Verfahren und Vorrichtung zur Zertrüπimerung eines von einem Fluid umgebenen festen Körpers
B e s c h r e i b u n g
Technisches Gebiet
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Zertrümmerung eines von einem Fluid umge¬ benen festen Körpers, bei dem ein (erster) Laserstrahl eines Lasers, der Licht im Bereich zwischen etwa 500 nm und etwa 1400 nm emittiert, auf ein absorbierendes Medium derart gerichtet ist, daß mittels des photoakustischen Effekts bzw. des optischen Durchbruchs in dem absorbieren¬ den Medium bzw. dem dieses Medium umgebenden Fluids Sto߬ wellen erzeugt werden, die den festen Körper zertrümmern.
Stand der Technik
Laserinduzierte Stoßwellen werden beispielsweise zur Zer¬ trümmerung von Steinen bzw. Konkrementen in Organen oder Gefäßen, wie dem harnableitenden System, im Gallen- bzw. Gallengangsbereich oder im Speichelgang lebender Körper oder zur Beseitigung von Verkalkungen oder Verstopfungen in Gefäßen eingesetzt. Laserinduzierte Stoßwellen werden durch ein mit Überschallgeschwindigkeit expandierendes Plasma erzeugt, das wiederum dadurch erzeugt wird, daß der Laserstrahl auf ein geeignetes Medium, das ein Festkörper, eine Flüssigkeit oder ein Gas sein kann, einwirkt. Die auch als Durchbruch bezeichnete Durchbruchskatalyse, die die eigentliche Plasma-Reaktion auslöst, erfordert eine hohe momentane Aktivationsenergie, die über der zur Auf¬ rechterhaltung der Plasma-Reaktion benötigten Energie liegt. Hierzu wird auf den Artikel "Laser-induced High- Pressure Shock Waves in Water" in Applied Physics Letter,
Vol.10, 1967, S.46 folgende verwiesen.
Insbesondere dann, wenn als Laser ein,Laser verwendet wird, der Licht im roten Teil des sichtbaren Spektrums oder im nahen Infrarot emittiert, kann es vorkommen, daß ein Laserpuls aufgrund schlechter Fokussierung, einem ungeeigneten Medium im Fokusbereich etc. auch bei großer Pulsenergie keinen optischen Durchbruch auslöst.
Deshalb ist vorgeschlagen worden, im Bereich des Fokus des Lasers als "Katalysator" für den optischen Durchbruch bei¬ spielsweise einen Wolfram-Steg anzuordnen. Mit einer der¬ artigen Ausgestaltung wird zwar die Wahrscheinlichkeit, daß ein Laserpuls einen optischen Durchbruch auslöst, ver¬ größert, die Lebensdauer der Vorrichtung wird jedoch her¬ abgesetzt, da das im Bereich des Fokuspunktes angeordnete Material, also beispielsweise der Wolfram-Steg, hohen Be¬ lastungen ausgesetzt ist.
Weiterhin ist vorgeschlagen worden, zur Erhöhung der Aus¬ lösewahrscheinlichkeit des optischen Durchbruchs ein ge¬ eignetes Spülmedi*um, wie beispielsweise eine Eisen-3- Lösung zu verwenden. Viele dieser Spülmedien und insbeson¬ dere die vorstehend genannte Eisen-3-Lösung haben jedoch den Nachteil, daß sie unter das Arzneimittelgesetz fallen und somit für die in-vivo Applikation derzeit nicht ein¬ setzbar sind.
Unabhängig davon, ob ein "Katalysator" für den laserin¬ duzierten Durchbruch verwendet wird, besteht bei den be¬ kannten Vorrichtungen zur Zertrümmerung eines von einem Fluid umgebenen festen Körpers noch folgendes Problem:
Die mechanische und die thermische Energie, in die beim
laserinduzierten Durchbruch die optische Energie umgesetzt wird, wirkt auf den eingesetzten Lichtleiter zurück, so daß dieser nach einer mehr oder weniger großen Betriebs¬ dauer derart beschädigt wird, daß er nicht mehr fokussiert und damit keine Stoßwellen mehr erzeugt werden können.. Da die Zertrümmerung beispielsweise eines Steines im mensch¬ lichen Körper häufig erst nach einer mehrminütigen Appli¬ kation von laserinduzierten Stoßwellen, erfahrungsgemäß etwa zwischen 300* und 6000 Laserpulsen eintritt, ist die Wahrscheinlichkeit, daß der Lichtleiter während einer Operation durch Verschleiß ausfällt, sehr groß. Dabei stellt sich als weiteres Problem, daß es häufig für den behandelnden Arzt nicht möglich ist, den Funktionsausfall der Vorrichtung zu erkennen, so daß er zunächst noch die Behandlung fortsetzt und in der Regel erst dann, wenn sich ein Erfolg stellt, die Behandlung abbricht.
Darstellung der Erfindung
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren bzw. eine Vorrichtung zur Zertrümmerung eines von einem Fluid umgebenen festen Körpers mittels laserinduzierten Stoßwellen derart weiterzubilden, daß die Stoßwellen sicher ausgelöst werden, ohne daß die Vorrichtung einem zu großen Verschleiß unterliegt. Ferner soll die Vorrichtung so weitergebildet werden, daß die Bedienungsperson das Nicht-Auftreten eines optischen Durchbruchs erkennen kann.
Ein erfindungsgemäßes Verfahren, das diese Aufgabe löst ist im Anspruch 1 angegeben. Eine entsprechende Vorrich¬ tung ist Gegenstand des Anspruchs 13.
Das erfindungsgemäße Verfahren und die erfindungsgemäße Vorrichtung sind dadurch gekennzeichnet, daß ein zweiter Laserstrahl auf das absorbierende Medium gerichtet wird,
dessen Wellenlänge zwischen etwa 170 nm und 550 nm liegt, und der das Medium wenigstens zum Teil ionisiert.
Dabei geht die Erfindung von der Erkenntnis aus, daß freie Elektronen für das Auslösen des laserinduzierten Durch¬ bruchs katalytisch wirken; die für den Durchbruch benötig¬ te Aktivierungsenergie wird dabei um so niedriger, je mehr freie Elektronen vorhanden sind. Erfindungsgemäß wird deshalb ein zweiter Laserstrahl verwendet, der ebenfalls auf das absorbierende Medium gerichtet ist, und dessen Wellenlänge kürzer als die des ersten Laserstrahls ist und insbesondere zwischen etwa 170 nm und 550 nm liegt. Dieser Laserstrahl erzeugt durch Ionisation des absorbierenden Mediums die für die Herabsetzung der Durchbruchschwelle nötigen Elektronen, so daß der erste Laserstrahl den la¬ serinduzierten Durchbruch sicher auslösen kann.
Durch diese erfindungsgemäße Ausbildung ist es nicht nur bei einem zusätzlich in dem Bereich der Laserstrahlung eingebrachten Element (Anspruch 4) , wie beispielsweise des bereits genannten Wolfram-Steges, sondern auch gerade dann, wenn das absorbierende Medium der zu zertrümmernde feste Körper (Anspruch 2) oder das den zu .zertrümmernden festen Körper umgebende Fluid (Anspruch 3) ist, möglich, mit hoher Sicherheit einen laserinduzierten Durchbruch auszulösen, der eine energiereiche Stoßwelle zur Folge hat.
Damit wird es insbesondere möglich, mit physiologisch verträglichen und zugelassenen Materialien, wie beispiels¬ weise Wasser, physiologischen Kochsalzlösungen, einer Zuckerlösung, einer Emulsion oder einer Suspension den laserinduzierten Durchbruch auszulösen (Anspruch 9) .
Da die erfindungsgemäße Ausbildung die Erzeugung eines laserinduzierten Durchbruchs erleichtert, und somit eine Reihe von Fluiden als absorbierende Medien in Betracht kommen, ist es insbesondere gemäß Anspruch 10 möglich, unterschiedliche Fluide mit dementsprechend unterschiedli¬ chem Brechungsindex zu verwenden, um so den Fokuspunkt der Laserstrahlung innerhalb eines durch Gerätekonstanten vorgegebenen Bereichs variieren zu können.
Dabei kann die Variation des Brechungsindex insbesondere durch Änderung der Zusammensetzung, der Konzentration und/oder Temperatur des Fluids erfolgen (Anspruch 11) .
Bei der erfindungsgemäßen laserinduzierten Stoßwellen¬ erzeugung ist es möglich, den Laserstrahl mit kurzer Wel¬ lenlänge und den Laserstrahl mit größerer Wellenlänge gleichzeitig und mit gleicher Frequenz zu pulsen (Anspruch 6) . Ebenso ist es jedoch gemäß Anspruch 7 möglich, den Laserstrahl mit kürzerer Wellenlänge und den Laserstrahl mit größerer Wellenlänge abwechselnd oder zeitlich ver¬ schoben zu pulsen.
In jedem Falle ist es bevorzugt, wenn beide Laserstrahlen durch einen einzigen Lichtleiter geleitet werden (Anspruch 14) , der insbesondere gemäß Anspruch 13 Bestandteil eines an sich bekannten flexiblen oder starren Endoskops ist.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung kann gemäß Anspruch 15 zwei Laser, beispielsweise einen sogenannten Excimerlaser zum Erzeugen des Lichts kürzerer Wellenlänge und einen Infrarot-Laser, wie einen Neodym-YAG-Laser oder einen Erbium-YAG-Laser zum Erzeugen des Lichts mit längerer Wellenlänge aufweisen.
Ferner ist es aber auch möglich, daß die erfindungsgemäße Vorrichtung einen einzigen Laser aufweist, dessen Laser¬ licht zum Erzeugen des Lichts kürzerer Wellenlänge in bekannter Weise Frequenz-vervielfacht ist (Anspruch 16) .
Als Lichtleiter können Quarzfaser-Lichtleiter, wie mono- file Quarzfasern geeigneten Durchmessers verwendet wer¬ den, die sowohl die Laserstrahlung längerer Wellenlänge als auch die Laserstrahlung kürzerer Wellenlänge leiten können.
Da bei der erfindungsgemäßen Vorrichtung keine Katalysato¬ ren für den laserinduzierten Durchbruch beispielsweise in Form von Wolfram- oder anderen Metall-Stegen benötigt werden, weist die' erfindungsgemäße Vorrichtung eine größe¬ re Lebensdauer als bekannte Vorrichtung auf. Außerdem werden keinerlei Metallpartikel im Körper freigesetzt. Aber auch bei Verwendung eines Katalysators für den opti¬ schen Durchbruch wird die Lebensdauer der Vorrichtung erhöht, da mit geringeren Pulsenergien des ersten Laser¬ strahls gearbeitet werden kann, da durch die durch den zweiten Laserstrahl erzeugten freien Elektronen die Wahr¬ scheinlichkeit für das Erzeugen eines optischen Durch¬ bruchs vergrößert wird.
Dabei ist es insbesondere durch Verlegen des Fokuspunktes für die Laserstrahlen in ausreichendem Abstand vor dem Lichtleiterkopf möglich, diesen vor thermischer und/oder mechanischer Überlastung durch die induzierten Stoßwellen zu schützen. Dieser größere Abstand Fokus/Scheitel des Lichtleiters als bei bekannten Vorrichtungen ist insbeson¬ dere deshalb möglich, da die erfindungsgemäße Ionisation den Durchbruch erleichtert, so daß nicht mit Lichtstrahlen
mit einem« großen Öffnungswinkel gearbeitet werden muß.
Gemäß Anspruch 26 ist ein Drucksensor vorgesehen, der die in dem Fluid erzeugte rücklaufende Stoßwelle erfaßt, und dessen Ausgangssignal eine Auswerteeinheit, die beispiels¬ weise ein Oszillograph, eine Mikrocomputer-Schaltung oder dgl sein kann, zum Erkennen des laserinduzierten Durch¬ bruchs erfasst. Dabei ist es bevorzugt, wenn der Druck¬ sensor extrakorporal angeordnet ist, und ein Druckübertra¬ gungsmedium, das bspw. das Spülmedium sein kann, die von der reflektierten Stoßwelle erzeugten Druckänderungen überträgt.
Dabei wird von der Überlegung ausgegangen, daß die laser¬ induzierte Stoßwelle nicht nur auf den zu zertrümmernden Körper wirkt, sondern von dem den Körper umgebenden Fluid auch in der entgegengesetzten Richtung übertragen wird, so daß sie bspw. durch das Spülmedium in den Kanal der Sonde zum proximalen Ende der Sonde läuft. Damit kann bspw. durch Einbringen eines Drucksensors in das Spülmedium die Stoßwelle erfasst werden. Für den Fall, daß bei einem Laserpuls keine Stoßwelle erfasst wird, ist davon auszu¬ gehen, daß kein laserinduzierter Durchbruch stattgefunden hat. Die Ursache hierfür kann bspw. sein, daß die Licht¬ austrittsfläche des Lichtleiters verschliessen ist.
Weiterhin wird auch die auf den harten Gegenstand auftref¬ fende Stoßwelle an diesem reflektiert und läuft u.a. durch das Spülmedium zum proximalen Ende der Sonde. Wenn sich nun vor dem Lichtleiterkopf kein "harter" Gegenstand be¬ findet, sondern ausschließlich Gewebe und Flüssigkeit, so wird lediglich die durch den Laser induzierte Stoßwelle zurücklaufen. Damit kann durch Erfassen der Druckdifferen¬ zen im Spülmedium und/oder der zeitlichen Verzögerung
zwischen»Druck-Maximas auf den Abstand zwischen Durch¬ bruchsort und hartem Gegenstand geschlossen werden. Ferner ist es möglich, den Zertrümmerungserfolg festzustellen, da nach dem "Verschwinden" des harten Gegenstandes auch keine Stoßwelle an diesem reflektiert wird, so daß das Ver- . schwinden eines "zweiten Druckmaximas" nach einer Reihe von Laserpulsen ein Indiz für die Zerstörung beispielswei¬ se eines Steines ist.
Kurze Beschreibung der Zeichnung
Die Erfindung wird nachstehend ohne Beschränkung des all¬ gemeinen Erfindungsgedankens anhand von Ausführungsbei- spielen unter Bezugnahme auf die Zeichnung exemplarisch beschrieben, auf die im übrigen bezüglich der Offenbarung aller im Text nicht näher erläuterten erfindungsgemäßen Einzelheiten ausdrücklich verwiesen wird. Es zeigen:
Fig. 1 die Zertrümmerung eines harten Gegenstandes durch laserinduzierte Stoßwellen,
Fig. 2 die Fokussierung der aus dem Lichtleiter austre¬ tenden Laserstrahlen, die für die Erzeugung eines Plasmas erforderlichen Energien, ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Erzeugen von Stoßwellen, vergrößert Teile aus Fig. 4, und
und 7 ein weiteres Ausführungsbeispiel.
Wege zur Ausführung der Erfindung
Fig. 1 zeigt schematisch die Zertrümmerung eines harten Gegenstandes 7 durch laserinduzierte Stoßwellen. Ein Lichtleiter 2 leitet einen Laserstrahl in ein den harten Körper umgebende Fluid 4. Der Laserstrahl tritt aus dem Kopf, d.h. der Fläche 21 des Lichtleiters 2 aus und löst
in dem MecLium 4, das sich vor dem Lichtleiterkopf 21 be¬ findet, im Bereich 6 (i.f. auch als Durchbruchsort be¬ zeichnet) eine Stoßwelle 11 aus, die auf den zu zer¬ trümmernden Gegenstand 7 trifft, und auf diesen einwirkt.
Fig. 2 zeigt eine Möglichkeit für die Fokussierung der aus dem Lichtleiter 2 austretenden Laserstrahlen S. Der Licht¬ leiter-Austrittsfläche 21 ist konvex ausgebildet, so daß die austretenden Laserstrahlen im Fokus F fokussiert wer¬ den. Im Fokus F wird der Durchbruch ausgelöst. Vorteilhaf¬ terweise wird der Fokus F und damit der Durchbruchsort 6 soweit als möglich vor den Scheitel des Lichtleiterkopfs 21 gelegt:
Der Abstand B des Fokus F vom Scheitel des Lichtleiter¬ kopfs 21 wird nicht nur durch die Krümmung der konvexen Austrittsfläche, sondern auch durch das Verhältnis des Brechungsindex nl der Lichtleiterfaser 2 und des Bre¬ chungsindex n2 des umgebenden Spülmediums 4 bestimmt.
Bei vorgegebenen Brechindex nl des Lichtleiters 2 durch die Quarzfaser kann der Abstand B des Fokus durch Ver¬ größerung des Brechindex n2 des Spülmediums 4 vergrößert werden und damit in einem ausreichendem Abstand von dem Lichtleiterkopf 21 verlegt werden.
Die beliebige Einstellung des Fokusabstandes B kann bspw. dadurch erfolgen, daß in ein vorgegebenes Spülmedium 4 eine konzentrierte Lösung, z.B. eine Glukoselösung, ein¬ dosiert wird, und zwar so lange, bis der gewünschte Ab¬ stand B des Fokus F vom Scheitel der Fläche 21 erreicht ist.
Fig. 3 zeigt schematisch die für die Erzeugung eines Pias-
mas erforderlichen Energien. Für das stabile Aufrechter¬ halten einer Plasma-Reaktion ist eine Energie Ep erforder¬ lich. Diese liegt über einer beliebigen Ausgangsenergie El. Um jedoch den Durchbruch zu erzielen, d.h. die Plasma- Reaktion auszulösen, ist eine Aktivationsenergie E erfor¬ derlich, die größer als Ep ist. Erst nach dem Auslösen der Plasma-Reaktion wird diese durch die geringere Energie Ep aufrechterhalten. Dies ist schematisch durch die auf der Abzisse in Fig. 3- aufgetragene Zeit t dargestellt.
Fig. 4 zeigt ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemä¬ ßen Vorrichtung zum Erzeugen von Stoßwellen für eine in- trakorporale Therapie, die bspw. für die Zertrü mung von harten Gegenständen 7, wie Nierensteinen, Gallensteinen oder zur Beseitigung von Verkalkungen oder Verstopfungen in Gefäßen eingesetzt werden kann.
Das Licht eines Lasers 1, der beispielsweise Licht im IR- Bereich abgibt, wird von dem Lichtleiter 2 zu dessen dis- taler Lichtaustrittsfläche 21 geleitet. Dieser Laser lie¬ fert erfindungsgemäß die Energie, die die Durchbruchs¬ katalyse am Durchbruchsort 6 bewirkt.
Bei dem gezeigten Ausführungsbeispiel für eine Vorrichtung zum Erzeugen laserinduzierter Stoßwellen ist ein zweiter Laser 10 vorgesehen, der Licht im UV-Bereich oder im blauen Bereich des sichtbaren Spektrums erzeugt. Die La¬ serstrahlung des UV-Lasers 10 wird über einen weiteren Lichtleiter 15 dem Lichtleiter 2 zugeführt, so daß der UV- Laserstrahl und der IR-Laserstrahl gemeinsam durch die einzige Quarzfaser 2 an derem distalen Ende 21 austreten. Es ist natürlich auch möglich, umgekehrt die IR-Laser- strahlen in den die UV-Strahlung führenden Lichtleiter einzuleiten.
Diese Einleitung kann, wie gestrichelt dargestellt, entwe¬ der durch koaxiale Führung erfolgen oder aber auch eine mit einer Umlenkung verbundene Einleitung des einzuführen¬ den Laserstrahles. Eine solche Umlenkung ist bspw. in .Fig. 5 dargestellt: Der von dem Laser 10 erzeugte Laserstrahl wird über den Lichtleiter 15 geführt zu einem teildurch¬ lässigen Spiegel 16 geführt, der ihn koaxial in den Licht¬ leiter 2, in dem der IR-Laserstrahl geführt wird, einspie¬ gelt. Hierdurch treten beide Laserstrahlen gemeinsam am distalen Lichtleiterkopf 21 aus, und werden durch die konvexe Gestaltung des Lichtleiterkopfs 21 am Durchbruch¬ sort 6 fokussiert.
Das Licht des Lasers 10 ionisiert das Medium 4, so daß die für die Erzeugung des Plasmas aufzubringende Akivations- energie E, herabgesetzt wird, so daß die Bildung des Plas¬ mas durch die durch den IR-Laserstrahl zugeführte Energie erleichtert und damit die Stoßwelle mit geringeren Laser¬ puls-Energien des Lasers 1 als beim Stand der Technik ausgelöst wird.
Der Lichtleiter 2 ist bevorzugt ein flexibler Lichtleiter, bspw. eine Quarzfaser. Die Quarzglasfaser 2 ist bspw. von einer Isolierhülle 3, bspw. aus Polytetrafluorethylen, umgeben. Ein Teil des Lichtleiters 2 ist mit einer an sich bekannten rohrförmigen Sonde 5 zum Einführen in die Kör¬ perhöhle, in der ein Konkre ent etc. zertrümmert werden soll, umgeben. Die Sonde 5 ist bevorzugt flexibel, so daß sie auch gekrümmt in entsprechende Körperhöhlen eingeführt werden kann. Die Sonde, die beispielsweise ein Endoskop sein kann, ist ferner mehrlumig ausgebildet, um zumindest den Lichtleiter 2, ggf. in einem verschiebbaren Kanal und sowie wenigstens einen Kanal für das Spülmedium 4 aufzu-
nehmen. Die rohrförmige Sonde 5 kann auch mit weiteren Kanälen, beispielsweise für eine Optik, zum Absaugen der Zertrümmerungsprodukte etc. ausgerüstet sein. Im Bereich des proximalen Endes 51 der Sonde ist ein Anschlu stutzen 8 für das Spülmedium 4, bspw. Wasser oder eine Zuckerlö¬ sung, vorgesehen, das aus einem Vorratsbehälter 83 über eine Leitung 81 mittels einer Pumpe 82 dosiert eingegeben wird. Das Spülmedium 4 tritt am distalen Ende 52 der Sonde 5 aus und umgibt den Lichtleiterkopf 21. Das Spülmedium kann selbst die plasmaerzeugende Materie bilden oder aber diese enthalten.
Die Fig. 6 und 7 zeigen ein weiteres Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Vorrichtung, bei dem am distalem Ende 52 der Sonde 5 vor dem Lichtleiterkopf 21 mittels eines Trägers 6 ein geeignetes Element 61 angeordnet ist. Dieses Element dient als "Katalysator" für den laserin¬ duzierten Durchbruch, d.h. das Plasma, und kann beispiels¬ weise ein Wolfram-Steg sein. Im übrigen sind bei diesem Ausführungsbeispiel gleiche Teile mit gleichen Bezugszei¬ chen versehen.
Der Wolfram-Steg 61 bildet die Durchbruchsstelle oder den Durchbruchsort 10 für die laserinduzierte Stoßwelle 2. Dies ist vergrößert in Fig. 7 dargestellt. Die von dem Lichtleiter übertragenen Laserimpulse treffen direkt auf den Wolfram-Steg 61 auf und erzeugen die Stoßwelle 11V, die in Strahlrichtung weiter auf einen harten Gegenstand, bspw. einen Stein 7 läuft. Gleichzeitig reflektiert er die am Durchbruchsort 10 erzeugte Stoßwelle, die als Stoßwelle 11R zum proximalen Ende 51 der Sonde läuft. Durch die Son¬ de 5 wird - wie bereits beschrieben - das Spülmedium 4, eine Flüssigkeit, eingeführt, die am distalen Sondenende 51 austritt und den Raum in der Körperhöhle und um den zu
zertrümmernden Gegenstand 7 füllt. Diese Spülflüssigkeit stellt das Übertragungsmedium für die an dem Wolfram-Steg 61, d.h. dem Durchbruchsort, induzierte Stoßwelle dar. Als Spülmedium kann Wasser oder auch eine andere geeignete c körperverträgliche Flüssigkeit eingesetzt werden.
Außer der vom Durchbruch 10 zurücklaufenden Stoßwelle wird auch die auf den Stein 7 auftreffende Stoßwelle 11V an diesem reflektiert und läuft gegenüber der ersten Stoßwel¬ le 11R verzögert als zweite Stoßwelle 11VR in Richtung auf das proximale Ende. Beide Stoßwellen werden vom Spülmedium durch den Kanal in der Sonde 5 zu einem Drucksensor 9 weitergeleitet, dessen Ausgangssignal beispielsweise von einem Oszillographen 12 dargestellt wird. Der Drucksensor 9 zum Messen der in dem Spülmedium 4 vom distalen Sonde¬ nende 52 zurücklaufenden reflektierten Stoßwellen, die zum proximalen Ende der Sonde 5 wanderen, ist bei dem gezeig¬ ten Ausführungsbeispiel exemplarisch im Bereich des An¬ schlußstutzens 8 an einer Auslaßöffnung 84 angebracht. Es ist auch möglich, den Drucksensor 9 direkt in der Sonde 5 im Bereich des proximalen Sondenendes 51 anzuordnen, wobei die Stoßwellen möglichst frontal auf den Drucksensor auf¬ laufen sollten.
Wenn beispielsweise durch Verschleiß des Wolfram-Steges oder der Austrittsfläche 21 des Lichtleiters 2 keine Sto߬ wellen mehr erzeugt werden, werden auch keine reflektier¬ ten Stoßwellen mehr vom Drucksensor 9 registriert. Damit ist eine eindeutige Überprüfung der Funktionsfähigkeit der Sonde zum Erzeugen laserinduzierter Stoßwellen auch in-
•« traoperativ möglich. Desweiteren kann mit der Vorrichtung überprüft werden, ob die Sonde mit dem distalem Ende aus-
-. reichend nahe an dem zu zertrümmernden Gegenstand 7 heran¬ geführt ist. Erst wenn die Sonde sich dicht vor dem Stein
7 befindet, können die erzeugten Stoßwellen reflektiert werden und eine entsprechende Erfassung durch den Druck¬ sensor 9 und Registrierung ist möglich. Dies bedeutet, daß die Sonde unter Aussenden von Laserimpulsen, ohne daß ein Endoskop eingesetzt werden muß, in eine Körperhöhle bis zu dem gewünschten Ort eingeführt werden kann. Sobald das distale Ende der Sonde sich dem zu zertrümmernden Gegen¬ stand nähert, ändern sich die Druckanzeigen im Oszilloskop 12 und die gewünschte Plazierung kann vorgenommen werden. Nach der Zertrümmerung des Gegenstandes 7 werden keine Stoßwellen mehr an diesem reflektiert, so daß sich wieder¬ um die Druckanzeige in dem Oszilloskop 12 ändert, so daß der Operateur weiß, daß er sein Ziel erreicht hat. Wenn der Druck ganz ausfällt, ist dies ein Anzeichen dafür, daß keine Stoßwellen mehr erzeugt werden und die Vorrichtung funktionsuntüchtig geworden ist. Das kann durch Ausfall des Kopplers oder durch Zerstörung des Lichtleiterkopfes geschehen.
Als Drucksensoren können hochempfindliche handelsüblich erhältliche Druckaufnehmer eingesetzt werden. Bei piezo¬ elektrischen Druckaufnehmern wird das vom Druckaufnehmer abgegebene Ladungssignal üblicherweise durch einen La¬ dungsverstärker in eine proportionale Ausgangsspannung umgewandelt, die dann einer geeigneten Auswerteeinrich¬ tung zugeführt wird.
Darüberhinaus ist es erfindungsgemäß auch möglich, zwei Drucksensoren gleichzeitig und in gleichem Abstand vom Durchbruchsort einzusetzen, um das Rauschen auszufiltern und die Meßgenauigkeit zu erhöhen.
Vorstehend ist die Erfindung anhand von Ausführungsbei- spielen ohne Beschränkung des allgemeinen Erfindungsgedan-
kens beschrieben worden, innerhalb dessen selbstverständ¬ lich die verschiedensten Modifikationen möglich sind:
So kann bspw. die erfindungsgemäß vorgenommene Erfassung der Druckänderung aufgrund der reflektierten Stoßwelle, bzw. den reflektierten Stoßwellen auch intrakorporal er¬ folgen. Selbstverständlich kann die Druckmessung auch dann erfolgen, wenn kein Koppler bswp. in Form eines Wolfram- Steges vorgesehen ist.
Da die erfindungsgemäß vorgenommene Druckmessung eine Überwachung des Zertrümmerungserfolges erlaubt, ist es sogar möglich, diese bei einer Vorrichtung einzusetzen, bei der keine zweite Laserstrahlung zur Ionisation des absorbierenden Mediums verwendet wird. Eine derartige Vorrichtung ist in Fig. 6 dargestellt.
Weiterhin ist es selbstverständlich nicht erforderlich, zwei Laser für die Erzeugung des Lichts in unterschied¬ lichen Wellenlängenbereichen vorzusehen. Vielmehr kann auch mit einem Laser, bspw. einem Neodym-YAG-Laser gear¬ beitet werden, bei dem ein Teil des erzeugten Laserlichts in an sich bekannter Weise zur Erzeugung von Licht kürze¬ rer Wellenlänge Frequenz-vervielfacht wird. Eine derartige Frequenz-Vervielfachung kann selbstverständlich auch bei anderen Lasern als Neodym-YAG-Lasern erfolgen.