Hilfsbetätigungseinrichtung für eine elektromechanisch betätigte Feststellbremsanlage
Die Erfindung betrifft eine Hilfsbetätigungseinrichtung für eine im Regelfall elektromechanisch betätigte Feststellbremsanlage, insbesondere für Kraftfahrzeuge, gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1, wobei jede Feststellbremse am Kraftfahrzeugrad jeweils mit einem unmittelbar an der Feststellbremse angeordneten elektromotorischen Aktuator ausgestattet ist.
Gattungsgemäße elektromechanisch betätigte Feststellbremsanlagen sind beispielsweise in der DE 41 29 919 AI offenbart. Darin werden sowohl Feststellbremsanlagen beschrieben, bei denen beide Radbremsen über Bowdenzüge mittels eines einzigen Elektromotors betätigt werden, als auch solche Feststellbremsanlagen, die für jede einzelne Radbremse über jeweils einen unmittelbar an der Radbremse angeordneten Elektromotor zur Fremdkraftbetätigung verfügen. Laut derzeitiger gesetzlicher Bestimmungen ist für solche im Regelfall elektromechanisch betätigte Feststellbremsanlagen eine Hilfsbetätigungseinrichtung erforderlich, die eine Feststellbremsbetätigung (sowohl Zustellen als auch Lösen) selbst im Falle des Ausfalles der elektrischen Anlage noch ermöglicht. Die konstruktive Ausführung einer derartigen Hilfsbetätigungseinrichtung, insbesondere bei Bremsanlagen mit Aktuatoren unmittelbar an der Radbremse, sind in dem obigen Dokument jedoch nicht erwähnt.
Eine solche oben beschriebene Hilfsbetätigungseinrichtung für eine elektromechanische Feststellbremsanlage wird in der DE 41 29 934 C2 gezeigt. Die muskelkraftbetriebene Hilfsbetätigung ist hier als Notbetätigung einer fremdkraftbe- tätigten Feststellbremsanlage ausgelegt, wobei die Feststellbremsanlage über einen einzigen Elektromotor verfügt, der in der Regel über Bowdenzüge auf die auf beiden Kraftfahrzeugseiten angeordneten Radbremsen zugreift. Die Hilfsbetätigungseinrichtung besteht aus einer Handkurbel mit unmittelbar angrenzendem Schneckenradgetriebe, das über einen Seilzug direkt mit dem Getriebe des Elektromotors verbunden ist. Ausgehend von diesem Elektromotorgetriebe können die Stellbewegungen in die Radbremsen eingeleitet werden. Bei Notbetätigung kann somit durch Drehung der Handkurbel und Umsetzung der Betätigungskraft innerhalb des Schneckenradgetriebes sowie des Elektromotorgetriebes ein mechanischer Zugriff auf die Radbremsen erfolgen. Als nachteilig bei einer solchen Anordnung erweist sich insbesondere die komplexe Gestaltung des Schneckenrad- bzw. des Elektromotorgetriebes sowie das sehr aufwendige und demzufolge bei den Automobilherstellern unerwünschte Verlegen der erforderlichen Seilzüge (in der Regel Bowdenzüge) am Kraftfahrzeug.
Ausgehend von einer im Regelfall elektromechanisch betätigten Feststellbremsanlage besteht die Aufgabe der Erfindung darin, eine Hilfsbetätigungseinrichtung anzugeben, die hinsichtlich ihres konstruktiven Aufbaus vereinfacht und verbessert ausgeführt ist.
Erreicht wird dies durch die erfindungsgemäße Merkmalskombi- nation des Patentanspruchs 1. Danach besitzt die muskel- kraftbedienbare Hilfsbetätigungseinrichtung für eine im Regelfall elektromechanisch betätigte Feststellbremsanlage ausschließlich bei Hilfsbetätigung einen mechanischen Zugriff auf den elektromotorischen Aktuator bzw. die Fest-
stellbremse selbst, wobei jede Feststellbremse am Rad einen unmittelbar daran angeordneten elektromotorischen Aktuator besitzt, welcher direkt über ein Stellglied mit der Feststellbremse verbunden ist. Vorteilhafterweise ist die elektromechanisch betätigte Feststellbremse als Trommelbremse, vorzugsweise als Duo-Servo-Topfhandbremse ausgeführt. In einer Variante erfolgt der mechanische Zugriff der Hilfsbetätigungseinrichtung rotatorisch auf einen Rotor innerhalb des elektromotorischen Aktuators . Dabei besitzt der Rotor eine Gewindeverbindung zu einer verdrehfesten Spindel, wodurch die Drehbewegung des Rotors in eine translatorische Bewegung der Spindel umgewandelt wird. Die Spindel wirkt direkt auf das Stellglied der Feststellbremse, insbesondere das heute weit verbreitete Spreizschloß, ein, wodurch selbst bei Ausfall der elektrischen Anlage eine Hilfsbetätigung der Feststellbremse ermöglicht wird.
In einer besonders einfachen Ausführung besitzt der unmittelbar an der Radbremse angeordnete elektromotorische Aktuator an seinem Rotor unmittelbar eine Aufnahme (z.B. Innen- sechskant) für ein Bordwerkzeug zur mechanischen Hilfsbetätigung des Rotors bzw. der Feststellbremse. Die Hilfsbetätigung erfolgt dabei unmittelbar am Aktuator durch Drehung des mit dem Stellglied der Feststellbremse in Verbindung stehenden Rotors .
Weitere, bevorzugte Varianten der Erfindung nach Anspruch 5 sehen vor, daß die Hilfsbetätigungseinrichtung eine durch Muskelkraft betätigbare Bedieneinheit sowie zumindest ein zur Übertragung der Betätigungskräfte zwischen Bedieneinheit und elektromotorischem Aktuator verlaufendes Übertragungs- element besitzt. Dadurch wird es möglich, die Hilfsbetätigung nicht ausschließlich am Kraftfahrzeugrad durchzuführen, sondern vielmehr durch eine frei wählbare Positionierung der Bedieneinheit eine komfortable Aktivierung der Hilfsbetäti-
gung beispielsweise auch vom Fahrersitz aus zu gewährleisten.
In einer vorteilhaften Weiterbildung der Hilfsbetätigungseinrichtung nach den Ansprüchen 6 bis 12 erfolgt die Hilfsbetätigung auf pneumatischem Wege . Die Bedieneinheit ist ähnlich einer Luftpumpe als pneumatische Pumpeneinheit ausgeführt, an die sich das Übertragungselement anschließt, das zumindest einen Druckschlauch enthält. Das Übertragungselement mit Druckschlauch mündet aktuatorseitig in einen pneumatisch-mechanischen Wandler, der die pneumatische Betätigungskraft in eine auf den Aktuator bzw. die Feststellbremse wirkende Stellkraft umwandelt. Im einzelnen besitzt der pneumatisch-mechanische Wandler, der vorteilhafterweise in den Aktuator integriert ist, einen pneumatisch betriebenen Kolben, dessen translatorische Bewegung in eine auf den Aktuatorrotor zu übertragende rotatorische Bewegung umgesetzt wird. Dadurch ergibt sich bei Betätigung der pneumatischen Pumpeneinheit im Aktuator eine diskontinuierliche Stellbewegung des Rotors. Idealerweise enthält die Hilfsbetätigungseinrichtung mindestens zwei Druckschläuche und zwei Kolben innerhalb des pneumatisch-mechanischen Wandlers, wobei ein Kolben eine Zustellbetätigung und der andere Kolben eine gegenläufige Lösebetätigung am Aktuator bewirkt. Die unterschiedliche Art der Hilfsbetätigung (Lösen bzw. Zustellen) läßt sich unmittelbar beispielsweise durch Schalterstellung an der pneumatischen Pumpeneinheit einstellen.
Ein zusätzlicher Vorteil ergibt sich, wenn das Übertragungselement als flexibles, kombiniertes Versorgungskabel ausgebildet ist. Hierbei enthält es sowohl die elektrische Versorgungsleitung für die elektromechanisch betätigte Feststellbremse als auch zumindest einen Druckschlauch für die pneumatische Hilfsbetätigungseinrichtung. Ein derartiges kombiniertes Versorgungskabel vereinfacht in erheblichem
Maße die Verlegung unmittelbar am Fahrzeug und erspart die zusätzliche Montage von Leitungen für die Feststellbremse (z.B. Seilzüge) .
In einer anderen Ausführungsvariante besitzt die Hilfsbetätigungseinrichtung einen flexiblen Zugstrang (z.B. Seilzug) als Übertragungselement, der durch den elektromotorischen Aktuator hindurchgeführt ist und unmittelbar am Stellglied der Feststellbremse befestigt ist. Dadurch kann eine direkte Hilfsbetätigung per Zug erfolgen. Die Bedieneinheit kann hier wahlweise als Drehkurbel oder aber auch als Hebel ausgeführt sein. Derartige Hilfsbetätigungseinrichtungen ermöglichen allerdings nur eine Zustellung der Feststellbremse und erfordern damit eine zusätzliche Einrichtung zur Notlösung der Feststellbremse.
In einer weiteren Ausführungsform besitzt die Hilfsbetätigungseinrichtung als Bedieneinheit eine Handkurbel und eine flexible Welle als Übertragungselement. Die flexible Welle enthält eine axial verschiebbare Wellenseele, die erst durch Axialverschiebung während der Hilfsbetätigung mit ihrem ak- tuatorseitigen Ende in eine drehfeste Aufnahme im Aktuator einführbar ist. Bei Eingriff der Wellenseele vorzugsweise in den Rotor des Aktuators, wird die rotatorische Hilfsbetäti- gungskraft ausgehend von der Kurbel über die Wellenseele auf den Aktuator übertragen.
Ausführungsbeispiele der Erfindung werden anhand der Zeichnungen dargestellt und im folgenden näher erläutert.
Es zeigen:
Fig. 1 einen Schnitt durch einen elektromotorischen Aktuator einer Feststellbremse mit Bσrdwerkzeug zur Hilfsbetätigung,
Fig. 2 eine teilweise geschnittene Darstellung eines elektromotorischen Aktuators mit pneumatischer Hilfsbetätigungseinrichtung
Fig. 3 eine geschnittene Darstellung eines elektromotorischen Aktuators einer Feststellbremse mit mechanischer Hilfsbetätigungseinrichtung mittels Zugkraftübertragung,
Fig. 4 eine geschnittene Ansicht eines elektromotorischen Aktuators einer Feststellbremse mit mechanischer Hilfsbetätigungseinrichtung, wobei die Betätigungskraft bei Hilfsbetätigung rotatorisch übertragen wird
Fig. 5 einen geschnittenen Ausschnitt einer Variante des Aktuators mit Übertragungselement der Hilfsbetätigungseinrichtung aus Fig. 4.
Allen Figuren ist ein elektromotorischer Aktuator 1 zu entnehmen, der Bestandteil einer elektromechanisch betätigten Feststellbremsanlage ist. Für die gezeigten Ausführungsbei- spiele ist der Aktuator jeweils unmittelbar an der nicht gezeigten Feststellbremse eines Kraftfahrzeugrades angebracht. Die Feststellbremse ist insbesondere als Trommelbremse, vorzugsweise Duo-Servo-Bremse ausgeführt. Durch die Anordnung des Aktuators 1 direkt an der Feststellbremse ergibt sich eine kompakte Bauform der gesamten Einheit und zusätzlich wird die Leitungsverlegung gegenüber heutigen Feststellbremsen üblicherweise mit Seilzügen erheblich vereinfacht. Der Aktuator 1 besitzt für alle gezeigten Ausführungsbeispiele im wesentlichen den gleichen konstruktiven Aufbau. Er besteht aus einem fest mit der nicht gezeigten Feststellbremse verbundenen Stator 2 sowie einem drehbar dazu gelagerten Rotor 3. Der Stator 2 wird im wesentlichen
durch eine elektrische Wicklung 5 mit Metallkern gebildet und ist innerhalb eines Gehäuses 4 angeordnet . Das hülsen- förmige, an einem Ende nach innen umgestülpte Gehäuse 4, das an seinem umgestülpten Ende an der Feststellbremse befestigt ist, ist weiterhin an eine elektrische Versorgungsleitung 6 angeschlossen. Der über ein Wälzlager 7 gegenüber dem Stator 2 drehbar gelagerte Rotor 3 besteht im wesentlichen aus einer rohrförmigen, hohlen Rotorwelle 8, die ebenfalls umgestülpt ausgeführt ist. An ihrem Außenumfang besitzt die hohle Rotorwelle 8 vorzugsweise aufgeklebte Permanentmagnete 9. Rotorwelle 8 und Gehäuse 4 sind dabei auf besonders kostengünstige Weise aus rohrförmigen Rohteilen durch einfache Blechumformung herstellbar. An seinem der nicht gezeigten Feststellbremse zugewandten Ende besitzt das Gehäuse 4 (in allen Figuren auf der linken Seite) eine Öffnung 10, in die sich ein von der Feststellbremse kommender Seilzug 11 hineinerstreckt. Der Seilzug 11 steht an seinem bremsenseitigen Ende direkt mit einer Spreizeinrichtung für die Bremsbacken einer Trommelbremse, beispielsweise dem bekannten und auch im Stand der Technik beschriebenen Spreizschloß, in Verbindung. An seinem aktuatorseitigen Ende mündet der Seilzug 11 in eine in den Aktuator 1 integrierte Spindel 12. Die Spindel 12 ist über eine Verdrehsicherung 13 axial verschiebbar innerhalb des Aktuatorgehäuses 4 geführt . Eine solche Verdrehsicherung 13 läßt sich beispielsweise durch einen Polygonquerschnitt oder aber einen anderen verdrehsicheren Querschnitt der Spindel realisieren. An ihrem anderen Ende ist die Spindel 12 mit einem Außengewinde 14 drehbar innerhalb einer entsprechenden Gewindebohrung 15 der hohlen Rotorwelle 8 angeordnet .
Eine im Regelfall elektromechanische Betätigung der Feststellbremse und damit Bestromung des elektromotorischen Aktuators 1 bewirkt eine Drehung der Rotorwelle 8 gegenüber dem Aktuatorgehäuse 4 und damit auch gegenüber der Spindel
12. Über das selbsthemmende Gewinde 14,15 zwischen Rotorwelle 8 und Spindel 12 wird die Drehbewegung der Rotorwelle 8 in eine translatorische Bewegung (in Fig. 1 horizontal) der Spindel 12 umgewandelt. Aus der translatorischen Bewegung der Spindel 12 und damit des Seilzuges 11 ergibt sich schließlich die erforderliche Stellbewegung 16 für die Feststellbremse. Dabei ist je nach Rotorwellendrehrichtung eine Stellbewegung 16 sowohl in Richtung Zustellen wie auch in Richtung Lösen der Feststellbremse ausführbar.
Für derartige elektromechanisch betätigte Feststellbremsanlagen ist nach derzeitiger Gesetzgebung eine zusätzliche Hilfsbetätigungseinrichtung vorgeschrieben, die beispielsweise bei Ausfall der elektrischen Gesamtanlage hilfsweise ein Zustellen bzw. Lösen der Feststellbremse ermöglichen soll.
In der Ausführung nach Fig. 1 besteht die besonders einfache Hilfsbetätigungseinrichtung 17 aus einem Bordwerkzeug 18, vorzugsweise einem Außensechskantschlüssel, sowie einer zugehörigen Werkzeugaufnahme 19, vorzugsweise Innensechskant, in der Rotorwelle 8. Die Werkzeugaufnahme 19 befindet sich hinter einer Montageöffnung 20 im Gehäuse 4, wobei die Montageöffnung 20 im Betrieb von einer nicht gezeigten Abdeckkappe verschlossen wird. Erst bei Entfernen der Abdeckkappe wird im Falle einer Hilfsbetätigung die Werkzeugaufnahme 19 für das Bordwerkzeug 18 freigegeben. Bei auf die Rotorwelle aufgesetztem Bordwerkzeug 18 wird durch Drehbewegung des Bordwerkzeuges 18 und damit Drehung der Rotorwelle 8 die Stellbewegung 16 in die Feststellbremse eingeleitet. Eine derartige Hilfsbetätigungseinrichtung 17 ist zwar sehr einfach und kostengünstig realisierbar, jedoch wenig komfortabel, da sie unmittelbar am Kraftfahrzeugrad erfolgen muß.
In Weiterentwicklung der Ausführung nach Fig. 1 ist in Fig. 2 eine Hilfsbetätigungseinrichtung 17 erkennbar, die durch Muskelkraft beispielsweise vom Fahrgastraum eines Kraftfahrzeuges aus bedienbar ist. Dabei erfolgt die Hilfsbetätigung ausgehend von der Muskelkraft des Bedieners durch pneumatische Kraftübertragung in einen Aktuator 1 mit analogem funktioneilen Aufbau zu dem bereits beschriebenen und in Fig. 1 abgebildeten Aktuator. Die pneumatische Hilfsbetätigungseinrichtung 17 nach Fig. 2 besteht im wesentlichen aus einer pneumatischen Pumpeneinheit 21, einem kombinierten flexiblen Versorgungskabel 22 sowie einem in den Aktuator 1 integrierten pneumatisch-mechanischen Wandler 23. Die pneumatische Pumpeneinheit 21 ist aufgrund des kombinierten und flexiblen Versorgungskabels 22 je nach Platzbedarf beliebig innerhalb des Kraftfahrzeuges positionierbar, jedoch wird selbstverständlich eine Positionierung der Pumpeneinheit 21 für den Fahrer jederzeit erreichbar innerhalb des Fahrgastraumes angestrebt.
Die allgemeine Funktionsweise der elektromechanischen Regelbetätigung einer üblicherweise als Trommelbremse ausgeführten Feststellbremse erfolgt dabei analog zu dem bereits beschriebenen. Die Hilfsbetätigung der Feststellbremse wird ausgehend von der Pumpeneinheit 21 durch diskontinuierlichen Druckauf- bzw. -abbau bewerkstelligt. Dazu führt der muskel- kraftbetätigte Pumpenkolben 24, der innerhalb des Pumpengehäuses 25 axial verschiebbar geführt ist, axiale Pumpbewegungen aus . Der pneumatische Druckaufbau kann vorzugsweise durch luftpumpenartige Hubbewegungen eines Handknaufes 26 innerhalb der Pumpeneinheit 21 erzeugt werden. Ausgehend von der Pumpeneinheit 21 wird der pneumatische Druck über zumindest einen Druckschlauch 27 in den pneumatisch-mechanischen Wandler 23 innerhalb des Aktuators 1 übertragen. Der pneumatisch-mechanische Wandler 23 umfaßt im wesentlichen einen mittels einer Feder 28 gegenüber dem Gehäuse 4 vor-
gespannten Kolben 29. Der Kolben 29 ist innerhalb einer Bohrung 30 des Gehäuses 4 drehbar und axial verschiebbar geführt. Bei Axialverschiebung des Kolbens 29 infolge Druckbeaufschlagung wird der Kolben 29 über eine Kulissenführung 31, in die sich ein kolbenfester Bolzen 32 erstreckt, entgegen der Federkraft der Druckfeder 28 bewegt und über die Kulissenführung 31 in eine Drehbewegung versetzt. Damit gerät der entgegen der Federkraft der Druckfeder axial verschobene Kolben 29 mit einer Kegelradverzahnung 33 in Eingriff mit einer entsprechenden Verzahnung an der Rotorwelle 8 und vermag somit diese in eine diskontinuierliche Drehbewegung zu versetzen. Die Drehbewegung der Rotorwelle 8 bewirkt schließlich in bekannter Weise die Stellbewegung 16 der Feststellbremse. Jeder Kolben 29 des pneumatisch-mechanischen Wandlers 23 kann in Abhängigkeit von der Kulissenführung 31 eine Stellbewegung 16 in lediglich einer einzigen Richtung induzieren. Zur Realisierung sowohl einer Zustell- wie auch einer Lösebewegung ist ein pneumatisch-mechanischer Wandler 23 mit zwei Kolben 29 erforderlich, wobei jeder Kolben 29 eine zum anderen Kolben 29 gegenläufige Drehbewegung auf die Rotorwelle 8 zu übertragen vermag. Damit sind zwei getrennte Druckschläuche 27 zum Anschluß an jeweils einen Kolben 29 erforderlich. Die pneumatische Speisung der getrennten Druckschläuche für Lösen bzw. Zustellen der Feststellbremse muß innerhalb der pneumatischen Pumpeneinheit vor der Hilfsbetätigung eingestellt werden. Dazu ist in den Pumpenkolben 24 mit Handknauf 26 ein Bedienteller 34 integriert, der über zumindest eine Öffnung 35 verfügt. Der Bedienteller 34 befindet sich unmittelbar an den Ausgängen 36 für die Druckschläuche 27 und vermag diese druckdicht zu verschließen, es sei denn, die Öffnung 35 im Bedienteller 34 gerät in Überschneidung mit einem der Ausgänge 36. Der Bedienteller 34 ist drehfest mit dem Handknauf 26 verbunden und erlaubt durch Drehung des Handknaufes 26 die Wahl des Betriebsmodus (Zustellen, Lösen) für die Hilfsbetätigungs-
einrichtung 17. Je nach Stellung der Öffnung 35 kann somit entweder der Druckausgang 36 für Lösen bzw. für Zustellen der Feststellbremse eingestellt werden.
Idealerweise enthält das kombinierte und flexible Versorgungskabel 22 sowohl elektrische Versorgungsleitungen 37 für die elektromechanische Betätigung des Aktuators im Regelfall der elektromechanischen Feststellbremsbetätigung als auch Druckschläuche 27 für die pneumatische Versorgung der Hilfsbetätigungseinrichtung 17. Das sehr flexible kombinierte Versorgungskabel 22 ermöglicht eine einfache Kabelverlegung am Fahrzeug und erspart zusätzliche Kabelstränge für die Hilfsbetätigungseinrichtung .
Der Anschluß des kombinierten Versorgungskabels 22 an den Aktuator ist selbstverständlich nicht nur auf die in Fig. 2 dargestellte Ausführungsform begrenzt. Als vorteilhafte Variante erweist sich eine Umsetzung mit einem einzigen kombinierten Anschluß am Aktuator 1 in Verbindung mit einer Aufteilung in die elektrische bzw. die pneumatische Versorgung erst innerhalb des Aktuators 1. Darüber hinaus sind auch andere Arten von pneumatisch-mechanischen Wandlern 23 denkbar, die beispielsweise die diskontinuierliche pneumatische Anregung infolge der Pumpbewegungen an der Pumpeneinheit 21 in eine annähernd kontinuierliche Drehbewegung der Rotorwelle 8 umwandeln.
Fig. 3 ist ein Aktuator 1 mit einer Hilfsbetätigungseinrichtung 17 zu entnehmen, bei der die Betätigungskraft bei Hilfsbetätigung auf mechanischem Wege direkt auf die Feststellbremse übertragen wird. Dazu ist der mit dem bremsenfesten Stellglied in Verbindung stehende Seilzug als Zugstrang 38 ausgeführt, der durch eine durchgehende Öffnung im Aktuator 1 durch diesen hindurchgeführt ist und in ein vom Fahrer erreichbares Bedienelement 39 mündet. Auf dem Zugs-
trang 38 ist innerhalb des Aktuators 1 eine Mitnehmerhülse 40 verpreßt angeordnet, die aufgrund der Einbausituation des Zugstranges 38 unter Vorspannung am gewindeseitigen Ende der Spindel 12 anliegt. Die elektromechanische Betätigung der Feststellbremse im Regelfall ergibt sich damit analog zu dem bereits Beschriebenen und ermöglicht sowohl das Zustellen wie auch das Lösen der Feststellbremse.
Der Zugstrang 38 endet fahrerraumseitig in einen Gewindezapfen 41, der verdrehgesichert und axial verschiebbar innerhalb des Bedienelementes 39 angeordnet ist. Der Gewindezapfen 41 ist im Eingriff mit einer Mutter 42, die ihrerseits an einer Handkurbel 43 befestigt ist. Bei Hilfsbetätigung der Feststellbremse wird durch Drehung der Handkurbel und damit gleichzeitiger Drehung der Mutter 42 der Gewindezapfen mit Zugstrang in Zustellrichtung 44 der Feststellbremse bewegt. Diese Bewegung des Zugstranges 38 in Zustellrichtung 44 wird durch den Aktuator 1 hindurch unmittelbar auf das nicht gezeigte Stellglied der Feststellbremse übertragen, wobei der Zugstrang 38 besonders kostengünstig als Bowdenzug ausgeführt sein kann. Aufgrund der Beschaffenheit des Zugstranges, üblicherweise eines Bowdenzuges, erweist es sich bei einer Hilfsbetätigungseinrichtung 17 nach Fig. 3 als nachteilig, daß lediglich eine Hilfsbetätigung mittels des Bedienelementes 39 in Zustellrichtung 44 ermöglicht wird. Ein Lösen einer möglicherweise im Notfall zugestellten Feststellbremse ist mittels der dargestellten Hilfsbetätigungseinrichtung nach Fig. 3 nicht möglich. Es ist somit eine zusätzliche Notlöseeinrichtung, beispielsweise unter Verwendung von Bordmitteln, unmittelbar an der Feststellbremse erforderlich.
Den Fig. 4 und 5 sind weitere Ausführungsbeispiele für einen elektrisch betätigbaren Aktuator 1 mit Hilfsbetätigungseinrichtung 17 zu entnehmen, die sich gegenüber den bereits
beschriebenen Varianten lediglich hinsichtlich der Betätigungskraftübertragung ausgehend vom Bedienelement 39 bis zum Aktuator 1 unterscheiden. Als Übertragungselement zwischen Bedienelement 39 und Aktuator 1 dient in beiden Hilfsbetätigungseinrichtungen 17 nach den Fig. 4 und 5 eine flexible Welle 45 mit einer gegenüber der Wellenummantelung 46 drehbaren Wellenseele 47. An beiden Enden besitzt die Wellenseele 47 Endstücke 48, die jeweils über ein zur Momentenübertragung geeigneten Querschnitt (z.B. Polygonquerschnitt, Außensechskant o. ä.) verfügen. Die Wellenseele 47 ist mittels einer Druckfeder 49 bei allgemeinen Betriebsbedingungen gegenüber der Wellenummantelung 46 axial vorgespannt, wodurch das aktuatorseitige Endstück 48 außer Eingriff mit der entsprechend gestalteten Werkzeugaufnahme 19 in der Rotorwelle 8 des Aktuators 1 befindet. Das Bedienelement 39, das üblicherweise in Erreichbarkeit des Fahrers innerhalb des Fahrgastraumes positioniert ist, kann aufgrund der flexiblen Gestaltung der Welle 45 auch an jeden anderen vorteilhaften Ort verlegt werden. Eine einfache Ausgestaltung des Bedienelementes 39 sieht eine Handkurbel 43 vor, die eine entsprechend der Kontur des Endstückes 48 geformte Aufnahme 50 aufweist. Dabei ist die Handkurbel 43 im üblichen Betriebszustand der Bremse entweder direkt auf das Endstück 48 aufgesetzt oder aber sie kann getrennt von der flexiblen Welle 45 aufbewahrt werden. Nur im Falle der Hilfsbetätigung wird die Handkurbel 43 dann auf das Endstück 48 aufgesetzt und durch axiales Niederdrücken entgegen der Kraft der Druckfeder 49 wird durch Axialverschiebung der Wellenseele 47 das aktuatorseitige Endstück 48 in Eingriff mit der rotorseitigen Werkzeugaufnahme 19 gebracht. Auf diesem Wege entsteht eine verdrehfeste Verbindung ausgehend von der Handkurbel bis zur Rotorwelle 8 , die eine Drehmomentenübertragung erlaubt . Eine in diesem Zustand durchgeführte Drehung der Handkurbel 43 bewirkt gleichsam eine Drehung der Rotorwelle 8 und somit eine Stellbewegung (Lösen bzw. Zustellen) an der Feststell-
bremse am Kraftfahrzeugrad. Vorteilhafterweise besitzt die Handkurbel in der Nähe der Aufnahme 50 an ihrem Außenumfang einen Wulst 51, der bei axial niedergedrücktem Zustand der Handkurbel 43, d.h. bei Eingriff des aktuatorseitigen Endstückes 48 in der Werkzeugaufnahme 19 bei Hilfsbetätigung, in einer entsprechend gestalteten Nut 52 eines wellenfesten Aufnahmetopfes 53 einrastet. Ein solcher Aufnahmetopf 53 kann insbesondere aus Kunststoff bzw. als einfaches Blechumformteil gestaltet sein. Bei Beendigung der Hilfsbetätigung kann die Handkurbel 43 aus ihrer Rastung gelöst werden, wodurch die Wellenseele 47 aufgrund der Wirkungs der Federkraft wieder außer Eingriff mit der Rotorwelle gebracht wird.
Fig. 5 zeigt eine Weiterentwicklung der Hilfsbetätigungseinrichtung 17 aus Fig. 4, bei der eine radiale Anschlußmöglichkeit der flexiblen Welle 45 an den Aktuator 1 besteht. Die Gestaltung des Bedienelementes 39 kann dabei entsprechend dem in Fig. 4 Gezeigten ausgeführt sein. Auch in dieser Ausführung ist die Wellenseele 47 beispielsweise infolge der Krafteinwirkung einer Feder 49 gegenüber der Wellenummantelung 46 axial vorgespannt, wodurch die Wellenseele 47 im üblichen Betriebszustand der Bremse aktuatorseitig außer Eingriff mit der Rotorwelle 8 ist. Das aktuatorseitige Endstück 48 besteht hier aus einem Zapfen 54 mit Kegelradverzahnung 33. Eine zugehörige Kegelradverzahnung 33 ist an der Rotorwelle 8 ausgebildet. Bei Hilfsbetätigung, d.h. Axialverschiebung der Wellenseele 47, gerät der Zapfen 54 über die Kegelradverzahnung 33 in Eingriff mit der Rotorwelle und die gewünschte Drehbewegungsübertragung, ausgehend vom Bedienelement 39 auf die Rotorwelle 8, kann erfolgen.
Die dargestellten und erläuterten Ausführungsbeispiele von Hilfsbetätigungseinrichtungen 17 mit entsprechenden Aktuatoren 1 an der Feststellbremse sind selbstverständlich nicht
auf Anwendungen bei Duo-Servo-Feststellbremsen beschränkt. Es ist ohne weiteres eine Übertragung des Erfindungsgedankens auf Trommelbremsen allgemein möglich. Darüber hinaus sind auch andere Aktuatortypen mit analoger Funktionsweise denkbar. Schließlich soll der erfinderische Gedanke auch nicht ausschließlich auf die innerhalb der Beispiele offenbarten Bedienelemente 39 und Kraftübertragungselemente 22,38,45 begrenzt sein.
Bezugszeichenliste
1 Aktuator
2 Stator
3 Rotor
4 Gehäuse
5 Elektrische Wicklung
6 Elektrische Versorgungsleitung
7 Wälzlager
8 Rotorwelle
9 Permanentmagnet
10 Öffnung
11 Seilzug
12 Spindel
13 Verdrehsicherung
14 Außengewinde (Spindel)
15 Gewindebohrung (Rotorwelle)
16 Stellbewegung
17 Hilfsbetätigungseinrichtung
18 Bordwerkzeug
19 Werkzeugaufnahme
20 Montageöffnung
21 Pneumatische Pumpeneinheit
22 Kombiniertes Versorgungskabel
23 Pneumatisch-mechanischer Wandler
24 Pumpenkolben
25 Pumpengehäuse
26 Handknauf
27 Druckschlauch 28 Feder
29 Kolben
30 Bohrung
31 Kulissenführung
32 Bolzen
33 Kegelradverzahnung
Bedienteller
Öffnung
Ausgang
Elektrische Versorgungsleitung
Zugstrang
Bedienelement
Mitnehmerhülse
Gewindezapfen
Mutter
Handkurbel
Zustellrichtung
Flexible Welle
Wellenummantelung
Wellenseele
Endstück
Druckfeder
Aufnahme
Wulst
Nut
Aufnahmetopf
Zapfen