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Gebiet der Erfindung:
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Die Erfindung betrifft cyclische
Peptide und aus cyclischen Peptiden aufgebaute Molekularrohrstrukturen.
Insbesondere betrifft die Erfindung die Verwendung von cyclischen
Peptiden mit Aminosäuresequenzen mit
einem sich wiederholenden D-L-Chiralitätsmotiv,
die zum Aufbauen sich selbstzusammenfügender, d.h. sich selbst organisierender
Molekularrohre verwendbar sind.
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Hintergrund:
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Cyclische Peptide bilden eine große Klasse
natürlicher
und synthetischer Verbindungen. Natürlich vorkommende cyclische
Peptide haben zahlreiche biologische Wirkungen, wie beispielsweise
Antibiotika, Toxine, Hormone und Ionentransportregler. Es ist nicht
bekannt, daß natürlich vorkommende
cyclische Peptide durch eine mRNA-Transkription synthetisiert werden
können,
d. h. die Aminosäuresequenz
natürlich
vorkommender cyclischer Peptide ist nicht in dem Genom des das Material
erzeugenden Organismus kodiert. Statt dessen ist die Synthese von
natürlich
vorkommenden cyclischen Peptiden von einer Reihe von nicht-transkriptionellen Enzymen
abhängig,
die speziell für
die Synthese dieser Produkte ausgelegt sind. Viele cyclische Peptide
verwenden sowohl Amid- als auch nicht-Amidbindungen und umfassen
nicht-natürliche
Aminosäuren,
d. h. Aminosäuren,
die nicht bei der mRNA-Transkription von linearen Proteinen verwendet
werden. Sowohl D- als auch L-Enantiomere von Aminosäuren sind
häufig
in natürlichen
und synthetischen Aminosäuren
vorhanden. Synthetische Analoge verschiedener natürlich vorkommender
cyclischer Peptide wurden mit modifizierter biologischer Wirkung
entworfen und synthetisiert.
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Chemisch sind cyclische Peptide in
zwei Kategorien unterteilt, d. h. homodete und heterodete Peptide. Homodete
Peptide bestehen vollständig
aus Aminosäureresten,
die untereinander über
Amidbindungen verbunden sind. Die vorliegende Anmeldung richtet
sich ausschließlich
auf cyclische homodete Peptide. Heterodete Peptide umfassen andere
Bindungen als Amidbindungen, beispielsweise Disulfidbindungen und
Esterbindungen. Depsipeptide sind eine Art von heterodeten Peptiden.
Depsipeptide weisen Esterbindungen auf. Valinomycin ist ein cyclisches
Depsipeptid mit einem wechselnden chiralen D-D-L-L-Motiv, das Esterbindungen
im Ring aufweist. Die vorliegende Anwendung schließt speziell
heterodete Peptide aus. Die Chemie sowohl homodeter als auch heterodeter
cyclischer Peptide wurde ausführlich
von Ovchinnikov et al. (1992), The Proteins, Vol. V: 307–642 besprochen.
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Die
FR-A-2 360 252 beschreibt bestimmte cyclische
Hexapeptide.
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Im International Journal of Peptide
and Proteine Research, Ausgabe 34, Nr. 5, Mai 1989, Seiten 387–393 ist
beschrieben, daß cyclische
Oligopeptide Strukturen ausbilden können und einen transmembranen Ionentransfer
induzieren können.
In Biochemie, Ausgabe 71, Nr. 1, Januar 1989, Seiten 71–76 ist
beschrieben, daß bestimmte
cyclische Oligopeptide transmembrane Ionenporen ausbilden können. In
Helvetica Chimica Acta, Ausgabe 70, Nr. 7, 8. Juli 1987, Seiten
1012–1016
ist die Vermutung beschrieben, daß bestimmte cyclische Oligopeptide
rohrförmige
Strukturen ausbilden können.
In Macromolecules, Ausgabe 7, Nr. 1, Januar 1974, Seiten 52–58 ist
die Vermutung beschrieben, daß bestimmte
Polypeptidketten helikale Strukturen ausbilden können.
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Es ist bereits von früher bekannt;
daß Molekularrohre
aus linearen Peptiden gebildet werden. Gramicidin A ist beispielsweise
ein lineares Pentadecapeptid mit einem wechselnden chiralen D-L-Motiv.
Bei Integration in eine Ziel-Biomembran bildet Gramicidin A eine
linksgängige
antiparallele Doppelstranghelix mit 5,6–6,4 Aminosäureresten pro Windung. Gramicidin
hat einen durchschnittlichen Außendurchmesser
von etwa 16 Å und
einen durchschnittlichen Innendurchmesser von ungefähr 4,8 Å. Der innere
Kanal von Gramicidin dient als ein Weg für einen passiven transmembranen
Ionentransport (siehe: Wallace, B.A. et al. (1988) Science, 44:
182–187;
und Lang, D. (1988) Science, 44: 188–191).
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Molekularrohre können aus anderen Materialien
als Aminosäuren
gebildet werden. Kohlenstoffrohre sind von Iijima (Nature (1991),
354: 56–58)
und Ebbesen et al. (Nature (1992), 358, 220–222) beschrieben. Diese Kohlenstoffrohre
sind aus Graphit zusammengesetzt und haben eine konzentrische, am
Ende geschlossene Struktur. Anorganische Rohre finden in der Chemie
eine breite Anwendung, z. B. werden mikro- und mesoporöse anorganische
Feststoffe, bekannt als Zeolithe, zum Verbessern einer Vielzahl
von Reaktionen verwendet. Das Gebiet von Zeolithen wird zusammenfassend
von Meier et al., Atlas of Zeolite Structure Types, 2. Ausgabe (Butterworths,
London, 1988) beschrieben.
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Es wird ein Verfahren zum Zusammenfügen bzw.
selbstorganisieren und Zerlegen von Molekularrohren unterschiedlicher
Länge und
unter Verwendung austauschbarer Untereinheiten benötigt. Es
wird eine vielseitige Untereinheit zum Implementieren des oben genannten
Verfahrens benötigt,
d. h. eine Untereinheit, die auf eine Selbstzusammenfügung bzw.
Selbstorganisation und Selbstzerlegung anspricht. Es werden homodete
cyclische Peptide benötigt,
die als Untereinheiten für
sich selbstzusammenfügende
bzw. selbstorganisierende und -zerlegende Molekularrohre verwendet
werden können.
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Zusammenfassung
der Erfindung
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Die Erfindung umfaßt, wie
es in den beigefügten
Ansprüchen
beansprucht ist, cyclische homodete Peptide, die zum Zusammenfügen und
Zerlegen von Molekularrohren verwendbar sind, aus derartigen cyclischen
homodeten Peptiden zusammengefügte
Molekularrohre und Verfahren zum Zusammenfügen und Zerlegen derartiger
Molekularrohre.
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Die mit der Erfindung umfaßten cyclischen
homodeten Peptide weisen eine stabile scheibenförmige Konformation auf, welche
die Selbstzusammenfügung
derartiger Peptide zum Ausbilden von Molekularrohren vereinfacht.
Eine stabile scheibenförmige
Konformation wird erzielt, indem die cyclischen Peptide mit einem sich
wiederholenden D-L-Chiralitätsmotiv
gestaltet werden. In Anpassung an dieses sich wiederholende Chiralitätsmotiv
ist es notwendig, daß die
Aminosäuresequenz
der cyclischen Peptide nur eine gerade Anzahl von Aminosäureresten
umfaßt.
Da Glycin nicht chiral ist, ist es in Anpassung an dieses sich wiederholende
Chiralitätsmotiv
ferner notwendig, daß die
Aminosäuresequenz
des cyclischen Peptids kein Glycin enthält oder der Einschluß von Glycin
minimiert ist.
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Eine stabile scheibenförmige Konformation
wird ferner dadurch bevorzugt, daß die Größe des cyclischen Peptids begrenzt
wird, daß nämlich die
Aminosäuresequenz
des cyclischen Peptids insgesamt zwischen 6 und 16 Aminosäurereste
umfaßt.
Die Stabilität
der scheibenförmigen
Konformation cyclischer Peptide neigt dazu, aufgrund von Gründen der
statistischen Mechanik, bei zunehmender Ringgröße zuzunehmen. Cyclische Peptide
mit Ringgrößen von
mehr als 16 Resten sind aufgrund der geringen Stabilität ihrer
scheibenförmigen
Konformation weniger bevorzugt.
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Molekularrohre werden zusammengefügt, indem
cyclische Peptide aufeinandergestapelt werden. Die resultierende
Struktur definiert einen inneren Kanal. Der Durchmesser des inneren
Kanals wird durch die Größe des cyclischen
Peptides bestimmt, d. h. die Kanalgröße nimmt mit der Größe des cyclischen
Peptides zu. Cyclische Peptide mit lediglich 6 Aminosäureresten
weisen einen sehr kleinen Kanal auf, der lediglich für den Durchgang
oder den Einschluß von
kleinen Ionen geeignet ist; cyclische Peptide mit 16 Aminosäureresten
weisen einen sehr großen
Kanal auf, der für
den Durchgang oder den Einschluß von
kleinen Molekülen
geeignet ist; cyclische Peptide mit 16 Aminosäureresten weisen einen sehr
großen
Kanal auf, der für
den Durchgang oder den Einschluß von
DNA oder RNA geeignet ist.
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Das wechselnde D-L-Chiralitätsmotiv
ist dazu gedacht, die scheibenförmige
Konformation cyclischer homodeter Peptide zu stabilisieren, indem
die Energie der nach außen
orientierten Konformation der Aminosäureseitenkettengruppen gesenkt
wird. Bei der nach außen
orientierten Konformation sind Seitenkettengruppen der Aminosäurereste
senkrecht zu der Achse der Scheibe in einer radial nach außen weisenden
Richtung orientiert. Bei dieser Konformation orientiert eine Ausrichtung
der Aminosäureseitengruppen
ferner die Hauptkette-Carboxylgruppen und Hauptkette-Aminowasserstoffe
in einer hauptsächlich
axia len Richtung. Eine Ausrichtung der Hauptkette-Carboxylgruppen
und Hauptkette-Aminowasserstoffe in diese axiale Richtung prädisponiert
cyclische Peptide für
ein Übereinanderstapeln
in einer antiparallelen Weise zum Bilden von β-Faltblatt-Wasserstoffbindungen.
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Die Kinetik des Zusammenfügens und
Zerlegens eines cyclischen Peptides zum Ausbilden von Molekularrohren
kann durch die Auswahl von Aminosäureseitenkettengruppen gesteuert
wer den. Cyclische Peptide mit ionisierbaren Aminosäureseitenketten
zeigen eine pH-Wert-abhängige
Kinetik. Bei geladenen cyclischen Peptiden wurde gefunden, daß sie sich
einer Rohr-Zusammenfügung
widersetzen; bei neutralen cyclischen Peptiden wurde gefunden, daß sie eine
Rohr-Zusammenfügung
fördern.
Beispielsweise wurde bei cyclischen Peptiden mit Glutaminsäure gefunden,
daß sie
sich bei einem sauren pH-Wert spontan zu Molekularrohren zusammenfügen, sich
jedoch bei einem alkalischen pH-Wert einem Zusammenfügen zu Molekularrohren
widersetzen. Bei vor-zusammengefügten
Molekularrohren wurde gefunden, daß sie sich spontan zerlegen, wenn
der pH-Wert von einem sauren auf einen alkalischen pH-Wert erhöht wird.
Eine wohlüberlegte
Wahl von Aminosäureseitenketten
kann ein Packen oder eine Aggregation von Molekularrohren zum Bilden
von rohrförmigen
Bündeln
fördern.
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Vollständig oder größtenteils
aus hydrophoben Aminosäureresten
zusammengefügte
cyclische Peptide bilden in Lipiddoppelschichten Molekularrohre.
Derartige Molekularrohre können
sich durch eine Membran erstrecken und einen Ionen- oder Molekülkanal durch
eine derartige Membran zur Verfügung
stellen. Derartige Molekularrohre können in Abhängigkeit von der Kanalgröße des Rohres
zum Laden von Zellen oder Lipidvesikeln mit Ionen oder Molekülen aus
dem äußeren Vesikelraum
(extra-vesicular
space) verwendet werden. Transmembrane Molekularrohre können auch
kontrollierbar durchlässig
bzw. verschließbar
(gated) sein, um die Diffusion von Ionen und Molekülen durch
den Kanal zu steuern.
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Molekularrohre können mit ionischen oder molekularen
Ein schlüssen
in dem Kanalraum beladen sein. Wenn derartige Rohre mit einem Arzneimittel
beladen sind, können
die Rohre als eine Arzneimittel-Zuführung verwendet werden. Ein
Freisetzen des Arzneimittels aus den Molekularrohren kann durch
Diffusion oder durch eine Rohrzerlegung stattfinden.
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Molekularrohre können ferner verwendet werden,
um durch Zusammenfügung
und/oder Diffusion in dem Rohrkanal das kontrollierte Wachstum von
anorganischen Clustern, Halbleitern und Drähten auf atomarer Basis zu
vereinfachen, um Materialien mit neuen optischen und elektronischen
Eigenschaften herzustellen.
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Kurzbeschreibung der Zeichnungen:
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1 zeigt
eine schematische Darstellung eines selbstzusammengefügten Molekularrohre.
Es sind Hauptkette-Hauptkette-Wasserstoffbindungswechselwirkungen
gezeigt, jedoch sind die Aminosäureseitenketten
aus Gründen
der Übersichtlichkeit
fortgelassen. Der Innendurchmesser des Kanals ist durch die Ringgröße der cyclischen
Peptiduntereinheiten bestimmt.
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2 zeigt
ein Molekularrohr mit acht cyclischen Peptiden des Typs mit jeweils
acht hydrophoben Aminosäuren,
beispielsweise die cyclischen Peptide 5 und 6. Das Molekularrohr
durchzieht eine Lipiddoppelschicht, um einen Kanal, angedeutet durch
Pfeile, durch die Lipiddoppelschicht zu bilden.
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Die 3A–3C vergleichen die Kanalgröße von drei
unterschiedlichen, zum Aufbau von transmembranen Molekularrohren
verwendbaren cyclischen Peptiden. D und L bezeichnen die Chiralität der Aminosäurereste.
R1 und R2 sind Seitenketten
von hydrophoben Aminosäureresten
wie beispielsweise Val, Leu, Ile, Phe und Trp.
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3A zeigt
ein cyclischen Hexapetid mit einem Kanaldurchmesser von ungefähr 7 Å.
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3B zeigt
ein cyclisches Octapetid mit einem Kanaldurchmesser von ungefähr 10 Å.
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3C zeigt
ein cyclisches Dodecapeptid mit einem Kanaldurchmesser von ungefähr 15 Å.
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4 zeigt
eine Seitenansicht einer Kappen-Untereinheit (cap subunit), wie
beispielsweise das cyclische Peptid 7, und seine Wechselwirkungen
mit einer benachbarten cyclischen Peptiduntereinheit und dem umgebenden
Medium.
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5 zeigt
eine schematische Darstellung eines Molekularrohres mit einem kontrollierbar
durchlässigen
Kanal.
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6 zeigt
eine schematische Darstellung eines bidentalen (oben) und eines
tetradentalen kontrollierbar durchlässigen Kanals.
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7 zeigt
bevorzugte Liganden zur Verwendung bei dem Aufbau von ionen-kontrollierbar
durchlässigen
(ion-gated) Membrankanälen
und deren erwartete Metallionenselektivität.
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8 zeigt
einen bezüglich
eines Molekulartransports geschlossenen Membrankanal, vermittelt
durch [M(Im)4]n+-Komplexbildung.
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9A zeigt
die Struktur des cyclischen Peptides 1, d. h. ein cyclisches Peptid
mit acht Aminosäuren mit
der Aminosäuresequenz
cyclo[-(Gln-D-Ala-Glu-D-Ala)2-] (Sequenz
Nr.: 1).
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9B zeigt
ein Fragment eines Molekularrohrs mit vier cyclischen Peptiden vom
Typ 1.
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10 zeigt
die Struktur des cyclischen Peptides 2, d. h. ein cyclisches Peptid
mit acht Aminosäuren mit
der Aminosäuresequenz
cyclo[- Gln-D-Ala)4-] (Sequenz Nr.: 2).
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11 zeigt
die Struktur des cyclischen Peptides 3, d. h. ein cyclisches Peptid
mit acht Aminosäuren mit
der Amino-säuresequenz
cyclo[-(Gln-D-Leu)4-] (Sequenz Nr.: 3).
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12 zeigt
die Struktur des cyclischen Peptides 4, d. h. eines cyclisches Peptid
mit acht Aminosäuren
mit der Aminosäuresequenz
cyclo[-(Gln-D-Val)4-] (Sequenz Nr.: 4).
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13 zeigt
die Struktur des cyclischen Peptides 5, d. h. ein cyclisches Peptid
mit acht Aminosäuren der
Aminosäuresequenz
cyclo -(Phe-D-Leu)4-] (Sequenz Nr.: 5).
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14 zeigt
die Struktur des cyclischen Peptides 6, d. h. ein cyclisches Peptid
mit acht Aminosäuren mit
der Aminosäuresequenz
cyclo[-(Phe-D-Ala)4-] (Sequenz Nr.: 6).
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15 zeigt
die Struktur des cyclischen Peptides 7, d. h. ein cyclisches Peptid
mit acht Aminosäuren mit
der Aminosäuresequenz
cyclo[-(Phe-N(Me)Ala4-] (Sequenz Nr.: 7).
Das cyclische Peptid 7 ist ein terminales cyclisches Peptid, d.
h. es kann lediglich auf einer Seite der Scheibe Wasserstoffbrücken ausbilden
und beendet damit die Zusammenfügung
des Molekularrohres.
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16A zeigt
die Struktur des cyclischen Peptides 8, d. h. ein cyclisches Peptid
mit 12 Aminosäuren mit
der Aminosäuresequenz
cyclo[-(Gln-D-Ala-Glu-D-Ala)3-] (Sequenz
Nr.: 8).
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16B zeigt
ein Fragment eines Molekularrohres mit vier cyclischen Peptiden
vom Typ 8.
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17 zeigt
die Bindung über
Wasserstoffbrücken
bei aus cyclischen Peptiden 1 aufgebauten Molekularrohren. Bei einem
hohen pH-Wert benachteiligen unerwünschte elektrostatische Wechselwirkungen
und eine hohe Wasserlöslichkeit
intermolekulare Wechselwirkungen. Bei einem niedrigen pH-Wert begünstigen
sowohl spezielle intermolekulare Hauptkette-Hauptkette- und Seitenkette-Seitenkette-Wasserstoffbindungswechselwirkungen
als auch die geringe Wasserlöslichkeit
der Peptidmonomere die Bildung von Molekularrohrgefügen.
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Die 18A–18E sind mikroskopische Elektronenspektroskopie-
und Elektronenbeugungsbilder von cyclischen Peptidrohren.
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18A ist
ein Bild mit geringer Vergrößerung einer
Suspension von an einem Kohlenstoffträgerfilm adsorbierten cyclischen
Peptidrohrpartikeln, d. h. Rohraggregaten (Maßstabsbalken = 1 Mikrometer).
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18B ist
ein Low-Dose-Bild eines gefrorenen hydratisierten einzelnen Partikels
cyclischer Peptidrohre. Die Partikelabmessungen betragen ca. 86×1180 nm.
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18C ist
ein vergrößertes Bild
des umrandeten Bereiches in 18B,
das Längsstreifungen
mit einer Auflösung
von ungefähr
10 Å zeigt.
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18D ist
eine Längsstreifungen
von 14,9 Å zeigende
Bildkontrastverstärkung
von 18C, wobei die Längsstreifungen
eine Seite-an-Seite-Packung von cyclischen Peptidrohren in dem Partikel
darstellen (Maßstabsbalken
= 10 nm).
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18E zeigt
ein Elektronenbeugungsmuster, das an einem einzelnen Partikel cyclischer
Peptidrohre aufgenommen wurde und Ordnungen eines meridionalen Abstandes
von 14,92 Å und
eines axialen Abstandes von 4,73 Å zeigt. Axial erstreckt sich
das Bild schwach bis zu der dritten Ordnung (1,57 Å, Daten
nicht gezeigt) und zeigt, daß die
Partikel hochgeordnet und kristallin sind.
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Die 19A–19C zeigen Infrarotspektren
des Amid-I-Bereiches (bei einer Auflösung von 8 cm–1).
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19A zeigt
Infrarotspektren einer monomeren Peptiduntereinheit in D2O (4×10–3 M,
pD=10, untersucht bei gedämpfter
Totalreflexion (attenuated total reflectance)).
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19B zeigt
das Infrarotspektrum von Partikeln von zusammengefügten cyclischen
Peptidrohren (KBr-Pressling).
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19C zeigt
das FT-IR-Spektrum des N-H-Streckbereichs von Partikeln von cyclischen
Peptidrohren (KBr-Pressling). Die Komponentenpeaks werden durch
Entfaltung des Ursprungsspektrums mit der Einzelkomponente, gemischten
Lorentz- und Gaußfunktionen
unter Verwendung eines iterativen, linearen Kleinste-Quadrate-Algorithmus
("FIT", Galactic Industries
Corporation) erhalten.
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Die 20A und 20B zeigen ein dreidimensionales
Modell der selbstzusammengefügten
organischen Nanorohre, die sich bei kontrollierter Ansäuerung von
cyclo[-(D-Ala-Glu-D-Ala-Gln)2-] (Sequenz
Nr.: 1) als stabförmige
Kristalle ausbilden, wie es in den 18A und 18B gezeigt ist. Eine Ansicht
der Kristallpackung entlang der a-Achse ist in der 20A gezeigt. In der 20B ist eine Ansicht der Kristallpackung
entlang der c-Achse (unten) gezeigt. Die Elementarzelle ist durch
die durchgezogenen Linien und die lokale zweizählige Achse mit dem Sternchen
gekennzeichnet. Die Elementarzelle hat die Maße a=9,5 Å, b=c=15,1 Å und α=90°, β=γ=99°. Die Achse
des Rohres verläuft
entlang a (x).
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Die 21A und 20B zeigen ein dreidimensionales
Modell der selbstzusammengefügten
Nanorohre, die durch kontrollierte Ansäuerung von cyclo[-(Gln-D-Ala-Glu
D-Ala)3-] (Sequenz Nr.: 8) als stabförmige Kristalle
gebildet werden, wie es in der 23 gezeigt
ist. In der 21A ist
eine Ansicht der Kristallpackung entlang der a-Achse gezeigt (aus
Gründen
der Übersichtlichkeit
ist jedes Nanorohr lediglich durch das lokale zweizählige Dimer
dargestellt). In 21B ist
eine Ansicht der Kristallpackung entlang der c-Achse gezeigt. Die Elementarzelle
ist durch die gestrichelten Linien und die lokale zweizählige Achse
mit dem Sternchen gekennzeichnet. Die Elementarzelle hat die Maße a=9,6 Å, b=c=25,66 Å und α=120°, β=γ=99°. Die Positionen
der Seitenketten sind in diesem Modell willkürlich. Die Achse des Rohres
verläuft
entlang a (x).
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Die 22 zeigt
eine schematische Darstellung der bei dem Aufbau von selbstzusammengefügten Nanorohre
gemäß 21 verwendeten Strategie.
Bei geeigneten Bedingungen stapeln sich entsprechend aufgebaute
cyclische Peptiduntereinheiten und bilden über Wasserstoffbrücken gebundene
rohrförmige
Strukturen (aus Gründen
der Übersichtlichkeit
ist lediglich die Hauptkettenstruktur dargestellt). Die Ringgröße der Untereinheit
stellt den Innendurchmesser des rohrförmigen Gefüges ein. Die chemische Struktur
der Untereinheit ist oben rechts gezeigt (D oder L bezieht sich
auf die Aminosäurechiralität).
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Die 23A–23B zeigt links eine Elektronenmikroskopaufnahme
mit geringer Vergrößerung von
auf einem Kohlenstoffträgerfilm
adsorbierten Nanorohrsuspensionen gemäß 21 (Maßstabsbalken = 1 mm) und rechts
ein Low-Dose-Bild eines gefrorenen hydratisierten einzelnen Nanorohrpartikels.
Um ungefähr
25 Å voneinander
beabstandete Längsstreifungen
sind auf die Seite-an-Seite-Packung von Nanoröhren zurückzuführen.
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Die 24A und 24B zeigen Infrarotspektren
einer aus cyclo[-(Trp-D-Leu)3-Gln-D-Leu-]
(Sequenz Nr.: 9) gebildeten Membrankanalstruktur. A zeigt
ein Infrarotspektrum des Amid-I-Bereichs der Membrankanalstruktur
mit einer Auflösung
von 8 cm–1. B zeigt ein Infrarotspektrum des N-H-Streckbereichs
der Membrankanalstruktur mit einer Auflösung von 8 cm–1.
IR-Proben wurden durch die Hinzufügung von einer DMSO-Lösung des
Peptids zu gereinigten Liposomen (20 bis 50 Phospholipide pro Peptiduntereinheit),
gefolgt von einer Gelfiltration auf einer Sephadex G-25-Säule hergestellt
(für das
zum Herstellen der Liposomen verwendete Verfahren siehe Legende
von 3). Die Liposomen
wurden anschließend
auf eine CaF2-Scheibe aufgebracht und 30 Minuten im
Vakuum getrocknet. Cha rakteristische Absorptionen aufgrund des
Peptidkanalgefüges
sind in der Figur gekennzeichnet.
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25 zeigt
den der Zugabe der in 24 gezeigten
kanalbildenden Verbindungen folgenden Protonenausfluß. Der Protonenausfluß wird in
Form der fraktalen Änderung
der Fluoreszenz-Intensität
von in einem Vesikel eingeschlossenem 5(6)-Carboxyfluorescein als
eine Funktion der Zeit ausgedrückt
(die Abtastzeit lag bei Intervallen von 0,3 Sekunden). Bei jedem
Experiment wurden equimolare Mengen kanalbildender Verbindungen
verwendet, um direkte Vergleiche der kanalvermittelten Protonentransportaktivität zu ermöglichen.
Die Menge zugegebener kanalbildender Verbindungen reichte bei jedem
Experiment von 2 bis 20 nmol, entsprechend ungefähr 150 Kanäle pro Liposom bei den geringsten
Konzentrationen, bis 1100 Kanäle
pro Liposom bei der größten Menge
zugegebener Verbindungen.
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26 zeigt
eine kontinuierliche K+-Einzelkanalleitfähigkeitsmessung
von 140 Sekunden bei 50 mV der in 24 gezeigten
kanalbildenden Verbindungen. Geöffnet-Geschlossen-Übergänge zeigen Durchlaßmechanismen
(gating mechanisms), die eine strukturelle Flexibilität oder schnelles
Zusammenfügen/Zerlegen der
rohrförmigen
Membrankanalstrukturen wiedergeben können. Bei dem geöffneten
Zustand können
kurze und lange Kanalhalbwertszeiten bei Werten von t(kurz)=0,71 ± 0,03
ms und t(lang)=37,14 ± 8,99 ms (Gesamtzahl von
Ereignissen = 510) mit einer Gesamt-Geöffnet-Wahrscheinlichkeit P(O)
von 0,29 erkannt werden. Bei der Subphase betrug die Peptidkonzentration
1,0×10–7 M.
Wie es für
alle derartigen selbstzusammenfügenden
kanalbildenden Spezies erwartet wird, zeigen Halbwertszeiten offener
Kanäle
eine signifikante Abhängigkeit
von der Peptidkonzentration. Eine Erhöhung der zugefügten Peptidkonzentration
in der Subphase auf 2,0×10–5 M bedingt
Halbwertszeiten offener Kanäle
von >30 Sekunden.
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27B zeigt
eine schematische, die antiparallele Ringstapelung, das Vorhandensein
von ausgedehnten Wasserstoffbrückenbindungswechselwirkungen
zwischen den Untereinheiten und Seitenketten-Lipidwechselwirkungen
hervorhebende Darstellung der in einer Lipiddoppelschichtmembran
eingebetteten selbstzusammengefügten
rohrförmigen
transmembranen Kanalstruk tur (aus Gründen der Übersichtlichkeit sind die meisten
Seitenketten fortgelassen). Bei 27A ist
die chemische Struktur der Peptiduntereinheit, d. h. cyclo[-Gln-(D-Leu-Trp)4-D-Leu-]
(Sequenz Nr.: 9), von oben gezeigt (D- oder L- beziehen sich auf die Aminosäurechiralität).
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28 zeigt
hinsichtlich der in den 27A–27B gezeigten Kanalstruktur
eine schematische Darstellung eines kanalvermittelten Glucosetransportes
und die enzymgekoppelte, zum Überwachen
der Transportaktivität
verwendete Untersuchung. Eine Ausbildung einer (von) transmembranen
Porenstruktur(en) initiiert den Glucoseausfluß aus dem Liposom, was durch
Messen der Geschwindigkeit der NADPH-Erzeugung direkt gemessen werden
kann. Die verwendeten Enzyme und Cofaktoren sind hydrophil und können somit
die Lipidmembran passieren und sind zum Durchdringen der Kanalstruktur
zu groß.
Daher kann lediglich die freigesetzte Glucose an der enzymatischen
Reaktion teilnehmen.
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29 zeigt
den der Zugabe von verschiedenen Mengen der kanalbildenden Peptide
gemäß der 27A–27B folgenden
Glucoseausfluß,
wobei nicht ausgefüllte
Kreise 15,0×10–6 M
darstellen; ausgefüllte Kreise
11,0×10–6 M,
nicht ausgefüllte
Dreiecke 7,5×10–6 M;
ausgefüllte
Dreiecke 5,6×10–6 M
und nicht ausgefüllte
Rhomben 3,8×10–6 M
darstellen. Der Ausfluß ist
in Form der Menge freigesetzter Glucose als eine Funktion der Zeit
ausgedrückt
(gemessen in Intervallen von 90 Sekunden). Die bei dieser Untersuchung
verwendeten großen
unilaminaren Vesikel enthielten 200 mM D-Glucose. Sämtliche
Kurven sind hintergrundkorrigiert, um alle Beiträge der nicht-spezifischen Glucoseausströmung aus
den Liposomen zu entfernen.
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Detaillierte Beschreibung
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Selbstzusammengefügtes Nanorohr
mit einer Pore von 7 bis 8 Å:
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Es wird die Gestaltung, die Synthese
und die Charakterisierung eines Molekularrohres, d. h. eines cyclischen
Peptidrohres oder "organischen
Nanorohres" beschrieben.
Eine zweck mäßig gestaltete
Peptidringstruktur mit 24 Ringgliedern kann aufgebaut werden und
es kann gezeigt werden, daß diese
eine protonengesteuerte Selbstzusammenfügung eingeht, um hunderte von
Nanometern lange rohrförmige
Strukturen mit einem inneren van-der-Waals-Durchmesser von 7 bis
8 Å zu
bilden. Die Ausbildung von rohrförmigen Strukturen
wird mit der Elektronenmikroskopie (EM), Elektronenbeugungsuntersuchungen
und Fourier-Transformation
Infrarotspektroskopie (FT-IR) festgestellt. Ein mit den experimentellen
Beobachtungen übereinstimmendes
dreidimensionales Modell des Molekularrohres ist ebenso gezeigt.
Im Gegensatz zu den unlängst identifizierten
geschlossenen konzentrischen Graphitrohren sind cyclische Peptidrohre
aufgrund der cyclischen Natur ihrer Komponenten offene Strukturen
und weisen eine einheitliche Form und einen einheitlichen Innendurchmesser
auf, siehe beispielsweise Tsang, S.C. et al. (1993), Nature 362,
520–522
und Ajayan, P. M. et al. (1993), Nature 362, 522–525 (1993). Der hier beschriebene
Prozess der protonengesteuerten Selbstzusammenfügung ist ein hoch konvergenter
Vorgang, bei dem zahlreiche ringförmige Peptiduntereinheiten
zum Ausbilden von Molekularrohrstrukturen über ein weitläufiges Netzwerk
von Wasserstoffbindungen wechselwirken. Beispiel 1 weist ein cyclisches
Peptid mit 8 Resten mit der folgenden Sequenz auf: cyclo[-(D-Ala-Glu-D-Ala-Gln)2-] (Sequenz Nr.: 1). Bei dem Gestalten der
Untereinheit zeigt sich, daß cyclische Peptide
mit einer geraden Anzahl von sich wiederholenden D- und L-Aminosäuren eine
ringförmige
ebene Konformation mit geringer Energie annehmen können, bei
welcher alle Hauptketten-Amidfunktionalitäten ungefähr senkrecht zu der Ebene der
Struktur liegen. Bei dieser Konformation können Untereinheiten in einer antiparallelen
Weise gestapelt sein und an einer intermolekularen Hauptkette-Hauptkette-Wasserstoffbrückenbindung
teilhaben, um eine durchgehende β-Faltblattstruktur
zu schaffen. Darüber
hinaus müssen
Peptidseitenketten aufgrund der abwechselnden D- und L-Aminosäuresequenz
an der Außenseite
des Gefüges
liegen, wodurch die erwünschte
hohle rohrförmige
Kernstruktur erzeugt wird. Bei dem vorliegenden Beispiel wird der Ionisationszustand
der Glutaminsäure-Seitenkettenfunktionalität als der
Steuermechanismus für
die Initiierung der in wässrigen
Lösungen
durchgeführten
Selbstzusammenfügung
und Selbstzerlegung genutzt. Bei einem alkalischen pH-Wert verhindern
die starken abstoßenden
intermolekularen elektrostatischen Wechselwirkungen zwischen den
negativ geladenen Carboxylat-Seitenketten eine Ringstapelung und
begünstigen
gleichzeitig die Auflösung
der Peptiduntereinheit in wässrigen
Medien. Bei einer Protonierung der Carboxylatteile verschwinden
jedoch nicht nur die ungünstigen
intermolekularen elektrostatischen Wechselwirkungen, sondern es
werden eine Mehrzahl von anziehenden Seitenkette-Seitenkette-Wasserstoffbrückenbindungswechselwirkungen
wirksam. Ferner zeigt die Peptiduntereinheit bei einem sauren pH-Wert
eine geringere Löslichkeit
in wässrigen
Medien. Dies trägt
ferner zu einem geordneten Phasenübergang zu selbstzusammengefügten Partikeln
cyclischer Peptidrohre bei. Da Wasserstoffbrückenbindungswechselwirkungen
die Haupttriebkraft bei dem Zusammenfügungsprozess sind und in Anbetracht
dessen, daß die
Peptiduntereinheiten lediglich in der gestapelten Konfiguration
die höchstmögliche Anzahl
von Wasserstoffbrückenbindungsstellen
ausbilden, wird somit geschlußfolgert,
daß die
Protonierung der Carboxylatteile das System stark zugunsten der
Selbstzusammenfügung
beeinflußt.
-
Es wird eine kontrollierte Ansäuerung von
alkalischen Peptidlösungen
zum Steuern einer spontanen Selbstzusammenfügung von Peptiduntereinheiten
zu stabförmigen
Kristallen beschrieben, wie sie in den 18A und 18B gezeigt
sind. Eine Transmissionselektronenmikroskopie zeigt, daß jeder
Partikel in einem Bündel
von hunderten dicht gepackter cyclischer Peptidrohre organisiert
ist. Low-Dose-Kryo-Mikroskopie der Partikel zeigt, wie erwartet,
Längsstreifungen
mit einem Abstand von 14,9 Å entlang
der Längsachse
des Kristalls für
den Mittelpunkt-Mittelpunkt-Abstand bei dicht gepackten cyclischen
Peptidrohren, wie dies in den 18C und 18D gezeigt ist. Wie es in 18E gezeigt ist, zeigen
Elektronenbeugungsmuster eine axiale Periodizität von 4,73 Å, was zeigt, daß jedes
cyclische Peptidrohr aus gestapelten Ringen mit Abständen zwischen
den Untereinheiten aufgebaut ist, wobei die Abstände einer idealen antiparallelen β-Faltblattstruktur
ent sprechenden, was in 9B gezeigt
ist, siehe beispielsweise Salemme, F. R. (1983) Prog. Biophys. Molec. Biol.
42, 52–133
und Stickle, D. F. et al. (1992), J. Mol. Biol. 226, 1143–1159. In
Anbetracht der feinen Stabform der Kristalle – durchschnittlich 10 bis 30
Mikrometer lang bei einer Breite von 100 bis 500 Nanometer – ist es berechtigt,
anzunehmen, daß Kristalle
auf dem tragenden EM-Kohlenstofffilm entlang der Längsachse
und entweder auf der ab- oder ac-Fläche liegen würden. Jedoch
zeigen sämtliche
mikroskopischen Aufnahmen und Beugungsmuster ähnliche Beugungsintensitäten und
nahezu identische Gitter. Dies legt nahe, daß die a- und b-Achsen innerhalb
des experimentellen Fehlers gleich groß sind. Angesichts der hochsymmetrischen
Natur des Octapeptids scheint es vernünftig, daß die Ähnlichkeit der Ansichten die
Symmetrie des Moleküls
wiedergibt. Elektronenbeugungsmuster zeigten eine Elementarzelle
mit einem meridionalen Abstand von 14,92 ± 0,08 Å und einen axialen Abstand
von 4,73 ± 0,02 Å bei einem
Winkel von 99,2 ± 0,5°. Die Beugungsmuster zeigten
keine Symmetrie außer
dem Symmetriezentrum gemäß dem Friedel-Gesetz.
Die Muster dehnten sich über
1,5 Å und
gelegentlich über
1,2 Å,
was anzeigt, daß die
Kristalle hochgradig geordnet sind. In Anbetracht der oben genannten
Beobachtungen folgt, daß das
Gitter trigonal mit a=4,73 Å,
b=C=15,1 Å, α=90° und β=γ=99° ist. Obgleich
viele Konformere bei Verwendung von sinnvollen Peptidhauptkettenwinkeln ϕ, φ möglich sind,
entspricht lediglich eines dem durch die Elementarzelle definierten
Kasten, nämlich
die scheibenförmige ebene
Konformation, bei der sich sämtliche
Seitenketten nach außen
in die Ebene der Scheibe erstrecken. Andere Konformationen bilden
Falten und die unregelmäßige Lage
der Seitenketten und die Hauptkettenkonformation verhindern aufgrund
hindernder van-der-Waals-Kontakte die Packung von Peptiduntereinheiten
innerhalb von 4,7 Å.
Die einzige Möglichkeit,
zwei Peptide innerhalb von 4,7 Å zu
packen ist die, daß die
Carbonylfunktionalitäten
der Hauptkette intermolekulare Wasserstoffbrückenbindungen zu den Stickstoff-Amidteilen der gegenüberliegenden
Kette bilden und daß die
Seitenketten in der Ebene der Peptidhauptkette angeordnet werden,
um ungünstige
sterische Seitenkette-Seitenkette-Wechsel wirkungen zu vermeiden.
Aufgrund der Verwendung von abwechselnden D- und L-Aminosäureresten
bilden sich ferner die am meisten bevorzugten intermolekularen Wasserstoffbrückenbindungen,
wenn die Scheiben in einer antiparallelen Weise übereinander gestapelt werden,
was eine lokale zweizählige
Symmetrie begründet,
wie dies in 20 gezeigt
ist. Das auf diesem Wege unter Verwendung des Programmes XtalView,
beschrieben von McRee, D. E. (1992) J. Mol. Graphics 10, 44–46, gebildete
Modell weist Elementarzellen auf, die auf den ersten Blick doppelt
so groß – 9,5 × 15,1 × 15,1 – erscheinen
mögen,
was einen Abstand von 9,4 Å bei
dem Beugungsmuster erfordern würde. Wenn
Beugungsmuster jedoch berechnet werden, scheidet jedes andere Level
von h aufgrund der Pseudo-Symmetrie des Dimers aus. D. h. das der
umgeklappte Ring dem nicht umgeklappten Ring nahezu entspricht.
Es wurden verschiedene andere Packungen ausprobiert, jedoch konnte
keine erfolgreich ein dreidimensionales Gitter ohne räumliche Überlappungen
ausbilden und mit dem durch die Elektronenbeugungsmuster angegebenen
Abstand übereinstimmen.
Es wurden ferner Zellen in Betracht gezogen, bei denen die lokale Zweizähligkeit
des Dimers kristallographisch ist, jedoch konnte dann entweder das
Gitter nicht modelliert werden, oder das Beugungsmuster mußte eine
Spiegelebene aufweisen, welche natürlich nicht beobachtet wird. Eine
weitere Möglichkeit
ist es, in Betracht zu ziehen, daß das beobachtete Beugungsmuster
eine Diagonale des Gitters anstelle einer Hauptachse zeigt. Dies
kann einfach ausgeschlossen werden, da dies eine wesentlich kleinere
Elementarzelle erfordert. Es sollte darauf hingewiesen werden, daß das Volumen
der Elementarzelle bei unserem vorgeschlagenen Modell gerade groß genug
ist, das Octapeptid zu beinhalten, und sämtliche kleineren Elementarzellen
können
die vollständige
Masse des Octapeptides physikalisch nicht aufnehmen. Daher muß das beobachtete
Elektronenbeugungsmuster auf die Hauptachse zurückzuführen sein. Schließlich wurde
das Kristallmodell unter Verwendung von XPLOR, einem von Brunger,
A. T. et al. (1987) Science 235, 485 (Moleküldynamikberechnungen an dem
dreidimensionalen Kristallgitter) beschriebenen Programm auf Fehlstellen
geprüft.
Es wurden keine Fehlstellen gefunden und die Gesamtenergie des Modells
war gering. Am wichtigsten ist, daß bei Verwendung des dreidimensionalen
Modells zum Berechnen von Strukturfaktoren die erhaltenen Muster
beim Vergleich mit den Elektronenbeugungsmustern sehr günstig waren,
womit die Effektivität
des vorgeschlagenen Modells stark gestützt wurde.
-
Eine Beteiligung von intermolekularen
Wasserstoffbrückenbindungsnetzwerken
bei der Zusammenfügung
eines Rohres ergibt sich auch aus FT-IR-Spektroskopieanalysen19, 19A–19C. In alkalischen Lösungen zeigt
die monomere Peptiduntereinheit in Übereinstimmung mit der cyclischen
Struktur der Hauptkette eine Amid-I-Bande bei 1632 cm–1.
Darüber
hinaus sind die Banden bei 1568 und 1670 cm–1 typische
Carbonyl-Streckfrequenzen von Glutamat- bzw. Glutaminseitenkettenfunktionalitäten in Lösung. Jedoch
zeigen cyclische Peptidrohre bei der Selbstzusammenfügung charakteristische
Merkmale einer über
Wasserstoffbrückenbindungen
gebundenen β-Faltblattstruktur.
Nicht nur das Auftreten von Amid-I-Banden bei 1628 und 1688 cm–1 und
der Amid-II-Bande
bei 1540 cm–1 steht
im Einklang mit der erwarteten Hauptkettenstruktur, sondern auch
die beobachtete NH-Streckfrequenz bei 3277 cm–1 unterstützt die
Bildung eines dichten Netzwerkes von Hauptkette-Hauptkette-Wasserstoffbrückenbindungen
stark. Angesichts der starken Hauptkette-Hauptkette-Wechselwirkungen
zwischen den Untereinheiten, ermittelt durch die oben genannten
Analysen der Elektronenbeugungsmuster, ist es möglich, Krimms Korrelation zum
Abschätzen
des intermolekularen Wasserstoffbrückenbindungsabstandes aus der
beobachteten Frequenz der N-H-Streckschwingung zu verwenden, siehe beispielsweise
Krimm, S. et al., in Advances in Protein Chemistry (Editoren Anfinsen,
C. B., Edsall, J. T. und Richards, F. M.) 181–364 (Academic Press, Orlando,
1986). Die beobachtete Frequenz der NH-Streckschwingung korreliert
ungefähr
mit einem durchschnittlichen N-O-Abstand zwischen den Untereinheiten
von 2,85 Å oder
einem Abstand zwischen den Untereinheiten von 4,71 Å. Dieser
Wert weist eine gute Übereinstimmung mit
dem aus Elektronenbeugungsmustern erhaltenen Wert von 4,73 Å auf. Es
ist bemerkenswert, daß das IR-Spektrum
der cyclischen Peptidrohre ferner den für Gramicidin A – einem
natürlich
vorkommenden linearen Peptid aus hydrophoben Aminosäuren mit
abwech selnder D- und L-Konfiguration, von dem bekannt ist, daß es dimere β-helikale
transmembrane Ionenkanalstrukturen ausbildet – berichteten sehr ähnlich ist,
siehe beispielsweise Wallace, B. A. et al. (1988), Science 241,
182–187
und Langs, D. A. (1988), Science 241, 188–191. Gramicidin A weist in Übereinstimmung
mit Naik, V. M. et al. (1986), Biophys. J. 49, 1147–1154 Amid-I-Banden bei
1630, 1685 cm–1,
eine Amid-II-Bande bei 1539 cm–1 und eine NH-Streckfrequenz
bei 3285 cm–1 auf.
-
Zusammenfassend gesagt wird ein Beispiel
einer neuen Klasse von synthetischen rohrförmigen Materialien beschrieben.
Die beschriebene allgemeine Strategie soll die Gestaltung und die
Synthese einer großen
Auswahl von rohrförmigen
Strukturen mit speziellen Innendurchmessern und Oberflächencharakteristika ermöglichen.
Die Verfügbarkeit
einer derartigen einfachen Strategie für die Gestaltung von offenen
rohrförmigen
Strukturen sollte sich zweifelsfrei für einen weiten Bereich von
Anwendern eignen, siehe beispielsweise Whitesides, G. M. et al.
(1991), Science 254, 1312–1319
und Ozin, G. A. (1992) Adv. Mater. 4, 612–649. Derartige rohrförmige Materialien
können
gestaltet werden, um biologische Kanäle und biologische Porenstrukturen
nachzuahmen, können
zum Untersuchen physikalischer und chemikalischer Eigenschaften
von eingeschlossenen Molekülen
verwendet werden, zum Steuern des Wachstums und der Eigenschaft
von anorganischen und metallischen Clustern oder zum Gestalten neuer
optischer und elektronischer Einrichtungen.
-
Verwendung eines Nanorohres
als Träger:
-
Die in Beispiel 1 beschriebenen cyclischen
Peptidrohre können
in der Gegenwart von Wasserstoffperoxid zusammengefügt werden.
Nach der Zusammenfügung
des Rohres und der Partikelbildung wird die Mischung zentrifugiert,
um die Partikel zu pelletisieren. Die pelletisierten Partikel werden
bei einem weiteren Zentrifugierungsschritt gewaschen und anschließend mit
den Reagenzien eines zum Testen auf das Vorhandensein von Wasserstoffperoxid
gestalteten Biolumineszenz-Assays kombiniert. Es wird beobachtet,
daß die Biolumineszenz
auf die pelletierten Fraktion beschränkt ist. Dies zeigt, daß die cyclischen
Peptidrohre Wasserstoffperoxid in ihrem Kanalbereich einschließen können, daß aber das
Wasserstoffperoxid langsam durch Diffusion aus einem derartigen
Kanalbereich in die umgebenden Medien ausfließt.
-
Selbstzusammengefügtes Nanorohr
mit einer Pore von 13 Å:
-
Die Porengröße von selbstzusammengefügten organischen
Nanorohren kann mittels der Ringgröße der verwendeten Peptiduntereinheit
einfach eingestellt werden. Der Innendurchmesser der Nanorohrgefüge kann
genau gesteuert werden, indem einfach die Ringgröße der verwendeten Peptiduntereinheit
eingestellt wird. Es wurde eine cyclische Peptidstruktur mit 12
Resten, d. h. die cyclische Peptiduntereinheit mit 36 Ringgliedern
cyclo[-(Gln-D-Ala-Glu-D-Ala)3-] (Sequenz
Nr.: 8), gestaltet und es wurde gezeigt, daß diese einen protoneninduzierten
Selbstzusammenfügungsprozess
eingeht, um hoch geordnete rohrförmige
Nanoobjekte mit einem gleichförmigen
inneren van-der-Waals-Durchmesser
von 13 Å zu
erzeugen. Diese Nanorohre wurden durch IR-Spektroskopie, Low-Dose-Elektronenmikroskopie
und die Analyse von Elektronenbeugungsmustern charakterisiert. Es
wird angenommen, daß die
Fähigkeit,
rohrförmige
Nanostrukturen mit spezieller Größe gestalten
zu können,
wichtige Anwendungen bei Katalysen, der Einschlußchemie und der molekularen
Elektronik finden wird. Die Ausbildung von rohrförmigen Strukturen wird durch
die hochauflösende
Abbildung unter Verwendung der Kryo-Elektronenmikroskopie, der Elektronenbeugung,
der Fourier-Transformations-Infrarotspektroskopie
und dem Molecular Modeling unterstützt.
-
Gemäß den beschriebenen Gestaltungsprinzipien
können
cyclische Peptidstrukturen, die aus einer geraden Anzahl von sich
wiederholenden bzw. wechselnden D- und L-Aminosäureresten aufgebaut sind, eine ebene
ringförmige
Konformation annehmen, bei welcher sämtliche Hauptkette-Amidfunktionalitäten ungefähr senkrecht
zu der Ebene der Ringstruktur liegen. Bei dieser Konformation können die
Peptiduntereinheiten unter bevorzugten Bedingungen zum Bereitstellen
einer durchgehenden, mit Wasserstoffbrückenbindungen verbundenen hohlen
rohrförmigen
Struktur gestapelt werden (22).
Der Innendurchmesser des Nano rohrgefüges kann im Prinzip nach Maß gestaltet
werden, indem die Ringgröße der verwendeten
Peptiduntereinheiten eingestellt wird. Bei dieser Untersuchung wird
die peptidbasierte Nanorohrstruktur mit dem größten bis jetzt unter Verwendung
der folgenden Ringpeptiduntereinheit mit 36 Ringgliedern cyclo[(Gln-D-Ala-Glu-D-Ala)3-] aufgebauten Porendurchmesser beschrieben.
Die bei dieser Untersuchung verwendeten Gestaltungsprinzipien und
die Selbstzusammenfügungsstrategie
sind der zuvor beschriebenen ähnlich1. Die erforderliche Peptiduntereinheit wurde
gemäß dem Verfahren
von P. Rovero et al. (Tetrahedron Lett., (1991), Ausgabe 32, Seiten 2639–2642) auf
einem Feststoffträger
synthetisiert und durch Massenspektroskopie und 1H-NMR-Spektroskopie
charakterisiert. Eine kontrollierte Ansäuerung von alkalischen Lösungen der
Peptiduntereinheit lieferte beim Stehenlassen stabförmiges kristallines
Material, wie es oben angegeben ist. Die Transmissionselektronenmikroskopie
zeigte, daß jeder
Partikel ein organisiertes Bündel
von dicht gepackten Nanorohren ist (23A–23B). Low-Dose-Kryo-Mikroskopie gemäß dem Verfahren
von M. Adrian et al. (Nature (1984), Ausgabe 308, Seiten 32–36) und
R.A. Milligan et al. (Ultramicroscopy (1984), Ausgabe 13, Seiten
1–10)
zeigte Längsstreifungen
mit einem Abstand von ungefähr
25 Å,
wie es für
den Mittelpunkt-Mittelpunkt-Abstand bei dicht gepackten Nanorohren
erwartet wird (23A–23B). Elektronenbeugungsmuster
zeigen axiale Abstände
von 4,80 Å,
was mit der Peptidstapelung und der Bildung eines dichten Netzwerkes
von mit Wasserstoffbrückenbindungen
verbundenen Strukturen vom Typ β-Faltblatt übereinstimmt.
Der Meridionalabstand bei den Elektronenbeugungsmustern zeigt einen
Abstand von 12,67 ± 0,06 Å und 21,94 ± 0,05 Å, was charakteristisch für eine hexagonale
raumzentrierte Packung von Nanorohren ist. Ein aus der dichten Packung
von Zylindern mit einem Radius r resultierendes hexagonales Gitter
zeigt die beiden charakteristischen Hauptebenen des Gitters mit
einem Radius r und r, entsprechend den hier beobachteten (r=12,67 Å und r=21,94 Å). Die
Periodizität
bei dieser Packung erzeugt Beugungspunkte bei 1/r, 2/r und so weiter,
und bei 1/r und 2/r und so weiter. Die beobachteten Elektronenbeugungsmuster
auf den Meridionalachsen erstrecken sich bis zu Reflexionen dritter
Ordnung (4,1 Å),
was den geordneten und kristallinen Zustand der Nanorohrpartikel
andeutet. Die Beugungsmuster zeigten ferner eine Elementarzelle
mit einem Winkel von 99° und
keiner anderen Symmetrie als dem Symmetriezentrum nach Fiedels Gesetz.
-
Ein dreidimensionales Modell der
Nanorohrstruktur wurde unter Verwendung der aus den Elektronenbeugungsmustern
erhaltenen Parametern gebildet – Elementarzelle
mit a=9,6 Å (2×4,80 Å bei dem
antiparallelen Dimer), b=c=25,66 Å (2×12,67÷Cos9), α=120° und β=γ=99°. Das Modell zeigte Strukturfaktoren,
die den bei der Elektronenbeugung beobachteten Mustern ähnlich sind,
womit das vorgeschlagene dreidimensionale Modell unterstützt wird.
Eine Beteiligung eines intermolekularen Wasserstoffbrückenbindungsnetzwerkes
bei der Rohrzusammenfügung
wird auch durch eine FT-IR-Spektroskopieanalyse gemäß dem Verfahren
von S. Krimm et al. (Advances in Protein Chemistry; Anfinsen, C.
B., Edsall, J. T.; Richards, F. M. Eds.; Academic Press: Orlando,
1986, Seiten 181–364)
gestützt.
Nanorohre zeigen charakteristische IR-Merkmale einer β-Faltblattstruktur,
was nicht nur durch die Amid-I-Banden bei 1626 cm–1 und
1674 cm–1 und
einer Amid-II-Bande bei 1526 cm–1 angedeutet
wird, sondern auch durch die beobachtete NH-Streckfrequenz bei 3291
cm–1,
was die Ausbildung eines dichten Netzwerkes von Wasserstoffbrückenbindungen
stützt.
Das IR-Spektrum ist dem anderer Nanorohre sehr ähnlich und ähnelt stark dem von kristallinem
Gramicidin A, von dem bekannt ist, daß es dimere β-helikale
Strukturen ausbildet. Gramicidin A weist Amid-I-Banden bei 1630,
1685 cm–1,
eine Amid-II-Bande bei 1539 cm–1 und eine NH-Streckfrequenz bei
3285 cm–1 auf
(V. M. Naik et al. in Biophys. J. (1986), Ausgabe 49, Seiten 1147–1154).
Die beobachtete Frequenz der NH-Streckschwingung korreliert mit einem
durchschnittlichen Abstand zwischen den Untereinheiten von 4,76 Å, was in
guter Übereinstimmung
mit dem Wert von 4,80 Å ist,
der unabhängig
aus den Elektronbeugungsmustern erhalten wurde.
-
Künstliche transmembrane Ionenkanäle aus selbstzusammenfügenden Peptidnanorohren:
-
Künstliche
Membranionenkanäle
können
unter Verwendung einer selbstzusammengefügten zylindrischen β-Faltblatt-Peptidarchitektur
aufgebaut werden. Der beschriebene Aufbau zeigt eine effiziente
kanalvermittelte Ionentransportaktivität mit Geschwindigkeiten von
mehr als 107 Ionen/Sekunde–1,
was den Geschwindigkeiten von vielen natürlich vorkommenden Gegenstücken gleichkommt.
von derartigen Molekularanordnungen wird angenommen, daß sie eine
potentielle Anwendung bei der Gestaltung von neuen cytotoxischen
Reagenzien, Membrantransportmitteln und Arzneimittel-Zuführungssystemen
haben.
-
Gemäß den hier beschriebenen Gestaltungsprinzipien
können
cyclische Peptidstrukturen, die aus einer geraden Anzahl von sich
wiederholenden D- und L-Aminosäureresten
aufgebaut sind, eine ebene Ringkonformation annehmen und sich unter
bevorzugten Bedingungen stapeln, um eine durchgehende hohle über Wasserstoffbrückenbindungen
gebundene rohrförmige
Struktur zu liefern. Daher wäre
ein Gefüge
aus acht bis zehn Untereinheiten, jeweils getrennt durch den erwarteten
Abstand zwischen den Untereinheiten von 4,7 bis 5,0 Å und mit
entsprechenden hydrophoben Oberflächenresten ausgestattet, lang
genug, sich durch die Dicke von durchschnittlichen biologischen
Lipidmembranen zu erstrecken (2).
Das cyclische Peptid mit acht Resten cyclo[-(Trp-D-Leu)3-Gln-D-Leu-]
(Sequenz Nr.: 9) wurde für
den vorliegenden Fall gestaltet. Es besteht, mit Ausnahme von einem
L-Glutamin-Rest, der hauptsächlich
zur Vereinfachung der Peptidsynthese eingeführt wurde, aus sich wiederholenden
L-Tryptophan- und D-Leucin-Seitenkettenteilen. Es ist gezeigt, daß sich die
Kanalstrukturen mit einer wasserhaltigen Pore mit einem Durchmesser
von ungefähr
7,5 Å bei
Aufnahme einer ausreichenden Konzentration des Peptidmonomers in
die Lipiddoppelschichten spontan ausbilden würden. Die Triebkraft für die Selbstzusammenfügung der
Kanalstruktur wird primär
durch den Enthalpiebeitrag einer großen Anzahl von Wasserstoffbrückenbindungswechselwirkungen
zur Verfügung
gestellt, die in dem Medium der Lipiddoppelschichten mit geringer
Dielektrizitätskonstante
bevorzugt sind, und durch die Zunahme der aus den Seitekette-Lipid-Wechselwirkungen
hervorgehenden Entropie der Lipidkette (siehe D.M. Engelman et al.
in Cell (1981), Ausgabe 23, Seiten 411–422; L.C. Allen in Proc. Natl.
Acad. Sci. USA (1975), Ausgabe 72, Seiten 4701–4705 und D.M. Engelman in
Annu. Rev. Biophys. Chem. (1986), Ausgabe 15, Seiten 321–353). Kurz
gesagt, es ist gezeigt, daß das
gestaltete ebene ringförmige
cyclische Peptid nicht nur strukturell für eine intermolekulare Wechselwirkung
prädisponiert
ist, sondern auch energetisch für
ein Selbstzusammenfügen
in der Lipiddoppelschicht-Umgebung zum Ausbilden der gewünschten
transmembranen Kanalstruktur bevorzugt ist. Die folgenden, eine
Vielzahl von spektroskopischen Techniken, Modellsystemen für Lipidvesikel
und Einzelion-Kanalaufzeichnungen verwendenden Studien stützen die
Gültigkeit
der weiter oben aufgestellten Hypothese.
-
Eine Zugabe der Peptiduntereinheit
zu wässrigen
Lipidsuspensionen bewirkt eine rasche Verteilung der Untereinheit
in die Lipiddoppelschichten und seine spontane Selbstzusammenfügung zu
ionentransport-fähigen
Membrankanalstrukturen. Eine Aufnahme der Peptiduntereinheit in
Lipiddoppelschichten unter Verwendung großer unilaminarer Vesikel wurde
mit Absorptions- und
Fluoreszenzspektroskopie nachgewiesen. Eine Bildung der mit Wasserstoffbrückenbindungen
gebundenen transmembranen Kanalstruktur in Phosphatidylcholin-Liposomen
wurde durch FT-IR-Spektroskopie
gestützt
(24). Die beobachtete
Amid-I-Bande bei
1624 cm–1 ist
den in anderen hier beschriebenen Nanorohrstrukturen gefundenen
Carbonyl-Streckfrequenzen nicht nur ähnlich, sondern stimmt auch
mit dem Infrarotspektrum von Gramicidin A in ähnlichen Lipiddoppelschichten überein (E.
Nabedryk et al. in Biophys. J. (1982), Ausgabe 38, Seiten 243–249). Darüber hinaus stützt die
bei 3272 cm–1 beobachtete
N-H-Streckfrequenz
stark die Ausbildung eines dichten Netzwerkes von Wasserstoffbrückenbindungen
mit einem durchschnittlichen Abstand von 4,7 Å zwischen den Untereinheiten.
-
Eine Ausbildung von transmembranen
Kanälen
wurde ferner anhand ihrer hocheffizienten Protonentransportaktivität vermutet.
Es wurden Vesikel mit einem pH-Wert von 6,5 im Inneren und 5,5 in
der äußeren Gesamtlösung hergestellt.
Bei der Bildung der vermeintlichen transmembranen Kanalstruktur
wurde der Zusammenbruch des aufgezwungenen pH-Gradienten in diesen
Vesi keln durch eine Überwachung
der Fluoreszenzintensität
eines eingeschlossenen pH-sensitiven Farbstoffes untersucht (V.E.
Carmichael et al., in J. Am. Chem. Soc. (1989), Ausgabe 111, Seiten
767–769).
Wie es in der 25 gezeigt
ist, bewirkt eine Zugabe des Peptides zu derartigen Vesikelsuspensionen
einen raschen Zusammenbruch des pH-Gradienten. Unilaminare Vesikel
wurden mit der Umkehrphasen-Verdampfung (reverse-phase evaporation)
unter Verwendung von DPPC, OPPC und Cholesterol in einem Verhältnis von
1:1:2 in einer Lösung
mit 5(6)-Carboxyfluorescin (20 mM in einem Phosphat/Salz-Puffer:
137 mM NaCl, 2,6 mM KCl, 6,4 mM Na2HPO4, 1,4 mM KH2PO4, pH=6,5) gemäß dem Verfahren von F. Szoka
et al. in Proc. Natl: Acad. Sci. USA (1978), Ausgabe 75, Seiten
4194–4198 hergestellt.
Die Liposomen wurden anschließend
durch mehrfache Extrusion durch Nucleopore®-Polycarbonatmembranen
der Größe nach
aufgeteilt (10 Mal, 50 Psi, Verwendung von 0,8 und 2×0,4 Mikrometer
Filter-Stocks) und das freigesetzte 5(6)-Carboxyfluorescin wurde
mit Größenausschlusschromatografie
(Sephadex G-25-Säule
1×30 cm)
unter Verwendung des gleichen Phosphat/Salz-Puffers gemäß dem Verfahren
von F. Olson et al. in Biochim. Biophys. Acta (1979), Ausgabe 557,
Seiten 9–23
entfernt. Die auf diesem Wege gebildeten Vesikel wiesen einen Durchmesser
von ungefähr
150 Nanometern auf, wie es mit Elektronenmikroskopie ermittelt wurde
(R.R.C. New, Editor, Liposomes, Oxford University Press, 1990).
Bei jedem Versuch wurden 70 ml der Vesikel-Vorratslösung (3,5×10–3 M
an Phospholipiden) zu einem Puffer mit einem pH-Wert von 5,5 (1,3
ml, 137 mM NaCl, 2,6 mM KCl, 6,4 Na2HPO4, 1,4 KH2PO4) gegeben und in eine Quarzküvette von
1 cm in einem wärmeisolierten
Rührprobenhalter
des Fluoreszenzinstrumentes angeordnet und bei mäßigem Rühren 15 Minuten bei 25°C equilibriert.
Durch einen Einspritzkanal wurden 25 ml der kanalbildenden Komponenten
in DMSO in die Küvette
gegeben, während
die Fluoreszenz bei 520 nm (Anregung bei 470 nm) ständig überwacht
wurde. Die erhaltenden Daten wurden anschließend zum Vergleich in die anteilige Änderung
der Fluoreszenz (fractional change in fluorescence) normalisiert
((I0–I1)/(I0–I∞))
(V.E. Carmichael et al., in J. Am. Chem. Soc. (1989), Ausgabe 111,
Seiten 767–769).
Gemäß diesen
Versuchen ist die scheinbare Ionentransportaktivität von cyclo[-Trp-D-Leu)3-Gln-D-Leu-] ähnlich der, wenn nicht höher, von
Gramicidin A und Amphotericin B (25).
Die verwendeten Lipiddoppelschichten wurden auf der Spitze von Patch-Pipetten
unter Verwendung einer Mischung aus synthetischem POPE : POPS (4:1)
(1-Palmitoyl-2-oleoyl-Sn-glycero-3-phospatidylethanolamin und -serin)
gebildet. Fünf
bis 10 ml der Peptidlösung
(1,0×10–7 oder
2,0×10–6 M
in 25% DMSO in einer Pufferlösung
mit 500 mM NaCl oder KCl, 5 mM CaCl2, 10
mM HEPES, pH-Wert=7,5) wurden zu einem Subphasenvolumen von 150
ml hinzugegeben, was eine spontane Verteilung des Peptids in die
Membran zur Folge hatte. Nachdem das Peptid zu der Lipiddoppelschichten-Subphase
zugegeben worden ist, bildeten sich spontan Ionenkanäle. In gleichartigen
Lösungen
von 500 mM NaCl oder KCl, 5 mM CaCl2, 10
mM HEPES, pH-Wert = 7,5 wurde bei 14 von 22 Membranen eine Ionenkanalaktivität beobachtet.
Die Datenerfassung und -analyse wurde auf einem Gateway 2000/486
Computer unter Verwendung eines pClamp-Softwarepaketes und einer
TL-1-Labmaster-Schnittstelle durchgeführt. Die Erfassungsrate betrug
0,1 ms und die Daten wurden mit 2 kHz gefiltert.
-
Kontrolluntersuchungen, nämlich die Überwachung
der Freisetzung von 5(6)-Carboxyfluorescin-Farbstoff, zeigten, daß der Zusammenbruch
des pH-Gradienten weder aufgrund des Zerreißens der Liposomen noch aufgrund
der bei diesen Untersuchungen verwendeten geringen Menge organischen
Lösungsmittels (<2% DMSO) stattfand.
Ferner zeigte das Kontrollpeptid cyclo[-(Gln-D-Leu)4], welchem
es an den entsprechenden Oberflächencharakteristika
zum Verteilen in die Lipiddoppelschichten mangelt, aber ansonsten
in der Gestaltung dem weiter oben beschriebenen kanalbildenden Peptid
sehr ähnlich
ist, unter ähnlichen
Bedingungen keinerlei Ionentransportaktivität. Das zweite Kontrollpeptid
cyclo[-(MeN-D-Ala-Phe)4-],
welches die erwünschten
hydrophoben Oberflächencharakteristika
aufweist, dem es aber an der Neigung zum Teilnehmen an einem ausgedehnten
Wasserstoffbrückenbindungsnetzwerk
mangelt, wurde ebenfalls für
eine Ionentransportaktivität
gestaltet und darauf getestet. Die Peptidgestaltung umfaßt eine
neue N-Methylierungs-Strategie an einer Fläche der Ringstruktur, welche
die Untereinheit für eine
dimere zylindrische Struktur prädisponiert (Ghadiri,
M.
-
R., Kobayashi, K., Granja, J.R.,
Chadha, R. und McRee, D. E. Manuskript in Vorbereitung). Ein solches dimeres
zylindrisches Gefüge
ist ungefähr
10 Å dick
und kann sich nicht durch die Lipiddoppelschicht erstrecken. Obgleich
für das
Peptid gezeigt wurde, daß es
sich effektiv in Lipiddoppelschichten verteilt, fördert es
die Protonentransportaktivität
bei den oben genannten Vesikel-Versuchen nicht. Insgesamt legen
diese Versuche nahe, daß nicht
nur die hydrophobe Oberflächencharakteristik
des kanalbildenden Peptides ein wichtiger Faktor ist, sondern auch,
daß die
Peptiduntereinheit in der Lage sein muss, an ausgedehnten, durch
Wasserstoffbrückenbindungen
bewirkten Stapelungs-Wechselwirkungen zum Erzeugen von Kanalstrukturen
teilzunehmen, die lang genug sind, um sich durch die Lipiddoppelschicht
zu erstrecken.
-
Das gestaltete transmembrane Gefüge teilt
ferner wichtige Charakteristika mit natürlichen Ionenkanalbildnern
wie beispielsweise Gramicidin A und Amphotericin B. Erstens zeigt
das Peptid konzentrationsabhängige
Auswirkungen auf die Geschwindigkeit der Kanalbildung (Daten nicht
gezeigt). Zweitens erreicht nur ein Teil der Vesikel-Population
das Gleichgewicht sehr rasch, wenn geringe Konzentrationen des kanalbildenden Peptids
bei den oben genannten Protonentransport-Versuchen verwendet werden.
Dieses Phänomen
gibt die statistische Verteilung der kanalbildenden Spezies in der
Vesikel-Population an – lediglich
ein Teil der Population weist genügend kanalbildende Moleküle auf,
um in einem alles-oder-nichts-Prozesstyp permeable Strukturen zu
bilden. Anders als "Ionenträger" wie beispielsweise
Monensin und Valinomycin, welche an Metallionen binden und sich
zwischen der wässrigen
Phase und der Lipidphase verteilen, um ein Ionengleichgewicht über die
Membran einzustellen, können
kanalbildende Spezies bei geringen Konzentrationen (das hier gestaltete Peptid,
Amphotericin B, Gramicidin A und andere) aufgrund ihrer Unfähigkeit
aus der Membran zu diffundieren, nicht in andere Vesikel eindringen
und im Unterschied zu Ionophoren nicht einfach bei sämtlichen
in der Lösung
vorhandenen Vesikeln ein Protonen- oder Ionengleichgewicht einstellen.
Daher zeigt der beobachtete schnelle Protonenausfluß bei den
oben genannten Arten von Versuchen den geschwindigkeitsbestimmenden Schritt
der Peptiddiffusion in die Lipiddoppelschicht und der Selbstzusammenfügung zu
ionentransport-fähigen Kanalstrukturen
und zeigt nicht die tatsächliche
Geschwindigkeit des kanalvermittelten Ionentransportes, die bei
einer wesentlich schnelleren Zeitskala liegen kann (Vide infra).
-
Der beste Test zum Feststellen und
quantitativen Bestimmen der Transporteffizienz einer Membrankanalstruktur
ist es, ihre Einzelkanalleitfähigkeit
unter Verwendung von Mikro-Patch-Clamp-Methoden
zu messen (B.A. Suarez-Isla et al., Biochemistry (1983), Ausgabe
22, Seiten 2319–2323).
Ein Beobachten einer hohen Durchsatzgeschwindigkeit von Ionen zeigt
eine Ionenkanalbildung und ist ein diagnostisches Merkmal, welches
Ionenkanalmechanismen von denen anderer Ionentransportmitteln wie
beispielsweise Ionenträgern
unterscheidet (P. Leuger, Angew. Chem. (1985), Ausgabe 97, Seite
939 und Angew. Chem. Int. Ed. Engl. (1985), Ausgabe 24, Seiten 905–923). Einzelkanalleitfähigkeiten
betragen bei Verwendung von ebenen Lipiddoppelschichten mit Peptidkonzentrationen
in dem Bereich von 10–7 M in der Subphase
ungefähr
55 pS (pico Siemens) in 500 mM NaCl und 65 pS in 500 mM KCL (26). Die im Vergleich zu
NaCl höhere
Leitfähigkeit
bei KCl steht im Einklang mit der erwarteten schwachen IOnenselektivität der Porenstrukturen
mit 7,5 Å und
zeigt die relative Beweglichkeit von Na+-
gegenüber
K+-Ionen in Lösung. Daher ist es wahrscheinlich,
daß ein
Kanal in NaCl mit 55 pS und ein Kanal in KCl mit 65 pS aus der gleichen
Struktureinheit entsteht (gleiche Anzahl von gestapelten Ringen).
Darüber
hinaus wurde gezeigt, daß die
Einzelkanalleitfähigkeit
in dem gemessenen Bereich von 10–100 mV unabhängig von
der angelegten Spannung ist. Die tatsächliche Geschwindigkeit des
kanalvermittelten Ionentransports beträgt daher erstaunliche 2,2×107 Ionen/Sekunde–1 bei
K+ und 1,8×107 Ionen/Sekunde–1 bei
Na+, was fast 3 mal größer ist als die von Gramicidin
A unter ähnlichen
Bedingungen (E. Bamberg et al. in Biochim. Biophys. Acta (1974),
Ausgabe 367, Seiten 127–133).
-
Die hier beschriebene Strategie ermöglicht ferner
die Gestaltung von transmembranen Kanalstrukturen mit größeren Po rendurchmessern
für eine
Verwendung beim "molekularen" Transport durch
Lipiddoppelschichten und als solche sollte sie ein potentielles
Trägermittel
für eine
Arzneimittel-Zuführung
in lebende Zellen zur Verfügung
stellen und könnten
bei Antisense- und Gentherapie-Anwendung angewendet werden.
-
Kanalvermittelter Transport
von Glucose durch Lipiddoppelschichten:
-
Es wird die Gestaltung, die Synthese
und die Charakterisierung einer künstlichen transmembranen Porenstruktur
beschrieben, die einen Transport von Glucose durch Lipiddoppelschichten
vermitteln kann. Die Gestaltungsstrategie basiert auf der Neigung
einer neuen cyclischen Peptiduntereinheit mit 10 Resten, cyclo[-Gln-(D-Leu-Trp)4-D-Leu-] (Sequenz Nr.: 10), zur spontanen
Selbstzusammenfügung
in Lipiddoppelschichten zum Ausbilden von wasserhaltigen 10 Å van-der-Waals-Porenstrukturen.
Molecular Modeling zeigt, daß für den Durchgang
von Glucose durch den zylindrischen Hohlraum der rohrförmigen transmembranen
Struktur ein innerer van-der-Waals-Durchmesser der Pore von mehr
als 9 Å erforderlich
ist. Daher wird für
die hier gestellte Aufgabe eine Peptiduntereinheit mit 10 Resten
verwendet, welche bei einer Selbstzusammenfügung ein rohrförmiges Gefüge mit einem
gleichmäßigen inneren
Durchmesser von 10 Å erzeugen
kann (27A–27B).
-
Die in der vorliegenden Untersuchung
verwendete Peptiduntereinheit mit 10 Resten, cyclo[-Gln-(D-Leu-Trp)4-D-Leu-], wird zum größten Teil aus Tryptophan- und
Leucinresten hergestellt, um seine Verteilung und Selbstzusammenfügung in
Lipiddoppelschichten zu begünstigen.
Sie wurde auf einem Feststoff-Träger synthetisiert
und durch 1H-NMR-Spektroskopie und Massenspektroskopie
charakterisiert. Eine Zugabe der Peptiduntereinheit zu wässrigen
Suspensionen großer
unilaminarer Liposomen bewirkt eine schnelle Aufnahme des Peptides
in die Lipiddoppelschicht. Dies wurde durch Absorptions- und Fluoreszenz-Spektralphotometrie-
und Gelpermeationstudien gestützt.
Die Bildung einer über
Wasserstoffbrückenbindungen
gebundenen transmembranen Kanalstruktur in Phospatidylcholin-Liposomen
wurde durch FT-IR-Spektroskopie nachgewiesen. Die beobachtete Amid-I-Bande
bei 1,625 cm–1 und
die N-H-Streckbande bei 3,272 cm–1 sind
denen der zuvor charakterisierten Peptidnanorohre2a,4 ähnlich und
stützen
die Bildung eines dichten Netzwerkes von β-Faltblatt-ähnlichen, über Wasserstoffbrückenbindungen
gebundenen Strukturen mit einem durchschnittlichen Abstand von 4,8 Å zwischen
den Untereinheiten. Die Bildung von transmembranen Kanälen wurde
ferner aus ihren bemerkenswert hohen Ionentransporteffizienzen (>107 Ionen/Sekunde–1)
geschlossen, wie es durch Einzelionenkanalmessungen unter Verwendung
von Micro-Patch-Clamp-Verfahren gezeigt wurde.
-
Die Glucosetransportaktivität wurde
in isotonischen Lösungen
unter Verwendung von unilaminaren Lipidvesikeln mit eingeschlossener
Glucose untersucht. Unilaminare Vesikel, Durchmesser ungefähr 150 nm, wurden
mit dem Umkehrphase-Verdampfungs-Verfahren
unter Verwendung von 1,2-Dipalmitoyl-Sn-glycero-3-phosphatidylcholin
(DPPC), 1-Palmitoyl-2-oleoyl-Sn-glycero-3-phosphatidylcholin (POPO), 1-Palmitoyl-2-oleoyl-Sn-glycero-3-phosphatidlyserin
(POPS) und Cholesterol in dem Verhältnis 1:1:0,1:1 in einer Lösung mit
50, 100, 150 oder 200 mM D-Glucose, 100 mM NaCl und 50 mM Tris-Puffer
mit einem pH-Wert von 7,5 gemäß dem Verfahren
von F. Szoka et al. in Proc. Nat. Acad. Sci. USA (1978), Ausgabe
75, Seiten 4194–4198) hergestellt.
Die Liposomen wurden unter Verwendung einer Sephadex G-25 in einen
isotonischen Puffer mit 50, 100, 150 oder 200 mM Sucrose, 100 mM
NaCl und 50 mM Tris-Puffer mit einem pH-Wert von 7,5 gel-filtriert.
Die Liposomzubereitung wurde bei 4°C gelagert und innerhalb von
24 Stunden nach der Synthese verwendet. Das Transportphänomen wurde
gemäß dem Verfahren
von S.C. Kinsky in Methods in Enzymology; Fleischer, S., Packer,
L., Editoren; Academic Press: London, 1974; Ausgabe 32, Seiten 501–513 bei
340 nm spektralphotometrisch auf die Herstellung von NADPH unter
Verwendung einer enzymgekoppelten Untersuchung überwacht. Sämtliche Versuche wurden mit
einem Spectronic-3000-Spektralphotometer
mit Photodioden-Array unter Verwendung von 3 ml Quarzküvetten durchgeführt, die
in dem wärmeisolierten
Mehrfachzellenhalter angeordnet und bei 27°C gehalten wurden. Bei einem
typischen Versuch wurden die folgenden Lösungen nacheinander in die
Küvetten
gefüllt:
750 ml Puffer (300 mM NaCl, 50 mM Tris, pH-Wert 7,5, 3,5 mM MgCl2 und 0,15 mM CaCl2),
500 ml der Enzymlösung
(8 Einheiten/ml–1 Hexokinase, 16 Einheiten/ml–1 Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase,
2,5 mM ATP, 1,3 mM NADP, alle in 200 mM NaCl gelöst, 50 mM Tris mit einem pH-Wert
von 7,5, 3,5 mM MgCl2 und 0,15 mM CaCl2) und 75 ml der Liposom-Vorratslösung (2,6×10–3 M
an Phospholipiden). In jeder Küvette
wurde der Gesamtglucosegehalt mit einer Triton X-100-Behandlung
bestimmt. Der Transport wurde durch die Zugabe einer entsprechenden
Menge (5, 7,5, 10, 15 oder 20 ml) der Peptidlösung (1 mM in DMF) zu der Referenz-
und der Probenküvette
initiiert (Hexokinase wurde bei der Referenzprobe fortgelassen).
Zum Messen des Hintergrundes (nicht spezifischer Glucoseausfluß aus den
Liposomen) wurde die Probe auf die gleiche Weise hergestellt, außer daß entsprechende
Mengen von DMF anstelle der kanalbildenden Peptide zugegeben wurden.
Die Erzeugung von NADPH wurde bei 350 nm für 1,5 Stunden mit 90 Sekundenintervallen
beobachtet. Aufgrund der hohen katalytischen Effizienzien der verwendeten
Enzyme ist die Geschwindigkeit der NADPH-Erzeugung direkt proportional zu der
Geschwindigkeit, mit welcher Glucose aus den Liposomen freigesetzt
wird. Der mit der Zugabe von verschiedenen Mengen des kanalbildenden
Peptides zu den Liposomen mit eingeschlossenem Glucose initiierte
Transport von Glucose folgt einem Geschwindigkeitsprofil erster
Ordnung mit scheinbaren Geschwindigkeitskonstanten von 1,2±0,09, 0,74±0,1, 0,48±0,05 und
0,18±0,02
Mol (Glucose)/Mol (Peptid)/Minute–1 bei
Liposomen mit anfänglichen
Glucosekonzentrationen von 200, 150, 100 bzw. 50 mM (29). Die scheinbare Geschwindigkeit
des Glucosetransportes ist mit aller Wahrscheinlichkeit eine grobe
Unterschätzung
der wirklichen Geschwindigkeit des kanalvermittelten Transportes,
da lediglich ein sehr kleiner Anteil der Gesamtzahl von in der Lipiddoppelschicht aufgenommenen
Peptide zu einer gegebenen Zeit in der Form von aktiven transmembranen
Kanalstrukturen zusammengefügt
sind. Im Gegensatz zum trägervermittelten
Transport, der die Michaelis-Menten-Sättigungskinetik wiederspiegeln
muß, stützt die
beobachtete lineare Beziehung zwischen der Transportgeschwindigkeit und
der Glucosekonzentration einen einfachen transmembranen kanalvermittelten
Diffusi onsprozess (W.D. Stein in Channels, Carriers, and Pumps,
Academic Press: San Diego, 1990). Kontrolluntersuchungen, d. h. Überwachung
der Freisetzung von eingeschlossenem 5(6)-Carboxyfluorescin unter ähnlichen
Bedingungen, wiesen nach, daß der
Transport von Glucose weder aufgrund des Zerreißens der Liposomen noch aufgrund der
bei diesen Untersuchungen verwendeten geringen Mengen von DMF (<2%) stattfand (siehe:
N. Jayasuriya et al., in J. Am. Chem. Soc. (1990), Ausgabe 112,
Seiten 5844–5850;
und J.N. Weinstein et al. in Science (1977), Ausgabe 195, Seiten
489–492).
Darüber
hinaus zeigen weder Gramicidin A, ein bekanntes natürlich vorkommendes
ionenkanalbildendes Peptid mit einem Innendurchmesser von ungefähr 4,5 Å, noch
das sehr ähnliche,
ionenkanalbildende Peptid cyclo[-Gln-(D-Leu-Trp)3-D-Leu-],
von dem hier beschrieben ist, daß es Kanäle mit einem Innendurchmesser
von ungefähr
7,5 Å bildet,
zeigen unter ähnlichen
Prüfbedingungen
irgendeine Glucosetransportaktivität. Zusammengenommen belegt
dies einen größenselektiven
porenvermittelten Transport von Glucose.
-
Überkappte (capped) Nanorohre:
-
Ein weiteres derartiges Merkmal hat
mit dem Kanalüberkappen
(channel capping) – dem
Prozess, bei dem das selbstzusammengelagerte Molekularrohr beendet
wird – zu
tun. Es wird aus 4 klar,
daß die
Untereinheiten an den Kanalöffnungen,
d. h. bei den "cap"-Positionen, im Hinblick
auf ihre Art der Wechselwirkung mit sowohl anderen Untereinheiten
als auch der Mikroumgebung, in der sie sich aufhalten, einzigartig sind.
Die Peptiduntereinheiten an der cap-Position nehmen an Hauptkette-Hauptkette-Wasserstoffbrückenbindungen
zu lediglich einer anderen Untereinheit und mit lediglich einer
Seite der Hauptkettenstruktur teil. Die cap-Untereinheiten befinden
sich darüber
hinaus in der amphipathischen Mikroumgebung der Lipid-Wasser-Schnittstelle.
-
Die strukturelle Hauptanforderung
beim Erzeugen einer mehrfach ring-gestapelten rohrförmigen Struktur
ist die räumliche
Anordnung der Wasserstoffbindungsdonor- und -akzeptorstellen der
Hauptkette an beiden Seiten der Peptidringstruktur. Wenn die cyclische
Peptiduntereinheit je doch aufgrund der Blockierung, beispielsweise
Alkylierung, von Amidstickstoff-Funktionalitäten der Hauptkette einer der
vorhandenen chiralen Teile frei von Wasserstoffbindungsdonoren ist,
kann eine derartige cyclische Peptiduntereinheit nicht an einem ausgedehnten
Wasserstoffbrückenbindungsnetzwerk
teilhaben, kann aber zum Überkappen
(to cap) einer rohrförmigen
Struktur dienen.
-
In einer unpolaren Lösung sind
derartig selektiv alkylierten cyclischen Peptide für eine Dimerisierung prädisponiert.
Die Zugabe derartig selektiv alkylierter cyclischer Peptiduntereinheiten
zu der zuvor erwähnten ring-gestapelten
rohrförmigen
Struktur in einem entsprechenden Lösungsmittel erlaubt das Überkappen
(capping) oder Beenden der ring-gestapelten rohrförmigen Strukturen
mit den monomeren, selektiv alkylierten cyclischen Peptiden.
-
Ein derartiges bevorzugtes cyclisches
Peptid ist das cyclische Peptid mit acht Resten cyclo[-(L-Phe-DMeNAla)4-], das in 15 gezeigt ist. Der sinnvollste
Weg zum Klassifizieren der verschiedenen Aminosäuren basiert auf der Polarität ihrer
R-Gruppen in Wasser in der Nähe
von pH-Wert 7. Es gibt 4 Hauptklassen: (1) unpolar oder hydrophob,
(2) polar aber nicht geladen, (3) positiv geladen, (4) negativ geladen.
Die unpolare oder hydrophobe Gruppe umfaßt Aminosäuren mit aliphatischen Gruppen
wie beispielsweise Alanin, Leucin, Isoleucin, Valin und Prolin,
Aminosäuren
mit aromatischen R-Gruppen wie beispielsweise Phenylalanin und Tryptophan
und eine Aminosäure
mit einer schwefelhaltigen R-Gruppe, nämlich Methionin.
-
Molecular Modeling läßt erkennen,
daß die
Methylierung von Amidstickstoff-Funktionalitäten der Hauptkette bei sämtlichen
Alaninresten ausreichen würde,
um eine Seite der vermeintlichen Peptidringstruktur effektiv am
Teilnehmen an intermolekularen Wasserstoffbrückenbindungs- und Ringstapelwechselwirkungen zu
hindern. Das Peptid wurde ferner derart gestaltet, daß es eine
erlaubte Symmetrie für
bevorzugte intermolekulare Packungswechselwirkungen im Festkörperzustand
aufweist, wodurch seine detaillierte strukturelle Charakterisierung
mit Röntgen-Kristallstrukturanalysetechniken
ermöglicht,
wird. Aminosäuren
mit hydrophoben R-Gruppen wurden für dieses Beispiel gewählt, um
die Untereinheit und das daraus resultierende Dimergefüge in unpolaren
organischen Lösungsmitteln
löslich
zu machen. Die Wahl der R-Gruppe hängt jedoch in jedem Fall von
den gewünschten
Löslichkeitscharakteristika
des Endproduktes ab.
-
Die lineare Form der Zielsequenz
HN2-(L-Phe-D-MeNAla)4-CO2H wurde gemäß weiter
oben beschriebenen üblichen
Festphase-Verfahren synthetisiert und anschließend in Lösung cyclisiert, um die gewünschte cyclische
Peptiduntereinheit unter Verwendung der folgenden Prozedur zu schaffen.
Eine Lösung
des linearen Peptids in DMF (1 mM) wurde bei 5°C 12 Stunden mit TBTU (2-(1H-Benzotriazol-1-yl)-1,1,3,3-tetramethyluronium-tetrafluoroborat,
3 mM), HOBt (1-Hydroxybenzotriazol, 3 mM) und DIEA (Diisopropylethylamin,
1% v/v) behandelt, um nach einer Umkehrphase-HPLC-Reinigung in 70%
Ausbeute das gewünschte
cyclische Peptidmonomer zu erhalten, welches anschließend zum Überkappen
oder Beenden von Peptidnanorohren verwendet werden kann.
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Das 1H-NMR-Spektrum
der hergestellten Peptiduntereinheit in polaren Lösungsmitteln
wie beispielsweise deuteriertem Methanol oder Dimethylsulfoxid (DMSO)
zeigt aufgrund der bekannten Neigung von sekundären Amiden zur cis-trans-Isomerisierung
eine Vielzahl langsam austauschender Konformationsisomere. NMR-Experimente
bei variabler Temperatur in DMSO zeigen Aktivierungsbarrieren der
cis-trans-Konformere in der Größenordnung
von 16 bis 17 kcal·mol–1.
In unpolaren Lösungsmitteln
wie beispielsweise Tetrachlorkohlenstoff (CCl4)
oder Deutero-Chloroform
(CDCl3) liegt das Peptid jedoch in der Hauptkette
in einer ebenen ringförmigen
all-trans-Konformation vor, welche in einem dynamischen Gleichgewicht
mit dem erwarteten dimeren zylindrischen Gefüge steht. Die monomere Peptiduntereinheit
zeigt ein temperaturunabhängiges
(von –40
bis 55°C
in CDCl3) und hochsymmetrisches 1H-NMR-Spektrum, was die Möglichkeit
einer intermolekularen, über Wasserstoffbrückenbindungen
gebundenen Konformation ausschließt. Das Überwiegen einer ebenen ringförmigen Hauptkettenkonformation
wird ferner durch die beobachtete JNH-CaH Kupplungskonstante
von 7,5 Hz angedeutet. Die das gestapelte Dimer erzeugenden intermolekularen
Wasser stoffbrückenbindungswechselwirkungen
werden durch die erwartete Tieffeldverschiebung der Phenylalanin-N-H-Hauptkettenresonanz
von 6, 98 zu 8, 73 ppm (JNH-CaH=8, 5 Hz)
angedeutet und werden eindeutig durch die beobachteten Austausch-
und NOE-Kreuzpeaks in dessen ROESY-Spektrum nachgewiesen.
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Die ROESY-Untersuchungen wurden auf
einem Bruker AMX-500 mit 300 ms Spinlock(Mischung)-Zeit unter Verwendung
des üblichen
Pulsprogrammes von Bruker durchgeführt. Die Daten wurden unter
Verwendung der FELIX-Software bearbeitet. Time-Domain-Daten wurden unter
Verwendung von verzerrten/verschobenen (skewed) Sine-Bell-Quadrat-Fenster-Funktionen
(sine-bell. squared window functions) apodisiert. Um die entgültige Datengröße einer
Komplex-Matrix mit 1024×1024
zu erhalten, wurde ein Zero-Filling verwendet. A. Bax, D. G. Davis,
J. Magnetic Resonance 1985, 63, 207–213.
-
Die Bildung eines dichten, über Wasserstoffbrückenbindungen
gebundenen Gefüges
mit einem durchschnittlichen N-O-Abstand zwischen den Untereinheiten
von 2,95 Å wird
ferner durch das Auftreten einer N-H-Streckbande im Infrarotspektrum
bei 3309 cm–1 belegt.
Wie erwartet zeigt der Prozess der Selbstzusammenfügung konzentrations-
und lösungsmittelabhängige Spektren
mit den Assoziationskonstanten Ka (CCl4)=1, 4×104M–1 und Ka (CDCl3)=1,26±0,
13×103M–1 bei 293 K.
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Die aufgezeigten Assoziationskonstanten
sind aufgrund des Vorhandenseins von geringen Mengen von in den
Peptidproben enthaltenen Wassers die unteren Grenzen. Wenn Wasser
strikt ausgeschlossen ist (4-Å-Molekularsiebe),
verdoppelt sich die Assoziationskonstante Ka (CDCl13)=1260 M–1 ungefähr auf Ka(CDCl13)=2540 M–1.
Aus Gründen
der Löslichkeit
wurde die aufgezeigte Ka(CCl4) in einer
Mischung aus 84% CCl4 und 16% CDCl3 gemessen.
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Untersuchungen bei variabler Temperatur
(Auftragungen nach van't
Hoff) ergaben die folgenden thermodynamischen Parameter für den Dimerisierungsprozess
in Chloroform: ΔSp=–203,1 cal·K–1mol–1, ΔH0
298=–11.0 kcal·mol–1 und ΔS0
298=–23,7 e.u.,
was eindeutig die erwartete Enthalpieverteilung von intermolekularen
Wasserstoffbrückenbindungswechselwirkungen
(0,5 bis 0,7 kcal·mol–1 für jede Wasserstoffbrückenbindungswechselwirkung) als
die Haupttriebkraft bei dem Prozess der Selbstzusammenfügung stützt.
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Die oben genannten Untersuchungen
zeigen, daß die
Peptiduntereinheit eine ebene ringförmige Konformation in Lösung annimmt,
welche energetisch gegenüber
einer Ringstapelung und intermolekularen Wasserstoffbrückenbindungswechselwirkungen
in Abhängigkeit
von dem verwendeten Lösungsmittel
mit 4,0 bis 5,6 kcal·mol–1 bevorzugt
ist. Es folgt daraus, daß ein
zusätzlicher
Gewinn an freier Stabilisierungsenergie zu erwarten ist, wenn die
Anzahl von Ringstapelungs-Wechselwirkungen erhöht wird. Dies ist insbesondere bei
den selbstzusammengefügten
Nanorohren und den transmembranen Ionenkanalstrukturen, die erzeugt werden
können,
wichtig.
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Aus den Lösungen des Peptids in wassergesättigtem
Dichlormethan wurden durch Dampfphasen-Equilibrierung mit Hexan
farblose prismatische, für
Röntgenanalysen
geeignete Kristalle erhalten. Die Kristallstruktur wurde der Raumgruppe
I422 mit einem endgültigen
R-Faktor von 8,87% zugeordnet. Die Daten wurden auf einem Rigaku
AFC6R-Diffraktometer mit einer rotierenden Kupferanode (CuKa) und einem Monochromator aus hochorientiertem
Graphit gesammelt. Die Struktur wurde der Raumgruppe I422 mit einem
endgültigen
R-Faktor von 8,87% und einem gewichteten R-Faktor von 10,35% und
der Restelektronendichte von 0,64 eÅ–3 bei
983 charakteristischen Reflexionen mit F>4,0 σ(F)
zugeordnet. Die Parameter der Elementarzelle sind a=b=16,78 und
c=21,97 Å.
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Die Festkörperstruktur ist, analog zu
der aus den 1H-NMR- und FT-IR-Analysen gefolgerten Struktur
in Lösung,
ein zylindrisches Dimergefüge,
was die zuvor berechneten Nanorohrstrukturen bekräftigt, die
hauptsächlich
aus der Analyse von Elektronenbeugungsmustern hergeleitet wurde.
Das dimere Gefüge
ist eine Kombination einer ebenen ringförmigen zylindrischen Untereinheit
aus Peptiden mit Hauptkette-Amidgruppen senkrecht zu der Ebene der
Ringstruktur und einer kristallographischen vierzähligen Rotationsachse
parallel zu der c-Achse durch den Mittelpunkt des Peptidringes.
Zwei Peptiduntereinheiten sind in einer antiparallelen Orientierung
eng gestapelt und durch zweizählige
Drehung entlang entweder der a- oder b-Achse in einander überführbar. Das β-Faltblatt-ähnliche
zylindrische Gefüge
wird durch acht Wasserstoffbrückenbindungswechselwirkungen
zwischen den Untereinheiten mit einem N-O-Abstand zwischen den Untereinheiten
von 2,90 Å stabilisiert.
Es ist bemerkenswert, daß der
Abstand, beobachtet aus der NH-Streckbande bei 3312 cm–1 des FT-IR-Spektrums,
von 2,95 Å mit
den kristallographischen Messungen erstaunlich übereinstimmt. Das zylindrische
Gefüge
weist einen ungefähren
inneren van-der-Waals-Durchmesser
von 7,5 Å und
ein Volumen von 450 Å3 auf. Der rohrförmige Hohlraum ist mit zum
Teil ungeordneten Wassermolekülen
ausgefüllt,
die die hydrophoben internen Charakteristika der Peptid-Nanorohrstrukturen
begründen.
Das Gefüge
ist zum Erzeugen einer durchgehenden kanalisierten Übergitterstruktur
entlang der c-Achse in dem Kristall raumzentriert gepackt. Die Charakteristika
der Innenfläche
der Kanäle
wechseln ungefähr
alle 11 Å zwischen
den hydrophoben Bereichen, die durch die aromatischen Phenylteile
gebildet werden, und dem hydrophilen Inneren des zylindrischen Peptidgefüges. Wassermoleküle in der
Nähe der
hydrophoben Bereiche sind in erheblichem Maße ungeordneter, was eine lediglich
schwache Restelektronendichte zeigt. Die beobachtete Wasser-Elektronendichte
ist das zeitliche Mittel von Wassermolekülen, die an zahlreichen überlappenden
Stellen binden, was eine einfache Bewegung von lose gehaltenen Wassermolekülen in dem
Hohlraum andeutet. Diese Beobachtung, die dem Mangel einer diskreten
stark bindenden Stelle bzw. von diskreten stark bindenden Stellen
zuzuschreiben ist, ist ein wichtiges Merkmal der erzeugten Peptid-Nanorohrstrukturen
und es wird angenommen, daß es zu
den bemerkenswerten Transporteffizienten der gebildeten transmembranen
Ionenkanäle
beiträgt.
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Die vorstehende Beschreibung und
die begleitenden Beispiele sind veranschaulichend ausgeführt und sollen
nicht als begrenzend aufgefaßt
werden. Auch andere Variationen innerhalb des Schutzbereiches dieser Erfindung
sind möglich
und erschließen
sich dem Fachmann ohne weiteres.
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Kontrollierbar durchlässige (gated)
Nanorohre:
-
Cyclische Peptidrohre können ferner
als ionen-verschließbare
Membrankanalstrukturen verwendet werden. Durch die entsprechende
Wahl der Aminosäureseitenkettenteile
kann man die Oberflächencharakteristika
der selbstzusammengefügten
cyclischen Peptidrohre nach belieben einstellen. Zum Zwecke des
Aufbauens von Membrankanalstrukturen werden cyclische Peptide derart
gestaltet, daß sie
hydrophobe Seitenkettenteile aufweisen, um deren Einführung und
Selbstzusammenfügung
in die bzw. der unpolare(n) Umgebung von Lipiddoppelschichtmembranen
sicherzustellen.
-
In 2 ist
der Aufbau der rohrförmigen
Membrankanalstruktur schematisch gezeigt. Sie besteht aus ungefähr acht
Stapeln antiparalleler Peptiduntereinheiten, welche es der Kanalstruktur
ermöglichen,
sich durch die Dicke einer durchschnittlichen biologischen Lipidmembran
zu erstrecken – gemäß unseren
zuvor beschriebenen Elektronenbeugungsuntersuchungen an den selbstzusammengefügten organischen
Nanorohren wird für
derartige großflächig über Wasserstoffbrückenbindungen
gebundene antiparallele β-Faltblatt-Gefüge ein durchschnittlicher
Abstand von 4,8 bis 5,0 Å zwischen
den Untereinheiten erwartet. Die Kanalstruktur kann sich spontan
beim Lösen
einer ausreichenden Konzentration des Peptidmonomers in der Lipiddoppelschicht
bilden. Die Triebkraft für
die Selbstzusammenfügung
der Kanalstruktur wird zur Verfügung
gestellt durch a) die Enthalpieverteilung einer großen Anzahl
von stark bevorzugten und hoch ausgerichteten Wasserstoffbrückenbindungswechselwirkungen – jede Wasserstoffbrückenbindung
in der unpolaren Membranumgebung trägt schätzungsweise 5–6 kcal·mol–1 bei
(bei einem aus acht cyclischen Peptiden bestehendem Kanal besteht
das Wasserstoffbrückenbindungsnetztwerk
aus 56 stark zusammenwirkenden intermolekularen Wasserstoffbrückenbindungen)
und b) der Zunahme der aus den Seitenkette-Lipid-Wechselwirkungen
hervorgehenden Lipiddoppelschichtenthropie. Diese stark bevorzugten
energetischen Verteilungen kompensieren leicht den Verlust an Entropie,
welcher mit der Peptid-Selbstzusammenfügung und -Selbstorganisation
verbunden ist. Zieht man ferner in Betracht, daß lediglich hydrophobe Reste
bei der Peptidgestaltung verwendet werden, spielt die ungünstige Hauptketten-Sol vatationsenergie
bei dem Zusammenfügungsprozess
keine entscheidende Rolle, und zwar insbesondere darum, weil von
dem hydrophilen Inneren der Kanalstruktur erwartet wird, mit einer großen Anzahl
von wechselwirkenden Wassermolekülen
gefüllt
zu sein. Kurz gesagt sind derartige de novo-gestaltete cyclische
Peptide nicht nur strukturell gegenüber einer intermolekularen
Wechselwirkung prädisponiert,
sondern sind ferner in der Lipiddoppelschichtumgebung energetisch
gegenüber
einem Selbstzusammenfügen
zu künstlichen
Membrankanälen
begünstigt.
Darüber
hinaus sind, wenn benötigt,
einfache Verfahren zum Verknüpfen
der Untereinheiten durch Ausbilden kovalenter Seitenkette-Seitenkette-Bindungen
zum Erhalten einer permanent verschmolzenen molekularen Kanalstruktur
verfügbar.
-
Die selbstzusammengefügten Kanäle weisen
zwei wichtige und einmalige, hier relevante strukturelle Eigenschaften
auf. Eine Eigenschaft ist, daß die
Kanalporengröße einfach
gezielt eingestellt werden kann, indem eine entsprechende Ringgröße für die cyclische
Peptiduntereinheit gewählt
wird (3). Dies ermöglicht die
Gestaltung von formselektiven Membranporenstrukturen. Die zweite
Eigenschaft, welche einer kurzen Erklärung bedarf, hat zu tun mit
dem Kanalverschließen
(channel gating) – dem
Vorgang, bei welchem ein molekularer Transport durch den Kanal an-
oder ausgeschaltet wird. Aus 4 ist
ersichtlich, daß die
zwei Untereinheiten bei dem Kanaleingang, d. h. der "überkappten" Position ("cap" Position),
im Hinblick auf ihre Art der Wechselwirkung sowohl mit den anderen
Untereinheiten als auch mit der Mikroumgebung, in der sie sich aufhalten,
einmalig sind. Die Peptiduntereinheiten bei der cap-Position nehmen
an einer Hauptkette-Hauptkette-Wasserstoffbrückenbindung mit nur einer weiteren
Untereinheit und nur mit einer Seite der Hauptkettenstruktur teil.
Die überkappten
Untereinheiten (cap subunits) halten sich ferner in der amphipathischen
Mikroumgebung der Lipid-Wasser-Schnittstelle auf. Diese einmaligen
Charakteristika können
für die
Gestaltung von verschließbaren
Membrankanälen
auf folgende Weise verwendet werden. Um eine Trennung der cap-Untereinheiten
von den anderen kanalbildenden Untereinheiten sicherzustellen; kann
eine Seite der Hauptkettenstruktur an einem Teilnehmen an Wasserstoffbrückenbindungswechselwirkungen
zwischen den Untereinheiten abgehalten werden, indem einfach die
Amidstickstoff-Funktionalitäten
der Hauptkette bei den homo-chiralen
Resten alkyliert werden. Derartigen N-alkylierten Spezies mangelt
es nicht nur an einer Wasserstoffbrückenbindungs-Donorfähigkeit
auf einer Seite der Scheibenstruktur, sondern auch die durch die
N-Alkyl-Substituenten aufgezwungene starke sterische Wechselwirkung
verhindert effektiv die Teilnahme der Peptiduntereinheit an bidirektionalen
Wasserstoffbrückenbindungs-Stapelungswechselwirkungen.
Daher können
sich derartige N-alkylierte Untereinheiten nur bei den cap-Positionen
aufhalten. Darüber
hinaus können
Seitenketten eingeführt
werden, die mit polaren Lipidkopfgruppen wechselwirken können, um
deren ordnungsgemäße Positionierung
bei der Lipidoberfläche
sicher zu stellen. Wie es in 5 gezeigt
ist, hat die Alkylierung des Amidstickstoffes, neben der Fähigkeit
Wasserstoffbrückenbindungen
zu stören,
eine weitere wichtige Funktion, d. h. sie stellt eine einfache Strategie
zum Gestalten verschließbarer
bzw. kontrollierbar durchlässiger Membrankanäle zur Verfügung. Allgemein
gesagt, es kann durch N-Alkylierung eine breite Vielzahl von bi- oder
multidentaten Rezeptoren für
kleine Moleküle
an dem Kanaleingang eingeführt
werden, wie es in 6 gezeigt
ist.
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7 zeigt,
daß dieses
einfache Verankerungsmotiv mit einer Anzahl von Übergangsmetallionen-Bindungsstellen
verwendet werden kann. Auf diese Weise zusammengefügte Kanalstrukturen
sind bei dem Vorhandensein von Übergangsmetallionen
gegenüber
einem Molekulartransport aufgrund der durch die Metallion-Ligand-Wechselwirkungen
bei dem Kanaleingang induzierten sterischen Hinderung blockiert
(in der "abgeschaltet"-Position), wie es
in 8 gezeigt ist. Eine
derartige Strategie kann auch bei der Gestaltung von hochselektiven
und hochsensitiven Ionensensoren verwendet werden.
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Verfahren:
-
Das Peptid kann durch das von Rovero,
P. et al. (1991), Tetrahedron Lett., 32, 2639–2642 beschriebene Festphasen-Verfahren
synthetisiert und durch 1H-NMR-Spektroskopie,
Elemen taranalyse und Ionen-Spray-Massenspektrometrie charakterisiert
werden. Obgleich eine Vielzahl von Bedingungen bei der Selbstzusammenfügung von
cyclischen Peptidrohren verwendet werden kann, hat das folgende
Verfahren die beständigsten
Ergebnisse geliefert. Eine Suspension mit ungefähr 25 mg Peptiduntereinheit
pro ml wird durch die Zugabe von 2,5 Äquivalenten NaOH geklärt. Die
resultierende Peptidlösung
wurde zum Entfernen von Feststoffspuren zentrifugiert und anschließend durch
die Zugabe von 1/3 Volumen einer 1% Trifluoressigsäure in Acetonitril
angesäuert. Über einen
Zeitraum von einer Stunde bilden sich nach und nach Partikel cyclischer Peptidrohre
als eine weiße
Suspension. Die cyclischen Peptidrohre werden anschließend durch
eine Zentrifugierung gesammelt und wiederholt mit destilliertem
Wasser gewaschen, um überschüssige Säure und
Salze zu entfernen. Für
Elektonenmikroskop- und Diffraktionsuntersuchungen wird eine Suspension
von Partikeln cyclischer Peptidrohre kurz mit Ultraschall behandelt
und kleine Tropfen werden auf glimmentladene Kohlenstoffträgerfilme
auf EM-Gittern aufgebracht. Überschüssige Flüssigkeit
wird durch Blotting entfernt und die Gitter werden in einem Slush
mit flüssigem
Ethan gefroren; gemäß dem von
Adrian, M. et al., (1984) Nature 308, 32–36 und Milligan, R. A. et
al., (1984) Ultramicroscopy 13, 1–10 beschriebenen Verfahren.
Die Gitter wurden in einem Gatan-Kühlhalter befestigt und in einem
mit 120 kV betriebenen Philips CM12 Elektronenmikroskop untersucht.
Die Probentemperatur betrug während
der Untersuchung und Abbildung –175°C. Die Bilder
wurden mit 35.000X unter Verwendung strenger Low-Dose-Bedingungen
bei verschiedenen Defokussierungsgraden aufgezeichnet. Für die Bildanalyse
werden die mikroskopischen Aufnahmen unter Verwendung eines abtastenden
Mikrodensitometers von Perkin-Elmer mit gleichem Sondendurchmesser
und Schrittgröße von 2,86 Å bei der
Probe zu optischen Dichte-Arrays konvertiert. Unter Verwendung des
von Schroeter, J. P. et al. (1992), J. Structural Biology 109, 235–247 beschriebenen
SUPRIM-Programmpaketes wird eine Anzahl von kleinen Bereichen eines
einzelnen TEM-Bildes bezüglich
Drehung und Translation ausgerichtet und anschließend gemittelt.
-
Syntheseverfahren
-
Synthese linearer Peptide:
-
Die lineare Form der Zielsequenz
kann gemäß üblichen
Festphase-Verfahren synthetisiert und anschließend in Lösung cyclisiert werden, um
die gewünschte
cyclische Peptiduntereinheit zu schaffen. Ein bevorzugtes Verfahren
zum synthetisieren linearer Peptide ist wie folgt vorgesehen:
Schritt
A: Der C-terminale Aminosäurerest
(aa.1) des linearen Zielpeptides wird an einen PAM-Harz (Phenylacetamidomethyl)
gebunden. Hydroxymethyl-PAM-Harz ist ein bevorzugter PAM-Harz. Vor
der Verwendung wird dieser 4 mal in DMF gewaschen. Anschließend wird
N-Boc-aa.1 (N-tert-Butoxycarbonylaminosäure) mit dem gewaschenen PAM-Harz
verbunden, um ein Bocaa.1-PAM-Harz zu bilden. Die Bindung wird durch
Vereinigung des PAM-Harzes mit 4 Äquivalenten N-Boc-Aminosäure (D oder
L), 3,8 Äquivalenten
HBTU (2-(1H-Benzotriazol-l-yl)-1,1,3,3-tetramethyluronium tetrafluoroborat)
und 6 Äquivalenten
DIEA (N,N-Diisopropylamin)
in DMF erhalten. Die resultierende Mischung wird anschließend für eine Stunde
geschüttelt.
Wenn der C-terminale Aminosäurerest
(aa.1) des linearen Zielpeptides eine potentiell reaktive Seitengruppe
umfasst, wird die Seitengruppe vor der Anbindung an das PAM-Harz
zuerst mit üblichen
Blockierungs-Mitteln blockiert. Nachdem die Reaktion beendet ist,
wird das PAM-Harz-Produkt 3 mal für 1 Minute in DMF gewaschen.
Schritt
B: Da die Produktmischung eine Komponente des nicht reagierten PAM-Harzes
enthält,
wird das PAM-Harz anschließend
verkappt, indem es mit 20 Äquivalenten
Trimethylessigsäureanhydrid
und 10 Äquivalenten
DIEA in DMF gemischt wird und die resultierende Mischung über Nacht
geschüttelt
wird. Das verkappte PAM-Harz mit N-Boc-Aminosäureresten wird anschließend 3 mal
in DMF und weitere 3 mal in CH2Cl2 gewaschen.
Schritt C: Die geschützte Aminogruppe
des Boc-aa.1-PAM-Harzes
wird anschließend
durch eine Behandlung mit gereinigtem TFA entschützt, um einen aa.1-PAM-Harz
zu bilden. Schritt D: Das entschützte Boc-aa.1-PAM-Harz
wird dann an den zweiten Aminosäurerest
(aa.2), d. h. den Aminosäurerest,
der einst von dem C-Terminus des linearen Zielpeptides entfernt
wurde, ge koppelt, um ein Boc-aa.2-aa.1-PAM-Harz zu bilden. Der zweite
Aminosäurerest
(aa.2) weist eine Chiralität
entgegengesetzt zu der Chiralität
des C-terminalen Aminosäurerestes
(aa.1) auf, d. h. wenn aa.1 eine D-Chiralität besitzt, besitzt aa.2 eine
L-Chiralität;
wenn aa.1 eine L-Chiralität
besitzt, weist aa.2 eine D-Chiralität auf. Das entschützte Boc-Aminosäure-PAM-Harz
aus Schritt C wird mit 4 Äquivalenten
N-Boc-aa.2, 3,8 Äquivalenten
HBTU (2-(1H-Benzotriazol-1-yl)-1,1,3,3-tetramethyluronium tetrafluoroborat
und 6 Äquivalenten
DIEA (N,N-Diisopropylethylamin) in DMF kombiniert. Die Reaktionsmischung
wird anschließend
für eine
Stunde geschüttelt.
Schritt
E: Die geschützte
Aminogruppe des Boc-aa.2-aa.1-PAM-Harzes
wird anschließend
durch eine Behandlung mit gereinigtem TFA entschützt, um ein aa.2-aa.1-PAM-Harz
zu erzeugen.
Schritt F: Die Schritte D und E werden dann wie
benötigt
wiederholt, um den dritten und nachfolgende Aminosäurereste
hintereinander an die entstehende Peptidkette anzubinden, um ein
Reaktionsprodukt mit der Struktur aa.n-aa(n-1)-...aa.1-PAM-Harz zu bilden.
Die Chiralität
der geraden Aminosäuren
ist entgegengesetzt der Chiralität
der ungeraden Aminosäuren.
Schritt
G: Nachdem die Synthese des linearen Zielpeptides abgeschlossen
ist, wird es von dem PAM-Harz abgespalten. Die Abspaltung wird durch
eine einstündige
Behandlung des PAM-Harzes bei 0°C
mit einer 10:1:0,5 Mischung aus HF, Anisol und Dimethylsulfid erreicht.
Das Abspaltungsprodukt kann anschließend mit einer wässrigen
Essigsäure
(50% v/v) von der Reaktionsmischung abgetrennt und lyophilisiert
werden. Wenn das lineare Zielpeptid geschützte Seitengruppen umfaßt, können diese
Seitengruppen zu dieser Zeit entschützt werden. Das Produkt kann
anschließend
mit der Massenspektroskopie verifiziert werden.
-
Synthese von selektiv
N-alkylierten linearen Peptiden:
-
Die lineare Form von selektiv N-alkylierten
Zielpeptiden kann gemäß einer
Modifikation üblicher
Festphasen-Verfahren zur Peptidsynthese synthetisiert werden. Die
lineare Form selektiv N-alkylierter Zielpeptide wird anschließend in
Lösung
cyclisiert, um das gewünschte
selektiv N-alkylierte cyclische Peptid zu erhalten. Das Verfahren
zum Synthetisieren der linearen Form selektiv N-alkylierter Zielpeptide
verwendet selektiv N-alkylierte N-Boc-Aminosäuren. Bevorzugte Verfahren
zum Synthetisieren dieser N-alkylierten Aminosäuren und selektiv N-alkylierter
linearer Peptide sind folgende: N-alkylierte Aminosäuren können gemäß dem Verfahren von
S. T. Cheung et al. (Canadian Journal of Chemistry (1977), Ausgabe
55, Seite 906; Canadian Journal of Chemistry (1977), Ausgabe 55,
Seite 911 und Canadian Journal of Chemistry (1977), Ausgabe 55,
Seite 916) synthetisiert werden. Kurz gesagt werden acht Äquevalente
Methyliodid bei 0°C
unter Stickstoff mit Tetrahydrofuran (THF) vereinigt und zum Bilden
einer Suspension gerührt.
Andere Alkyliodide und Alkylbromide können als Ersatz für Methyliodid
dienen. Zu dieser Suspension wurde ein Äquivalent N-Boc-aa (N-tert-Butoxycarbonylaminosäure) als
Feststoff und 3 Äquivalente
Natriumhydrid zugegeben. Die resultierende Mischung wurde anschließend unter
Stickstoff für
24 Stunden bei Raumtemperatur gerührt. Nach 24 Stunden wurde überschüssiges NaH
durch die vorsichtige Zugabe von H2O zu
der Reaktionsmischung gequenscht. Die Mischung wurde anschließend eingeengt
und der ölige
Rest wurde mit Et2O und Wasser aufgenommen.
Die Et2O-Schicht wurde anschließend mit
einer NaHCO3-Lösung
gewaschen. Die kombinierten wässrigen
Extrakte wurden anschließend
mit wässriger
Zitronensäure
(5%) auf einen pH-Wert
von 3 angesäuert.
Das angesäuerte Produkt
wurde anschließend
in EtOAc extrahiert. Die kombinierten EtOAc-Schichten wurden nacheinander
mit H2O, Natriumthiosulfat-Lösung, H2O und Salzlösung gewaschen. Das Produkt
wurde anschließend über MgSO4 getrocknet und anschließend umkristallisiert. Eine
typische Ausbeute beträgt
86%.
-
Selektiv N-alkylierte lineare Peptide
können
mit einer Modifikation des zuvor genannten Verfahrens für die Synthese
von nicht-N-methylierten linearen Peptiden synthetisiert werden.
N-alkylierte N-Boc-Aminosäuren
sind im Hinblick auf Kupplungsreaktionen im Vergleich zu nicht-N-alkylierten
N-Boc-Aminosäuren
weniger reaktiv. Folglich können
Kupplungsreaktionen mit N-alkylierten N-Boc-Aminosäuren weniger
effizient sein. Um eine höhere
Gesamtausbeute zu erzielen, ist es demgemäß oft mals sinnvoll, jeder Kupplungsreaktion
eine oder mehrere Ent-Kupplungsreaktionen
folgen zu lassen.
-
Ein selektiv N-alkyliertes Zielpeptid
kann wie folgt synthetisiert werden:
Schritt A: Der C-terminale
Aminosäurerest
(aa.1) des linearen Zielpeptides wird an ein PAM-Harz (Phenylacetamidomethyl)
gebunden. Ein bevorzugtes PAM-Harz ist Hydroxymethyl-PAM. Vor der
Verwendung wird dies 4 mal in DMF gewaschen. N-Boc-aa.1 (N-tert-Butoxycarbonylaminosäure) oder
eine N-alkylierte N-Boc-aa.1 wird
anschließend
an das gewaschene PAM-Harz gebunden, um ein Boc-aa.1-PAM-Harz zu
bilden. Die Bindung wird durch eine Vereinigung des PAM-Harzes mit
4 Äquivalenten
N-Boc-aa.1 (D oder
L) oder N-alkyliertem N-Boc-aa.1 (D oder L), 3,8 Äquivalenten
HBTU (2-(1H-Benzotriazol-l-yl)-1,1,3,3-tetramethyluronium tetrafluoroborat)
und 6 Äquivalenten
DIEA (N,N-Diisopropylethylamin)
in DMF erreicht. Die resultierende Mischung wird anschließend für eine Stunde
geschüttelt.
Wenn der C-terminale Aminosäurerest
(aa.1) des linearen Zielpeptides eine potentiell reaktive Seitengruppe
umfaßt,
wird die Seitengruppe vor ihrer Anbindung an den PAM-Harz zuerst
mit einem üblichen
Blockierungs-Mittel blockiert. Nachdem die Reaktion beendet ist,
wird das Produkt-PAM-Harz 3 mal für eine Minute in DMF gewaschen.
Schritt
B: Da die Produktmischung eine Komponente des nicht reagierten PAM-Harzes
enthält,
wird das PAM-Harz anschließend
durch Mischen mit 20 Äquivalenten
Trimethylessigsäureanhydrid
und 10 Äquivalenten
DIEA in DMF und Schütteln
der resultierenden Mischung über
Nacht verkappt. Das PAM-Harz mit N-Boc-Aminosäurerest oder einer N-alkylierten
N-Boc-Aminosäure
wird anschließend
3 mal in DMF und weitere 3 mal in CH2Cl2 gewaschen.
Schritt C: Die geschützte Aminogruppe
des Boc-aa.1-PAM-Harzes
oder N-alkylierten N-Boc-aa.1-PAM-Harzes wird anschließend durch
eine Behandlung mit gereinigtem TFA entschützt, um ein aa.1-PAM-Harz bzw.
ein N-alkyliertes aa.1-PAM-Harz zu erhalten.
Schritt D: Das
entschützte
Boc-aa.1-PAM-Harz oder N-alkylierte aa.1-PAM-Harz wird anschließend an
den zweiten Amino säurerest
(aa.2 oder N-alkyl-aa.2), d.h. den Aminosäurerest, der der einmal von
dem C-Terminus des linearen Zielpeptides entfernt wurde, gekoppelt,
um einen Boc-aa.2-aa.1-PAM-Harz, ein Boc-aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz,
ein N-alkyl-Boc-aa.2-aa.1-PAM-Harz
oder ein N-alkyl-Boc-aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz zu bilden. Der zweite
Aminosäurerest
(aa.2) weist eine Chiralität
entgegen der Chiralität des
C-terminalen Aminosäurerestes
(aa.1) auf, d. h. wenn aa.1 eine D-Chiralität aufweist, weist aa.2 eine L-Chiralität auf; wenn
aa.1 eine L-Chiralität
aufweist, weist aa.2 eine D-Chiralität auf. Das entschützte Bocaa.1-PAM-Harz
oder N-alkyl-Boc-aa.1-PAM-Harz gemäß Schritt C wird mit 4 Äquivalenten
N-Boc-aa.2 oder N-alkyl-N-Boc-aa.2, 3,8 Äquivalenten HBTU (2-(1H-Benzotriazol-l-yl)-1,1,3,3-tetramethyluronium
tetrafluorborat) und 6 Äquivalenten
DIEA (N,N-Diisopropylethylamin)
in DMF umgesetzt. Die Reaktionsmischung wird anschließend für eine Stunde
geschüttelt.
Wenn eine Kupplung mit dem N-alkyl-Boc-aa.1-PAM-Harz eintritt, kann die
Effizienz der anfänglichen
Kupplungsreaktion relativ gering sein. In diesem Falle kann ein
Aliquot der Reaktionsmischung dann mit dem Chloranil-Test geprüft werden.
Wenn der Test positiv ausfällt,
wird das Reaktionsprodukt ein zweites Mal mit den oben genannten
Reagenzien behandelt, um eine im wesentlichen quantitative Ausbeute
an Boc-aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz oder N-alkyl-Boc-aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz
zu erhalten.
Schritt E: Die geschützte Aminogruppe des Produktes
gemäß Schritt
D, d. h. Boc-aa.2-aa.1-PAM-Harz, Boc-aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz, N-alkyl-Boc-aa.2-aa.1-PAM-Harz
oder N-alkyl-Boc-aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz
wird anschließend
durch eine Behandlung mit gereinigtem TFA entschützt, um aa.2-aa.1-PAM-Harz, aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz,
N-alkyl-aa.2-aa.1-PAM-Harz oder N-alkyl-aa.2-N-alkyl-a.1-PAM-Harz
zu erhalten.
Schritt F: Die Schritte D und E werden anschließend zum
Kuppeln des dritten und weiterer Aminosäurereste nacheinander an die
entstehende Peptidkette wie erforderlich wiederholt, um ein selektiv
N-alkyliertes lineares, an ein Harz gebundenes Zielpeptid zu bilden.
Schritt
G: Nachdem die Synthese des selektiv N-alkylierten linearen Zielpeptides
abgeschlossen ist, wird es von dem PAM- Harz abgespalten. Die Abspaltung wird
durch eine einstündige
Behandlung des PAM-Harzes bei 0°C
mit einer 10:1:0,5 Mischung aus HF, Anisol und Dimethylsulfid erreicht.
Das Abspaltungsprodukt kann anschließend aus der Reaktionsmischung
mit einer wässrigen
Essigsäure
(50% v/v) entfernt und lyophilisiert werden. Wenn das selektiv N-alkylierte
lineare Zielpeptid geschützte
Seitengruppen umfasst, können
diese Seitengruppen zu dieser Zeit entschützt werden. Das Produkt kann
anschließend
mit der Massenspektrometrie verifiziert werden.
-
Die Synthese linearer
Peptid-Precursor verschließbarer
bzw. kontrollierbar durchlässiger
cyclischer Peptide:
-
Die lineare Form selektiv N-substituierter
Zielpeptide kann gemäß einer
Modifikation üblicher
Festphasen-Verfahren zur Peptidsynthese synthetisiert werden. Verschließbare cyclische
Peptide können
durch Cyclisierung von im Hinblick auf ihre Peptidhauptkette-Aminogruppen
selektiv N-substituierte lineare Peptide gebildet werden. Bevorzugte
Substituenten zum Bilden verschließbarer cyclischer Peptide sind
in 7 gezeigt. Jeder
der bevorzugten Substituenten umfaßt eine über eine Alkylkette verknüpfte heterocyclische
Struktur, nämlich
N-(CH2)n-Heterocyclus,
wobei N ein Peptid-Aminostickstoff ist und "n" zwischen
1 und 5 liegt. Das distale Ende der Alkylkette ist an einen ausgewählten Peptid-Aminostickstoff
der Peptidhauptkette gebunden. Bei dem bevorzugten Ausführungsbeispiel
befinden sich sämtliche
N-Substitutionen auf der gleichen Seite des cyclischen Peptides.
Bevorzugte heterocyclische Strukturen umfassen Imidazol, Pyridin,
2,2':6,2''-Terpyridin und 2,2'-Bipyridin.
-
N-substituierte N-Boc-Aminosäuren werden
zum Synthetisieren der linearen Form selektiv N-substituierter Zielpeptide
verwendet. Das Verfahren von S.T. Cheung et al. (Canadian Journal
of Chemistry (1977), Ausgabe 55, Seite 906; Canadian Journal of
Chemistry (1977), Ausgabe 55, Seite 911 und Canadian Journal of
Chemistry (1977), Ausgabe 55, Seite 916) kann zum Synthetisieren
dieser N-substituierten Aminosäuren verwendet
werden. Das Syntheseverfahren verwendet einen Haloalkyl-Heterocyclus
als ein Substrat, d. h. X-(CH2)n-Heterocyclus,
wobei X ein Halogen ist und "n2
zwischen 1 und 5 liegt. Bevorzugte Halogene sind Brom und Iod. Bevorzugte
Alkylgruppen umfassen (CH2)n,
wobei n zwischen 1 und 5 liegt. Das Halogen ist an einem Ende der
Alkylkette, distal in Bezug auf die Befestigung mit der Alkylkette,
an dem Heterocyclus angeordnet.
-
Bevorzugte Haloalkyl-Heterocyclus-Substrate
können
wie folgt erhalten werden:
4-Brommethyl-1-H-imidazol kann gemäß dem Verfahren
von D.E. Ryono et al., Deutsches Patent
DE 33 09 014 (29. September 1983),
beanspruchte Priorität:
US-Patentanmeldung Nr. 356941 (15. März 1982), oder gemäß dem Verfahren
von W. Schunack in Arch. Pharm. (1974), Ausgabe 307(1), Seiten 46–51 synthetisiert
werden.
4-(2-Bromethyl)-1-H-imidazol kann gemäß dem Verfahren
von E.T. Chen in Anal. Chem. (1993), Ausgabe 65(19), Seiten0 2563–2567 synthetisiert
werden.
4-(3-Brompropyl)-1-H-imidazol kann gemäß dem Verfahren
von P. Franchetti et al. in Farmaco, Ed. Sci., Ausgabe 29(4), Seiten
309–316
und gemäß dem Verfahren
von W.M.P.B. Menge et al. in Journal Labelled Compd. Radiopharm.
(1992), Ausgabe 31(10), Seiten 781–786 synthetisiert werden.
3-Brommethyl-pyridin
kann gemäß dem Verfahren
von R. Jokela et al. in Heterocycles 1985, Ausgabe 23(7), Seiten
1707–22
synthetisiert werden.
3-(2-Bromethyl)-pyridin kann gemäß dem Verfahren
von A. Lochead et al. in der europäischen Patentanmeldung Nr.
EP 320362 (14. Juni 1989)
und
EP 88-403079 (12.
Juni 1988), beanspruchte Priorität:
Französische Patentanmeldung
FR 87-17044 oder gemäß dem Verfahren
von R.A.R. Bruneau et al. in der europäischen Patentanmeldung
EP 284174 (28. September
1988) und
EP 88-300281 (14.
Januar 1988), beanspruchte Priorität:
EP 87-400122 (19.
Januar 1987) und
EP 87-401798 (31.
Juli 1987) synthetisiert werden.
3-(3-Brompropyl)-pyridin kann
gemäß dem Verfahren
von A.W. Van der Made et al. in Recl. Trav. Chim. Pays-Bas (1990),
Ausgabe 109(11), Seiten 537–551
synthetisiert werden.
3-(4-Bromeutyl)-pyridin kann gemäß dem Verfahren
von J.W. Tilley et al. in Journal of Organic Chemistry (1987), Ausgabe 52(12),
Seiten 2469–2474
oder gemäß dem Verfahren
von U.R. Patel in dem US-Patent Nr. 4,855,430 (8. August 1989) oder
gemäß dem Verfahren
von M. Carson et al. in dem US-Patent Nr.
4,663,332 (5. Mai 1987) synthetisiert
werden.
3-Iodmethyl-pyridin kann gemäß dem Verfahren von G.G. Abashev
in dem USSR-Patent Nr.
SU
1692985 A1 (23. November 1991) synthetisiert werden.
4'-(4-Brombutyl)-2,2':6,2''-Terpyridin kann gemäß dem Verfahren von J.K. Bashkin
in der PCT-Anmeldung Nr.
WO
9119730 A1 (26. Dezember 1991) oder WO 91-US3880 (3. Juni
1991) synthetisiert werden.
5-Brommethyl-2,2'-bipyridin kann gemäß dem Verfahren
von J. Uenishi et al. in Journal of Organic Chemistry (1993), Ausgabe
58(16), Seiten 4382–4388
oder gemäß dem Verfahren
von B. Imperiali et al. in Journal of Organic Chemistry (1993),
Ausgabe 56(6), Seiten 1613–1616
synthetisiert werden.
-
Kurz gesagt werden, wie oben angedeutet,
8 Äquivalente
eines haloalkyl-heterocyclischen Substrates bei 0°C unter Stickstoff
mit Tetrahydrofruan (THF) kombiniert und zum Ausbilden einer Suspension
gerührt.
Zu dieser Suspension wird 1 Äquivalent
N-Boc-aa (N-tert-Butoxycarbonylaminosäure) als Feststoff und 3 Äquivalente
Natriumhydrid gegeben. Die resultierende Mischung wird anschließend bei
Raumtemperatur für
24 Stunden unter Stickstoff gerührt.
Nach 24 Stunden wird überschüssiges NaH
durch die vorsichtige Zugabe von H2O zu
der Reaktionsmischung gequenscht. Die Mischung wird anschließend eingeengt
und der ölige
Rückstand wird
in Et2O und Wasser aufgenommen. Die Et2O-Schicht wird anschließend mit einer NaHCO3-Lösung
gewaschen. Die kombinierten wässrigen
Extrakte werden anschließend
mit wässriger
Zitronensäure
(5%) auf einen pH-Wert von 3 angesäuert. Das angesäuerte Produkt
wird anschließend
in EtOAc extrahiert. Die kombinierte EtOAc-Schicht wird anschließend nacheinander
mit H2O, Natriumthiosulfat-Lösung, H2O und einer Salzlösung gewaschen. Das Produkt
wird anschließend über MgSO4 getrocknet und anschließend umkristallisiert.
-
Selektiv N-substituierte lineare
Peptide können
gemäß dem weiter
oben zur Verfügung
gestellten Verfahren für
die Syn these von N-alkylierten oder N-methylierten linearen Peptiden
synthetisiert werden. Wenn ein N-Substituent sterisch anspruchsvoll
ist, können
die N-substituierten N-Boc-Aminosäuren aufgrund der sterischen
Hinderung im Hinblick auf Kupplungsreaktionen sogar noch weniger
reaktiv als N-Methyl-N-Boc-Aminosäuren sein. Folglich können Kupplungsreaktionen
mit N-substituierten N-Boc-Aminosäuren langsam und relativ ineffizient
sein. Demgemäß ist es
oftmals sinnvoll, um zum Erzielen einer hohen Gesamtausbeute jeder Kupplungsreaktion
wiederholt Entkupplungsreaktionen folgen zu lassen.
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Ein selektiv N-subtituiertes Zielpeptid
kann wie folgt synthetisiert werden:
Schritt A: Der C-terminale
Aminosäurerest
(aa.1) des linearen Zielpeptides wird an ein PAM-Harz (Phenylacetamidomethyl)
gebunden. Hydroxymethyl-PAM-Harz ist ein bevorzugtes PAM-Harz. Vor
der Verwendung wird es 4 mal in DMF gewaschen. N-Boc-aa.1 (N-tert-Butoxycarbonylaminosäure) oder
N-substituiertes N-Boc-aa.1 wird
anschließend
an das gewaschene PAM-Harz gebunden, um ein Boc-aa.1-PAM-Harz zu
bilden. Die Bindung wird durch eine Vereinigung des PAM-Harzes mit
4 Äquivalenten
N-Boc-aa.1 (D oder L) oder N-substituiertem N-Boc-aa.1 (D oder L),
3,8 Äquivalenten
HBTU (2-(1H-Benzotriazol-1-yl)-1,1,3,3-tetramethyluronium tetrafluoroborat)
und 6 Äquivalenten
DIEA (N,N-Diisopropylethylamin)
in DMF erreicht. Die resultierende Mischung wird anschließend für eine Stunde
geschüttelt.
Wenn der C-terminale Aminosäurerest
(aa.1) des linearen Zielpeptides eine potentiell reaktive Seitengruppe
umfaßt,
wird die Seitengruppe vor Anknüpfung
des Aminosäurerestes
an das PAM-Harz zuerst mit einem üblichen Blockierungs-Mittel
blockiert. Nach der Beendigung der Reaktion wird das Produkt-PAM-Harz
3 mal für
eine Minute in DMF gewaschen.
Schritt B: Da die Produktmischung
eine Komponente unreagierten PAM-Harzes enthalten wird, wird das PAM-Harz
anschließend
durch Mischen mit 20 Äquivalenten
Trimethylessigsäureanhydrid
und 10 Äquivalenten
DIEA in DMF verkappt und die resultierende Mischung wird über Nacht
geschüttelt.
Das verkappte, einen N-Boc-Aminosäurerest oder N-substituierte
N-Boc-Amino säure
aufweisende PAM-Harz wird anschließend 3 mal in DMF und weitere
3 mal in CH2Cl2 gewaschen.
Schritt
C: Die geschützte
Aminogruppe des Boc-aa.1-PAM-Harzes
oder des N-substituierten N-Boc-aa.1-PAM-Harzes wird anschließend durch
eine Behandlung mit gereinigtem TFA zum Ausbilden eines aa.1-PAM-Harzes
oder N-substituierten aa.1-PAM-Harzes
entschützt.
Schritt
D: Das entschützte
Boc-aa.1-PAM-Harz oder N-substituierte aa.1-PAM-Harz wird anschließend an
den zweiten Aminosäurerest
(aa.2 oder N-alkyl-aa.2), d. h. den Aminosäurerest, der einmal von dem
C-Terminus des linearen Zielpeptides entfernt wurde, gekoppelt,
um ein Boc-aa.2-aa.1-PAM-Harz, Boc-aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz, N-alkyl-Boc-aa.2-aa.1-PAM-Harz
oder ein N-alkyl-Boc-aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz zu bilden. Der zweite
Aminosäurerest
(aa.2) weist eine Chiralität
entgegen der Chiralität
des C-terminalen Aminosäurerestes
(aa.1) auf, d. h. wenn aa.1 eine D-Chiralität aufweist, weist aa.2 eine
L-Chiralität auf; wenn
aa.1 eine L-Chiralität
aufweist, weist aa.2 eine D-Chiraltität auf. Das entschützte Boc-aa.1-PAM-Harz
oder das N-alkylierte Boc-aa.1-PAM-Harz gemäß Schritt C wird anschließend mit
4 Äquivalenten
N-Boc-aa.2 oder N-alkyliertem N-Boc-aa.2, 3,8 Äquivalenten HBTU (2-(1H-Benzotriazol-1-yl)-1,1,3,3-tetramethyluronium
tetrafluoroborat) und 6 Äquivalenten
DIEA (N,N-Diisopropylamin) in DMF vereinigt. Die Reaktionsmischung
wird anschließend
für eine
Stunde geschüttelt.
Wenn eine Kupplung mit N-alkyliertem Boc-aa.1-PAM-Harz stattfindet, kann
die Effizienz der anfänglichen
Kupplungsreaktion relativ gering sein. In diesem Falle wird ein
Aliquot der Reaktionsmischung mit dem Chloranil-Test geprüft. Wenn
der Test positiv ausfällt,
wird das Reaktionsprodukt ein zweites Mal mit den oben genannten
Reagenzien behandelt, um eine im wesentlichen quantitative Ausbeute
an Boc-aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz
oder N-alkyl-Boc-aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz zu erhalten.
Schritt
E: Die geschützte
Aminogruppe des Produktes gemäß Schritt
D, d. h. Boc-aa.2-aa.1-PAM-Harz, Boc-aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz, N-alkyl-Boc-aa.2-aa.1-PAM-Harz,
oder N-alkyl-Boc-aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz
wird anschließend
durch eine Behandlung mit gereinigtem TFA entschützt, um ein aa.2-aa.1- PAM-Harz, aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz,
N-alkyl-aa.2-aa.1-PAM-Harz
oder N-alkyl-aa.2-N-alkyl-aa.1-PAM-Harz zu erzeugen.
Schritt
F: Die Schritte D und E werden anschließend zum Anknüpfen des
dritten und nachfolgender Aminosäurereste
nacheinander an die entstehende Peptidkette so häufig wie erforderlich wiederholt,
um ein selektiv N-substituiertes lineares, an das Harz gebundene
Zielpeptid verknüpft.
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Schritt G: Nachdem die Synthese des
selektiv N-substituierten linearen Zielpeptides beendet ist, wird es
von dem PAM-Harz
abgetrennt. Die Abtrennung wird durch eine einstündige Behandlung des PAM-Harzes bei
0°C mit
einer 10:1:0,5 Mischung aus HF, Anisol und Dimethylsulfid erreicht.
Das Abtrennungsprodukt kann anschließend mit einer wässrigen
Essigsäure
(50% v/v) aus der Reaktionsmischung extrahiert und lyophilisiert werden.
Wenn das selektiv N-substituierte lineare Zielpeptid geschützte Seitengruppen
umfaßt,
können
diese Gruppen zu dieser Zeit entschützt werden. Das Produkt kann
anschließend
durch Massenspektroskopie verifiziert werden.
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Cyclisierung linearer
Peptide:
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Die linearen Zielpeptide, selektiv
N-alkylierte lineare Zielpeptide und selektiv N-substituierte lineare Zielpeptide,
deren Synthesen weiter oben beschrieben wurden, können jeweils
gemäß der folgenden
Prozedur cyclisiert werden: Eine Lösung des linearen Peptides
in DMF (1 mM) wird bei 5°C
12 Stunden mit TBTU (2-(1H-Benzotriazol-1-yl)-1,1,3,3-tetramethyluronium
tetrafluoroborat), 3 mM, HOBt (1-Hydroxybenzotriazol,
3 mM) und DIEA (Diisopropylamin, 1% v/v) behandelt, um die gewünschten
cyclischen Peptidmonomere zu erhalten. Das Produkt kann durch eine
Umkehrphase-HPLC-Reinigung aufgereinigt werden. Eine typische Ausbeute
bei der Cyclisierung eines N-methylierten linearen Peptidoctomers
beträgt
70%.
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Alternatives Verfahren
zur Peptidsynthese und -cyclisierung:
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Alternativ können Peptide mit einem Asp-Rest
gemäß dem von
Rovero, P. et al. (1991) Tetrahedron Lett., 32, 2639–2642 be schriebenen
Festphasen-Verfahren synthetisiert und cyclisiert werden. Kurz gesagt wird
Boc-Asp (N-tert-Butoxycarbonylasparginsäure) über die β-Carbonylfunktion an ein PAM-Harz
(Phenylacetamidomethyl) gebunden, während die α-Carbonylgruppen als ein Fluorenylmethyl-Ester
(OFm) geschützt werden.
Boc-Asp (β-PAM-Harz)OFm kann
von der Bachem AG, Schweiz, erworben werden. Ein lineares Peptid
mit dem D-L-Chiralitätsmotiv
kann dann auf dem Boc-Asp(β-PAM-Harz)OFm
gemäß der klassischen Boc/Benzyl-Strategie unter Verwendung
eines automatischen oder semi-automatischen Peptidsynthesierers, beispielsweise
Labortec SP 640, aufgebaut werden. Die Synthese wird durch aufeinanderfolgendes
Addieren Boc-geschützter
Aminosäuren
gemäß der BOP-Kupplungsprozedur,
d. h. 3 Äquivalente
Boc-Aminosäure,
3 Äquivalente
BOP und 6 Äquivalente
DIEA, in DMF für
eine Stunde durchgeführt.
Eine Vervollständigung
kann durch zweifaches Wiederholen jeder Kupplung erreicht werden.
Sobald die Synthese des linearen Peptides beendet ist, ist es für die Cyclisierung
bereit. Vor der Cyclisierung wurde die N-terminale Aminogruppe mit
TFA entschützt
und der C-terminale Fluorenylmethyl-Ester wurde 3 + 7 Minuten mit
Piperidin (20% v/v Piperidin in DMF) entschützt. Eine Cyclisierung wurde
anschließend
durch eine dreistündige
Behandlung mit 3 Äquivalenten
BOP ((Benzotriao)-zolyl)-N-oxy-tris(dimethylamino)-phosphonium
hexazfluorophosphat) und 6 Äquivalenten
DIEA (N,N-Diisopropylethylamin) in DMF erreicht. Wenn die Cyclisierungsreakion
vollständig
ist, kann die BOP-Behandlung wiederholt werden. Ein Entschützen der
Seitenketten und ein Abtrennen des cyclischen Peptids von dem Harz
kann durch eine einstündige
Behandlung mit einer 10:1:0,5-Mischung aus HF, Anisol und Dimethylsulfid
bei 0°C
erreicht werden. Das Produkt kann anschließend mit einer wässrigen
Essigsäure (50%
v/v) extrahiert und lyophilisiert werden.
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Verkappte und verschließbare cyclische
Peptide können
ebenfalls gemäß dem oben
genannten Verfahren durch Cyclisierung der entsprechenden N-substituierten
linearen Peptide synthetisiert werden.
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