Komponente zur Herstellung von Polymermischungen au. der Basis von Stärke und Verfahren zur Herstellung der Komponente
Die Erfindung betrifft eine Komponente aus Polyvinylacetat und Alkali- Wasserglas zur Herstellung von thermoplastisch verfoπnbaren, gut wasserformbeständigen, biologisch abbaubaren und hellen Polymerrnischungen auf der Basis von Stärke, die zur Herstellung von Folien, Halbzeugen oder Fertigprodukten, z.B. für Verpackungen, Behälter, Gärtnereibedarf, insbesondere Anzuchthilfen, und anderweitig eingesetzt werden kann und ein Verfahren zur Herstellung der Komponente.
In den letzten Jahren sind zahlreiche Verfahren zur Herstellung und Verformung von thermoplastischer Stärke (TPS) allein oder als Polymermischung bzw. Polymerschmelze oder Polymerblend (im folgenden Polymermischung) bekannt geworden. Diese Arbeiten wurden mit dem Ziel ausgeführt, neue bzw. erweiterte Einsatzfelder für nachwachsende Rohstoffe zu erschließen.
Grundlage aller bisher bekannten hrfindungen ist die Erkenntnis, daß die kömige Struktur nativer Stärke zuerst mit definierten Anteilen an Wasser oder/und niederen polyfunktionellen .Alkoholen, wie Ethylenglykol, Propylenglykol, Glycerol, 1,3-Butandiol, Di-glycerid, entsprechende Ether, aber auch Verbindungen wie Di-methylsulfoxid, Di-methylformamid, Di-methylharnstoff, Dimethylacetamid und/oder anderen Zusatzstoffen durch einen thermomechanischen Aufschluß zu thermoplastischen Material mit Hilfe von konventionellen Extrudern umgewandelt und dann verformt werden kann.
Der Gebrauchswert des Extrudats und der aus ihm hergestellten Produkte ist gering. Insbesondere ist das Material stark hydrophil.
Neuere Vorschläge befassen sich mit der Zumischung synthetisch gewonnener wasserfester Polymere, wie z. B. Polyethylen, Polypropylen, Polycaprolactόn als Mischkomponente für Stärke. Dabei tritt aber das Problem auf, daß die Verträglichkeit zwischen den Polymerkomponenten ungenügend ist und die biologische Abbaubarkeit bzw. auch die Kostenstruktur ungünstig werden.
Der Stand der Technik ist umfassend im Schrifttum dokumentiert. Als Bezug sei auf die Publikation von R.F.T.Stepto et al. „Injection Moulding of Natural Hydrophilic Polymers in the
Presence of Water" Chimia 41 (1987) Nr.3, S.76-81 und die dort zitierte Literatur sowie beispielhaft auf die Patente DE 41 16404, EP 0327505, DE 4038732, US 5106890, DE 4117628, WO 94/04600, DE 4209095, DE 4122212, EP 0404723 oder EP 407350 hingewiesen.
In DE 40 38 732 wird im Extruder die mit Wasser und Glycerol plastifizierte Stärke mit vorwiegend Polyvinylacetat zu einer Polymermischung verarbeitet. Das Extmdat hat gegenüber TPS eine bessere Wasserresistenz. Bei höheren Stärkeanteilen färben sich das Ext dat bzw. aus ihm hergestellte Flaschen gelblich bis bräunlich. Der Stärkeeinsatz ist dadurch auf unter 50 °o beschränkt.
Es wurde bereits eine leicht saure bis neutrale Komponente aus Polyvinylacetat und Wasserglas vorgeschlagen (DE 195 33 800), mit dem ein Polymergemisch aus Stärke und einem hydrophoben Polymer, z.B. Polyvinylacetat, e trudiert werden kann. Die Komponente wird aus Wasserglas und Polyvinylacetat sowie gegebenenfalls weiteren Säurekomponenten zur Einstellung des pH- Wertes im Extrusions-Prozeß bei intensiver Durelunisehung hergestellt. Es wurde gefunden, daß bereits geringe Zusätze dieser Komponente eine erhebliche qualitative Verbesserung des Extrudats und der aus ihm hergestellten Erzeugnisse ergibt. ( )hne oder nur mit geringer Verfärbung und bei Beibehaltung bzw. Verbesserung der Wasserformbeständigkeit kann gegenüber dem Stand der Technik erheblich mehr native Stärke eingesetzt werden. Offensichtlich trägt die Komponente dazu bei, daß die beiden an sich mischungsunverträglichen Phasen, die hydrophile thermoplastische Stärke und das hydrophobe Polymer bis zu einem gewissen Grad mischbar werden.
Weitere Versuche haben gezeigt, daß die Qualität der Endprodukte hinsichtlich der Wasserformbeständigkeit und Festigkeit noch weiter verbessert werden muß. Insbesondere war es auch nicht möglich, dünne Folien unter ca. 300 μ m Dicke herzustellen.
Ausgehend von dem ökologischen Ziel, nachwachsende Rohstoffe zur wirtschaftlichen Herstellung umweltverträglicher Produkte noch stärker zu nutzen, bestand in der vorliegenden Erfindung die Aufgabe, eine Komponente anzugeben, mit der aus thermoplastischer Stärke und einem hydrophoben Polymer, zum Beispiel Polyvinylacetat, qualitativ hochwertigere thermoplastisch verformbare, biologisch abbaubare Polymergemische extrudiert werden können, sowie ein Verfahren zur
Herstellung der Komponente aus Polyvinylacetat und Alkali- Wasserglas anzugeben.
Erfindungsgemaß wird die Komponente dadurch gewonnen, daß das Polyvinylacetat in Gegenwart katalytischer Zusätze von niedermolekularen, organischen Mono-, Di- und Trihydroxylverbindungen (z.B. Methanol, Ethanol, Ethylenglycol, Glycerol) unter kontinuierlicher Zugabe von basisch reagierenden Verbindungen und des Alkali-Silikats im Batch-Prozeß hydrolisiert und verseift wird.
Die Komponente enthält Organosilikate großer Homogenität und Feinheit aus teilverseiftem Polyvinylacetat und Alkalisilikallösung, weitere in silu hergestellte Reaktionsprodukte und Reste des bei seiner Herstellung verwendeten Katalysators.
Charakteristisch für die Reaktionsführung ist, daß das Polyvinylacetat in ca. 50-°oiger Suspension mit dem Katalysator vorgelegt und bei starker Durchmischung die basischen Verbindungen vor der Alkalisilikatlösung oder zusammen mit dieser zugegeben werden.
Es hat sich gezeigt, daß mit dieser Komponente Polymergemische mit hohen Stärkeanteilen analog zu DE 195 33 800 extrudiert werden können. Die aus diesen Polymergemischen hergestellten Produkte haben, wie in den Ausführungsbeispielen näher gezeigt wird, in mehreren Parametern eine deutlich höhere Qualität. Insbesondere ist es bereits jetzt möglich Folien mit einer Stärke von unter 100 f._m herzustellen.
Es wurden bereits verschiedene Modifikationen gefunden.
Insbesondere bei einer Vorverseifung des Polyvinylacetats mit Calciumhydroxid entsteht eine Komponente, mit der biologisch abbaubare Polymergemische hoher Festigkeit produziert werden können. Mit Calciumhydroxid und Natriumdisilikat (anstelle von Wasserglas) wurden die bisher besten Werte erzielt.
Auch geringe Zusätze von nativer Stärke und Vinylacetat oder von pol} _iιnktionellem Silan (z.B.
Dynasilan GLYMO der Fa. Hüls) bei der Herstellung der Komponente verbessern die Qualität der Endprodukte.
Die Komponente ist bei Raumtemperatur fest und oberhalb 40 °C eine strukturierte Flüssigkeit. Nach Entnahme aus dem Mischer kann überschüssiges Wasser durch Zentrifugieren entfernt werden. Üblicherweise verbleibt in dem Produkt eine Restfeuchte von 35% bis 40%. In ihr ist der verwendete Katalysator etwa proportional zu den eingesetzten Mengen Katalysator/ Flüssigkeit enthalten.
Die Erfindung wird nachfolgend an mehreren Ausfύluungsbeispielen näher dargestellt.
Die Herstellung der verschiedenen Komponenten erfolgt in einem diskontinuierlich arbeitenden Fest- Flüssig-Mischer der Firma Gebrüder Lödige Maschinenbau GmbH. Der Mischer ist ausgerüstet mit
* einem über die Drehzahl regulierbaren Schleuderwerk (max. ca. 350 U/min) und einem Messerkopf, betreibbar bei konstanter Drehzahl. Das Auffieizen erfolgt durch den Doppelmantel des Mischers mittels drucküberlagertem Temperiersystem oder mit Direktdampf.
Nach Erreichen der Reaktionstemperatur von 120 bis 140 C sind Reaktionszeiten von 1 bis 2 Stunden erforderlich.
Eingesetzt werden: Eine 55-%ige Polyvinylacetat-Suspension, 99,5%-iges Glycerol, 40%-iges Na- Wasserglas 37/40 sowie NaOH oder/und Ca(OH)2.
Zur Ermittlung der Qualität wurden mit jeweils 10 % der entsprechenden Komponente Polymergemische auf der Basis von Polyvinylacetat und Stärke analog der DE 195 33 800 extrudiert und aus ihnen Probekörper und Flachfolien hergestellt. Das Masseverhältnis Stärke zu Polyvinylacetat betrug gleichbleibend in allen Versuchen 3:1.
Quellgrad (Q in %) und Löslichkeit (L in %) wurden an den Probeköφem ermittelt, die in Wasser bei Raumtemperatur über 24 Stunden gelagert wurden. Dabei entspricht der Quellgrad dem Quotienten aus der Massedifferenz vom ungetrockneten gequollenen Probeköφer (mQ) und dem
gleichen, getrockneten Probeköφer vor der Quellung (mA) zur Ausgangsmasse des trockenen Probeköipers vor der Quellung (mA): mQ - mA Q -, (in αo) mA
Die Lösliclikeit errechnel sich aus der Masse der getrockneten Ausgangsprobe (mA), vermindert um die Masse der gewässerten, getrockneten Probe (mG) und bezogen auf die Masse der getrockneten Ausgangsprobe: mA - mα
L = (in°o) mA
Zugfestigkeit (σ in MPa), Dehnung (ε in %) und E-Modul (in MPa) wurden an Pmfköφem in Form von Schulterstäben (L: 75 mm,
13 mm, B ,
tg: 4mm) bestimmt. Diese wurden aus bei 130 °C extrudierten Flachfolien ausgestanzt und über 24 Stunden bei 50% relativer Luftfeuchte gelagert. Die Prüfgeschwindigkeit betrug 200 mm/min, die Messungen wurden gemäß ISO 527 durchgeführt.
Die in der Tabelle (s. u.) angegebenen Zahlen werte stellen Mittelwerte aus mehreren vergleichbaren Messungen dar.
Beispiel 1
In den unbeheizten Labormischer werden 1600 g Polyvinylacetat -Suspension und 120 g Glycerol eingewogen und unter Rühren mit Schleuderwerk (n 300 - 350 U/min) auf die Reaktionstemperatur von 140 °C aufgeheizt. 900 g der Natronwasserglaslösung, angereichert mit 171 g Natriumhydroxid, werden über eine Ivlikrodosieφumpe in das heiße Reaktionsmedium gegen den im Mischerinnenraum existierenden Dmck, der der Temperatur und dem Wassergehalt entspricht, kontinuierUch dosiert. Die Dosiergeschwindigkeit wurde so gewählt, daß mit Abschluß der Dosierung die angestrebten
Reaktionen im wesentlichen vollzogen waren. Im Beispiel betrug die Dosier- und Reaktionszeit 2h. Während der gesamten Dosierzeit ist neben dem Schleuderwerk auch der Messerkopf eingeschaltet. Nach der Dosierung der Natronglaswasserlösung wird mit 0,25N Natronlauge gespült, um das restliche Wasserglas der Reaklionsmischung zuzuführen.
Die Eigenschaften der extmdierten Polymermischung enthält die nachfolgende Tabelle unter Beispiel 1.
Zum Vergleich wurde eine Komponente analog zu DE 195 33 800, aber ebenfalls im Batch- Prozeß (also unter besseren Bedingungen) hergestellt. Die Eigenschaften der extmdierten Polymermischung enthält die nachfolgende Tabelle unter Beispiel 0.
Es ist zu erkennen, daß die Werte des mit der erfindungsgemäß hergestellten Komponente extmdierten Polymergemischs verbessert sind. Vor allem aber konnten wesentlich dünnere Folien als bisher hergestellt werden.
Beispiel 2
Wie Beispiel 1, jedoch anstelle der dem Natronwasserglas zugesetzten Menge Natriumhydroxid wird eine äquimolare Menge Calciumhydroxid dem Reaktionsansatz zugesetzt. Nach dem Aufheizen wird das Wasserglas mit der Mikrodosieφumpe zudosiert und die Reaktion nach der unter Beispiel 1 beschriebenen Verfahrensweise beendet.
Beispiel 3
Das Calciumhydroxid wird in die Polyvinylacetat-/Glycerolmischung eingewogen und innig homogenisiert. Anschließend wird der Ansatz auf Reaktionstemperatur gebracht und über 1 h belassen. Danach erfolgt die Dosiemng des Natronwasserglases wie in den Beispielen 1 und 2.
Durch Variation der Reaktionszeit und -temperatur sowie der Konzentration der basischen
Ausgangsstoffe kann der Grad der Vorverseifung variiert werden.
Durch den Einsatz von Calciumhydroxid und insbesondere durch die Variante der Vorverseifung wird die Wasserfestigkeit des Polymergemischs verbessert (s. Tabelle, Beispiele 2 und 3).
Beispiel 4
Dem Reaktionsansatz werden 5 % native Kartoffelstärke, bezogen auf die Einwaage der Polyvinylacetat-Suspension, vor der Verseifung zugegeben und auf die in Beispiel 1 beschriebene Weise umgesetzt. Gegenüber den Werten aus Beispiel 1 tritt eine gewisse Verschlechterung auf (Tabelle, Beispiel 4)
Beispiel 5:
Dem umgesetzten Reaktionsprodukt aus Polj'vinylacetat, Natriunthydroxid und Natronwasserglas werden 5 % Kartoffelstärke und 0, 5 % Vinylacetat, bezogen auf die Einwaage der
Polyvinylacetat-Suspension zugesetzt und eine einstündige Umesterung bei 40 C durchgeführt. Die Produkteigenschaften verbessern sich wesentlich. (Tabelle, Beispiel 5)
Beispiel 6:
Der Zusatz von 5 % eines polyfunktionellen Silans (Dynasilan GLYMO, Fa. Hüls), bezogen auf die Masse des durch das Natronwasserglas in die Komponente eingebrachten Silikates, wirkt ebenfalls positiv auf die Eigenschaften des extmdierten Compounds (Tabelle, Beispiel 6). Hierzu wird die eingewogene Menge des Silans der fertigen Komponente bei einer Temperatur unter 100 °C zugemischt. Die Masse wird auf 120 °C erhitzt und 20 min bei dieser Temperatur gerührt.
Beispiel 7:
Eine weitere Möglichkeit der Beeinflussung des Eigenschaftsbildes extmdierter Stärke/Polyviny.acetat- Mischungen eröffnet sich durch die Synthese einer Komponente, bestehend aus der Polyvinylacetat- Suspension zum Teil verseift mit Calciumliydroxid, und Natriumdisilikat. Die Zusammensetzung des Reaktionsansatzes wird dabei so gewählt, daß sie dem Verseifungsgrad und Silikatgehalt der Komponente gemäß Beispiel 1 entspricht. Die Polyvinylacetat-Suspension, Calciumhydroxid und Natriumdisilikat werden eingewogen, auf Reaktionstemperatur gebracht und eine der Wasserglasdosierung entsprechende Zeit (2 h) bei dieser Temperatur gehallen. (Tabelle, Beispiel 7)
Tabelle: Eigenschaftswerte der mit den verschiedenen erfindungsgemaßen Komponenten (Beispiele 1 bis 7) und der Vergleichskomponente (Beispiel 0) extmdierten Polymergemische