Schaltungsanordnung für eine Bremsanlage mit Blockierschutz¬ regelung
Die Erfindung bezieht sich auf eine Schaltungsanordnung, die für eine Kraftfahrzeugbremsanlage mit elektronischer Blockierschutzregelung vorgesehen ist, zur Erhöhung der Fahr¬ stabilität in kritischen Fahrsituationen dient und die mit Schaltkreisen zur individuellen Regelung des Bremsdruckes in den Radbremsen der Vorderräder in Abhängigkeit von dem Dreh¬ verhalten der Räder sowie zur Beschränkung von Giermomenten, die infolge von Bremsmanövern auf Fahrbahnen mit unterschied¬ lichem Reibbeiwert rechts/links auftreten, ausgerüstet ist. Es kann sich dabei um eine festverdrahtete oder um eine pro¬ grammgesteuerte Schaltung, oder von Mischformen, handeln.
Aus der DE 39 25 828 AI ist bereits eine derartige Schal¬ tungsanordnung bekannt. Es wird ein AntiblockierregelSystem mit individueller Regelung des Bremsdruckes an den beiden Rädern einer Achse besch~'eben. Zur Beschränkung des Giermo¬ mentes auf μ-split-Fahrbahnen wird die Bremsdruckdifferenz an den beiden Rädern einer Achse begrenzt, wobei die zulässige Bremsdruckdifferenz in Abhängigkeit von dem Reib- beiwertunterschied und von der Höhe des niedrigeren Reibbei-
Druckdif erenz wird unter Berücksichtigung des Bewegungszu¬ standes des LM-Rades, d.h. des Rades auf der Seite niedrige¬ ren Reibbeiwertes, der Bremsdruck an dem HM-Rad, also an dem anderen Rad der gleichen Achse, abgebaut. Zur Bestimmung der zulässigen Druckdifferenz wird bei diesem bekannten Anti- blockierregelsystem der vom Fahrer eingesteuerte Druck an dem rechten und an dem linken Rad gemessen und jeweils der Soll- Druck mit dem Ist-Druck verglichen. Auf Basis des Bre sdruk- kes wird der Reibbeiwert abgeschätzt.
Ferner ist in der DE 41 14 734 AI bereits eine Schal¬ tungsanordnung für eine Blockierschutzregelung mit in¬ dividueller Bremsdruckregelung und Giermomentenbeschränkung beschrieben, die darauf beruht, daß fortlaufend aus den Druckabbausignalen ein die Druckdifferenz an den beiden Rä¬ dern einer Achse wiedergebender Wert ermittelt und bei μ- split-Bedingungen der mittlere Druckaufbaugradient an dem HM- Rad in Abhängigkeit von der Druckdifferenz und von der Fahr¬ zeugverzögerung variiert wird und daß zum Zeitpunkt des Auf¬ tretens der sogen. Giermomentenspitze der Bremsdruck an dem HM-Rad um einen von der Fahrzeugverzögerung und der Druckdif¬ ferenz abhängigen Wert reduziert wird.
Mit den vorgenannten bekannten Maßnahmen läßt sich in be¬ stimmten, besonders kritischen Situationen das Entstehen von Giermomenten gefährlicher Höhe nicht vollständig verhindern. Beispielsweise kommt es auf Fahrbahnen mit wechselnden Reib¬ beiwerten, sogen. μ-Flecken-Fahrbahnen, infolge wechselnder dynamischer Achslastverteilung und damit verbundener Änderung der RadaufStandskräfte zu unterschiedlichen Blockierdruck¬ niveaus in den einzelnen Radbremsen. Treten diese Änderungen zwischen rechter und linker Fahrbahnseite auf, führen sie zu Giermomenten, welche die Fahrstabilität gefährden können.
Speziell bei Fahrzeugen mit kurzem Radstand und Vorderradan¬ trieb kann die Hinterachse allein die Aufrechterhaltung der Fahrstabilität nicht gewährleisten.
Die bisherigen Lösungen beruhen im Prinzip darauf, beim An¬ bremsen auf μ-split-Fahrbahnen durch einen verlangsamten Bremsdruckanstieg am HM-Vorderrad das Entstehen von Giermo¬ menten zu verlangsamen, um dem Fahrer Zeit zur Gegenreaktion, d.h. zum Gegenlenken zu geben. Wechselt jedoch der Reibbei¬ wert, insbesondere von hohem Wert zu niedrigem, kommt es zu den beschriebenen Effekten.
Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, das Entstehen gefährlicher Giermomente auch in bestimmten, besonders kriti¬ schen Fahrsituationen, vor allem beim Einlauf aus hohem, ho¬ mogenen Reibbeiwert in eine μ-split-Fahrbahn oder bei Brems¬ manövem auf μ-Flecken-Fahrbahnen, zu verhindern und dadurch auch in solchen Fahrsituationen die Fahrstabilität entschei¬ dend zu erhöhen.
Es hat sich herausgestellt, daß diese Aufgabe durch die im Anspruch 1 beschriebene Schaltungsanordnung gelöst werden kann. Das Besondere der erfindungsgemäßen Schaltungsanordnung besteht also darin, daß in bestimmten kritischen Fahrsitua¬ tionen, insbesondere beim Einlauf in eine μ-split-Fahrbahn oder bei Bremsmanövern auf μ-Flecken-Fahrbahnen, und Erkennen von vorgegebenen Kriterien für eine solche kritische Fahrsi¬ tuation eine Sonderregelung gestartet wird, die einen Brems¬ druckabbau in der Radbremse des auf höherem Reibbeiwert lau¬ fenden Vorderrades, des sogen. "HM-Rades", für eine vorgege¬ bene, von der Fahrzeuggeschwindigkeit oder Fahrzeugreferenz¬ geschwindigkeit abhängige Zeitdauer herbeiführt.
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Erfindungsgemäß wird also zunächst festgestellt, ob eine be¬ stimmte, besonders kritische Fahrsituation vorliegt, und es wird auf eine nur für diese Situation geeignete Sonderrege¬ lung umgeschaltet, mit der zugunsten der Fahrstabilität der Bremsdruck an dem HM-Rad einmalig - bei μ-Flecken-Fahrbahnen auch mehrmals - abgebaut wird. In manchen Fällen und bei man¬ chen Fahrzeugtypen ist es hilfreich, gleichzeitig auch den Bremsdruck an den Hinterrädern abzubauen.
Nach einem vorteilhaften Ausführungsbeispiel der Erfindung wird eine Fahrsituation dann als kritisch bewertet bzw. als kritisch erkannt, wenn eine oder mehrere der folgenden Krite¬ rien gleichzeitig erfüllt sind:
Die Bremsdruckdifferenz bzw. die Bremsdruckabbauzeiten- Differenz an den Vorderrädern überschreitet einen vor¬ gegebenen Bremsdruckdifferenz-Grenzwert, die Fahrzeuggeschwindigkeit oder Fahrzeugreferenzge¬ schwindigkeit liegt über einem vorgegebenen Geschwindig¬ keits-Grenzwert, der Schlupf des auf der Seite mit niedrigerem Reibbei- wert laufenden Vorderrades, des sogen. "LM-Rades", liegt über einem von der Fahrzeug(referenz)geschwindigkeit abhängigen Schlupf-Grenzwert, die Zeitdauer der Instabilität des LM-Rades überschrei¬ tet eine vorgegebene Zeitdauer,
das HM-Rad befindet sich im Regelungs-Modus oder die Fahrzeugverzögerung liegt über einem vorgegebenen Verzö- gerungs-Grenzwert und es fand während des momentanen Radvorgangs noch keine Sonderregelung statt.
Das Einleiten der Sonderregelung wird nur zugelassen, wenn eindeutig erkannt ist, ob eine bestimmte kritische Situation vorliegt. In manchen Fällen ist es günstig, die Fahrsituation nur dann als kritisch zu bewerten, wenn alle aufgezählten Kriterien erfüllt sind.
Nach einem weiteren vorteilhaften Ausführungsbeispiel ist die erfindungsgemäße Schaltungsanordnung derart ausgelegt, daß die Sonderregelung während eines Bremsmanövers beim erneuten Erkennen einer kritischen Fahrsituation oder beim Andauern der kritischen Fahrsituation wiederholt wird, wenn zuvor die Bremsdruckdifferenz bzw. die Bremsdruckabbauzeitendifferenz den vorgegebenen Grenzwert mit umgekehrten Vorzeichen über¬ schritten hat bzw. wenn ein Wechsel der Reibbeiwert-Verhält¬ nisse rechts/links eingetreten ist. Dieses Ausfüh¬ rungsbeispiel bezieht sich also auf die sogen. μ-Flecken- Fahrbahnen.
Weiterhin ist es vorgesehen, die Sonderregelung nicht aus¬ zulösen bzw. zu verhindern, wenn während eines Bremsmanövers eine Wiederbeschleunigung des LM-Rades ermittelt wird, die über einem vorgegebenen ersten Beschleunigungsgrenzwert liegt. Dieser Wiederbeschleunigungsgrenzwert wird zweckmäßi¬ gerweise auf einen Wert zwischen 5 und 10 g festgelegt. Eine solch hohe Wiederbeschleunigung ist nämlich ein Indiz für hohen Reibbeiwert, so daß es sich hier nicht um das LM-Rad handeln kann.
Die Sonderregelung wird zweckmäßigerweise sofort un¬ terbrochen, wenn eine oder mehrere der vorgegebenen Kriterien für das Erkennen einer kritischen Fahrsituation nicht mehr erfüllt sind. Die Sonderregelung wird beendet, wenn während des Ablaufs dieser Sonderregelung eine Wiederbeschleunigung des LM-Rades über etwa 10 bis 30 g auftritt.
Ein weiteres Ausführungsbeispiel der Erfindung besteht darin, daß die Zeitdauer des Bremsdruckabbaues infolge der Sonderre¬ gelung bei einer Fahrzeuggeschwindigkeit zwischen 30 und 50 km/h auf einen Wert zwischen 20 und 40 msec begrenzt wird und daß bei höherer Geschwindigkeit diese Zeitdauer in Stufen oder kontinuierlich auf Werte bis etwa 50 bis 70 msec erhöht wird.
Ferner hat es sich als zweckmäßig erwiesen, den Schlupfgrenz- wert bei einer Fahrzeuggeschwindigkeit von etwa 40 km/h auf einen Wert zwischen 60 und 70% festzulegen und diesen Wert mit höherer Geschwindigkeit linear oder in Stufen bis zu ei¬ nem Grenzwert von etwa 40% zu reduzieren.
Die erfindungsgemäße Schaltungsanordnung wird nach dem heuti¬ gen Erkenntnisstand zweckmäßigerweise mit einem elektroni¬ schen Regler verwirklicht, der programmgesteuerte Schaltun¬ gen, wie Mikroprozessoren, Mikrocontroller usw. enthält. Die¬ ser Regler ist Bestandteil eines Blockierschutzregelungssy¬ stems, das eine hydraulische Bremsanlage mit elektrisch betä¬ tigbaren Hydraulikventilen und mit Sensoren zur Ermittlung des Drehverhaltens der Fahrzeugräder enthält. Die program¬ mierten Schaltungen dienen zur Auswertung der Sensorsignale sowie zum Erzeugen von Bremsdrucksteuersignalen und sind der¬ art programmiert, daß der Bremsdruck in den Radbremsen der Vorderräder individuell in Abhängigkeit von dem Drehverhalten
der Räder gesteuert wird und dabei ein durch Fahrmanöver auf μ-split-Fahrbahnen hervorgerufenes Giermoment beschränkt wird. Durch entsprechende Programmierung wird erreicht, daß beim Erkennen der sogen, kritischen Fahrsituationen anhand der zuvor erläuterten Kriterien die Sonderregelung gestartet wird, die den Bremsdruckabbau am HM-Rad und ggf. auch an den Hinterrädern für die vorgegebene, von der Fahrzeuggeschwin¬ digkeit abhängige Zeitdauer herbeiführt. Auch alle anderen vorgenannten vorteilhaften Ausführungsarten der Erfindung lassen sich durch die programmgesteuerten Schaltungen realisieren.
Weitere Einzelheiten der Erfindung gehen aus der folgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen anhand der beigefügten Abbildungen und Diagramme hervor.
Es zeigen
Fig. 1 in schematisch vereinfachter Darstellung die wich¬ tigsten Komponenten bzw. Funktionsblöcke einer Schal¬ tungsanordnung nach der Erfindung,
Fig. 2 im Diagramm den Bremsdruckverlauf an den beiden Vor¬ derrädern in der symbolisch dargestellten Fahrsitua¬ tion (μ-Sprung) gemäß einem Aüsführungsbeispiel der Erfindung,
Fig. 3 in gleicher Darstellungsweise wie Fig. 2 den Brems¬ druckverlauf an den beiden Vorderrädern in einer an¬ deren, ebenfalls symbolisch dargestellten Fahrsitua¬ tion (μ-Flecken-Fahrbahn) ,
Fig. 4 im Diagramm die Abhängigkeit der Druckabbauzeit von
der Fahrzeug(referenz)geschwindigkeit,
Fig. 5 im Diagramm den Verlauf des vorgegebenen Schlupf- Grenzwertes in Abhängigkeit von der Fahrzeug(refe- renz)geschwindigkeit und
Fig. 6 ein Flow-Chart zur Veranschaulichung der Arbeitsweise der Schaltungsanordnung nach Fig. 1.
Zur Erläuterung des prinzipiellen Aufbaus und der Wirkungs¬ weise einer Schaltungsanordnung nach der Erfindung dient Fig. 1. Es ist dies die schematisch vereinfachte Blockdarstellung des elektronischen Teils eines Blockierschutzregelungssystems nach der Erfindung. Ein Block 1 symbolisiert Radsensoren Sj bis S4, mit denen in bekannter Weise das Drehverhalten der einzelnen Fahrzeugräder ermittelt wird. Die Ausgangssignale der Sensoren S: bis S geben die Geschwindigkeiten der einzel¬ nen Räder wieder. In einem Schaltblock 2 werden die Signale aufbereitet und RadgeschwindigkeitsSignale v: bis v4 gebildet. Außerdem werden in dem Schaltblock 2 die Fahrzeugreferenzge¬ schwindigkeit vRef, Radbeschleunigungs¬ signale bx bis b4, Schlupfwerte XΛ bis λ4 und ggf. noch andere Größen ermittelt bzw. errechnet.
In einem Schaltkreis 3 wird ein von der momentanen Fahr¬ zeug(referenz)geschwindigkeit vRef abhängiges Signal E2 abge¬ leitet.
In einem weiteren Schaltkreis 4 wird in dem vorliegenden Aus¬ führungsbeispiel der Erfindung ein Fahrzeugverzögerungssignal bFZ durch logische Verknüpfung der Verzögerungssignale bα bis b4 der einzelnen Fahrzeugräder unter Berücksichtigung der Rad¬ geschwindigkeiten Vj bis v4 gebildet. Das Ausgangssignal E3
des Schaltkreises 4 wird ebenso wie E2 und die nachstehend erläuterten Signale E1,E4(E5ιE6 einer Erkennungslogik 5 zuge¬ führt; das Eingangssignal E5 informiert die Erkennungslogik 5 über die momentane Höhe des Schlupfes λlf λ2 der Vorderräder.
In einem Schaltblock 6 ist bei der Schaltungsanordnung nach Fig. 1 die eigentliche Regellogik untergebracht, die nach komplexen Rechenregeln, in denen die für ein Regelungssystem wesentliche Regelungsphilosphie ihren Niederschlag findet, Bremsdruck- bzw. Bremsventil-Steuersignale erzeugt. Natürlich kann eine solche Regellogik, ebenso wie die übrigen Schalt¬ blöcke und Schaltungsbestandteile der Schaltungsanordnung nach Fig. 1, auch durch eine entsprechende Programmstruktur eines Mikroprozessors oder Mikrocontrollers realisiert wer¬ den.
Die Regellogik 6 enthält im allgemeinen mehrere Funktions¬ blöcke oder Programmteile; im vorliegenden Fall ist u.a. eine sogen. Giermomentenbeschränkung GMB vorhanden, die bei unter¬ schiedlichen Reibbeiwerten rechts/links den Bremsdruckanstieg auf der Seite des höheren Reibbeiwertes verzögert.
An Ausgänge A1,A2 der Regellogik 6 sind bei der Schal¬ tungsanordnung nach Fig. 1 über Umschalter 7,8 Ventilansteue¬ rungen 9,10 angeschlossen. Diese Ventilansteuerungen 9,10 enthalten Endstufen, mit deren Ausgangssignale schließlich Hydraulikventile 11,12 in den hydraulischen Bremskreisen ei¬ ner blockiergeschützten Bremsanlage (ABS) angesteuert werden. In dem Ausführungsbeispiel nach Fig. 1 sind die Komponenten und Signalleitungen, die zu den Radbremsen der Vorderräder (7,9,11) und zu den Radbremsen der Hinterräder (8,10,12) füh¬ ren, getrennt dargestellt, weil die erfindungsgemäße Sonder¬ regelung (MFO) in erster Linie vom Drehverhalten der Vorder-
räder abhängig ist.
Ein weiterer Ausgang A3 der Regellogik 6 führt zu der Erken¬ nungslogik 5. Dieser Schaltkreis 5 dient vor allem zur UND- Verknüpfung der über die Eingänge Ej bis E6 zugeführten Signa¬ le. Sind die vorgesehenen Bedingungen erfüllt, wird über ei¬ nen Schaltkreis 13 die Sonderregelung MFO (Mü-Elecken-Option) ausgelöst oder vorbereitet. Der Schaltkreis 13 kann allerdings erst dann die Ansteuerung der Hydraulikventile 11 in den Vorderradbremskreisen und ggf. auch der Hydraulikven¬ tile 12 in den Hinterradbremskreisen übernehmen, nachdem die Schalter 7,8 umgeschaltet sind.
Der Bremsdruck in den Vorderradbremsen wird mit Hilfe eines Integrators 14, dessen Ausgang zu einem Schwellwertschalter 15 führt, ermittelt und bewertet. Für das Starten der Sonder¬ regelung MFO interessiert die Differenz der in die Vorderrad¬ bremsen eingesteuerten Bremsdrücke oder, dies ist eine beson¬ ders gut auswertbare Meßgröße, die Differenz der Bremsdruck¬ abbauzeiten an den Vorderrädern. Zur Bestimmung dieser Regel¬ größe werden daher radindividuell die Ansteuerzeiten der Bremsdruckabbauventile, die zu den beiden Vorderradbremsen gehören, erfaßt. Der Schwellwertschalter 15 signalisiert das Überschreiten eines vorgegebenen Bremsdruck-Grenzwertes p0. Aus dem Vorzeichen des Schwellwertgeber-Ausgangssignals ist erkennbar, welches der beiden Vorderräder den höheren bzw. niedrigeren Bremsdruck führt. Daraus ist wiederum abzuleiten, welches Vorderrad auf dem höheren bzw. niedrigeren Reibbei¬ wert läuft.
Beim Überschreiten des vorgegebenen Bremsdruckdifferenz- Grenzwertes p0 bewirkt das Ausgangssignal des Schwellwert¬ schalters 15 die Umschaltung der Schalter 7,8, so daß nunmehr
über den Schaltkreis 13 die Sonderregelung MFO - wenn auch die übrigen Bedingungen erfüllt sind - ausgelöst werden kann. Durch diese Sonderregelung MFO wird, wie nachstehend erläu¬ tert, Bremsdruck aus der Radbremse des HM-Vorderrades und auch aus den Hinterradbremsen abgeleitet.
Die von der Sonderregelung (MFO) 13 ausgelösten Bremsdruckab¬ bausignale werden nach Fig. 1, sobald ein Schalter 16 ge¬ schlossen ist, gezählt bzw. mit Hilfe eines Integrators 17 erfaßt. Das Ergebnis wird über den Eingang E6 der Erkennungs¬ logik 5 übermittelt, weil u.a. auch die Zeitdauer des Druck¬ abbaues am LM-Rad zu den Kriterien für die Erkennung einer kritischen Fahrsituation und für die Auslegung der Sonderre¬ gelung dient.
Fig. 1 ist zum leichteren Verständnis der Erfindung schema¬ tisch vereinfacht dargestellt. Es sind nur die Bestandteile, Logikblöcke, Schalter usw. symbolisch dargestellt, die für das Verständnis der Sonderregelung erforderlich sind. Auch ist zu beachten, daß die beschriebenen Schaltkreise, Signal¬ leitungen usw. , auch wenn nicht ausdrücklich angegeben, die Zustands-Regelgrößen radindividuell erfassen.
Zur näheren Erläuterung der erfindungsgemäßen, durch festver¬ drahtete Schaltkreise oder durch eine Programmstruktur ver¬ wirklichten Schaltungsanordnung nach Fig. 1 dienen die Dia¬ gramme in den Fig. 2 und 3. Oberhalb der Diagramme ist sym¬ bolisch angedeutet, daß sich Fig. 2 auf eine Fahrsituation bezieht, in der ein Fahrzeug FZ am Ort X von einer Fahrbahn mit hohem Reibbeiwert in eine μ-split-Fahrbahn einläuft. Nach Fig. 3 handelt es sich dagegen um eine sogen. μ-Flecken-Fahr- bahn, bei der sich, sobald das Fahrzeug den Ort XI passiert, die Reibbeiwertverhältnisse HM/LM von rechts nach links sehr
stark ändern bzw. ins Gegenteil verkehren.
Fig. 2 und 3 zeigen den Druckverlauf am rechten und linken Vorderrad des Fahrzeugs FZ während eines Bremsvorganges. Aus Fig. 2 ist zu erkennen, daß etwa zum Zeitpunkt tj der Brems¬ druck in beiden Vorderrädern des Fahrzeugs FZ, das sich auf einer Fahrbahn mit hohem, homogenem Reibbeiwert, also auf einer HM-Fahrbahn befindet, Blockierdruckniveau erreicht. Während einer solchen Regelbremsung gelangt das Fahrzeug zum Zeitpunkt tx auf eine μ-split-Fahrbahn und damit in eine be¬ sonders kritische Fahrsituation. Zum Zeitpunkt tx beginnt in¬ folge der Blockierschutzregelung ein schneller Druckabbau am linken Vorderrad, das sich nun auf einer Fahrbahn mit niedri¬ gem Reibbeiwert befindet und somit das LM-Rad ist. Zum Zeit¬ punkt ts erkennt der Regler, daß eine besonders kritische Fahrsituation vorliegt; es sind zu diesem Zeitpunkt folgende Kriterien erfüllt:
Die Bremsdruckabbauzeiten-Differenz an den beiden Vor¬ derrädern des Fahrzeugs FZ überschreitet einen Grenz¬ wert, die Fahrzeug(referenz)geschwindigkeit vRef ist hoch und liegt über einem vorgegebenen Grenzwert, der Schlupf des LM-Rades überschreitet einen Schlupf- Grenzwert, die Zeitdauer der Instabilität des LM-Rades überschrei¬ tet eine bestimmte vorgegebene Zeitdauer, das HM-Rad, nämlich das rechte Rad in Fig. 2, befindet sich im Regelmodus, es fand während dieses RegelVorganges (der zum Zeitpunkt tj begann) noch keine Sonderregelung statt.
Die Sonderregelung MFO führt nun dazu, daß beginnend zum
Zeitpunkt ts der Druck am rechten (HM)-Rad für eine vorgegebe¬ ne, von der momentanen Fahrzeug(referenz)geschwin- keit ab¬ hängigen Zeitspanne von z.B. 40 msec (vgl. Fig. 4)abgebaut wird. Nach Ablauf dieser Zeitspanne setzt ein erneuter, ver¬ langsamter Bremsdruckaufbau am HM-Rad ein, so daß sich der Bremsdruck am HM-Rad mit einem vorgegebenen Gradienten dem Blockierdruckniveau dieses Rades, das strichpunktiert in Fig. 2 eingetragen ist, wieder annähert. Zusätzlich kann, was der besseren Übersichtlichkeit wegen in Fig. 2 nicht dargestellt ist, gleichzeitig mit dem Druckabbau am HM-Rad ein Druckabbau an der Hinterachse herbeigeführt werden, um die Seitenführung und damit die Stabilität des Fahrzeugs noch weiter zu erhö¬ hen. Da im allgemeinen der Bremsdruck in den Hinterradbremsen nach "select-low" geregelt wird, wird gleichzeitig der Brems¬ druck an beiden Hinterrädern reduziert.
Bei einer (Sonder-)Regelung der erfindungsgemäßen Art, die auf einer Bremsdruckabsenkung am HM-Rad beruht, muß sicherge¬ stellt sein, daß eindeutig zwischen dem Vorliegen einer be¬ stimmten, besonders kritischen Fahrsituation und ähnlichen Erscheinungen infolge von speziellen Straßenbelägen, Kopf- steinpflaster, Schlechtweg-Strecken usw. unterschieden wird. Bei dem hier beschriebenen Ausführungsbeispiel der Erfindung wird daher das Auslösen der Sonderregelung unterbunden, wenn während eines Bremsmanövers eine sehr hohe Wiederbeschleuni¬ gung des LM-Rades von z.B. 8 g ("g" = 9,81 m/s2) festgestellt wird. Tritt während einer Sonderregelung eine Wiederbeschleu¬ nigung auf, die über einem zweiten, noch höheren Grenzwert von z.B. 20 g liegt, wird sofort die Sonderregelung abgebro¬ chen. Dies sind nur einige der denkbaren Kriterien zum Unter¬ scheiden einer wirklich kritischen von einer scheinbar kriti¬ schen Fahrsituation.