Mikroprozessoranordnung für ein Fahrzeug-Regelungssystem
Die Erfindung bezieht sich auf eine Mikroprozessoranordnung, die für ein komplexes Fahrzeug-Regelungssystem vorgesehen ist und die aus mehreren, untereinander durch Bussysteme verbun¬ denen Mikroprozessorsystemen besteht, die zumindest eine Blockierschutz-(ABS) und/oder Antriebsschlupfregelung (ASR) sowie mindestens eine weitere, rechenaufwendige Regelfunk¬ tion, wie Giermomentenregelung (GMR), und Überwachungsfunk- tionen ausführen und die eine Eingangssignal-Aufbereitung einschließen.
Elektronische Regelungssysteme für Kraftfahrzeuge, die den Fahrer entlasten und die Sicherheit und Fahrstabilität erhö¬ hen, gewinnen ständig an Bedeutung. Dies gilt vor allem für Antiblockiersysteme (ABS), AntriebsschlupfregelungsSysteme (ASR), Systeme zur elektronischen Regelung der Bremskraft¬ verteilung (EBV) usw.. Zu den jüngeren Entwicklungen gehören Giermomentenregelung und Fahrstabilitätsregelung (GMR und FSR); dies sind nur einige Beispiele. Es i«?t auch schon bekannt, mehrere Regelungssysteme zu einem Verbund zusammen¬ zuschließen.
Zur Lösung komplexer Regelaufgaben werden heutzutage Mikro¬ rechnerstrukturen unterschiedlicher Art eingesetzt. Aus der deutschen Patentschrift DE 32 34 637 C2 ist z.B. ein ABS be¬ kannt, dessen Regler zwei (oder mehrere) parallel arbeitende Mikrocontroller zur Erzeugung der Bremsdrucksteuersignale aufweist. Diese Mikrocontroller verarbeiten die gleichen Ein¬ gangssignale nach einem identischen Computerprogramm. Die Ausgangssignale und ggf. auch interne Signale der Mikrocon¬ troller werden auf Übereinstimmung überwacht, um Fehlfunktio¬ nen in einem der beiden Controller zu erkennen. Weichen die redundant in den Mikrocontrollern verarbeiteten Signale von¬ einander ab, wird die elektronische Regelung abgeschaltet, um sicherzustellen, daß zumindest ein ungeregeltes Bremsen mög¬ lich bleibt.
Des weiteren ist aus der DE 41 37 124 AI bereits eine derar¬ tige Schaltungsanordnung mit sogen, asymmetrischer Redundanz bekannt. Die Eingangssignale, nämlich die mit Hilfe von Rad¬ sensoren gewonnenen, das Drehverhalten der Räder wiedergeben¬ den Signale, werden, ebenso wie in dem vorgenannten Fall, zwei parallelen Mikrocontrollern zugeleitet, von denen jedoch nur der eine das volle Regelungsprogramm abarbeitet, während der zweite die Regelphilosophie in vereinfachter Form nach¬ bildet bzw. die Eingangssignale im Vergleich zu dem Haup - Mikrocontroller mit Hilfe vereinfachter Algorithmen verarbei¬ tet. Durch Vergleich der Ausgangssignale beider Mikrocontrol¬ ler läßt sich d_.:-r_ trotz der vereinfachten Verarbeitung in einem der beiden Mikrocontroller erkennen, ob die Datenverar¬ beitung fehlerhaft oder korrekt war.
Bei der Erweiterung eines Kraftfahrzeug-Regelungssystems, z.B. einer ABS/ASR-Anläge, durch eine rechenaufwendige Fahr- stabilitätsregelung (FSR oder GMR), ist es grundsätzlich mög¬ lich, zusätzlich ein komplettes Regelungssystem, das auch die Sicherheitsfunktionen einschließt, zu installieren. Dies hat den Vorteil, daß die einzelnen Komponenten, sowohl die bishe¬ rige ABS/ASR-Anlage, als auch die Fahrstablitätsregelung, unabhängig voneinander sind und daß beim Auftreten von De¬ fekten oder Störungen nur die betroffene Komponente ausfällt.
Es wäre grundsätzlich auch denkbar, bei einer Erweiterung der Grundstruktur (ABS/ASR) durch eine Fahrstablitätsregelung, die zusätzliche Rechenleistung, einschließlich der Überwa¬ chungsfunktionen, in die Rechnerstruktur mit einzubeziehen, wenn Mikrorechnersysteme ausreichender Leistung zur Verfügung stehen. Dies hätte allerdings den Nachteil, daß beim Auftre¬ ten eines Fehlers in einer Komponente das gesamte System ab¬ geschaltet werden müßte. Da ein solches Gesamtsystem ziemlich komplex und aufwendig ist, wäre die Fehlerwahrscheinlichkeit relativ hoch.
Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, eine Mikropro¬ zessoranordnung für ein komplexes FahrzeugregelungsSystem zu entwickeln, das beispielsweise ABS/ASR und GMR (FSR) umfaßt und sich durch hohe Betriebssicherheit sowie relativ geringen Aufwand auszeichnet, und bei der, wenn ein Fehler auftritt, möglichst nur die betroffene Komponente abgeschaltet zu wer¬ den braucht.
Es hat sich gezeigt, daß diese Aufgabe gemäß Anspruch 1 durch eine Mikroprozessoranordnung der eingangs genannten Art ge¬ löst werden kann, deren Besonderheit darin besteht, daß drei Mikroprozessorsysteme vorhanden und die einzelnen Funktionen derart aufgeteilt sind, daß das erste Mikroprozessorsystem zusammen mit dem zweiten Mikroprozessorsystem die ABS- und/oder ASR-Funktion, einschließlich der Überwachung dieser Funktionen durch zumindest teilweise redundante Signal- oder Datenverarbeitung und Abschalten der Regelung beim Auftreten von Redundanz-Störungen, ausführt, und daß das dritte Mik¬ roprozessorsystem zusammen mit dem zweiten Mikroprozessor¬ system die weitere Regelfunktion, einschließlich der Überwa¬ chung der weiteren Regelfunktion, ausführt.
Die erfindungsgemäße Mikroprozessoranordnung baut also auf einer bisherigen ABS/ASR-Struktur auf, einschließlich der Überwachung durch redundante Signalverarbeitung, und ermög¬ licht die Einbeziehung z.B. einer rechenaufwendigen, komple¬ xen Giermomenten- oder Fahrstabilitätsregelung durch Verwen¬ dung lediglich eines weiteren Mikroprozessorsystems. Für die¬ se Fahrstabilitätsregelung gilt ebenfalls eine sehr hohe Be¬ triebssicherheit, weil eine redundante oder teilweise redun¬ dante Verarbeitung der FSR-Daten mit Hilfe der zweiten Mik¬ roprozessoranordnung, die vornehmlich die ABS/ASR-Funktionen ausführt, stattfindet. Beim Erkennen einer Fehlfunktion in der FSR-Komponente kann die ABS/ASR-Funktion ohne Einbußen an Betriebssicherheit fortgesetzt werden.
Einige besonders vorteilhafte Ausführungsbeispiele der Erfin¬ dung sind in den Unteransprüchen beschrieben. So ist es in manchen Fällen günstig, die Aufbereitung der für die Blockierschutz- und/oder Antriebsschlupfregelung benötigten Eingangssignale, insbesondere die relativ aufwendige Aufbe¬ reitung von Raddrehzahlsignalen, im ersten Mik¬ roprozessorsystem vorzunehmen. Die für die weitere Regelfunk¬ tion zusätzlich benötigten EingangsSignale können ebenfalls in dem ersten System aufbereitet werden; sie werden jedoch zweckmäßigerweise in dem zweiten und/oder in dem dritten Mik¬ roprozessorsystem aufbereitet.
Die Datenverarbeitung für die Regelfunktionen kann in dem ersten und zweiten Mikroprozessorsystem nach dem gleichen Programm und gleichzeitig ablaufen. Bei intakter Arbeitsweise müssen die Ergebnisse beider Systeme vollständig übereinstim¬ men. Andererseits ist es jedoch nach einem weiteren Ausfüh¬ rungsbeispiel der Erfindung auch möglich und besonders zweckmäßig, die Mikroprozessoranordnung derart auszulegen, daß die Datenverarbeitung in dem ersten Mikroprozessorsystem im Vergleich zur Datenverarbeitung in dem zweiten System nach einem vereinfachten Regelalgorithmus abläuft, der den Regel¬ algorithmus im zweiten Mikroprozessorsystem lediglich nach¬ bildet, und zwar derart, daß durch Vergleich der Ergebnisse der Datenverarbeitung des ersten mit den Ergebnissen des zweiten Mikroprozessorsystems eine fehlerhafte Arbeitsweise eines der beiden Systeme erkennbar ist.
Zur Überwachung der in dem dritten Mikroprozessorsystem in¬ stallierten Regelfunktion, z. B. GMR, ist es zweckmäßig, die zugehörige Signal- oder Datenverarbeitung redundant in dem
zweiten Mikroprozessorsystem - in identischer oder in verein¬ fachter bzw. nachgebildeter Form - auszuführen.
Nach einem weiteren Ausführungsbeispiel der Erfindung ist es vorgesehen, daß zur Überwachung der weiteren Regelfunktion im zweiten Mikroprozessorsystem ein im Vergleich zur Datenver¬ arbeitung im dritten System vereinfachter Algorithmus ab¬ läuft, so daß wiederum durch Vergleich der Ergebnisse Fehler zu erkennen sind.
Eine weitere, vorteilhafte Ausführungsart der Erfindung be¬ steht darin, die Mikroprozessoranordnung derart auszulegen, daß die ABS-/ASR-Funktionen auch dann fortgesetzt werden, wenn die Überwachung der weiteren Regelfunktion eine Störung erkennt und die weitere Regelfunktion außer Kraft setzt.
Die drei Mikroprozessorsysteme der erfindungsgemäßen Mikro¬ prozessoranordnung sind zweckmäßigerweise über einen Ringbus miteinander verbunden, wobei jedes Mikroprozessorsystem mit einem schreib- und lesbaren Schieberegister ausgerüstet ist und wobei die Daten ständig in einer fest vorgegebenen Se¬ quenz oder per Protokoll weitergegeben und/oder ausgetauscht werden. Natürlich ist es auch möglich und in manchen Fällen vorteilhaft, den Datentransfer zwischen den drei Mik¬ roprozessorsystemen über Parallel-Bussysteme oder sternförmig abzuwickeln.
Weiterhin ist es vorteilhaft, in dem ersten Mikroprozessor¬ system, das die ABS- und ASR-Funktion ausführt, eine EBV- Funktion (EBV = elektronische Regelung der Bremskraftvertei¬ lung) und ggf. auch die erforderliche Elektronik bzw. Programmstruktur für eine Bremsassistent-Funktion (BA-Funk-
tion) unterzubringen. Die hierfür benötigten Informationen werden ebenfalls mit Hilfe der Radsensoren und zusätzlicher Sensoren, z.B. eines für den Bremsassistenten erforderlichen Pedalbetätigungssensor, erzeugt.
Schließlich besteht eine vorteilhafte Ausführungsart der erfindungsgemäßen Mikroprozessoranordnung noch darin, daß die einzelnen Funktionen derart auf die drei Mik¬ roprozessorsysteme aufgeteilt sind, daß in dem ersten Mik¬ roprozessorsystem zumindest die für ABS- und/oder ASR-Funk- tionen benötigten Eingangssignale aufbereitet werden, daß in dem zweiten Mikroprozessorsystem die Regelfunktionen (ABS,ASR,GMR) ausgeführt werden, und daß die Überwachung zu¬ mindest der ABS- und/oder ASR-Funktionen in dem ersten Mik¬ roprozessorsystem und die Überwachung der weiteren Regelfunk¬ tion in dem dritten Mikroprozessorsystem (MP3.4) erfolgen, wobei zur Überwachung der Regelfunktionen die Eingangsdaten nach einem im Vergleich zu der vollständigen Datenverarbei¬ tung vereinfachten Algorithmus verarbeitet werden, die Ergeb¬ nisse der vollständigen Datenverarbeitung mit den Ergebnissen der vereinfachten Datenverarbeitung verglichen werden und beim Auftreten von Abweichungen die Regelung teilweise oder vollständig abgeschaltet oder geändert wird.
Es bietet sich insbesondere bei der zuletzt genannten Ausfüh¬ rungsart an, in dem ersten und/oder dritten Mikroprozessor- systoir. zusätzlich Diagnose-Funktionen oder Service-Funktionen unterzubringen.
Weitere Einzelheiten der Erfindung gehen aus der folgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen anhand der beigefügten Abbildungen hervor.
Es zeigen
Fig. 1 - 4 in schematischer Darstellung alternative Aus¬ führungsbeispiele von Mikroprozessoranordnungen nach der Erfindung mit unterschiedlicher Auf¬ teilung der Funktionen auf die einzelnen Mikro¬ prozessorsysteme und
Fig. 5 in schematisch vereinfachter Darstellungsweise weitere Einzelheiten des Ausführungsbeispiels nach Fig. 3.
Die erfindungsgemäßen Mikroprozessoranordnungen bestehen grundsätzlich aus drei Mikroprozessorsystemen MP1,MP2,MP3, die untereinander durch ein Bussystem verbunden sind. In den Ausführungsbeispielen nach Fig. 1 und Fig. 3 ist ein Ringbus, nach Fig. 2 und 4 ein sternförmiger Bus vorgesehen. Die Daten werden zweckmäßigerweise mit Hilfe von schreib- und lesbaren Schieberegistern, die Bestandteile der Mikroprozessorsysteme MP1,MP2,MP3 sind, mit einer fest vorgebenen Sequenz oder per Protokoll ständig weitergegeben und ausgetauscht. Es handelt in dem vorliegenden Fall um Mikroprozessoranordnungen für ein Kraftfahrzeug-Regelungssystem, das, wie Fig. 5 zu entnehmen ist, sowohl eine Blockierschutzregelung (ABS), eine Antriebs¬ schlupfregelung (ASR) als auch eine Giermomentenregelung (GMR) umfaßt und daher auch zur Fahrstabilitätsregelung ein¬ gesetzt werden kann. Außerdem ist eine elektronische Regelung der Bremskraftverteilung (EBV) vorgesehen. Die aufwendige Aufbereitung der Eingangssignale, insbesondere der Radsensor¬ signale, ist mit SC (Signal Conditioning) bezeichnet.
Die Regelungsfunktionen für das ABS, ASR und EBV sind grund-
sätzlich in dem gleichen Mikroprozessorsystem zusammengefaßt und der Einfachheit halber in den Fig. 1 bis 4 mit "ABS" be¬ zeichnet. Mit kleinen Buchstaben "abs" bzw. "abs/asr/ebv" "gmr" sind in den Figuren 1 bis 5 diejenigen Rechenprozesse symbolisiert, die im Vergleich zu den mit großen Buchstaben "ABS/ASR/EBV" bzw. "GMR" bezeichneten Funktionen bzw. Daten¬ verarbeitungsvorgänge nach einem vereinfachten Algorithmus ablaufen und nur zur Überprüfung oder Überwachung der voll¬ ständigen Datenverarbeitungsprozesse (ABS/ASR/EBV und GMR) dienen.
Mit Hilfe der erfindungsgemäßen Mikroprozessoranordnungen werden grundsätzlich die Daten stets in zwei Mikroprozessor¬ systemen redundant oder "teilweise redundant" verarbeitet; mit "teilweise redundant" ist hier die Verarbeitung nach dem vereinfachten, die Regelfunktionen nachbildenden Algorithmus bezeichnet. Die Berechnungen mit vereinfachtem Algorithmus sind mit den kleinen Buchstaben symbolisiert. Durch Vergleich der mit vollständiger Redundanz oder teilweiser Redundanz erzielten Ergebnisse wird bei den erfindungsgmäßen Mik¬ roprozessoranordnungen in bekannter Weise die Funktion der Mikroprozessorsysteme überwacht.
Die Mikroprozessoranordnung nach Fig. 1 beruht auf redun¬ danter Berechnung aller Funktionen. Nach gleichen Algorithmen werden in den Mikroprozessorsystemen MP1.1 und MP2.1 die ABS/ASR/EBV-F-inktionen berechnet, in den Mikroprozessor¬ systemen MP2.1 und MP3.1 die GMR-Funktionen. Diese Art der redundanten Berechnung wird als "symmetrische Redundanz" be¬ zeichnet. Die Signalaufbereitung SC, zumindest der Radsensor¬ signale, ist ebenfalls in dem Mikroprozessorsystem MP1.1 un¬ tergebracht.
In dem Ausführungsbeispiel nach Fig. 2 werden dagegen sowohl die ABS-Funktionen (wie zuvor erläutert: einschließlich ASR und EBV), als auch die GMR-Funktionen dadurch überwacht, daß die Ergebnisse der vollständigen Berechnungen in den Mik¬ roprozessorsystemen MP2.2 und MP3.2 mit den Ergebnissen ver¬ einfachter Datenverarbeitung (abs bzw. gmr) verglichen wer¬ den. Diese Art der Überwachung wird als "asymmetrische Redun¬ danz" bezeichnet.
Nach Fig. 3 wird bei der Berechnung und Überwachung der GMR- Funktionen von der symmetrischen Redundanz, bei den ABS-Funk¬ tionen von der asymmetrischen Redundanz Gebrauch gemacht.
Fig. 4 unterscheidet, sich von dem Ausführungsbeispiel nach Fig. 2 dadurch, daß in einem Mikroprozessorsystem MP2.4 so¬ wohl die ABS- als auch die GMR-Funktionen untergebracht sind. Die beiden anderen Mikroprozessorsysteme-MPl.4 und MP3.4 übernehmen die Datenvereinfachung nach den vereinfachten Al¬ gorithmen; für diese beiden genügen daher einfachere Mikro¬ prozessorsysteme, oder es bleibt Platz für zusätzliche Diag¬ nose- und/oder Service-Funktionen.
Die Ausgestaltung und Arbeitsweise einer erfindungsgemäßen Mikroprozessoranordnung wird nun anhand der Fig. 5 näher erläutert. Diesem Beispiel liegt die gleiche Aufteilung der Funktionen wie in dem Beispiel nach Fig. 3 zugrunde.
Die Mikroprozessorsysteme 1,2,3 (MPl.3,MP2.3,MP3.3) sind hier über einen Ringbus 4,5,6 miteinander verbunden. Mit Hilfe von Radsensoren Si bis S< werden Signale gewonnen, die das Dreh¬ verhalten der einzelnen Fahrzeugräder wiedergeben. Diese In-
formationen werden für alle Regelungssysteme (ABS,ASR,EBV, GMR) benötigt. Zusätzliche Informationen und Regelgrößen, die vor allem für die Giermomentenregelung (GMR) erforderlich sind, werden mit Hilfe einer weiteren Sensoreinheit 7 gewon¬ nen, die z.B. einen Lenkwinkelsensor LW, einen Giermomenten- sensor GM oder Querbeschleunigungssensor, Drucksensoren P usw. - je nach Ausführungsart und Anforderungen an das Rege¬ lungssystem - umfassen. Zumindest manche der mit der Senso¬ reinheit 7 ermittelten Informationen sind auch zur Verbesse¬ rung und/oder Überwachung der anderen Regelungssysteme ABS/ASR/EBV von Nutzen.
In dem ersten Mikroprozessorsystem 1 (MPl.3) ist im Beispiel nach Fig. 5 eine Signal-Aufbereitung SC für die Radsensorsig¬ nale untergebracht. Die Aufbereitung der von der Sensor¬ einheit 7 gelieferten Signale findet im Beispiel nach Fig. 5 in entsprechenden Programm- oder Hardwarestrukturen SC2,SC3 der Mikroprozessorsysteme 2 und 3 statt.
Im zweiten Mikroprozessorsystem 2 (MP2.3) ist im vorliegenden Ausführungsbeispiel die Datenverarbeitung für das Blockierschutzregelungssystem (ABS), einschließlich der An¬ triebsschlupfregelung (ASR) und der elektronischen Regelung der Bremskraftverteilung (EBV), als auch die Datenverarbei¬ tung für die Giermomentenregelung (GMR) untergebracht. In Abhängigkeit von den Sensorsignalen, die die Radsensoren Sα bis S4 und die Sensorei heit 7 liefern, werden in dem Mik¬ roprozessorsystem 2 Bremsdrucksteuersignale errechnet, mit denen in bekannter Weise Hydraulikventile, Druckmodulatoren, Hydraulikpumpen usw.- symbolisiert in Fig. 5 durch eine hy¬ draulische Einheit 8 - angesteuert werden. Die hydraulische Einheit 8 enthält alle Komponenten zur Einstellung und
Modulation des Bremsdruckes in den einzelnen Radbremsen eines Fahrzeugs.
In dem dritten Mikroprozessorsystem 3 werden ebenfalls die zur Giermomentenregelung (GMR) und Fahrstabilitätsregelung erforderlichen Berechnungen ausgeführt. Folglich kann nun durch Vergleich der redundant in den Systemen 2 und 3 ver¬ arbeiteten Daten die Funktion der Giermomentenregelung über¬ wacht werden. Mit Hilfe eines Redundanzgliedes 9, das die GMR-Ausgangssignale der Mikroprozessorsysteme 2 und 3 ver¬ gleicht, wird beim Auftreten von Abweichungen eine Fehlermel¬ dung ausgelöst und erforderlichenfalls ein Schalter 10 ange¬ steuert, der die Regelung zeitweise oder bis zur Behebung des Fehlers außer Funktion setzt.
Das Redundanzglied 9 wird - entgegen der zum besseren Ver¬ ständnis der Wirkungsweise vereinfachten Darstellung in Fig. 5 - ebenfalls redundant ausgebildet und durch Software, d.h. durch entsprechende Programmierung der Mikroprozessoren rea¬ lisiert. Tatsächlich findet ein Vergleich der Ausgangssignale bzw. der in dön Prozessoren ablaufenden Prozesse sowohl in dem Mikroprozessorsystem 2 als auch in dem System 3 statt, wie dies z.B. aus der eingangs genannten Patentschrift DE 32 34 637 C2 bekannt ist. Der Schalter 10 in Fig. 5 steht ebenfalls für ein redundantes, zwei Schalter oder zwei Schal¬ terfunktionen umfassendes Abschaltsystem.
Ein zweites Redundanzglied 11 vergleicht die ABS/ASR/EBV-Si- gnale mit den auf Basis vereinfachter Algorithmen gewonnenen abs/asr/ebv-Signalen. Treten Abweichungen von dieser asym¬ metrischen Redundanz auf, liegt ein Fehler vor, der wiederu über einen Schalter 12 zur Abschaltung der Regelung führt.
Das Redundanzglied 11 wird natürlich zweckmäßigerweise ebenso wie das Redundanzglied 9 durch Software bzw. Programmierung realisiert. Sowohl im Mikroprozessorsystem 1 als auch im Mik¬ roprozessorsystem 2 findet unabhängig voneinander ein Sig¬ nalvergleich statt. Die Abschaltung mit Hilfe eines Schalters 12 wird ebenfalls redundant ausgeführt. Redundanzglieder 11 und 9 sowie Schalter 12 und 10 sind nach dem gleichen Redun¬ danzprinzip verwirklicht.
Bei der Anordnung nach Fig. 5 wird die Betätigung und der Schaltzustand der Ventile, die in der hydraulischen Einheit 8 symbolisch angedeutet sind, über Signalleitungen 13,14 zu dem Mikroprozessorsystem 1 (MPl.3) und dem Mikroprozessorsystem 3 (MP3.3), das die GMR-Funktion enthält, rückgemeldet. Es wird überprüft, ob die jeweiligen Ventilfunktionen mit den Berech¬ nungen im System 3 bzw. mit der vereinfachten Berechnung im System 1 übereinstimmen.
Ein wesentlicher Vorteil der erfindungsgemäßen Mikropro¬ zessoranordnung besteht darin, daß zum einen mit relativ ge¬ ringem Aufwand, d.h. relativ wenigen Mikroprozessorsystemen und vergleichsweise geringem Rechenaufwand, die beschriebenen Regelungsvorgänge - insbesondere ABS, ASR, EBV und GMR -, einschließlich der redundanten oder teilweise redundanten, für die Überwachung notwendigen Rechenvorgänge, verwirklicht werden können. Zum anderen wird eine relative Unabhängigkeit der Regelungssysteme voneinander erreicht, die es erlaubt, z.B. beim Erkennen einer Fehlfunktion im GMR-Syste nur die¬ sen Zweig abzuhalten oder auf eine unkritische Funktion zu begrenzen, die Funktion der übrigen Regelungssysteme (ABS/ASR/EBV usw.) dagegen aufrechtzuerhalten. Dies führt insgesamt, wie ohne weiteres einzusehen ist, zu einem erheb-
liehen Sicherheitsgewinn,