Verfahren zur Ermittlung der Randungsdaten
B e s c h r e i b u n g
Technisches Gebiet
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Ermitt¬ lung der Randungsdaten eines Brillenglases gemäß dem Ober¬ begriff des Patentanspruchs 1.
Stand der Technik
Seit einiger Zeit arbeiten die meisten der auf dem Markt befindlichen Randungsvorrichtungen für Brillengläser, wie beispielsweise Schleifmaschinen, nicht als Kopiermaschi¬ nen, die bei der Randung des Brillenglases eine sogenannte Formscheibe "kopieren", sondern werden numerisch gesteu¬ ert. Um die für den Betrieb einer Schleifmaschine erfor¬ derlichen numerischen Randungsdaten für ein bestimmtes zu randendes Brillenglas berechnen zu können, ist nicht nur die Kenntnis des Verlaufs der sogenannten Gläserringe der Brillenfassung in einer numerisch verwertbaren Form, son¬ dern auch die Kenntnis der Lage des individuellen Durch¬ blickpunktes durch dieses Brillenglas bezogen auf die jeweilige Brillenfassung - ebenfalls in einer numerisch verwertbaren Form - erforderlich.
In der Praxis stellt sich dabei häufig das Problem, daß der Kunde in das Augenoptiker-Geschäft bereits eine Bril¬ lenfassung mitbringt, in die neue Brillengläser eingesetzt
werden sollen. In der Regel ist für mitgebrachte Brillen¬ fassungen natürlich kein Datensatz vorhanden. Weiterhin liefern nicht alle Hersteller von Brillenfassungen zu ihren Modellen "numerische Datensätze" mit, die direkt in die jeweils vorhandene RandungsVorrichtung eingegeben werden können.
Damit ist es erforderlich, die Kontur einer vorhandenen Brillenfassung bzw. der zugehörigen Meß- bzw. Formscheibe numerisch zu erfassen, um die Randungsvorrichtung ent¬ sprechend steuern zu können. Hierzu sind in der Praxis sogenannte "Tracer" verwendet worden. Bei diesen Tracern tastet ein Stift die Brillenfassung bzw. die zugehörige Scheibe ab.
Diese Tracer sind jedoch vergleichsweise teuer, so daß ihre Anschaffung gerade für kleine Augenoptiker-Geschäfte nicht lohnend ist, da in kleineren Geschäften häufig meh¬ rere Wochen lang kein Bedarf für den Einsatz eines Tracers besteht. Darüberhinaus geben die Tracer unterschiedlicher Hersteller die Meßergebnisse in unterschiedlichen Daten¬ formaten aus, so daß die erhaltenen numerischen Datensätze häufig nicht als Bestell-Datensätze für unterschiedliche Brillenglas-Hersteller verwendet werden können.
In der US-PS 5,257,198 ist ein Verfahren vorgeschlagen worden, bei dem die Verwendung eines Tracers dadurch umgangen werden kann, daß zunächst auf einem Blatt ein Bild der Fassung durch Umfahren der Fassung mit einem Zeichenstift angefertigt wird. In das Bild der Fassung werden dann die Durchblickpunkte eingezeichnet.
Das so angefertigte Bild der Fassung wird offensichtlich mit einem speziellen Digitalisierer digital erfaßt und zu
einem Computer über eine Leitung, die beispielsweise eine Telefonleitung sein kann, übertragen, Die von dem Computer aus den übertragenen digitalen Daten ermittelten Randungs- daten dienen zur Steuerung der eigentlichen Randungsvor¬ richtung.
Dieses Verfahren hat jedoch ebenfalls eine Reihe von Nach¬ teilen:
Bei diesem Verfahren kommen offensichtlich keine handels¬ üblichen Gerät zum Einsatz, da ausdrücklich gesagt ist, daß die Funktion des nicht näher beschriebenen Digitali¬ sierers "ähnlich" - aber offensichtlich nicht gleich - üblichen Scannern oder Faxgeräten sein soll (Spalte 4, Zeile 20 folgende der US-PS 5 257 198) . Es ist damnach weiterhin die Anschaffung eines speziellen Gerätes für die Weitergabe der für die Ermittlung der Randungsdaten benö¬ tigten Daten an den Hersteller des Brillenglases erforder¬ lich.
Zum anderen werden bei diesem Verfahren zuvor ermittelte digitale Daten übertragen; dies bedeutet, daß die Daten mit einer spezielle Datenstruktur übertragen werden müssen, die u.U. nicht die Bestellung bei verschiedenen Herstellern von Brillengläsern ermöglicht.
Darstellung der Erfindung
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Ermittlung der Randungsdaten eines Brillenglases gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1 derart weiterzubil¬ den, daß die Ermittlung der Randungsdaten beim Augenopti¬ ker in einer Form möglich ist, die die Weitergabe der Randungsdaten an beliebige Hersteller und damit die Be¬ stellung bei beliebigen Herstellern ermöglicht, ohne daß
der Augenoptiker für die Ermittlung der Bestelldaten ein eigens hierfür angeschafftes Gerät benötigen würde.
Eine erfindungsgemäße Lösung dieser Aufgabe ist im An¬ spruch 1 angegeben. Weiterbildungen der Erfindung sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
Die Erfindung geht von dem Grundgedanken aus, daß gegen¬ wärtig praktisch jedes Augenoptiker-Geschäft über ein Telefax-Gerät verfügt. Der Grund hierfür ist, daß die meisten Lieferanten von Brillengläsern die früher übliche telefonische Bestellannahme zur Vermeidung von Fehlern auf Telefax-Bestellannahmen umgestellt haben.
Dieses - handelsübliche und durch keine Zusatzoptionen notwendigerweise ergänzte - Telefax-Gerät wird nun erfin¬ dungsgemäß dazu benutzt, die Kontur der Brillenfassung bzw. der Form- bzw. Meßscheibe "numerisch verwertbar" aufzunehmen. Hierzu wird zunächst ein Bild der Innenkontur der Fassung bzw. der Formscheibe im Maßstab 1:1 angefer¬ tigt. Dieses Bild kann auf beliebige Arten und insbeson¬ dere dadurch angefertigt werden, daß die Fassung auf ein Blatt Papier gelegt und dann die Außen- bzw. Innenkontur der Fassung bzw. die Außenkontur der Form- oder Meßscheibe der Fassung mit einem Zeichenstift, wie einem Bleistift, einem Kugelschreiber oder dgl. umfahren wird.
Das fehlerfreie Umfahren der Kontur der Fassung bzw. der Scheibe wird durch die Verwendung eines an einem sogenann¬ ten Storchschnabel angebrachten Stifts erleichtert. Durch die Führung des Stiftes an dem Storchschnabel, die die "Geradstellung" des Schreibstiftes sicherstellt, werden Fehler vermieden, wie sie beim Umfahren der Fassung bzw. der Scheibe "von Hand" auftreten können.
Zusätzlich wird in an sich bekannter Weise in das Bild der Fassung zusätzlich der Durchblickpunkt eingezeichnet und vom Computer ausgewertet wird. Damit erhält der Lieferant sämtliche für die Randung eines Brillenglases erforder¬ lichen Informationen in einer numerisch auswertbaren Form, wobei für die Übertragung kein spezielles "Datenformat", sondern das weltweit genormte "Telefax-Datenformat" (tif) verwendet wird.
Das Bild wird dann mit diesem Telefax-Gerät zu einer Em¬ pfängerstation übertragen, die beim Lieferanten für die Brillengläser steht. Die Telefax-Daten werden beim Liefe¬ ranten in einen Computer eingelesen, der aus den Telefax- Daten die - für den jeweiligen Auftrag erforderlichen - Daten ermittelt.
Um von eventuellen Maßstab-Übertragungsfehlern unabhängig zu sein, ist es nach Anspruch 2 bevorzugt, wenn zur Kali¬ brierung der übertragenen Daten ein Maßstab mit übertragen wird. Dieser Maßstab kann beispielsweise ein "Achsenkreuz" mit bekannten Abmessungen sein. Damit spielt es beispiels¬ weise keine Rolle, wenn das Telefaxgerät des Augenoptiker- Geschäftes das eingelesene Blatt für die Übertragung ver¬ größert oder verkleinert.
Auf dem per Telefax zu dem Lieferanten bzw. Hersteller des rohrunden oder gerandeten Brillenglases übertragenen Blatt - oder einem Zusatzblatt - können neben dem Bild der Fas¬ sung und der Durchblickpunkte selbstverständlich auch die weiteren Bestelldaten, wie die sphärische Wirkung des Brillenglases, gegebenenfalls die zylindrische Wirkung und Achslage der Zylinderachse bzw. bei progressiven Gläser die Addition, das Material des Brillenglases, gegebenen-
falls die Tönung der Gläser, Entspiegelungsschichten etc. stehen.
Diese Bestelldaten können dann manuell - durch Datenein¬ gabe in einen Computer - oder bevorzugt mittels eines OCR- Verfahrens oder eines direkten Auswerteverfahrens ausge¬ wertet werden (Anspruch 3) :
Insbesondere ist es möglich, auf dem Blatt, auf dem sich das Bild der Fassung befindet, oder auf einem Zusatzblatt bestimmte Bestelloptionen aufzudrucken, die entsprechend der konkreten Bestellung angekreuzt und vom Lieferanten numerisch ausgewertet werden. Wird beispielsweise das Telefax über eine Telefaxkarte direkt in einen Computer "eingelesen", so kann dieser die "Kreuze" an den Bestell¬ optionen direkt auswerten. Hierdurch werden Erkennungsfeh¬ ler beim Lieferanten reduziert.
Die erfindungsgemäße Vorgehensweise hat den Vorteil, daß die Daten vom Augenoptiker unabhängig von einem speziellen Datensystem beim Lieferanten erstellt werden, da das Bild der Fassung durch das genormte Telefax-Übertragungssystem ohne Bezug auf ein spezielles numerisches Datensystem übertragen wird. Erst beim Lieferanten erfolgt die Auswer¬ tung der übertragenen, ein "analoges Bild darstellenden" Bilddaten.
Falls der Lieferant lediglich ein für das Einschleifen in die jeweilige Fassung geeignetes rohrundes Brillenglas auswählen soll, während der EinschleifVorgang beim Augen¬ optiker vorgenommen wird, ist es ausreichend, wenn der beim Lieferanten vorhandene Computer den minimal erforder¬ lichen Durchmesser des rohrunden Brillenglases ermittelt (Anspruch 5) .
Selbstverständlich ist es bei dem erfindungsgemäßen Ver¬ fahren nicht nur möglich, daß der Computer aus den über¬ tragenen Telefax-Daten den für eine bestimmte Fassung und vorgegebene Durchblickpunkte minimal erforderlichen Durch¬ messer des Brillenglases berechnet; der Computer kann mit den Telefax-Daten auch eine Mittendicken-Optimierung durchführen (Anspruch 6) und/oder die Randungsdaten für eine Randungsvorrichtung errechnen (Anspruch 7) .
Insbesondere ist es auch möglich, daß der Computer die Randungsvorrichtung direkt steuert (Anspruch 15) , so daß der Lieferant an das Augenoptiker-Geschäft bereits geran- dete Brillengläser liefert, die dort nur noch in die Fas¬ sung eingesetzt werden müssen. Hierdurch wird der Geräte- aufwand im Augenoptiker-Geschäft weiter reduziert.
Selbstverständlich ist es aber auch möglich, daß die vom Computer errechneten Randungsdaten off-line - beispiels¬ weise durch Verschicken einer Diskette an den Augenoptiker - in die Randungsvorrichtung beim Augenoptiker eingegeben werden (Anspruch 14) .
Obgleich es möglich ist, daß beim Lieferanten der Ausdruck eines beim Lieferaten aufgestellten und als Empfängersta¬ tion fungierenden handelsüblichen Telefax-Gerätes mit einem Scanner oder dgl. numerisch erfaßt wird, ist es gemäß Anspruch 10 bevorzugt, wenn ein Computer mit einer Faxkarte verwendet wird, der die Telefax-Daten zwischen¬ speichert. Hierdurch entfallen alle Fehler, die durch den Ausdruck der übertragenen Telefax-Daten und/oder deren Auswertung mit einem Scanner entstehen können.
Selbstverständlich ist es aber möglich, daß zusätzlich ein Ausdruck der Telefax-Daten erstellt wird, der zu Kontroll- zwecken dient (Anspruch 11) . Dieser Ausdruck kann durch ein parallel zum Computer geschaltetes Telefax-Gerät (An¬ spruch 12) oder durch ein an den Computer angeschlossenes Ausgabegerät, wie z.B. einen Drucker erstellt werden (An¬ spruch 13) .
Sämtliche Vorrichtungsbestandteile, die zur Ausführung der Erfindung benötigt werden, sind bekannt:
Beim Augenoptiker werden lediglich ein Blatt Papier - gegebenenfalls mit einem aufgedruckten oder nachträglich aufgebrachten Maßstab sowie optional aufgebrachten Be¬ stellmöglichkeiten - und ein handelsübliches Telefaxgerät, das über keine Besonderheiten verfügen muß, benötigt.
Beim Lieferanten werden ebenfalls zusätzlich zu einem Computer mit einem geeigneten Programm nur ein handels¬ übliches Telefax-Gerät und eine Auswerteeinheit für den Telefax-Ausdruck bzw. eine handelsübliche Computer-Tele¬ faxkarte benötigt.
Damit ist es einem auf dem einschlägigen Gebiet tätigen Fachmann aufgrund der vorstehenden Beschreibung möglich, die Erfindung auszuführen, so daß auf die Darstellung eines Ausführungsbeispiels und eine Zeichnung verzichtet werden kann.