DE86656A - - Google Patents
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Den Gegenstand der vorliegenden Erfindung bildet eine Dampfmaschine mit rotirendem
Kolben, bei welcher die die Bewegung des mit der Maschinenwelle verbundenen Kolbens
ermöglichenden Widerlagsschieber durch den Abdampf der Maschine bewegt werden, und
zwar ist die Maschine derart eingerichtet, dafs, trotzdem die Widerlagsplatten durch den Abdampf
bethätigt werden, die Maschine doch selbst mit einem Gegendruck arbeiten kann,
welcher beachtenswerth kleiner ist als der Druck, dessen man zur Bethätigung der Widerlagsschieber
benöthigt.
Auf den beiliegenden Zeichnungen veranschaulicht die Fig. 1 einen Verticallängsschnitt
durch eine derartige Maschine, welche mit drei Widerlagsschiebern ausgerüstet ist.
Die Fig. 2 ist im allgemeinen ein verticaler mittlerer Querschnitt durch die Maschine.
Die Fig. 3 ist die mit Bezug auf die Fig. 1 linke Seite des Gehäuses, in welchem der
Hauptkolben mit der Welle umläuft. Die zur Bewegung der Widerlagsplatten erforderlichen
Hülfsdampfcylinder sind ebenso wie die den Hauptauslafsschieber aufnehmende Kammer abgenommen und der eben erwähnte Schieber
selbst erscheint in der linken Endansicht.
Die Fig. 4 ist ein Längsschnitt der Widerlagsplatten
und die Fig. 3 eine Ansicht zweier für die Hülfsdampfcylinder zur Verwendung
kommenden Schieber, und zwar von derjenigen Seite aus, mit welcher dieselben auf den Schieberflachen
der Cylinder aufliegen.
Fig. 6 ist eine rechte Endansicht der zur Bewegung der Dampfeinlafsschieber der Hülfscylinder
dienenden Curvenscheibe.
G ist der bei der gezeichneten Ausführungsform der Maschine zweitheilig angenommene,
gewissermafsen zu einem Rotationskörper zusammengebogene Hauptcylinder der Maschine,
in welchem der mit der Maschinenwelle A fest verbundene Kolben H sich dreht.
In der Fig. 1 sieht man auf der rechten Seite den mit einem Expansionsschieber R ausgerüsteten
Einlafsschieber Q., während man auf der linken Seite den Auslafsschieber S
sieht. Alle drei Schieber erscheinen im diametralen Längsschnitt. E und F sind die Gehäuse,
welche die Schieber gegen die Umgebung der Maschine abschliefsen. T ist das
Zuflufsrohr für den frischen Dampf, U dasjenige Rohr, welches den in die Zwischenkammer
F gelangten Abdampf der Hauptmaschine zu den Hülfscylindern J leitet, und
V ist das eigentliche Dampfabgangsrohr, welches in die Atmosphäre, den Condensator oder
auch wohl zu der Kammer E einer mit der gezeichneten Maschine gekuppelten Niederdruckmaschine
führt. M sind die gleichzeitig' einen einfachen oder doppelten Dampfabgangskarial
bildenden Widerlagsschieber, welche durch die Kolben L der Hülfscylinder / in die Bewegungsbahn des Hauptkolbens H und für dessen
Durchgang aus dieser Bahn herausbewegt werden.
Die Oeffnungen, durch welche der frische Dampf in den Hauptcylinder G gelangt, sind
in. den Fig. 1 und 2 mit N bezeichnet, während die zur Ueberleitung des Abdampfes aus
dem Cylinder G nach der Kammer F dienenden Oeffnungen die Bezeichnung O erhalten
haben. .......
Der Schnitt Fig. 2 ist mit Bezug auf die Fig. ι vom rechten Ende der Maschine her
gesehen und die Dampfabgangsöffnungen O erscheinen daher ausgezogen, während die
Dampfeintrittsöffnungen, um ihre bezügliche Stellung zu denjenigen O zu veranschaulichen,
in die Figur hineinpunktirt sind. Wie die Fig. 2 erkennen läfst, liegt auf der einen Seite
jedes Widerlagsschiebers M eine Eintrittsöffnung N und eine Auslafsöffnung O. Der
Kesseldampf tritt durch eine der Oeffnungen N hinter den Kolben H, dreht diesen mit der
Wellet herum, wobei H mittelst seiner ihm vorauseilenden Curve r den jeweilig in seinem
Wege befindlichen Widerlagsschieber M radial nach aufsen bewegt.
Bei der gezeichneten Maschine sind, wie aus Fig. 2 zu ersehen, drei Widerlagsschieber
mit ihren Hülfscylindern angeordnet und zwei dieser Schieber befinden sich immer in der
innersten Stellung, so dafs sie mit ihren schmalen Seiten überall einen dampfdichten Abschlufs
bewirken.
Ist der Kolben H an einer der Widerlagsplatten M vorbeigegangen, so wird dieselbe
durch den in die Kammer F gelangten Abdampf mittelst der Kolben L sehr schnell
wieder bis auf den Ring c des Kolbens H einwärts bewegt, worauf auch der Einlafsschieber
Q. durch die betreffende Oeffnung N den frischen Dampf zwischen den eben niedergegangenen
Widerlagsschieber M und den Kolben H treten läfst. Während der fortschreitenden
Bewegung des Kolbens H hebt die Curve r den zunächst vor dem Kolben H liegenden
Schieber M aus dem Wege, und da dieser Schieber, wie die Fig. 4 erkennen läfst, einen
durch seine ganze Länge hindurchführenden doppelten Kanal n' enthält, welcher an beliebiger
Stelle mit Rückschlagventilen m' ausgerüstet ist, so tritt der vor dem Kolben H
befindliche Dampf sofort in die Kanäle n' ein und strömt, wenn die Gesammtordnung derart
getroffen ist, direct ins Freie, den Condensator oder auch, wie erwähnt, in den Aufnehmer
einer zweiten Maschine.
Der Auslafsschieber S ist, wie die Fig. 3, in welche der Hauptkolben H einpunktirt ist,
erkennen läfst, zu diesem Kolben so gestellt, dafs der jeweilig direct vor dem Kolben H
befindliche Theil des Hauptcylinders, aus welchem also der Dampf durch die Widerlagsplatten
hindurch entweichen kann, nicht mit der Kammer F in offene Verbindung tritt.
Der Auslafsschieber kann derart eingerichtet sein, dafs er den direct hinter dem jeweilig
wirksamen Widerlagsschieber (z. B. in Fig. 2 dem vertical angeordneten) befindlichen Theil
des Hauptcylinders so lange offen hält, bis der Kolben genau von einem Schieber M zum
anderen gelaufen ist. Man kann aber auch die Oeffnung sρ (Fig. 3) des Auslafsschiebers
nur so grofs in der Umdrehungsrichtung machen, dafs sie nur während eines Theiles des soeben
bezeichneten Weges des Hauptkolbens eine offene Verbindung zwischen dem Hauptcylinder
G und der Zwischenkammer F gestattet. Dies hat den Vortheil, dafs der Druckunterschied
vor und hinter dem jeweilig wirksamen Widerlagsschieber Mwährend des ersten Theiles
des von einem zum anderen Schieber gehenden Kolbenweges kleiner ist, wie zwischen dem
anfänglich arbeitenden Dampf und dem in der Kammer F befindlichen. Etwaige Undichtigkeiten
des betreffenden Widerlagsschiebers machen sich also auch entsprechend weniger fühlbar.
Während beispielsweise der Hauptkolben K von dem einen Schieber M bis zum nächsten
120 Winkelgrade durchlaufen mufs, bleibt bei der durch die Fig. 3 veranschaulichten Construction
des Auslafsschiebers eine offene Verbindung zwischen dem Hauptcylinder G und der Kammer F nur innerhalb eines Winkels
von 60° bestehen.
Der Kolben H läuft dementsprechend 60 Winkelgrade herum, bevor eine Eröffnung
des Austrittes hinter dem gerade wirksamen Widerlagsschieber stattfindet. Man kann den
Schlitz sp des Auslafsschiebers S selbstverständlich noch kürzer als 60°, z. B. nur 300,
machen und erreicht dadurch, dafs ein Dampfaustritt in die Zwischenkammer F erst stattfindet,
wenn, falls man mit Expansion arbeitet, die Dampfspannung hinter dem Kolben schon
stark gesunken ist.
Sobald die Eröffnung des Auslafskanales stattfindet, gleicht sich der Druck im Hauptcylinder
G mit demjenigen in der Kammer F aus und es bleibt deshalb in dem Hauptcylinder
G Dampf von solcher Spannung zurück, wie er zur Bethätigung der Hülfskolben L
bezw. also der Widerlagsschieber erforderlich ist. Diese Dampfmenge wird nun direct zur
Atmosphäre oder dem Condensator durch denjenigen Widerlagsschieber abgeleitet, welcher
von den beiden zu der mit Abdampf gefüllten Abtheilung des Hauptcylinders G gehörigen
Schiebern zuerst radial nach aufsen geschoben wird. Ist die Maschine mit zwei Schiebern
ausgerüstet, so vollzieht sich die eben beschriebene Wirkung noch vollkommen sicher
und der Dampfabgang zur Kammer F bleibt geöffnet, bis eine Widerlagsplatte, welche die
Verbindung mit dem Condensator etc. hergestellt hatte, wieder hinter den Kolben H tritt.
Werden nur zwei Widerlagsplatten M angewendet, so mufs die nacheilende Kante s
der Ausströmungsöffnung des Schiebers S die Verbindung des Hauptcylinders mit der Kammer
F bereits abgeschlossen haben, bevor die Kolbencurve r den gerade nicht arbeitenden
Widerlagsschieber nach auswärts zu schieben beginnt. Die Curve selbst darf dann nicht,
wie in der Fig. 2 der Zeichnung, etwa um iio° vor der Hinterfläche des Kolbens, sondern
etwa nur 60° vor dieser Fläche beginnen, weil es andernfalls nicht ausführbar sein würde,
einen Theil des Abdampfes in die Kammer F zu leiten, vor dem Kolben H Condensatorspannung
und während der Anfangsbewegung dieses Kolbens einen möglichst kleinen Druckunterschied
auf beiden Seiten des jeweilig arbeitenden Widerlagsschiebers M zu haben.
Des besseren Verhältnisses wegen möge erwähnt sein, dafs in Fig. 2 beispielsweise die
Kammer G1 mit Arbeitsdampf gefüllt ist, die Abtheilung G2 vor dem Hauptkolben H mit
dem Condensator in Verbindung steht und aus der Kammer G3 Dampf in die Kammer F
überströmt. Der starke Pfeil \ giebt in den Fig. 2 und 3 die Drehrichtung an, während
die drei Pfeile V xy in Fig. 2 die jeweiligen Bewegungsrichtungen des Dampfes angeben.
In dem Vorstehenden wurde noch nichts darüber gesagt, wie der Dampf, nachdem er
durch die Widerlagsschieber M gegangen ist, weiter geleitet wird. Im allgemeinen kann man
jede beliebige sich für den Maschinenconstructeur von selbst ergebende Leitung anwenden,
welche einfach bei dem oberen Ende des Schiebers bezw. also an einem auf diesen gesetzten
Gehäuse beginnt. Da ein derartiges Gehäuse in der Form des Hülfscylinders für jeden
Schieber M aber der ganzen Construction der Maschine nach vorhanden sein mufs bezw. ist,
so benutzt der Erfinder einfach den einen Dampfkanal jedes Hülfscylinders zur Fortleitung
des durch den Schieber M kommenden Abdampfes; die Dampfvertheilung für diese
Cylinder geht eigentlich aus der Fig. 1 schon ohne Weiteres hervor. Die Curvenscheibe K
(s. Fig. 6) bewegt zu entsprechenden Zeiten und mittelst eines geeigneten Gestänges ruckweise
einen gewöhnlichen Muschelschieber derart, dafs der aus der Zwischenkammer jF kommende
Dampf über oder unter den Hülfskolben L treten kann. Die Widerlagsplatten M
tragen Rückschlagventile m1, so dafs eine Rückströmung
von Dampf durch diese Platten unmöglich gemacht ist. Bei der gezeichneten Construction wird übrigens nur durch den
oberen Kanal m der Hülfscylinder Dampf in diesen eingelassen, während der untere η
zur Fortleitung des durch die Schieber M kommenden Dampfes dient. Dieser Kanal η
wird also durch den Muschelschieber k für den Eintritt des Zwischendampfes gar nicht
geöffnet. Die Aufwärtsbewegung des in Fig. 1 gezeichneten Kolbens L und dessen Widerlagsplatte
M wird durch die Curve r des Hauptkolbens bewirkt.
Da die vorliegende Maschine hauptsächlich mit bedeutenderen Umdrehungszahlen kufen
soll und deshalb auch die Schieber M und Kolben L ebenfalls sehr schnell hin und her
bewegt werden müssen, so ist es erwünscht, auf beiden Seiten des Kolbens L Dampfkissen
zu erhalten, welche die in ihm und seinem Schieber aufgespeicherte lebendige Arbeit vernichten.
Zu diesem Zweck ist ein Compressionsschieber kl angeordnet, welcher unter dem
Vertheilungsschieber k jedes Hülfscylinders liegt und die offene Verbindung des jeweilig
den Dampf aus dem Cylinder J ableitenden Kanals η oder m unterbricht, wenn sich der
Kolben L seinem Hubende nähert.
In Fig. ι schliefst der CompressionsschieberA:1
den unteren Kanal η ab, weil auch der Kolben L und Schieber M sich in der tiefsten
Stellung befinden. Wie die Fig. 1 ferner zeigt, ist der Schieber kl mit dem Kolben L durch
ein einfaches, ohne Weiteres verständliches Gestänge verbunden' und macht der Schieber
dementsprechend jede Bewegung des Kolbens L in verringertem Mafse mit. Beide Schieber k
und kl bewegen sich nicht zu gleicher Zeit; derjenige k bewegt sich vielmehr stets zuerst,
um dadurch die Bewegung des Kolbens L einzuleiten, worauf dann natürlich auch der
Compressionsschieber k1 verschoben wird.
Der durch die beiden Kanäle m und η abgeleitete
Dampf wird durch den üblichen Mittelkanal ο und das Rohr V in die Atmosphäre,
den Condensator etc. geleitet.
Claims (2)
1. Eine Dampfmaschine mit umlaufendem Flügelkolben und zwei oder mehreren dem
arbeitenden Dampf als Stützpunkt dienenden, durch den Abdampf radial bewegten Widerlagsplatten,
dadurch gekennzeichnet, 'dafs diese Widerlagsplatten M der Länge nach von Kanälen n1 durchzogen werden, die
den vor dem Kolben H befindlichen Dampf in einen beliebigen Abdampfraum (Atmosphäre,
Condensator, Aufnehmer einer zweiten Maschine) leiten, während der eigentliche Auslafsschieber S nur einen
Theil des verbrauchten Dampfes, der sich unmittelbar hinter dem Kolben H oder
noch hinter einer oder mehreren eingeschalteten Widerlagsplatten befindet, jedoch
nur durch eine Widerlagsplatte M von dem Dampfe vor dem Kolben getrennt ist, in
eine Zwischenkammer F austreten läfst, zu dem Zweck der Benutzung des Dampfes
dieser Zwischenkammer F zur Bewegung der Widerlagsplatten und zur erheblichen
Verminderung des Gegendruckes vor dem Arbeitskolben.
2. Eine Dampfmaschine nach Anspruch 1, gekennzeichnet
durch eine Steuerung für die
zur Bewegung der Widerlagsplatten M erforderlichen Hülfscylinder, bei der Abschlufsschieber
k1 durch geeignete Gestänge mit den an den Widerlagsplatten M befestigten
Dampfkolben L verbunden sind und dementsprechend derart bewegt werden, dafs
sie den Dampfauslafs vor Beendigung jedes Hubes der Hilfskolben L abschliefsen und
so an jedem Hubende ein Dampfkissen bilden, das die in den Widerlagsplatten
und ihren Kolben aufgespeicherte lebendige Kraft ganz oder theilweise vernichtet.
Hierzu 2 Blatt Zeichnungen.
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