GehörschutzStöpsel
Die Erfindung betrifft Gehörschutzstöpsel aus Kunststoff.
Nachdem die Arbeitsmedizin in den letzten Jahrzehnten zunehmend die gesundheitliche Gefährdung durch Lärm- imissionen im beruflichen Bereich festgestellt hat, ist bei vielen gewerblichen und industriellen Arbeiten das Tragen von Ohrschutz, insbesondere in Form von Gehörschutz¬ stöpseln, vorgeschrieben oder zumindest dringend empfohlen worden. Am weitesten verbreitet sind immer noch Ohrschutz¬ stöpsel aus ggf. Mineral atte. Solche Gehörschutz¬ stöpsel bestehen aus einem zylindrischen Wattepfropfen, der in Länge und Durchmesser in etwa dem menschlichen Gehörgang angepaßt ist. Ohrschutzstδpsel aus Watte haben allerdings verschiedene Nachteile, denn sie verschmutzen leicht und sind daher nicht wieder verwendbar, sie passen sich beim Einsetzen kaum in die individuelle Form des Gehör¬ ganges an und ihre Schutzwirkung gegen Lärmimissionen ist verhältnismäßig gering. Demgegenüber steht allerdings der große Vorzug, daß derartige Gehδrschutzstδpsel aus einem preiswerten Rohstoff bestehen und auch billig herzustellen sind. Dies ist ein ganz wesentlicher Gesichtspunkt, denn GehörschützStöpsel werden in großen Mengen ge- und verbraucht. Da es sich sozusagen um einen Einmalartikel handelt, müssen daher die Entstehungskosten niedrig gehalten werden, um für ein Produkt überhaupt kommerzielle Akzeptanz zu finden. Wegen der Nachteile der Wattestöpsel hat man versucht, diese zum Teil dadurch zu beseitigen und eine mehrfache Verwendung möglich zu machen, indem die Watte mit einer dünnen Kunst¬ stoffhaut umgeben wird. Derartige Ohrstöpsel haben aber eine geringe Akzeptanz da durch die Folienumhüllung die Resorption
von Feuchtigkeit erschwert wird und beim Tragen dieser Ohr¬ stöpsel die Haut des Gehörganges zu schwitzen anfängt.
Bereits frühzeitig hat man auch versucht, Gehσrschutzstöpsel nicht aus Watte, sondern aus Kunststoff herzustellen, der gegenüber Watte zahlreiche Vorteile aufweist. Gehörstöpsel aus Kunststoffschau sind waschbar und daher mehrfach zu verwenden; außerdem verschmutzen sie von vornherein nicht so leicht wie Wattestöpsel. Offenporiger Kunststoffschaum weist ein hohes Feuchtigkeitsaufnahmevermδgen auf, so daß das unangenehme Schwitzgefühl wie bei der Verwendung von Kunststoffolien nicht eintritt. Im industriellen Bereich werden zur Zeit überwiegend Ohrstδpsel aus Kunsstoffen ein¬ gesetzt, und zwar solche in zylindrischer Form, die sich in Länge und Durchmesser etwa den Durchschnittsmaßen des menschlichen Gehörganges anpassen und die daher in der Regel zylindrisch ausgebildet sind. Derartige Stöpsel werden vor¬ zugsweise aus verzögert rückstellendem Kunststoff hergestellt und sind beispielsweise in der US Patentanmeldung 192,366 beschrieben. Diese Ohrstδpsel werden vor dem Einsetzen in den Gehörgang mit den Fingern rollend und knetend zusammen¬ gepreßt und können so relativ bequem eingesetzt werden, da der Kunststoff im Gehörgang erst langsam wieder seine ursprüng¬ liche Form einnimmt. Das Dämmvermögen dieser Stöpsel ist in der Regel recht gut und diese Art der Ohrstöpsel wurde längere Zeit hindurch als fast ideale Lösung bei durchschnittlicher Lärmbelastung angesehen. Es hat sich dann aber herausgestellt, daß durch das Zurechtdrücken und Zusammenkneten des Ohrstöpsels vor dem Einsetzen zwangsweise eine Berührung mit den - häufig nicht sauberen - Händen notwendig ist und daß auf diese Weise eine Schmutzübertragung mit bakteriellen oder pilzliehen
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Bestandteilen vom Ohrstöpsel in den Gehörgang erfolgt und entsprechende Infektionen des Gehörganges eintreten können. Auch die mehrfache Verwendbarkeit dieser Ohrstöpsel ist hygienisch sehr bedenklich, wenn nicht nach jedem Tragen eine vollständige und gründliche Säuberung erfolgt. Aus ärztlicher und hygienischer Sicht wird daher heute das Infektionsrisiko bei Verwendung dieser Ohrstöpsel so hoch eingeschätzt, daß von deren Verwendung in Einzelfällen schon dringend abgeraten wird. Im Zuge der weiteren Ent¬ wicklung hat man dann versucht, Kunststoffe einzusetzen, die nicht verzögert, sondern sehr schnell zurückstellen, um das Problem der Infektionsgefahr zu lösen. Allerdings sind Gehörschutzstöpsel aus schnell zurückstellendem Kunststoff schwieriger in den Gehörgang einzuführen und sie werden von den Beteiligten weniger akzeptiert, da viele den durch den Stöpsel erfolgenden Druck auf die Wände des Gehörganges als unangenehm empfinden. Aus diesen Gründen hat man auch ver¬ sucht, anstelle zylindrischer konisch geformte Ohrstöpsel einzusetzen, aber diese lassen sich nicht ohne weiteres aus Kunststoff atten stanzen, sondern werden in der Regel im Gießverfahren hergestellt. Dies hat wiederum den Nachteil, daß solche Ohrstδpsel in der Regel über eine glatte Außenhaut verfügen und nicht nur den bereits von der in Folien einge¬ hüllten Watte bekannten Schwitzeffekt auslösen, sondern auch dazu neigen, im Verlauf verhältnismäßig kurzer Zeit wieder aus dem Gehörgang zu "kriechen" oder jedenfalls nicht mehr die Öffnung des Gehδrganges vollständig abzudecken, so daß der Lärmschutz nur teilweise erfüllt werden kann oder die Stöpsel im Verlauf der Arbeit sogar verlorengehen.
Es besteht daher noch ein Bedürfnis nach Ohrstöpsel aus Kunst¬ stoff auf der Basis von nicht verzögert zurückstellenden Kunststoffen, die billig in der Produktion sind und die ge-
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schilderten Nachteile nicht aufweisen.
Zur Lösung der Aufgabe werden GehörschützStöpsel aus Kunst¬ stoff vorgeschlagen, die dadurch gekennzeichnet sind, daß der nicht verzögert zurückstellende Kunststoff keine glatte Seitenhaut aufweist und der Stöpsel über eine Konizität im Bereich von etwa 5-20° verfügt.
Überraschenderweise hat sich jetzt herausgestellt, daß man auch aus nicht verzögert zurückstellenden Kunststoffen Ohr¬ stöpsel herstellen kann, die sämtlichen Lärmschutz- und Hygieneanforderungen genügen und die eine industrielle Massenproduktion erlauben. Die erfindungsgemäßen Ohrstöpsel weisen eine Konizität im Bereich von etwa 5-20° und eine Durchmesserabnähme von etwa 20 auf etwa 5, meist 7 mm auf und decken damit die Variationen in der Gestaltung des menschlichen Gehörganges voll ab. Die Herstellung dieser Stöpsel erfolgt im modifizierten Stanzverfahren, wobei ein oberer und ein unterer Stanzdorn einander so zugeordnet sind, daß der beim Stanzen auftretenden Verformung der Kunststoff¬ matte Rechnung getragen werden kann. Bedingt durch das Herstellungsverfahren haben diese Gehδrschutzstöpsel keine geschlossene Außenhaut, sondern zumindest die Seitenhaut besteht aus den durch das Stanzen angeschnittenen Poren und ist somit in der Lage, Feuchtigkeit aufzunehmen und bietet daher den gleichen Tragekomfort wie Stöpsel mit verzögertem Rückstellvermögen. Die obere bzw. untere Grundfläche können hautlos sein oder eine geschlossene Haut aufweisen, da dies den Träger in der Regel nicht stört und aus fertigungs¬ technischen Gründen Vorzüge aufweist, da dann die zum Stanzen verwendeten Kunststoffmatten in üblicher Weise her¬ gestellt werden können.
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Vorzugsweise verfügen die erfindungsgemäßen Ohrstöpsel an der der größeren Kegelgrundfläche zugewendeten Seite über einen Randwulst, der mit modifiziertem Stanzverfahren erzeugt werden kann. Dieser Randwulst sorgt dafür, daß die Öffnung des Gehörganges auch bei unterschiedlichem Öffnungs¬ durchmesser sicher abgedeckt wird, so daß der Stöpsel seine Lärmschutzfunktion voll erfüllen kann. Die erfindungs¬ gemäßen Ohrstöpsel lassen sich aufgrund ihrer Formgebung bequem ohne jede vorherige Manipulation mit den Händen in den Gehörgang einsetzen, sie erzeugen kein Druckgefühl, da der Durchmesser abnimmt und den individuellen Größen ange¬ paßt werden kann und es besteht auch keine Gefahr des Her¬ ausrutschens aufgrund geschlossener Seitenwände. Vielmehr weisen die Stöpsel einen hohen Tragekomfort auf und verhindern durch die angeschnittenen Poren, daß ein Schwitzeffekt ent¬ steht.
Vorzugsweise können die verwendeten Schaumstoffe Sandwich- Struktur aufweisen, indem sie in einer radialen Ebene mit einer steiferen Zwischenschicht oder Lamelle versehen sind. Diese läßt sich beispielsweise durch einen Trennschweißschnitt bei der zur Fertigstellung verwendeten Schaumstoffmatte er¬ zeugen oder dadurch, daß die zur Herstellung verwendete Matte aus zwei unterschiedlichen Materialhälften besteht. Dies ermöglicht es, daß die Schichten der Sandwich-Struktur unter¬ schiedliche physikalische Eigenschaften, und zwar insbesondere unterschiedliche Weichheit und Biegefestigkeit aufweisen können. Vorzugsweise hat dabei der zum Tommelfell weisende Teil der Sandwich-Struktur eine höhere Biegesteifigkeit, denn dies ermöglicht ein besonders bequemes Tragen.
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Durch die bei der Sandwich-Struktur vorhandene Lamelle und die höhere Biegesteifigkeit oder Dichte des zum Trommel¬ fell weisenden Teils des Gehörschutzstδpsels ergibt sich ein festeres Abstützen des Schaumstoffes gegen die Wand des Gehörganges, wobei dieser Druck so leicht ist, daß er nicht als unangenehm empfunden wird, aber ein unerwünschtes "Herauskriechen" des Stöpsels verhindert.
Die bei der Sandwich-Struktur durch den Schweißschnitt oder beim Verkleben durch oberflächliches Anlösen des Kunststoffes entstehende Lamelle verbessert als Zone erhöhte Steifigkeit den Sitz des Stöpsels und damit den Tragekomfort.
Außerdem ist es möglich, bei Gehörschutzstöpseln mit Sandwich- Struktur innerhalb gewisser Bereiche die Geräuschdämmung unterschiedlich einzustellen. Zwar gibt es noch keine Mög¬ lichkeiten, die Dämmwirkung von Kunststoffen vorauszuberechnen; aber aus empirischen Erfahrungen weiß man, daß beispielsweise Kunststoffschäume mit unterschiedlichen Volumengewicht und Härtegeraden in den einzelnen Frequenzbereichen höhere oder niedrigere Dämmeffekte aufweisen. Aufgrund dieser empirischen Erfahrungen können daher verschiedene Kunststoffe eingesetzt werden, wenn man gezielt bei bekannten Lärmimissionen be¬ stimmte Frequenzen dämmen, andere aber nicht oder bei weitem nicht so stark abdämmen will. Es hat sich nämlich heraus¬ gestellt, daß eine allzu starke Dämmwirkung auch ihre Nach¬ teile hat, da der Träger dann fast überhaupt keine von außen auf ihn einwirkenden Laute mehr wahrnimmt und beispielsweise auch Gefahrensignale akustischer Art überhaupt nicht hört. Aus Gründen der ArbeitsSicherheit ist es daher empfehlens¬ wert, wenn nicht eine totale Dämmung sämtlicher Frequenzen, sondern nur eine selektive Dämmung erfolgen kann.
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Außerdem bietet sich die Möglichkeit, die Gehörschutzstδpsel auch so auszugestalten, daß sie einen relativ sicheren Schutz vor Eindringen von Wasser in den Gehörgang geben. Dies kann bei bestimmten Arbeitsbedingungen erwünscht sein, aber der hauptsächlichste Anwendungsbereich ist die Ver¬ wendung als Schutzstöpsel beim Schwimmen und Baden. Bei der¬ artigen Gehörschutzstöpseln weist die nach außen zeigende Grundfläche eine geschlossene Haut auf und außerdem werden dann Kunststoffe relativ hoher Dichte, nämlich in der Regel
3 über 0,2 gr/cm verwendet, die beim Tragen über längere Zeil
Eindringen von Wasser verhindern oder jedenfalls erschweren.
Falls erwünscht, ist es auch möglich, die Gehörschutzstδpsel so auszubilden, daß sie über eine versteifende, in der Regel zentral angeordnete Achse aus einem besonders biegesteifen Kunststoff aufweisen, der das Einführen des Stöpsels in den Gehörgang erleichtern kann. Die Herstellung solcher Stöpsel kann erfolgen, indem beim Ausstanzen des oder der Abschnitte des Stöpsels eine zentrale Bohrung miteingestanzt wird, die nachträglich mit einem Kern aus festerem und steiferem Kunst¬ stoff versehen wird. Die Einführbarkeit der erfindungsgemäßen Gehδrschutzstδpsel ist aber so einfach und zufriedenstellend, daß eine derartige Versteifungsachse in der Regel nicht not¬ wendig ist.
Im folgenden wird die Erfindung anhand der Zeichnungen näher erläutert.
Abb. 1 zeigt einen erfindungsgemäßen Ohrstδpsel in Seiten¬ ansicht
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Abb. 2 zeigt einen derartigen Stöpsel mit Sandwich-Struktur und
Abb. 3 zeigt einen Längsschnitt durch einen Ohrstöpsel ent¬ sprechend Abb. 2.
Ein Gehörschutzstöpsel (1) weist einen Stδpselkörper (4) mit einer Konizität im Bereich von etwa 5-20° auf und hat eine nach außen zeigende Stirnfläche (2) und eine nach innen, zum Gehδrgang gerichtete Grundfläche (3) . In der beim Tragen nach außen gerichteten Richtung kann der Stöpsel über einen Randwulst (6) verfügen, der der besseren Ab¬ dichtung der Öffnung des Gehörkanals dient. Wie sich aus Abbildung 2 und 3 entnehmen läßt, kann der Körper des Stöpsels Sandwich-Struktur aufweisen durch eine radial ver¬ laufende Lamelle (5) , die hinsichtlich ihrer Weichheit, Biegesteifigkeit und Dichte unterschiedlich eingestellte Schaumstoffe verbindet.
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