Verfahren zur Herstellung eines Stahlblechbauteils
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Stahlblechbauteils. Weiterhin ist eine Verwendung des Stahlblechbauteils Gegenstand der Erfindung.
Die Herstellung von Stahlblechbauteilen mittels Warmumformen hat sich bereits industriell etabliert, insbesondere zur Herstellung von Karosserieteilen wie zum Beispiel zur Herstellung von sicherheitsrelevanten B-Säulen etc. Stahlblechbauteile können im direkten wie auch im indirekten Warmumformverfahren hergestellt werden. Dabei werden ebene Platinen (direkt) oder bereits vorgeformte bzw. endabmessungsnahe (kalt)geformte Halbzeuge (indirekt) aus einem Stahlwerkstück, insbesondere aus einem härtbaren Stahlwerkstück, auf eine Tempera tur erwärmt, bei welcher abhängig von der Zusammensetzung des verwendeten Stahlwerk stücks eine Gefügeumwandlung innerhalb des Stahlwerkstücks eintritt. Mit Acl beginnt die Gefügeumwandlung in Austenit und mit Erreichen von Ac3 bzw. oberhalb liegt ein im Wesent lichen vollständig austenitisches Gefüge vor. Die Erwärmung wird in Fachkreisen auch„Auste- nitisieren“ genannt, insbesondere wenn eine vollständige Umwandlung in Austenit erfolgen soll. Nach der Erwärmung wird das warme (austenitisierte) Stahlwerkstück in ein Umform werkzeug eingelegt und warm umgeformt. Dabei wird im Zuge oder nach Beendigung des Warmumformens das Stahlwerkstück derart gekühlt, vorzugsweise innerhalb des Umform werkzeug, welches vorzugsweise aktiv gekühlt wird, so dass das Gefüge in ein hartes Gefüge aus Martensit und/oder Bainit, vorzugsweise im Wesentlichen aus Martensit, umwandelt. In Fachkreisen wird die Abkühlung respektive Abschreckung des Stahlwerkstücks innerhalb des Umformwerkzeugs bzw. durch Einwirken eines (Härte-)Werkzeugs, welches die Endkontur des herzustellenden Blechbauteils aufweist, auch „Presshärten“ genannt. Alternativ kann eine Abkühlung/Abschreckung außerhalb eines Umformwerkzeugs/Härtewerkzeugs erfolgen, ins besondere in einem (kalten) Medium, beispielsweise in einem Ölbad, und wird als„Härten“ bezeichnet. Erwärmungs- und Abkühlkurven zur Einstellung der geforderten Gefügestruktur sind abhängig von der chemischen Zusammensetzung des verwendeten, härtbaren Stahl werkstücks und lassen sich aus sog. ZTA- bzw. ZTU-Schaubildern entnehmen bzw. ableiten. Mittels Warmumformen ist die Einstellung einer im Wesentlichen martensitischen Gefügestruk tur mit hohen Festigkeiten möglich.
Aus dem Stand der Technik ist bekannt, dass sich für das direkte Warmumformen eine alumi niumbasierte Beschichtung, vorzugsweise eine Aluminium-Silizium-Beschichtung eignet, um einen passiven Korrosionsschutz zu gewährleisten und eine Verzunderung der Stahlwerk-
stücke zu vermeiden. Dies erübrigt die Verwendung von Schutzgas während der Austenitisie rung. Beim indirekten Warmumformen finden mit einer zinkbasierten Beschichtung versehene und unbeschichtete Stahlwerkstücke Verwendung.
Die Herstellung von Karosseriebauteilen mittels direktem Warmumformen und der Verwen dung von Aluminium(AI)-Silizium(Si)-beschichteten Stahlwerkstücken ist aus dem Stand der Technik bekannt, insbesondere bei Verwendung von Stahlwerkstücken mit einer Dicke von bis zu 3 mm, vgl. EP 2 086 755 Bl, EP 2 242 863 Bl . Für die Herstellung von Stahlblechbautei len, welche in zyklisch-belasteten Bereichen eines Fahrzeugs, insbesondere als Teil einer Fahrwerkskomponente, Anwendung finden, ist eine AISi-Beschichtung nicht geeignet, da sich die spröden Siliziumanteile in der Beschichtung an der Oberfläche des Stahlblechbauteils im zyklischen Belastungsfall negativ auswirken, vgl. Fig. 4 (Probe 11).
Stahlblechbauteile können alternativ aus unbeschichteten Stahlwerkstücken mittels Warmum formen hergestellt werden, wobei die Gefahr einer Verzunderung der Oberfläche des Stahl werkstücks während der Austenitisierung höher ist als bei beschichteten Stahlwerkstücken, so dass unbeschichtete Stahlwerkstücke in einer Schutzgasatmosphäre, beispielsweise in einem mit Schutzgas gefluteten Ofen, austenitisiert werden, wobei die Schutzgasatmosphäre inner halb des Ofens ein Inertgas ist. Die Schutzgasatmosphäre besteht konventionell auf Stickstoff basis mit einem Stickstoffanteil von nahezu 100%, durch welche eine Oxidation (Verzunde rung) an der Oberfläche des Stahlwerkstücks verhindert werden kann. Die Verwendung eines Schutzgases auf Stickstoffbasis führt jedoch zu einer Effusion von Kohlenstoff während der Austenitisierung an der Oberfläche eines Stahlwerkstücks. In Fachkreisen ist dieses Phäno men als Randentkohlung bekannt, wobei der Abfall des Kohlenstoffgehaltes (Entkohlung) mit einem Abfall der Härte an der Oberfläche des Stahlwerkstücks korreliert, insbesondere bei direkt oder indirekt warm umgeformten und/oder pressgehärten und/oder gehärteten, unbe schichteten Stahlblechteilen. Für die Herstellung von Stahlblechbauteilen, welche in zyklisch belasteten Bereichen eines Fahrzeugs, insbesondere als Teil einer Fahrwerkskomponente, Anwendung finden, wirkt sich eine zu hohe Randentkohlung negativ auf die Schwingfestigkeit aus, vgl. Fig. 4 (Probe 15).
Aufgabe ist daher, ein Verfahren zur Verfügung zu stellen, welches die Herstellung eines Stahlblechbauteils in einer Art und Weise erlaubt, dass das resultierende Stahlblechbauteil eine im Vergleich zum Stand der Technik verbesserte Eigenschaft aufweist.
Die Aufgabe wird mit einem Verfahren zur Herstellung eines Stahlblechbauteils mit den Merk malen des Anspruches 1 sowie mit einer Verwendung mit den Merkmalen des Anspruches 13 gelöst.
Zur Herstellung eines Stahlblechbauteils umfasst das erfindungsgemäße Verfahren folgende Schritte: - Bereitstellen eines härtbaren, unbeschichteten Stahlwerkstücks, wobei das Stahl werkstück eine Dicke von 3,0 bis 15,0 mm aufweist, - zumindest teilweises Austenitisieren des Stahlwerkstücks bei einer Temperatur von mindestens Ac3, - Zuführen des zumindest teilweise austenitisierten Stahlwerkstücks einer Einheit zur Durchführung eines der Schritte i) bis v), wobei die Schritte i) bis v) umfassen: - i) Warmumformen und Presshärten oder ii) War- mumformen und anschließendes Presshärten oder iii) Warmumformen und anschließendes Härten oder iv) Presshärten oder v) Härten des zumindest teilweise austenitisierten Stahlwerk stücks zur Herstellung eines Stahlblechbauteils.
Die Temperier-Einheit umfasst insbesondere einen Ofen, durch welchen das bereitgestellte Stahlwerkstück durchführbar und/oder in welchem das bereitgestellte Stahlwerkstück auf- nehmbar ist, welcher mit einem insbesondere geregelten Schutzgas geflutet wird, und bei spielsweise in Form eines Rollenherdofens, Kammerofens etc. ausgeführt ist, oder alternativ als Ofen unter Vakuum betrieben wird. Insbesondere beim Betreiben eines Ofens mit insbe sondere geregeltem Schutzgas, können Atmosphären innerhalb des Ofens eingestellt werden, die u. a. eine Oxidation des unbeschichteten Stahlwerkstücks im Wesentlichen vermeiden. Insbesondere werden stickstoffbasierte Schutzgasatmosphären verwendet, vorzugsweise mit bis zu 100 % Stickstoff und unvermeidbaren Verunreinigungen.
Unter„härtbar“ ist zu verstehen, dass das Stahlwerkstück infolge einer gezielten Wärmebe handlung, wie sie beim direkten und indirekten Warmumformen zur Herstellung eines Stahl blechbauteils durchgeführt wird, das Stahlblechbauteil zumindest teilweise (partiell/lokal) eine höhere Härte aufweist als das bereitgestellte Stahlwerkstück.
Das Stahlwerkstück kann ein ebenes Stahlblechwerkstück oder vorzugsweise ein vorgeform tes Stahlblechwerkstück mit einer Dicke von bis zu 15,0 mm, insbesondere von bis 14,0 mm, vorzugsweise von bis zu 12,0 mm sein. Das Stahlwerkstück weist eine Dicke von mindestens 3,0 mm, insbesondere von mindestens 3,50 mm, vorzugsweise von mindestens 4,0 mm auf. Das Stahlblechwerkstück ist insbesondere aus einem (warm)gewalzten Stahlflachprodukt ent-
sprechend zurechtgeschnitten. Abhängig von der Dicke ist das Stahlflachprodukt ein Grob blech oder ein warmgewalztes, unbeschichtetes Band (Warmband).
Das Stahlwerkstück wird zumindest teilweise bzw. nur in einem oder mehreren Bereichen des Stahlwerkstücks bei einer Temperatur von mindestens Ac3 austenitisiert. Je nach Anforde rung kann das Stahlwerkstück auch vollständig bei einer Temperatur von mindestens Ac3 austenitisiert werden.
Erfindungsgemäß wird das Austenitisieren bei einer Temperatur zwischen 840 und 940 °C in einer Temperier-Einheit durchgeführt wird, wobei in Abhängigkeit von der Dicke des Stahl werkstücks das Stahlwerkstück wie folgt in der Temperier-Einheit verweilt:
al) bei einer Dicke von 3,0 bis < 5,0 mm für eine Dauer zwischen 180 und 480 s; bl) bei einer Dicke von 5,0 bis < 7,0 mm für eine Dauer zwischen 210 und 640 s; cl) bei einer Dicke von 7,0 bis < 9,0 mm für eine Dauer zwischen 240 und 690 s; dl) bei einer Dicke von 9,0 bis < 11 ,0 mm für eine Dauer zwischen 300 und 800 s; el) bei einer Dicke von 11 ,0 bis 15,0 mm für eine Dauer zwischen 360 und 1200 s.
Die Verweilzeiten und Temperaturen in der Temperier-Einheit sind in Abhängigkeit von der Dicke des eingesetzten Stahlwerkstücks derart aufeinander abgestimmt, dass eine Gefügeum wandlung, zumindest teilweise, vorzugsweise vollständig in Austenit über die Dicke des Stahl werkstücks sichergestellt werden kann, um am herzustellenden Stahlblechbauteil die gefor derten Eigenschaften, insbesondere eine gewünschte Härte, einstellen zu können. Limitiert sind die Verweilzeiten in Abhängigkeit von der Dicke dahingehend, dass eine Randentkohlung auf ein Mindestmaß beschränkt wird, welche sich sonst negativ auf die Verwendung derartiger hergestellter Stahlblechbauteile, insbesondere für zyklisch-belastete Belastfälle, auswirken würde. Des Weiteren würden zu lange Verweilzeiten neben dem vorgenannten, negativen Ef fekt auch zu geringen Taktzeiten führen, was sich wiederum negativ auf die Wirtschaftlichkeit auswirken kann. Das Mindestmaß der Randentkohlung kann beispielsweise mit einem Entkoh lungsgrad von bis zu -20%, insbesondere bis zu -15%, vorzugsweise bis zu -10% des Kohlen stoffgehalts des bereitgestellten Stahlwerkstücks (Kohlenstoffgehalt im Ausgangszustand = Ist-Kohlenstoffgehalt) an der Oberfläche des Stahlwerkstücks respektive an der Oberfläche des Stahlblechbauteils zugelassen werden. Um festzustellen, in welchem Umfang eine Randentkohlung stattgefunden hat, kann der Kohlenstoffgehalt an der Oberfläche vor und nach der Wärmebehandlung beispielsweise mittels GDOES„Glow Discharge Optical Emission Spectroscopy“ oder anderen bekannten Verfahren zur Bestimmung des Kohlenstoffgehalts an
der Oberfläche oder im oberflächennahen Bereich eines Werkstücks ermittelt werden. Da ein Abfall des Kohlenstoffs (Randentkohlung) mit einem Abfall der Härte korreliert, kann alternativ oder zusätzlich das Mindestmaß der Härte von bis zu -10%, insbesondere bis zu -7%, vor zugsweise bis zu -5%, bevorzugt bis zu -3% der Härte an der Oberfläche des Stahlblechbau teils, sprich an der Oberfläche nach der Wärmebehandlung respektive nach dem Härten oder Presshärten, im Vergleich zur Härte, zum restlichen Bereich bezogen auf die Dicke des Stahl blechbauteils zugelassen werden, wobei die Härte, insbesondere über den Bauteilquerschnitt, nach Vickers HV0,1 gemäß DIN EN ISO 6507 ermittelt werden kann.
Als Oberfläche bzw. oberflächennaher Bereich ist ein Bereich ausgehend von der Oberfläche des Stahlwerkstücks bzw. Stahlblechbauteils bis zu einer Tiefe von maximal 100 pm, insbe sondere bis maximal 70 pm, vorzugsweise bis maximal 50 pm, bevorzugt bis maximal 30 pm, besonders bevorzugt bis maximal 20 pm, zu verstehen.
Das zumindest teilweise austenitisierte Stahlwerkstück wird einer Einheit zur Durchführung eines der Schritte i) bis v) wird, wobei die Schritte i) bis v) wie folgt definiert sind.
Das direkte Warmumformen berücksichtigt die Verwendung eines ebenen Stahlwerkstücks, welches nach zumindest teilweiser Austenitisierung entweder i) in einem Werkzeug mittels Warmumformen und Presshärten zu einem Stahlblechteil mit zumindest teilweise hartem Ge füge warm umgeformt und pressgehärtet wird, oder ii) in einem Warmumformwerkzeug mit tels Warmumformen warm umgeformt und anschließend in einem Härtewerkzeug mit zumin dest teilweise hartem Gefüge pressgehärtet wird, oder iii) in einem Warmumformwerkzeug mittels Warmumformen warm umgeformt und anschließend in einem Medium, an Luft oder in einem flüssigen Medium, mit zumindest teilweise hartem Gefüge gehärtet wird.
Das indirekte Warmumformen berücksichtigt ein bereits kalt vorgeformtes bzw. endabmes sungsnah geformtes Stahlwerkstück, welches nach zumindest teilweiser Austenitisierung ent weder iv) in einem Härtewerkzeug mit zumindest teilweise hartem Gefüge pressgehärtet wird oder v) in einem Medium, an Luft oder in einem flüssigen Medium, mit zumindest teilweise hartem Gefüge gehärtet wird. Optional kann dem Härteprozess ein zusätzliches Warmumfor men vorgelagert sein.
Ein gewisser Umformgrad im Härtewerkzeug, vgl. ii) und iv), wird zugelassen und ist minimal im Vergleich zum Umformgrad während des Warmumformens oder bezogen auf den Umform-
grad zur Erstellung der Vorform bzw. endabmessungsnahen Geometrie und kann im Wesentli chen einem Kalibrierschritt zur Herstellung der Endgeometrie entsprechen.
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen gehen aus der nachfolgenden Be schreibung hervor. Ein oder mehrere Merkmale aus den Ansprüchen, der Beschreibung wie auch der Zeichnung können mit einem oder mehreren anderen Merkmalen daraus zu weiteren Ausgestaltungen der Erfindung verknüpft werden. Es können auch ein oder mehrere Merkma le aus den unabhängigen Ansprüchen durch ein oder mehrere andere Merkmale verknüpft werden.
Um das Stahlwerkstück zumindest teilweise, insbesondere vollständig auf eine Temperatur von mindestens Ac3 zu austenitisieren, wird gemäß einer Ausgestaltung des erfindungsgemä ßen Verfahrens das Stahlwerkstück mit einer mittleren Aufheizrate zwischen 0,5 und 7,5 K/s erwärmt. Für die Ermittlung der mittleren Aufheizrate werden insbesondere die Temperaturin tervalle von 100°C ausgehend bis 750°C, 825°C und 900°C betrachtet. Hierbei wird eine li neare Steigung in K/s bestimmt, die im Durchschnitt vorliegt. Da verschiedene Temperaturen beim Aufheizen vorliegen und die chemische Zusammensetzung der Stahlwerkstücke insbe sondere auch gewisse Einflüsse besitzen, wird ein Steigungsbereich ausgewiesen, der in Ab hängigkeit von der Dicke des Stahlwerkstücks wie folgt angegeben wird:
a2) bei einer Dicke von 3,0 bis < 5,0 mm:
100°C -> 750°C eine mittlere Aufheizrate von 2 K/s bis 7,5 K/s,
100°C -> 825°C eine mittlere Aufheizrate von 1 ,75 K/s bis 5,25 K/s,
100°C -> 900°C eine mittlere Aufheizrate von 1 ,25 K/s bis 3,5 K/s;
b2) bei einer Dicke von 5,0 bis < 7,0 mm:
100°C -> 750°C eine mittlere Aufheizrate von 2 K/s bis 5,5 K/s,
100°C -> 825°C eine mittlere Aufheizrate von 1 ,75 K/s bis 4,5 K/s,
100°C -> 900°C eine mittlere Aufheizrate von 1 K/s bis 3 K/s;
c2) bei einer Dicke von 7,0 bis < 9,0 mm:
100°C -> 750°C eine mittlere Aufheizrate von 1 ,75 K/s bis 4,25 K/s
100°C -> 825°C eine mittlere Aufheizrate von 1 ,5 K/s bis 3,75 K/s
100°C -> 900°C eine mittlere Aufheizrate von 1 K/s bis 2,5 K/s
d2) bei einer Dicke von 9,0 bis < 11 ,0 mm:
100°C -> 750°C eine mittlere Aufheizrate von 1 ,5 K/s bis 3,75 K/s,
100°C -> 825°C eine mittlere Aufheizrate von 1 ,25 K/s bis 3 K/s,
100°C -> 900°C eine mittlere Aufheizrate von 1 K/s bis 2 K/s;
e2) bei einer Dicke von 11 ,0 bis 15,0 mm:
100°C -> 750°C eine mittlere Aufheizrate von 1 K/s bis 2,5 K/s,
100°C -> 825°C eine mittlere Aufheizrate von 0,75 K/s bis 1,75 K/s,
100°C -> 900°C eine mittlere Aufheizrate von 0,5 K/s bis 1 K/s.
Gemäß einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das zumindest teilweise austenitisierte Stahlwerkstück aus der Temperier-Einheit entnommen und innerhalb einer Dauer zwischen 3 und 20 s der Einheit zur Durchführung eines der Schritte i) bis v) zugeführt. Dadurch kann sichergestellt werden, dass auch die zumindest dünnwandigen (3 bis < 5mm), zumindest teilweise austenitisierte Stahlwerkstücke nicht zu sehr abkühlen und noch mit einer ausreichenden Temperatur, vorzugsweise oberhalb der Ms-Temperatur, der Einheit zur Durch führung eines der Schritte i) bis v) zugeführt werden können, so dass das Verfahren prozess sicher durchführbar ist und die geforderten Eigenschaften im herzustellenden Bauteil erreicht werden können.
Gemäß einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens gelangt das zumindest teil weise austenitisierte Stahlwerkstück nicht mit Umgebungsatmosphäre in Kontakt, während es aus der Temperier-Einheit entnommen und der Einheit zur Durchführung eines der Schritte i) bis v) zugeführt wird, insbesondere das zumindest teilweise austenitisierte Stahlwerkstück unter Schutzgasatmosphäre entnommen und zugeführt wird. Wenn kein Kontakt zwischen dem zumindest teilweise austenitisierten, insbesondere vollständig austenitisierten Stahlwerk stück und der Umgebung vorliegt, kann eine Verzunderung während des Transfers zwischen den beiden Einheiten, insbesondere vor dem Einlegen in das Werkzeug zum Warmumformen und/oder Presshärten, vgl. i), ii) und iv), verhindert werden, um beispielsweise die Standzeit des Werkzeugs nicht negativ zu beeinflussen.
Gemäß einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens erfolgt eine Abkühlung des zumindest teilweise austenitisierten Stahlwerkstücks in der Einheit zur Durchführung eines der Schritte i) bis v) auf eine Temperatur unterhalb von Ms. Dadurch kann sichergestellt werden, dass abhängig von der chemischen Zusammensetzung des eingesetzten Stahlwerkstücks die entsprechende Martensit-Start (Ms) Temperatur unterschritten wird, um die Ausbildung eines harten Gefüges von Vollaustenit in Martensit zu erzwingen. Abgeschlossen ist die Umwand lung vollständig in Martensit bei Erreichen bzw. Unterschreiten der Martensit-Finish (Mf) Tem peratur.
Gemäß einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das zumindest teilweise austenitisierte Stahlwerkstück mit einer mittleren Abkühlrate zwischen 5 und 60 K/s abge kühlt. Für die Ermittlung der mittleren Abkühlrate werden insbesondere die Temperaturinter valle von 750°C ausgehend bis 300°C, 200°C und 175°C betrachtet. Hierbei wird eine lineare Abnahme in K/s bestimmt, die im Durchschnitt vorliegt. Da verschiedene Temperaturen beim Abkühlen vorliegen und die chemische Zusammensetzung der Stahlwerkstücke insbesondere auch gewisse Einflüsse besitzen, wird ein Abnahmebereich ausgewiesen, der in Abhängigkeit von der Dicke des Stahlwerkstücks wie folgt angegeben wird:
a3) bei einer Dicke von 3,0 bis < 5,0 mm:
750°C -> 300°C eine mittlere Abkühlrate von 20 K/s bis 60 K/s,
750°C -> 200°C eine mittlere Abkühlrate von 17,5 K/s bis 55 K/s,
750°C -> 175°C eine mittlere Abkühlrate von 15 K/s bis 45 K/s;
b3) bei einer Dicke von 5,0 bis < 7,0 mm:
750°C -> 300°C eine mittlere Abkühlrate von 20 K/s bis 60 K/s,
750°C -> 200°C eine mittlere Abkühlrate von 17,5 K/s bis 50 K/s,
750°C -> 175°C eine mittlere Abkühlrate von 15 K/s bis 40 K/s;
c3) bei einer Dicke von 7,0 bis < 9,0 mm:
750°C -> 300°C eine mittlere Abkühlrate von 20 K/s bis 45 K/s,
750°C -> 200°C eine mittlere Abkühlrate von 15 K/s bis 30 K/s,
750°C -> 175°C eine mittlere Abkühlrate von 10 K/s bis 22,5 K/s;
d3) bei einer Dicke von 9,0 bis < 11 ,0 mm:
750°C -> 300°C eine mittlere Abkühlrate von 15 K/s bis 30 K/s,
750°C -> 200°C eine mittlere Abkühlrate von 12,5 K/s bis 25 K/s,
750°C -> 175°C eine mittlere Abkühlrate von 7,5 K/s bis 17,5 K/s;
e3) bei einer Dicke von 11 ,0 bis 15,0 mm:
750°C -> 300°C eine mittlere Abkühlrate von 7,5 K/s bis 20 K/s,
750°C -> 200°C eine mittlere Abkühlrate von 5 K/s bis 15 K/s,
750°C -> 175°C eine mittlere Abkühlrate von 5 K/s bis 12,5 K/s.
Um die gewünschte Eigenschaft in dem Stahlblechbauteil einzustellen, wird ein hartes Gefüge im Stahlblechbauteil eingestellt, welches über die Dicke des Stahlblechbauteils (Bauteilquer schnitt) mindestens 70 Flächen-% Martensit und/oder Bainit, insbesondere mindestens 80 Flächen-% umfassend Martensit und/oder Bainit, vorzugsweise mindestens 90 Flächen-% umfassend Martensit und/oder Bainit umfasst, wobei verbleibende Gefügebestandteile in Form von Ferrit, Perlit, Zementit, Austenit und/oder Restaustenit vorhanden sein können. Be-
vorzugt wird ein hartes Gefüge über die Dicke des Stahlblechbauteils (Bauteilguerschnitt) mit mindestens 70 Flächen-% Martensit, insbesondere mindestens 80 Flächen-% Martensit, vor zugsweise mindestens 90 Flächen-% Martensit eingestellt, wobei verbleibende Gefügebe standteile in Form Ferrit, Perlit, Bainit, Zementit, Austenit, Restaustenit vorhanden sein kön nen. Die angegebenen Gefügebestandteile werden durch Auswertung licht- oder elektronen mikroskopischer Untersuchungen bestimmt und sind daher als Flächenanteile in Flächen-% zu verstehen. Eine Ausnahme hiervon bildet der Gefügebestandteil Austenit bzw. Restaustenit, welcher als Volumenanteil in Vol.-% angegeben wird.
Gemäß einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird eine Abkühlung des zumindest teilweise austenitisierten Stahlwerkstücks in der Einheit zur Durchführung eines der Schritte i) bis v) auf eine Temperatur zwischen 100 und 300 °C durchgeführt, wobei in Abhän gigkeit von der Dicke des Stahlwerkstücks das Stahlwerkstück wie folgt in der Einheit verweilt: a4) bei einer Dicke von 3,0 bis < 5,0 mm für eine Dauer bis zu 50 s;
b4) bei einer Dicke von 5,0 bis < 7,0 mm für eine Dauer bis zu 60 s;
c4) bei einer Dicke von 7,0 bis < 9,0 mm für eine Dauer bis zu 80 s;
d4) bei einer Dicke von 9,0 bis < 11 ,0 mm für eine Dauer bis zu 120 s;
e4) bei einer Dicke von 11 ,0 bis 15,0 mm für eine Dauer bis zu 150 s.
Abhängig von der Dicke des Stahlwerkstücks kann sichergestellt werden, dass die Verweilzei ten derart auf die Temperaturen abgestimmt sind, dass insbesondere eine vollständige Um wandlung von Austenit in Martensit möglich ist. Höhere Verweilzeiten würden zu einer gerin geren Taktzeit führen, was sich wiederrum negativ auf die Wirtschaftlichkeit auswirken würde. Die Verweilzeit beträgt mindestens 5 s, insbesondere mindestens 10 s, vorzugsweise mindes tens 15 s, bevorzugt mindestens 20 s.
Gemäß einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das zumindest teilweise austenitisierte Stahlwerkstück, insbesondere vollständig austenitisierte Stahlwerkstück partiell gehärtet oder partiell pressgehärtet. Eine partielle Härtung bzw. partielle Presshärtung hat den Vorteil, dass unterschiedliche Eigenschaften, beispielsweise harte und weiche Zonen partiell und insbesondere gleichzeitig im Stahlblechbauteil je nach Anforderung und/oder Verwen dungszweck eingestellt werden können. Alternativ ist ein vollständiges Härten oder Presshär ten möglich.
Gemäß einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das Stahlblechbauteil mindestens einem Strahlschritt zugeführt. Durch den mindestens einen Strahlschritt kann die
Oberflächen- bzw. Randhärte zumindest partiell, insbesondere vollständig am Stahlblechbau teil durch mechanisches Einwirken gesteigert werden, da durch Eintrag von Druckspannungen in die Oberfläche, lokal oder global, am Stahlblechbauteil, eine Kaltverfestigung an der Ober fläche respektive im oberflächennahen Bereich bewirkt werden kann. Für den Fall, dass die Oberfläche des Stahlblechbauteils dennoch verzundert, kann durch den Strahlschritt die Ober fläche zeitgleich entzundert werden und/oder prozessbedingte Verunreinigungen entfernt wer den. Als Strahlgut sind alle granulären Strahlmittel geeignet, beispielsweise Stahlkugeln, Stahlschrott, Hochofenschlacke, Sand, Korund, Glas etc., welche die Oberfläche verfestigen respektive verdichten können. Durch den Anstieg der Härte an der Oberfläche respektive im oberflächennahen Bereich kann einer Rissbildung vorteilhaft entgegengewirkt werden. Vor zugsweise wird alternativ oder zusätzlich durch den mindestens einen Strahlschritt die Ober fläche des Stahlblechbauteils derart konditioniert, dass sich an der Oberfläche eine Rauheit kleiner Ra = 2,5 miti, insbesondere kleiner Ra = 2,0 miti, vorzugsweise kleiner Ra = 1,75 miti, vorzugsweise kleiner Ra = 1 ,5 miti einstellt. Eine derartige Rauheit kann die Oberflächener scheinung insbesondere nach Lackierung sowie die Lebensdauer unter zyklischer Beanspru chung positiv beeinflussen.
Gemäß einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das Stahlblechbauteil mindestens einem Lackierschritt zugeführt. Insbesondere wird das Stahlblechbauteil in dem mindestens einen Lackierschritt mittels einer Lackschicht im KTL-Verfahren beschichtet.
Gemäß einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das Stahlblechbauteil angelassen, insbesondere bei einer Temperatur zwischen 150 und 300°C und einer Verweil zeit zwischen 5 und 200 min. Durch einen Anlassschritt verliert das Stahlblechbauteil zwar geringfügig seine durch das vorangegangene Härten oder Presshärten eingestellte Härte, kann aber zu einem Anstieg der Streckgrenze des gehärteten Stahlblechbauteils und/oder zu einer Verminderung der Rissempfindlichkeit führen. Insbesondere kann das Anlassen auch im Zuge einer vorzugsweise im Vorfeld aufgebrachten Lackschicht, beispielsweise im KTL-Ver- fahren, durch Einbrennen der Lackschicht erfolgen.
Gemäß einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird ein Stahlwerkstück mit folgender chemischer Zusammensetzung in Gew.-% bereitgestellt:
C = 0,08 bis 0,60; insbesondere 0,1 bis 0,5; vorzugsweise 0, 1 bis 0,3;
Si = 0,05 bis 0,80; insbesondere 0,1 bis 0,5; vorzugsweise 0, 1 bis 0,35;
Mn = 0,1 bis 2,2; insbesondere 0,3 bis 1,8; vorzugsweise 0,8 bis 1 ,6;
P bis 0,1 ; insbesondere bis 0,05; vorzugsweise bis 0,03;
s bis 0,1 ; insbesondere bis 0,05; vorzugsweise bis 0,01 ;
N bis 0,1 ; insbesondere bis 0,01 ; vorzugsweise bis 0,001 ;
sowie optional eines oder mehrerer der folgenden Elemente:
AI bis 0,5; insbesondere 0,005 bis 0,2; vorzugsweise 0,01 bis 0, 15;
Cr bis 1 ,0; insbesondere 0,01 bis 0,5; vorzugsweise 0,08 bis 0,35;
Cu bis 0,5; insbesondere bis 0,3; vorzugsweise bis 0,15;
Mo bis 0,3; insbesondere bis 0, 15; vorzugsweise bis 0,07
Ni bis 0,3; insbesondere bis 0,2; vorzugsweise bis 0,14;
Nb bis 0,2; insbesondere bis 0, 1 ; vorzugsweise bis 0,035;
Ti bis 0,2; insbesondere bis 0, 1 ; vorzugsweise bis 0,05;bevorzugt 0,001 bis
0,05;
V bis 0,2; insbesondere bis 0, 1 ; vorzugsweise bis 0,012;
B bis 0,01 ; insbesondere 0,0005 bis 0,008; vorzugsweise 0,001 bis 0,005;
Sn bis 0, 1 ; insbesondere bis 0,07; vorzugsweise bis 0,05;
Rest Fe und unvermeidbare Verunreinigungen. Stahlwerkstücke mit einer chemischen Zusam mensetzung in den angegebenen Grenzen sind härtbar und eignen sich besonders für das Warmumformen und/oder Härten bzw. Presshärten, vgl. i) bis v). Des Weiteren sind sie kos tengünstig als Massenware herstellbar und können mit ihrem Potential insbesondere im Auto mobilbau ein breites Spektrum abdecken.
Die erfindungsgemäß hergestellten Stahlblechbauteile weisen im Vergleich zu den aus dem Stand der Technik bekannten Stahlblechbauteilen verbesserte Eigenschaften auf, insbesonde re durch eine reduzierte(re) Randentkohlung weisen sie eine verbesserte Schwingfestigkeit auf, wie Untersuchungen gezeigt haben. Ein derartig erfindungsgemäß hergestelltes Stahl blechbauteil eignet sich hervorragend als Fahrwerksbauteil oder als Teil hiervon. Fahrwerks teile sind im Betriebsfall enormen zyklischen Belastungen ausgesetzt. Erfindungsgemäß her gestellte Stahlblechbauteile können diese zyklisch Beanspruchung bzw. Schwingungen besser aufnehmen als herkömmliche Stahlblechbauteile, ohne dass es zu einem frühzeitigen Bauteil versagen kommen kann.
Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung werden erfindungsgemäß hergestellte Stahlblech bauteile als Rad oder als Teil des Rades, insbesondere als Radschüssel, als Querlenker oder als Teil des Querlenkers, als Verbundlenker oder als Teil des Verbundlenkers verwendet.
Im Folgenden werden konkrete Ausgestaltungen der Erfindung mit Bezugnahme auf die Zeich nung im Detail näher erläutert. Die Zeichnung und begleitende Beschreibung der resultieren den Merkmale sind nicht beschränkend auf die jeweiligen Ausgestaltungen zu lesen, dienen jedoch der Illustration beispielhafter Ausgestaltung. Weiterhin können die jeweiligen Merkmale untereinander wie auch mit Merkmalen der obigen Beschreibung genutzt werden für mögliche weitere Entwicklungen und Verbesserungen der Erfindung, speziell bei zusätzlichen Ausgestal tungen, welche nicht dargestellt sind.
Die Zeichnung zeigt in
Figur 1) einen schematischen Ablaufplan einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen
Verfahrens, in
Figur 2) in Abhängigkeit von der Dicke der eingesetzten Stahlwerkstücke unterschiedli che Zeit-Temperatur-Bereiche zur Austenitisierung der Stahlwerkstücke, in Figur 3) in Abhängigkeit von der Dicke der eingesetzten Stahlwerkstücke unterschiedli che Zeit-Temperatur-Bereiche zur Abkühlung der austenitisierten Stahlwerk stücke und in
Fig. 4) eine Darstellung einer Schwingfestigkeitsuntersuchung nach Wöhler an unter schiedlichen Stahlblechbauteilen.
In Figur 1 ist ein schematischer Ablaufplan einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Ver fahrens dargestellt. In einem ersten Schritt (I) wird ein härtbares, unbeschichtetes Stahlwerk stück bereitgestellt. Das Stahlwerkstück ist vorzugsweise ein vorgeformtes bzw. endkonturna hes Stahlblechwerkstück mit einer Dicke zwischen 3,0 und 15,0 mm.
Das Stahlwerkstück wird in einem zweiten Schritt (II) zumindest teilweise, vorzugsweise voll ständig bei einer Temperatur von mindestens Ac3 in einer Temperier-Einheit austenitisiert. Die Temperier-Einheit kann beispielsweise als Durchlaufofen mit einer insbesondere geregel ten Schutzgasatmosphäre ausgebildet sein. Die Schutzgasatmosphäre ist beispielsweise auf Stickstoffbasis, vorzugsweise besteht sie aus Stickstoff und unvermeidbaren Verunreinigun gen. In Abhängigkeit von der Dicke der eingesetzten Stahlwerkstücke erfolgt die Austenitisie rung der Stahlwerkstücke in folgenden Zeit-Temperatur-Bereichen: - bei einer Dicke von 3,0 bis < 5,0 mm, bei 840°C für eine Dauer zwischen 300 und 480 s, bei 900°C für eine Dauer zwischen 220 und 420 s, bei 940°C für eine Dauer zwischen 180 und 360 s; - bei einer Dicke von 5,0 bis < 7,0 mm, bei 840°C für eine Dauer zwischen 300 und 640 s, bei 900°C für eine Dauer zwischen 240 und 480 s, bei 940°C für eine Dauer zwischen 210 und 390 s; - bei einer
Dicke von 7,0 bis < 9,0 mm, bei 840°C für eine Dauer zwischen 390 und 690 s, bei 900°C für eine Dauer zwischen 300 und 540 s, bei 940°C für eine Dauer zwischen 240 und 450 s; - bei einer Dicke von 9,0 bis < 11 ,0 mm, bei 840°C für eine Dauer zwischen 420 und 800 s, bei 900°C für eine Dauer zwischen 360 und 640 s, bei 940°C für eine Dauer zwischen 300 und 560 s; - bei einer Dicke von 11 ,0 bis 15,0 mm, bei 840°C für eine Dauer zwischen 560 und 1200 s, bei 900°C für eine Dauer zwischen 420 und 900 s, bei 940°C für eine Dauer zwischen 360 und 720 s, vgl. Fig. 2.
Werden die bereitgestellten Stahlwerkstücke in den in Fig. 2) durch die im Zeit-Temperatur- Diagramm festgelegten Bereichen in Abhängigkeit von der Dicke des Stahlwerkstücks auste- nitisiert, kann sichergestellt werden, dass eine Randentkohlung in einem gewissen Umfang toleriert wird bzw. die Eigenschaften am Stahlblechbauteil, insbesondere hinsichtlich Schwing festigkeit an der Oberfläche, nicht wesentlich negativ beeinflusst werden.
Im dritten Schritt (III) wird das zumindest teilweise austenitisierte Stahlwerkstück einer Einheit zur Durchführung eines der Schritte i) bis v), wobei die Schritte i) bis v) umfassen: i) Warmum- formen und Presshärten oder ii) Warmumformen und anschließendes Presshärten oder iii) Warmumformen und anschließendes Härten oder iv) Presshärten oder v) Härten des zumin dest teilweise austenitisierten Stahlwerkstücks zur Herstellung eines Stahlblechbauteils, zuge führt. Ist das bereitgestellte Stahlwerkstück vorzugsweise ein vorgeformtes bzw. endkonturna hes Stahlblechwerkstück, wird vorzugsweise der Schritt iv) umgesetzt, wobei das zumindest teilweise austenitisierte Stahlwerkstücks in einem Flärtewerkzeug eingelegt wird und ein Kali brieren im Werkzeug zugelassen wird. Zwischen Ofenausgang und Werkzeug gelangt das zu mindest teilweise austenitisierte Stahlwerkstück beispielsweise nicht mit Umgebungsatmo sphäre in Kontakt, wobei das zumindest teilweise austenitisierte Stahlwerkstück unter Schutz gasatmosphäre dem (Härte-) Werkzeug zugeführt wird.
Die Abkühlung des pressgehärteten Stahlblechbauteils erfolgt auf eine Temperatur unterhalb Ms, vorzugsweise unterhalb von Mf, um ein hartes Gefüge einzustellen. In Abhängigkeit von der Dicke der eingesetzten Stahlwerkstücke verweilt das Stahlwerkstück in folgenden Zeit- Temperatur-Bereichen: - bei einer Dicke von 3,0 bis < 5,0 mm, bei 300°C für eine Dauer zwi schen 5 und 30 s, bei 200°C für eine Dauer zwischen 10 und 40 s, bei 100°C für eine Dauer zwischen 15 und 50 s; - bei einer Dicke von 5,0 bis < 7,0 mm, bei 300°C für eine Dauer zwi schen 5 und 40 s, bei 200°C für eine Dauer zwischen 10 und 50 s, bei 100°C für eine Dauer zwischen 15 und 60 s; - bei einer Dicke von 7,0 bis < 9,0 mm, bei 300°C für eine Dauer zwi-
sehen 10 und 50 s, bei 200°C für eine Dauer zwischen 15 und 65 s, bei 100°C für eine Dauer zwischen 20 und 80 s; - bei einer Dicke von 9,0 bis < 11,0 mm, bei 300°C für eine Dauer zwi schen 15 und 60 s, bei 200°C für eine Dauer zwischen 20 und 100 s, bei 100°C für eine Dau er zwischen 25 und 120 s; - bei einer Dicke von 11 ,0 bis 15,0 mm, bei 300°C für eine Dauer zwischen 20 und 70 s, bei 200°C für eine Dauer zwischen 25 und 120 s, bei 100°C für eine Dauer zwischen 30 und 150 s, vgl. Fig. 3.
Je nach Anforderung und/oder Verwendung können unterschiedliche Eigenschaften im Stahl blechbauteil ausgebildet werden, so dass nur eine partielle Presshärtung erfolgen kann. Alter nativ kann das Stahlblechbauteil auch vollständig pressgehärtet sein und somit über den ge samten Querschnitt ein hartes Gefüge, insbesondere mit einem im Wesentlichen martensiti- schen Gefüge aufweisen.
Zur weiteren Erhöhung der klärte an der Oberfläche respektive im oberflächennahen Bereich, insbesondere bei der bevorzugten Verwendung des Stahlblechbauteils als Fahrwerksbauteil oder Teil hiervon, wird in einem vierten Schritt (IV) das Stahlblechbauteil mindestens einem Strahlschritt zugeführt, wobei lokal oder global ein Strahlmittel auf die Oberfläche des Stahl blechbauteils einwirkt und diese kalt verfestigt respektive verdichtet. Derart gestrahlte Stahl blechbauteile sind widerstandsfähiger gegen zyklische Belastungen und weisen einen höhe ren Widerstand in Bezug auf Rissbildung und Rissausbreitung auf. Bevorzugt wird durch den mindestens einen Strahlschritt die Oberfläche des Stahlblechbauteils derart konditioniert, dass sich an der Oberfläche eine Rauheit kleiner Ra = 2,5 miti einstellt.
Als fünfter Schritt (V) kann das Stahlblechbauteil einem Anlassschritt unterzogen werden, ins besondere bei einer Temperatur zwischen 150 und 300°C und einer Verweilzeit zwischen 5 und 200 min. Alternativ können aber auch die Schritte (V) und (IV) getauscht werden, so dass der mindestens eine Anlassschritt vor dem mindestens einen Strahlschritt erfolgen kann.
Eine Untersuchung mit unterschiedlichen Parametern ist durchgeführt worden. Dabei wurden unbeschichtete Stahlwerkstücke in unterschiedlichen Dicken und mit unterschiedlicher Zusam mensetzung bereitgestellt. Diese wurden aus entsprechenden Flachprodukten, beispielsweise aus warmgewalzten Stahlflachprodukten abgeschnitten. Die ersten Stahlwerkstücke wurden aus einem Stahl der Güte 24MnCr5-5 bereitgestellt. Die Dicken betrugen 4 mm (Probe 1), 6 mm (Probe 2), 8 mm (Probe 3), 10 mm (Probe 4) und 12 mm (Probe 5). Weitere Stahlwerk stücke aus einem Stahl der Güte 8MnCr3 mit einer Dicke von 5 mm (Probe 6), aus einem
Stahl der Güte 22MnB5 mit einer Dicke von 3 mm (Probe 7) und 5 mm (Probe 8), aus einem Stahl der Güte 27MnCrB5 mit einer Dicke von 5 mm (Probe 9) und aus einem Stahl der Güte 37MnB4 mit einer Dicke von 6 mm (Probe 10) wurden bereitgestellt. Des Weiteren wurde ein AlSi-beschichteter Stahl der Güte 22MnB5 mit einer Dicke von 3 mm (Probe 11).
Alle Stahlwerkstücke wurden in einem Ofen mit einer stickstoffbasierten Schutzgasatmosphä re mit bis zu 5 Vol.-% Wasserstoff und Rest Stickstoff und unvermeidbaren Verunreinigungen, bei einer Taupunkttemperatur < +5°C vollständig austenitisiert. Anschließend wurden alle aus- tenitisierten Stahlwerkstücke in einem Warmumform- und Presshärtewerkzeug warm umge formt und pressgehärtet, Schritt (i). Die Entnahme aus dem Ofen und der Transfer in das Werkzeug erfolgte in normaler Atmosphäre. Die mittlere Abkühlrate wurde derart gewählt, dass sich bei allen Stahlblechbauteilen ein martensitisches Gefüge gebildet hat. Die herge stellten Stahlblechbauteile wiesen eine Geometrie auf, wie sie in der Offenlegungsschrift EP 3 115 767 Al offenbart ist, insbesondere in den Fig. 2 und 3 gezeigt ist.
Es wurde festgestellt, dass bei Einhaltung der in Fig. 2) festgelegten Zeit-Temperatur-Bereiche in Abhängigkeit von der Dicke eine hohe und gegenüber der Verarbeitung nach dem bekann ten Stand der Technik zu einer verbesserten Schwingfestigkeit bei einem zyklischen Belas tungsversuch nach Wöhler erzielt werden konnte, trotz einer tolerierbaren Randentkohlung, die an der Oberfläche der Stahlblechbauteile mittels GDEOS bzw. durch Härteprüfung nach Vickers HV0, 1 ermittelt wurde.
Die Verweilzeiten bzw. Temperaturen im Ofen wurden variiert, wobei festgestellt wurde, dass bei einer Verweildauer und/oder bei Temperaturen, welche außerhalb des definierten Zeit- Temperatur-Bereichs in Fig. 2) lagen, sprich links neben dem definierten Bereich, über die Dicke betrachtet keine vollständige Gefügeumwandlung in Austenit sichergestellt werden konnte, was im Anschluss in Untersuchungen, insbesondere anhand von Schliffen über die Dicke/Querschnitt ermittelt werden konnte und somit kein hartes Gefüge bzw. keine maximale Härte über die Dicke erzeugt werden konnte. Lagen die Verweildauer und/oder Temperaturen insbesondere rechts neben dem definierten Bereich, war eine Randentkohlung mit einem Ent kohlungsgrad von insbesondere mehr als -20% vom bereitgestellten Kohlenstoffgehalt des eingesetzten Stahlwerkstücks am Stahlblechbauteil, insbesondere unabhängig von der Zu sammensetzung, zu beobachten. Aus der Güte 22MnB5 mit einer Dicke von 3 mm (Probe 7) wurde u.a. eine Randentkohlung mit einem Entkohlungsgrad von -10% (Probe 12), -15% (Probe 13), -20% (Probe 14) und -25% (Probe 15) des Kohlenstoffgehalts des bereitgestellten
Stahlwerkstücks untersucht. In Fig. 4 ist eine Darstellung einer Schwingfestigkeitsuntersu chung nach Wühler an den vorgenannten Proben gezeigt. Die Proben 1 bis 10 wurden in Ab hängigkeit von ihrer Dicke oben genannten Zeit-Temperatur-Bereichen austenitisiert. Der Übersichtlichkeit halber sind die Ergebnisse der Proben 1 bis 10 im gestrichelten Bereich dar- gestellt. An den Proben 11 und 15 sind die vorgenannten Nachteile ersichtlich.
In einer weiteren Untersuchung wurden einige der Stahlblechbauteile durch mechanisches Einwirken infolge mindestens eines Strahlschrittes die klärte gemessen in HVO, 1 gemäß DIN EN ISO 6507 an der Oberfläche (weiter) erhöht werden konnte, insbesondere eine um min- destens 15 %, vorzugsweise eine um mindestens 20 % höhere klärte im Vergleich zu dem restlichen Bereich (Mitte bzw. Dicke des Stahlblechbauteils). Gestrahlt wurde mit Stahlkugeln.