Verfahren und Vorrichtung zum Regeln und Steuern von Wechsel¬ spannungen ab dem öffentlichen Verteilernetz
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum elektronischen Regeln und Steuern von Wech¬ selspannungen. Bei den in Betracht kommenden WechselSpannun¬ gen handelt es sich um solche, die in öffentlichen Stromver- sorgungsnetzen gebräuchlich sind. Die typische Frequenz in Europa beträgü 50 Hz, in den U.S.A. und anderen Ländern zum Beispiel 60 Hz. Für bestimmte Sonderstromnetze werden Frequenzen um 400 Hz benützt. Grundsätzlich aber bezieht sich die Erfindung auf eine Wechselspannungsregelung beziehungs¬ weise -Steuerung, die je nach Auslegung zwischen einer Span¬ nungsfrequenz von Null bis hinauf auf 10 kHz anwendbar ist. Die Grössenordnung der Netzspannung bewegt sich dabei in den öffentlichen Netzwerken stets auf einem Nennspannungs-Wert zwischen Null und 500 V . ..
Herkömmlich wird die Wechselspannung für Stromverbraucher hauptsächlich durch Phasenanschnittsteuerungen, durch Wech¬ selrichterschaltungen oder mittels Schwingungspaket-Steuerun¬ gen geregelt. Bei der weitaus am häufigsten angewendeten Pha¬ senanschnittsteuerung wird die Spannung reguliert, indem ein gewisser Teil der Phase weggeschnitten wird, was eine Unste- tigkeitsstelle im Spannungsverlauf bewirkt. Dadurch werden
viele Oberwellen oder OberSchwingungen induziert, die sich aus den Fourier-Transformationen herleiten lassen. Beim An- schiuss vor. derart geregelten elektrischen Stor verbrauchern an das Neüz treten deshalb unerwünschte Netzrückwirkungen auf, die sich negativ auf die Qualität des Stromversorgungs¬ netzes auswirken. Die Wechselspannungs-Sinuskurve des Stormversorgungsnetzes wird von diesen zum Teil hochfrequen¬ ten Oberwellen bzw. Oberschwingungen überlagert und gewisser- assen verschmutzt. Die Elektrizitätswerke benützen aber für Rundsteuerungen überlagerte WechselspannungsSignale höherer Frequenz, zum Beispiel im Bereich von 100 Hz bis 2 kHz. Wer¬ den jedoch der Sinus-Kurve der Nenn-Wechselspannung durch solcher assen geregelte Geräte zuviele Oberwellen in diesem Frequenzbereich überlagert, so können solche Steuerungs¬ signale nicht mehr richtig detektiert werden, wodurch die Steuerung versagt. Herkömmlich werden die Oberwellen mittels Saugkreisen weitgehend unterdrückt. Es handelt sich dabei um kostspielige Serieresonanzkreise aus seriell geschalteten Ka¬ pazitäten und Induktivitäten, die in jede Phase einem Gerät vorgeschaltet werden. Die Oberwellen und Unstetigkeitsstellen im Spannungsverlauf bilden aber auch Störquellen für Funk¬ übertragungen. Zur Eliminierung dieser störenden Einflüsse werden Störfilter eingesetzt. Ein weiterer Nebeneffekt der Phasenanschnitts euerung ist der Blindstrom, welcher je nach Phasenwinkel zwischen Storm und Spannung dem Netz entzogen wird. Dieser Strom belastet das Energie-Verteilnetz unnötig und er muss deshalb in Grenzen gehalten werden. Ab gewissen Grenzen werden- deshalb aufwendige Blindstromkompensations-
anlagen mit Tonfrequenzsperren eingesetzt. Dabei handelt es sich im wesentlichen um parallel geschaltete Kapazitäten und Entkopplungs-Induktivitäten, mittels denen die Blindleistung annähernd auf Null gebracht wird. Zudem werden auch eigens Blindleistungszähler installiert, damit die bezogene Blind¬ leistung verrechnet werden kann.
Eine zweite bekannte Art der Wechselspannungsregelung erfolgt mittels eines sogenannten Variacs mit optionalem Stellmotor. Dieses ist eine elektromechanische Vorrichtung. Sie erlaubt nur eine geringe Einstellgeschwindigkeit und ist heute über¬ dies aus Preis- und Platzgründen verdrängt worden. Einzig zu Laborzwecken findet sie noch Anwendung.
Eine weitere Möglichkeit, Wechselspannungen zu regulieren, bietet der Wechselrichter. Dieses ist ein Gerät, das zuerst eine Gleichspannung erzeugt, also die Wechselspannung mittels einer Gleichrichter-Kondensatorschaltung bearbeitet, und dann mit einem Wechselrichter eine regelbare ein- oder dreiphasige Wechseispannung mit regelbarer Frequenz erzeugt. Solche Wech¬ selrichter erzeugen aber vorallem wegen ihrer Gleichrichter- Kondensator-Schaltung Oberwellen, die dann wiederum ab gewis¬ sen Grenzen mittels speziell angelegter Saugkreise eliminiert werden müssen. Wechselrichter sind ausserdem relativ teuer in bezug auf den Materialpreis.
Schiiessiich sind noch elektronische Wechselspannungsschalter zu erwähnen. Es existieren einige Schaltungen, die mit Hilfe eines Grä zgieichrichters und eines Transistors ermöglichen, eine Wechseispannung zu schalten. Ein solcher Wechselspan- nungs-Schalter wird jedoch bisher bloss als Relaisschalter- Ersatz verwendet.
In den letzten Jahren ist die Auslastung des elektrischen Stromversorgungsnetzes allgemein immer grösser geworden. Es wurde dadurch unerlässlich, die gesetzlichen Zulässigkeits- Grenzen für Oberwellen, die insbesondere infolge von Wechsel- spannungsreguiierungen induziert und ins Netz übertragen wer¬ den, zunehmend zu verschärfen. In verschiedenen Ländern exi¬ stieren eigens Kommissionen, welchen die Festlegung solcher Grenzwerte obliegt. In Europa kennt man diesbezüglich etwa die in Fachkreisen bekannte europäische Norm EN 60555 1-3. Fachleute von verschiedenen Elektrizitätswerken sehen allge¬ mein mit Besorgnis auf die wachsende Anzahl elektronisch ge¬ regelter Geräte, deren Spannungsregelung auf dem Phasen¬ anschnitt-Prinzip beruhen. Gegenwärtig arbeiten verschiedene einschlägige Kommissionen der Elektrizitätswirtschaft an der gesetzlichen Festlegung weiter verschärfter Grenzwerte.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht deshalb darin, ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Regeln und Steuern von Wechselspannungen ab dem öffentlichen Verteilernetz zu schaf¬ fen, welche die eingangs erwähnten Probleme löst. Im besonde-
ren soll das erfindungsgemässe Verfahren und die Vorrichtung zu dessen Ausübung eine Wechselspannungs-Regelung und -Steue¬ rung ermöglichen, die den Bezug von Blindleistung aus dem Netz eliminiert und das Auftreten von Oberwellen vermeidet.
Diese Aufgabe wird gelöst von einem Verfahren zum Regeln und Steuern von WechselSpannungen ab dem öffentlichen Verteiler¬ netz, bei dem die EingangsSpannung mittels einer Pulsweiten¬ modulation und anschliessender Filtrierung direkt in eine Ausgangswechselspannung geregelt wird, die innerhalb der Hüllkurve der Eingangswechselspannung liegt.
Die Vorrichtung zur Ausübung des Verfahrens zeichnet sich da¬ durch aus, dass zwischen den Klemmen der EingangsSpannung we¬ nigstens zwei Wechselspannungs-Schaltelemente vorhanden sind, zwischen denen die AusgangsSpannung abgegriffen wird, wobei diese Schaltelemente zur Pulsweitenmodulation wechselweise aktivierbar sind.
Die Vorrichtung und das Verfahren arbeiten verlustarm. Es werden dabei keine harmonischen Netzoberwellen erzeugt und es wird keine zusätzliche-Blindleistung bezogen. Für spezifische Lasten (zB. Leuchtstoffröhren Anlagen) ist durch eine spe¬ zielle Wahl der Ausgangskurvenform (mittels Modulation) sogar eine teilweise Oberwellenkompensation der Last möglich.
Die erfindungsgemässe Spannungsregulierung kann ganz all¬ gemein zur Regelung von Wechselspannung verwendet werden, so auch insbesondere etwa als Spannungskonstanthalter und als
Dreiphasenspannungsregler. Sie eignet sich zum Beispiel für die Lichtregelung, zur Regelung von Motoren, sowie als Sanft¬ anlaufSteuerung. Ihre Vorteile liegen für den Anwender in ei¬ ner Einsparung von Energiekosten durch eine zum Beispiel im Fall von Leuchtstoffröhren kaum spürbare Reduzierung der Lichtincensität. Weiter kann mit einer verlängerten Lebens¬ dauer der Startgeräte und Leuchtstoffröhren infolge Reduktion der Betriebsspannung gerechnet werden. Ausserdem werden keine Saugkreise mehr für die Unterdrückung von Oberwellen benö¬ tigt. Weiter werden keine zusätzlichen Blindstrom-Kompensa¬ tionsanlagen benötigt, das heisst es können im Vergleich zu phasenanschniüz-geregelten Geräten kleinere Bundstrom-Kom- pensationsaniagen eingesetzt werden.
Für die Eiektrizitätswirtschaft hilft die erfindungsgemässe Spannungsreguiierung, wenn sie in grösserem Umfang eingesetzt wird, Energie zu sparen, die Netzauslastung zu optimieren und bezüglich der Oberwellen ein ströungsfreieres Netz zu erhal¬ ten.
Nachfolgend wird der Aufbau einer bespielsweisen erfindungs- gemässen Vorrichtung anhand von schematischen Darstellungen beschrieben und die Funktion des erfindungsgemässen Verfah¬ rens wird daran erläutert.
Es zeig :
Figur 1: Ein Prinzipschema der erfindungsgemässen Vor¬ richtung;
Figur 2: Den Wechselspannungs-Umschalter aus Figur 1 in seinem Inneren Aufbau;
Figur 3: eine anderer Aufbau eines Wechselspannungs-Um- schalters mit Grätz-Gleichrichtern.
Der grundsätzliche Aufbau der erfindungsgemässen Vorrichtung zeigt Figur 1. Die eingangsseitige Wechselspannung U. wird vorerst im Eingangsfilter 1, das hier beispielsweise aus zwei parallel geschalteten Kapazitäten C und einer zwischen sie geschalteten Induktivität L besteht, gefiltert. Anschliessend an das Eingangsfilter 1 ist ein bidirektionales Umschaltele¬ ment 2 zwischen den Klemmen der EingangsSpannung angeordnet. Die Operationsgrundlage des Gerätes ist eine direkte Pulswei¬ tenmodulation der Wechselspannung mit speziell beschalteten schnellen Wechselspannungs-Schaltelementen im Innern des Umschaltelementes 2. Damit ist ein Leistungsumschalter gebil¬ det, der für die Regelung beliebiger Lasten von Null bis ca. 50 kW/kVA geeignet ist. Die eingangsseitige Wechselspannung
U. wird also gefiltert und dann auf den schnellen Leis- m tungsu schalter 2 geführt, der eine Pulsweitenmodulation durchführt. Dieses pulsweitenmodulierte Signal wird mit Hilfe eines weiteren, nachgeschalteten Filters 3 wieder in eine praktisch rippelfreie SinusSchwingung der AusgangsSpannung
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U^-_ zurückverwandelt, deren Wert somit zwischen 0...< 100 % der Ξingangspannung Uin liegen kann. Der Kern der Vorrichtung besteht aus dem Umschaltelement 2, welches sowohl positive, w e auch negative EingangsSpannungen U. verarbeiten kann, also Wechselspannungen wie auch Gleichspannungen beliebiger Polarität.
Figur 2 zeigt die Grundschaltung des Umschaltelementes 2 be¬ ziehungsweise des Leistungsumschalters 2 anhand einer im Ver¬ gleich zu Figur 1 vergrösserten und detaillierten Ansicht. Es schliesst zwei Wechselspannungs-Schaltelemente 4,5 ein, zwi¬ schen denen die Klemmen für die AusgangsSpannung U ange¬ schlossen sind, wobei diese Schaltelemente 4,5 zur Pulswei¬ tenmodulation wechselweise aktivierbar sind. Die Wechselspan- nungs-Schaltelemente 4,5 bestehen hier aus je einer antiseri- eilen Beschaltung von zwei Leistungshalbleitern ..,T7 und T3,T. mit je einer zu ihnen antiparallel geschalteten Diode D1,D2 und D3,D4. Betrachtet man eine Hälfte des Um¬ schaltelementes 2, beziehungsweise das obere Schaltelement 4, und ist der erste Leistungshalbleiter T. eingeschaltet, so fliesst der Strom bei positiver EingangsSpannung U. durch diesen ersten Leistungshalbleiter T-, während die Diode D- parallel zu diesem Leistungshalbleiter T. sperrt, und weiter bei Überschreitung der Schwellenspannung der Diode D, durch diese parallel zum Leistungshalbleiter T, angeordneten Diode D-. Bei negativer EingangsSpannung U. sind die Funktionen der Leistungshalbleiter T1 und T2 vertauscht. Ist der Leistungshalbleiter T1 ausgeschaltet, so sperrt er bei posi-
tiver EingangsSpannung und die Diode D, ist wegen dem sper¬ renden Leistungshalbleiter T1 ohne Funktion. Bei negativer EingangsSpannung U. sind die Funktionen der Leistungs¬ halbleiter T- und , wiederum vertauscht. Die beiden iden¬ tisch aufgebauten Grundelemente 4 und 5 werden nun wechsel¬ seitig, mit einer kleinen Totzeit dazwischen, eingeschaltet. Die Steuerung erfolgt dabei mittels der über den Leistungs¬ halbleitern T1, 2 und T.,T4 angelegten Steuerspannung U
* beziehungsweise U . Somit ergibt sich die Funktion eines
Umschalters. Die Dioden D--D. können sowohl Bestandteile der Leistungshalbleiter 1^-T. (Power Mos Fet oder IGET) sein, können aber auch wie gezeigt extern, also diskret vorliegen. Der Verlauf der modulierten Wechselspannung U . ist in Figur 1 schematisch dargestellt. Je nach Wahl des Puls-Pausen-Ver¬ hältnisses kann eine bestimmte proportionale AusgangsSpannung U t der gleichen Kurvenform erzeugt werden wobei der Wert der Spannung natürlich immer im Innern der Hüllkurve der Ein¬ gangsspannung U. verläuft. Wird nur über eine halbe Peri¬ odendauer moduliert und werden dabei noch die Pulsweiten va¬ riiert, so kann die AusgangsSpannung U t eine beliebig vor¬ gegebene Kurvenform aufweisen. Diese Anwendung ist vorallem zur Kompensation allfällig auftretender Oberwellen von Inter¬ esse, also wenn eine Last ein nichtlineares Verhalten auf¬ weist.
Figur 3 zeigt eine alternative Vorrichtung, die ebenfalls für den gleichen Zweck benutzt werden kann. Für positive sowie negative EingangsSpannungen U. werden durch die Gr tzgleich-
- 1 0 - richter D5 und Dg den Leistungshalbleitern T5 und Tß jeweils immer Gleichspannungen zum Verarbeiten zugeführt. Die Wechselspannungs-Schaltelemente 4,5 schliessen daher je eine Grätz-Gleichrichter-Schaltung D5 und Dg ein, deren Wechsel¬ spannungseingänge die Anschlüsse der Wechselspannungs-Schalt- elemente 4,5 bilden und zwischen deren Gleichspannungs-Aus¬ gängen je ein Leistungshalbleiter-Element T5 beziehungsweise Tg angeschlossen ist.
Besonders vorteilhaft werden die zwei Wechselspannungs- Schaltelemente 4,5, sei es für eine Beschaltung nach Figur 2 oder nach Figur 3, durch industriell gefertigte Hybrid-Module gebildet.
Die Erfindung ermöglicht es, eine weitgehend sinusförmige Leistungs-StromJcurve zu erreichen, indem die Wechselspannung entsprechend durch Pulsweitenmodulation reguliert wird. Grundsätzlich ist das Betreiben des Verfahren und der Vor¬ richtung im Bereich zwischen Null bis hinauf auf 10 kHz mög¬ lich. Die Spannung kann dabei innerhalb der Hüllkurve der EingangsSpannung U-n einen beliebigen Verlauf annehmen, je nach Variation der Pulsweiten und Pulspausen.