DE69601932T2 - Umweltfreundliche schnee- und eisbeseitigungsflüssigkeit - Google Patents

Umweltfreundliche schnee- und eisbeseitigungsflüssigkeit

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Description

  • Gegenstand dieser Erfindung ist eine schnell wirkende, umwelt- und belagschonende glykolfreie Flüssigkeit, die die Rutschgefahr auf öffentlichen Straßen, Rollbahnen von Flughäfen sowie das Verklumpen von Eisenbahnweichen u. ä. verringern und gleichzeitig verhindern soll, daß sie aufgrund von Schnee- und Eiskrusten geschlossen werden müssen. Dazu bringt man Verbindungen auf, die flüssigen Stickstoffdünger enthalten.
  • Hintergrundtechnik
  • Eine der wichtigsten Voraussetzungen für Verkehrssicherheit im Winter ist die Beseitigung der Rutschgefahr für Fußgänger und Fahrzeuge. Eine weitere Voraussetzung ist die Befreiung von Eisenbahnweichen von Schnee und Eis, da ein Versagen solcher Weichen unmittelbare Lebensgefahr bedeuten kann.
  • Der größte Teil der Niederschläge wird üblicherweise auf mechanischem Weg von der Oberfläche entfernt (Schaufeln, Wegbringen, Kehren). Jedoch wird dadurch die Rutschgefahr nicht ausreichend beseitigt, weil diese in erste Linie auf den an der Oberfläche haftenden Eisfilm zurückzuführen ist. Deshalb werden mechanische Maßnahmen im allgemeinen mit Wärmeübertragung oder dem Streuen von Chemikalien kombiniert.
  • Die Wärmeübertragung kann unter anderem durch einen Dampfstrahler erfolgen, d. h. dadurch, daß man heißen Dampf auf die Oberfläche, z. B. eine Flughafenrollbahn, bläst. Abgesehen davon, daß dieses Verfahren kostspielig ist, besteht die Gefahr von Unfällen und der Hitzeschock beschädigt den Betonbelag. Außerdem bildet sich der Eisfilm bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt von neuem, sobald die Wärmeübertragung beendet wird, und ist dann oft noch gefährlicher als vorher. Deshalb kann durch dieses Verfahren keine andauernde und sichere Wirkung garantiert werden.
  • Die am häufigsten gegen Rutschgefahr eingesetzte Chemikalie ist Steinsalz, weil es billig ist. Wegen seiner mäßigen Wasserlöslichkeit (etwas über 300 g/l) wird es · üblicherweise im festen Zustand - manchmal mit Sand vermischt - auf die Oberfläche gestreut. Die vermeintliche Kosteneinsparung, die zu verbreiteter Akzeptanz dieser Praxis geführt hat, ist jedoch ein Irrtum, da eine komplexe wirtschaftliche Bewertung zum umgekehrten Ergebnis führt. Die Cl&supmin;-Ionen des Steinsalzes (und die der ebenfalls verwendeten Erdalkalkimetallchloride) wirken, wie allgemein bekannt ist, als Aktivatoren des Lochfraßes, wodurch Eisen- und Stahlelemente von Brücken und Überführungen stark beschädigt werden und ihre Lebensdauer verringert wird. Zusätzlich zu den direkt darauf zurückzuführenden Schäden (d. h. die Kosten der Wiederherstellung) gibt es auch erhebliche indirekte Schäden, z. B. durch Behinderung des Verkehrs. Das gleiche gilt für das Rosten von Gas- und Wasserleitungen. Die durch die Cl&supmin;-Ionen ausgelöste Korrosion schreitet noch schneller fort, wenn die im Boden eingebetteten Metallelemente zufälliger Spannung in der Nachbarschaft von Gleichstrom ausgesetzt werden. Die zu Lochfraß führende korrodierende Wirkung der Cl&supmin;-Ionen ist vor allem auch deshalb schädlich, weil sich dieser Prozeß aufgrund der kontinuierlichen Anhäufung von Cl&supmin;-Ionen an den Korrosionsstellen, d. h. in den Löchern, autokatalytisch beschleunigt. Darüber hinaus sind die Cl&supmin;-Ionen so stabil, daß sie durch keine chemisch-biologischen Vorgänge zersetzt werden können. Das heißt, sie verbleiben auf der Metalloberfläche, bis diese vollständig zerstört ist.
  • Auch die Elektrolyten, und zwar hauptsächlich deren Anionen, wirken - wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß - korrodierend und erodierend auf Beton. Unter den zementbildenden Mineralien ist es das Tricalciumaluminat, das dazu neigt, in Gegenwart von Wasser quaternäre Hydrate und verschiedene Anione der allgemeinen Formel 3CaO·Al&sub2;O&sub3;·3CaX·32H&sub2;O zu bilden, in der X entweder ein zweiwertiges Anion oder zwei einwertige Anionen bedeutet. Das Molvolumen dieser später entstehenden quaternären Hydrate ist viel größer als das des ursprünglichen Hydrats, so daß es im Laufe der Kristallisation zu starken Spannungen und damit zum Platzen und Zerbröckeln des Betons kommt.
  • Zusätzlich zu den korrodierend-erodierenden Wirkungen ist auch die Anreicherung des Bodens mit Natrium aufgrund der Na&spplus;-Ionen von Nachteil, weil dadurch Pflanzen direkt und als Folge Menschen und Tiere indirekt geschädigt werden. Wie bekannt ist, schließt diese schädigende Wirkung neben der bereits genannten Korrosion/Erosion die Verwendung von Meerwasser zu Bewässerungszwecken aus. Daher dient ein Enteisen mit Steinsalz zwar einerseits der Verkehrssicherheit und schützt Menschenleben, stellt andererseits jedoch eine indirekte Gefährdung dar.
  • Vom technischen Standpunkt liegt ein weiterer Nachteil des Aufbringens von Steinsalz darin, daß die Wirkung nicht so schnell eintritt wie erforderlich, z. B. beim Enteisen von Eisenbahnweichen. Wie Chemikalien im allgemeinen entfaltet das Steinsalz seinen "Taueffekt" (der tatsächlich auf die Beschleunigung der Wärmeübertragung aus der Umgebung zurückzuführen ist) dadurch, daß es den Gefrierpunkt der Lösung selbst unter Umgebungstemperatur senkt, wenn es in Wasser aufgelöst wird. Dadurch kühlt die entstandene Flüssigkeit als Folge des Wärmebedarfs beim Tauen zusammen mit der Wär meübertragung aus der weniger kalten Umgebung ab, indem sie durch ihre Antriebskraft Δt sicherstellt. Dieser Mechanismus ist jedoch langsamer als bei Verwendung flüssiger zum Tauen eingesetzter Chemikalien (aufgrund der die Geschwindigkeit bestimmenden Rolle der Flüssigkeitsbildung), da die Auflösungsgeschwindigkeit des Steinsalzes mit sinkender Temperatur erheblich abnimmt, obwohl seine Löslichkeit (d. h. der Sättigungspunkt) praktisch unabhängig davon ist. Die langsame Wirkung würde das Enteisen von Weichen und anderen Gegenständen auch dann stören, wenn die Kontaktzeit aus Konstruktionsgründen kurz ist. Wenn man festes Steinsalz streut, ist die gleichmäßige Portionierung und Verteilung wesentlich zufälliger als beim Sprühen einer Flüssigkeit. Obwohl Maschinen, die eine gleichmäßige und von der Fahrerkabine aus steuerbare Salzstreuung ermöglichen, bekannt sind und zur Verfügung stehen, stellen ihre außergewöhnlich hohen Kosten die angeblich so billige Technik des Salzstreuens in Frage. Dies gilt um so mehr als die im Sommer eingesetzten Wassertransportfahrzeuge auch zum Sprühen der Tauflüssigkeit im Winter eingesetzt werden können.
  • Die Entwicklung der für die behandelte Fläche geeigneten Flüssigkeit wurde dadurch angeregt, daß man dringend eine Lösung für die vorstehend aufgeführten Probleme finden mußte. Wichtig waren dabei vor allem in großen Mengen zur Verfügung stehende Rohmaterialien.
  • Im Stand der Technik sind Patente bekannt, die die Korrosionsschäden durch Einsatz von Inhibitoren verringern. Durch Chemikalien, die keine Na&spplus;-Ionen enthalten, soll die Anreicherung des Bodens mit Natrium verhindert werden. Um die Wirkung zu beschleunigen, werden die Mittel im flüssigen Zustand verteilt. Die für dieses Verfahren durch die bekannten Patente vorgeschlagenen Flüssigkeiten waren hauptsächlich die gleichen, die be reits in anderen Vorrichtungen Anwendung gefunden haben, z. B. in Kühlsystemen von Verbrennungsmotoren oder Vorrichtungen, die in der Praxis zufällig im Zusammenhang damit eingeführt wurden. Flüssigkeiten dieser Art sind die Ethylenglykol enthaltenden Produkte bzw. deren Lösungen, die unter verschiedenen Handelsnamen verwendet werden.
  • Im französischen Patent Nr. 838 638 (1938) wird zur Senkung des Gefrierpunkts eine Lösung von Harnstoff in verschiedenen Konzentrationen, manchmal in Kombination mit Steinsalz oder Natriumhydrocarbonat vorgeschlagen. Nach den Daten in der Beschreibung stellt der Harnstoff selbst einen Gefrierpunkt von -10ºC und in Kombination mit den Elektrolyten von -20ºC sicher. Ein offensichtlicher Vorteil dieses Produkts besteht im Vergleich zu dem gestreuten festen Harnstoff darin, daß es im flüssigen Zustand vorliegt (diese Lösung kommt zur Zeit auch in der Praxis vor). Allerdings hat es den Nachteil, daß reiner Harnstoff höchstens bis -8ºC verwendet werden kann und selbst im gelösten Zustand nur langsam wirkt. Da er nicht in wäßrigen Lösungen dissoziiert (er ist kein Elektrolyt), ist außerdem zur Auflösung der gleichen Menge Eis im Vergleich zur dem dissoziierenden Steinsalz der nahezu gleichen molekularen Masse die doppelte Menge in identischer prozentualer Konzentration nötig. Selbst wenn man diese Nachteile dadurch abschwächt, daß man das Produkt mit den vorgeschlagenen Elektrolyten kombiniert, geht der Vorteil des Verzichts auf Na&spplus;-Ionen verloren. Außerdem werden bei der Behandlung mit Steinsalz die Nachteile der Behandlung mit Cl&supmin; -Ionen ebenfalls nicht vermieden.
  • Die Beschreibung von US-A-2,233,185 (1938) schlägt als frostfeste Flüssigkeit eine Lösung vor, die aus Formiat, Acetat, Propionat und Butyratsalzen von Alkalimetallen bzw. einer Kombination daraus in einem pH- Bereich von 8 bis 9 besteht und durch Alkaliborat- und Phosphatpuffersalzadditive stabilisiert wird. Als Inhibitoren und Schaumbremser werden in dieser Patentschrift verschiedene emulgierende Mineralölderivate vorgeschlagen. Wegen der begrenzten Verfügbarkeit der benötigten Chemikalien hat diese Lösung im Laufe der letzten mehr als 50 Jahre keine verbreitete Akzeptanz gefunden, obwohl sie verschiedene wichtige technische Vorteile hat, die die vorstehenden Anforderungen erfüllen könnten.
  • Nach dem britischen Patent Nr. 561 253 (1944) wird eine wäßrige Lösung von Natriumacetat in Kombination mit einem Natriumchromatinhibitor verwendet. Dadurch wird der Nachteil der Na&spplus;-Ionen offensichtlich nicht beseitigt. Außerdem ist dieses Verfahren wegen der gesundheitsgefährdenden Wirkung der Chromationen nicht genehmigungsfähig. Auch die technische Wirkung ist nicht zufriedenstellend, da die Autoren nur für einen Temperaturbereich bis -8ºC eine Garantie abgeben.
  • Als frostfeste Enteisungsflüssigkeit ist eine wäßrige Lösung aus Harnstoff und Ammoniumchlorid, manchmal mit Formamid als zusätzliche Komponente, im britischen Patent Nr. 1 387 810 (1975), beschrieben. Mit dieser Kombination reichte die Wirkung bis -16 und -18ºC. Neben den offensichtlichen Vorteilen der Lösung bleibt jedoch nach wie vor das Problem der Cl&supmin;-Ionen bestehen.
  • Eine Flüssigkeit, die zur Wärmeübertragung und zum isopiestischen Trocknen dient, ist in US-A-4,689,165 (1985) beschrieben. Dort arbeitet man mit einer wäßrigen Ammoniumnitratlösung in einem weiten Konzentrationsbereich und mischt gelegentlich Harnstoff und/oder Formamid und/oder Dimethylformamid sowie Ethylenglykol dazu. Als Korrosionshemmer werden Thiocarbamid, Alkylpolyglykolester, Hexamethylentetramin bzw. eine Mi schung davon verwendet. Diese Flüssigkeit kann als Enteiser für öffentliche Flächen nicht empfohlen werden, weil einige ihrer Komponenten gesundheitsschädlich sind. Andererseits gibt das Patent auch keine Hinweise für das Mengenverhältnis von Ammoniumnitrat zu Harnstoff oder für ihre Gesamtkonzentration, die die Vorteile der erfindungsgemäßen technischen Lösung sicherstellen könnten.
  • Seit langem ist bekannt, zum Enteisen Nebenprodukte aus der chemischen Industrie (z. B. aus der Zuckerherstellung oder aus der Pharmazie einzusetzen, die für andere Zwecke praktisch nicht verwendet werden können. Allerdings unterliegen diese Ansätze strengen Hygienevorschriften. Ein weiterer Nachteil ist die unzureichende Reproduzierbarkeit der Nebenprodukte und ihr sowohl in bezug auf Platz als auch Zeit fluktuierender Nachschub. Obwohl die CaCl&sub2;-Lösung, die durch Neutralisierung der als Abfall bei der Chlorierung in der organischen chemischen Industrie anfallenden Salzsäure mit Kalkstein und/oder gelöschtem Kalk entsteht, Eis sehr gut taut und die Ca&spplus;&spplus;-Kationen keine Komponenten sind, die den Boden mit Natrium anreichern, ist durch die Verwendung von CaCl&sub2; das Problem der Cl&supmin;-Ionen nach wie vor nicht gelöst. Außerdem ist durch die schwer kontrollierbare Herkunft der als Abfall anfallenden Salzsäure das Risiko der Umweltverschmutzung gegeben.
  • Hauptsächlich zum Enteisen von Flughafenrollbahnen und ebenen Flächen werden zahlreiche Ethylenglykol enthaltende Flüssigkeiten verwendet, überwiegend in wäßrigen Lösungen, die gelegentlich mit Harnstoff und meistens mit verschiedenen Inhibitoren vermischt sind. Die Toxizität des Glykols und die Gefahr, daß es in Süßwasser und damit ins Trinkwasser gelangt, tritt mit zunehmend stengeren Hygiene- und Umweltschutzvorschriften immer stärker in den Vordergrund. Aus diesem Grund besteht große Nachfrage nach rutschhemmenden Maßnahmen ohne Einsatz von Glykol.
  • Offenbarung der Erfindung
  • Die Grundlage für die Erfindung bildet die Erkenntnis, daß zur Beseitigung der Rutschgefahr eine Kombination aus umweltfreundlichen und darüberhinaus wirksamen Düngemitteln vorteilhaft ist. Wenn sie ihren Zweck, nämlich die Auflösung von Eis, erfüllt haben, sickern sie im Laufe des autotrophischen Assimilationsprozesses (biologischer Abbau) als zellbildender Nährstoff in pflanzliche Organismen ein. Daher wirken die Chemikalien zwar nachhaltig gegen die Rutschgefahr, jedoch nur vorübergehend auf die Umwelt. Folglich konnte das vorstehend beschriebene Problem der Akkumulierung der Elektrolytionen (vor allem Cl) gelöst werden. Da der Harnstoff und das Ammoniumnitrat, die auch in den beschriebenen Zusammensetzungen verwendet wurden, bei Vermischen mit Wasser in einem festgelegten Verhältnis ein bekanntes ternäres System ergeben, in dem sowohl das Verhältnis von Harnstoff zu Wasser als auch von Ammoniumnitrat zu Wasser das Verhältnis übersteigt, das der Löslichkeit dieser Verbindungen entspricht, gründet sich die Erfindung außerdem auf das Konzept, daß die Vorteile des flüssigen Zustands ausgenutzt werden können, ohne Verringerung der Eisauflösung, d. h. die gelöste Substanz verfügt aufgrund der Anwesenheit von Wasser in der ursprünglichen Flüssigkeit über die Fähigkeit der Wasserabsorption (ein grundlegender Unterschied im Vergleich zu der gesättigten NaCl-Lösung). Deshalb erreicht man im flüssigen Zustand mit der ternären Verbindung die gleiche Eisauflösungskapazität wie mit Chemikalien ohne Wasser, wobei die Wirkung aufgrund des flüssigen Zustands natürlich viel rascher eintritt.
  • Experimentell wurde festgestellt, daß die vorteilhaf teste Zusammensetzung des Produkts (unter dem im folgenden erörterten Gesichtspunkt) bei einem Massenverhältnis von Wasser zu Harnstoff zu Ammoniumnitrat von 5 : 4 : 7 erreicht wird, bei dem der thermodynamische Gefrierpunkt des Gemischs -18ºC beträgt. Bei dieser Temperatur beginnt jedoch nicht die Abtrennung des Wassers, sondern die der Chemikalien. Dadurch wird die Flüssigkeit verdünnt, und ihr Gefrierpunkt sinkt auf -28ºC, der durch das Massenverhälthis von 8 : 4 : 7 erreicht wird. Gleichzeitig deutet dies darauf hin, daß der Gefrierpunkt im Laufe der Eisauflösung diametral entgegengesetzt zu anderen vorstehend erörterten Enteisungszusammensetzungen sinkt und damit die Antriebskraft und die Geschwindigkeit des weiteren Eisauflösungsprozesses steigt. Die Flüssigkeit, die bei -28ºC ihre eutektische Zusammensetzung erreicht, wird aufgrund der weiteren Eisauflösung zusätzlich verdünnt und erreicht den ursprünglichen Gefrierpunkt von -18ºC bei einem Verhältnis von 16,5 : 4 : 7. Folglich kann die Flüssigkeit mit einem Wassergehalt von 31% bei einem Verhältnis von 5 : 4 : 7 bis zu einem Wassergehalt von 60% verdünnt werden, ohne daß der ursprüngliche Gefrierpunkt steigt, d. h. ohne daß ihre Frostbeständigkeit abnimmt. (Vielmehr steigt diese innerhalb der genannten Grenzen an.) All dies zieht die überraschende Tatsache nach sich, daß die Geschwindigkeit der Eisauflösung nicht nur deshalb hoch ist, weil man eine flüssige Zusammensetzung verwendet, sondern auch weil die Wirkung bei Verdünnung im genannten Bereich eines Wassergehalts von 30 bis 60% noch intensiviert wird. Dieser Vorteil, den man bisher nicht erreichte, kann auf die folgenden drei Hauptgründe zurückgeführt werden.
  • 1. Bei Verdünnung kommt es zu einem raschen Anstieg der Frostbeständigkeit, wenn das eutektische Verhältnis von 8 : 4 : 7, das mit -28ºC zusammenhängt, erreicht wird. Das heißt, der Gefrierpunkt sinkt von ursprünglich 18 auf -28ºC. Der ursprüngliche Gefrierpunkt kann wieder erreicht werden, wenn man erneut auf einen Wassergehalt von 60% verdünnt. Wenn die Differenz zwischen der Umgebungstemperatur und dem Gefrierpunkt größer wird, nehmen die Antriebskraft und die Geschwindigkeit der Wärmeabsorption (Wärmetransport) aus der Umgebung zu.
  • 2. Je stärker Δt mit einer allmählich kleiner werdenden Dichte und Viskosität zusammenhängt, d. h. je stärker die Fluidität aufgrund des gestiegenen Wassergehaltes zunimmt, desto größer wird auch der konvektive Wärmetransport. Daher steigt aus kinetischen Gründen auch die Geschwindigkeit der Eisauflösung.
  • 2. Die Bildung der erfindungsgemäßen ternären Flüssigkeit mit einem Verhältnis von 5 : 4 : 7 ist stark endotherm und führt damit zu einem starken Wärmeentzug aus der Umgebung. In Zahlen ausgedrückt: Wenn man 1 kg Chemikaliengemisch in einem Massenverhältnis von 4 : 7 mit den vorgeschriebenen 0,455 kg Wasser mischt, führt dies zu einer Wärmeabsorption, d. h. Wärmeakkumulation, von 163 kJ. Folglich braucht diese bei der Flüssigkeitsbildung entstehende Wärme im Gegensatz zu den herkömmlichen Verfahren mit Chemikalien nicht mehr aus der Umgebung entfernt zu werden, um Eis aufzulösen. Daher wird in der ersten Analyse die Wärme, die zuvor aus der Umgebung absorbiert und akkumuliert wurde (z. B. bei der Herstellung der Flüssigkeit), zum Enteisen verwendet, wodurch die Intensität der Eisauflösung steigt.
  • In dieser Beschreibung wurden die Begriffe "Auflösung von Chemikalien" sowie "Lösung von Chemikalien" bewußt vermieden, weil bei einem Verhältnis von 5. 4. 7 die Struktur der Flüssigkeit vom wissenschaftlichen Standpunkt näher an Schmelzen als an traditionellen Lösungen steht. Die Gesetze für letztere (z. B. das Raoult'sche Gesetz) gelten auch nicht annähernd dafür, und die Struktur der herkömmlich empfundenen Lösungen, in denen das Wasser die Rolle des Lösungsmittels spielt, wird nur allmählich durch die Verdünnung aufgrund der Eisauflösung erreicht. Wenn man diese endotherme Flüssigkeitsbildung berücksichtigt, ist die erfindungsgemäße Flüssigkeit tatsächlich eine theoretische "Eislösung".
  • Das bereits erwähnte Massenverhältnis des erfindungsgemäßen ternären Systems von 5 : 4 : 7 ist dem Molverhältnis von 25 : 6 : 8 nahe (ungeachtet der Dissoziierung des Ammoniumnitrats, die jedoch auf extreme Bedingungen beschränkt ist). Daher erinnern die angesprochenen besonderen Effekte an das Gesetz des multiplen Gewichtsverhältnisses, das aus der klassischen Chemie bekannt ist. Nach diesem Gesetz definieren die Molverhältnisse, die in relativ kleinen ganzen Zahlen ausgedrückt werden können, chemische Bindungen oder Verbindungen, was zu abrupten Veränderungen in den Eigenschaften führt. Diese Annahme wird auch durch die Beobachtung gestützt, daß ein erhebliches Abweichen von dem vorgegebenen Verhältnis (z. B. ein Abweichen vom Massenverhältnis der Komponenten um ± 10) erhebliche und, unter dem Gesichtspunkt des Zwecks der Erfindung, zu nachteiligen Veränderungen in den Eigenschaften führen würde. Wenn z. B. das Verhältnis von Harnstoff zu Ammoniumnitrat aus diesem Bereich fällt, nimmt die Wärme bei der Flüssigkeitsbildung (erforderliche Mischwärme) erheblich ab und damit auch die Wärmeakkumulation und die Wirkungsgeschwindigkeit. Es ist aber eine wichtige Voraussetzung vor allem für Weichen an Bahngleisen und andere Gegenstände, daß die Flüssigkeit rasch von der Oberfläche rinnt, die enteist werden soll. Wenn der Wassergehalt der Flüssigkeit über diese Toleranzgrenze steigt, d. h. sie verdünnt wird, nimmt die spezifische Fähigkeit zur Eisauflösung ab, ohne daß es zu einer merklichen Steigerung der Wärmeabsorption aus der Umgebung, d. h. Wärmeakkumulation, kommt. Wenn andererseits die Wasserkonzentration der Flüssigkeit abnimmt, d. h. sie konzentriert wird, ist ihre Frostbeständigkeit und dadurch ihre Transportfähigkeit und Anwendbarkeit zugunsten einer leichten Steigerung der Eisauflösungskapazität und spezifischen Wärmeakkumulation eingeschränkt. Wenn man dies berücksichtigt, ist es sowohl vom theoretischen als auch vom technischen Standpunkt angemessen, daß die Flüssigkeit durch ein Massenverhältnis von Wasser zu Harnstoff zu Ammoniumnitrat im Bereich von (4,5-5,5) : (3,6-4,4) : (6,3-7,7) gekennzeichnet ist.
  • Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemäßen Flüssigkeit liegt darin, daß eine rasche Wirkung mit einem starken und langanhaltenden eisauflösenden und rutschhemmenden Effekt kombiniert ist. Die Behandlung mit Chemikalien wird aus technischen und wirtschaftlichen Gründen immer erst nach der Entfernung der Schneeschicht begonnen und selbst dann nicht bis zur vollständigen Auflösung des Eisfilms bzw. der Eisschicht an der Oberfläche fortgesetzt, sondern nur so lange, bis diese gelockert und dann auf mechanische Weise entfernt werden kann. Der Einsatz von Steinsalz ist wegen der bereits angesprochenen Nachteile auch deshalb problematisch, weil das auf die Oberfläche gestreute Salz von den tauenden Eispartikeln "geschluckt" wird und deshalb nicht direkt auf dem Beton oder Asphalt haftet, wo die größte Rutschgefahr besteht. Im Gegensatz dazu dringt die erfindungsgemäße Flüssigkeit sofort durch die Risse der Eisschicht auf den haftenden Film und löst ihn auf. Dadurch wird es möglich, das Eis zu trennen und von der Fläche zu entfernen. Dank diesem Mechanismus braucht man je nach der Temperatur und der Dicke der Eiskruste nur etwa 50 bis 100 g Chemikalien pro Quadratmeter. Wenn man diese flüssige Menge versprüht, läßt sich die Eiskruste leicht entfernen. Andererseits kann man, wie beobachtet, auf die Kombination der Flüssigkeit mit Sand verzichten. Dies ist sowohl vom wirtschaftlichen als auch vom betrieblichen Standpunkt nicht nur beim Streuen vorteilhaft, sondern auch bei der anschließenden Reinigung der Straße, da man sich das Entfernen des Sandes sparen kann. Der langhaltende Schutz, der selbst ohne Sandstreuung mehrere Stunden anhält, kann auf die hygroskopischen und haftenden Eigenschaften des Gemischs zurückgeführt werden, das dafür sorgt, daß die Oberfläche der Wege und Straßen über mehrere Stunden feucht bleibt, und einen sicheren Schutz vor allem bei neuerlichem Schneefall oder Eisregen bietet. Wie bekannt ist, steigt bei Eisregen die Unfallgefahr auf den Straßen stark an, weil das Eis kaum sichtbar ist. Dagegen bietet Sandstreuung einen zwar sichtbaren, aber nicht zufriedenstellenden Schutz.
  • Die Zersetzung der Chemikalien (biologischer Abbau), die je nach Umgebungstemperatur mindestens 2 Wochen und höchstens 4 Wochen dauert, ist vom technischen und ökologischen Standpunkt gleichermaßen vorteilhaft, weil keine schädlichen Rückstände auf Metalloberflächen akumulieren, sondern im Gegensatz zu den Cl&supmin;-Ionen allmählich verdünnt werden und schließlich ganz verschwinden. Dies ist eines der wichtigsten Merkmale der Erfindung. Auch in bezug auf den Grad der Umweltgefährdung durch Korrosion ist dies ein wichtiges Ergebnis.
  • Durch systematische vergleichende Standardtests wurde festgestellt, daß die erfindungsgemäße Flüssigkeit die gängigen Metallelemente (hauptsächlich Eisen und Stahl) weniger schädigt als die nach dem Stand der Technik bekannten anderen Flüssigkeiten, wenn man auch die im folgenden beschriebenen Inhibitoradditive verwendet. Die Einzelheiten dieser Tests können weggelassen werden, weil die Korrosionsstandards ein Eintauchverfahren vorschreiben, das für die erfindungsgemäße praktische Anwendung, die einen biologischen Abbau ermöglicht, nicht zutrifft. Daher sind die vergleichenden Eintauchtests von beispielsweise 6 bis 8 Monaten (die sonst auf die Vorteile der Flüssigkeit sogar unter dem Gesichtspunkt der Korrosion hinweisen) nicht maßgeblich, weil ein Kontakt von mehr als einem Monat zwischen den Komponenten der Flüssigkeit und den in die Erde eingebetteten Metallelementen nicht zustande kommt.
  • Trotzdem wurde experimentell festgestellt, daß man selbst bei einer vorübergehenden Kontaktzeit einen wirksamen Schutz der Metallelemente erreichen kann, wenn man dem ternären Gemisch als Korrosionshemmer 1,5 bis 2,0 Massenprozent Benzoesäure und 0,10 bis 0,25 Massenprozent Benzoe- oder Tolyltriazol beimischt. Obwohl schon die vorstehenden Ausführungen Fachleuten das notwendige Wissen vermitteln, die erfindungsgemäße Flüssigkeit anzuwenden, kann ihr näheres Studium durch folgende Beispiele erleichtert werden.
  • Beste Ausführungsform Herstellung auf der Basis von Rohmaterial
  • Um eine Tonne Produkt herzustellen, speist man 305,3 kg Wasser in einen Mischreaktor. Anschließend werden 246 kg Harnstoff und 430,8 kg Ammoniumnitrat untergemischt. Die beiden Düngerkomponenten müssen miteinander vermischt werden, weil sonst das Ammoniumnitrat in Wasser nicht flüssig würde. Unter Rühren werden der Mischung 16,0 kg Benzoesäure und 1,9 kg Tolyltriazol zugesetzt. Wenn keine Abwärme zur Verfügung steht, um das Wasser vorzuheizen oder das Gemisch z. B. in einem Duplikator zu erwärmen, kühlt letzteres ab (unter 0ºC) und erreicht erst nach längerer Zeit Umgebungstemperatur. Dies ist abgesehen davon, daß es die Verflüssigung verlangsamt, kein Nachteil.
  • Der pH der auf diese Weise hergestellten Flüssigkeit beträgt 7,0 bis 7,5. Um ihn einzustellen, ist die Genauigkeit der dezimalen pH-Streifen (nach einem vorausgehenden Test mit einer Glaselektrode) ausreichend. Bei Bedarf kann eine Korrektur mit etwas Ammoniak oder Salpetersäure vorgenommen werden. Die Dichte des auf diese Weise hergestellten Gemischs beträgt 1,25 g/cm³, sein thermodynamischer Gefrierpunkt (d. h. die Temperatur, bei der es bei Kühlen zur Trübung kommt) -18ºC. Wenn im Winter keine Abwärme zum Erwärmen zur Verfügung steht, ist es sinnvoll, zuerst die Inhibitoren aufzulösen und dann die Grundkomponenten miteinander zu vermischen.
  • Herstellung auf der Basis flüssigen Stickstoffdüngers
  • Die Grundkomponenten der erfindungsgemäßen Flüssigkeit sind identisch mit denen von flüssigem Stickstoffdünger, haben wegen ihres unterschiedlichen Verwendungszwecks jedoch eine andere Zusammensetzung. Da jedoch die Herstellung der festen Rohmaterialien durch Verdampfung und dann ihre erneute Auflösung (mit erheblichem Wärmebedarf) kein sinnvoller Weg ist, auch wenn man auf den Wassertransport verzichten kann, ist es dann, wenn flüssiger Stickstoffdünger zur Verfügung steht, praktisch, ihn als Zwischenprodukt zu verwenden und die Produktion je nach ihrer Zusammensetzung zu intensivieren.
  • Einer der bekannten flüssigen Dünger enthält pro Tonne 300 kg Wasser, 300 kg Harnstoff und 400 kg Ammoniumnitrat. Folglich wurden durch beide Düngerkomponenten je 140 und zusammen 280 kg Stickstoff eingemischt. Auf ei ne Tonne dieses Gemischs werden unter Rühren 125 kg Ammoniumnitrat und 75 l Wasser eingespeist. Im Wasser hatte man zuvor 19,5 kg Benzoesäure und 2,3 kg Tolyltriazol aufgelöst. Auf diese Weise werden 1.221,8 kg erfindungsgemäßes Produkt erzeugt, dessen Eigenschaften mit denen des vorstehenden Beispiels identisch sind. Die Steuerung und Einstellung des pH erfolgt wie beschrieben.
  • Industrielle Anwendbarkeit
  • Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Vorteile der erfindungsgemäßen umweltfreundlichen Schnee und Eis auftauenden Flüssigkeit im Gegensatz zu bisher verwendeten Mitteln in ihrer raschen Wirkung beim Enteisen von Oberflächen liegen. Dabei kann eine sehr kurze Kontaktzeit garantiert werden, weil die Flüssigkeit rasch herunterrinnt (z. B. bei Eisenbahnweichen). Gleichzeitig bietet sie einen langanhaltenden Schutz gegen erneutes Vereisen, reichert den Boden nicht mit Natrium an und wirkt nur mäßig korrodierend. Selbst das endet nach einigen Wochen, wenn die Wirkkomponenten der Flüssigkeit in nützliche Pflanzennährstoffe umgewandelt werden.

Claims (2)

1. Umweltfreundliche, glykolfreie Flüssigkeit zum Auflösen von Eis und Schnee als Enteisungs- und rutschhemmendes Mittel hauptsächlich für öffentliche Straßen, Eisenbahnweichen, Start- und Landebahnen von Flughäfen durch Aufbringen flüssiger Stickstoffdüngerkomponenten, dadurch gekennzeichnet, daß das Masseverhältnis von Wasser - Harnstoff - Ammoniumnitrat im Bereich von (4,5-5,5) (3,6-4,4) : (6,3-7,7) schwankt.
2. Flüssigkeit nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sie mindestens 1, 5 bis 2,0 Masse-% Benzoesäure und 0,10 bis 0,25 Masse-% Benzoe- oder Tolyltriazol als Korrosionshemmer enthält.
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