Verfahren zur Bestimmung der Verform¬
barkeit der Oberfläche eines Prüfkörpers
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Bestimmung der Verformbarkeit der Oberfläche eines Prüfkörpers, bei dem zunächst ein Höhenprofil einer Spur mit einem möglichst gering belasteten Taster vermessen wird, dieselbe Spur anschließend mit ei¬ nem in den Prüfkörper eindringenden, belasteten Körper abgefahren wird, und schließlich der gering belastete Taster entlang der Spur fährt und ein Hö¬ henprofil aufnimmt.
Zur Bestimmung der Härte und anderer mechanischer Eigenschaften, wie z.B. der Elastizitätsmoduln, insbesondere der oberflächennahen Bereiche eines Prüfkörpers sind verschiedene Verfahren bekannt.
In der DE-GM 71 40 841 ist ein Verfahren gattungs¬ gemäßer Art beschrieben: Die Oberfläche des unter- suchten Prüfkörpers wird anfangs mit einem gering belasteten Taster abgefahren und ein Höhenprofil aufgezeichnet. Nachdem ein kraftbeaufschlagter Ein¬ dringkörper über dieselbe Bahn bewegt wurde, nimmt der Taster schließlich wiederum ein Höhenprofil auf. Neben möglichen Meßfehlern, die durch unter¬ schiedliche Abmessungen des Tasters und des Ein¬ dringkörpers bedingt sind, weshalb das vom Taster aufgezeichnete Höhenprofil nicht notwendigerweise
mit der Bahn des Eindringkörpers übereinstimmt, ist als nachteilig anzusehen, daß anhand der Meßkurven nur eine Bestimmung der plastischen, d.h. irrever¬ siblen Verformungen des Prüfkörpers möglich ist.
In der DE-OS 39 26 676 ist vorgeschlagen, die Ein¬ dringtiefe eines Tasters in einen Probekörper als Funktion der Normalkraft zu messen und zur Härte¬ prüfung heranzuziehen. Dabei kann der Taster auch über die Oberfläche des Probekörpers geführt werden und in ritzender Weise eindringen. Da nur die Posi¬ tion des belasteten Tasters gemessen wird, ermög¬ licht dieses Verfahren nur die Summe aus den ela¬ stischen und den plastischen Verformungen zu erfas- sen.
Bei den bekannten Verfahren zur Bestimmung der me¬ chanischen Eigenschaften der Oberfläche eines Prüf¬ körpers ist somit als nachteilig anzusehen, daß entweder nur die plastischen Verformungen oder aber die Summe aus den elastischen und plastischen De¬ formationen erfaßt werden kann. Ein Verfahren zur Messung der elastischen Verformungen ist nicht be¬ kannt. Weiterhin besteht keine Möglichkeit, Auf- Schlüsse über die am Verformungsvorgang beteiligten Energieformen und -betrage, wie beispielsweise Rei- bungs- und Wärmeenergie zu gewinnen.
Ausgehend vom Stande der Technik liegt der Erfin- düng das Problem zugrunde, ein Verfahren zur Be¬ stimmung der Verformbarkeit der Oberfläche eines Meßgegenstandes zu schaffen, das eine eingehende Untersuchung der elastischen und plastischen Defor-
mationen sowie der daran beteiligten physikalischen Prozesse und Energieformen erlaubt.
Erfindungsgemäß wird das Problem dadurch gelöst, daß der Taster der in den Prüfkörper eindringende
Körper ist, auch das Höhenprofil der Spur des bela¬ steten Tasters registriert wird und zum einen die Differenz aus dem zuletzt und dem zuerst vermesse¬ nen Höhenprofil und zum anderen die Differenz aus dem zuletzt und dem unter Belastung aufgenommenen Höhenprofil zur Anzeige gebracht werden.
Der Kerngedanke besteht darin, zunächst mit einem Taster ein Höhenprofil auf der Oberfläche des Meß- gegenstandes aufzunehmen, dasselbe Profil anschlie¬ ßend mit dem nunmehr belasteten Taster abzufahren und schließlich ein Höhenprofil mit dem wiederum gering belasteten Taster zu erfassen, um anschlie¬ ßend durch Differenzbildung der erfaßten Profile zum einen die irreversiblen und zum anderen die re¬ versiblen Deformationen zur Anzeige zu bringen. Im einzelnen entsprechen die plastischen Verformungen der Differenz aus den ohne Belastung vor und nach dem RitzVorgang aufgenommenen Höhenprofilen, wäh- rend die Differenz aus dem zuletzt und dem unter Belastung vermessenen Höhenprofil den elastischen Deformationen gleichzusetzen ist. Um möglichst ex¬ akte Meßergebnisse zu erhalten, sollte die Bela¬ stung des Tasters während der Aufnahme des ersten und letzten Höhenprofils hinreichend gering gehal¬ ten werden, so daß keine Verformungen des Prüfkör¬ pers und somit keine Verfälschungen der Meßwerte zu befürchten sind. Da der Taster auch zum Erzeugen
der Ritzspur verwendet wird, ist gewährleistet, daß die anschließend - ohne Belastung - aufgenommene Spur mit der Ritzspur übereinstimmt. Wäre der Ta¬ ster hingegen breiter als der Eindringkörper, würde er nicht den Boden der erzeugten Spur erfassen; wäre er jedoch schmaler, würde er einem nicht re¬ produzierbaren Weg folgen, da eine seitliche Füh¬ rung fehlt.
Die Vorteile der Erfindung bestehen vornehmlich darin, daß sowohl die reversiblen als auch die ir¬ reversiblen Verformungen des Prüfgegenstandes ent¬ lang derselben Bahn ortsauflösend erfaßt werden. Das Verfahren eignet sich insbesondere für Materia¬ lien mit räumlich variierender Zusammensetzung und somit lokal unterschiedlichen Härten, wie bei¬ spielsweise Verbundwerkstoffe oder beschichtete Bauelemente.
Falls der zu untersuchende Prüfkörper entlang der vom Taster abgefahrenen Spur stark variierende Här¬ ten beinhaltet, erweist sich die Wahl der Belastung und der Geschwindigkeit des Tasters als problema¬ tisch. Sind beide konstant, wird die Eindringtiefe in besonders harten bzw. weichen Bereichen derart gering oder groß, daß keine definierte Aussage über die Verformbarkeit des Prüfkörpers möglich ist. Da¬ her ist vorgeschlagen, die Belastung des Tasters während des Eindringens in den Prüfkörper zu vari- ieren. Da die Eindringtiefe bei konstanter Bela¬ stung und hoher Geschwindigkeit geringer als bei einem langsam über den Prüfkörper geführten, bela¬ steten Taster ist, besteht alternativ oder zusätz-
lieh die Möglichkeit, seine Geschwindigkeit zu ver¬ ändern. Im speziellen kann die Geschwindigkeit und/oder die Belastungskraft derart geregelt wer¬ den, daß sich eine konstante Eindringtiefe ergibt.
Neben den entstehenden Verformungen ist auch die dafür aufzuwendende mechanische Energie von Inter¬ esse. Anhand der lokalen Energieumwandlungen wäh¬ rend des Verformungsvorganges können Rückschlüsse über die Bruchfestigkeit und das Wärmetransportver¬ halten des Prüfkörpers getroffen werden. Daher bie¬ tet sich eine Messung und Aufzeichnung der für das Bewegen des belasteten Tasters entlang der Bahn ge¬ genüber dem Meßgegenstand notwendigen Kraft und/oder Leistung an. Ein weiterer Vorzug besteht darin, daß die Reibungskonstante μ anhand der Nor¬ mal- und Tangentialkraft bestimmbar wird. Die für das Bewegen des Tasters aufzuwendende Leistung kann unschwer anhand der elektrischen Leistungsaufnahme seiner Antriebseinheit ermittelt werden, während die Kraft beispielsweise anhand der Geschwindigkeit des Tasters und der aufzuwendenden Leistung berech¬ net wird.
Weiterhin ist empfehlenswert, die Normalkraft des Tasters analog zu bekannten Härteprüfungsverfahren als Funktion der Eindringtiefe zu messen und zu re¬ gistrieren. Die Daten ermöglichen, die Härte des Prüfkörpers in der zu seiner Oberfläche orthogona- len Richtung ortsauflösend zu analysieren und bei¬ spielsweise Unterschiede zwischen oberflächennahen und -fernen Bereichen zu untersuchen.
Als Regelgröße für die Geschwindigkeit und/oder Be¬ lastung des Tasters sind neben der Eindringtiefe, d.h. der Höhendifferenz zwischen der anfänglich und der unter Belastung vermessenen Spur die für die Relativbewegung aufzuwendende Kraft und/oder Lei¬ stung zweckmäßig. Die Regelung erfolgt beispiels¬ weise derart, daß die Eindringtiefe oder die Kraft bzw. Leistung konstant gehalten werden.
Andererseits besteht jedoch die Möglichkeit, die
Belastung und/oder Geschwindigkeit des Tasters pe¬ riodisch vorzugsweise zwischen Null und einem Maxi¬ mum zu variieren. Im speziellen erfolgt die Bela¬ stung mit einer statischen bzw. langsam variierten Vorkraft und einer überlagerten, periodisch wirken¬ den, kleineren Wechselkraft. Anhand der Abhängig¬ keit der Eindringtiefe von der Normalkraft können weitergehende Aussagen über die lokalen Material¬ strukturen, wie beispielsweise die Elastizitätskon- stanten (Youngscher Modul usw.) gewonnen werden.
Als Nachteil bekannter Verfahren zur Härtebestim¬ mung ist anzusehen, daß sie keinen Rückschluß auf das lokale viskoelastische Fließverhalten erlauben. Insbesondere bei Verbundwerkstoffen wäre eine In¬ formation über derartige Materialeigenschaften wün¬ schenswert, da häufig erhebliche Unterschiede der Viskoelastizität zwischen der Matrix und dem Füll¬ stoff nachweisbar sind. Daher ist bevorzugt, daß die Eindringspur, nachdem sie mit dem belasteten Taster abgefahren wurde, mehrfach vermessen wird. Anhand der Zeitabhängigkeit der geometrischen Ver¬ änderungen, insbesondere des Höhenprofils kann das
viskoelastische Verhalten eingehend untersucht wer¬ den. Durch mehrmaliges Abtasten ohne Belastung er¬ faßt man in Abhängigkeit von der Zeit die Rückbil¬ dung des elastischen Anteils. Die Festlegung, wann die Rückbildung zum Abschluß gelangt ist, wird auf diesem Wege möglich.
Um Aufschlüsse über die chemische Zusammensetzung und die Eigenschaften der oberflächenferneren Be- reiche des Prüfkörpers zu gewinnen, ist vorgeschla¬ gen, die Belastung und die Form des Tasters derart zu wählen, daß über die Verformung hinausgehend ein Materialabtrag erfolgt, dessen Menge und chemische Zusammensetzung ortsauflösend und/oder integrierend gemessen und registriert werden. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, das mit einem Materialab¬ trag verbundene Abfahren der Spur mehrmals zu wie¬ derholen, um die Materialeigenschaften als Funktion der Eindringtiefe zu untersuchen. Die Analyse der Menge und der chemischen Zusammensetzung der abge¬ tragenen Materialien kann nach bekannten, hier nicht näher erläuterten Verfahren erfolgen.
Da auch die lokale Abriebfestigkeit des Prüfkörpers von Interesse ist, ist empfohlen, den Verformungs¬ vorgang mit gleichen oder variierten Bedingungen solange zu wiederholen, bis keine Veränderung der Eindringtiefe oder der Materialeigenschaften mehr nachweisbar sind. Die Anzahl der mit Belastung durchzuführenden Verfahrzyklen dient als Maß für die lokale Abriebs- und Kratzfestigkeit des Prüf¬ körpers.
Beispielsweise in technischen Anwendungen, wie z.B. Lagerungen ist eine aus Fett oder Öl bestehende Schicht zwischen zwei aneinander reibenden Körpern angeordnet. Es erweist sich daher als zweckmäßig, Festkörperteilchen oder ein Fluid oder eine Fest¬ körpersuspension in einem Fluid zwischen den bela¬ steten Taster und den Meßgegenstand einzubringen, um die gemessenen Härte- oder Reibungswerte direkt auf konkrete Anwendungszwecke übertragen zu können.
Außer dem durch den belasteten Taster erfaßten Hö¬ henprofil kann seine unmittelbare Umgebung während des Verformungsvorganges optisch beobachtet und ge¬ speichert werden, so daß auch die Deformationen der Materialbereiche seitlich des Tasters sowie die Seitenwände der Ritzspur weiteren Untersuchungen zugänglich sind.
Wird der verformte Bereich aus mindestens zwei Po- sitionen gleichzeitig optisch beobachtet, kann aus den registrierten Bildern eine dreidimensionale Re¬ konstruktion des Verformungsvorganges erfolgen. So wird es beispielsweise möglich, die lokalen Materi¬ alverschiebungen ortsabhängig zu analysieren.
Die den Verformungsprozeß begleitenden physikali¬ schen Vorgänge werden vorteilhafterweise erfaßt und registriert. Hierzu zählen beispielsweise die im sichtbaren Wellenlängenbereich emittierte Tribolu- mineszenz, welche durch eine Videokamera odgl. auf¬ genommen werden kann.
Auch die Erwärmung des Prüfkörpers und/oder des Ta-
sters kann ortsauflösend erfaßt werden, um den An¬ teil der in Wärme umgesetzten mechanischen Energie zu ermitteln. Hierzu dienen im speziellen die In- fra- und/oder Ultrarotemission erfassende Sensoren. Die Temperatur kann jedoch auch durch geeignete, hinreichend kleine Wärmesensoren, wie Thermoele¬ mente odgl. direkt auf der Oberfläche des Prüfkör¬ pers gemessen werden.
Die während des Verformungsvorganges erfaßten und registrierten Schall- und Vibrationserscheinungen können in Verbindung mit den übrigen Meßwerten Auf¬ schlüsse über lokale Materialeigenschaften und Re¬ aktionen auf den belasteten Taster aufzeigen.
Da der Verformungsprozeß die Emission sogenannter Exo-Elektronen bedingt, ist weiterhin vorgeschla¬ gen, zu ihrer Detektion geeignete Sensoren nahe der Oberfläche des Prüfgegenstandes anzubringen und letzteren - wegen der geringen freien Weglänge der Elektronen in Luft - in einem evakuierten Gefäß an¬ zuordnen.
Außer im Vakuum kann der Verformungs- und Meßvor- gang zwecks Verbesserung der Reproduzierbarkeit und des Ausschlusses unbekannter, die Meßwerte verfäl¬ schender Umgebungseinflüsse unter reduziertem Luft¬ druck oder unter einer Gas- oder Dampfatmosphäre durchgeführt werden. Auch eine konstant gehaltene Temperatur ist zur Steigerung der Reproduzierbar¬ keit der Meßwerte geeignet.
Um die Meßzeit auf das notwendige Maß zu reduzie-
ren, ist empfehlenswert, die anhand der ersten er¬ faßten Meßspur bestimmte Oberflächenrauhigkeit als Regelgröße für die Geschwindigkeit und/oder Bela¬ stung des Tasters zu verwenden. Der Vorzug besteht darin, daß homogene, nicht lokal variierende Ober¬ flächenbereiche relativ schnell abgefahren werden können, so daß die Meßzeit entscheidend verkürzt ist.
Schließlich ist bevorzugt, einen Rechner zur Steue¬ rung des Tasters, d.h. seiner Bahn, Geschwindigkeit und Belastung sowie zum Erfassen der Meßwerte zu verwenden.
Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile der Er¬ findung lassen sich dem nachfolgenden Beschrei- bungsteil entnehmen, in dem anhand der Zeichnungen eine Ausführungsform der Erfindung näher erläutert wird. Sie zeigen in schematischer Darstellung in
Figur 1 einen Prüfkörper während der Aufnahme des ersten Höhenprofils
Figur 2 einen Prüfkörper mit einem belasteten
Taster Figur 3 einen Prüfkörper während der Aufnahme des dritten Höhenprofils Figur 4 die plastische Verformbarkeit
Figur 5 die elastische sowie die Gesamtverform¬ barkeit
In Figur 1 ist der eine Spur (3) auf dem Prüfkörper (1) abfahrende, gering belastete Taster (2) darge¬ stellt. Die Oberfläche des Prüfkörpers (1) weist etwa in der Mitte eine Stufe auf. Der Taster (2) wird von links nach rechts bewegt.
In Figur 2 ist der mit einem Gewicht (4) belastete Taster (2) bei der Aufnahme eines zweiten Höhenpro¬ fils (5) dargestellt. Aufgrund der Belastung des in den Prüfkörper (1) eindringenden Tasters (2) ist das Höhenprofil (5) insbesondere im Bereich rechts der Stufe bedeutend niedriger als das ursprüngliche (3).
In Figur 3 wird der Prüfkörper (1) zum drittenmal, nunmehr wiederum mit einem gering belasteten Taster (2) abgefahren. Das erfaßte Höhenprofil (6) ist - bedingt durch die irreversiblen Verformungen - niedriger als das ursprüngliche (3) , jedoch - da sich die Oberfläche des Prüfgegenstandes (1) auf¬ grund des reversiblen Anteils der Verformungen wie- der gehoben hat - höher als das unter Belastung vermessene (5) .
In Figur 4 ist die Differenz (7) aus dem zuletzt (6) und dem anfangs gemessenen Höhenprofil (3) dar¬ gestellt; es entspricht der plastischen, also der irreversiblen Verformbarkeit.
In Figur 5 ist zum einen die Differenz (8) aus dem unter Belastung vermessenen (5) und dem ursprüngli¬ chen Höhenprofil (3) dargestellt; sie entspricht der Gesamtverformbarkeit, also der Summe aus pla¬ stischen und elastischen Verformungen. Zum anderen ist die Differenz (9) aus dem zuletzt (6) und dem unter Belastung aufgenommenen Höhenprofil (5) wie¬ dergegeben; sie entspricht den elastischen Verfor- mungen.
In Figur 4 und 5 ist gut erkennbar, daß der rechts der Stufe liegende Oberflächenbereich des Prüfkör- pers (1) wesentlich weicher als der links der Stufe liegende ist, die Verformungen sind rechts ausge¬ prägt.
Im Ergebnis erhält man ein Verfahren, das eine we¬ sentlich intensivere Untersuchung der Verformbar¬ keit eines Prüfkörpers und der einen Eindringvor¬ gang begleitenden physikalischen Prozesse ermög¬ licht.