Verfahren zum Steuern eines Windparks
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Steuern eines Windenergiesystems, nämlich einer Windenergieanlage oder eines mehrere Windenergieanlagen umfassenden Windparks, zum Einspeisen elektrischer Leistung aus Wind in ein elektrisches Versorgungsnetz, und zum Bedampfen niederfrequenter Schwingungen in dem elektrischen Ver- sorgungsnetz. Die vorliegende Erfindung betrifft auch ein Windenergiesystem, nämlich eine Windenergieanlage oder einen mehrere Windenergieanlagen umfassenden Windpark zum Durchführen einer solchen Bedämpfung.
Ein elektrisches Versorgungsnetz weist im Allgemeinen eine Netznennfrequenz von 50Hz oder 60Hz auf. Diese Netznennfrequenz kann auch als Systemfrequenz bezeichnet wer- den. Das elektrische Versorgungsnetz kann vereinfachend und synonym auch als Versorgungsnetz oder Netz bezeichnet werden.
In dem Versorgungsnetz können niederfrequente Schwingungen auftreten, die Frequenzen unterhalb der Netznennfrequenz aufweisen. Diese Schwingungen werden häufig als subsynchrone Resonanzen (SSR) bzw. subsynchrone Frequenzen bezeichnet. Dazu hat das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) im Jahr 1990 eine formale Definition für subsynchrone Resonanz veröffentlicht, nämlich:
„Subsynchrone Resonanz ist ein elektrischer Systemzustand, in dem ein Energie austausch zwischen einem elektrischen Netz und einem Generatorsatz bei einer o- der mehreren Eigenfrequenzen des kombinierten Systems stattfindet, die unterhalb der synchronen Frequenz des Systems liegen“, P.M. Anderson, B.L. Agrawal, J.E.
Van Ness:„Subsynchronous Resonance in Power Systems“ , IEEE Press 1990
Ein Problem, das in einem Versorgungsnetz auftreten kann, ist, dass die niederfrequenten Schwingungen mechanische Schwingungen von direkt mit dem elektrischen Versorgungsnetz gekoppelten Synchrongeneratoren anregen bzw. verstärken können. Dadurch kann es zu Schäden an den Generatoren kommen. Werden diese zum Schutz vom elektrischen Versorgungsnetz getrennt, kann das zu einer Schwächung des elektrischen Versorgungsnetzes kommen.
Es können auch niederfrequente Pendelschwingungen im Bereich von wenigen Herz im Versorgungsnetz zwischen Netzabschnitten auftreten, also zum Beispiel eine niederfrequente Schwingung zwischen einem ersten Netzabschnitt in Deutschland und einem zweiten Netzabschnitt in Frankreich. Solche Pendelschwingungen können im Versorgungsnetz auch zu partiellen Netzabschaltungen führen. Im ungünstigsten Fall kann dies zu einem Blackout führen.
Dadurch, dass in vielen Ländern der Anteil an Großkraftwerken zurückgeht, während dezentrale, umrichterbasierte Erzeuger wie Windenergieanlagen oder Windparks, für die hier die Bezeichnung Windenergiesystem als Oberbegriff verwendet wird, oder Photovoltaikan- lagen ersetzt werden, gewinnen solche dezentralen umrichterbasierten Erzeuger auch zum Stützen des elektrischen Versorgungnetzes an Bedeutung.
Dabei kann sich auch die Struktur bzw. der Aufbau des elektrischen Versorgungsnetzes ändern. Auch durch Zu- und Abschaltvorgänge, Wartungsarbeiten an Zuleitungen oder durch den Wettereinfluss, unterliegt das elektrische Versorgungsnetz ständigen Verände- rungen. Dazu gehört auch, dass sich Netzkapazitäten und Netzinduktivitäten bzw. Netzimpedanzen insgesamt stetig ändern können. Dies führt dazu, dass sich auch die niederfrequenten Schwingungen, kontinuierlich ändern können, was deren Detektion und Bedämpfung schwierig gestaltet.
Da Windparks und Windenergieanlagen, bzw. Windenergiesysteme, einen Teil des elektri- sehen Versorgungsnetzes ausbilden und maßgeblich die Netzeigenschaften mitbestimmen, können diese somit zur Stabilisierung der Energiesysteme bzw. des Versorgungsnetzes beitragen und als Mittel zur Bedämpfung von ungewünschten subsynchronen Resonanzen eingesetzt werden. Aber auch solche Windparks müssen sich an die geänderten Netzeigenschaften in Bezug auf die niederfrequenten Schwingungen anpassen können. Das Deutsche Patent- und Markenamt hat in der Prioritätsanmeldung zu vorliegender Anmeldung folgenden Stand der Technik recherchiert: DE 10 2015 219 407 A1 , WO 201 1/033044 A2, CN 106300386 A.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es somit, zumindest eines der oben genannten Probleme zu adressieren. Insbesondere soll eine Lösung vorgeschlagen werden, die zu- mindest eine dämpfende Wirkung einer Windenergieanlage oder eines Windparks auf niederfrequente Schwingungen im elektrischen Versorgungsnetz ermöglicht. Zumindest soll zu bisher bekannten Lösungen eine alternative Lösung vorgeschlagen werden.
Erfindungsgemäß wird dazu ein Verfahren gemäß Anspruch 1 vorgeschlagen. Es dient zum Steuern eines Windenergiesystems, also eines Windparks oder einer Windenergieanlage, zum Bedämpfen niederfrequenter Schwingungen, insbesondere subsynchroner Resonanzen, in einem elektrischen Versorgungsnetz, in das dieses Windenergiesystem einspeist. Das Versorgungsnetz weist dabei eine Netzspannung mit einer Netznennfrequenz auf, und die zu bedämpfenden niederfrequenten Schwingungen weisen vorzugsweise eine geringere Frequenz als die halbe Netznennfrequenz auf. Insoweit bezeichnen subsynchroner Resonanzen auch Schwingungen, die eine geringere Frequenz als die Systemfrequenz, hier die Netznennfrequenz, aufweisen. Die niederfrequenten Schwingungen sind demnach vorzugsweise kleiner als 25 Hz bzw. 30 Hz. Beispiele für charakteristische Frequenzbereiche für niederfrequente Schwingungen, die auch als„Power System Oscillations“ (PSO) bekannt sind, sind etwa 0,2-3Hz oder 5-15Hz, wobei die Frequenzbereiche darauf nicht beschränkt sind. Diese Schwingungen bzw. Pendelungen mit niedriger Frequenz in einem Versorgungsnetz können dabei in un- terschiedliche Schwingungsarten oder Schwingungskategorien unterschieden werden, nämlich in Intraplant-Schwingungen, Control-Mode-Schwingungen, Interarea-Schwingun- gen und Localplant-Schwingungen.
Intraplant-Schwingungen bezeichnen dabei Schwingungen zwischen mehreren an das elektrische Versorgungsnetz angeschlossenen Erzeugungseinheiten in einem Versor- gungsnetzabschnitt. Control-Mode-Schwingungen bezeichnen Schwingungen bedingt durch rückkoppelndes Regeln von an das elektrische Versorgungsnetz angeschlossenen Erzeugungseinheiten, Verbrauchereinheiten oder Wandlereinheiten. Interarea-Schwin- gungen bezeichnen Schwingungen zwischen mehreren Versorgungsnetzabschnitten. Localplant-Schwingungen bezeichnen Schwingungen zwischen einer an das elektrische Ver- sorgungsnetz angeschlossenen Erzeugungseinheit mit dem Versorgungsnetz.
Besonders können die niederfrequenten Schwingungen Werte von 1 Hz und weniger aufweisen. Sie können aber auch bis zum fünffachen Wert der Netznennfrequenz reichen. Als niederfrequente Schwingungen werden hier Schwingungen mit einer Frequenz von maximal dem fünffachen Wert der Netznennfrequenz bezeichnet, vorzugsweise mit einer Fre- quenz die maximal der Netznennfrequenz entspricht. Besonders weist die niederfrequente Schwingung keine Frequenz auf, die einem Vielfachen der Netznennfrequenz entspricht. Es ist zu beachten, dass die Untersuchung und Berücksichtigung niederfrequenter Schwingungen besonders der Untersuchung oder dem Sicherstellen einer Systemstabilität des
elektrischen Versorgungsnetzes dient. Das grenzt sich von einer Beurteilung der Netzqualität bzw. Signalqualität des Spannungssignals im elektrischen Versorgungsnetz ab, bei der es besonders auf Oberwellen ankommt.
Zum Bedämpfen der niederfrequenten Schwingungen wird hier eine Dämpfungsregelung mit einem geschlossenen Regelkreis eingesetzt. Diese Dämpfungsregelung ist zum Bedämpfen der niederfrequenten Schwingungen vorbereitet und sie arbeitet so, dass sie ein Einspeisen elektrischer Leistung in das elektrische Versorgungsnetz unter Verwendung einer Windsystemsteuerung steuert.
Die Windsystemsteuerung kann als die Steuerung des Windenergiesystems angesehen werden und das beinhaltet die Steuerung einer Einspeiseeinheit, besonders eines Wechselrichters. Die durchgeführte Regelung bzw. Steuerung hat als Einflussmöglichkeit zum Bedämpfen etwaiger Schwingungen das Einspeisen elektrischer Leistung. Darüber, also durch Verändern der Einspeisung, kann die Dämpfungsregelung das elektrische Versorgungsnetz beeinflussen und damit auch die Bedämpfung erreichen. Es wird nun vorgeschlagen, dass die Dämpfungsregelung auf eine besondere Regelstrecke ausgelegt ist. Die Regelstrecke umfasst nämlich das elektrische Versorgungsnetz, das Windenergiesystem, und die Windsystemsteuerung. Es kommt zwar auch in Betracht, dass jeweils nur ein Teil davon umfasst ist, aber es werden jedenfalls alle drei Elemente betrachtet. Dem liegt besonders die Überlegung zu Grunde, dass diese drei Elemente nie- derfrequente Schwingungen im elektrischen Versorgungsnetz jeweils signifikant beeinflussen oder sogar auslösen können.
Viele bekannte Ansätze zielen darauf ab, niederfrequente Schwingungen zu erfassen und dann - anschaulich gesagt - ein Gegensignal aufzuschalten, jedenfalls auf die erfasste Schwingung zu reagieren. Der hier vorgeschlagene Ansatz versucht das zu vermeiden und legt stattdessen eine an das System angepasste Regelung zu Grunde. Diese, also die Dämpfungsregelung, ist dafür so ausgelegt, dass sie schwach gedämpfte Moden im geschlossenen Regelkreis vermeidet und/oder schwach gedämpfte Moden der Regelstrecke im geschlossenen Regelkreis bedämpft.
Das Konzept geht somit davon aus, dass das System als Systemeigenschaft Frequenzen aufweist, bei denen schwach gedämpfte Schwingungen auftreten können, wenn eine entsprechende Anregung auftritt. Tritt eine solche Anregung auf, kann es dann zu entsprechend schwach gedämpften Moden, also Schwingungen bzw. Schwingungsformen, kom- men. Bei anderen Frequenzen neigt das System nicht oder viel weniger zu Schwingungen, selbst wenn es eine Anregung gäbe. Dieses System, das solche Schwingungen in manchen Frequenzbereichen zulässt, ist hier als das elektrische Versorgungsnetz mit dem Windenergiesystem und der Windsystemsteuerung erkannt worden. Deshalb werden diese drei Elemente als Regelstrecke verwendet. Die Windsystemsteuerung kann optional als Teil des Windenergiesystems angesehen werden, wobei die Windsystemsteuerung und das Windenergiesystem aber ausdrücklich als Elemente der Regelstrecke aufgeführt sind. Es müssen somit neben dem elektrischen Versorgungsnetz, oder einem Teil davon, wenigstens die Windsystemsteuerung und ein weiterer Teil des Windenergiesystems Elemente der Regelstrecke sein. Auf dieses System ist dann die Dämpfungsregelung angepasst kann damit schwach gedämpfte Moden im geschlossenen Regelkreis vermeiden und/oder schwach gedämpfte Moden der Regelstrecke im geschlossenen Regelkreis bedämpfen.
Es wird dabei bevorzugt vorgeschlagen, nämlich gemäß der ersten Variante, dass gar keine Moden im ungeregelten Fall, also im offenen Regelkreis, untersucht werden, sondern direkt der Dämpfungsregler im geschlossenen Regelkreis ausgelegt wird, nämlich so, dass schwach gedämpfte Moden im geschlossenen Regelkreis vermieden werden. Das kann z.B. bedeuten, dass durch die Dämpfungsregelung eine dämpfende Eigenschaft in einem Frequenzbereich erreicht wird, in dem bisher keine oder nur eine schwache Dämpfung vorhanden war. Alternativ oder ergänzend nämlich gemäß der zweiten Variante geht es um Moden, die ohne diese Dämpfungsregelung, also bspw. im offenen Regelkreis auftreten würden, die dann im geschlossenen Regelkreis nicht mehr oder nur mit stärkerer Dämpfung auftreten.
Es wird somit ein Dämpfungsregler vorgeschlagen, der für den gesamten Frequenzbereich der niederfrequenten Schwingungen geeignet ist, also besonders für Frequenzen im Be- reich unterhalb der Netznennfrequenz.
Es liegt hier auch der Gedanke zu Grunde, dass nicht von einem starren Netz ausgegangen wird, sondern vielmehr angenommen wird, dass Veränderungen im Netz auftreten
können, die der Regler berücksichtigen kann. Daher ist der Dämpfungsregler auf die gesamte Regelstrecke abgestimmt und nicht auf eine spezielle Frequenz.
Die vorgeschlagene Reglerauslegung kann eine Parametrierung oder auch Vorgabe oder Veränderung einer Regelungsstruktur sein. Bspw. kann ein Zustandsregler unterschiedli- eher Ordnung gewählt werden. Selbst die Wahl einer Regelungsart kommt in Betracht, wie bspw. eine Wahl zwischen einem PID-Regler und einem Zustandsregler.
Somit wird statt einer aktiven bzw. unmittelbaren Erzeugung von Dämpfungssignalen durch die Windenergieanlagen bzw. den Windpark, eine geeignete Auslegung von Windturbinen- und/oder Windparkreglern zur Bedämpfung niederfrequenter Schwingungen vorgeschla- gen, indem die Eigenschaften des Windenergiesystems angepasst werden. Es wird dabei das Windenergiesystem selbst als Teil eines schwingungsfähigen Systems berücksichtigt.
Gemäß einer Ausgestaltung wird vorgeschlagen, dass zur Auslegung der Dämpfungsregelung ein Netzschwingungsmodell erstellt wird und das Netzschwingungsmodell umfasst ein Netzmodell und ein Windsystemmodell. Das Netzmodell bildet das elektrische Versorgungsnetz bzw. den in der Regelstrecke umfassten Teil davon ab. Das kann dabei einen Aufbau bzw. eine Struktur des elektrischen Versorgungsnetzes und daran angeschlossene Verbraucher und Erzeuger berücksichtigen. Die Struktur berücksichtigt dabei besonders das Leitungssystem einschließlich der Impedanzen von Leitungsabschnitten und etwaiger Transformatoren. Als Verbraucher kön- nen besonders Industrieanlagen und Siedlungen oder Städte jeweils als vereinfachtes Gesamtverhalten betrachtet werden, bspw. jeweils als Impedanz. Erzeuger können vereinfacht als Stromquelle oder ggf. genauer bspw. als elektrische Maschine betrachtet werden, besonders für Erzeuger die als konventionelles Kraftwerk aufgebaut sind. Informationen dazu, also Informationen zum Erstellen eines solchen Netzmodells, können durch einen Netzbetreiber, der das elektrische Versorgungsnetz betreibt, bereitgestellt werden. Der Netzbetreiber kann somit ein solches Modell bereitstellen.
Das Windsystemmodell bildet ein Verhalten des Windenergiesystems ab. Für den Betreiber des Windenergiesystems, das hier auch die Dämpfungsregelung ausführt, sind technische Details des Windsystems bekannt und ermittelbar. Das Windsystemmodell umfasst auch das Verhalten der Windsystemsteuerung. Das Verhalten der Windsystemsteuerung ist dabei ebenfalls bekannt bzw. ergibt sich beim Auslegen der Dämpfungsreglung und wird dann dadurch bekannt.
Dazu wird vorgeschlagen, die beiden Modelle des Versorgungsnetzes sowie des Windparks bzw. der Windenergieanlage in einem Gesamtmodell zu kombinieren, nämlich zum Netzschwingungsmodell. Das Netzschwingungsmodell ist also eine Modellbildung des schwingungsfähigen Energiesystems, nämlich des gesamten Versorgungsnetzes, oder ei- nes Teils davon, inklusive des Windparks bzw. der Windenergieanlagen. Es wird demnach nicht nur das Versorgungsnetz modelliert, sondern auch das Verhalten eines Windparks mit einer Parksteuerung bzw. einer Windenergieanlage mit ihrer Anlagensteuerung berücksichtigt. Dabei wird vorzugsweisezusätzlich oder statt der Windsystemsteuerung eine übergeordnete Parksteuerung vorgeschlagen, die mehrere Windparks ansteuern kann. In dem Fall umfasst das Windenergiesystem auch mehrere Windparks. So kann der Einfluss der Windenergieanlage bzw. des Windparks oder sogar der mehreren Windparks auf das Versorgungsnetz mitbestimmt werden. Zur Erstellung des Netzschwingungsmodells ist dabei eine Berechnungseinheit vorgesehen, die bspw. in einer Windenergieanlage angeordnet sein kann. Dazu wird dann vorgeschlagen, dass wenigstens ein vereinfachtes, insbesondere um einen Arbeitspunkt linearisiertes, Arbeitsmodell aus dem Netzschwingungsmodell bestimmt wird, und die Dämpfungsregelung basierend auf dem wenigstens einen vereinfachten bzw. linearisierten Arbeitsmodell ausgelegt wird. Es wird somit von wenigstens einem vereinfachten bzw. linearisierten Arbeitsmodell ausgegangen. Dem liegt auch die Überlegung zu Grunde, dass das Netzschwingungsmodell nichtlinear ist. Grundsätzlich können das Netzmodell, das Windsystemmodell als auch die Windsystemsteuerung nichtlinear sein. Es kommt aber auch in Betracht, dass eine Vereinfachung vorgenommen wird, die bspw. die Ordnung des Netzschwingungsmodells reduziert. Ggf. kann sich dabei ein lineares System ergeben, wenn das so vereinfachte Arbeitsmodell keine Nichtlinearitäten mehr enthält. Das Vorliegen eines nichtlinearen Systems bedeutet, dass die Systemeigenschaften, besonders zu erwartende Schwingungen bzw. Moden, nicht nur von Frequenzen, sondern auch von Amplituden abhängen können. Eine Analyse bzw. Reglersynthese im Frequenzbereich, die häufig wünschenswert ist, ist daher zumindest erschwert. Es wird daher vorgeschlagen, wenigstens ein um einen Arbeitspunkt linearisiertes Arbeitsmodell zu bestim- men. Dabei ist die Wahl des Arbeitspunktes wichtig. Hierzu können bspw. mehrere Arbeitspunkte gewählt werden, was unten noch beschrieben wird. Besonders sollte zumindest bei der späteren Verwendung des Dämpfungsreglers der jeweilige Arbeitspunkt bekannt sein, der zuvor zur Auslegung verwendet wurde. Befindet sich das System bei der Verwendung
der Dämpfungsregelung in einem ähnlichen Arbeitspunkt wie bei der Auslegung der verwendeten Dämpfungsregelung, ist von einem gut angepassten Dämpfungsregler auszugehen.
Bspw. kann die Höhe des Einspeisens elektrischer Leistung ein Arbeitspunkt sein, oder einen Arbeitspunkt zumindest zu einem Teil definieren.
Es wird demnach davon ausgegangen, dass das Netzmodell und das Windsystemmodell grundsätzlich bekannt sind oder zumindest für eine Erstellung des Netzschwingungsmodells zur Verfügung stehen. Es kann beispielsweise in Form eines nicht-linearen Differentialgleichungssystems vorliegen, in dem die Differentialgleichungen das Netz und den Windpark mit der Parksteuereinheit beschreiben.
Bspw. kann das Bestimmen der Dämpfungsparametrierung so erfolgen, dass zunächst eine Systemidentifikation durchgeführt wird oder zumindest eine vereinfachte Systembeschreibung aus dem linearisierten bzw. vereinfachten Arbeitsmodell abgeleitet wird. Das kann beispielsweise analytisch durch ein Berechnen bzw. Lösen von Differentialgleichun- gen oder grafisch durch ein Pol-Nullstellen-Diagramm oder Bode-Diagramms erfolgen. Aus dieser Systemidentifikation bzw. Beschreibung des vereinfachten Netzmodells werden Dämpfungsparameter bzw. solche Reglerparameter bestimmt, die eine dämpfende Wirkung auf die niederfrequenten Schwingungen erreichen. Dafür werden beispielsweise unterschiedliche Reglerparameter der Windenergieanlage durch eine Simulation oder durch Prototypentest getestet, um die Veränderung auf das Systemverhalten zu erkennen. Zudem können unterschiedliche Arbeitspunkte für das vereinfachte Arbeitsmodell getestet werden. Anschließend erfolgt eine Reglerauslegung so, dass besonders die ungedämpften niederfrequenten Schwingungen gedämpft werden, die aus der Systemidentifikation aus dem vereinfachten Arbeitsmodell hervorgehen. Gemäß einer Ausführungsform werden Reglungsparameter, also Parameter der Dämpfungsregelung wie Zeitkonstanten und Verstärkungsparameter, variiert und Ergebnisse in einer Simulation gegenübergestellt und ausgewertet.
Gemäß einer Ausführungsform wird vorgeschlagen, dass zur Auslegung des Dämpfungsreglers durch Variation von Arbeitspunkten mehrere linearisierte Arbeitsmodelle bestimmt werden, und basierend auf den mehreren linearisierten Arbeitsmodellen der variierten Arbeitspunkte die Dämpfungsregelung so ausgelegt wird, dass sie für jedes der mehreren linearisierten Arbeitsmodelle, schwach gedämpfte Moden im geschlossenen Regelkreis
vermeidet und/oder schwach gedämpfte Moden der Regelstrecke im geschlossenen Regelkreis bedampft.
Somit werden unterschiedliche Arbeitspunkte berücksichtigt, vorzugsweise so, dass der gesamte zu erwartende Arbeitsbereich berücksichtigt werden kann. Die Reglerauslegung erfolgt dabei so, dass eine Dämpfungsregelung geschaffen wird, die für alle Arbeitspunkte und besonders für den gesamten relevanten Frequenzbereich ein ausreichend gedämpftes Verhalten erreicht. Die Reglerauslegung führt damit zu einem robusten Regler, der für diese Arbeitspunkte und den zugehörigen Frequenzbereich im laufenden Betrieb keine Anpassung benötigt. Diese robuste Reglerauslegung kann bspw. analytisch erfolgen, wenn für jedes linearisierte Arbeitsmodell bspw. über eine Eigenwertvorgabe ein ausreichender Stabilitätsabstand und/oder eine ausreichend stark gedämpfte Eigenwertwahl getroffen wird, also die Eigenwerte bspw. mit ausreichend kleinem Imaginäranteil im Vergleich zu ihrem Realanteil gewählt werden.
Es kommt aber auch in Betracht, mit Simulationen Regler für die verschiedenen Arbeits- modelle zu simulieren, um den robusten Regler zu testen und ggf. anzupassen, bis er für alle Arbeitsmodelle eine ausreichende Dämpfung erreicht.
Besonders kann hier so vorgegangen werden, dass die linearisierten Arbeitsmodelle jeweils die Regelstrecke bilden. Es wird also der geschlossene Regelkreis mit den linearisierten Arbeitsmodellen einschließlich des jeweiligen Reglers geprüft, besonders in einer Simulation.
Außerdem oder alternativ kann die Windsystemregelung als gegenüber Variationen der Regelstrecke, insbesondere gegenüber Variationen der variierten Arbeitspunkte, robuste Regelung ausgelegt werden, nämlich durch die genannte Simulation und/oder die analytische Auslegung. Beides kann kombiniert werden, wenn bspw. der Regler analytisch als robuster Regler ausgelegt wird, und das Ergebnis durch Simulationen im geschlossenen Regelkreis überprüft und ggf. durch Anpassung des Dämpfungsreglers verbessert wird.
Vorzugsweise bildet wenigstens eine elektrische Spannung des elektrischen Versorgungsnetzes eine Eingangsgröße und wenigstens ein elektrischer Ausgangsstrom zum Einspeisen in das elektrische Versorgungsnetz eine Ausgangsgröße der Windsystemsteuerung. Es wird dafür besonders eine elektrische Spannung am Netzanschlusspunkt des elektrischen Versorgungsnetzes erfasst, oder an einem Punkt, an dem eine dazu repräsentative
Spannung oder andere Größe gemessen werden kann, wie bspw. an einer Ausgangsklemme eines Wechselrichters des Windenergiesystems. Die Messung erfolgt vorzugsweise dreiphasig.
Der Ausgangsstrom, der von dem Windenergiesystem in das elektrische Versorgungsnetz eingespeist wird, ist als Ausgangsgröße vorgesehen. Der Ausgangsstrom, der insbesondere dreiphasig ist, kann somit als Stellgröße der Dämpfungsregelung angesehen werden. Über ihn kann die Dämpfungsregelung und damit das Windenergiesystem Einfluss auf das elektrische Versorgungsnetz nehmen und es ggf. bedämpfen. Der Ausgangsstrom ist insbesondere zunächst als Sollgröße der Dämpfungsregelung vorgesehen. Er kann dann mit- tels der Windsystemsteuerung, die einen oder mehrere Wechselrichter umfassen kann, als tatsächlicher Ausgangsstrom ausgegeben und in das elektrische Versorgungsnetz eingespeist werden.
Gemäß einer Ausführungsform wird vorgeschlagen, dass
die Dämpfungsregelung als Mehrgrößenregelung, ausgebildet ist wobei wenigstens eine elektrische Spannung des elektrischen Versorgungsnetzes eine Eingangsgröße bildet und außerdem wenigstens eine weitere Größe eine Eingangsgröße bildet, aus der Liste aufweisend eine elektrische Zwischenkreisspannung eines Gleichspannungszwi- schenkreises eines elektrischen Wechselrichters, eine von dem Wechselrichter abgegebene Blindleistung,
eine elektrische Generatorleistung eines Generators der Windenergieanlage bzw. wenigstens einer der mehreren Windenergieanlagen, eine Drehzahl des elektrischen Generators und
wenigstens ein Blattwinkel verstellbarer Rotorblätter der Windenergieanlage bzw. wenigstens einer der mehreren Windenergieanlagen.
Außerdem oder alternativ wird vorgeschlagen, dass
wenigstens ein elektrischer Ausgangsstrom zum Einspeisen in das elektrische Versorgungsnetz eine Ausgangsgröße der Windsystemsteuerung bildet und außerdem wenigstens eine weitere Größe eine Ausgangsgröße der Windsteuerung bildet, aus der Liste aufweisend
die elektrische Zwischenkreisspannung des Gleichspannungszwi- schenkreises,
die von dem Wechselrichter abgegebene Blindleistung,
die elektrische Generatorleistung,
die Drehzahl des elektrischen Generators und wenigstens ein Blattwinkel der verstellbaren Rotorblätter.
Unter einem Mehrgrößensystem wird in der Regelungstechnik ein System verstanden, das mehrere Eingangsgrößen und/oder mehrere Ausgangsgrößen aufweist. Ein System mit mehreren Zustandsgrößen, aber nur einer Eingangsgröße und nur einer Ausgangsgröße ist kein Mehrgrößensystem, sondern ein Eingrößensystem höherer Ordnung. Eingangsgrößen sind dabei meistens Messgrößen, oder Größen, die bereits anderweitig erfasst wurden. Ausgangsgrößen der Regelung sind häufig Sollwerte oder Stellgrößen und gehen dann in das System ein, das geregelt werden soll. Hier wird nun vorgeschlagen, dass es zu der Eingangsgröße der elektrischen Spannung und der Ausgangsgröße des Ausgangstromes wenigstens eine weitere Eingangsgröße und/oder wenigstens eine weitere Ausgangsgröße gibt.
Über die Zwischenkreisspannung als Eingangsgröße des Wechselrichters kann besonders eine Reaktion des Wechselrichters auf Schwingungen im elektrischen Versorgungsnetz erkannt werden, oder zumindest in die Dämpfungsregelung einfließen.
Die abgegebene Blindleistung kann eine Reaktion der Regelung des Wechselrichters auf Spannungsschwankungen sein.
Die Generatorleistung gibt eine Information über den Zustand des Generators der Windenergieanlage an und das kann Einfluss auf Netzschwingungen haben. Besonders kann sich darin eine Resonanz des Generators auf eine Schwingung ablesen lassen. Ähnliches gilt für die Drehzahl des Generators.
Ein Blattwinkel kann Aufschluss über einen Systemzustand der Windenergieanlage, besonders auch ihres Generators geben. Auch eine Änderung oder Aktivität des Blattwinkels bzw. der Blattwinkelverstellung kann mit einer Schwingung des elektrischen Versorgungs- netzes Zusammenhängen.
Als Ausgangsgrößen, besonders Stellgrößen, kommen Größen in Betracht, die einer Schwingung entgegenwirken können bzw. sie verhindern können. Dazu sind besonders aber nicht nur die Größen geeignet, die auch als Eingangsgrößen sinnvoll sind und oben genannt wurden.
Dabei beeinflusst die Zwischenkreisspannung des Gleichspannungszwischenkreises das Einspeisen in Stärke und Qualität. Besonders ermöglicht eine hohe Gleichspannung ein besseres und schnelleres Einspeisen und damit auch Ändern des Einspeisens, wobei eine hohe Gleichspannung im Gleichspannungszwischenkreis aber eine hohe Belastung für den Wechselrichter bilden kann und somit andererseits zu vermeiden sein kann. Um bei- dem gerecht zu werden, variiert die Gleichspannung im Gleichspannungszwischenkreis.
Über die Blindleistung kann eine Spannung im elektrischen Versorgungsnetz beeinflusst werden.
Über die Steuerung der Generatorleistung kann besonders der Generator ggf. in einer Schwingeigenschaft beeinflusst und bei entsprechender Reglerauslegung bedämpft werden. Gleiches gilt für die Drehzahl des Generators.
Über den Blattwinkel, besonders eine gezielte Verstellung und Kontrolle der Verstellgeschwindigkeit des Blattwinkels kann besonders auf eine mechanischen Schwingung Einfluss genommen werden. Vorzugsweise wird vorgeschlagen, dass die Auslegung der Dämpfungsregelung eine Dämpfungsparametrierung ist oder umfasst und die Dämpfungsparametrierung aus einer Eigenwertanalyse und/oder Modalanalyse des vereinfachten Arbeitsmodells bestimmt wird.
Bei der Eigenwertanalyse werden die Eigenwerte betrachtet, im vorliegenden Fall nämlich die des geschlossenen Regelkreises. Aus der Lage der Eigenwerte in der komplexen Ebene kann auch ein Schwingverhalten abgeleitet werden, nämlich eine Schwingfrequenz oder Eigenfrequenz, und eine Dämpfung und damit ein Dämpfungsverhalten. Besonders für das linearisierte und damit lineare Arbeitsmodell kann die Systemeigenschaft durch Eigenwerte dargestellt werden. Variationen der Dämpfungsparametrierung, und damit Vari- ationen der Regelstrecke insgesamt, führen zu Veränderungen der Eigenwerte und häufig kann einem Parameter oder Parametersatz auch ein Eigenwert zugeordnet werden, so dass gewünschte Eigenwerte, so weit möglich, durch entsprechende Parameterwahl beeinflusst oder sogar gezielt gewählt werden können.
Der Modalanalyse liegt ein ähnlicher Gedanke zu Grunde. Die Modalanalyse ermöglicht neben den Frequenzen von Systemschwingungen, also Schwingungen, die das System beschreiben, auch Schwingmoden mit zu berücksichtigen. Dabei sind hier unter Schwing-
moden besonders neben der Frequenz der jeweiligen Schwingung ihr Dämpfungsverhalten zu verstehen. Die Modalanalyse erfasst somit die Frequenzen nebst Dämpfungseigenschaften.
Insbesondere erfolgt die Auslegung so, dass Dämpfungsparametrierungen variiert werden, sodass sich unterschiedliche Arbeitsmodelle mit unterschiedlichen Eigenwerten ergeben und dass abhängig der Eigenwerte eine Dämpfungsparametrierung ausgewählt und für die Dämpfungsregelung des Windenergiesystems verwendet wird. Durch die Variation der Dämpfungsparametrierungen, also durch Variation der Dämpfungsparameter, verändern sich auch die Eigenwerte und diese sind bspw. in der komplexen s-Ebene darstellbar und es ist dann erkennbar, welche Parameterveränderungen zu welchen Änderungen der Eigenwerte führen. Darauf basierend können die Parametrierungen bzw. die Parameter ausgewählt werden.
Vorzugsweise wird vorgeschlagen, dass das Netzschwingungsmodell zusätzlich ein Generatormodell umfasst, das das Verhalten von direkt mit dem Netz gekoppelten Synchron- generatoren im elektrischen Versorgungsnetz nachbildet.
Mit dem zusätzlichen Generatormodell werden dabei die Wechselwirkungen der direkt mit dem Netz gekoppelten Synchrongeneratoren in der Modellbildung berücksichtigt. Die Modellbildung umfasst somit nicht nur ein starres Netz, sondern berücksichtigt somit auch Wechselwirkungen zwischen Synchrongeneratoren. Solche direkt mit dem elektrischen Versorgungsnetz gekoppelten Synchrongenerator sind üblicherweise bei Großkraftwerken vorhanden und es wurde erkannt, dass Schwingungen zwischen direkt mit dem elektrischen Versorgungsnetz gekoppelten Synchrongeneratoren häufig eine Ursache für niederfrequente Schwingungen sein können. Mit dem Ansatz, solche Synchrongenerator in dem Netzschwingungsmodell mit zu berücksichtigen kann die Dämpfungsregelung gut auf Schwingungen angepasst werden, die durch solche Synchrongeneratoren verursacht werden könnten.
Vorzugsweise wird vorgeschlagen, dass für die Dämpfungsregelung mehrere Dämpfungsparametersätze und/oder mehrere Reglerstrukturen zur Auswahl bestimmt und hinterlegt werden, und dass zum Betrieb des Windenergiesystems aus den mehreren Dämpfungs- parametersätzen bzw. Reglerstrukturen einer bzw. eine ausgewählt wird und/oder im Betrieb des Windenergiesystems zwischen ihnen gewechselt werden kann. Dieses Auswählen bzw. Wechseln erfolgt vorzugsweise in Abhängigkeit eines Auswahlkriteriums. Ein solches Auswahlkriterium kann bspw. ein Signal eines Netzbetreibers sein, der das Windenergiesystem über eine Strukturänderung informiert.
Hier wurde erkannt, dass sich besonders Eigenschaften des elektrischen Versorgungsnetzes signifikant verändern können. Kleine Änderungen kann ein robuster Regler ohne Anpassung ausgleichen, zumindest ist er dagegen robust. Bei größeren Änderungen kann das evtl nicht mehr ausreichend sein. Bspw. kann eine signifikante Änderung sein, dass ein großer Verbraucher, wie bspw. eine Stahl-Gießerei, nicht arbeitet und damit faktisch nicht ans elektrische Versorgungsnetz angeschlossen ist. Der Unterschied dazwischen, ob diese exemplarische Gießerei an das elektrische Versorgungsnetz angeschlossen ist, oder nicht, kann ein signifikanter Unterschied sein. Ein weiterer signifikanter Unterschied kann sein, ob eine wichtige Übertragungsleitung des elektrischen Versorgungsnetzes getrennt ist, oder nicht. Bspw. wird, um ein anschauliches Beispiel zu nennen, regelmäßig eine die Ems überquerende Übertragungsleitung aufgetrennt, wenn über die Ems ein großes Kreuzfahrtschiff von Papenburg aus ausgeliefert wird.
Beide Beispiele sind üblicher Weise vorher bekannt und können besonders durch ein entsprechendes Umschaltsignal beim Betrieb des Windenergiesystems berücksichtigt wer- den. Dass sie bekannt sind, führt auch dazu, dass die jeweils zu Grunde liegenden Beschreibungen des elektrischen Versorgungsnetzes bekannt sind, bspw. durch Differentialgleichungen, die diese Besonderheiten bzw. Unterschiede berücksichtigen. Die Dämpfungsregelung kann daher gezielt auf diese unterschiedlichen Gegebenheiten ausgelegt werden. Es ergeben sich dementsprechend unterschiedliche Dämpfungsregelungen, zu- mindest unterschiedliche Dämpfungsparametersätze, je nach Veränderung des elektrischen Versorgungsnetzes auch unterschiedliche Reglerstrukturen. Dazwischen kann im Betrieb des Windenergiesystems, ausgewählt werden, vorzugsweise auch im laufenden Betrieb.
Im Übrigen können sich auch Änderungen des elektrischen Versorgungsnetzes ergeben, wenn das Netz ausgebaut wird oder sonstige Änderungen im Netz vorliegen, die zu signifikant geänderten Netzeigenschaften führen. Es können sich grds. aber auch Änderungen im Windenergiesystem ergeben, die durch unterschiedliche Dämpfungsparametersätze o- der Reglerstrukturen Berücksichtigung finden können. Als Bsp. kann ein Vollastbetrieb einerseits und ein Teillastbetrieb andererseits genannt werden. Im Teillastbetrieb ist nicht nur weniger Leistung durch das Windsystem verfügbar als im Volllastbetrieb, sondern im Teillastbetrieb können auch windabhängige Leistungsschwankungen auftreten.
Vorzugsweise wird vorgeschlagen, dass zwischen den verschiedenen Dämpfungsparametersätzen in Abhängigkeit eines der folgenden Kriterien umgeschaltet wird, nämlich abhängig eines externen Signals eines Netzbetreibers, abhängig einer Tageszeit, abhängig eines
Wochentags, abhängig eines Kalendertags, abhängig eines Zustands des elektrischen Versorgungsnetzes, und/oder abhängig eines Zustands des Windenergiesystems.
Besonders der Netzbetreiber kennt Veränderungen in seinem Netz, wie bspw. die Ankündigung eines Großverbrauchers, sich vom Netz zu trennen. Solche oder andere Ereignisse können im Voraus bekannt sein, einschließlich der Zeit, an der sie auftreten. Eine Umschaltung nach der Tageszeit, dem Wochentag und/oder einem Kalendertag, also einem konkreten Datum, kann in solchen Fällen vorgesehen sein. Als ein Beispiel ist ein Großverbraucher zu nennen, bspw. am Wochenende nicht arbeitet.
Eine Veränderung des elektrischen Versorgungsnetzes kann aber auch bspw. systemtech- nisch identifiziert werden, indem bspw. Reaktionen des elektrischen Versorgungsnetzes auf Änderungen einer Einspeisegröße ausgewertet werden. So kann bspw. eine Veränderung der Netzspannung auf eine Änderung der eingespeisten Wirkleistung und/oder Blindleistung Eigenschaften und damit einen Zustand des elektrischen Versorgungsnetzes anzeigen, z.B. wie sensitiv das elektrische Versorgungsnetz ist. Auch ein Zustand des Windenergiesystems, besonders wie viel Leistung aktuell eingespeist werden kann, kann als Kriterium verwendet werden, um zwischen Dämpfungsparametersätzen umzuschalten.
Die unterschiedlichen Dämpfungsparametersätze können bspw. auf einer Speichereinheit hinterlegt werden. Gemäß einer Ausgestaltung wird vorgeschlagen, dass
das Netzschwingungsmodell
das Netzmodell als wenigstens eine erste Differentialgleichung aufweist und
das Windsystemmodell als wenigstens eine zweite Differentialglei- chung aufweist, wobei
das Netzschwingungsmodell vorzugsweise in einer nichtlinearen Zustandsraumdarstellung beschrieben wird
und/oder
das vereinfachte Arbeitsmodell das für einen ausgewählten Arbeits- punkt linearisierte Netzschwingungsmodell ist, wobei das vereinfachte Arbeitsmodell vorzugsweise in einer linearen Zustandsraumdarstellung beschrieben wird.
Es werden somit in dem Netzschwingungsmodell Nichtlinearitäten sowohl des elektrischen Versorgungsnetzes als auch des Windenergiesystems berücksichtigt, sofern vorhanden. Als Darstellung wird vorzugsweise eine nichtlineare Zustandsraumdarstellung gewählt, wie sie verallgemeinert in der Formel (1 ) dargestellt ist. Darin sind die Zustandsvariabein x bis xn bzw. ihre zeitlichen Ableitungen x1 bis xn in dem Zustandsvektor x bzw. x enthalten. Eingangsgrößen ui bis um sind in dem Eingangsvektor u zusammengefasst. x = f(x, u) (1 )
Mit dieser Darstellung kann das betrachtete System, nämlich das elektrische Versorgungsnetz bzw. ein relevanter Teil davon, zusammen mit dem Windenergiesystem bzw. einem relevanten Teil davon, und der Dämpfungsregler in einer im Wesentlichen vollständigen Systembeschreibung beschrieben werden, die auch Nichtlinearitäten berücksichtigt.
Das so beschriebene System kann dann durch eine Linearisierung in einem Arbeitspunkt vereinfacht werden und durch die Linearisierung sind dann lineare Untersuchungsmetho- den, wie die Eigenwertanalyse anwendbar. Nichtlineare Einflüsse können durch verschie- dene Arbeitspunkte berücksichtigt werden, also dadurch, dass die Linearisierung für verschiedene Arbeitspunkte durchgeführt wird.
Das vereinfachte Arbeitsmodell, nämlich das für einen ausgewählten Arbeitspunkt lineari- sierte Netzschwingungsmodell, kann in einer linearen Zustandsraumdarstellung beschrieben werden und das zeigt in allgemeiner Form die Formel (2). Auch hier zeigen die fettge- druckten Buchstaben Vektoren an. Wegen der Linearisierung um einen ausgewählten Arbeitspunkt bezieht sich das Gleichungssystem auf die Änderung in dem Arbeitspunkt, durch„A“ angezeigt.
Ax = AAx + B u (2)
Ein Arbeitspunkt für die Linearisierung kann bspw. durch eine vom Windenergiesystem eingespeiste Wirkleistung und/oder durch eine vom Windenergiesystem eingespeisten Blindleistung definiert werden.
Vorzugsweise wird vorgeschlagen, dass das Netzmodell und zusätzlich oder alternativ das vereinfachte Netzmodell kontinuierlich im laufenden Betrieb erfasst oder angepasst werden, um auf Änderungen im Aufbau des elektrischen Versorgungsnetzes zu reagieren.
Um Systemänderungen im Versorgungsnetz zu begegnen, die beispielsweise durch Wartungsarbeiten am Netz, durch den Netzausbau, durch Zu- und Abschalten von Erzeugern und Verbrauchern im Netz entstehen können, wird gemäß einer Ausführungsform vorgeschlagen, die Dämpfungsparameter fortlaufend zu bestimmen und im laufenden Betrieb anzupassen.
Erfindungsgemäß wird auch ein Windenergiesystem vorgeschlagen, nämlich eine Windenergieanlage oder ein Windpark, der eine oder mehrere Windenergieanlagen umfasst. Ein solches Windenergiesystem ist vorbereitet zum Einspeisen elektrischer Leistung aus Wind in ein elektrisches Versorgungsnetz, und es ist vorbereitet zum Bedämpfen nieder- frequenter Schwingungen, insbesondere subsynchroner Resonanzen, in dem elektrischen Versorgungsnetz. Es wird dabei von einem Versorgungsnetz ausgegangen, das eine Netzspannung mit einer Netznennfrequenz aufweist, und dass die zu bedämpfenden niederfrequenten Schwingungen eine geringere Frequenz als die halbe Netznennfrequenz aufweisen. Das vorgeschlagene Windenergiesystem umfasst eine Dämpfungsregelung zum Bedämpfen der niederfrequenten Schwingungen, einen geschlossenen Regelkreis, in dem die Dämpfungsregelung eingesetzt wird, und eine Windsystemsteuerung zum Einspeisen elektrischer Leistung in das elektrische Versorgungsnetz, wobei die Dämpfungsregelung zum Bedämpfen der niederfrequenten Schwingungen ein Einspeisen elektrischer Leistung in das elektrische Versorgungsnetz unter Verwendung der Windsystemsteuerung steuert.
Die Dämpfungsregelung ist auf eine Regelstrecke ausgelegt, und die Regelstrecke umfasst das elektrische Versorgungsnetz oder einen Teil davon, das Windenergiesystem, oder einen Teil davon, und die Windsystemsteuerung, oder einen Teil davon. Die Dämpfungsregelung wird so ausgelegt, dass sie schwach gedämpfte Moden im geschlossenen Regel- kreis vermeidet und/oder schwach gedämpfte Moden der Regelstrecke im geschlossenen Regelkreis bedämpft.
Besonders ist das Windenergiesystem dazu vorbereitet, ein Verfahren zum Steuern eines Windenergiesystems und zum Bedämpfen niederfrequenter Schwingungen gemäß einer vorstehend beschriebenen Ausführungsform auszuführen. Insbesondere weist das Wind- energiesystem dazu eine Steuerungseinrichtung auf, insbesondere einen Prozessrechner, auf der die Dämpfungsregelung implementiert ist, in der eine Auslegung der Dämpfungsregelung ganz oder teilweise durchgeführt wird und/oder in der Dämpfungsparametersätze gespeichert werden können.
Vorzugsweise ist eine Speichereinheit vorgesehen, um für die Dämpfungsregelung mehrere Dämpfungsparametersätze und/oder mehrere Reglerstrukturen, die zur Auswahl bestimmt wurden, abzuspeichern und zum Betrieb bereitzuhalten, sodass zum Betrieb des Windenergiesystems aus den mehreren Dämpfungsparametersätzen bzw. Reglerstruktu- ren einer bzw. eine ausgewählt werden kann und im Betrieb des Windenergiesystems zwischen ihnen gewechselt werden kann.
Insbesondere ist dafür eine Auswahlsteuerung vorgesehen, um in Abhängigkeit eines Auswahlkriteriums eine Auswahl aus den Dämpfungsparametersätzen bzw. Reglerstrukturen zu steuern. Damit kann auf einfache Art und Weise eine Veränderung der Dämpfungsre- gelung umgesetzt werden.
Zusammengefasst zielt die vorliegende Erfindung somit darauf hin, die Anlagen- und Windparksteuerungen bei der Implementierung netzkritischer Projekten flexibler zu gestalten, und insbesondere schwach gedämpfte Netzschwingungsmoden bei der Reglerauslegung zu berücksichtigen. Dabei werden die Reglerparameter der Windenergieanlagen bzw. des Windparks durch eine Netzstudie so auf das Netz abgestimmt bzw. ausgelegt, dass kritische niederfrequente Netzschwingungen entweder nicht auftreten oder stark bedämpft werden. Eine aktive Erkennung von niederfrequenten Schwingungen ist somit nicht notwendig. Dies schließt jedoch nicht aus, dass die Reglerparametrierung auch auf erkannte niederfrequente Schwingungen angepasst und ausgelegt werden kann, um bekannte nie- derfrequente Schwingungen im Versorgungsnetz gezielt zu Bedämpfen.
Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsformen beispielhaft unter Bezugnahme auf die begleitenden Figuren erläutert.
Figur 1 zeigt eine Windenergieanlage in einer perspektivischen Darstellung.
Figur 2 zeigt schematisch einen Windpark. Figur 3 zeigt schematisch einen geschlossenen Regelkreis, der ein Netzmodell und ein Windsystemmodell, nämlich Parkmodell beinhaltet.
Figur 4 zeigt schematisch einen schematischen Ablauf des erfindungsgemäßen Verfahrens gemäß einer Ausführungsform.
Figur 1 zeigt eine Windenergieanlage 100 mit einem Turm 102 und einer Gondel 104. An der Gondel 104 ist ein Rotor 106 mit drei Rotorblättern 108 und einem Spinner 110 angeordnet. Der Rotor 106 wird im Betrieb durch den Wind in eine Drehbewegung versetzt und treibt dadurch einen Generator in der Gondel 104 an. Die Windenergieanlage 100 kann Teil eines Windparks sein oder selbst ein Windenergiesystem bilden.
Figur 2 zeigt einen Windpark 112 mit beispielhaft drei Windenergieanlagen 100, die gleich oder verschieden sein können. Die drei Windenergieanlagen 100 stehen somit repräsentativ für im Grunde eine beliebige Anzahl von Windenergieanlagen eines Windparks 112. Die Windenergieanlagen 100 stellen ihre Leistung, nämlich insbesondere den erzeugten Strom über ein elektrisches Parknetz 114 bereit. Dabei werden die jeweils erzeugten Ströme bzw. Leistungen der einzelnen Windenergieanlagen 100 aufaddiert und meist ist ein Transformator 116 vorgesehen, der die Spannung im Park hochtransformiert, um dann an dem Einspeisepunkt 118, der auch allgemein als PCC bezeichnet wird, in das Versorgungsnetz 120 einzuspeisen. Fig. 2 ist nur eine vereinfachte Darstellung eines Windparks 1 12, die beispielsweise keine Steuerung zeigt, obwohl natürlich eine Steuerung vorhanden ist. Auch kann beispielsweise das Parknetz 1 14 anders gestaltet sein, indem beispielsweise auch ein Transformator am Ausgang jeder Windenergieanlage 100 vorhanden ist, um nur ein anderes Ausführungsbeispiel zu nennen. Der Windpark 112 ist ein Beispiel für ein Windenergiesystem. Figur 3 zeigt einen geschlossenen Regelkreis 300 gemäß einer Ausführungsform schematisch. Hier stehen die Details des Windenergiesystems im Vordergrund. Der Regelkreis 300 umfasst ein elektrisches Versorgungsnetz 302, das Windenergiesystem 304 und die Windsystemsteuerung 306. In dieser Ausführungsform bildet eine Windenergieanlage das Windenergiesystem 304. Die ebenfalls gezeigte Messeinheit 308 kann der Windsystemsteuerung 306, zugeordnet werden. Die Windsystemsteuerung 306 kann in einer Windturbinen-Regelung integriert sein, oder mit ihr übereinstimmen. Insoweit kann die Windsystemsteuerung 306 auch als Teil des Windenergiesystems verstanden werden. Die Windturbinen-Regelung berücksichtigt sämtliche angesteuerte Dynamiken der Windturbine und dabei wird es meist ausrei- chen, für die Windsystemsteuerung zum Bedämpfen niederfrequenter Schwingungen nur einen Teil der Windturbinen-Regelung zu betrachten, bzw. bei der Auslegung der Dämpfungsregelung nur einen Teil der Windturbinen-Regelung zu betrachten.
Als anschauliche Erläuterung, die auch als eine Ausführungsform in Betracht kommt, bildet der Wechselrichter 310, der auch als Converter bezeichnet werden kann, in dem Regelkreis 300 das regelungstechnische Stellglied und das elektrische Versorgungsnetz 302 das zu regelnde System. Der Wechselrichter 310 gibt als Stellgröße den dreiphasigen Einspei- sestrom bc aus und speist diesen in das elektrische Versorgungsnetz 302 ein, der damit für das elektrische Versorgungsnetz die Eingangsgröße bildet. Das elektrische Versorgungsnetz regiert darauf mit einer dreiphasigen Ausgangsspannung Uabc, die die Ist-Größe für die Systemsteuerung, also den Dämpfungsregler, bildet, vernachlässigt man die Dynamik der Messeinheit 308. Ein bei einer klassischen Regelung zu erwartender Soll-Ist-Wert- Vergleich kann bspw. in der Windsystemsteuerung durch Vergleich dreiphasigen Ausgangsspannung Uabc mit einer idealen Ausgangsspannung erfolgen, also mit einer ideal sinusförmigen Ausgangsspannung. Es kommen aber auch andere Varianten in Betracht, bei denen die dreiphasigen Ausgangsspannung Uabc z.B. nur als Effektivwert betrachtet wird und dann abhängig seiner Höhe, also abhängig der Spannungshöhe die Regelung arbeitet, bspw. eine Blindleistungssollwert an den Wechselrichter 310 gibt.
Aber auch in dieser vereinfachten Betrachtung, bei der die Windsystemsteuerung 306 nur den Wechselrichter ansteuert, fließt eine Dynamik des Windenergiesystems 304 ein. Zunächst ist bereits die Dynamik des Wechselrichters 310 eine Dynamik des Windenergiesystems 304. Darüber hinaus wirken sich aber auch andere Elemente des Windenergie- Systems 304 auf die Dynamik des Wechselrichters 310 aus. Hierzu ist an erster Stelle der Generator 312 zu nennen. Er versorgt den Wechselrichter 310 mit Leistung und daher hängt die Dynamik des Wechselrichters 310 auch von der Dynamik des Generators 312 ab. Es kommt hinzu, dass der Wechselrichter 310 zumindest teilweise den Generator 312 steuert. Der Wechselrichter 310 und der Generator 312 wirken zumindest so zusammen, dass der Generator 312 elektrische Leistung Pe an den Wechselrichter 310 gibt, wohingegen der Wechselrichter die mechanische Leistung Pm des Generators 312 zumindest beeinflusst oder sogar steuert.
Es kommt aber auch in Betracht, dass die Windsystemsteuerung 306 die Dynamik des Generators 312 unmittelbar mitberücksichtigt, indem sie bspw. seine Erregung steuert, wenn der Generator 312 ein fremderregter Synchrongenerator ist. Die Dynamik des Generators 312 kann auch unmittelbar dadurch mitberücksichtigt werden, dass die Windsystemsteuerung 306 einen Statorstrom des Generators 312 über den Converter 310 steuert.
Auch ein gezeigter Antriebsstrang 314 kann die Dynamik des Windenergiesystems und damit der Dämpfungsregelung beeinflussen. Er gibt die Rotordrehzahl des aerodynamischen Rotors, der hier als Aerodynamik-Block 316 veranschaulicht ist, als Generatordrehzahl an den Generator 312 weiter und gibt das Generatormoment Tg als Antriebsmoment Ta an den Rotor bzw. den Aerodynamik-Block 316 weiter. Je nach Aufbau können hier bspw. Schwingungen im Antriebsstrang 314 auftreten, die bei einem getriebelosen Generator allerdings eher gering sind.
Auf den Rotor, also den Aerodynamik-Block 316, wirkt eine effektive Windgeschwindigkeit Veff, die sich aus der tatsächlichen Windgeschwindigkeit Vw und einer durch die Strukturdy- namik des Rotors bedingten Strukturgeschwindigkeit Vstmkt berechnet, die je nach Vorzeichen zur tatsächlichen Windgeschwindigkeit Vw addiert wird bzw. davon abgezogen wird. Dafür ist der Strukturdynamik-Block 318 eingezeichnet, der aus der Strukturdynamik besonders des Rotors eine solche äquivalente Strukturgeschwindigkeit Vstmkt ausgibt. Für die Berücksichtigung des Windes ist der Windfeld-Block 320 angegeben, der die tatsächliche Windgeschwindigkeit Vw ausgibt.
Die Windturbinen-Regelung und damit die Windsystemsteuerung 306 kann den Aerodynamik-Block 316, über den Pitch-Block 322 beeinflussen, nämlich über das Verstellen der Rotorblätter, was auch als Pitchen bezeichnet wird.
Damit gibt es viele Möglichkeiten, Dynamiken des Windenergiesystems zu berücksichti- gen, sowohl in der Analyse als auch in der Regelung. Für die analytische Berücksichtigung des elektrischen Versorgungsnetzes 302 wird eine Systembeschreibung bspw. als Differentialgleichungssystem berücksichtigt. Zu der Struktur des Windenergiesystems 304 kann auch ein Differentialgleichungssystem aufgestellt werden, basierend auf der in Figur 3 gezeigten Struktur. Beide Differentialgleichungssysteme, also des elektrischen Versorgungs- netzes, das auch als Netzmodell bezeichnet werden kann, und des Windenergiesystems, das auch als Windsystemmodell bezeichnet werden kann, können zusammen ein gesamtes Netzschwingungsmodell ergeben, das dann zur Reglerauslegung weiter verwendet werden kann, wie nachfolgend in Figur 4 beschrieben ist.
Figur 4 zeigt schematisch einen Verfahrensablauf 400 des erfindungsgemäßen Verfahrens gemäß einer Ausführungsform mit mehreren Verfahrensschritten. Dabei wird in einem Schritt S1 ein Netzschwingungsmodell erstellt. Dieses umfasst das Netzmodell 404 und das Windsystemmodell 406. Das Netzschwingungsmodell kann beispielsweise in Zustandsraumdarstellung vorliegen, das mehrere Differentialgleichungen als Zeileneinträge
aufweist. Dies ist mit der Formel (1 ) in Figur 4 dargestellt, die zuvor bereits beschrieben wurde. In einem Schritt S2 wird aus dem Netzschwingungsmodell das im Schritt S1 bestimmt wurde, ein vereinfachtes Arbeitsmodell bestimmt. Das vereinfachte Arbeitsmodell kann beispielsweise in einer linearen Zustandsraumdarstellung vorliegen. Dies ist durch die Formel (2) in der Figur 4 dargestellt, die ebenfalls bereits zuvor beschrieben wurde.
In einem Schritt S3 wird aus dem vereinfachten Arbeitsmodell des Schrittes S2 eine Dämpfungsparametrierung bestimmt. Die so bestimmte Dämpfungsparametrierung wird anschließend in der Reglerparametrierung eines einstellbaren Reglers 415 (ACU) (engl.:„ad- justable Control Unit“) im Schritt S4 implementiert. In dem Verfahrensschritt S5 erfolgt an- schließend ein Steuern des Windparks, der hier das Windenergiesystem bildet, mit der implementierten Dämpfungsparametrierung, um niederfrequente Schwingungen im Versorgungsnetz durch ein geändertes Systemverhalten des gesteuerten Windparks zu reduzieren oder zu vermeiden. Hierbei wird die Steuerung des Windparks bzw. der Windenergieanlage durch den einstellbaren Regler 415 (ACU) vorgenommen. Zudem ist der Figur 4 ein Generatormodell 414 vorgesehen, das in einer weiteren Ausführungsform in das Netzmodell 404 eingeht. Dies ist dargestellt durch den gestrichelten Pfeil der den Block 414 mit dem Block 404 verbindet. Demnach werden in dieser Ausführungsform direkt mit dem Netz gekoppelte Synchrongeneratoren und deren Wechselwirkungen im dynamischen Netz berücksichtigt. Zudem ist in der Figur 4 als eine weitere Ausführungsform dargestellt ist, dass die im Schritt S3 sukzessive bestimmten Dämpfungsparametrierungen als Dämpfungsparametersätze in einer Speichereinheit 416 (MEM) hinterlegt werden. Es werden somit mehrere Dämpfungsparametrierungen im Schritt S3 bestimmt und anschließend in der Speichereinheit 416 gespeichert bzw. hinterlegt. Zwischen diesen hinterlegten Dämpfungsparametersätzen wird in Abhängigkeit von vorgegebenen Kriterien (CRIT) 418 umgeschaltet. Ist beispielsweise ein externes Signal eines Netzbetreibers empfangen worden, demnach sich das elektrische Versorgungsnetz verändert hat, kann auf einen dafür vorbereiteten und hinterlegten Dämpfungsparametersatz umgestellt werden. Dafür wird entsprechend ein Dämpfungsparametersatz ausgewählt und in den einstellbaren Regler 415 (ACU) eingegeben bzw. die- ser mit dem neuen Dämpfungsparametersatz parametriert. Somit kann die Reglerparametrierung in Abhängigkeit vorgegebener Kriterien auch im laufenden Betrieb geändert werden.
Zudem sind in der Figur 4 zwei Diagramme A und B im Schritt S3 dargestellt, die den Verfahrensschritt Bestimmen einer Dämpfungsparametrierung aus dem vereinfachten Arbeitsmodells veranschaulichen sollen.
Das Diagramm A zeigt dabei eine Eigenwertverteilung in der komplexen s-Ebene, die eine reale Achse (Re) und eine imaginäre Achse (Im) aufweist. Die komplexe s-Ebene im Diagramm A weist dabei eine linke und eine rechte Halbebene auf, wobei die linke Halbebene den stabilen Bereich beschreibt, in dem der Realteil kleiner als null ist. Umgekehrt ist die rechte, instabile Halbebene der Bereich, in dem der Realteil größer als null ist. In der komplexen s-Ebene sind mehrere Eigenwerte 420 und 422 dargestellt, deren Verteilung für unterschiedliche Reglerparametrierungen aufgenommen wurden.
Sprungantworten für die unterschiedlichen Reglerparametrierungen sind dabei im Diagramm B dargestellt. Diese können als Dämpfungsparametersätze gespeichert sein. Die Diagramme A und B sind zudem gemeinsam zu betrachten.
Hierzu sind im Diagramm B Sprungantworten für drei unterschiedliche Reglerparametrie- rung in den Kurven A1 , B1 , C1 dargestellt, wobei diese Parametrierungen jeweils den Eigenwerten A1 , A1*, B1 , B1* bzw. C1 , C1* aus dem Diagramm A zugeordnet sind. Die Kurve A1 zeigt im Vergleich zur Kurve B1 und C1 ein langsameres Regelverhalten. Die drei unterschiedlich schnellen Reglerverhalten können auch einigen Eigenwerten abgelesen werden, die im Diagramm A dargestellt sind. Es ist zu erkennen, dass eine Änderung der Reglerparametrierung (A1 , B1 , C1 , Diagramm B) der Windenergieanlage einen unterschiedlichen Einfluss auf die Eigenwerte 420, 422 im Diagramm A hat. Beispielsweise ändern sich die Eigenwerte 420 im Gegensatz zu dem konjugiert komplexen Eigenwertpaar 422 durch die Änderung der Reglerparametrierung wenig bis gar nicht. Das Eigenwertpaar 422 hingegen, wandert je nach ausgewählter Reg- lerparametrierung A1 , B1 , C1. Dies ist mit dem Pfeil im Diagramm A angedeutet, der veranschaulicht, dass das Eigenwertpaar 422 je nach Reglerparametrierung nach rechts oder links wandert.
Das Eigenwertpaar 422 ändert sich somit in Abhängigkeit der Reglerparametrierung der Windenergieanlage bzw. des Windparks und kann als Verlaufskennlinie dargestellt wer- den.
Das langsame Reglerverhalten, beispielsweise für die Reglerparametrierung A1 aus dem Diagramm B, führt somit dazu, dass das durch die Parametrierung beeinflussbare Eigenwertpaar 422 weiter nach links in linke Halbebene der komplexen Ebene verschoben wird. Ein schnelleres Regelverhalten, z. B. die Reglerparametrierung C1 aus dem Diagramm B, führt umgekehrt zu einer Verschiebung des Eigenwertpaares 422 nach rechts in Richtung positiver Realwerte. Dabei können die Eigenwerte niederfrequenten Schwingungen bzw. Schwingungsmoden zugeordnet werden. Je näher dabei ein Eigenwert an der rechten Halbebene liegt, desto schneller ist die Systemeigenschaft, die er beschreib. So können diejenigen Eigenwerte ausgewählt werden, die ein gewünschtes Verhalten beschreiben bzw. dem nahekommen.
Die Figur 4 zeigt mit dem Verfahrensablauf 400 im Wesentlichen ein Verfahren, mit dem jeweils ein Dämpfungsregler ausgelegt wird, bei dem also jeweils ein Netzmodell zu Grunde liegt. In dem Schritt S3 werden Parameter variiert, um als Ergebnis einen Dämpfungsregler auszulegen. Um einen weiteren Dämpfungsregler auszulegen, also besonders um einen weiteren Dämpfungsparametersatz zu erhalten, ist das Verfahren mit einem neuen Netzmodell zu durchlaufen, das nämlich ein geändertes Netz zu Grunde legt.
Bspw. kann der Netzbetreiber dazu zu unterschiedlichen zu erwartenden Netzsituationen entsprechend unterschiedliche Netzbeschreibungen bereitstellen. Dazu kann er bereits jeweils ein Netzmodell bereitstellen, oder ein Netzmodell in der gewünschten Form wird aus einer anderweitigen vom Netzbetreiber erhaltenen Beschreibung des Netzes erstellt. Bspw. kommt in Betracht, dass der Netzbetreiber Systembeschreibungen des elektrischen Versorgungsnetzes für unterschiedliche Netzsituationen bereitstellt, die Systembeschreibungen aber zunächst auf den Netzanschlusspunkt der betrachteten Windenergiesystems angepasst werden müssen. Mit einem neuen Netzmodell wird dann der Verfahrensablauf 400 erneut durchlaufen und auch in dem Schritt S3 können wieder Variationen der Reglerparameter vorgenommen werden, um den gewünschten Dämpfungsregler für dieses neue Netzmodell zu erhalten. Die Figur 4 veranschaulicht einen wichtigsten Teil dieses Prozesses.
Im ersten Schritt, werden die analytischen Modelle von den Windturbinen bzw. Windparks mit Netzgleichungen kombiniert.
Im zweiten Schritt, werden die schwach gedämpften Moden untersucht.
Abhängig einer jeweiligen Anforderung, werden die Moden durch die geeignete Auslegung der beeinflussbaren Windturbinen- bzw. Windparkparameter platziert, also vorgegeben bzw. im möglichen Rahmen ausgewählt.
Nach detaillierter Untersuchung, die auf Basis von Simulationen oder Prototypentests er- folgen kann, wird der resultierende Turbinencode, also ein Parametersatz in der Windturbine implementiert.
Es wurde somit erkannt, dass elektrische Energiesysteme, wie elektrische Versorgungsnetze auch bezeichnet werden können, schwingungsfähige Systeme sind, die natürlichen Moden unterhalb und oberhalb der Systemfrequenz, also im Wesentlichen unterhalb und oberhalb von 50Hz oder 60Hz besitzen. Wenn diese Moden bzw. Schwingungen angeregt werden, können solche Schwingungen die Systemstabilität beeinträchtigen, wenn sie nicht ausreichend gedämpft sind.
Windenergieanlagen, die auch als Windturbinen bezeichnet werden, können zur Stabilisierung von Energiesystemen beitragen. Dabei ist auch zu beachten, dass die Lebensdauer einer Windturbine viele Jahre beträgt, ca. 25 Jahre, und dass in dieser Zeit das Energiesystem sich stark ändern und entwickeln kann.
Wenn schwach gedämpfte Netzschwingungsmoden idealer Weise noch vor einem Windparkanschluss identifiziert werden, sei es durch eine direkte Information vom relevanten Netzbetreiber oder auf Basis von Simulationsstudien, können möglicherweise diese noch bei der Auslegung von Windturbinen- und Windparkregler berücksichtigt werden.
Diese Erfindung zielt darauf hin, die Anlagen- und Windparksteuerungen bei der Implementierung netzkritischer Projekten flexibler zu machen, damit schwach gedämpfte Netzschwingungsmoden bei der Reglerauslegung noch berücksichtigt werden. Weiterhin werden diese Reglerparameter der Anlage durch Netzstudien projektspezifisch abgestimmt bzw. ausgelegt, sodass kritische Netzschwingungen entweder nicht auftreten können oder stark bedämpft werden.
Bei dieser Erfindung lag auch der Gedanke zu Grunde, nicht eine aktive Erzeugung von Dämpfungssignalen durch die Turbinen zu erzeugen, sondern eine geeignete Auslegung von Windturbinen- und Windparkreglern zur Bedämpfung von niederfrequenten Schwin- gungen, die auch als Power-System-Oszillationen bezeichnet werden, vorzuschlagen. Der
Vorschlag zielt besonders darauf ab, dass keine unmittelbare Erkennung von Oszillationen notwendig ist.
Ein Gedanke war dabei auch, kombinierte Gleichungen für das System bestehend aus Windpark und Netz zu verwenden. Wichtig ist bei dieser vorgeschlagenen Lösung auch der "kontinuierliche" Charakter der Lösung. Sie benötigt kein Online-Detektionsverfahren- zur Identifikation von Oszillationen in Power Systems. Sobald notwendig, und soweit möglich, wird eine Dämpfung für eine spezifische Frequenz, oder einen Frequenzbereich, künstlich durch geeignete Auslegung generiert.
Da es dann eine Systemcharakteristik ist, bleibt diese stets zur Verfügung.