Beschreibung
Regeleinrichtung
Die Erfindung betrifft eine Regeleinrichtung mit einer Vergleichseinrichtung, welche eine Regeldifferenz aus einer Führungsgröße und einer Regelgröße ermittelt, und mit einer der Vergleichseinrichtung nachgeordneten Korrektur- und Stelleinrichtung, welche eine Stellgröße einer Regelstrecke ermittelt.
Es ist bekannt, zur Lösung von Regelungsaufgaben, z. B. zur Regelung einer Drehzahl eines Motors, Regeleinrich¬ tungen einzusetzen. Die Drehzahl (Regelgröße) des Motors wird von einer Meßeinrichtung der Regeleinrichtung erfaßt und einer Vergleichseinrichtung zugeführt. Aus dieser er¬ faßten Regelgröße und einer einer Soll-Drehzahl entspre¬ chenden Führungsgröße bildet die Vergleichseinrichtung eine Regeldifferenz, aus der eine Korrektur- und Stell¬ einrichtung eine Stellgröße erzeugt, welche auf eine Regelstrecke einwirkt und die gewünschte Verstellung der Regelgröße bewirkt.
Die beschriebene Regelungsaufgabe kann auch eine speicher¬ programmierbare Steuerung mit einem entsprechenden dafür vorgesehenen Programm lösen. Zunächst wird die in analoger Form vorliegende Regelgröße abgetastet und in eine digita¬ le Form umgewandelt. Anschließend berechnet die speicher¬ programmierbare Steuerung aus dieser Regelgröße und der Führungsgröße die Regeldifferenz sowie nach Maßgabe eines Regelalgorithmus aus der Regeldifferenz die Stellgröße, welche nach einer Umwandlung in eine analoge Größe aus¬ gegeben wird. Eine solche Lösung mit einer gewöhnlichen speicherprogrammierbaren Steuerung hat den Nachteil, daß die einzelnen Anweisungen des Regelungsprogramms aus einem Speicher nach und nach ausgelesen, interpretiert und schließlich die entsprechenden Operationen ausgeführt werden. Die Zeitspanne, die zur Bearbeitung des Regelungs-
programms benötigt wird, bestimmt die Abtastzeitpuπkte, zu denen die Führungsgröße und die Regelgröße abgetastet werden. Außerdem muß die Genauigkeit, mit der die Regel¬ größe von der analogen in die digitale Form umgewandelt wird, der gewünschten Regelgenauigkeit entsprechen. Im übrigen sind individuelle Anpassungen der Regeleinrichtung (adaptive Regeleinrichtung) an die Eigenschaften der Regelstrecke meist nur durch Vergrößerung der Abtastzeit möglich. Diese Nachteile werden zwar von Fuzzy-Reglern teilweise beseitigt, jedoch wirken sich auch hier hohe Abtastzeiten nachteilig aus; denn die Momentanwerte der Führungs- und Regelgröße werden zunächst in Wahrheitswerte überführt, wozu der numerische Wertebereich der betrachteten Größen durch linguistische Werte charakterisiert und durch eine Zugehörigkeitsfunktion beschrieben wird (Fuzzifizierung) . Schließlich werden die linguistischen Regeln bearbeitet sowie die Zugehörigkeitsfunktion in einen repräsentativen Zahlenwert der Stellgröße y rückübersetzt (Defuzzifizie- ruπg).
Aus der DE-OS 37 43 438 ist ein Verfahren zum Erzeugen von Steuersignalen in Abhängigkeit von Eingaπgssignalen mit¬ tels eines endlichen Automaten bekannt. Der Datenspeicher des Automaten ist in Bereiche unterteilt, welche je einem Momentanzustand zugeordnet sind und aus mehreren Teil¬ bereichen bestehen. Diese sind jeweils einem Eingangs¬ vektor zugeordnet, wobei die Eingangsvektoren die für den jeweiligen Momentanzustand relevanten Kombinationen der für den Momentanzustand relevanten Eingangsgrößen sind. Aus der Gesamtheit der aktuellen eingehenden Eingangs¬ größen werden die für den jeweiligen Momentanzustand relevanten Eingangsgrößen als aktuelle Eingangsvektoren ausgewählt, und es wird der Teilbereich des Datenspeichers ausgelesen, der in dem dem Momeπtanzustand zugeordneten Bereich enthalten und dem aktuellen Eingangsvektor zuge¬ ordnet ist. Dadurch wird die Reaktionszeit auf Zustands- änderungen der Eingangsgrößen verkürzt.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Regeleinrichtung der eingangs genannten Art zu schaf¬ fen, welche auf eine Stellgröße schnell einwirkt.
Diese Aufgabe wird durch die im kennzeichnenden Teil des Anspruchs 1 angegebenen Maßnahmen gelöst.
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen. Die erfindungsgemäße Regeleinrichtung ist insbesondere für eine speicherprogrammierbare Zustandssteuerung vorgesehen.
Anhand der Zeichnung, in der ein Ausführungsbeispiel der Erfindung veranschaulicht ist, werden die Erfindung, deren Ausgestaltungen sowie Vorteile näher erläutert.
Es zeigen:
Figur 1 eine Regeleinrichtung,
Figur 2 die Zuordnung von Digitalvektoren zu relativen Abweichungen von Analoggrößen innerhalb vorgeb¬ barer Wertebereiche,
Figur 3 die Darstellung einer Zustandsebene,
Figur 4 den zeitlichen Verlauf der Führungs- und Regel¬ größe während eines Regelvorgangs in der Regel- einrichtung gemäß Figur 1 und
Figur 5 die Darstellung von Zustandsübergängen während des Regelvorgangs.
In Figur 1 ist mit 1 eine Vergleichseinrichtung einer Regeleinrichtung 5 bezeichnet, die aus einer Führungsgröße w und einer erfaßten Regelgröße x, welche eine Meßeinrich¬ tung 6 aus einer Regelgröße xa ableitet, zu einem Zeit¬ punkt t eine Regeldifferenz der Form
d = kl (x(t) - w(t))
ermittelt, wobei kl eine konstante Größe darstellt. Eine
Einrichtung 4 bildet aus der Regelgröße x zu einem Zeit¬ punkt t + Δt einen Differenzenquotienten der Form
π - x(t) - x (t - Δt) q ~ Δt
welcher einer der Einrichtung 4 und der Vergleichseinrich¬ tung 1 nachgeordneten Korrektur- und Stelleinrichtung 2 zusammen mit der Regeldifferenz d zugeführt wird. Die einen Speicher aufweisende Korrektur- und Stelleinrichtung 2 wählt nach Maßgabe einer in diesem Speicher hinterlegten Regelvorschrift in Abhängigkeit der Regeldifferenz d, des Differenzenquotienten q und eines Momentaπzustandes einen Folgezustaπd aus und wirkt entsprechend diesem Folge¬ zustand auf eine Stellgröße y einer Regelstrecke 3 ein. Dabei wird beim Übergang in diesen Folgezustand eine diesem Zustand zugeordnete, vorab erstellte Funktion ausgeführt, welche einen neuen Wert der Stellgröße y berechnet.
Zur Erläuterung der Regelvorschrift wird zunächst auf Figur 2 verwiesen. Die Figur zeigt die Zuordnung von Digitalvektoren xd, xq zu entsprechenden relativen Ab¬ weichungen aw, bw von Analogwerten. Dabei bildet der drei Bit breite Digitalvektor xd die relative Abweichung
innerhalb vorgebbarer Grenzen a, b ... f ab, der ebenfalls drei Bit breite Digitalvektor xq die relative Abweichung
bw = A . 100 [§]
innerhalb dieser Grenzen, wobei d die Regeldifferenz, w die Führungsgröße, x die erfaßte Regelgröße, q der Differenzenquotient und s die Zeiteinheit Sekunde be¬ deuten. Z. B. sind die Digitalvektoren xd, xq mit den Koordinaten (000) den relativen Abweichungen aw, bw
der Analoggrößen in einem Bereich von -100 % bis -60 % und die Digitalvektoren xd, xq mit den Koordinaten (111) dem Bereich von +60 % bis +100 % zugeordnet.
Figur 3 zeigt eine durch die Digitalvektoren xd, xq auf¬ gespannte Zustandsebene. Aufgrund der Kenntnis über das Verhalten der Regelstrecke 3 (Figur 1) sind den Raster¬ flächen der Zustandsebene Zustände ZO, ZI, ZI1, ... zu¬ geordnet, wobei mehreren Rasterflächen derselbe Zustand zugeordnet werden kann. Die Zustände ZI1, Z21 ... Z71 sind beispielsweise spiegelsymmetrisch zur Achse A-A' angeordnete Zustände ZI, Z2 ... Z7. Der Zustand Z7 der Rasterfläche RF7 kann z. B. bedeuten "Maximale Stell¬ größe y zum Hochfahren der Drehzahl eines Motors auf Soll- Drehzahl" und der Zustand Z7 ' der Rasterfläche RF7'
"Maximale Stellgröße y zum Reduzieren der Drehzahl eines Motors auf Soll-Drehzahl".
Im folgenden wird - Bezug nehmend auf die Figuren 4 und 5 - die Funktions- und Wirkungsweise der erfindungs¬ gemäßen Regeleinrichtung näher erläutert. In Figur 5 ist der in Figur 3 mit I bezeichnete Quadrant der Zustandsebene dargestellt, in welchem während eines in Figur 4 gezeigten Regelvorganges Zustandsübergänge zu ver- schiedenen Zeitpunkten dargestellt sind. Es wird angenom¬ men, daß während des Regelvorgangs die Regelgröße x gemäß der in Figur 4 dargestellten Kurve verläuft und daß zu einem Zeitpunkt tO der aktuelle Momentanzustand der Zu¬ stand Z3 ist (Figur 5). Zu einem Zeitpunkt tl liegt die relative Abweichung aw der Regelgröße x von der Führungs¬ größe w im Bereich zwischen ca. -60 und ca. -100 %, wo¬ durch die Korrektur- und Stelleinrichtung 2 nach Maßgabe der Regelvorschrift einen dieser Abweichung aw entspre¬ chenden Digitalvektor xd = (000) bildet (Figur 2). Die relative Abweichung bw ermittelt sich aus dem Differenzen¬ quotienten, welcher aus der Regelgröße x zu den Zeit-
punkten tO und tl zu
x (tl) - x (tl - tO) (tl - tO)
berechnet wird, und liegt in einem Bereich zwischen ca. +15 und ca. +30 %. Die Korrektur- und Stelleinrich¬ tung 2 bildet dadurch einen Digitalvektor xq = (101) und wählt mit dem zum Zeitpunkt tl gebildeten Digitalvektor¬ paar xd, xq, ausgehend von dem zum Zeitpunkt tO gültigen Momentanzustand Z3, den Folgezustaπd Z2 (Figur 3) aus. Beim Übergang in diesen Folgezustand Z2 wird eine für diesen Zustand entsprechende Funktion ausgeführt, mit welcher ein neuer Wert für die Stellgröße y berechnet wird, beispielsweise entsprechend der Beziehung:
yZ2 = k2 . yZ3,
wobei k2 eine positiv reelle Konstante bedeutet. Entspre¬ chend wird zu einem Zeitpunkt t2 mit den gebildeten Digitalvektorpaaren xd/xq = (001)/(101) von dem zum Zeit¬ punkt tl gültigen Momeπtanzustand Z2 in den Folgezustand ZI übergegangen und ein neuer Wert der Stellgröße y ent¬ sprechend der Beziehung
yzl = k3 . yZ2, k3 positiv reelle Konstante,
berechnet.
Zu einem Zeitpunkt t3 = t2 + Δt wechselt die Korrektur- und Stelleinrichtung 2 mit den Digitalvektoren xd,/xq, = (001)/(110) vom Zustand ZI in den Folgezustand ZO, und es wird während des Zustandsüberganges die diesem Folge¬ zustand entsprechende Funktion im Hinblick auf die Berechnung der Stellgröße y ausgeführt.
Die erfindungsgemäße Regeleinrichtung erlaubt bei jedem Zustandswechsel die Ausführung einer individuell durch¬ führbaren Funktion zur Berechnung eines neuen Wertes der
Stellgröße y. Dadurch ergibt sich, daß bei jedem Zustands- übergang die Stellgröße y beliebig manipuliert werden kann, was die Realisierung von schnellen Reglern mit be¬ liebigem Verhalten erlaubt. Es sind Regeleinrichtungen zu verwirklichen, welche die Eigenschaft haben, weitestgehend unabhängig von der Regelstrecke zu sein und die eine er¬ heblich kürzere Zeit zum Berechnen der Stellgröße im Ver¬ gleich zu bekannten speicherprogrammierbaren Steuerungen benötigen. Gegenüber konventionellen Regeleinrichtungen ergibt sich der weitere Vorteil, daß die Bindung des
Reglers an ein exaktes PID-Verhalten mit entsprechender Parametereinstellung kp, ki, kd aufgehoben ist. Die Regelvorschrift läßt sich vereinfacht folgendermaßen beschreiben: Wenn sich die Regeleinrichtung zum Zeitpunkt ti in einem Zustand Zi(t) befindet und sie zu einem Zeitpunkt tk = ti + Δt ein neu geordnetes digitales Eingangsvektor¬ paar xdk, xqk abtastet, so geht die Regeleinrichtung in einen dem neuen Eingangsvektorpaar zugeordneten Folge- zustand Zk über und bildet mittels einer beliebig wähl¬ baren, vorab im Speicher der Regeleinrichtung hinterlegten Funktion fk eine neue Stellgröße yk. Das "Wissen" über das nichtlineare Verhalten einer Regelstrecke kann in der Regeleinrichtung berücksichtigt werden.