendet werden.
  • Gemäß einem vierten Aspekt der Erfindung wird ein Verfahren zur Behandlung von lignocellulosehaltigern Material bereitgestellt, bei dem man:
  • a) lignocellulosehaltiges Material in verteilter Form bei einer zur Zersetzung und Hydrolyse von in dem lignocellulosehaltigen Material enthaltener Hemicellulose ohne Carbonisierung ausreichenden Temperatur schnell mit Hochdruckdampf in Kontakt bringt;
  • b) das lignocellulosehaltige Material nur so lange mit dem Hochruckdampf in Kontakt hält, dass Hemicellulose zu niedermolekularem, wasserlöslichem Harzmaterial, ausgewählt unter Pentose- und Hexose-Zuckern, Zuckerpolymeren, Furfural, dehydratisierten Kohlenhydraten, organischen Säuren und anderen Zersetzungsprodukten, zersetzt und hydrolysiert wird;
  • c) zumindest einen Teil des wasserlöslichen Harzmaterials von dem lignocellulosehaltigen Material abtrennt, wobei das abgetrennte wasserlösliche Harzmaterial als warmhärtbarer wasserfester Harzklebstoff verwendet werden kann;
  • d) das verbleibende hydrolysierte lignocellulosehaltige Material aus Schritt b) bei einer zur Zersetzung und Hydrolyse von Cellulose ohne Carbonisierung ausreichenden Temperatur schnell mit Hochdruckdampf in Kontakt bringt;
  • e) das zuvor hydrolysierte lignocellulosehaltige Material über einen zur Zersetzung und Hydrolyse der Cellulose zu niedermolekularem wasserlöslichem Harzmaterial, ausgewählt unter Hexose- und Pentose-Zuckern, Zuckerpolymeren, Hydroxymethylfurfural, Furfural, dehydratisierten Kohlenhydraten, organischen Säuren und anderen Zersetzungsprodukten, ausreichend langen Zeitraum mit dem Hochruckdampf in Kontakt hält; und
  • f) zumindest einen Teil des wasserlöslichen Harzmaterials von dem lignocellulosehaltigen Material abtrennt, wobei das abgetrennte wasserlösliche Harzmaterial als warmhärtbarer wasserfester Harzklebstoff verwendet werden kann und das verbleibende lignocellulosehaltige Material als warmhärtbarer wasserfester Klebstoff und Füllstoff verwendet werden kann.
  • Das Verfahren kann gemäß dem vierten Aspekt der Erfindung ferner eine Trocknung oder anderweitige Aufkonzentration des abgetrennten wasserlöslichen Harzmaterials aus Schritt c) umfassen.
  • Das verteilte lignocellulosehaltige Material kann zur Beschleunigung der thermischen Zersetzung und Hydrolyse der Hemicellulose und Cellulose in wasserlösliches Harzmaterial vor den Schritten a) und d) mit einem sauren Katalysator, vorzugsweise in einem Anteil von nicht mehr als 5 Gew.-%, vermischt werden.
  • Das wasserlösliche Harzmaterial kann zur beschleunigten Warmhärtung auf einen niedrigen ph-Wert eingestellt werden.
  • Das lignocellulosehaltige Material kann aus einem oder mehreren Arten von holzhaltigem oder nicht holzhaltigem Material gewonnen werden und kann von Wald- oder landwirtschaftlichen Pflanzen stammen.
  • Das lignocellulosehaltige Material kann in der Form von Partikeln, Fasern, Schnitzeln oder Gemischen davon vorliegen.
  • Das Lignin des lignocellulosehaltigen Materials kann durch den Hochdruckdampf zu niedermolekularem Lignin und Lignin-Zersetzungsprodukten zersetzt und hydrolysiert werden.
  • Das durch Zersetzung und Hydrolyse von Hemicellulose und Cellulose gewonnene wasserlösliche Harzmaterial kann eine kleine Menge von niedermolekularem Lignin und Lignin-Zersetzungsprodukten enthalten.
  • Gemäß einem fünften Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verbindungsverfahren bereitgestellt, bei dem man ein nach dem vierten Aspekt der Erfindung hergestelltes wasserlösliches Harzmaterial in konzentrierter Form erhitzt und gegen eine damit zu verklebende Oberfläche presst, was bei er solchen Temperatur und einem solchen Druck und über einen so langen Zeitraum geschieht, dass das Harzmaterial zu einer auf der Oberfläche haftenden wasserfesten Klebeverbindung polymerisiert, vernetzt und warmgehärtet wird.
  • Die Oberfläche kann aus lignocelluloshaltigem oder nicht lignocellulosehaltigem Material bestehen.
  • Die Mischung kann auch wasserlösliches Harzmaterial aus Schritt c) eines Verfahrens nach dem ersten oder fünften Aspekt enthalten.
  • Das wasserlösliche Harzmaterial kann in flüssiger oder fester Form verwendet werden.
  • Gemäß einem sechsten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zur Herstellung eines Verbundproduktes bereitgestellt, bei dem man ein nach dem zweiten oder fünften Aspekt der Erfindung hergestelltes wasserlösliches Harzmaterial in konzentrierter Form mit anderem Material vermischt und die erhaltene Mischung verpresst, was bei einer solchen Temperatur und einem solchen Druck und über einen so langen Zeitraum und bei einem so hohen Druck geschieht, dass das Harzmaterial zu einer das andere Material zusammenbindenden wasserfesten Klebeverbindung polymerisiert, vernetzt und warmgehärtet wird.
  • Die Temperatur, bei der die Mischung verpresst wird beträgt mindestens 160ºC und liegt vorzugsweise im Bereich von 160ºC bis 250ºC.
  • Die Mischung kann zu einer Matte geformt werden.
  • Das teilchenförmige Material kann lignocellulosehaltiges oder nicht lignocellulosehaltiges Material sein.
  • Die Mischung kann auch wasserlösliches Harzmaterial aus Schritt c) des ersten oder vierten Aspekts der Erfindung enthalten.
  • Das wasserlösliche Harzmaterial kann in flüssiger oder fester Form verwendet werden.
  • Gemäß einem siebten Aspekt der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zur Herstellung eines Verbundproduktes bereitgestellt, bei dem man ein nach dem ersten oder vierten Aspekt der Erfindung hergestelltes behandeltes lignocellulosehaltiges Material mit anderem Material vermischt und die erhaltene Mischung verpresst, was bei einer solchen Temperatur und einem solchen Druck und für eine solange Zeit geschieht, dass in dem lignocellulosehaltigen Material enthaltenes wasserlösliches Harzmaterial zu einem wasserfesten Harzmaterial polymerisiert, vernetzt und warmgehärtet wird, das auf dem teilchenförmigen Material haftet und es zusammenbindet.
  • Das andere Material kann lignocellulosehaltiges Material sein.
  • Im Gegensatz dazu verwendet die vorliegende Erfindung wasserlösliche Stoffe, die aus Pentose- und Hexose-Zuckern, Zuckerpolymeren, Furfural, dehydrierten Kohlenhydraten, organischen Säuren und anderen Zersetzungsprodukten bestehen, welche aus der Hydrolyse von Hemicellulose und Cellulose von beliebigem lignocellulosehaltigem Materials extrahiert werden. Diese extrahierten wasserlöslichen Stoffe können in konzentrierter Form zusammen mit einer kleinen Menge von Lignin-Zerfallsprodukten ohne irgendeine chemische Änderung oder einen Katalysator als warmhärtender wasserfester Harzklebstoff zum Kleben von lignocellulosehaltigem und nicht lignocellulosehaltigem Material verwendet werden. Außerdem kann die hydrolysierte Lignocellulose weiter verarbeitet werden, indem man die wasserlöslichen Stoffe benutzt, um in situ andere Bestandteile der Linocellulose zu verbinden oder aufzufüllen oder in Kombination mit anderem lignocellulosehaltigen Material ein wiederhergestelltes Verbundprodukt mit guter mechanischer Festigkeit und vorzüglicher Formstabilität herzustellen.
  • Ausführungsformen der Erfindung werden in den folgenden Beispielen detailliert beschrieben und dargestellt.
  • Beispiel 1
  • Ungefähr 7% Rindenmaterial und 16% Feuchtigkeit enthaltende Sägewerksrückstände aus weißem Fichtenholz und Kiefernholz, wurden gestampft, um ein 6.4 mm (1/4 inch) Gittersieb zu passieren und danach mit unterschiedlichen Dampftemperaturen über unterschiedliche Zeiten behandelt. Insgesamt wurden 15 Chargen aus Rückstanden mit 4 verschiedenen Hochdruckdämpfen bei Temperaturen im Bereich von 215ºC bis 260ºC für eine Dauer von ¹/&sub2; bis 11 Minuten behandelt. Nach dem Bedampfen wurde der behandelte Sägewerksrückstand mit warmen Wasser gewaschen und die Auswaschung unter Vakuum zu einem flüssigen Harzklebstoff mit einer Konzentration von ungefähr 50% Feststoffanteil verdampft. Der flüssige Harzkleber hatte eine dunkelbraune Farbe und einen PH Bereich von 2,8 bis 4,3. Das flüssige Harz hatte eine niedrige Viskosität und war leicht sprühbar.
  • Pappelplättchen (ungefähr 38 mm Länge, 0,7 mm Dicke und 6 bis 50 mm Breite) wurden mit 6% Flüssigkleber besprüht (Feststoffe auf Basis des obengenannten Plättchengewichts). Nach dem Sprühen wurden die Plättchen bis zu einem Feuchtigkeitsgehalt von ca. 3-5% getrocknet, bevor die Matte geformt wurde. Insgesamt wurden 38 Spanplatten (waferboards) (60 · 60 · 1.11 cm) mit einer Dichte von ungefähr 660 kg/m³ unter einheitlichen Pressbedingungen (230ºC Temperatur, 12 Minuten Zeit und 35 kg/cm² Schließdruck) hergestellt. Die Versuchsresultate sind in der folgenden Tabelle 1 zusammengefasst. Zum Vergleich ist auch der kanadische Standard CAN-0437.0-M 86 enthalten. Tabelle 1
  • Beispiel 2
  • Dieses Beispiel zeigt die Teilchengröße und Form des Beschickungsmaterials im Verhältnis zur Qualität des hergestellten warmhärtbaren Harzklebstoffs. Frische Pappelschnitzel mit ungefähr 25% Feuchtigkeitsgehalt wurden in zwei gleiche Teile A & B aufgeteilt. Jedoch wurden die Schnitzel von Teil B vor der Dampfbehandlung gestampft, um durch ein 6,4 mm Gittersieb zu passen. Beide Teile A & B wurden daraufhin mit Hochruckdampf bei 230ºC 3 Minuten lang behandelt. Flüssiger Harzkleber wurde extrahiert und getrennt von den behandelten Pappelschnitzeln und Partikeln konzentriert. Zwei Chargen von 6 Spanplatten wurden mit den aus dem Pappelholz A & B extrahierten Harzklebstoffen unter gleichen Bedingungen hergestellt. Die folgende Tabelle 2 zeigt die Versuchsresultate, die anzeigen, dass bei der Herstellung unter gleichen Herstellungsbedingungen der aus gestampften Pappelteilchen extrahierte, Harzklebstoff besser war als der aus Pappelschnitzeln gleicher Herkunft extrahierte Herzklebstoff. Tabelle 2
  • Beispiel 3
  • Dieses Beispiel zeigt die Benutzung von Baumrinde zur Extraktion von Harzklebstoff. Frische Weißkiefernrinde mit ungefähr 12% Holzmaterial und einem Feuchtigkeitsgehalt von ungefähr 53% wurde gestampft, um durch ein 6,4 mm Gittersieb zu passen und dann mit Hochdruckdampf von 230ºC für 5 Minuten behandelt. Flüssiges Harz mit ungefähr 16% Feststoffen gemessen am Gewicht der obengenannten Rinde wurde aus der dampfbehandelten Rinde extrahiert und zu einem Flüssigharz mit ungefähr 48% Feststoffgehalt konzentriert. Das Rindenharz hatte eine dunkelbraune Farbe mit einem pH-Wert von 3,2. Drei homogene Spanplatten mit 8% Harzfeststoffen wurden hergestellt und bei einer Temperatur von 230ºC bei einem Druck von 40 kg/cm² für 10 Minuten heiß gepresst. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 aufgeführt. Tabelle 3
  • Beispiel 4
  • Dieses Beispiel zeigt die Extrahierung von Harzkleber aus landwirtschaftlichen Rückständen aus Zuckerrohrbagasse, einem matschigen Rückstand, nachdem von der Zuckerrohrproduktion Sucrose extrahiert wurde. Die Bagasse mit einem Feuchtigkeitsgehalt von ungefähr 14% wurde mit Hochdruckdampf mit 220ºC für 7 Minuten behandelt. Ungefähr 12% Harzfeststoffe gemessen am Gewicht der obengenannten Bagasse wurden extrahiert und zu einem flüssigen Klebstoff mit ungefähr 52% Feststoffgehalt konzentriert. Getrocknete Bagassefasern wurden mit 8% des flüssigen Klebers besprüht und bei 230ºC für 10 Minuten gepresst, um homogene Spanplatten (600 · 600 · 12,5 mm) mit verschiedenen Plattendichten zu formen. Versuchsergebnisse von 3 Bagasse-Spanplatten sind in der folgenden Tabelle 4 zusammengefasst. Tabelle 4
  • Beispiel 5
  • Dieses Beispiel zeigt die Benutzung von Weizenstroh, einem anderen landwirtschaftlichen Nebenprodukt, als Rohstoff für die Herstellung des warmhärtbaren Klebstoffs. Trockenes Weizenstroh wurde auf eine Länge von ungefähr 20 cm zerhackt und danach mit Hochdruckdampf mit 240ºC für 2 Minuten behandelt. Ungefähr 14% wasserlösliche Stoffe gemessen am Gewicht des Strohs wurden extrahiert und zu einem flüssigen Kleber mit 49% Feststoffen konzentriert.
  • Feine Fichtenteilchen von weniger als 2 mm wurden mit 10% des flüssigen Klebers besprüht. Größere Teilchen zwischen 2 mm und 6 mm wurden mit 8% Feststoffen des flüssigen Kleber besprüht. Es wurden drei Spanplatten (600 · 600 · 12,5 mm) in dreilagiger Ausführung mit feinen Partikeln an der Oberfläche und mit groben Partikeln im Kern geformt. Alle Platten wurden auf eine Dichte von 770 kg/m³ eingestellt und bei 230ºC für jeweils 8, 10 und 12 Minuten gepresst. Die Testergebnisse sind in der folgenden Tabelle 5 zusammengefasst. Tabelle 5
  • Beispiel 6
  • Frische Birkenschnitzel mit ungefähr 7% Rindenmaterial und ungefähr 70% Feuchtigkeitsgehalt wurden mit Hochdruckdampf von 230ºC für 5 Minuten behandelt. Um soviel Ausspülung wie möglich zu erhalten, wurden die Schnitzel zweimal mit Wasser gewaschen und ausgepresst. Die Ausspülung wurde unter Vakuum bis zu einem 3% Feststoffe enthaltenden flüssigen Kleber verdampft und dann gefriergetrocknet zu einem Feststoffzustand von feinem Pulver. Dieser fein pulverisierte Harzkleber war einfach zu handhaben und konnte abgefüllt und gelagert werden. Birkenplättchen wurden erst mit 1% flüssigem Gatsch und anschließend mit 4% Harzpulver besprüht. 3 Spanplatten wurden mit dem pulvrigen Kleber bei einer Presstemperatur von 230ºC, unter einem Druck von 35 kg/cm² und über drei verschiedene Presszeiten von 8, 10, und 12 Minuten hergestellt. Die Versuchsergebnisse dieser 3 Spanplatten sind in Tabelle 6 aufgeführt. Tabelle 6
  • Beispiel 7
  • Dieses Beispiel zeigt die Benutzung von niedriger Dampftemperatur in Kombination mit einem sauren Katalysator, um die Hemicellulose zu wasserlöslichem kohlehydrathaltigem Harzmaterial aus einer Mischung aus Espen- und Fichtenholz mit einem, am Schnitzelgewicht gemessenen, ungefähr gleichen Mengenverhältnis zu hydrolysieren.
  • Eine frische Mischung aus Espen- und Fichtenschnitzeln wurde in zwei Chargen aufgeteilt. Eine Charge wurde in einer 0,4% Lösung aus Schwefelsäure für 24 Stunden eingeweicht und dann bei 150ºC für 25 Minuten bedampft. Die andere Charge wurde ohne Beigabe von Säure in 3 Gruppen geteilt und jede dieser Gruppen bei 150ºC jeweils 60, 120 und 180 Minuten bedampft. Wasserlösliche Stoffe wurden aus den zwei behandelten Chargen aus der Mischung von Espen- und Fichtenschnitzeln extrahiert und zu einem Harzmaterial mit ungefähr 46% Feststoffgehalt konzentriert. Vor dem Einsatz zur Spanplattenbindung wurde der aus den säurekatalysierten Schnitzeln erhaltene Kleber mit Natriumhydroxid auf einen pH-Wert von 3,0 eingestellt. Zwölf Spanplatten wurden mit den vier Harzklebern aus den zwei Chargen hergestellt. Bei allen Spanplatten war der Harzgehalt 6%. Die Presstemperatur betrug 230ºC für 12 Minuten. Die Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle 7 zusammengefasst. Tabelle 7
  • Beispiel 8
  • Dieses Beispiel zeigt die Extrahierung von wasserlöslichem Harzmaterial aus zuvor hydrolysiertem lignocellulosehaltigem Material. Das zuvor hydrolysierte lignocellulosehaltige Material besteht hauptsächlich aus Zellulose und Ligninprodukten mit einer kleinen Menge von Hemicellulose und wasserlöslichen Stoffen.
  • Der in Beispiel 2 behandelte Pappelteilchenrückstand wurde nach der Behandlung mit Hochdruckdampf und nach der Extraktion der wasserlöslichen Stoffe aus der hydrolysierten Hemicellulose mit einer 0,4% Schwefelsäurelösung besprüht. Der Säuregehalt des Rückstands war 1, 2% basierend auf dem Nenngewicht des Rückstands. Der säuregeladene Rückstand wurde bei 210ºC für 14 Minuten bedampft, um die Cellulose zur Hydrolyse zu bringen und wasserlösliches Harzmaterial zu erhalten. Ungefähr 32% wasserlösliche Stoffe gemessen am Nenngewicht des Lignocelluloserückstands wurden erhalten. Das flüssige Harz wurde mit einer löslichen Base aus Natriumhydroxid auf einen pH-Wert von 3,0 eingestellt, bevor es zu einem flüssigen Harzklebstoff mit einem Feststoffgehalt von ungefähr 48% konzentriert wurde.
  • Drei Pappel-Spanplatten wurden mit 6% Spray des flüssigen Harzklebstoffs hergestellt. Die Versuchsergebnisse sind in der folgenden Tabelle 8 zusammengefasst. Tabelle 8
  • Beispiel 9
  • Dieses Beispiel zeigt die Vielseitigkeit des Verfahrens, bei dem sowohl der warmhärtbare Kleber als auch das Verbundplattenprodukt aus dem gleichen lignocellulosehaltigen Material nach der Dampfbehandlung hergestellt werden können.
  • Grüne Pappelschnitzel wurden mit Hochdruckdampf bei 245ºC für 90 Sekunden behandelt. Nach der Dampfbehandlung wurden 6% wasserlösliche Stoffe, gemessen am Nenngewicht der Schnitzel, mit einer heißen Wasserspülung extrahiert, zu einem Feststoffgehalt von ungefähr 50% konzentriert und der Harzklebstoff für die Herstellung von Spanplatten verwendet. Die übrig gebliebenen Schnitzel wurden dann mit 20% grünen Pappelschnitzeln vermischt und mittels eines Scheribenrefiners zu Fasern verkleinert, um Faserplatten von mittlerer Dichte herzustellen. Den Fasern wurde kein Klebstoff beigefügt, weil im dampfbehandelten Fasermaterial noch genug Harzmaterial zum Kleben zurückgeblieben war. Die Versuchsergebnisse für Spanplatten und MDF's sind in der folgenden Tabelle 9 zusammengefasst. Tabelle 9
  • Beispiel 10
  • Dieses Beispiel zeigt die Verwendung einer Mischung von wasserlöslichem Harzmaterial aus Hemicellulose und Cellulose von Pappelschnitzeln. Die in Beispiel 2 und 8 gewonnenen wasserlöslichen Harzkleber wurden in einem auf dem Feststoffgewicht des Harzes basierenden Verhältnis von 1 : 1 vermischt, wobei der Säuregehalt auf einen pH-Wert von 2,7 eingestellt wurde. Die aus diesen unabhängig voneinander aus Hemicellulose und Cellulose von Pappelschnitzeln gewonnenen, gemischten Harzklebstoffen hergestellten Spanplatten hatten sehr ähnliche Eigenschaften verglichen mit den Spanplatten, die mit jeweils aus Hemicellulose bzw. Cellulose gewonnenen wasserlöslichen Harzen gebunden waren. Die Versuchsresultate sind in Tabelle 10 zusammengefasst. Tabelle 10
  • Beispiel 11
  • Dieses Beispiel zeigt die Vorteile der sauren Natur des aus der sauren Hydrolyse von Hemicellulose und Cellulose gemäß Beispiel 7 und 8 gewonnenen Harzmaterials. Das hochgradig saure in Beispiel 8 aus der sauren Hydrolyse von Hemicellulose und Cellulose gewonnene Harz wurde mit dem in Beispiel 7 durch die Hydrolyse von Pappel-Hemicellulose gewonnenen Harzmaterial gemischt. Die beiden flüssigen Harze wurden gemischt, um den pH-Wert auf 2,7 einzustellen. Dieses gemischte und hochgradig saure Harz wurde zur Herstellung von Spanplatten verwendet. Sechs Spanplatten (3-Schichten, 11,1 mm Dicke) wurden mit 40 Gew.-% aus 0,015" (0,40 mm) dünnen Platten mit 10% Harzfeststoffen und 60 Gew.-% aus 0,028" (0,71 mm) Kernplatten mit 8% Harzfeststoffen hergestellt. Sowohl die Seiten - wie auch die Kernplatten enthielten 1% Gatsch. Es wurde eine Presstemperatur von 220ºC über einen Zeitraum von 5, 6 und 7 Minuten verwendet. Die Versuchsergebnisse sind in Tabelle 11 zusammengefasst. Es ist offensichtlich, dass das hochgradig saure Harz hervorragende Spanplatten trotz einer relativ niedrigeren Plattentemperatur und einer kürzeren Presszeit hervorbrachte. Tabelle 11
  • Beispiel 12
  • Dieses Beispiel zeigt die Tauglichkeit von aus Fichten- und Kiefernholz gewonnenem (243ºC für 3 Minuten) Harzbindemittel zum Kleben von Formsand.
  • 60 Gramm und 40 Gramm flüssiges Harz mit einem Feststoffanteil von 50% wurden jeweils mit 2 kg AFS GEN 60 Sand vermischt. Der mit Harz beschichtete Sand wurde dann zur Herstellung von 6,3 mm dicken Dehn-Probekörpern (Hundeknochen) verwendet, indem handgestampfter Sand zwischen einem Paar heißer Platten bei 260ºC für unterschiedliche Zeiten erhitzt wurde, um das Harz zu vernetzen und warmzuhärten. Alle erhitzten Feststoffe bekamen eine dunkelbraune oder schwarze Farbe.
  • Kanten-Retention und Oberflächendefinitionen etc. schienen normal zu sein. Der Prozentsatz des flüssigen Harzes, die Aushärtezeit und die Festigkeit des Probekörpers waren:
  • Die Festigkeitswerte sind der Durchschnitt aus zwei Versuchen. Diese Festigkeitseigenschaften scheinen zum Kleben von Formsand geeignet zu sein. Drei Wochen später wurden aus den Originalchargen von verpacktem und harzgetränktem Sand Probestücke hergestellt. Die Zugfestigkeiten der Probestücke waren unverändert. Dies zeigt, dass vorgemischter Sand eine lange Lagerfähigkeit besitzt, wenn man ihn nicht austrocknen lässt.
  • Die BCIRA Heißverformungstest (Hot Distortion Test) ermittelt die Verformung eines über eine Flamme gehaltenen, 100 · 25 · 6,3 mm großen Versuchskörpers. Der Testkörper wird am einen Ende festgehalten und am freien Ende wird die Bewegung kontrolliert. Drei Wochen nach der Mischung des Harzbindemittels mit Sand und dessen Aushärtung zwischen 4 und 6 Minuten zeigte die Testkörper eine etwas höhere Ausdehnung als normal, gefolgt von einer völligen Zerstörung nach 90 bis 120 Sekunden.
  • Diese Versuchsergebnisse zeigen das Potential eines aus lignocellulosehaltigem Material extrahierten Harzbinders zum Kleben von Formsand.

Claims (37)

1. Verfahren zur Behandlung eines lignocellulosehaltigen Materials, bei dem man:
a) lignocellulosehaltiges Material in verteilter Form bei einer zur Zersetzung und Hydrolyse von in dem Material enthaltener Hemicellulose ohne Carbonisierung ausreichenden Temperatur schnell mit Hochdruckdampf in Kontakt bringt;
b) das lignocellulosehaltige Material nur so lange mit dem Hochdruckdampf in Kontakt hält, dass Hemicellulose bei vernachlässigbarern Abbau von Cellulose ohne Carbonisierung zu niedermolekularem, wasserlöslichem Harzmaterial, ausgewählt unter Pentose- und Hexose-Zuckern, Zuckerpolymeren, dehydratisierten Kohlenhydraten, Furfural, organischen Säuren und anderen Zersetzungsprodukten, zersetzt und hydrolysiert wird;
c) zumindest einen Teil des wasserlöslichen Harzmaterials von dem lignocellulosehaltigen Material abtrennt, wobei das abgetrennte wasserlösliche Harzmaterial als warmhärtbarer wasserfester Harzklebstoff verwendet werden kann und das verbleibende lignocellulosehaltige Material als warmhärtbarer wasserfester. Klebstoff und Füllstoff verwendet werden kann.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem der Hochdruckdampf eine Temperatur im Bereich von 120ºC bis 280ºC aufweist.
3. Verbindungsverfahren, bei dem man nach einem Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche hergestelltes wasserlösliches Harzmaterial in konzentrierter Form erhitzt und gegen eine damit zu verklebende Oberfläche presst, was bei einer solchen Temperatur und einem solchen Druck und über einen so langen Zeitraum geschieht, dass das Harzmaterial zu einer auf der Oberfläche haftenden wasserfesten Klebverbindung polymerisiert, vernetzt und warmgehärtet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, bei dem die Temperatur, bei der das Material gegen die Oberfläche gepresst wird, mindestens 160ºC beträgt.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, bei dem die Oberfläche aus nicht lignocellulosehaltigem Material besteht.
6. Verfahren zur Herstellung eines Verbundprodukts, bei dem man nach Anspruch 1 oder 2 hergestelltes wasserlösliches Harzmaterial mit anderem Material vermischt und die erhaltene Mischung verpresst, was bei einer solchen Temperatur und einem solchen Druck und über einen so langen Zeitraum und bei einem so hohen Druck geschieht, dass das Harzmaterial polymerisiert, vernetzt und warmgehärtet wird, wodurch sich eine wasserfeste Klebverbindung ergibt, die das andere Material zusammenbindet.
7. Verfahren nach Anspruch 6, bei dem die Temperatur, bei der die Mischung verpresst wird, mindestens 160ºC beträgt.
8. Verfahren nach Anspruch 6, bei dem die Temperatur, bei der die Mischung verpresst wird, im Bereich von 160ºC bis 250ºC liegt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 8, bei dem man die Mischung zu einer Matte formt.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 9, bei dem man als anderes Material lignocellulosehaltiges Material einsetzt.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 9, bei dem man als anderes Material nicht lignocellulosehaltiges Material einsetzt.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 11, bei dem man das wasserlösliche Harzmaterial in flüssiger oder fester Form verwendet.
13. Verfahren zur Behandlung eines lignocellulosehaltigen Materials, bei dem man:
a) lignocellulosehaltiges Material in verteilter Form bei einer zur Zersetzung und Hydrolyse von in dem lignocellulosehaltigem Material enthaltener Hemicellulose ohne Carbonisierung ausreichenden Temperatur schnell mit Hochdruckdampf in Kontakt bringt;
b) das lignocellulosehaltige Material nur so lange mit dem Hochdruckdampf in Kontakt hält, dass Hemicellulose zu niedermolekularem, wasserlöslichem Harzmaterial, ausgewählt unter Pentose- und Hexose-Zuckern, Zuckerpolymeren, Furfural, dehydratisierten Kohlenhydraten, organischen Säuren und anderen Zersetzungsprodukten, zersetzt und hydrolysiert wird;
c) zumindest einen Teil des wasserlöslichen Harzmaterials von dem lignocellulosehaltigen Material abtrennt, wobei das abgetrennte wasserlösliche Harzmaterial als warmhärtbarer wasserfester Harzklebstoff verwendet werden kann;
d) das verbleibende hydrolysierte lignocellulosehaltige Material aus Schritt b) bei einer zur Zersetzung und Hydrolyse von Cellulose ohne Carbonisierung ausreichenden Temperatur schnell mit Hochdruckdampf in Kontakt bringt;
e) das zuvor hydrolysierte lignocellulosehaltige Material über einen zur Zersetzung und Hydrolyse der Cellulose zu niedermolekularem, wasserlöslichem Harzmaterial, ausgewählt unter Hexose- und Pentose-Zuckern, Zuckerpolymeren, Hydroxymethylfurfural, Furfural, dehydratisierten Kohlenhydraten, organischen Säuren und anderen Zersetzungsprodukten, ausreichend langen Zeitraum mit dem Hochdruckdampf in Kontakt hält und
f) zumindest einen Teil des wasserlöslichen Harzmaterials von dem lignocellulosehaltigen Material abtrennt, wobei das abgetrennte wasserlösliche Harzmaterial als warmhärtbarer wasserfester Harzklebstoff verwendet werden kann und das verbleibende lignocellulosehaltige Material als warmhärtbarer wasserfester Klebstoff und Füllstoff verwendet werden kann.
14. Verfahren nach Anspruch 13, bei dem man außerdem auch noch das abgetrennte wasserlösliche Harzmaterial aus Schritt (c) trocknet oder anderweitig aufkonzentriert.
15. Verfahren nach Anspruch 14, bei dem man das abgetrennte wasserlösliche Harzmaterial trocknet.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 15, bei dem man das verteilte lignocellulosehaltige Material vor den Schritten a) und d) zur Beschleunigung der thermischen Zersetzung und Hydrolyse von Hemicellulose und Cellulose zu wasserlöslichem Harzmaterial mit einem sauren Katalysator vermischt.
17. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 16, bei dem man das wasserlösliche Harzmaterial zur Beschleunigung seiner Warmhärtung auf einen niedrigen pH-Wert einstellt.
18. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 17, bei dem man das lignocellulosehaltige Material von einer oder mehreren Arten von holzhaltigem oder nicht holzhaltigem Material gewinnt.
19. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 18, bei dem das lignocellulosehaltige Material in Form von Partikeln, Fasern, Schnitzeln oder Gemischen davon vorliegt.
20. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 19, bei dem man das Lignin des lignocellulosehaltigen Materials durch den Hochdruckdampf zu niedermolekularem Lignin und Lignin-Zersetzungsprodukten zersetzt und hydrolysiert.
21. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 20, bei dem das durch Zersetzung und Hydrolyse von Hemicellulose und Cellulose gewonnene wasserlösliche Harzmaterial eine geringe Menge an niedermolekularem Lignin und Lignin-Zersetzungsprodukten enthält.
22. Verbindungsverfahren, bei dem man nach einem Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 21 hergestelltes wasserlösliches Harzmaterial in konzentrierter Form erhitzt und gegen eine damit zu verklebende Oberfläche presst, was bei einer solchen Temperatur und einem solchen Druck und über einen so langen Zeitraum geschieht, dass das Harzmaterial zu einer auf der Oberfläche haftenden wasserfesten Klebverbindung polymerisiert, vernetzt und warmgehärtet wird.
23. Verfahren nach Anspruch 22, bei dem die Oberfläche aus lignocellulosehaltigem Material besteht.
24. Verfahren nach Anspruch 22, bei dem die Oberfläche aus nicht lignocellulosehaltigem Material besteht.
25. Verfahren nach einem der Ansprüche 22 bis 24, bei dem die Mischung außerdem auch noch wasserlösliches Harzmaterial aus Schritt (c) eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1, 2 und 13 bis 21 enthält.
26. Verfahren nach einem der Ansprüche 22 bis 25, bei dem man das wasserlösliche Harzmaterial in flüssiger oder fester Form verwendet.
27. Verfahren zur Herstellung eines Verbundprodukts, bei dem man nach einem der Ansprüche 1, 2 und 13 bis 22 hergestelltes wasserlösliches Harzmaterial in konzentrierter Form mit anderem Material vermischt und die erhaltene Mischung verpresst, was bei einer solchen Temperatur und einem solchen Druck und über einen so langen Zeitraum und bei einem so hohen Druck geschieht, dass das Harzmaterial zu einer das andere Material zusammenbindenden wasserfesten Klebverbindung polymerisiert, vernetzt und warmgehärtet wird.
28. Verfahren nach Anspruch 27, bei dem die Temperatur, bei der die Mischung verpresst wird, mindestens 160ºC beträgt.
29. Verfahren nach Anspruch 28, bei dem die Temperatur, bei der die Mischung verpresst wird, im Bereich von 160ºC bis 250ºC liegt.
30. Verfahren nach einem der Ansprüche 27 bis 29, bei dem man die Mischung zu einer Matte formt.
31. Verfahren nach einem der Ansprüche 27 bis 30, bei dem man als teilchenförmiges Material lignocellulosehaltiges Material einsetzt.
32. Verfahren nach einem der Ansprüche 27 bis 31, bei dem man als teilchenförmiges Material nicht lignocellulosehaltiges Material einsetzt.
33. Verfahren nach einem der Ansprüche 27 bis 32, bei dem die Mischung außerdem auch noch wasserlösliches Harzmaterial aus Schritt (c) eines Verfahrens nach einem der Ansprüche 1, 2 oder 13 bis 21 enthält.
34. Verfahren nach einem der Ansprüche 27 bis 33, bei dem man das wasserlösliche Harzmaterial in flüssiger oder fester Form verwendet.
35. Verbindungsverfahren, bei dem man nach einem Verfahren nach Anspruch 1 oder 2 oder nach einem Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 21 hergestelltes, behandeltes lignocellulosehaltiges Material erhitzt und gegen eine damit zu verklebende Oberfläche presst, was bei einer solchen Temperatur und einem solchen Druck und über einen so langen Zeitraum geschieht, dass wasserlösliches Harzmaterial in dem lignocellulosehaltigen Material zu einer auf der Oberfläche haftenden und das lignocellulosehaltige Material mit der Oberfläche verbindenden wasserfesten Klebverbindung polymerisiert, vernetzt und warmgehärtet wird.
36. Verfahren zur Herstellung eines Verbundprodukts, bei dem man nach einem Verfahren nach Anspruch 1 oder 2 oder nach einem Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 21 hergestelltes behandeltes lignocellulosehaltiges Material mit anderem Material vermischt und die erhaltene Mischung verpresst, was bei einer solchen Temperatur und einem solchen Druck und über einen so langen Zeitraum geschieht, dass wasserlösliches Harzmaterial in dem lignocellulosehaltigen Material zu einer auf dem teilchenförmigen Material haftenden und es zusammenbindenden wasserfesten Klebverbindung polymerisiert, vernetzt und warmgehärtet wird.
37. Verfahren nach Anspruch 36, bei dem man als anderes Material lignocellulosehaltiges Material einsetzt.
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