Ver ahren zur Verringerung der Emission von während der Er¬ hitzung des Rohmehles im VorwärmeSystem, .insbesondere im Schwebe as-Wärmeaustauscher bei der Zementherstellung ge¬ bildetem Schwefeloxid und/oder von flüchtigen organischen Verbindungen und Vorrichtung zur Durchführung des Ver¬ fahrens
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf die Verringe¬ rung der Emission von während der Erhitzung des Rohmehles im Vorwärmesystem, insbesondere im Schwebegas-Wärmeaustauscher bei der Zementherstellung gebildetem Schwefeloxid und/oder von flüchtigen organischen Verbindungen. Erfindungsgemäß werden diese Emissionen dadurch vermindert, daß das Schwe¬ feloxid und oder die flüchtigen organischen Verbindungen in einem Teilgasstrom, insbesondere eines Schwebegas- Wärmeaustauschers, freigesetzt und bevorzugt dem Ofen¬ system zur Einbindung während des Zementbrennprozesses wieder zugeführt werden.
Die Herstellung von Zementklinker erfolgt heute üblicher¬ weise großteils nach dem Schwebegas-Wärmetauscherverfahren, bei dem fein gemahlenes Zeιi-Ξ--trohmehl in einem ein- oder mehrsträngigen Wärmetauscher unter Nutzung der fühlbaren Wärme des Ofenabgases sowie eventuell einer weiteren Feuerung in Suspension im Rauchgas vorgewärmt wird, danach je nach Verfahrensführung noch vorkalziniert wird oder direkt nach Vorwärmung dem Drehofen aufgegeben wird, im Drehofen zur Bildung der erwünschten Klinkerphasen ge¬ brannt wird, wonach der Klinker in einem Klinkerkühler gekühlt wird. Bei dem genannten Wärmetauscher handelt es sich üblicherweise um eine (häufig 4-stufige) Anordnung von Zyklonen, die nacheinander vom Rauchgas durchflutet werden, wobei das Rohmehl in der Gasleitung zum obersten Zyklon auf¬ gegeben wird, in dieser vom Rauchgas erwärmt wird, nach Abscheidung im Zyklon der nächsttieferen Stufe aufgegeben wird, worin erneut eine Erwärmung stattfindet, etc.
Es ist gebräuchlich, das vorgewärmte Heißmehl in der Gas¬ leitung zwischen Ofeneinlauf und unterstem Zyklon des Wärmeaustauschers teilweise oder bei weiterer Einbringung von Brennstoff auch zum überwiegenden Teil zu kalzinieren. Weiterhin sind eigene Vorkaizinatoren im Einsatz, die eine weitgehende Kalzinierung des Hehles vor Eintritt in den Ofen erreichen. Übliche Wärmeaustauscherausführungen unter¬ scheiden sich in der Zahl der parallel vom Rauchgas nach Kalzinator bzw. Ofeneinlauf durchströmten Fluten, sowie in der Art der Mehlführung, die für jede Flut getrennt oder auch von einer zur anderen kreuzend erfolgen kann.
Es ist ein Merkmal des Zementbrennprozesses, daß zahlreiche, im Zementrohmehl enthaltene Elemente und Spurenelemente quantitativ bzw. zum überwiegenden Anteil in den Zement¬ klinker übergehen. Dies gilt insbesondere auch für die Alkalien und dann auch für den Schwefel des Zementrohmehles, wenn dieser Zonen höherer Temperatur innerhalb des Prozesses, und zwar etwa den Kalzinator, den Steigkanal zwischen Ofen¬ einlauf und unterstem Wärmetauscherzyklon oder den Ofen¬ einlauf selbst, erreicht. In diesem Fall gelangt der Schwefel in den Drehofen selbst und es kann üblicherweise bei dem herkömmlichen Rohmehlchemismus die Prozeßführung so gesteuert werden, daß durch hinreichend oxidierende Bedin¬ gungen in der Brennzone der Schwefel in Form von Sulfat in den Klinker eingebunden wird und den Prozeß zum über¬ wiegenden Anteil mit dem Klinker verläßt. Im Gegensatz dazu können Verbindungen, die in den oberen Wärmeaustau¬ scherbereichen bei verhältnismäßig tiefen, für eine Ein¬ bindung nicht ausreichenden Temperaturen freigesetzt wer¬ den, nach dem heutigen Stand der Technik im Wärmetauscher nur durch Additive oder nach dem Wärmetauscher im Rahmen der Abgasverwertung eingebunden werden. Neben flüchtigen organischen Substanzen wird vor allem sulfidisch gebunde¬ ner Schwefel je nach Mineralogie und Struktur des Rohmehles zumindest teilweise, häufig aber weitgehend bis voll¬ ständig im Wärmetauscher in Form von Schwefelβxid freige-
setzt und oxidiert, und zwar vor allem in einem Temperatur¬ bereich zwischen 380°C und 500°C. Eine Einbindung dieses Schwefeloxids durch das Rohmehl selbst erfolgt dann aufgrund der geringen Temperatur nicht mehr, sondern kann entspre¬ chend der heute üblichen Praxis nur durch Zugabe von Addi¬ tiven, insbesondere gebranntem und gelöschtem Kalk, zum Rohmehl oder zu den oberen Wärmetauscherstufen sowie zu Anlagen der Abgasführung erfolgen, sowie auch ohne Additive durch Einbindung in der Mahltrocknung.
Demgegenüber ist es Grundgedanke der vorliegenden Erfindung, für das Freiwerden von Schwefeloxid oder leichtflüchtigen organischen Substanzen in lediglich einem Teilgasstrom des gesamten Prozesses - somit nich im Zuge der Erhitzung des Rohmehles mit dem gesamten Rauchgas im bekannten Schwebe¬ gasverfahren - zu sorgen, der nach Wunsch je nach gewähl¬ ter Verfahrensführung einer Nachreinigung zur Verminderung der Emission zugeführt werden kann, was vorzugsweise in der Brennanlage selbst in Bereichen höherer Temperatur, z.B. in der untersten Wärmetauscherstufe, in der Kalzinier¬ einrichtung oder im Ofenrohr durchgeführt werden kann.
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Verringerung der Emission von während der Erhitzung des Rohmehles im. VorwärmeSystem, insbesondere im Schwebegas-Wärmeaustauscher bei der Zement¬ herstellung gebildetem Schwefeloxid und/oder flüchtigen organischen Verbindungen ist demnach dadurch gekennzeichnet, daß die Bildung und Freisetzung des Schwefeloxids aus den Schwefelverbindungen und oder die Freisetzung der organischen Verbindung des Rohmehles zumindest teilweise mit einem Teil¬ gasstrom in einer gesonderten Erhitzungsvorrichtung erfolgt und daß das diese Vorrichtung verlassende, mit Schwefeloxid und/oder den organischen Verbindungen bzw. deren Zersetzungs¬ produkten angereicherte Abgas einer Nachreinigung zur Ab¬ scheidung unterzogen und/oder dem bestehenden Ofensystem in einem Temperaturbereich wieder zugeführt wird, in welchem eine Umsetzung und Einbindung des Schwefeloxids und/oder der organischen Verbindungen bzw. deren Zersetzungsproduk¬ ten erfolgt.
Nach einer vorteilhaften Variante des erfindungsgemäßen Ver¬ fahrens erfolgt die Erhitzung des Rohmehles in der für die Freisetzung des Schwefeloxids und/oder der flüchtigen organi¬ schen Verbindungen vorgesehenenVorrichtung durch Zufuhr einer aus dem bestehenden Wärmetauschersystem und/oder dem Ofeneinlaufbereich und/oder dem Ofenkopf und/oder der Klinkerkühlvorrichtung entnommene Heißgasmenge.
In vorteilhafter Weise erfolgt die Rückführung des mit Schwefel eπdd und/oder den organischen Verbindungen angereicherten Abgases in jenen Bereich des Ofensystems, in welchem die Entsäuerung des CaCO-, vor sich geht, vorzugsweise in den Kalzinator.
Nach einer weiteren Variante des erfindungsg3mäßen Verfah¬ rens wird das mit Schwefeloxid und/oder den organischen Verbindungen anreicherte Abgas einer selbständigen Rauch¬ gaswäsche nach einem herkömmlichen Verfahren zugeführt.
Eine weitere, zweckmäßige Ausgestaltung des erfindungsge äs- sen Verfahrens sieht vor, daß das mit Schwefeloxid und/oder den organischen Verbindungen angereicherte Abgas beim Ofen¬ auslauf dem Ofen, vorzugsweise als Sekundärluft, zugeführt wird.
Eine besonders vorteilhafte Variante des erfindungsgemäßen •Verfahrens zeichnet sich dadurch aus, daß die Erhitzung des Rohmehles in der für die Freisetzung des Schwefeloxids und/ oder der flüchtigen organischen Verbindungen vorgesehenen gesonderten Vorrichtung zur Gänze oder, bei Kombination mit der oben erwähnten Erhitzung des Rohmehles mit Heißgas, zum Teil durch eine eigene Feuerungseinrichtung, vorzugs¬ weise einen eigenen Brenner, erfolgt.
Die Bildung und Freisetzung des Schwefeloxids erfolgt erfin¬ dungsgemäß in der dafür vorgesehenen gesonderten Vorrichtung vorteilhaft in einem Temperaturbereich zwischen 280°C und 700°C, vorzugsweise zwischen 300°C und 600°C, insbesondere zwischen 380°C und 500°C*
Die Bildung und Freisetzung der organischen Verbindungen findet in der dafür vorgesehenen gesonderten Vorrichtung vorteilhaft in einem Temperaturbereich zwischen 100°C und 500°C, vorzugsweise 150°C und 00°C, insbesondere zwischen 200°C und 300°C statt.
Im erfindungsgemäßen Verfahren erfolgt die Regelung der Temperatur in der für die Bildung und Freisetzung des Schwefeloxids und/oder der organischen Verbindung vorge¬ sehenen gesonderten Vorrichtung zweckmäßig durch eine eigene FeuerungsVorrichtung zu der zur Freisetzung des Schwefeloxids und/oder der organischen Verbindungen vorge¬ sehenen Erhitzungsvorrichtung und/oder eine Mengenregelung des zugeführten Heißgases zu dieser Erhitzungsvorrichtung.
Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform des er¬ findungsgemäßen Verfahrens wird der Anteil des der gesondsp- ten Erhitzungsvorrichtung zugeführten Rohmehles in Abhängig¬ keitvom Schwefeloxid@-halt des Reingases geregelt. Zweck dieser Vorgangsweise ist die Minimierung des der Erhitzungs¬ vorrichtung zugeführten Mehlanteils je nach tatsächlichem Bedürfnis aufgrund der aktuellen Emission, sodaß der durch den der Erhitzungsvorrichtung zugeführten Mehlan¬ teil verursachte Wärmemehrverbrauch möglichst minimiert wird. Mit dieser speziellen Ausführungsform kann der Ofenbetrieb in wirtschaftlicher Weise an die jeweilige Rohmaterialsituation angepaßt werden.
Eine weitere zweckmäßige Ausgestaltung des erfindungsge- mäßen Verfahrens sieht die Aufgabe eines Rohmehlteilstromes oder einer oder mehrerer Rohmehlkomponenten ohne Vorwär¬ mung in die Tertiärluft vor, insbesondere eines Rohmehl¬ teilstromes mit erhöhtem Sulfidgehalt oder erhöhtem Ge¬ halt an flüchtigen organischen Verbindungen. In weiterer Folge wird der Rohmehlteilstrom bzw. die Rohmehlkomponen*. te(n) zum Teil oder zur Gänze dem Ofen zugeführt und ein allenfalls verbleibender Anteil wird dem Prozeß entnommen und siliert. Mit dieser Vorgangsweise kann für den Fall, daß das Sulfid oder die flüch¬ tigen organischen Bistandteile in einer Teilkomponen¬ te konzentriert vorliegen, eine einfache Lösung gefunden werden. Dieser Fall kann zum Beispiel dann eintreten, wenn das Rohmehl aus Kalk und Ton hergestellt wird und das
Sulfid in der mengenmäßig geringeren Tonko ponente kon¬ zentriert vorliegt. In diesem Fall wäre der Kalkanteil des Rohmehls in der Erhitzungsvorrichtung quasi Ballast und würde sich wärmetechnisch ungünstig auswirken, während¬ dessen die geringe Mengenrelation des Tons zum gesamten Rohmehl hier diese spezielle Lδsungsmöglichkeit erlaubt.
Bei diesem Verfahren ist es dann auch möglich, die ge¬ röstete Komponente dem Ofensystem zu entnehmen und da¬ nach z.B. zu silieren oder einem anderen Aggregat, etwa einer Mühle, zuzuführen. Dadurch könnte die fühlbare Wärme der Tertiärluft z.B. auch dann ausgenützt werden, wenn genau zu diesem Zeitpunkt dies aus Rohmaterialgründen gar nicht notwendig wäre, sodaß kontinuierlich eine gleich¬ mäßige Wärmeausnützung für den Rδstprozeß ermöglicht wird.
Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird zwischen Rauchgas nach dem Wärmetauscher und Tertiärluft nach der Erhitzungsvor¬ richtung ein Wärmeaustausch vorgenommen. Diese spezielle Vorgangsweise kann beispielsweise dann von Vor¬ teil sein, wenn der Rohmaterialchemismus direkt eine Aufgabe des gesamten Rohmehlstromes auf die Erhitzungsvorrichtung ohne vorhergehende Vorwärmung verlangt. In diesem Fall ist eine starke Temperaturab¬ senkung der gesamten Tertiärluft und eventuell noch eine Zufeuerung zu erwarten, verbunden mit einer erhöhten Rauchgastemperatur nach dem Wärmetauscher. Zur Verminderung der damit verbundenen wärmetechnischen und verfahrenstech¬ nischen Nachteile kann ein Wärmeaustausch zwischen Rauch¬ gas nach Wärmetauscher und Tertiärluft nach Erhitzungs¬ vorrichtung die beiden Temperaturen angleichen. Dieser Wärmeaustausch erfolgt zweckmäßig indirekt, um die Tertiär¬ luft danach wieder dem Kalzinator zuführen zu können.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist weiterhin eine Vorrichtung zur Durchführung des vorstehend beschriebenen Verfahrens, die sich dadurch auszeichnet, daß die Vorrich-
tung zur Freisetzung des Schwefeloxids und/oder der orga¬ nischen Verbindungen aus dem Rohmehl aus einem Steigkanal und einem nachgeschalteten Zyklon besteht.
Nach einer Variante ist die Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens dadurch gekennzeichnet, daß die Vorrichtung zur Freisetzung des ßchwefeloxids und/oder der organischen Verbindungen aus dem Rohmehl aus einem Wirbelbett und nachgeschaltetem Zyklonabscheider, insbesondere aus einem zirkulierenden Wirbelbett mit Rück¬ führung des Gutes, besteht.
Nach einer vorteilhaften Ausführungsform der erfindungs¬ gemäßen Vorrichtung ist die Mengenregelung des zu der für die Bildung und Freisetzung des Schwefeloxids und/oder der organischen Verbindungen vorgesehenen Vorrichtung zu¬ geführten Heißgases durch einen Umgehungsbypaß der Er¬ hitzungsvorrichtung gebildet.
Die vorliegende Erfindung wird in den angeschlossenen Zeichnungen beispielhaft erläutert. Darin zeigen
Fig. 1 eine schematische Darstellung einer zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens geeigneten Vorrichtung,
Fig. 2 eine Modifikation der Vorrichtung gemäß Fig. 1, und
Fig. 3 eine Variante der Vorrichtung gemäß Fig. 2.
Wie in Fig. 1 ersichtlich, wird das Zementrohmehl über eine Aufgabevorrichtung 1 einem oberen Wärmetauscherbe- reich 2 zugeführt, der das Rauchgas aus dem unteren Wärme¬ tauscherbereich 6 über eine Steigleitung 16 erhält. Das Aufgaberohmehl gelangt so mit der gewünschten vorgewärm¬ ten Temperatur über eine Schurre 3 in die Erhitzungs or¬ richtung , wobei gegebenenfalls eine in der Schurre 3 enthaltene Weiche eine Aufteilung des vorgewärmten Mehles auf die ErhitzungsVorrichtung 4 und den unteren Wärme¬ tauscherbereich 6 in beliebig wählbarem Ausmaß gestattet.
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Für den Fall, daß z.B. zur Freisetzung von bei tiefer Temperatur flüchtigen organischen Verbindungen eine be¬ sonders niedrige Eintrittstemperatur des Rohmehls in die Erhitzungseinrichtung 4 erforderlich ist, die mit dem oberen Wärmetauscherbereich 2 nicht erreicht werden kann, kann das Rohmehl auch direkt ohne Vorwärmung der Erhitzunga- vorrichtung 4 aufgegeben werden. Nach der Erhitzungs¬ vorrichtung gelangt das Rohmehl über eine Schurre 5 iQ den unteren Wärmetauscherbereich 6, der für eine weitere Vorwärmung und Vorkalzination des Rohmehles im gewünschten Ausmaß sorgt und dafür mit einer Feuerungseinrichtung 21 versehen werden kann. Das vorgewärmte und zweckmäßig zu¬ mindest zu geringen Teilen vorkalzinierte Mehl gelangt durch eine Schurre 7 in. den mit einer Feuerung 20 ver¬ sehenen Drehofen 8 und nach dem Klinkerbrand in den Klinkerkühler 9.
Die Erhitzungseinrichtung 4 erhält einen oder mehrere der Gasstrδme 10, 11, 12, wobei es sich bei 10 um Rauchgas und bei 11 und 12 um vorgewärmte Heißluft handelt. Diese Gas¬ ströme können vorzugsweise in ihrer Menge geregelt werden; weiters kann vorzugsweise eine Feuerungseinrichtung 22 für die Zufuhr an Wärmeenergie sorgen. Weiters ist der Rauch¬ gasstrom 13 in der Menge regelbar, sodaß durch die Mengen¬ regelung der Gasstrδme 10, 11, 12 und 13» oder 14 und 13, •oder 15 und 13 die gewünschte Gasmenge in der Vorwärmeein¬ richtung erzielt werden kann. Weiters kann in der Gas¬ leitung 14 auch ein Gebläse eingesetzt werden, das eine Mengenregelung gestattet.
Das Heißgas nach der Erhitzungsvorrichtung 4 kann über eine Gasleitung 14 dem unteren Wärmetauscherbereich 6 zuge¬ führt werden, vorzugsweise in Stufen der Rohmehlkaizination, und/oder über eine Gasleitung 15 einem Bereich 19 zuge¬ führt werden, der innerhalb (z.B. Ofenkopf) oder auch außerhalb des Prozesses (z.B. Rauchgasreinigung, Mahl¬ trocknungsanlage) liegen kann. Die verbleibende Gasmenge wird über die Gasleitung 17 und ein Gebläse 18 vom System abgeführt und kann einer weiteren Rauchgasverwertung zuge¬ führt werden.
Eine bevorzugte Modifikation des Verfahrens, wie es ins¬ besondere zur Verarbeitung sulfidhaltiger Zementrohmehle bei möglichst geringer Schwefeloxid-Emission dient, zeigt Fig. 2.
In diesem Fall wird das Rohmehl über eine Aufgabevor¬ richtung 1 dem Doppelzyklon 31 des Wärmetauschers zuge¬ führt und in einem Steigkanal vor diesem Zyklon bereits durch das Rauchgas vorgewärmt, sodaß es dann über eine Schurre 3 bereits in erwärmtem Zustand in den Reaktions¬ raum 4 eintritt, der mit Heißluft aus dem Ofenkopf be¬ schickt wird, die über eine Leitung 32 zu einem Klinker¬ staubabscheider 33 gefördert wird und von diesem zu belie¬ big wählbarem Anteil in den Reaktionsraum 4 oder über einen Bypaß 3 mit Mengenregeleinrichtung 35 unter Um¬ gehung des Reaktionsraumes 4 und des Abscheiders 36 zur Vorkalziniereinrichtung 37 gefördert wird. Im Reaktions¬ raum 4 finden mit oder ohne zusätzliche Brennstoffeinbrin- gung über eine Feuerungseinrichtung 22 die weitere Erwär¬ mung des Rohmehles und Freisetzung des Schwefeloxids statt, wonach der Feststoff in einem Abscheider 3 von der Gas¬ phase getrennt wird und über eine Schurre 38 in die Steig¬ leitung 39 vor dem Zyklon 40 des Wärmetauschers geför¬ dert wird, wo in mehreren Stufen (weitere Zyklone 41, 42 mit Schurren 43, 44 und Steigleitungen 45, 46) die wei¬ tere Vorwärmung und letztlich Kalzinierung stattfindet. Das Heißgas gelangt nach dem Abscheider 36, gegebenenfalls nach Vermengung mit der Bypaßmenge, in die Vorkalzinier¬ einrichtung 37» Die zur Temperaturregelung erforderliche Gasmengen-Regelung kann durch Regeleinrichtungen (z.B. Klappen oder Schieber), und zwar eine Klappe 47 oder durch die Klappen 47 und 35 zusätzlich mit der Klappe 48 in der Steigleitung 49 oder mit einer Kombination der Klappen 48, 35 und 47 mit dem Gebläse 50 erfolgen. Wenn das Gebläse 50 nicht vorhanden ist, dann übernimmt das "Gebläse die Bewältigung des Druckverlustes in der Erhitzungseinrichtung zusätzlich.
Die Vorkalziniereinrichtung 37 wird einerseits mit dem vorgewärmtem Mehl nach Zyklon 42 über eine Schurre 52 und andererseits mit dem Ofenrauchgas über einen Steig¬ kanal 49, sowie mit dem Heißgas nach Abscheider 36 und ge¬ gebenenfalls Bypaß 34 durch die Gasleitung 53 beschickt. Es ist der besondere Vorzug dieser Verfahrensvariante, daß in dieser Vorkalziniereinrichtung eine simultane Frei¬ setzung des COg der Karbonatkomponente des Rohmehles und eine Bindung des Schwefeloxids aus dem Heißgasstrom nach Abscheider 36 an das in der Entstehung befindliche CaO stattfinden kann, das zu diesem Zeitpunkt besonders reaktiv ist. Die Vorkalziniereinrichtung 37 wird über eine Feuerungseinrichtung 5- mit Brennstoff beschickt, der die notwendige Energie für- den endothermen Kalzinations- prozeß zur Verfügung stellt. Nach ausreichender Entsäuerung und Bindung des Schwefeloxids tritt das Rohmehl in den Abscheider 55 und über eine Schurre 56 in den Drehofen 8 ein. Hier erfolgt die Restentsäuerung und Klinkerphasen¬ bildung unter Nutzung der Brennstoffwärme des über die Feuerungseinrichtung 20 eingebrachten Brennstoffes, wonach im Klinkerkühler 9 die Kühlung bei gleichzeitiger Aufwär¬ mung der Kühlluft erfolgt. Das gesamte Rauchgas des Pro¬ zesses fällt nach dem Doppelzyklon 31 an und kann über eine Gasleitung 57 mit einem Gebläse 51 über eine Gaslei¬ tung 58 in die Abgasverwertung, z.B. Mahltrocknung einge¬ bunden werden.
Eine Variante des Verfahrens nach Fig. 2 zeigt Fig. 3> sie unterscheidet sich lediglich dadurch, daß die Gasmengenre¬ gelung im Steigkanal 49 vom Ofeneinlauf zur Kalzinierein¬ richtung 37 dadurch erfolgt, daß über eine Schurre 61 ein
Teilstrom des Mehles der Schurre 52 nicht in die Kalzinier¬ einrichtung 37, sondern in den Steigkanal 49 eingebunden wird. Dies hat den Vorteil, daß dadurch eine Beeinflussung des Druckverlustes und damit der Gasmenge in diesem Steig¬ kanal möglich ist, und andererseits der positive Effekt einer Kühlung des Rauchgases nach Ofeneinlauf durch das Mehl bei gleichzeitiger Vorwärmung bzw. beginnender Kalzi-
nation des Mehls erzielt wird. Diese Kühlung des Gases führt zur Kondensation flüchtiger Komponenten, die im Gas enthalten sind, und zwar insbesondere Alkalidämpfe, auf dem Rohmehl, wodurch Verstopfungen der Steigleitung bzw. Anpackungen an ihren Wanden vermieden werden. Aufgrund dieses positiven Effektes ist auch eine Kombination der Verfahren von Fig. 2 und 3 sinnvoll, d.h. die Mengen¬ regelung im Steigkanal 49 erfolgt durch eine Klappe und die Einbindung eines Mehlteilstromes, wobei der Mehlteil¬ strom gleichzeitig zur Kühlung des Gases, Vermeidung von Verstopfungen und Anpackungen und Kühlung der Mengenrege¬ lung (Klappe) erfolgt.
Die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens wurde an folgenden Praxisversuchen geprüft:
Zunächst wurde mit einem herkömmlichen vierstufigen Schwebe¬ gas-Wärmetauscherofen mit Vorkalzinieranlage bei einer Tagesleistung von 2.100 t Klinker ein Rohmehl mit 1,1 % Gesamtschwefel als SO,, bezogen auf glühverlustfreien Zustand, und 60 % Anteil von Sulfidschwefel am Gesamt¬ schwefel zu Klinker gebrannt. Bei diesem Wärmetauscher¬ ofen wurde das Rauchgas nach Wärmetauschergebläse zu einer Mahltrocknung verwendet. Es wurde nach Wärmetauscherge- gebläse bei diesem Versuch ein SOp-Gehalt von 2603 mg/Nm* gemessen, im Abgaskamin wurde bei Stillstand der Mahl¬ trocknungsanlage ein Wert von 1719 mg/Nm* gemessen, bei Betrieb der Mahltrocknungs nl ge wurde dort ein Wert von 945 mg/Nm gemessen, das entspricht einer 4 %igen Ein¬ bindung des im Rauchgas enthaltenen SOp in der Mahltrock¬ nungs läge. Zur Minimierung der SOp-Emissionen wurde zu¬ nächst auf herkömmlichem Weg versucht, durch eine Kalk¬ hydratzugabe zum Rohmehl eine SOg-Bindung im Wärmetauscher zu erreichen. Zu diesem Zwecke wurde dem Rohmehl eine stündliche Menge von 2160 kg Kalkhydrat beigemengt und so dem Wärmetauscher aufgegeben. Damit konnte der SOg-Gehalt nach Wärmetauschergebläse von ursprünglich 2603 auf nun¬ mehr 1100 mg Nm* gesenkt werden. Im Abgaskamin ergaben sich
bei Stillstand der Rohmühle nunmehr statt ursprünglich 1.719 mg/Nm^ jetzt 730 mg/Nπr5 und bei Betrieb der
Rohmühle statt ursprünglich 9^5 mg Nm* nunmehr 403 mg/Nu . Eine weitere Steigerung der Kalkhydratmenge ergab nur mehr eine unwesentliche Verminderung des SOp-Gehaltes und brachte erhöhte betriebliche Nachteile mit sich. Offensicht¬ lich war nur eine geringe Ausbeute des Kalkhydrats gegeben, d.h. der überwiegende Teil reagierte nicht mit SOp zu dessen Bindung, sondern mit dem vergleichsweise ja viel höheren C02-Gehalt des Rauchgases und erhöhte daher ma߬ geblich die Kosten des Verfahrens. .
Zum Vergleich wurde mit demselben Mehl ein Klinker¬ brand mit einer dem erfindungsgemäßen Verfahren entspre- den Anlage, wie sie Fig. 2 zeigt, durchgeführt. In diesem Fall wurden nach Wärmetauschergebläse lediglich 95 mg SOp/Nπr gemessen, im Kamin durch Falschluftein- brüche 63 mg/Nur und bei Rohmühlenbetrieb im Kamin 37 / Nur. Eine derart geringe Emission konnte mit den her¬ kömmlichen Verfahren, d.h. mit Zusatz von Additiven, ins¬ besondere Kalkhydrat, nicht erreicht werden.