VERFAHREN ZUR HERSTELLUNG EINES ALUMINIUMOXID ENTHALTENDEN GESINTERTEN MATERIALS
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Her- Stellung eines Aluminiumoxid enthaltenden gesinterten Mate¬ rials, das sich inbesondere als Schleifmittel bzw. zur Herstellung von Schleifmaterialien eignet.
Aluminiumoxid wird als Korund aufgrund seiner hohen Härte und vergleichsweise niedrigen Herstellungskosten industriell in großen Mengen zu Schleifmitteln verarbeitet. Das am häufigsten verwendete Ausgangsmaterial ist der Schmelzkorund, der aus großen Kristallen besteht, die eine regellose, aber scharfkan¬ tige Gestalt besitzen. Daneben gibt es den Sinterkorund, der über Sinterprozesse aus αr-Al203-Pulvern oder Aluminiumoxid- Modifikationen hergestellt wird. Im Unterschied zum Schmelz- korund besitzt der Sinterkorund ein Gefüge, das je nach Qualität der Ausgangspulver, Art und Menge der Zusätze sowie der Sinterbedingungen aus Körnern im Grδßenbereich von einigen 100 nm bis mehreren 10 μm besteht. Weiter ist bekannt, daß die verschiedenen sinterfähigen Aluminiumoxid-Modifikationen sowie ihre Vorläufermaterialien (Boehmit usw.) für sich alleine zu monolithischen Al203-Keramiken sintern. Die genauen Sinter¬ temperaturen hängen von der Partikelgröße und der Oberflächen- beschaffenheit ab, ändern aber nichts am prinzipiellen Vorgang der Monolithbildung, d.h. am Korngrößenwachstum. Andererseits ist es für viele Verwendungszwecke wünschenswert, ein zwar möglichst kompaktes, aber doch feinkörniges Material zu erhalten, da sich hierdurch Gebrauchseigenschaften wesentlich beeinflussen lassen. Es ist fernerhin bekannt, daß Zusätze anderer geeigneter Metalloxide, beispielsweise MgO, als
Wachstumsinhibitoren für die Al203-Partikel wirken, aber gleichzeitig die Gebrauchseigenschaften verschlechtern
(Spinellbildung) . Weiter können feinkörnige (submikron) und dichte Gefüge von Al203 über den Sol-Gel-Prozeß unter Zuhil¬ fenahme von Nukleierungsmitteln (z.B. Teilchen von α-Al203,
Fe203, Cr203 usw.) erhalten werden.
Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung bestand darin, ein Verfahren zur Herstellung von für Schleifzwecke geeigneten, Aluminiumoxid enthaltenden gesinterten Materialien bereitzu¬ stellen, in dem das Kornwachstum des Aluminiumoxids während des Sintervorgangs stark gehemmt wird, das aber dennoch ohne Zugabe bekannter Nukleierungsmittel Sinterkörper mit feinkör¬ nigem Gefüge,hoher Dichte und hohen mechanischen Festigkeits- und Zähigkeitswerten liefert.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren zur Herstellung eines für Schleifzwecke geeigneten, Aluminium¬ oxid enthaltenden gesinterten Materials, das die folgenden Stufen umfaßt:
(a) Herstellung einer homogenen Mischung, die (i) mindestens eine sinterfähige, gegebenenfalls oberflächenmodifizierte Aluminiumoxid-Modifikation mit einer Korngröße von bis zu 20 μm, (ii) mindestens eine Verbindung des Siliciums, die bei der thermischen Zersetzung ein Carbid, Nitrid,
Oxid, Borid und/oder eine Mischphase derselben von Si
(und gegebenenfalls Ti, Zr, Cr und/oder W) liefert, vorzugsweise eine Verbindung von Si mit mindestens einem Element aus der Gruppe C, N, 0, B, (und gegebenenfalls mindestens einem Element aus der Gruppe Ti, Zr, Cr und W) , insbesondere in Form eines Polycarbosilans, Hydrido- polycarbosilans, Metallocarbosilans, Polysilans, Polyborosiloxans, Polyaminocarbosilans, Polysilazans und/oder Polyborosilazans, undgegebenenfalls (iii) einen oder mehrere Vertreter aus der Gruppe der Dispergier- hilfsmittel, Formgebungshilfsmittel und Sinterhilfsmittel umfaßt;
(b) gegebenenfalls Formgebung der trockenen bzw. teilweise oder vollständig getrockneten Mischung von Stufe (a) ; und
(c) Sintern der trockenen bzw. getrockneten Mischung von Stufe (a) oder des trockenen bzw. getrockneten Form¬ körpers von Stufe (b) .
Als sinterfähige Aluminiumoxid-Modifikationen können zum Beispiel αr-Al203, /*-Al203, Boehmit, Pseudoboehmit, Hydrar- gilit, Bayerit oder Mischungen derselben eingesetzt werden. Der Einsatz von Mischungen, z.B. von α-Al203 und Boehmit, kann sich in bestimmten Fällen vorteilhaft auf die Eigenschaften des Endprodukts (z.B. Schleifleistung) auswirken. Die sinter¬ fähige Aluminiumoxid-Modifikation kann aber z.B. auch durch ein Sol-Gel-Verfahren hergestellt werden. In einer bevorzugten Ausfuhrungsform des letztgenannten Verfahrens verfährt man beispielsweise so, daß man
(i) eine hydrolysierbare, molekulare (vorzugsweise kom- plexierte) Aluminium-Verbindung in an sich bekannter Weise einer hydrolytischen Kondensation unter Her- Stellung eines nanodispersen Sols unterzieht; oder
(ii) eine metastabile, in cκ-Al203 umwandelbare Aluminium- SauerstoffVerbindung (z.B. Boehmit) in an sich bekannter Weise in ein nanodisperses Sol überführt; oder
(iii) die gemäß (i) und (ii) erhaltenen Produkte in beliebigem Verhältnis homogen miteinander mischt; oder
(iv) die gemäß (i) , (ii) oder (iii) erhaltenen Produkte im Gewichtsverhältnis von 99:1 bis 1:99 auf Feststoffbasis mit handelsüblichem o?-Al203-Sinterpulver mit einer Teilchengröße von > 100 nm homogen mischt;
und das so erhaltene Produkt in üblicher Weise in ein Gel überführt.
Wie bereits oben erwähnt, kann die sinterfähige Aluminiumoxid- Modifikation oberflächenmodifiziert sein, vorzugsweise mit einer organischen Verbindung und insbesondere mit einer ein- oder mehrbasigen aromatischen, cycloaliphatischen oder aliphatischen Carbonsäure mit 2 bis 22 Kohlenstoffatomen. Konkrete Beispiele hierfür sind Propionsäure, Hexansäure, Stearinsäure und Benzoesäure. Bezüglich des Verfahrens der Oberflächenmodifizierung und der dabei einsetzbaren Modifizie¬ rungsmittel kann zum Beispiel auf die DE-A-4212633 Bezug genommen werden.
Vorzugsweise liegt die Korngröße der sinterfähigen Aluminium¬ oxid-Modifikation in der obigen Mischung von Stufe (a) bei nicht mehr als 10 μm, insbesondere nicht mehr als 5 μm. Besonders bevorzugte Korngrößen liegen im Submikron- und nanoskaligen Bereich, z.B. zwischen 0,1 und 1 μm (vorzugsweise 0,3 bis 0,6 μm) . Verfahren zur Herstellung derartiger Pulver aus handelsüblichen Materialien sind dem Fachmann bekannt und werden auch in den anschließenden Beispielen veranschaulicht.
Wie oben erwähnt, können die sinterfähigen Aluminiumoxid- Modifikationen auch in Kombination miteinander eingesetzt werden und insbesondere können sie auch von plättchenförmiger Morphologie sein.
Bei der Komponente (ii) der obigen Mischung von Stufe (a) handelt es sich um elementorganische HartStoffVorläufer, die die Kompositeigenschaften (Gefügeausbildung, Dichte, Härte, Zähigkeit, Kornwachstum usw.) beeinflussen. Diese Vorläufer führen beim Sintern zu einem Hartstoff, der ein Carbid, Oxid, Borid, Nitrid und/oder eine entsprechende Mischphase wie bei¬ spielsweise ein Oxycarbid, Oxynitrid, Carbonitrid und/oder Boronitrid von Silicium und gegebenenfalls Ti, Zr, Cr und/oder W ist. Vorzugsweise enthält dieser Hartstoff (zumindest) SiC, gegebenenfalls in Verbindung mit einer oder mehreren davon verschiedenen Silicium-HartstoffVerbindungen. Demgemäß ist es bevorzugt, als Komponente (ii) der Mischung von Stufe (a)
mindestens eine Verbindung einzusetzen, die neben Silicium auch Kohlenstoff enthält, z.B. ein Polycarbosilan, Hydridopo- lycarbosilan, Metallocarbosilan oder Polysilan, insbesondere ein (oligomeres oder polymeres) Polycarbosilan, z.B. ein Phenylgruppen-haltiges Polycarbosilan wie beispielsweise Diphenylpolycarbosilan. Insbesondere ist durch die Verwendung von z.B. Polycarbosilanen die Möglichkeit der Zähigkeits- erhδhenden in situ-Bildung von nanoskaligen SiC-Partikeln und gegebenenfalls von SiC-Whiskern und die Möglichkeit der Konservierung der ursprünglich vorhandenen Kornmorphologie von ebenfalls Zähigkeitserhöhenden Mikro- und Nanoplatelets gegeben.
Im erfindungsgemäßen Verfahren werden als Komponente (ii) Verbindungen eingesetzt, die bei der thermischen Zersetzung andere Verbindungen, vorzugsweise Siliciumcarbid, ergeben, deren Sinter-Endtemperatur noch oberhalb des Schmelzpunktes des Aluminiumoxids liegt. Ihr Zusammenwirken mit der Kom¬ ponente (i) führt dazu, daß das Kornwachstum des Aluminium- oxids sehr stark gehemmt wird und ohne Zugabe bekannter Nukleierungsmittel doch ein Sinterkörper mit hoher Dichte und hohen mechanischen Festigkeitswerten resultiert. Es wird angenommen, daß die Einlagerung des Hartstoffes (z.B. des Siliciumcarbids) im Nano-Strukturbereich erfolgt und die Aluminiumoxid-Körnungen separiert, dabei aber doch einen festen Zusammenhalt vermittelt. Wahrscheinlich wird dies überwiegend dadurch bewirkt, daß die Hartstoffe bis in die molekulardisperse Verteilung völlig homogen auf die Aluminium¬ oxid-Matrix aufgebracht werden können. Hierfür sind die speziellen Eigenschaften der Komponente (ii) maßgebend: es handelt sich um (vorzugsweise oligomere bzw. polymere) flüssige und/oder gut in gängigen (organischen) Lösungsmitteln lösliche Silicium-Verbindungen. Diese können z.B. unter Berücksichtigung ihrer Löslichkeit in diesen organischen Lösungsmitteln, ihrer Schwerflüchtigkeit und ihren Zerset- zungs- und Keramisierungseigenschaften ausgewählt werden.
In das Molekülgerüst dieser Verbindungen, speziell dasjenige der Polycarbosilane, kann entweder schon bei deren Darstellung oder mit Hilfe nachgeschalteter Umsetzungen ein bestimmter Anteil der erwähnten Heteroelemente in Form von gegebenenfalls Organo-substituierten Baugruppen eingebracht werden.
Diese Heteroelemente liegen nach dem Sintern ebenfalls in völlig homogener Verteilung im gesinterten Produkt vor, wodurch lokale Konzentrationsgradienten vormieden werden. Nach dem gleichen Verfahren können auch Polysilazane als Korn- größen-Modifikatoren eingesetzt werden. Weiter ist es so möglich, durch in situ gebildetes Titan-, Wolfram-, Chrom¬ oder Zirkoncarbid eine weitere Verstärkung des Endproduktes zu erreichen. Eine Verstärkung des Endproduktes kann auch dadurch erzielt werden, daß Polycarbosilane und andere Materialien in Kombination mit Alkoholaten, Oxiden oder Salzen von Ti, Zr, Cr oder W eingesetzt werden, die mit dem Über¬ schuß-Kohlenstoff der eingesetzten SiC-Vorläufer unter Bildung der entsprechenden Ti-, Zr-, Cr- und W-Carbide reagieren.
Gewünschtenfalls kann in der Komponente (ii) der Kohlenstoff- gehalt dadurch erhöht werden, daß man dieser Komponente elementaren Kohlenstoff (vorzugsweise in Form von Ruß, Graphit und dergleichen und vorzugsweise in Mengen nicht über 10 Gewichts-% der Komponente (ii) ) einverleibt.
Das Atomverhältnis von Silicium zu Kohlenstoff in der Kom¬ ponente (ii) beträgt vorzugsweise höchstens 2:1, insbesondere höchstens 1:1. Bei den übrigen oben genannten Heteroatomen der Komponente (ii) beträgt das Atomverhältnis von Silicium zu Heteroatom(en) vorzugsweise nicht weniger als 5:1, bevorzugt nicht weniger als 10:1 und insbesondere nicht weniger als 20:1.
Die in der gegebenenfalls eingesetzten Komponente (iii) der Mischung von Stufe (a) vorhandenen Dispergierhilfsmittel sollen die Dispergierbarkeit der eingesetzten Komponenten
verbessern und werden aus herkömmlichen für diesen Zweck bekannten Dispergierhilfsmitteln ausgewählt, z.B. Acrylaten und Fischδlen.
Die ebenfalls gegebenenfalls eingesetzten Formgebungshilfs¬ mittel sollen der Erhöhung der Grünfestigkeit der angestrebten Formkδrper wie z.B. Schleifkörnung, Wendeschneidplatten usw. dienen. Auch zu diesem Zweck werden herkömmliche Materialien wie zum Beispiel Polyvinylalkohole, Polyalkylenglykole, insbesondere Polyethylenglykole, eingesetzt.
Die in Komponente (iii) gegebenenfalls anwesenden Sinterhilfs- mittel beeinflussen insbesondere das Kornwachstum, die Gefügeausbildung und die Sintertemperaturen. Sehr weit verbreitete Sinterhilfsmittel sind MgO und dieses enthaltende Mischoxide (z.B. Spinell). Die Sinteradditive können in Form von Pulvern oder keramischen Vorstufen zugegeben werden, wobei sich im letztgenannten Fall das Sinteradditiv im Verlauf des Calcinierens entwickelt. Erfindungsgemäß kann jedoch auf die Verwendung von Sinterhilfsmitteln verzichtet werden bzw. deren Menge auf ein Minimum reduziert werden.
Was die relativen Mengenverhältnisse der einzelnen Komponenten der Mischung von Stufe (a) anlangt, so liegt die Komponente (i) vorzugsweise in einer Gesamtmenge von mindestens 70 Gewichts-%, insbesondere mindestens 75 Gewichts-% und noch bevorzugter mindestens 80 Gewichts-% des Gesamtgewichts der trockenen bzw. getrockneten Mischung von Stufe (a) vor.
Die Komponente (ii) liegt vorzugsweise in einer Gesamtmenge von höchstens 30 Gewichts-%, vorzugsweise höchstens 25
Gewichts-%, und mindestens 0,25 Gewichts-%, vorzugsweise mindestens 0,5 Gewichts-%, in der trockenen Mischung von Stufe
(a) vor.
Unter "trockener bzw. getrockneter Mischung von Stufe (a) " wird eine Mischung verstanden, die entweder bereits aus
Feststoffen hergestellt wurde oder aus der die gegebenenfalls bei ihrer Herstellung verwendeten oder gebildeten flüchtigen Bestandteile (z.B. Lösungs- oder Dispergiermittel, flüchtige Reaktionsprodukte usw.) in geeigneter Weise (z.B. durch Destillation) entfernt wurden.
Wünscht man einen möglichst feinkörnigen Aluminiumoxid- Sinterkörper, wird man zweckmäßigerweise nur relativ geringe Mengen an Komponente (ii) einsetzen, insbesondere solche Mengen, die zu einem Anteil von vorzugsweise 0,2 bis 2 Gewichts-% an im Sinterkörper verbleibendem Material aus Komponente (ii) führen. Entsprechend werden in diesem Fall auch möglichst geringe Mengen an anderen Zusätzen eingesetzt. Soll hingegen eine strukturverstärkende Wirkung erreicht werden, ist es zweckmäßig, die Gesamtmenge an Komponente (ii) so zu wählen, daß im gesinterten Endprodukt bezogen auf das Aluminiumoxid vorzugsweise 2 bis 20 Gewichts-% Material verbleiben, das auf die Komponente (ii) zurückzuführen ist.
Die Formgebungshilfsmittel und/oder Dispergierhilfsmittel werden in der trockenen bzw. getrockneten Mischung von Stufe (a) vorzugsweise in einer Menge von 0,05 bis 10 Gewichts-%, insbesondere 0,1 bis 5 Gewichts-%, eingesetzt. Werden Sin¬ terhilfsmittel eingesetzt, liegt deren Anteil in der trockenen bzw. getrockneten Mischung von Stufe (a) vorzugsweise bei 0,001 bis 15 Gewichts-%, insbesondere 0,01 bis 10 Gewichts-%, besonders bevorzugt 0,1 bis 5 Gewichts-% (z.B. 0,5 bis 2 Gewichts-%) .
Weiter ist es bevorzugt, daß in der trockenen bzw. getrock¬ neten Mischung von Stufe (a) die Gesamtmenge an Komponente (iii) 15 Gewichts-%, insbesondere 10 Gewichts-%, und besonders bevorzugt 5 Gewichts-%, nicht übersteigt.
Bei der Herstellung einer homogenen Mischung in Stufe (a) geht man zum Beispiel so vor, daß man die feinteiligen Komponenten
(i) und (iii) möglichst innig vermischt. Vorzugsweise werden
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diese Komponenten durch Copräzipitation der entsprechenden Materialien oder durch gemeinsame Fällung im Sol-Gel-Verfahren homogen miteinander vermischt. Vorzugsweise wird die so vorbereitete Vormischung dann mit der Komponente (ii) homogen in der Weise gemischt, daß die Komponente (ii) in einer Lösung (oder auch in einer Emulsion oder Suspension) in einem organischen Lösungsmittel (z.B. Toluol, Methylenchlorid oder Diethylether) , der vorzugsweise ein Emulgator wie z.B. ein handelsübliches (nicht-ionisches) Tensid zugesetzt wurde, mit der Vormischung kombiniert wird. Die Komponente (ii) kann aber gegebenenfalls auch in geschmolzener flüssiger Form eingesetzt werden. Die gegebenenfalls erhaltene Aufschlämmung kann dann durch ein geeignetes Trocknungsverfahren (z.B. Rotationsver¬ dampfung, Sprühtrocknung oder einfaches Abdestillieren oder Abdunsten des Lösungsmittels) unter Rückgewinnung von einge¬ setzten Lösungsmitteln als Trockenmaterial gewonnen werden. Das völlig getrocknete, aber auch das nur teilweise getrock¬ nete Material kann dann in der fakultativen Stufe (b) einem Formgebungsverfahren unterzogen werden, das entweder bereits zu einem für den Anwendungszweck geeigneten Formkδrper mit definierter Geometrie führt oder das Material nur so weit verfestigt, daß es für die weiteren Behandlungsschritte brauchbar ist. Der durch Trocknung (z.B. normale Ofentrock¬ nung (bevorzugt) , Mikrowellentrocknung) , Pressen (vorzugsweise kaltisostatisches (KIP) oder heißisostatisches (HIP) Pressen) und andere Formgebungsverfahren (insbesondere Extrusion mit oder ohne Vakuumentgasung) erhaltene Grünkörper kann an¬ schließend, vorzugsweise unter Schutzgas (z.B. Argon, Stick¬ stoff) oder einer anderen geeigneten Atmosphäre, durch eine (kontrollierte) Temperaturbehandlung in an sich bekannter
Weise in das gesinterte Endprodukt überführt werden (Stufe
(c) ) . Dabei treten zunächst thermische Umwandlungsreaktionen,
Kondensationen und Zersetzungsreaktionen auf, die zur Bildung flüchtiger Reaktionsprodukte führen, die mit dem Schutzgas abgeführt werden (oder durch Anlegen von Vakuum entfernt werden) können.
Anschließend sintert der Grünkörper und- erreicht dann nahezu die maximal erreichbare Dichte. Die Sintertemperatur in Stufe (c) des erfindungsgemäßen Verfahrens liegt üblicherweise bei 1200 bis 1750°C, vorzugsweise 1300 bis 1700°C, und insbesonde¬ re 1400 bis 1650°C. Im allgemeinen wird mit einer Aufheizrate von etwa 2°C pro Minute und einer Haltezeit von etwa 3 Stunden bei der Maximaltemperatur gearbeitet. Daran schließt sich eine kontrollierte Abkühlung mit etwa der gleichen Geschwindigkeit wie in der Aufheizphase an.
Gemäß einer weiteren, bevorzugten Ausfuhrungsform des erfin¬ dungsgemäßen Verfahrens kann die Komponente (ii) auch in Form eines Grünkörper-Materials aus einem vorangegangenen Ansatz eingesetzt werden. Insbesondere wird üblicherweise das vor der Sinterstufe anfallende Material, das die Komponenten (i) und (ii) sowie gegebenenfalls (iii) umfaßt, durch Brechen und Fraktionieren auf die gewünschte Kornverteilung eingestellt. Bei dieser Fraktionierung fällt ein sogenannter Feinanteil an, der jedoch nicht verworfen werden muß, sondern zur Einbringung eines Teils der Komponente (ii) oder der gesamten Komponen¬ te (ii) in die Mischung von Stufe (a) verwendet werden kann. Diese feinteiligen Zusätze (maximale Korngröße vorzugsweise 500 μm, insbesondere 300 μm und besonders bevorzugt 250 μm) bewirken ähnlich wie die reine Komponente (ii) ein geminder- tes Kornwachstum in der Matrix während des Sinterns bei gleichzeitiger Einführung definierter Fehlstellen in die Matrix. In der Regel tragen diese Wirkungsweisen in der Summe zu einer deutlichen Verbesserung der Schleifleistung der Endprodukte bei.
Das erfindungsgemäße Verfahren liefert Sinterkδrper mit mikrokristallinem Gefüge - vorzugsweise mit Korngrößen von 0,05 bis 5 μm - und mit verbesserten Gebrauchseigenschaften hinsichtlich Härte (> 1600 GPa) und Zähigkeit, die sich insbesondere für Schleifzwecke bzw. die Herstellung von Schleifmaterialien eignen.
Die folgenden Beispiele dienen der weiteren Erläuterung der Erfindung, ohne deren Umfang jedoch zu beschränken. Für diese Beispiele gilt allgemein folgendes:
Das verwendete "Martoxid(R>CS 400 M" der Firma Martinswerke ist ein überwiegend aus -γ-Al203 bestehendes Aluminiumoxid mit einem 0,1 Gew.-%igen Zusatz von MgO. Herstellungsbedingt liegt es in Form von Hohlkugel-Agglomeraten aus Primärkörnern vor, deren Durchmesser ≥ 5 μm beträgt. Eine Änderung der Oberflächenladung der Agglomerate führt zu einem Zerfall der Hohlkugeln in Primärteilchen (« 1 μm) und erlaubt so die Gewinnung dichterer Grünkörper. Dieses Modifizierungsver¬ fahren wird im folgenden als Desagglomeration bezeichnet.
Das eingesetzte "Disperal<R) " der Firma Condea besteht über¬ wiegend aus AlO(OH)xH20 (Böhmit-Form) und wird durch die im weiteren näher beschriebene Modifizierung in ein wäßriges Sol überführt. Dieses Sol kann durch eine anschließende Gelierung in ein Gel überführt werden, dessen Viskosität das Einbringen des Poly(carbosilan) -haltigen Zusatzes erlaubt und insbesonde¬ re auch eine homogene Verteilung des Zusatzes in der Böhmit- Matrix ermöglicht. Die anschließende Trocknung führt zu einem Gelpulver, aus dem durch Brechen und Fraktionieren die gewünschte Kornverteilung hergestellt wird. Bei der Fraktio- nierung fällt der sogenannte Feinanteil (Korngröße < 210 μm) an, der nicht verworfen werden muß, sondern als weiterer Zusatz in ein Bδhmit-Gel bzw. in eine CS 400 M-Matrix einge¬ bracht werden kann.
Der verwendete Emulgator war Arkopal(R) N040 (Hoechst) d.h., ein Nonylphenolpolyglykolether. Die zugesetzte Menge betrug bei Ansätzen mit Böhmit 1 bis 12 Gew.-% (bevorzugt 3 bis 5 Gew.-%) bezogen auf den Al203-Gehal . Bei Ansätzen mit αr-Al203 variierte der Zusatz zwischen 2 und 10 Gew.-!
Als Lösungsmittel für das verwendete Poly(carbosilan)
(Poly(diphenylsilylen-co-methylen) , im• folgenden mit "PCS" abgekürzt) wurde Toluol gewählt. Der Zusatz an Toluol betrug bei den Böhmit-Ansätzen 2 bis 24 Gew.-% (bevorzugt 6 bis 10 Gew.-%) bezogen auf den Al203-Gehalt, während er bei den Versuchen mit desagglomeriertem CS 400 M mit 3 bis 15 Gew.-% bezogen auf den Al203-Gehalt einging.
B e i s p i e l 1 (Vergleich)
Darstellung von Disperal SG-Pulver
1000 g Disperal (Böhmit) wurden in 3000 g deionisiertes Wasser eingebracht und mit 100 g Propionsäure (Oberflächenmodifizie¬ rungsmittel) versetzt. Die Suspension wurde acht Stunden lang unter Rückfluß erhitzt und gerührt.
960 ml des so gewonnen Sols wurden in einem Mischer (Planeten- mischverfahren) mit 8 ml einer 25%igen Ammoniaklösung versetzt und unter ständigem, langsamem Mischen vergelt.
Das homogene farblose Gel wurde in einer Schichtdicke von 2 cm auf Glasplatten aufgetragen, 24 Stunden bei Raumtemperatur und anschließend weitere 24 Stunden bei 80 bis 100°C an der Luft getrocknet.
B e i s p i e l 2
Darstellung von Disperal SG-Pulver mit PCS-Zusatz
PCS wurde in Toluol gelöst und die resultierende, mit Emulga¬ tor versetzte Lösung wurde unter das Disperal-Gel gemischt. Die Herstellung des Sols und des Gels erfolgte wie unter Beispiel 1 beschrieben.
Die Ansatzverhältnisse sind folgender Tabelle zu entnehmen:
Ansatz Zusat:z PCS Emulgator Toluol Nr. (Gew. -%) g g g
1 1 2 2 4
2 3 6 6 12
3 5 10 10 20
4 10 20 20 40
5 12 24 24 48
Die Trocknung der Gele erfolgte wie in Beispiel 1 beschrieben.
B e i s p i e l (Vergleich)
Desagglomeration von CS 400 M
1000 g CS 400 M wurde in 515 ml deionisiertem Wasser suspen¬ diert und unter Rühren mit 10 g (1,0 Gew.-%) Zitronensäure versetzt (Feststoffgehalt 66%) . Die so gewonnene Suspension wurde in einer Schichtdicke von 2 bis 5 cm auf Glasplatten ausgestrichen. Die Trocknung des Grünmaterials erfolgte zunächst für 24 Stunden bei Raumtemperatur und anschließend bei 80 bis 100°C an der Luft.
B e i s p i e l
Darstellung von desagglomeriertem CS 400 M mit PCS-Zusatz
PCS wurde in Toluol gelöst und die resultierende Lösung wurde mit Emulgator versetzt. Das Gemisch wurde in die unter Beispiel 3 beschriebene Suspension eingebracht und an¬ schließend mit Hilfe eines Mischers (Planetenmischverfahren) oder Disolvers homogenisiert. Daran schloß sich die Trocknung analog zu Beispiel 3 an.
Die Ansatzverhältnisse sind der folgenden Tabelle zu entneh¬ men:
Ansatz Zusatz PCS Emulgator Toluol Nr. (Gew.-%) g g g
1 1 10 20 30
2 3 30 60 90
3 5 50 100 150
B e i s p i e l (Vergleich)
Darstellung von CS 400 M/Disperal SG-Gemischen
Eine nach Beispiel 3 hergestellte CS 400 M-Suspension wurde mit Disperal SG Gelpulver versetzt, das Gemisch homogenisiert und anschließend getrocknet.
Die folgende Tabelle gibt die Ansatzverhältnisse wieder:
Gew. -Verhältnisse Ansätzmengen/g CS 400 M zu Disperal SG CS 400 M Disperal SG 90:10 900 100
50:50 500 500 10:90 100 900
B e i s p i e l
Darstellung von CS 400 M/Disperal SG-Gemischen mit PCS
Die Darstellung erfolgte analog zu Beispiel 5, jedoch unter Verwendung eines Gelpulvers mit 3%igem Zusatz an PCS, herge¬ stellt wie in Beispiel 2.
Die folgende Tabelle gibt die Ansatzverhältnisse wieder:
Gew. -Verhältnisse Ansätzmengen/g
CS 400 M zu Disperal SG CS 400 M Disperal SG 3% PCS 3% PCS
90 : 10 900 100
50 : 50 500 500
10 : 90 100 900
B e i s p i e l 7
Darstellung von CS 400 M/Disperal SG FA-Gemischen mit PCS- Zusatz
Die Darstellung erfolgte analog zu Beispiel 5, jedoch unter Verwendung eines Disperal-Gelpulvers mit 3 Gew.-%igem Zusatz an PCS, hergestellt wie in Beispiel 2, mit einer maximalen Teilchengröße von <210 μm (FA = Feinanteil) .
Die folgende Tabelle gibt die Ansatzverhältnisse wieder;
Gew.-Verhältnisse Ansätzmengen/g
CS 400 M zu Disperal SG CS 400 M Disperal SG FA 3% PCS FA 3% PCS
90:10 900 100
50:50 500 500
10:90 100 900
B e i s p i e l 8 (Vergleich)
Extrusionsversuche mit CS 400 M/Disperal SG-Pulvergemischen
Das CS 400 M-Pulver, hergestellt nach Beispiel 3, wurde im Kneter mit Disperal SG-Gelpulver (Beispiel 1) versetzt und mit deionisiertem Wasser angeschwämm . Das Gemisch wurde mit 10 g Methylcellulose versetzt und im Kolbenextruder verdichtet.
Das gewonnene Material wurde 24 Stunden bei Raumtemperatur und anschließend weitere 24 Stunden bei 80 bis 100°C getrocknet.
Die folgende Tabelle gibt die Ansatzverhältnisse wieder:
Gew. -Verhältnisse Ansätzmengen/g
CS 400 M zu Disperal SG CS 400 M Disperal SG
90:10 180 20
50:50 100 100
10:90 20 180
B e i s p i e l 9
Extrusionsversuche mit Pulvergemischen von CS 400 M und Disperal SG mit PCS-Zusatz
Die Darstellung erfolgte analog zu Beispiel 8, jedoch unter Verwendung eines Gelpulvers mit 3 Gew.-%igem Zusatz an PCS, hergestellt wie in Beispiel 2.
Die folgende Tabelle gibt die Ansatzverhältnisse wieder:
Gew. -Verhältnisse Ansätzmengen/g
CS 400 M zu Disperal SG CS 400 M Disperal SG 3% PCS 3% PCS
90:10 180 20
10:10 100 100
10:90 20 180
B e i s p i e l 1 0
Extrusionsversuche mit Pulvergemischen von CS 400 M und Disperal SG FA mit PCS-Zusatz
Die Darstellung erfolgte analog zu Beispiel 9, jedoch unter
Verwendung eines Disperal-Gelpulvers mit 3 Gew.-%igem Zusatz an PCS, hergestellt wie in Beispiel 2, mit einer maximalen Teilchengrδße von <210 μm (FA = Feinanteil) .
Die folgende Tabelle gibt die Ansatzverhältnisse wieder:
Gew.-Verhältnisse Ansätzmengen/g
CS 400 M zu Disperal SG CS 400 M Disperal SG FA 3% PCS FA 3% PCS
90:10 180 20
50:50 100 100
10:90 20 180
B e i s p i e l 1 1
Pyrolyse der Grünmaterialien
Die nach Beispiel 1 bis 10 gewonnenen Grünmaterialien wurden zu einem Pulver zerkleinert und dieses zu einer definierten Kornverteilung fraktioniert. Die anschließende Sinterung bei 1450°C bzw. bei 1650°C mit einer Haltezeit von drei Stunden und einer Aufheizrate von 2°C pro Minute führte zu Körnern mit definierter Kornverteilung.
Die erhaltenen Körner wurden einem Schleiftest unterzogen, wobei die Schleifleistung jeweils in Bezug auf das entspre¬ chende Material ohne PCS-Zusatz (Nullprobe) ermittelt wurde.
Die erhaltenen Ergebnisse zeigten, daß die erfindungsgemäß hergestellten Materialien eine um den Faktor 1,2 bis 18 bessere Schleifleistung aufwiesen als die jeweilige Nullprobe.