Beschreibung
Verfahren zum digitalen Bestimmen des Effektivwertes eines periodischen elektrischen Meßsignals
Es ist unter anderem aus dem Buch von H. Germer und N. efers "Meßelektronik", Band 2, 2. Auflage, 1990, Seite 15 bekannt, daß sich auf digitale Weise über Abtastwerte eines periodi¬ schen elektrischen Meßsignals der Effektivwert des Meßsignals nach folgender Gleichung (1) bestimmen läßt:
JV-l
'•&P® (1) fc=0
In dieser Gleichung bezeichnet I den Effektivwert des peri- odischen elektrischen Meßsignals, N die Anzahl der Abtastun¬ gen pro Periodendauer des elektrischen Meßsignals und i(k) den jeweiligen Abtastwert.
Aus dem genannten Buch ist es ferner bekannt, daß sich ver- hältnismäßig große Fehler beim Bestimmen des Effektivwertes eines periodischen elektrischen Meßsignals dann ergeben, wenn die Abtastintervalldauer von der Periodendauer des Meßsignals stark abweicht. Um dennoch bei den Unterschieden zwischen Ab¬ tastintervall- und Periodendauer den Effektivwert eines periodischen elektrischen Meßsignals mit relativ hoher Genau¬ igkeit bestimmen zu können, ist es aus der DE 41 22 399 AI bekannt, das Abtastintervall in bezug auf das elektrische Meßsignal um jeweils einen Taktzyklus zu verschieben und aus den jeweils so gewonnenen Abtastwerten jeweils entsprechende Effektivwerte zu ermitteln. Aus den so gewonnenen Effektiv¬ werten wird ein Mittelwert bestimmt, der frequenzunabhängig den Effektivwert des Meßsignals angibt.
Die Erfindung geht von einem Verfahren zum digitalen Bestim- men des Effektivwertes eines periodischen elektrischen Meßsi-
gnals aus, bei dem das Meßsignal während einer von der Peri¬ odendauer des Meßsignals abweichenden Abtastintervall-Dauer abgetastet wird, die Abtastwerte nach Analog-Digital-Wandlung in einem Rechenbaustein quadriert, aufsummiert und gemittelt werden und der sich ergebende Mittelwert radiziert wird, und stellt sich die Aufgabe, schnell - nach einer Periode des Meßsignals - und mit hoher Genauigkeit den Effektivwert des periodischen elektrischen Signals zu bestimmen.
Zur Lösung dieser Aufgabe erfolgt erfindungsgemäß bei einer zwei Perioden des elektrischen Meßsignals entsprechenden Ab¬ tastintervall-Dauer mit M ungeradzahligen Abtastungen bei N in eine Periode des Meßsignals fallenden Abtastwerten eine Quadrierung und Aufsu mierung der Werte bis einschließlich des (N-l)-ten Abtastwertes; zu der so gebildeten Summe wird ein Betrag als Korrekturgröße addiert, der dem Quadrat aus einer Untersumme entspricht, die aus einem Viertel des (N-l)- ten Abtastwertes und aus drei Vierteln des N-ten Abtastwertes gebildet ist, wobei N = (M-D/2 ist, und es erfolgt die Mittelung über N+l Abtastwerten.
Der wesentliche Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens be¬ steht darin, daß trotz eines Unterschiedes zwischen der Ab¬ tastintervall- und der Periodendauer des Meßsignals bereits nach einer Periode des elektrischen Meßsignals der Effektiv¬ wert des periodischen elektrischen Meßsignals mit hoher Ge¬ nauigkeit bestimmbar ist, weil der sich nach einer Periode des elektrischen Meßsignals aus den Abtastwerten ohne weite¬ res errechenbare (fehlerbehaftete) Effektivwert korrigiert wird. Damit lassen sich in vorteilhafter Weise Abtastwerte zur Effektivwertbestimmung heranziehen, die im Hinblick auf andere Meßaufgaben bezüglich des periodischen elektrischen Meßsignals so gebildet sind, daß eine Abtastung mit einem nichtganzzahligen Mehrfachen der Frequenz der Grundschwingung des Meßsignals erfolgt, um Oberschwingungen höherer Art er-
mittein zu können (vgl. die ältere deutsche Patentanmel¬ dung P 44 20 348.9) .
Zur Erläuterung der Erfindung wird davon ausgegangen, daß beispielsweise bei einem periodischen elektrischen Meßsignal, das aus dem Strom oder der Spannung in einem elektrischen Energieversorgungsnetz abgeleitet ist, während zwei Perioden der Netzgrößen M Abtastungen vorgenommen werden, wobei M ganzzahlig und ungerade ist. Kann im Hinblick auf eine not¬ wendige schnelle Ermittlung eines Effektivwertes nur eine Meßdauer von einer Netzperiode zugelassen werden, dann ergibt sich rein mathematisch für N Abtastungen pro Periode
N = M/2 (2)
Macht man ferner bei aus Netzströmen oder Netzspannungen ge¬ wonnenen periodischen elektrischen Meßsignalen den zulässigen Ansatz, daß i(k) durch folgende Beziehung (3) dargestellt werden kann
.... (4πk ι(fc)=cosl—+φ|, (3)
und setzt man die Beziehung (3) in die Gleichung (1) ein, dann ergibt sich nach einer elementaren Rechnung die Glei¬ chung (4)
Für N = M/2 folgt aus der Gleichung (4) für den Effektivwert
(5)
Wählt man beispielsweise M = 33, werden also in zwei Perioden eines aus einem Netzstrom oder einer Netzspannung abgeleite¬ ten periodischen elektrischen Meßsignals 33 Abtastungen vor¬ genommen, dann würde sich der in Gleichung (5) angegebene Effektivwert nur dann ermitteln lassen, wenn 16,5 Abtastungen pro Periode des elektrischen Meßsignals ausgewertet werden. Eine solche Zahl von Abtastungen läßt sich aber technisch nicht durchführen; beispielsweise können nur N = 16 Abtastun¬ gen in einer Periode berücksichtigt werden. Dann ergibt sich aber - wie eine Fehlerabschätzung zeigt - ein maximaler Feh¬ ler von 1,6 %, wie der Kurve Kl der Figur 1 entnehmbar ist. Ein solcher Fehler ist bei vielen Meßaufgaben nicht hinnehmbar.
Deshalb wird gemäß der Erfindung von folgender Gleichung (6) ausgegangen
in der mit KE eine Korrekturgröße bezeichnet ist, die sich durch folgende Beziehung
darstellen läßt. In dieser Gleichung (7) bezeichnet M/4 den sich mathematisch exakt bei - in dem angenommenen Beispiel - 16,5 Abtastungen in einer Periode ergebenden Effektivwert. Davon ist der Klammerausdruck abzuziehen, wenn N = 16, also 17 Abtastungen berücksichtigt werden.
Setzt man in die Gleichung (7) die Werte für M = 33 und N = 16 ein, dann ergibt sich für die Korrekturgröße KE eine Beziehung, wie sie in der nachfolgenden Gleichung (8) aufgeführt ist:
Da der Quotient der beiden Sinuswerte in der Beziehung (8) etwa - 0,5 beträgt, kann die Korrekturgröße KE auch durch folgende Beziehung (9) ausgedrückt werden
∞-±+±coβ(* l5-^ (9)
Diese Gleichung (9) ist aber nicht ohne weiteres bei der Be¬ stimmung des Effektivwertes verwendbar, weil ein Abtastwert bei k = 7,5 nicht vorliegt. Daher erfolgt eine Interpolation. Dabei wird, um auch bei geradzahligen OberSchwingungen den Effektivwert möglichst genau bestimmen zu können, folgende Periodizität ausgenutzt:
(10) Da bei k = 15,75 ein Abtastwert nicht vorliegt, wird folgende Interpolation vorgenommen:
i(15,75) = 0,25:1(15) + 0,751(16) (11)
Unter Berücksichtigung der Beziehung (6) kann dann für den korrigierten Effektivwert Ikor folgende Beziehung aufgestellt werden
Figur 1 zeigt in Form der Kurve K2 den Verlauf des Fehlers bei der vorgenommenen Korrektur.
Verallgemeinert ergibt sich die Korrekturgleichung
Eine Anordnung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfah¬ rens enthält eingangsseitig eine Abtasteinrichtung 1, die an ihrem Eingang 2 mit einem periodischen elektrischen Meßsignal U beaufschlagt ist, dessen Effektivwert bestimmt werden soll. Der Abtasteinrichtung 1 ist ein Analog-Digital-Wandler 2 nachgeordnet, dem wiederum ein Rechenbaustein 3 nachgeordnet ist. In diesem Rechenbaustein 3 werden die von der Abtastein¬ richtung 1 gelieferten Abtastwerte nach Digitalisierung qua¬ driert, aufsummiert und gemittelt, wie es die obigen Bezie¬ hungen erkennen lassen. Es wird auch das Korrekturglied KE gebildet und somit am Ausgang 4 eine Meßgröße M erzeugt, die den Effektivwert des elektrischen Meßsignals U am Eingang der Abtasteinrichtung 1 wiedergibt.