Verfahren zur Herstellung von Alkyl- und/oder Alkenyloligoglucosiden
Gebiet der Erfindung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Al¬ kyl- und/oder Alkenyloligoglucosiden durch Trocknung einer wäßrigen Glucose/Fettalkohol-Suspension und anschließende Acetalisierung der entwässerten Mischung in Gegenwart saurer Katalysatoren.
Stand der Technik
Alkyloligoglykoside stellen wichtige nichtionische Tenside für eine Vielzahl von Anwendungsgebieten dar. Zu ihrer Her¬ stellung geht man in der Regel von Aldosen - in der Regel Glucose - aus, die in Gegenwart saurer Katalysatoren mit Fettalkoholen acetalisiert werden (Direktverfahren). Zur Er¬ zielung hoher Ausbeuten innerhalb hinreichend kurzer Reak¬ tionszeiten ist es jedoch vorteilhaft, daß die Umsetzung in Abwesenheit von Wasser durchgeführt wird. Im einzelnen be¬ deutet dies, daß für die Acetalisierung nur solche Einsatz¬ stoffe in Betracht kommen, die wasserfrei sind, d. h. deren Restwassergehalt 2 Gew.-% nicht übersteigt. Stellvertretend
für das umfangreiche Schrifttum sei hier auf die Internatio¬ nale Patentanmeldung WO 90/3977 verwiesen.
Die Verwendung von Reinstoffen, wie beispielsweise reiner wasserfreier Glucose, belastet die Kosten der Herstellung von Alkyloligoglucosiden jedoch in einem solchen M ße, daß eine Wirtschaftlichkeit in vielen Fällen nicht mehr gegeben ist. Es hat in der Vergangenheit daher nicht an Versuchen geman¬ gelt, technische Glucose auf der Basis preiswerter wäßriger Glucosesirupe einzusetzen, die zuvor bis auf das erforder¬ liche Maß .getrocknet worden waren [EP-AI 0 319 616]. Als entscheidender Nachteil wurde dabei jedoch erkannt, daß üb¬ liche Trocknungsverfahren stets Einfluß auf Qualität und Zu¬ sammensetzung der wasserfreien Produkte nehmen und insbeson¬ dere zu einem unerwünschten Anstieg des Gehaltes an Oligo- und Polyzuckern beitragen können.
Die Aufgabe der Erfindung bestand somit darin, ein neues Verfahren zur Herstellung von Alkyl- und/oder Alkenyloligo¬ glucosiden zur Verfügung zu stellen, das frei von den ge¬ schilderten Nachteilen ist.
Beschreibung der Erfindung
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von Alkyl- und/oder Alkenyloligoglucosiden, das sich dadurch auszeichnet, daß man
a) wäßrige Glucosesirupe und Fettalkohole in einem Turbi¬ nentrockner mit rotierenden Einbauten bis auf einen Restwassergehalt von 0,05 bis 0,3 Gew.-% entwässert und
b) die resultierenden Glucose/Fettalkohol-Suspensionen in Gegenwart saurer Katalysatoren in an sich bekannter Wei¬ se acetalisiert.
Überraschenderweise wurde gefunden, daß bei der Entwässerung von Mischungen wäßriger Glucosesirupe mit Fettalkoholen in einem Turbinentrockner wasserfreie Suspensionen erhalten wer¬ den, deren Gehalt an Oligo- bzw. Polyzuckern gegenüber dem Ausgangsmaterial nicht nachteilig erhöht ist.
Unter Glucosesirupe sind raffinierte wäßrige Lösungen von D-Glucose, Maltose und höheren Polymeren der Glucose (Oligo- saccharide, Dextrine) zu verstehen, die durch saure Hydrolyse oder enzymatischen Abbau von Stärke hergestellt werden. Vor¬ zugsweise finden Glucosesirupe Verwendung, die einen Fest- stoffanteil von 50 bis 85, vorzugsweise 75 bis 80 Gew.-% und einen DPI Grad (monomerer Glucosegehalt) von 80 bis 99, vor- zugseise 92 bis 97 Gew.-% - bezogen auf den Feststoff - auf¬ weisen.
Als Fettalkohole kommen primäre Alkohole der Formel (I) in Betracht,
RiOH (I)
in der R1 für lineare oder verzweigte Alkyl- und/oder Alke- nylreste mit 6 bis 22 Kohlenstoffatomen steht. Typische Bei¬ spiele sind Capronalkohol, Caprylalkohol, Caprinalkohol, Laurylalkohol, Myristylalkohol, Cetylalkohol, Palmoleylalko- hol, Stearylalkohol, Oleylalkohol, Elaidylalkohol, Petrose- linylalkohol, Arachylalkohol, Gadoleylalkohol, Behenylalkohol und/oder Erucylalkohol sowie technische Schnitte, die diese Alkohole in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen enthal¬ ten können. Bevorzugt ist ein technischer Fettalkoholschnitt auf Basis von gehärtetem Kokosöl mit 12 bis 18, insbesondere 12 bis 14 Kohlenstoffatomen.
Das molare Einsatzverhältnis von Glucosesirup zu Fettalkohol kann 1 : 2 bis 1 : 10, vorzugsweise 1 : 3 bis 1 : 6 betragen, wobei das Verhältnis auf den Glucoseanteil im Sirup zu be¬ ziehen ist.
Unter Turbinentroc nern sind zylindrische Trockenapparaturen, vorzugsweise in horizontaler Bauweise zu verstehen, in denen rotierende Einbauten mit hoher Drehzahl für eine feine Ver¬ teilung des Trockengutes sorgen. In einer bevorzugten Aus- führungsform handelt es sich bei diesen Einbauten beispiels¬ weise um Flügel, Schaufeln oder Paddeln, die auf einer ro¬ tierenden Welle (Umfangsgeschwindigkeit 5 bis 25, vorzugs¬ weise 10 bis 20 m/s) angebracht sind. Die eigentliche Trock¬ nung findet bei Wandtemperaturen von 100 bis 180°C und
Gasphasentemperaturen von 150 bis 220°C vorzugsweise in Ge¬ genwart von Luft, Inertgasen wie beispielsweise Stickstoff oder überhitztem Wasserdampf statt, wobei der Wärmeübergang durch Konvektion sowie die beheizte Wandung des Trockners erfolgt. Im Hinblick auf die Herstellung wasserfreier Glucose/Fettal- kohol-Suspensionen hat sich eine Temperatur von 120 bis 180°C als optimal und ein verminderter Druck von 20 bis 300, vorzugsweise 50 bis 100 mbar erwiesen.
Da die aufgeheizte Luft bzw. das aufgeheizte Inertgas gleich¬ zeitig mit dem zu trocknenden feuchten Produkt in den Trock-, ner eingebracht wird, findet eine augenblickliche Verdampfung des Wassers statt. Aufgrund der hohen Verdampfungswärme von Wasser führt dies zu einem temperaturstabilisierenden Effekt, so daß die Trocknung auch bei hohen Temperaturen erfolgen kann, ohne daß es zu einer Zersetzung temperaturlabiler Pro¬ dukte kommt.
Besondere Merkmale der erfindungsgemäß einzusetzenden Turbi¬ nentrockner sind somit die kurze Verweilzeit, das enge Ver¬ weilzeitspektrum und die hohe Temperaturstabilisierung, die eine möglichst schonende Behandlung des Trockengutes, gerade im Hinblick auf Zusammensetzung und Farbe, sicherstellen.
Die Abtrennung des Trockengutes von der Gasphase kann bei¬ spielsweise in einem Vakuum-Abtrennbehälter erfolgen. Um Produktverluste möglichst gering zu halten, empfiehlt es sich ferner, das Abgas beispielsweise über eine beheizten Kolonne zu leiten, Anteile an mitgerissenem Fettalkohol zu konden¬ sieren und in die Suspension zurückzuführen.
Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhältlichen was¬ serfreien Glucose/Fettalkohol-Suspensionen weisen einen Rest- Wassergehalt von 0,1 bis 2 Gew.-% auf. Sie können in Gegen¬ wart saurer Katalysatoren, beispielsweise p-Toluolsulfon- säure, in an sich bekannter Weise zu den entsprechenden Alkyl- und/oder Alkenyloligoglucosiden acetalisiert werden.
Die folgenden Beispiele sollen den Gegenstand der Erfindung näher erläutern, ohne ihn darauf einzuschränken.
Beispiele
A) Herstellung einer wasserfreien Glucose/Fettalkohol- Suspension
Die Herstellung der Suspension wurde in einem horizontal an¬ geordneten Turbo-Trockner (Typ ES 2050, Fa.Vomm, Mailand, Italien, Turbinendurchmesser 340 mm, Turbinenlänge 2,4 m) durchgeführt, in dem eine mit Schaufeln bzw. Flügeln besetzte Welle mit hoher Drehzahl rotierte.
Einsatzstoffe:
al) Glucosesirup
Feststoffanteil : 75 Gew.-% DPl-Gehalt(*) : 95 Gew.-%
(*) Monomerer Glucosegehalt bezogen auf Feststoff
a2) Ci2/14-Kokosfettalkol:101
(Lorol(R) Spezial, Fa.Henkel KGaA, Düsseldorf).
Die Einsatzstoffe wurden getrennt auf eine Temperatur von 60°C vorgeheizt. Zunächst wurde der Fettalkohol über eine Kolbenpumpe in den "Kopf" des Turbinenmischers gefördert und anschließend - auf der Längsachse des Trockners betrachtet - in einigem Abstand der Glucosesirup über eine zweite Kolben¬ pumpe eindosiert; das molare Einsatzverhältnis Glucosesirup : Fettalkohol betrug dabei 1 : 4,5 - bezogen auf den Glucose- anteil im Sirup. Bei einer Umdrehungsgeschwindigkeit von 1000
Upm wurde die Mischung in einem heißen, turbulenten Luft¬ strom fein verteilt und gleichzeitig entwässert.
Die Trocknungstemperatur lag bei 160 bis 180°C und wurde zum einen durch Konvektion und zum anderen über den beheizten Mantel des Trockners übertragen. Am Mischeraustritt wurde ein Druck von 100 mbar eingestellt.
Am Ausgang des Mischers wurde der Glucose/Fettalkohol-Slurry in einen Vakuum-Abtrennbehälter ausgetragen und die Gasphase - enthaltend Wasserdampf und mitgerissenen Fettalkohol - über eine beheizte Kolonne und durch einen beheizten Wärmetauscher geführt. Der Fettalkohol wurde kondensiert und zurückgeführt, während der Wasserdampf in einem nachgeschalteten Kondensator niedergeschlagen wurde.
Die resultierende Glucose/Fettalkohol-Suspension wies einen Rest-Wassergehalt von 0,1 Gew.-% auf.
B. Acetalisierung
In einem 2-1-Dreihalskolben mit Rührer, Destillationsaufsatz und Innenthermometer wurden 1050 g der entwässerten Glucose/ Fettalkohol-Suspension aus A) vorgelegt und unter einem ver¬ minderten Druck von ca. 20 mbar auf 110°C erhitzt.
Anschließend wurde die Reaktionsmischung mit 0,1 bis 0,5 Gew.-% - bezogen auf die Glucose - p-Toluolsulfonsäure in Form einer 5 gew.-%igen Lösung in Kokosfettalkohol versetzt. Zur Verlagerung des Gleichgewichtes wurde das Reaktionswasser
kontinuierlich abdestilliert und die Reaktion abgebrochen, nachdem die Wasserabscheidung beendet war und der Restgehalt an nicht umgesetzter Glucose in der Mischung weniger als 0,1 Gew.-% - bezogen auf die Ausgangsmenge - betrug. Danach wurde die Reaktionsmischung mit Magnesiumoxid neutralisiert und der überschüssige Kokosfettalkohol unter vermindertem Druck (ca. 1 mbar) und einer Temperatur von 180°C mit Hilfe eines Dünn¬ schichtverdampfers abgetrennt.