Bremsanlage mit elektronischer Blockierschutzregelung
Die Erfindung bezieht sich auf eine hydraulische Bremsan¬ lage mit elektronischer Blockierschutzregelung, mit einem pedalbetätigten, mehrkreisigen Bremsdruckgeber, mit elek¬ trisch betätigbarem, in den Druckmittelwegen eingefügten Hydraulikventilen und mit Niederdruckspeichern, die das in den Bremsdruckabbauphasen aus den Radbremsen abgeleitete Druckmittel aufnehmen und nach dem Lösen der Bremse in den Bremsdruckgeber zurückgeben, mit Radsensoren sowie mit elektronischen Schaltungen zur Auswertung der Sensorsigna¬ le und zur Erzeugung von Bremsdrucksteuersignalen.
Eine derartige Bremsanlage ist bereits aus der Offenle- gungsschrift DE 31 09 372 AI bekannt. Zur Verringerung der Herstellungskosten wird bei diesem bekannten Bremssy¬ stem auf eine Hydraulikpumpe zur Rückförderung des in den Bremsdruckabbauphasen aus den Radbremsen abgeleiteten Druckmittels verzichtet. Stattdessen wird das über die Auslaßventile abgeführte Druckmittel in einem Niederdruck¬ speicher aufgenommnen, aus dem es nach dem Lösen der Brem¬ se in die Bremskreise zurückfließt. Es sind zwei Brems¬ kreise mit diagonaler Bremskreisaufteilung vorgesehen. Je¬ der Bremskreis ist mit einer gemeinsamen Einlaß-/Auslaß- ventilanordnung und außerdem mit einem weiteren elektrisch
umschaltbaren Einlaßventil ausgerüstet ist, das in dem zu der Hinterradbremse führenden Druckmittelweg eingefügt ist. Dieses Einlaßventil ist zum einen in Abhängigkeit von der Blockierschutzregelung und zum anderen lastabhängig in seine Sperrstellung umschaltbar.
Die Regelungsgüte ist bei diesem bekannten System sehr be¬ grenzt. Wenn eines der vier Fahrzeugräder zu blockieren beginnt, werden gleichzeitig beide zu den Hinterrädern führenden Ventile auf Sperren umgeschaltet. Dadurch soll sichergestellt werden, daß wenigstens ein Hinterrad stabil bleibt. Sobald ein zweites Rad Blockiertendenz zeigt, wird zusätzlich zu dem weiterhin aufrechterhaltenen Absperren der Hinterräder in einem der beiden Kreise der Bremsdruck abgesenkt und dann konstant gehalten. Gleichbleibende FahrbahnVerhältnisse vorausgesetzt, wird an diesem Schalt¬ zustand bis zum Ende des BremsVorganges nichts mehr geän¬ dert. Aus Sicherheitsgründen wird zur gleichen Zeit je¬ weils nur der hydraulische Druck in einem der beiden dia¬ gonalen Bremskreise reduziert. Es handelt sich um eine recht primitive Regelung, die zeitweise das Blockieren von Rädern, zeitweise die Unterbremsung der Räder in Kauf nimmt.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ei¬ ne blockiergeschützte Bremsanlage zu entwickeln, die eben¬ falls ohne eine hydraulische Energiequelle auskommt und deren Funktion dennoch in den meisten, vor allem in den kritischen Situationen, hinter der Funktion eines "voll¬ wertigen" ABS nicht zurücksteht. Der Erhalt der Fahrstabi¬ lität und die Ausfallsicherheit der Bremsenfunktion soll¬ ten keine Einschränkungen erleiden.
Es hat sich gezeigt, daß sich diese Aufgabe mit der im An¬ spruch 1 beschriebenen Weiterbildung der eingangs genann¬ ten Bremsanlage lösen läßt. Danach besteht die Besonder¬ heit der erfindungsgemäßen Bremsanlage darin, daß die Hy¬ draulikventile derart ausgebildet und in den Druckmittel¬ wegen angeordnet sind, daß der Bremsdruck in den Radbrem¬ sen der einzelnen Räder individuell steuerbar ist, daß Sensoren und/oder Schaltkreise vorhanden sind, mit denen der momentane Inhalt bzw. der Füllgrad der Niederdruck¬ speicher oder das Restvolumen ständig ermittelt werden und daß der Druckmittelabfluß aus den Radbremsen in die Nie¬ derdruckspeicher im Verlaufe eines Regelungsvorgangs, aus¬ gehend von einem anfangs nur von dem Raddrehverhalten ab¬ hängigen Wert, durch Modifikation der Regelung, d. h. des Regelungsalgorithmus, der Regelungsparameter und/oder der Regelfreguenz, reduziert und begrenzt wird.
Die Erfindung geht von der Erkenntnis aus, daß grundsätz¬ lich die Dauer einer ABS-Regelbremsung auf eine kurze Zeitspanne begrenzt ist und daß nur zu Beginn der Bremsung der eigentliche, fahrdynamisch kritische Zustand vorliegt. Mit fortschreitender Dauer der Bremsung und abnehmender Geschwindigkeit des Fahrzeugs wird der Fahrzustand unkri¬ tischer. Beim Bremsen in einer Kurve nimmt der Bedarf an Seitenführungskraft mit der Verringerung der Fahrzeugge¬ schwindigkeit ab. Lenkmanöver müssen vor allem kurz nach dem Einleiten einer ABS-Bremsung möglich sein, um einem Hindernis frühzeitig ausweichen zu können.
Außerdem ändern sich in den meisten Fällen die Umstände kurz nach Beginn einer Regelbremsung derart, daß eine
maximale Verzögerung nicht mehr erforderlich ist; die Bremsung wird bei noch fahrendem Fahrzeug beendet, oder zumindest die Verzögerung so stark zurückgenommen, daß der Kraftschlußbedarf nicht mehr den zur Verfügung stehenden Reibwert zwischen Reifen und Fahrbahn überschreitet. In anderen Situationen kommt das Fahrzeug nach kurzer Zeit zum Stillstand. Hierbei ist die Dauer einer Regelbremsung abhängig von der Ausgangsgeschwindigkeit und dem Reibwert zwischen Reifen und Fahrbahn.
Aus diesen Gegebenheiten folgt, daß mit fortschreitender Dauer einer Bremsung die Anforderungen an die ABS-Rege- lungsfunktion zurückgenommen werden können. Hiervon macht die Erfindung Gebrauch.
Nach einer vorteilhaften Ausführungsart der Erfindung sind zwei hydraulisch getrennte Bremskreise mit diagonaler Bremskreisaufteilung vorhanden, und es ist die Radbremse jedes Rades über eine separate Ventilanordnung, die aus zwei als Ein-/und Auslaßventile dienende 2/2-Wegeventile besteht oder in Form eines 3/3-Wegeventils ausgebildet ist, angeschlossen, wobei die beiden Auslaßventile eines Bremskreises bzw. die Auslaßventilwege jeweils zu einem gemeinsamen Niederdruckspeicher führen. Weiterhin ist es möglich, den Niederdruckspeicher zusätzlich über jeweils ein Rückschlagventil, das sich zum Bremsdruckgeber hin öffnet, an den zugehörigen Bremskreis anzuschließen. Über dieses Rückschlagventil kann sich der Niederdruckspeicher nach dem Lösen der Bremse entleeren.
Bei entsprechender Ausbildung der Einlaß-/und Auslaßventi¬ le kann die Entleerung des Niederdruckspeichers auch über
diese Ventile, die dann nach dem Lösen der Bremse ange¬ steuert werden müssen, erfolgen. Das vorgenannte Rück¬ schlagventil, das sich zum Bremsdruckgeber hin öffnet, ist in diesem Fall entbehrlich.
Eine weitere Ausführungsart der Erfindung besteht darin, daß bei diagonaler Bremskreisaufteilung für jeden Brems¬ kreis ein Niederdruckspeicher vorgesehen ist, der zwei ge¬ trennte Eingänge für den Anschluß des Hinterrades und des Vorderrades aufweist und der derart ausgebildet ist, daß beim Erreichen eines vorgegebenen Speicher-Füllgrades der Druckmittelzufluß aus der Vorderradbremse in den Speicher gesperrt wird. Das "Sicherheitsvolumen" des Speichers steht dann zur Regelung des Bremsdruckes an dem Hinterrad zur Verfügung. Zur Erhaltung der Fahrstabilität ist dies in manchen BremsSituationen von Nutzen.
Der Füllgrad des Niederdruckspeichers bzw. das Restvolumen wird zweckmäßigerweise durch Messen und Auswerten der den Druckmittelzufluß in den Niederdruckspeicher bestimmenden Größen ermittelt. Hierzu werden die Ventilschaltzeiten, der Bremsdruck oder eine den Bremsdruck indirekt wiederge¬ bende Größe unter Berücksichtigung der System-Kennlinien ausgewertet.
Nach einer weiten Ausführungsart der erfindungsgemäßen Bremsanlage weist der Niederdruckspeicher einen bei Volu¬ menaufnahme gegen den Druck einer Feder verschiebbaren Kolben auf, dessen Position und Weg mit Hilfe eines Weg¬ sensors ermittelt wird. Zweckmäßigerweise steht in diesem Fall der Kolben des Niederdruckspeichers mit einem Ventil¬ glied in Verbindung, das den Zufluß von Druckmittel aus
der Vorderradbremse in den Niederdruckspeicher sperrt, so¬ bald der Kolben eine Position erreicht, die einem vorgege¬ benen Füllgrad entspricht.
Ferner können erfindungsgemäß Schaltkreise oder Schalt¬ schritte vorgesehen sein, die den Druckmittelabfluß in den Niederdruckspeicher nach dem Einsetzen einer Blockier- schutzregelung durch eine oder mehrere der folgenden Ma߬ nahmen begrenzen:
Verringerung der Regelungsfrequenz mit fort¬ schreitender Dauer der Blockierschutzregelung, Einstellung eines annähernd konstanten Hinter¬ achsdruckes,
Erhöhen der Radschlupf-Regelschwellen in Abhän¬ gigkeit von dem Straßenzustand an einem oder an mehreren Rädern,
Reduzieren der Regelungsfunktion an den Vorderrä¬ dern mit abnehmender Fahrzeuggeschwindigkeit.
Auf diese Weise läßt sich wirkungsvoll der Druckmittelab¬ fluß aus den Radbremsen im Verlauf eines RegelungsVorgan¬ ges ohne Einschränkung der Funktion der geregelten Brem¬ sung verringern.
Ferner kann es erfindungsgemäß von Vorteil sein, als Hy¬ draulikventile stromgeregelte Mehrwege-Ventile vorzusehen, die in Abhängigkeit von der Ansteuerung eine vorgegebene Druckänderung hervorrufen.
Schließlich besteht ein Ausführungsbeispiel der Erfindung noch darin, die RegelungsStrategie oder Regelungsphilo-
sophie in Abhängigkeit von dem Füllgrad des Niederdruck¬ speichers und/oder der Dauer der Blockierschutzregelung in mehreren Stufen zu modifzieren, und zwar ausgehend von ei¬ ner uneingeschränkten ABS-Funktion hin zu einer Regelungs¬ weise mit geringerem Druckmitteldurchsatz.
Weitere Merkmale, Vorteile und -Anwendungsmöglichkeiten der Erfindung gehen aus der folgenden Beschreibung von Ausfüh¬ rungsbeispielen anhand der beigefügten Abbildung hervor.
Es zeigen
Figur 1 in schematischer Darstellung die wesentlichen hy¬ draulischen Komponenten einer Bremsanlage nach der Erfindung und
Figur 2 im Schnitt und als Funktionsbild eine weitere Ausführungsart eines Niederdruckspeichers der Bremsanlage nach der Erfindung.
Nach Figur 1 besteht die Bremsanlage nach der Erfindung im wesentlichen aus einem pedalbetätigten Bremsdruckgeber 1, der sich hier aus einem Tandem-Hauptzylinder 2 mit einem vorgeschalteten Unterdruckverstärker 3 zusammensetzt und an den über zwei hydraulisch getrennte Bremskreise I, II die Radbremsen 4-7 der Fahrzeugräder in diagonaler Brems- kreisaufteilung angeschlossen sind. An den Bremskreis I sind die Radbremsen des rechten Vorderrades VR und des linken Hinterrades HL, an den Bremskreis II die Radbremsen der beiden anderen Räder VL, HR angeschlossen. In den Druckmittelwegen zu den Radbremsen liegen im vorliegenden Ausführungsbeispiel je ein elektrisch steuerbares
3/3-Mehrwege-Ventil 8 bis 11. Jeder Bremskreis I, II ist mit einem Niederdruckspeicher 12, 13 ausgerüstet, zu dem die Rückflußwege der 3/3-Wegeventile 8-11 nach Umschalten dieser Ventile in die entsprechende Position führen.
Diese Niederdruckspeicher 12, 13 besitzen hydraulisch ge¬ trennte Eingänge E. , E« bzw. E.,, E. zum getrennten Anschluß der Vorderräder und der Hinterräder. Schließlich ist noch eine mit einem Rückschlagventil 14, 15 abgesi¬ cherte Rückflußleitung vorgesehen, die den jeweiligen Nie¬ derdruckspeicher 12 bzw. 13 mit dem Bremskreis I bzw. II verbindet und über die nach dem Lösen der Bremse das Druckmittel aus den Niederdruckspeichern 12 bzw. 13 in die Bremskreise I, II bzw. in den Hauptzylinder 2 zurück¬ fließt.
Die elektrischen Komponenten der Bremsanlage sind nicht gezeigt. Jedes Rad VR, HL, VL, HR ist in gewohnter Weise mit einem (nicht dargestellten) Radsensor ausgerüstet, der dem Raddrehverhalten entsprechende elektrische Signale er¬ zeugt. In einer ebenfalls nicht dargestellten elektroni¬ schen Regelschaltung werden die Sensorsignale ausgewertet, um die für die Regelung erforderlichen Bremsdrucksteuersi¬ gnale zu gewinnen. Mit diesen Bremsdrucksteuersignalen werden die elektromagnetisch betätigbaren 3/3-Wegeventile 8 bis 11 zur Bremsdruck- bzw. Blockierschutzregelung ange¬ steuert.
Die Niederdruckspeicher 12, 13 der Bremsanlage nach Figur 1 besitzen einen gegen die Kraft einer Feder 16, 17 ver¬ schiebbaren Kolben 18, 19, der eine Speicherkammer 20, 21 begrenzt. An dieser Speicherkammer 20, 21 ist die Hinter-
radbremse 5, 7 in der Bremsdruck-Abbauphase über den Ein¬ gang E2, E. des Speichers 12, 13 direkt angeschlossen. Der Anschluß E. , E3 der Vorderradbremse 4, 6 mündet dagegen in den Speicherraum 20, 21 über eine Kammer 22, 23, die von einem Ventilglied 24, 25 verschlossen wird, sobald ein vorgegebener Füllgrad der Speicherkammer 20, 21 bzw. des Niederdruckspeichers 12, 13 erreicht ist. Dieser Füllgrad kann je nach Ausführungsart der Bremsanlage und nach den vorgegebenen Sicherheitsanforderungen einen Wert in einem Bereich zwischen 60 und 90 %, vorzugsweise zwi¬ schen 70 und 85 %, annehmen. Nach Erreichen des vorgegebe¬ nen Füllgrades kann dann in der Druckabbauphase, d. h. nach dem Umschalten der 3/3-Wegeventile in ihre dritte Po¬ sition, nur noch Druckmittel über den Auslaßweg des jewei¬ ligen Ventils 9, 11 abfließen; es ist also nur noch Druck¬ abbau an den Hinterrädern HL, HR möglich. Der Druck in den Radbrer-sen 4, 6 der Vorderräder VR, VL wird dagegen in dieser Phase konstantgehalten.
Der Füllzustand des Niederdruckspeichers 12, 13 kann grundsätzlich auch durch Messen und Auswerten der Ventil¬ ansteuerzeiten unter Berücksichtigung der Ventil- und Speicherkennlinien ermittelt werden. Bei der Bildung eines solchen "Volumenmodells" wird zweckmäßigerweise auch der während der Regelung in den Bremskreisen I, II herrschende Bremsdruck berücksichtigt, der wiederum in bekannter Weise durch Drucksensoren gemessen oder durch Auswerten der beim Einsetzen der Regelung herrschenden Fahrzeugverzögerung oder nach anderen bekannten Kriterien ermittelt werden kann. Schließlich ist es natürlich auch möglich, den Weg und die Position des bei Volumenaufnahme und -abgäbe axial verschiebbaren Kolbens 18, 19 des Speichers 12, 13 mit
Hilfe eines (nicht dargestellten) Wegsensors zu messen, um ein Maß für den Füllgrad des Speichers 12, 13 zu erhalten. Von dem erforderlichen Herstellungsaufwand und den Forde¬ rungen an die Genauigkeit der Füllgradermittlung wird es letzten Endes abhängen, welche der genannten Maßnahmen zur Anwendung kommen.
Figur 2 zeigt das Funktionsbild eines Niederdruckspeichers 26, der anstelle der Speicher 12, 13 für die Bremsanlage nach Figur 1 verwendet werden kann. Der Anschluß für die Radbremse des Vorderrades ist Figur 2 mit E-, für die Radbremse des Hinterrades mit E-. bezeichnet. Der in Ab¬ hängigkeit von dem Füllgrad des Niederdruckspeichers 26 axial verschiebbare Kolben 27 ist becherförmig ausgebil¬ det. Am Becherboden greift eine Rückstellfeder 28 an, die der Feder 16 (17) des beschriebenen Speichers 12 (13) ent¬ spricht. Über eine Öffnung in der Wandung des Kolbens 27 und in der Gehäusewandung 30 des Speichers 26 ist der Speicherraum 29 und der Innenraum des Kolbens 27 mit dem Anschluß Eg für die Vorderradbremse verbunden. Dieser Anschluß ist aber nur so lange offen, bis der durch Volu¬ menaufnahme axial verschobene Kolben 27 eine Position ein¬ genommen hat, in der seine Wandung den Anschluß E-. ver¬ schließt. Nach dem Überschreiten dieses Schwellwertes steht das restliche Speichervolumen nur noch zur Aufnahme von Druckmittel über den Eingang E,, der in der Druckab¬ bauphase mit der Radbremse des Hinterrades in Verbindung steht, zur Verfügung. Der Speicher 26 unterscheidet sich nur in seinem Aufbau, nicht jedoch in seiner Funktion von den Niederdruckspeichern 12, 13 in Figur 1.
Die Bremsanlage nach der Erfindung arbeitet wie folgt:
Vor dem Einsetzen der Blockierschutzregelung nehmen die Ventile 8 bis 11 die in Figur 1 gezeigten Positionen ein, in der ein ungehinderter Bremsdruckaufbau und -abbau über die Einlaßwege der Ventile gegeben ist. Die Niederdruck¬ speicher 12, 13, 26, sind zunächst leer. Beim Einsetzen der Regelung wird das 3/3-Wegeventil, das zu dem instabil gewordenen Rad gehört, angesteuert. In einer mittleren Schaltposition der Ventile 8-11 wird ein weiterer Druckan¬ stieg unterbunden, in der dritten Schaltposition ein Druckabbau über den Auslaßweg des entsprechenden Ventils 8 b^'s 11 zugelassen. In bekannter Weise wird durch Bemessung der Ansteuerzeiten der Druckverlauf in den Radbremsen 4-7 festgelegt. Nach dem Lösen der Bremse 1, d. h. Freigeben des Bremspedals, fließt das von den Niederdruckspeichern 12, 13 aufgenommene Druckmittel durch Einwirkung der Rück¬ stellfedern 16, 17 über die Rückschlagventile 14, 15 in den Hauptzylinder 2 zurück.
Zu Beginn einer Regelbremsung entspricht die Funktion der erfindungsgemäßen Bremsanlage vollständig einem "Voll-ABS", d. h. einem mit einer Rüc förderpumpe ausgerü¬ stetem Antiblockiersystem. Auf hohem Reibwert und in ande¬ ren Regelsituationen mit geringem "Druckabbaubedarf" be¬ steht für den gesamten Bremsvorgang kein Unterschied zu der Funktion eines Voll-ABS. Bei Regelbremsungen mit höhe¬ rem Druckabbaubedarf muß die Regelung dem begrenzten Spei¬ chervolumen der Niederdruckspeicher 12, 13, 26 Rechnung tragen. Im Verlauf der Regelung wird daher der "Volumen¬ durchsatz" durch Modifikation der Regelung drastisch redu¬ ziert. Durch Verzögerung des Druckwiederaufbaus im Verlauf der Regelung und Verlängerung der Druck-Konstanthaltepha-
sen wird die Regelfrequenz reduziert. Dies führt insbeson¬ dere bei homogenen Fahrbahnverhältnissen zu keiner wesent¬ lichen Einschränkung der Regelbremsung oder Verlängerung des Bremsweges.
Die Regelung kann außerdem, ähnlich wie bei einer elektro¬ nischen Bremskraftverteilung, derart ausgelegt, daß der Bremsdruck in den Hinterradbremsen dicht am Optimum des Kraftschlußes für die Dauer des BremsVorganges konstant gehalten wird.
Ferner ist es möglich, mit zunehmender Dauer der Regelung die Schlupfschwellen der Räder in Abhängigkeit von dem mo¬ mentanen Seitenkraftbedarf, z. B bei -Split die Schlupfschwelle für das Rad auf der Niedrigreibwert-Seite, anzuheben; dadurch setzt der Druckabbau erst bei Erreichen eines höheren Schlupfes ein. In dieser Situation wird durch das aufrechterhaltene Regeln am diagonal zugeordne¬ ten Hinterrad die Fahrstabilität gesichert.
Eine weitere Maßnahme zur Verringerung des Volumendurch¬ satzes besteht darin, die Regelungfunktion an der Vorder¬ achse mit abnehmender Fahrgeschwindigkeit zu verringern. Die Lenkfähigkeit im unteren Geschwindigkeitsbereich wird dadurch gegebenenfalls etwas vermindert, die Fahrstabili¬ tät jedoch in vollem Umfang aufrechterhalten.
Es sind weitere, von der jeweiligen Fahrsituation abhängi¬ ge Maßnahmen zur Verringerung des Volumendurchsatzes bzw. des Druckabbaubedarfs möglich, die durch entsprechende Auslegung oder Programmierung des Reglers verwirklicht werden können. Bei allen Maßnahmen hat die Fahrstabilität
Vorrang. Der Einlauf in einen hohen Schlupf oder gar ein kurzzeitiges Blockieren kann erforderlichenfalls ohne we¬ sentliche Einschränkung der Regelungsgüte in bestimmten Situationen in Kauf genommen werden.
Die beschriebene Brerasanlage enthält Niederdruckspeicher mit getrennten Eingängen für den Anschluß der Hinter- rad- und der Vorderradbremsen. Die Besonderheit dieser Ausführungsart besteht darin, daß der Anschluß des Spei¬ chers an den Rücklaufventilweg des Vorderrades in Abhän¬ gigkeit von dem Füllgrad des Niederdruckspeichers abge¬ sperrt wird. Wird dieser vorgegebene Grenzwert der Füllung des Niederdruckspeichers erreicht und überschritten, dann ist in der vorderen Radbremse kein weiterer Druckabbau mehr möglich. An der hinteren Radbremse kann jedoch noch so lange Druck abgebaut werden, bis der Niederdruckspei¬ cher vollständig gefüllt ist. Die Regelung wird in diesem Fall dieser Besonderheit angepaßt und derart verändert, daß die Fahrstabilität gesichert bleibt, ohne daß das im Niederdruckspeicher für den Druckabbau zur Verfügung ste¬ hende freie Restvolumen aufgebraucht wird, bevor das Fahr¬ zeug zum Stillstand kommt. Es ist also eine Sicherheitsre¬ serve vorhanden.
Erfindungsgemäß wird also durch Verwendung der Nieder¬ druckspeicher bei gleichzeitig "sparsamen" Umgang mit dem Druckabbau und durch Modifikation der Regelungsweise bzw. RegelungsStrategie in Abhängigkeit von der Regelungsdauer und von dem Füllgrad der Niederdruckspeicher ein Verzicht auf Hydraulikpumpen ohne wesentliche Einschränkung der Re¬ gelungsweise erreicht. Zu Beginn der Regelung, solange ein ausreichend großes Restvolumen zum Ablassen von Bremsflüs-
sigkeit aus der Radbremsen in die Niederdruckspeicher zur Verfügung steht, gibt es keinerlei Einschränkungen in der ABS-Funktion gegenüber einem ABS mit Energieversorgung ("Voll-ABS"). Sobald die Grenzwerte des Füllgrades über¬ schritten werden, wird die Regelung mit dem Ziel möglichst geringen Druckmittelabflusses über die Ventil-Auslaßwege modifiziert.
Der Füllgrad der Speicher und das Überschreiten bestimmter Grenzwerte kann im Prinzip durch
Volumenmodellbildung in der Systemlogik, - durch weggesteuerte Ventile im Niederdruckspeicher und/oder durch Wegsensoren im Niederdruckspeicher
verwirklicht werden. Zur Volumenmodellbildung wird der Raddruck, die Volumenaufnahme der Radbremsen, die Druckab¬ baugradienten, die Ansteuerzeiten der Ventile und die durch die geometrische Gestaltung vorgegebenen Kennlinien des Systems und der Speicher ausgewertet. Mit den wegge¬ steuerten Ventilen wird in Abhängigkeit vom Fülldruck des Niederdruckspeichers selbsttätig der weitere Druckabbau an den Vorderrädern unterbunden. Eine Verringerung der Sei¬ tenführungskraft oder gar ein Blockieren des Rades bei fortgeschrittener Regelung kann erforderlichenfalls in Kauf genommen werden.