Verfahren zum Messen von Torsionsspannungen und/oder Axialspannungen an einer sich drehenden Welle oder einem vergleichbaren Werkstückkörper
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Messen von Torsionsspannungen und/oder Axial¬ spannungen an einer sich drehenden Welle oder einem vergleichbaren Werkstückkörper, wobei anschließend daraus die entsprechenden Drehmomente und/oder Biegemomente be¬ stimmt werden.
Zum Überwachen von sich drehenden Wellen (oder einem vergleichbaren sich drehenden Werkstück) kann es erforderlich sein, Torsionsspannungen und/oder Axialspannungen zu messen, um daraus die entsprechenden Drehmomente und/oder Biegemomente zu bestim¬ men, um so in Erfahrung zu bringen, welchen Belastungen die Welle ausgesetzt ist. Um die¬ se genannten Größen messen zu können, ist es bislang notwendig, Anbauten an die Welle vorzunehmen oder es müssen spezielle Meßwellen zwischengeflanscht werden. Dies ist nur mit einem großen technischen Aufwand möglich. Darüber hinaus sind diese Meßeinrichtun¬ gen sehr anfällig. Da darüber hinaus bei den bekannten Meßtechniken mit elektrischen Strö¬ men gearbeitet wird, ist ein Explosionsschutz nicht immer gewährleistet.
In der EP 0 578 422 A2 ist ein Verfahren zum Messen eines Drehmoments beispielsweise an einer Welle offenbart. Das Meßverfahren sieht vor, ein optisches Sensorelement auf dem zu untersuchenden Werkstückkörper anzuordnen. Eine Strahlungsquelle beaufschlagt das Sensorelement mit Licht, während ein zugeordneter Detektor das vom Sensorelement re¬ flektierte Licht empfängt. Sobald auf den Werkstückkörper ein Drehmoment ausgeübt wird, erfährt das Sensorelement eine entsprechende Deformation mit der Folge, daß sich die Po¬ larisation der Strahlung innerhalb des Sensorelements ändert. Zur Ermittlung des Drehmo¬ ments werden die Intensität oder die Änderungen in der Spektralverteilung der Strahlung durch den Detektor gemessen.
In der GB 2 125 958 A ist ein weiteres Verfahren zum Messen des Drehmoments an einer Weile offenbart. Zu diesem Zweck sind auf der Welle zwei Reflektoren mit Axialabstand zu¬ einander angeordnet und werden mit Licht bestrahlt. Die von den Reflektoren reflektierten Lichtimpulse werden von entsprechenden Lichtdetektoren empfangen, wobei die Zeitinter¬ valle zwischen den jeweiligen Lichtimpulsen mit dem auf die Welle wirkenden Drehmoment variieren. Somit kann aus diesen gemessenen Zeitintervallen das herrschende Drehmoment mittels eines entsprechenden Mikroprozessors berechnet und angezeigt werden.
In der DE 30 11 700 A1 ist eine Vorrichtung zum Messen des lastabhängigen Drehmoments einer Drehweile offenbart. Auch bei dieser Meßvorrichtung sind zwei axialbeabstandete Re¬ flektoren auf der Drehwelle angeordnet, welche mit Licht beaufschlagt werden und wobei durch die Messung des reflektierten Lichts die Verdrillung der Drehwelle aufgrund des sich ändernden Winkelabstands der beiden Reflektoren gemessen und daraus das Drehmoment berechnet wird.
Davon ausgehend liegt der Erfindung die A u f g a b e zugrunde, ein einfacheres Verfahren zum Messen von Torsionsspannungen und/oder Axialspannungen an einer sich drehenden Welle oder einem vergleichbaren Werkstückkörper zu schaffen.
Als technische L ö s u n g wird mit der Erfindung vorgeschlagen, daß auf der Oberfläche der Welle wenigstens zwei Reflektor-Paare angeordnet sind, welche bezüglich ihrer Verbin¬ dungslinien einen Winkel miteinander einschließen und mit kohärentem Läse rieht bestrahlt werden und wobei dabei die reflektierten und miteinander interferierenden Laserstrahl-Paare des jeweiligen Reflektor-Paares bezüglich ihrer Phasendifferenz gemessen werden.
Dadurch ist ein berührungsfreies Meßverfahren von mechanischen Spannungen bei sich drehenden Wellen geschaffen, mittels dem an der sich drehenden Welle Torsionsspannun¬ gen und/oder Axialspannungen gemessen werden können, um anschließend daraus die entsprechenden Drehmomente und/oder Biegemomente bestimmen zu können. Die Grund¬ idee besteht dabei darin, in zwei zueinander in einem Winkel stehenden Meßebenen ent- spechende Laserstrahl-Paare miteinander zur Interferenz zu bringen, um daraus die Pha¬ sendifferenzen zu messen. Wird nämlich in die Welle ein Dreh- und/oder Biegemoment eingeleitet, wirken Torsions- und/oder Axialspannungen. Im elastischen Bereich verursa¬ chen die Spannungen in der Oberfläche proportionale Scherungen und/oder Dehnungen. Dadurch ändern sich die Abstände zwischen den Reflektoren und damit die Position der In- terferenzstreifen. Im vorliegenden Lastfall reicht eine Messung der Verschiebungen zwi¬ schen den Reflektoren aus, um Torsions- und/oder Axialspannungen und daraus schließlich Dreh- und/oder Biegemomente zu bestimmen. Grundsätzlich ist es denkbar, mit dem erfin¬ dungsgemäßen Meßverfahren gleichzeitig die Torsionsspannungen sowie die Axialspannun¬ gen in der sich drehenden Welle zu messen. Auch ist es denkbar, nur eine der beiden Spannungstypen mitteis des erfindungsgemäßen Meßverfahrens zu bestimmen. Dabei wird die Messung der Torsionsspannung den Vorzug haben, da das Drehmoment ohne große Probleme mit akzeptabler Genauigkeit meßbar ist, da sich bei dem Differenzsignal, welches der Drehmomentbestimmung zugrunde liegt, alle Gleichanteile herauskürzen. Bei der Axial-
Spannung mit dem dazugehörigen Biegemoment wird demgegenüber ein Summensignal gebildet mit dem Problem, daß sich Winkelfehler, beispielsweise durch Weilenversatz oder Bearbeitungsungenauigkeit, voll auswirken. Der Vorteil des erfindungsgemäßen Meßverfah¬ rens liegt darin, daß der Sensor berührungsfrei arbeitet. Es sind keine Anbauten an die Wel¬ le oder das Zwischenflanschen spezieller Meßwellen erforderlich. Der Sensor kann damit »ohne Aufwand auch nachträglich installiert werden. Weiterhin können Dreh- und Biegemo¬ ment gleichzeitig, und zwar lokal als Funktion des Umfangswinkels der Welle erfaßt werden. Der Sensor arbeitet weiterhin rein passiv und ist damit vollständig unempfindlich gegen elek¬ tromagnetische Strahlung. Darüber hinaus hat der Meßsensor eine kleine Bauweise und kann auch an schwer zugänglichen Stellen montiert werden. Schließlich kann aus dem Auf¬ treten der Interferenzsignale die Drehzahl der Weile gemessen und daraus die Leistung be¬ stimmt werden.
In einer ersten Alternativen können vier Reflektoren vorgesehen sein, wobei zwei der Re¬ flektoren jeweils ein Reflektor-Paar definieren. Diese Variante läßt sich einfach fertigen und ist daher kostengünstig.
In einer zweiten Alternative sind drei Reflektoren vorgesehen, wobei einer der Reflektoren beiden Reflektor-Paaren gemeinsam zugeordnet ist. Dies bringt den Vorteil einer kompakten Bauweise mit sich, da die beiden Reflektor-Paare auf kleinstem Raum untergebracht sind und eine lokale Torsions- und/oder Axialspannung durch die komprimierte Anordnung der Reflektoren punktgenau bestimmt werden kann.
Vorzugsweise sind als Reflektoren Eindrücke in der Welle oder Eindrücke auf einem Träger, der wiederum auf der Welle befestigt ist, vorgesehen. Bei diesen Eindrücken handelt es sich gewissermaßen um Einprägungen, wobei die durch die Eindrücke gebildeten Oberflächen das einfallende Laserlicht reflektieren. Dies stellt eine technisch einfache Möglichkeit zur Schaffung der Reflektoren dar, da dies mit einem entsprechend einfachen Stempel realisiert werden kann, so daß damit hohe Positionsgenauigkeiten möglich sind. Die Eindrücke kön¬ nen direkt auf der Oberfläche der Welle aufgebracht sein. Statt dessen ist es auch denkbar, daß die Reflektoren auf einem Träger angeordnet sind, der wiederum auf der Welle befestigt ist. So können beispielsweise die Eindrücke in einen Ring oder in eine Folie eingepreßt wer¬ den, die dann auf der Welle befestigt wird.
In einer ersten Alternativen kann es sich bei den Eindrücken um konkav gewölbte Eindrücke handeln, beispielsweise kugelförmige Eindrücke. Der Vorteil dieser Eindrücke liegt darin, daß sie sehr leicht in die Welle einzubringen sind. Allerdings ist die reflektierte Intensität des
Laserlichts relativ gering, so daß eine hohe Verstärkung erforderlich ist, was mit hohen Ko¬ sten verbunden ist.
Bei den Eindrücken kann es sich in einer zweiten Alternativen aber auch um regelmäßig pyramidenförmige Eindrücke mit vier Facetten handeln. Diese regelmäßigen vierseitigen Py¬ ramiden stellen eine technisch einfache Möglichkeit dar, um die beiden Laserstrahl-Paare zu reflektieren, wobei jeweils eine Facette als Reflektor für einen Laserstrahl dient. Grundsätz¬ lich werden keine pyramidenförmigen Eindrücke mit vier Facetten benötigt, sondern pro La¬ serstrahlen-Paar würde auch ein Facetten-Paar ausreichen.
In einer bevorzugten Weiterbildung der beiden Reflektor-Paare verlaufen deren beide Ver¬ bindungslinien unter einem Winkel von +/- 45° zur Wellenachse. Somit schließen die beiden Verbindungslinien der beiden Reflektor-Paare einen Winkel von 90° ein, wobei bei der Ver¬ wendung von den regelmäßigen pyramidenförmigen Eindrücken deren Außenkanten eine quadratische Form bilden und parallel zu den Verbindungslinien ausgerichtet sind.
Eine weitere Weiterbildung der Reflektoren der jeweiligen Reflektor-Paare schlägt vor, daß diese den gleichen Abstand zueinander aufweisen. In Verbindung mit der 45°-Stellung de Verbindungslinien bezüglich zur Wellenachse ergeben sich damit symmetrische Verhältnis¬ se in den beiden Meßrichtungen und Meßebenen, so daß daraus auf einfache Weise die entsprechenden Dreh- und/oder Biegemomente bestimmt werden können.
Eine weitere Weiterbildung schlägt vor, daß das Laserlicht in Form von einzelnen Laser¬ strahlen auf die Reflektoren geleitet, insbesondere fokusssiert wird. Insbesondere werden dabei die Laserstrahlen auf die Facetten der Reflektoren fokussiert, sofern es sich bei die¬ sen um die bereits erwähnten regelmäßigen pyramidenförmigen Eindrücke handelt. Der Vorteil der Fokussierung der Laserstrahlen liegt darin, daß während des Meßvorganges, wenn also die Laserstrahlen auf die Reflektoren fallen, die inkohärente Reflexionsstrahlung nur gering ist und somit das Interferenzbild nur wenig beeinträchtigt.
Alternativ hierzu bestrahlt das Laseriicht in Form eines Laserstrahls mit einem Durchmesser die Reflektoren, der größer ist als der Durchmesser der einzelnen Reflektoren oder gar der Gruppe der Reflektoren. Es ist dabei egal, ob es sich bei den Eindrücken um die pyramiden¬ förmigen Eindrücke oder aber um die konkav gewölbten Eindrücke, insbesondere kugelför¬ migen Eindrücke handelt. Die Grundidee bei dieser Alternativen besteht darin, daß die Re¬ flektoren mit einem relativ dicken Laserstrahl bestrahlt werden. Nur der Teil des Laserlichts, welcher auf die Reflektoren strahlt, wird reflektiert und zur Interferenz gebracht. Nachteilig
dabei ist natürlich, daß die zurückgestreute Intensität relativ gering ist, was eine hohe Ver¬ stärkung erfordert. Allerdings hat diese Alternative auch Vorteile. Verschiebungen der Welle, beispielsweise bei thermischer Ausdehnung in axialer Richtung, werden toleriert, da die Re¬ flektoren nach wie vor mit dem Laserlicht ausgeleuchtet werden. Im Gegensatz dazu sind bei der Fokussierung der Laserstrahlen die zulässigen Verschiebungen wesentlich kleiner.
Weiterhin wird in einer Weiterbildung vorgeschlagen, daß das Laserlicht entweder kontinu¬ ierlich oder aber gepulst dann abgegeben wird, wenn die Reflektoren in den Bereich der ein¬ fallenden Laserlichts gelangen. Die gepulste Variante hat den Vorteil, daß nur dann im Inter¬ ferometer ein Signal erzeugt wird, wenn auch ein Laserstrahl im Bereich der Reflektoren eingefallen und reflektiert worden ist, so daß auch hier der Rauschuntergrund des Meßsi¬ gnals auf ein Minimum reduziert wird. Zum Pulsen der Laserstrahlen können beispielsweise auf der Welle angebrachte Markierungen dienen, welche den Laserstrahl triggern . Der Puls¬ betrieb ist jedoch für einen rauscharmen Betrieb des Meßverfahrens nicht unbedingt not¬ wendig. Auch bei einer kontinuierlichen Laserlichtbestrahiung ist der Rauschuntergrund aus¬ reichend klein für gute Meßergebnisse.
Eine weitere Weiterbildung des erfindungsgemäßen Meßverfahrens schlägt vor, daß um den Umfang der Welle herum mehrere Meßeinheiten angeordnet sind. Die mehrfache Anord¬ nung der Meßeinheiten um den Umfang der Welle herum hat den Vorteil, daß damit ein über den Umfang verteiltes, mittleres Moment bestimmt oder das Moment als Funktion des Um- fangswinkels erfaßt werden kann.
Eine weitere Weiterbildung des erfindungsgemäßen Meßverfahrens schlägt vor, daß drei Reflektor-Paare verwendet werden. Die Verwendung eines dritten Strahlenpaares mit einem weiteren Interferometer hat den Vorteil, daß damit der vollständige Spannungszustand an einem Ort bestimmt werden kann.
Schließlich schlägt eine Weiterbildung des erfindungsgemäßen Meßverfahrens vor, daß in den beiden Meßebenen jeweils zwei oder mehr Reflektor-Paare verwendet werden. Somit kann gemäß dieser Weiterbildung in jeder Ebene auch mit zwei Strahlenpaaren gearbeitet werden. Bei der Verwendung von den regelmäßigen, pyramidenförmigen Eindrücken wer¬ den dabei vorzugsweise die jeweils gegenüberliegenden Facetten ebenfalls für die Messung herangezogen, da diese gewissermaßen noch "frei" sind. Diese Weiterbildung macht zwar die Verwendung von weiteren Interferometem erforderlich, der Vorteil liegt jedoch in dem Ausgleich von gewissen Winkelfehlern.
Ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Sensors zum Messen von Torsions¬ spannungen und/oder Axialspannungen an einer sich drehenden Welle zum anschließen¬ den Bestimmen der entsprechenden Drehmomente und/oder Biegemomente wird nachfolgend anhand der Zeichnungen beschrieben. In diesen zeigt:
Fig. 1 eine Seitenansicht der Welle mit drei darauf angeordneten Re¬ flektoren in Form von pyramidenförmigen Eindrücken;
Fig.2 eine Darstellung der Meßanordnung senkrecht zur Wellenach¬ se;
Fig. 3 den Strahlenverlauf in Fig. 2, jedoch in größerem Maßstab zur
Verdeutlichung von Einzelheiten;
Fig. 4 eine schematische Darstellung entsprechend der in Fig. 3, je¬ doch statt der pyramidenförmigen Eindrücke mit kugelförmigen Eindrücken für die Reflektoren;
Fig. 5 eine modifizierte Anordnung der Reflektoren in einer Darstel¬ lung entsprechend der in Fig. 1.
Auf einer sich drehenden Welle 1 befinden sich drei Reflektoren 2,3,4. Diese sind jeweils als Eindrücke in Form einer regelmäßigen vierseitigen Pyramide auf der Oberfläche der Welle 1 ausgebildet. Die Eindrücke dienen der Reflexion von einfallendem Laseriicht, das damit zur Interferenz gebracht wird. Die Reflektoren 2,3,4 bilden zwei Reflektor-Paare 2,3 bzw. 2,4, wobei die Reflektoren 2,3,4 eines jeden Reflektor-Paares 2,3 bzw. 2,4 den gleichen Abstand zueinander aufweisen und auf den Verbindungslinien L1 sowie L2 liegen, welche unter ei¬ nem Winkel von +/- 45° zur Wellenachse verlaufen. Wird in die Welle 1 ein Dreh- und Biege- moment eingeleitet, wirken auf die Welle 1 Torsions- und Axiaispannungen. im elastischen Bereich verursachen die Spannungen in der Oberfläche proportionale Scherungen und Deh¬ nungen. Dadurch ändern sich die Abstände zwischen den Reflektoren 2,3,4 und damit die Position der Interferenzstreifen. Im vorliegenden Lastfall reicht eine Messung der Verschie¬ bungen zwischen den Reflektor-Paaren 2,3 und 2,4 aus, um sowohl Torsins- als auch Axial¬ spannungen und daraus schließlich Dreh- und Biegemoment zu bestimmen. Selbstverständ¬ lich ist es auch denkbar und möglich, nur entweder die Torsionsspannung oder die Axialspannung zu messen, wobei die Messung der Torsionsspannung gegenüber der Axial¬ spannung einfacher ist, da sich bei dem zu bildenden Differenzsignal alle Gleichanteile raus-
kürzen.
Gemäß dem Superpositionsprinzip entspricht die zusammengesetzte Belastung der Summe aus einer reinen Torsions- und einer Biegebelastung. Bei reiner Torsionsbelastung verlaufen die Hauptdehnungen unter einem Winkel von +/- 45° zur Wellenachse, haben den gleichen Betrag und entgegengesetztes Vorzeichen. Bei reiner Biegebelastung stimmen unter +/- 45° die Dehnungen sowohl im Betrag als auch im Vorzeichen überein. Damit ergibt sich aus der Summe der gemessenen Verschiebungen in + 45°- und - 45°-Richtung die Dehnung auf¬ grund der Biegung, da sich die Torsionshauptdehnungen aufheben. Umgekehrt ergibt sich aus der Differenz die Torsionshauptdehnung, da sich jetzt die Biegedehnungen aufheben.
Zur Messung der Verschiebung ist den Reflektor-Paaren 2,3 sowie 2,4 jeweils in geringem Abstand von der Oberfläche der Welle 1 eine Sensoranordnung 5 zugeordnet, welche in Fig. 2 dargestellt ist. Jede dieser beiden Sensoranordnungen 5 besteht aus zwei Lichtwel¬ lenleitern 6, über die kohärentes Laserlicht von einer entfernten Laserquelle herangeführt wird. Jeder Lichtwellenleiter 6 ist mit einer Linse 7 abgeschlossen, um die einfallenden La¬ serstrahlen 8 auf die Facetten 9 der Reflektoren 2,3 und die Facetten 9' der Reflektoren 2,4 zu fokussiβren. Weiterhin besteht jede Sensoranordnung 5 aus einem Interferometer 10, in das die beiden reflektierten Laserstrahlen 8' ebenfalls über die Linsen 11 eingespeist und zur Interferenz gebracht werden. An den Ausgängen des Interferometers 10 stehen Intensi¬ tätssignale zur Verfügung, die ebenfalls über Lichtwellenleiter 12 einer elektronischen Schal¬ tung zur Auswertung zugeführt werden.
Die Außenkanten der als Eindrücke ausgebildeten Reflektoren 2,3,4 bilden eine quadrati¬ sche Form und sind parallel zu den Verbindungslinien L1 und L2 ausgerichtet. Die dreieck- förmigen Facetten der Pyramiden sind um einen Winkel a gegen die Oberfläche der Welle 1 geneigt. Fällt man das Lot auf die Facetten 9,9' der Reflektoren 2,3,4, dann liegen die lotrechten Geraden in Ebenen, die sich unter einem Winkel von 90° kreuzen. Fig. 2 zeigt die über den Reflektoren 2,3 aufgespannte Ebene. Die einfallenden und reflektierten Laser¬ strahlen 8,8' schließen mit den lotrechten Geraden ebenfalls einen Winkel a ein. Daraus re¬ sultiert zwischen den beiden reflektierten Laserstrahlen 8' ein optischer Gangunterschied p, der proportional zum Abstand I der Reflektoren 2,3 und proportional zum Sinus des doppel¬ ten Winkels a ist. Bei der mechanischen Belastung der Welle ändert sich der Abstand I zwi¬ schen den Reflektoren 2,3 und damit der optische Gangunterschied p zwischen den reflek¬ tierten Laserstrahlen 8'. Wird die Änderung des Gangunterschiedes p auf die Wellenlänge des Laserlichts bezogen und mit 2π multipliziert, ergibt sich ein Phasenunterschied dp, der sich proportional zur Dehnung zwischen den Reflektoren 2,3 ändert. Die phasenverschobe-
nen Laserstrahlen 8' erzeugen im Interferometer 10 periodische Intensitätssignale mit der Periodenlänge entsprechend der Wellenlänge des Laserlichts, aus denen mit Hilfe einer nachfolgenden elektronischen Schaltung der Phasenunterschied dp ermittelt wird.
Wenn sich die Welle 1 dreht, überstreichen die vier einfallenden Laserstrahlen 8 die Oberflä¬ che der Welle 1 in Umfangsrichtung, und zwar genau an der Position, an der sich die Facet¬ ten 9,9' beflnden. Da durch die Fokussierung der Strahldurchmesser deutlich kleiner ist als die Abmessung einer Facette 9,9', gibt es ein Zeitintervall, in dem die Laserstrahlen 8 von den Facetten 9,9' reflektiert werden. Nur in diesem Zeitintervall treffen aufgrund des Nei¬ gungswinkels a der Facetten 9,9' und der Lage der Sensoranordnung 5 die reflektierten La¬ serstrahlen 8' mit dem Phasenunterschied dp auf die Linsen 11 des Interferometers 10. Au¬ ßerhalb dieses Zeitintervalls trifft nur inkohärente Strahlung auf das Interferometer 10, so daß sich kein periodisches Intensitätssignal ausbilden kann. Die Meßzeit zur Erfassung des Phasenunterschieds ist damit durch das beschriebene Zeitintervall genau vorgegeben.
Die besondere Vorteile des erfindungsgemäßen Meßverfahrens und der dazugehörigen Meß Vorrichtung sind zunächst, daß keine Anbauten an die Welle 1 oder das Zwischenflan¬ schen spezieller Meßwellen erforderiich ist, wie dies bei den bekannten Meßverfahren der Fall ist. Der Sensor kann damit ohne Aufwand nachträglich installiert werden. Weiterhin ar¬ beitet der Sensor berührungsfrei. Die Dreh- und Biegemomente können gleichzeitig sowie lokal als Funktion des Umfangswinkels der Welle 1 erfaßt werden. Der Sensor arbeitet rein passiv und ist damit vollständig unempfindlich gegen elektromagnetische Strahlung. Schließlich hat der Sensor eine kleine Bauweise und kann auch an schwer zugänglichen Stellen montiert werden.
Gegenüber dem in den Fig. 1 bis 3 dargestellten Ausführungsbeispiel der erfindungsgemä¬ ßen Meßvorrichtung kann diese in diversen Punkten modifiziert werden, wie dies in den Fig. 4 und 5 dargestellt ist. Während in Fig. 3 die Reflektoren 2,3 als regelmäßige, pyramidenför¬ mige Eindrücke zu erkennen sind, sind bei der alternativen Ausführungsform in Fig. 4 die Eindrücke als kugelförmige Eindrücke ausgebildet, welche das eingestrahlte Laserlicht ent¬ sprechend reflektieren. Weiterhin ist in Fig. 5 erkennbar, daß statt drei Reflektoren 2,3,4 vier Reflektoren 3,3', 4,4' vorgesehen sind mit zwei daraus definierten Reflektor-Paaren 3,3' so¬ wie 4,4'. Das Grundmeßprinzip ist jedoch identisch dem der Reflektoranordnung in Fig. 1.
In den Zeichnungen nicht dargestellt ist die Möglichkeit, das Interferometer 10 nicht in unmit¬ telbarer Nähe zur Welle 1 anzuordnen. So ist es auch denkbar, das Interferometer 10 an ei¬ nem anderen Ort anzuordnen, wobei dann das Laserlicht über Lichtwellenleiter dem Interfe-
rometer 10 zugeführt wird. Weiterhin kann die Anordnung mit den Reflektoren 2,3,4 bzw. 3,3', 4,4' mehrfach am Umfang der Welle 1 wiederholt werden, beispielsweise um ein über den Umfang verteiltes, mittleres Moment zu bestimmen oder das Moment als Funktion des Umfangswinkels zu erfassen. Weiterhin ist es auch möglich, den vollständigen Spannungs¬ zustand der Welle 1 an einem Ort zu bestimmen, wenn man ein drittes Strahlenpaar mit ei¬ nem weiteren Interferometer benutzt. In dem dargestellten Ausführungsbeispiel werden py¬ ramidenförmige Eindrücke mit jeweils vier Facetten verwendet. Statt dessen reicht pro Strahlenpaar grundsätzlich auch ein einziges Facettenpaar aus. Weiterhin können die Ein¬ drücke auch in einen Ring oder in eine Folie eingepreßt werden, die dann auf der Welle 1 befestigt wird. Weiterhin kann in jeder Ebene (also in Richtung der beiden Verbindungslinien L1 und L2) auch mit zwei Strahlenpaaren gearbeitet werden. Dazu werden die jeweils ge¬ genüberliegenden Facetten zu den bereits herangezogenen Facetten 9,9' ebenfalls für die Messung herangezogen. Das würde natürlich auch einen weiteren Interferometer erfordern. Vorteil dieser Erweiterung wäre jedoch der Ausgleich von gewissen Winkelfehlern. Schlie߬ lich ist es nicht notwendig, die Laserstrahlen 8 auf die Reflektoren zu fokussieren, sondern es ist auch denkbar, daß der Laserstrahl 8 einen Durchmesser aufweist, welcher größer ist als der Durchmesser des einzelnen Reflektors oder gar des Durchmessers der Gruppe der Reflektoren. Verschiebungen der Welle 1 beispielsweise bei thermischer Ausdehnung in axialer Richtung können dadurch ausgeglichen werden, da die Reflektoren immer noch aus¬ geleuchtet werden. Im Fall der Fokussierung der Laserstrahlen 8 sind zulässige Verschie¬ bungen der Welle 1 wesentlich kleiner. Auch können die Laserstrahlen 8 entweder gepulst oder im Dauerstrich gefahren werden.
Bezugszeichenliste
1 Welle
2 Reflektor
3 Reflektor
4 Reflektor
5 Sensoranordnung
6 Lichtwellenleiter
7 Linse
8,8' Laserstrahl
9,9' Facette
10 Interferometer
11 Linse
12 Lichtwelienleiter
L1 Verbindungslinie
L2 Verbindungslinie
a Winkel
I Abstand
P optischer Gangunterschied