Katalysator und Verfahren für die katalytische oxidative Dehydrierung von Alkylaromaten und Paraffinen
Beschreibung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und einen Katalysator für die katalytische oxidative Dehydrierung von Alkylaromaten und Paraffinkohlenwasserstoffen zu den entsprechenden Alkenylaromaten und Olefinen, vorzugsweise von Ethylbenzol zu Styrol, wobei Wasser gebildet wird und wobei die Dehydrierung in Abwesenheit von freiem (d.h. dem Eduktstrom kontinuierlich zugesetztem) Oxidationsmittel wie molekularem Sauerstoff oder sauerstoff- haltigen Gasen stattfindet und der aus wenigstens einem reduzier- baren Metalloxid bestehende Redoxkatalysator als alleinige Sauer¬ stoffquelle die Funktion eines SauerstoffSpeichers- oder -Über¬ trägers übernimmt.
Olefine und Alkenylbenzole, insbesondere Styrol und Divinyl- benzol, stellen wichtige Monomere für technische Kunststoffe dar und werden in großen Mengen produziert. Styrol wird überwiegend durch nicht-oxidative Dehydrierung von Ethylbenzol an einem modifizierten Eisenoxid-Katalysator hergestellt, wobei pro mol Styrol ein mol Wasserstoff entsteh . Nachteiligerweise handelt es sich um eine Gleichgewichtsreaktion, die bei hohen Temperaturen von typischerweise 600 bis 700°C durchgeführt wird und mit einem Umsatz von ca. 60 % bei einer Styrol-Selektivität von etwa 90 % verläuft .
Durch oxidative Dehydrierung, bei der der Eduktstrom mit einem Oxidationsmittel wie molekularem Sauerstoff oder einem sauer- stoffhaltigen Gas beaufschlagt wird, läßt sich das Gleichgewicht überwinden und ein fast quantitativer Umsatz erzielen, da als Coprodukt nunmehr Wasser gebildet wird. Auch sind für diese 'Umsetzung geringere Reaktionstemperaturen erforderlich. Nach¬ teilig an diesem Verfahren ist jedoch die mit der Gegenwart von Sauerstoff einhergehende Selektivitätseinbuße für das Wert¬ produkt, da die hohe Sauerstoffkonzentration in der Reaktionszone als Nebenreaktion die Totaloxidation begünstigt.
Es ist deshalb vorgeschlagen worden, anstelle von freiem Oxidati¬ onsmittel (Sauerstoff) einen aus einem reduzierbaren Metalloxid bestehenden Katalysator als Sauerstoffträger einzusetzen. Dabei wird der Katalysator (gleichzeitig SauerstoffÜberträger) all- mählich verbraucht und muß in einem zweiten Schritt regeneriert werden, wodurch die Anfangsaktivität wiederhergestellt wird. In der Regenerierphase können z.B. auch Koksablagerungen abgebrannt
werden. Die Regenerierung ist stark exotherm, so daß die frei¬ werdende Abwärme z.B. für die Erzeugung von Dampf genutzt werden kan .
5 Durch die Entkopplung von Reduktions- und Oxidationsschritt kann die Selektivität deutlich gesteigert werden.
Für die technische Realisierung dieses Vorschlags gibt es zwei Varianten, nämlich die räumliche und die zeitliche Trennung der 10 beiden Teilschritte.
Bei ersterem wird ein Wanderbett oder eine zirkulierende Wirbel¬ schicht verwendet, so daß die Katalysatorteilchen aus der Dehydrierzone, nach Abtrennung der gebildeten Reaktionsprodukte,
15 zu einem separaten Regenerierungsreaktor gefördert werden, in dem die Reoxidation durchgeführt wird. Der regenerierte Katalysator wird in die Dehydrierzone zurückgeführt. Der Katalysator ist hohen mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt und muß daher über eine ausreichende Härte verfügen.
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Bei der Ausführung mit einem Festbett wird periodisch zwischen der EduktZuführung und bei Bedarf nach einer Spülphase dem Regeneriergas umgeschaltet.
25 Dieses Prinzip der Trennung der zweier Teilschritte der Redox- reaktion unter Einsatz eines reduzierbaren und regenerierbaren Katalysators wurde zuerst für die Oxidation bzw. Ammonoxidation von Propen zu Acrolein und Acrylsäure bzw. Acrylnitril be¬ schrieben (GB 885422; GB 999629; K. Aykan, J. Catal. 12 (1968)
30 281-190) , wobei Arsenat- und Molybdatkatalysatoren verwendet wurden. Der Einsatz des Verfahrens bei der oxidativen Dehy¬ drierung von aliphatischen Alkanen zu Mono- und Diolefinen mit Ferritkatalysatoren (z.B. US 3 440 299, DE 21 18 344, DE 17 93 499) ist ebenfalls bekannt, ebenso wie der Einsatz für die
35 oxidative Kupplung von Methan zu höheren Kohlenwasserstoffen, wobei unterschiedliche Katalysatorklassen zum Einsatz kommen (Z.B. US 4 795 849, DE 3 586 769 mit Mn/Mg/Si-Oxiden; US 4 568 789 mit Ru-Oxid; EP 254 423 mit Mn/B-Oxiden auf MgO; GB 2 156 842 mit Mn304-Spinellen) . Auch die Dehydrodimerisierung
40 von Toluol zu Stilben in Abwesenheit von freiem Sauerstoff mit¬ tels reduzierbarer Katalysatoren wie Bi/In/Ag-Oxiden (EP 30 837) ist bekannt. Schließlich wird das Prinzip noch für die Dehydrie¬ rung, Dehydrocyclisierung und Dehydroaromatisierung von Paraffin¬ kohlenwasserstoffen zur Benzinveredelung angewandt (US 4 396 537
45 mit Co/P-Oxid-Katalysatoren) .
Aus den EP 397 637 und 403 462 ist bekannt, das Verfahrensprinzip für die oxidative Dehydrierung von Paraffinkohlenwasserstoffen und Alkylaromaten einzusetzen. Danach werden reduzierbare Metall¬ oxide verwendet, ausgewählt aus der Gruppe V, Cr, Mn, Fe, Co, Pb, Bi, Mo, U und Sn, aufgebracht auf Trägern aus Tonen, Zeolithen und Oxiden von Ti, Zr, Zn, Th, Mg, Ca, Ba, Si, AI. Besonders bevorzugt ist V/MgO.
Obwohl mit diesen Katalysatoren eine hohe Ausbeute erzielt werden kann, kommt es in der Anfangsphase der Dehydrierung, wenn der Kohlenwasserstoff mit dem frisch regenerierten und daher beson¬ ders aktiven Katalysator in Kontakt tritt, zu einer sehr starken Vergasung (Totalverbrennung) . Abgesehen vom Verlust an Rohstoffen wird dabei auch erheblich mehr Sauerstoff verbraucht als für die bloße Dehydrierung, so daß ein großer Teil des Sauerstoffüber¬ trägers vorzeitig erschöpft ist und sich die Zykluszeiten unnötig verkürzen.
Die Erfindung löst die Aufgabe, einen Sauerstoffübertragenden Katalysator zu finden, der höhere Umsätze als die nicht-oxidative Dehydrierung ermöglicht und zugleich das nachteilige Verhalten der Katalysatoren der oxidativen Dehydrierung in der Anfangsphase weitgehend vermeidet, so daß die Selektivität erhöht wird und zusätzliche verfahrenstechnische Schritte, z.B. eine partielle Vorreduktion des SauerstoffÜberträgers erspart werden können. Ein weiteres Anliegen der Erfindung ist es, einen besonders harten Katalysator herzustellen, der der mechanischen Beanspruchung in technischen Reaktoren standhält, ohne zu zerfallen.
Es wurde nun gefunden, daß reduzierbare Metalloxide wie Oxide des Bi, V, Ce, Fe, In, Ag, Cu, Co, Mn, Pb, Sn, Mo, W, As, Sb, bevor¬ zugt Bi-, Ce- und V-Oxid, und besonders bevorzugt Bi203 oder Ce02 auf einem Titandioxidträger als besonders günstige sauerstoff¬ übertragende Katalysatoren für die in Abwesenheit von freiem Oxidationsmittel durchgeführte oxidative Dehydrierung verwendet werden können. Ferner wurde gefunden, daß ein Zusatz von Alkali und/oder Erdalkali, bevorzugt Li, Na oder Cs, insbesondere K, die Anfangsvergasung besonders wirksam unterdrückt und hohe Selek- tivitäts- und damit Ausbeutegewinne an dehydriertem Produkt er- möglicht. Ebenfalls wirksam sind Zusätze von Erdalkali- und Sel¬ tenerdmetallen, wobei Lanthan besonders günstig ist.
Mit den erfindungsgemäßen Katalysatoren kann ein Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 17 verwirklicht werden.
Ein bevorzugter Katalysator enthält 3 - 30 Gew.-% K20, vorzugs¬ weise 5 - 20 Gew.-% K20, 5 - 50 Gew.-% Bi2θ3, vorzugsweise 10 - 30 Gew.-% Bi203 und Ti02 in der zur Vervollständigung der Bi¬ lanz erforderlichen Menge.
Ein ebenfalls bevorzugter Katalysator enthält 3 - 30 Gew.-% Cs20, vorzugsweise 5 - 20 Gew.-% Cs20, 5 - 50 Gew.-% Bi2θ3, vorzugsweise 10 - 30 Gew.-% Bi2θ3 und Ti02 in der zur Vervollständigung der Bi¬ lanz erforderlichen Menge.
Ein ebenfalls günstiger Katalysator enthält 3 - 40 Gew.-% La203, vorzugsweise 5 - 30 Gew.-% La 03, 5 - 50 Gew.-% Bi2θ3, vorzugs¬ weise 10 - 30 Gew.-% Bi2θ3 und Ti02 in der zur Vervollständigung der Bilanz erforderlichen Menge.
Ein weiterer günstiger Katalysator enthält 0 - 30 Gew.-% Cs20, vorzugsweise 5 - 20 Gew.-% Cs20, 0 - 30 Gew.-% K20, vorzugsweise 5 - 20 Gew.-% K20, 0 - 40 Gew.-% La2θ3, vorzugsweise 5 - 30 Gew.-% La2Ü3, 5 - 50 Gew.-% Bi2θ3, vorzugsweise 10 - 30 Gew.-% Bi2θ3 und Ti02 in der zur Vervollständigung der Bilanz erforderlichen Menge. Auch die gemeinsame Verwendung z.B. von Cs/La erzielt eine vor¬ teilhafte Wirkung.
Die vorstehenden Mengenverhältnisse beziehen sich auf den fertigen Katalysator in der jeweils beständigsten bzw. der ange¬ gebenen Oxidationsstufe. Über die tatsächlichen Bindungsverhält¬ nisse soll damit keine Aussage gemacht und die Erfindung insoweit nicht beschränkt werden; z.B. können sich beim Kalzinieren auch Phasen ausbilden, die höheren Oxidationsstufen des Chroms ent- sprechen wie Chromate oder Bichromate des Kaliums oder Bismuths.
Der Katalysator kann auf übliche Weise wie Trockenmischen, Auf¬ schlämmen, Imprägnieren, Fällung, Sprühtrocknung etc. hergestellt werden. Die Inhaltsstoffe können z.B. in Form ihrer Oxide, Hydro- xide, Carbonate, Acetate, Nitrate oder generell wasserlöslicher Salze mit organischen oder anorganischen Anionen verwendet wer¬ den, die beim Erhitzen (Calcinieren) in die entsprechenden Oxide übergehen. Auch Übergangsmetallkomplexe können z.B. verwendet werden. Die Calcinierung erfolgt typischerweise bei Temperaturen oberhalb von 200 (bis 1000)°C, vorzugsweise von 200 bis 800°C und insbesondere von 400 bis 700°C.
Die Dehydrierungsreaktion erfordert eine Temperatur von 200 bis 800°C, bevorzugt 350 bis 550°C und atmosphärischen oder gering- fügig erniedrigten oder erhöhten Druck z.B. von 100 mbar bis 10 bar, bevorzugt 500 mbar bis 2 bar, bei einer LHSV von 0,01 bis 20 Stunden-1, bevorzugt 0,1 bis 5 Stunden-1. Neben dem zu
dehydrierenden Kohlenwasserstoff können Verdünnungsmittel wie beispielsweise C02, N2, Edelgase oder Dampf zugegen sein. Die Regenerierung des reduzierten Katalysators erfordert Temperaturen zwischen 300 und 900°C, bevorzugt 400 und 800°C, wobei als 5 Oxidationsmittel, z.B. N20 oder ein sauerstoffhaltiges Gas verwendet wird. Auch hier können Verdünnungsmittel im Reaktor¬ zustrom enthalten sein. Geeignete Regeneriergase sind z.B. Luft, Magerluft oder N20-Gemische. Die Regenerierung kann bei verminder¬ tem oder atmosphärischen oder erhöhtem Druck betrieben werden. 10 Bevorzugt sind Drucke im Bereich 500 mbar bis 10 bar.
Bei Verwendung von Lanthan sollte nicht vom Oxid La203 ausgegangen werden. Statt dessen sollten Verbindungen mit organischen Resten, vorzugsweise La-Acetat, eingesetzt werden, die bei der Calci- 15 nierung zu feinverteiltem und oberflächenreichem La 03 führen.
Beispiel 1
60 g Ti02 werden mit 33,22 g basischem Bismuthcarbonat Bi COs (enthält 81 Gew.-% Bi) und 14,67 g K CÜ3 trocken gemischt und wei- 20 ter verfahren wie nachstehend (Vergleichsversuch 2) beschrieben. Der Katalysator enthält 10 Gew.-% K20, 30 Gew.-% Bi203 und 60 Gew.-% Ti02.
Beispiel 2
25 65 g Ti02 werden mit 27,69 g basischem Bismuthcarbonat Bi2COs
(enthält 81 Gew.-% Bi) und 14,67 g K2C03 trocken gemischt und wei¬ ter wie vorstehend verfahren
Der Katalysator enthält 10 Gew.-% K20, 25 Gew.-% Bi203 und 65 Gew.-% Ti02.
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Beispiel 3
60 g Ti02 werden mit 27,69 g basischem Bismuthcarbonat Bi2COs (enthält 81 Gew.-% Bi) und 22,0 g K2CÜ3 trocken gemischt und wei¬ ter wie vorstehend verfahren
35 Der Katalysator enthält 15 Gew.-% K 0, 25 Gew.-% Bi203 und 60 Gew.-% Ti02.
Beispiel 4
55 g Ti02 werden mit 27,69 g basischem Bismuthcarbonat Bi2C05 40 (enthält 81 Gew.-% Bi) und 29,34 g K2C03 trocken gemischt und wei¬ ter wie vorstehend verfahren
Der Katalysator enthält 20 Gew.-% K20, 25 Gew.-% Bi203 und 55 Gew.-% Ti02.
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Beispiel 5
60 g Ti02 werden mit 33,2 g basischem Bismuthcarbonat Bi2Cθ5 (ent¬ hält 81 Gew.-% Bi) und 11,65 g CsC03 trocken gemischt und weiter wie vorstehend verfahren Der Katalysator enthält 10 Gew.-% Cs20, 30 Gew.-% Bi203 und 60 Gew.-% Ti02.
Beispiel 6
60 g Ti02 werden mit 27,69 g basischem Bismuthcarbonat Bi2COs (enthält 81 Gew.-% Bi) und 17,34 CS2CO3 trocken gemischt und wei¬ ter wie vorstehend verfahren
Der Katalysator enthält 15 Gew.-% Cs20, 25 Gew.-% Bi203 und 60 Gew.-% Ti02.
Beispiel 7
55 g Ti02 werden mit 27,69 g basischem Bismuthcarbonat Bi COs
(enthält 81 Gew.-% Bi) und 14,67 K2C03 und 11,56 g Cs2C03 trocken gemischt und weiter wie vorstehend verfahren
Der Katalysator enthält 10 Gew.-% Cs20, 10 Gew.-% K20, 25 Gew.-% Bi2θ3 und 55 Gew.-% Ti02.
Beispiel 8
75 g Ti02 werden mit 83,05 g basischem Bismuthcarbonat Bi2C05 (enthält 81 Gew.-% Bi) , 36,68 g K2C03 und 161,53 g Lanthanacetat CδHgLaOg-aq (enthält 39,56 Gew.-% La) trocken gemischt und weiter wie vorstehend verfahren
Der Katalysator enthält 10 Gew.-% K20, 30 Gew.-% La203, 30 Gew.-% Bi203 und 30 Gew.-% Ti02.
Vergleichsversuch 1 (nach EP 397637)
100 g Si02-Pulver Dll-10 von BASF werden bei 500°C für 3 h calciniert. 85 g des calcinierten Si02 werden mit einer Lösung von 102,5 g Fe(N03)3 • 9 H20 in entionisiertem Wasser versetzt, bis ' ein Endgewicht von 216 g erreicht ist. Man läßt für 18 h bei RT stehen, filtriert und trocknet bei 110°C für 18 h. Anschließend wird mit einer Rate von 30°C/h bis auf 600°C aufgeheizt und für 10 h bei 600°C calciniert. Der Katalysator liegt in Pulverform vor und enthält 20 Gew.-% Fe203 und 80 Gew.-% Si02.
Vergleichsversuch 2 (nach EP 397637)
In 8 1 Wasser werden 336,3 g Ammonium-meta-vanadat und 900 g Magnesiumoxid eingerührt und danach 1 h kräftig gerührt. Anschließend wird am Sprühtrockner versprüht . Das erhaltene
Sprühpulver wird für 2 h im Kneter behandelt, wobei wenig Wasser und Verstrangungshilfsmittel zur Knetmasse untergeknetet werden.
Anschließend wird die Knetmasse mittels einer Strangpresse zu 3 mm Vollsträngen verformt. Die Stränge werden für 16 h bei 120°C getrocknet und danach für 4 h bei 600°C calciniert. Man erhält einheitlich gelb-gefärbte Stränge mit geringer Härte. Für die Reaktorversuche wird eine 0,05 bis 0,1 mm Splittfraktion ausge¬ siebt. Der Katalysator enthält 22,5 Gew.-% V205 und 77,5 Gew.-% MgO.
Vergleichsversuch 3
100 g MgO-Pulver und 58,1 g NH4Vθ3~Pulver werden für 1 h trocken gemischt. Anschließend wird die Mischung im Kneter für 2,5 h geknetet. Danach wird die Knetmasse mittels einer Strangpresse zu 3 mm Vollsträngen verformt. Die Stränge werden für 2 h bei 120°C getrocknet. Anschließend wird bei 500°C für 2 h calciniert. Für die Reaktorversuche wird eine 0,05 bis 0,1 mm Splittfraktion ausgesiebt. XRD zeigt nur die Linien von V2Os und MgO. Der Kata¬ lysator enthält 31 Gew.-% V205 und 69 Gew.-% MgO.
Vergleichsversuch 4
100 g Ti0 -Pulver (DT-51 von BASF AG) werden vorgelegt und weiter nach Vergleichsversuch 2 verfahren. Der Katalysator besteht aus reinem Ti02.
Vergleichsversuch 5
276,85 g basisches Bismuthcarbonat werden vorgelegt und weiter nach Vergleichsversuch verfahren. Der Katalysator besteht aus reinem Bi2θ3.
Vergleichsversuch 6
200 g Ti0 werden mit 129,2 g basischem Bismuthcarbonat Bi Cθ5 (enthält 81 Gew.-% Bi) trocken gemischt und weiter nach Vergleichsversuch 2 verfahren. Der Katalysator enthält 63 Gew-% Ti02 und 37 Gew.-% Bi203.
Vergleichsversuch 7
200 g Ti02 werden mit 58,6 g NH3VO3 trocken gemischt und weiter nach Vergleichsbeispiel 2 verfahren.
Der Katalysator enthält 19 Gew.-% V205 und 81 Gew.-% Ti02.
Die Schnitthärte der Katalysatoren wird am 3 mm Vollstrang ermittelt, indem die zum Durchschneiden des Stranges mit einem scharfen Messer (Klingenbreite 0,6 mm) erforderliche Kraft in N gemessen wird.
Die katalytisch-oxidative Dehydrierung von Ethylbenzol zu Styrol wird in einem Pulsreaktor bei einer Temperatur von 500°C durchge¬ führt. Dabei wird ein Mikrofestbett (Einwaage Katalysator: 0,3 g) pulsierend mit reinem Ethylbenzol beaufschlagt und die entstan- denen Reaktionsprodukte für jeden Puls quantitativ gaschromato- graphisch erfaßt. Zwischen zwei aufeinanderfolgenden Ethylbenzol- Pulsen (ca. 1,5 min) strömt Helium durch den Reaktor. Ein einzel¬ ner Puls enthält 380 μg Ethylbenzol. Die Strömungsgeschwindigkeit des Trägergases beträgt 21,5 ml/min. Auf diese Weise läßt sich das Zeitverhalten des Katalysators ohne Totzeiten von Anfang an mit hoher Zeitauflösung verfolgen.
Zu Beginn der Reaktion ist der Katalysator hochaktiv, so daß hohe, nahezu quantitative Umsätze von Ethylbenzol beobachtet werden. Im weiteren Verlauf der Reaktion verbessert sich die Selektivität zu Styrol stetig bis auf einen Endwert . Mit fort¬ schreitender Versuchsdauer wird jedoch der Katalysator in dem Maße, wie sein SauerStoffgehalt aufgezehrt wird, mehr und mehr deaktiviert, so daß der Umsatz sinkt. Je nach Katalysator wird nach 90 bis 200 Pulsen regeneriert. Die Styrolausbeute als
Produkt aus Selektivität und Umsatz durchläuft i.a. ein flaches Maximum. Die in der Tabelle aufgelistete Ausbeute bezieht sich auf diesen Maximalwert.
Nach Beendigung der Dehydrierreaktion wird auf einen Luftstrom von 25 ml/min umgeschaltet und der Katalysator für ca. 1 h bei 500°C regeneriert. Danach schließt sich der nächste Zyklus an. Es werden jeweils mehrere Zyklen untersucht.
Die Ergebnisse der Beispiele/Versuche sind in der nachstehenden Tabelle wiedergegeben. Die Tabelle enthält eine Zusammenfassung der hergestellten Katalysatoren, der relativen Massenverhältnisse der Komponenten, der Schnitthärte und der Ergebnisse der Tests (Mittelwerte aus mehreren Versuchen) zur Dehydrierung von Ethyl- ' enzol in einem Festbettreaktor.
Aus der Tabelle können folgende Schlußfolgerungen abgeleitet wer¬ den:
Die Systeme entsprechend dem Stand der Technik sind sehr aktiv und erlauben eine hohe maximale Styrolausbeute. Der entscheidende Nachteil besteht in der starken Anfangsvergasung, was zu enormen Verlusten an Ethylbenzol führt und zu Lasten des Sauerstoffreser¬ voirs des Katalysators geht. Insbesondere werden die ersten Ethylbenzol-Pulse vollständig verbrannt (100 % Vergasung zu wert-
losem Kohlendioxid) , so daß die rechnerische Anfangsselektivität für Styrol über die ersten Pulse hinweg bei Null liegt.
Demgegenüber zeichnen sich die erfindungsgemäßen Systeme bei ebenfalls sehr hoher Aktivität durch deutlich geringere Vergasung aus. So beträgt die Anfangsvergasung (1. Puls) nur 30 Gew.-%, verglichen mit 100 Gew.-% nach dem Stand der Technik.
Die Styrolausbeute liegt deutlich oberhalb derer, die mittels nichtoxidativer Dehydrierung erzielt werden können, und zwar bei abgesenkter Reaktionstemperatur.
Wie Vergleichsversuch 1 und 2 zeigt, ist bei den bekannten Katalysatoren die Präparationsmethode von Bedeutung. Es wird er- sichtlich, daß der bekannte sprühgetrocknete Katalysator deutlich besser ist als der trocken gemischte.
Der Verfahrensschritt der Sprühtrocknung bei der Katalysator¬ herstellung bedeutet nun aber einen zeit- und energieintensiven Verfahrensschritt, der höhere Herstellungskosten zur Folge hat. Bei der Sprühtrocknung von MgO muß eine größere Wassermenge je Gramm Feststoff zugesetzt werden als bei Ti02, was zur Folge hat, daß dieser Verfahrensschritt mit Ti02 schneller vonstatten geht als mit MgO.
Die Styrolselektivität des erfindungsgemäßen Katalysators im Maximum ist vergleichbar mit dem Stand der Technik, wobei die Katalysatorpräparation durch Trockenmischen einen deutlich gerin¬ geren zeitlichen und apparativen Aufwand erfordert .
Der erfindungsgemäße Katalysator erzeugt zwar in der Anfangsphase (statt Gas, wie beim Stand der Technik) leicht erhöhte Mengen der Nebenprodukte Benzol und Toluol, die dann aber mit fortschreiten¬ der Reaktionszeit rasch abnehmen. Die Bildung von Benzol und Toluol ist unproblematisch im Vergleich zur C02-Bildung, da Toluol ein verkaufsfähiges Produkt ist und Benzol in die Ethylbenzolher- stellung zurückgeführt werden kann und beide damit nicht verloren sind. Der erfindungsgemäße Katalysator ist also auch in dieser Hinsicht dem Stand der Technik überlegen, unabhängig davon, daß die mittlere Styrolausbeute bzw. die Gesamtstyrolausbeute günsti¬ ger ist als bei den bekannten Katalysatoren.
Der entscheidende Vorteil des erfindungsgemäßen Systems ist die deutlich reduzierte Anfangsvergasung, die gegenüber dem Stand der Technik enorme Gewinne in der Anfangsstyrolselektivität ermög¬ licht.
Der erfindungsgemäße Katalysator ist im übrigen besonders abrieb¬ fest. Dies hat Vorteile bei der mechanischen Handhabung der Katalysatoren (Transport, Ein- und Ausbau im Reaktor) und der me¬ chanischen Belastung der Katalysatoren in der Festbettschüttung, wobei auch berücksichtigt werden muß, daß bei der Reoxidation er¬ hebliche Wärmemengen frei werden, die den Katalysator mechanisch stark beanspruchen. Bei gleicher Präparationstechnik weist der erfindungsgemäße Katalysator (Beispiel 1 bis 7) deutlich bessere Werte für die mechanische Festigkeit gegenüber den Vergleichs- versuchen 1 und 2 auf.
Beispiel AnfangsSelektivität AnfangsVergasung VWZ lGew.-%] [Gew.-%] [sec]
1./10./20 Puls
1 2/39/38 96/30/38 0.2
2 0/42/67 100/23/5 0.2
3 69/89/92 23/5/3 0.2 51/84/88 31/7/6 0.4
4 49/82/86 35/10/7 0.4
5 53/87/93 31/4/3 0.4
6 53/90/92 32/3/2 0.4
7 71/89/90 23/7/5 0.2 48/75/79 36/15/12 0.4
8 43/78/83 45/13/10 0.4
9 55/89/92 30/3/2 0.4
10 57/88/90 30/4/3 0.2 51/82/85 31/5/4 0.4
Vergleich 1 0/52/76 100/30/15 0.2
Vergleich 2 0/39/61 100/45/22 0.2
Vergleich 3 3/68/75 96/4/3 0.4
Vergleich 4 100/6/5 0.2