Verfahren zur Bildung lateral organisierter Strukturen auf Trägeroberflächen
Beschreibung
Die vorliegende Erfindung betrifft eine Anordnung, auf deren Trägeroberfläche molekulare Schichten elektrisch adressierbar immobilisiert sind, ein Verfahren zur elektrisch adressierbaren Immobilisierung von Molekülen, eine Vorrichtung zur Durchführung dieses Verfahrens und die Verwendung dieser Anordnung als Chemo- und/oder Biosensor, insbesondere als Multisensorsystem für chemische, biologische und physikalische Bestimmungen und für Anwendungen in der kombinatorischen Synthese an der Grenzfläche.
Sowohl Chemsensoren als auch Biosensoren, d.h. vergleichsweise kleine Meßanordnungen, werden immer häufiger benötigt, um chemische oder biochemische .Analysen rasch und am Ort des Geschehens durchzufüliren. Sie sind insbesondere den immunologischen Nachweissystemen im Vorteil, da sie in der Lage sind, beispielsweise Konzentrationen von (bio)chemischen Stoffen in kurzer Zeit und oline aufwendige Probenvorbereitung, vorzugsweise kontinuierlich zu erfassen. Ein Biosensor sollte deshalb klein sein, wodurch ein weiterer Vorteil der Anwendung durch die Nähe zum Ort der Untersuchung gegeben ist, z.B. können Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel mit Hilfe enzymatischer Biosensoren in wenigen Minuten bestimmen.
Chemo- bzw. Biosensorik bedeutet also sowohl erkennen als auch quantifizieren. Der Prozeß der molekularen Erkennung spielt z.B. in der Biologie eine entscheidende Rolle. Ein Zelle muß beispielsweise das Kaliumion erkennen und darf es nicht mit dem sehr ähnlichen Natriumion verwechseln, das Enzym Glucosedehydrogenase darf nur Glucose abbauen, aber nicht Fructose und das Immunsystem muß eingedrungene Feinde als solche erkennen, bevor
es sie angreift. Für die Entwicklung von Chemo- und Biosensoren braucht man also Moleküle, die das Ziel erkennen. Gleichzeitig müssen die vielen anderen ebenfalls vorhandenen Stoffe ignoriert werden. Ein Biosensor muß also die Voraussetzung erfüllen, daß der Vorgang der Erkennung/Bindung nachgewiesen und in ein meßbares Signal ..übersetzt" werden kann. Diese „Übersetzung" stößt jedoch auf Schwierigkeiten, so daß ein Bedarf an einem einfach durchführbaren Nachweissystem besteht. Bei Systemen, die als Monosysteme eingesetzt werden, ist eine Immobilisierung der Moleküle nicht notwendig, da nur eine einzige Spezies erkannt und nachgewiesen werden soll. Will man jedoch multiple Systeme einsetzen, beispielsweise Multisensorsysteme mit denen verschiedene Moleküle gleichzeitig nachgewiesen werden sollen, ist es erforderlich, die molekularen Schichten immobilisiert auf der Trägeroberfläche zu adressieren, damit eine Signalerkennung nachgewiesen werden kann. Ein solches System ist aus dem Stand der Technik nicht bekannt.
Aus dem Stand der Technik sind verschiedene Verfahren für die adressierbare Immobilisierung bekannt, mit deren Hilfe mehrere verschiedene Molekültypen gezielt auf einer Trägeroberfläche gebunden werden können. Yershov et al. (Yershov, G., Barsky, V., Belgovskiy, A.. Kirillov, E., Kreindlin, E., Ivanov, I., Parinov, S., Guschin. D., Drobishev, A., Dubiley, S., Mirzabekov. A., Proc. Natl. Acad. Sei. 43, (1996) 4913-4916) sowie Blanchard et al. (Blanchard, A.P.. Kaiser. R.J.. Hood, L.E.. Biosens. & Bioelectron. 11, (1996) 687-690) beschreiben die Verwendung dieser Technik beispielsweise zur Herstellung von DNA-Arrays. Darüber hinaus werden sie für die mikromechanische Adressierbarkeit und die optische Adressierbarkeit eingesetzt. Aus dem US-Patent Nr. 54 12 087 ist bekannt, daß die optische Immobilisierung durch die Verknüpfung funktioneller Gruppen mit photolabilen Schutzgruppen erfolgt. Die Aktivierung des Systems erfolgt durch Abspalten der Schutzgruppe mittels Photolyse. Chrisey et al. (Chrisey, L.A., O'Ferall, E., Spargo, B.J., Dulcey, C.S., Calvert, J.M., Nucl. Acids Res. 24, (1996) 3040-3047) beschreiben eine weitere Möglichkeit, die darin besteht, daß die Adsorption unter Verwendung der Photoresist-Technik durchgeführt wird.
Die oben gekannten Immobilisierungsverfahren weisen jedoch viele Nachteile auf, die die Anwendbarkeit der Verfahren einschränken. So ist z.B. die Auflösung der
mikromechanischen Immobilisierung durch die Größe der einzelnen Sprühpartikel limitiert. Bei dem oben beschriebenen Verfahren von Yershov et al. (1996) und Blanchard et al. (1996) wird im besten Fall eine optische Auflösung von ca. 100 μm erreicht. Bei der optischen Immobilisierung gemäß dem US-Patent Nr. 54 12 087 muß immer mit Schutzgruppen gearbeitet werden, die die Einhaltung bestimmter Bedingungen (z.B. Lösungsmittel, Abdunklung wegen Lichtempfindlichkeit und dgl.) erfordern und die zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder abgespalten werden müssen. Die oben genannte Photorestist-Methode von Chrisey et al. (1996) ist sehr zeit- und kostenaufwendig, da eine große Anzahl von Photomasken verwendet werden muß.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es. eine Anordnung bereitzustellen, die in der Lage ist, sowohl Moleküle zu binden als auch zu erkennen und damit qualitativ und quantitativ bestimmbar zu machen. Ein weitere Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren bereitzustellen, bei der Moleküle auf einfache Weise auf Oberflächen elektrisch adressierbar immobilisiert oder desorbiert werden können, um damit die genannten Nachteile vermeiden zu können. Darüber hinaus ist es eine zusätzliche Aufgabe der Erfindung, eine neue Vorrichtung zur Durchfülirung des erfindungsgemäßen Verfahrens und damit zur Herstellung der erfindungsgemäßen .Anordnung zu liefern.
Eine Lösung dieser Aufgabe besteht in der Bereitstellung einer Anordnung mit elektrisch adressierbaren immobilisierten Molekülen, die einen Träger, eine und/oder mehrere (1 bis n) elektrisch leitende Trägeroberfläche(n), die auf diesem Träger angeordnet ist/sind und einen und/oder mehrere immobilisierte(n) identische und/oder verschiedene Rezeptor(en), umfaßt.
Obwohl bekannt ist. daß die chemische Adsorption von Molekülen auf eine Elektrode durch Veränderungen des angelegten chemischen Potentials beeinflußt werden kann und diese Potentialabhängigkeit auch für die chemische Adsorption von Thiolverbindungen auf Elektroden gilt, wurden nun die Bedingungen untersucht, bei denen beispielsweise die Gold- Schwefel-Bindung stabil ist. Überraschenderweise konnte jedoch nachgewiesen werden, daß eine chemisch adsorbierte Molekularschicht auf einer Elektrode nur innerhalb eines bestimmten pH-abhängigen Potentialbereichs stabil ist. Diese Ergebnisse gehen weit über die
Erkenntnisse hinaus, die in der Literatur von Imabyashi et al. beschrieben sind (Imabyashi, S., Iida, M., Hobara, D., Feng, Z.Q., Niki, K., Kakiushi, T., J. Electroanal. Chem., 428 (1997), 33-38).
Die Lösung der Aufgabe, ein Verfahren zur Herstellung einer aAnordnung der oben beschriebenen hxX bereitzustellen, besteht darin, daß Moleküle in einfacher aArt auf Oberflächen adressierbar immobilisiert werden. Dieses Verfal ren besteht aus den Schritten:
(a) ein Träger mit n Elektroden, wobei n eine ganze Zahl ist, wird in eine Durchflußzelle, in der sich Elektrolytlösung zusammen mit den zu immobilisierenden Molekülen (Rezeptoren), befindet, eingebracht,
(b) die Elektroden werden separat entweder mit einem Adsorptionspotential oder einem Desorptionspotential belegt, wobei durch das Desorptionspotential die unbeschichteten Elektrodenplätze inert gehalten werden und das an den bereits beschichteten Elektrodenplätzen weiterhin angelegte Adsorptionspotential verhindert die Desorption von Molekülen ebenso wie die weitere Adsorption anders strukturierter Moleküle, wodurch erreicht wird, daß der Elektrodenplatz mit dem ersten Molekültyp besetzt ist und die Moleküle immobilisiert werden und fest an der Trägeroberfläche gebunden sind und
(c) die Adsorption von Molekülen an der/den Elektrode(n) als Signaländerung zu messen.
Das Verfahren ist abgeschlossen, wenn ein konstanter Signalwert erreicht ist. z.B. Kapazitäts-, Impedanz- oder Resonanzfrequenzwert.
Der Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens liegt darin, daß mit der Ändeι*ung des Potentials innerhalb und außerhalb des Potentialstabilitätsbereichs die Desorption oder Adsorption von Molekülen gesteuert werden kann. Mit diesem Prinzip ist es möglich, eine bestimmte laterale Struktur der chemisch adsorbierten Schicht aufzubauen.
Dieses Verfahren kann mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung durchgeführt werden, die aus einer Wechselvorrichtung (1) für Probenbehälter. einer Pumpe (2),
einer Durchflußzelle (3), in die das gewünschte Molekül oder der Rezeptor oder in die die gewünschten Moleküle oder Rezeptoren mittels der Pumpe (2) transportiert werden, einem Träger, (5) auf dem n Elektroden angeordnet sind, wobei sich der Träger (5) mit den n Elektroden in der Durchflußzelle (3) befindet, einem Multiplexers (6), einem Adreßbus (7), der den Multiplexer (6) steuert, wodurch an die Elektrode(n) separat entweder ein Adsorptionspotential (8) oder ein Desorptionspotential (9). gegenüber einer
Referenzelektrode (10) angelegt wird/werden, und einem Auffanggefäß (4), in das nach erfolgter Immobilisierung der Moleküle mittels der
Pumpe (2) die überschüssigen Moleküle gepumpt werden, besteht.
Die erfindungsgemäße Anordnung wird als Chemo- und/oder Biosensor. insbesondere als Multisensorsystem verwendet.
Diese Verwendung wird vorteilhafterweise direkt im Probenmedium durchgefülrrt. so daß die Bestimmung und/oder der Nachweis in einfacher Weise durch die Messung einer Signaländerung, insbesondere Kapazität. Impedanz. Resonanzfrequenz gelingt. Damit wird ein System bereitgestellt, mit dem die oben geschilderten Probleme und Nachteile, der aus dem Stand der Technik bekannten Systeme, überwunden werden.
Die erfindungsgemäßen Anordnungen mit den elektrisch adressierbar immobilisierten Molekülen können auch für die kombinatorische Synthese eingesetzt werden, indem man auf der Elektrodenoberfläche gebundene Moleküle, die je nach Elektrode identisch oder verschieden sein können, durch Anlegen des Desorptionspotentials gezielt freigibt und so als Reaktionspartner während des durchgeführten Systheseschritts zufuhrt oder wenn auf der Oberfläche die Synthese durchgeführt wurde, die Produkte direkt abgespalten werden können.
Für die elektrisch adressierbare Immobilisierung werden Elektroden beliebiger Größe, Form und ./Vnzahl verwendet, die auf einen Träger aus einem dielektrischen Stoff aufgebracht sind, in diesem dielektrischen Stoff können gegebenenfalls elektrische Zuleitungen für Sensorspots
eingebracht sein. Die Immobilisierung erfolgt nach den in den Figuren 1 und 2 gezeigten Schemata, die weiter unten beschrieben werden. Bei der Immobilisierung werden verschiedene Rezeptoren (Moleküle A, B, C, usw.), die eine oder mehrere Thiolgruppen enthalten, gezielt auf verschiedene Elektroden (/, 2, 3, usw.) gebunden: Rezeptor A auf Elektrode El, Rezeptor B auf Elektrode E2, usw. Um diese Bindungen zu erreichen, wird wie folgt vorgegangen: An Elektrode El wird in flüssigem Elektrolyt ein geeignetes Elektrodenpotential (Adsorptionspotential) gegenüber einer Referenzelektrode angelegt, die die Bindung mit Thiolgruppen unterstützt. Gleichzeitig werden die anderen Elektroden (2, 3, usw.) mit einem Elektrodenpotential (Desorptionspotential) gegenüber derselben Referenzelektrode belegt, die ausreichend ist. um die Bindung der Thiolgruppen an diesen Elektroden zu unterdrücken. Deshalb wird das zugegebene Rezeptormolekül A nur an die Elektrode El gebunden. Anschließend werden die Rezeptormoleküle A in der flüssiger Elekrolyt durch eine flüssige Elektrolytlösung mit Rezeptormolekülen B ersetzt und diese Moleküle an den nachfolgenden Elektrodenplatz 2 adressiert. Durch das biege des Desorptionspotential werden die unbeschichteten Elekrodenplätze weiterhin inert gehalten. Das an den bereits beschichteten Elektrodenplätzen weiterhin angelegte Adsorptionspotential verhindert die Desorption von Molekülen ebenso wie die weitere Adsorption anders strukturierter Moleküle, weil der Elektrodenplatz mit dem ersten Molekültyp vollständig besetzt ist. Dieser Vorgang wird solange wiederholt, bis die Sensoranordnung vollständig aufgebaut ist. Zwischen dem immoblisierten Molekül und der Elektrode bildet sich eine feste Bindung. Somit ist es möglich, einen Biosensor oder ein Multisensorsystem („.Aιτay") mit beliebiger molekularer Struktur zu erzeugen.
Ein weiterer Vorteil in dem erfindungsgemäßen Verfahren besteht darin, daß im Anschluß an die elektrisch adressierbare Immobilisierung eine oder melirere Molekülschicht(en), z.B. Antikörper, DNA-Stränge über funktionelle Gruppen an eine beliebige Anzahl von (0 bis n) Elektroden, auf denen sich die Rezeptoren befinden, chemisch und/oder physikalisch adsorbiert und/oder immobilisiert werden kann/können. Zu diesem Zweck wird für alle beschichteten Elektroden das Adsorptionspotential beibehalten und die flüssige Elektrolytlösung der zu koppelnden Moleküle gleichzeitig mit einem Kopplungsreagenz in die Durchflußzelle gepumpt. Alternativ dazu kann auch zuerst das Kopplungsreagenz zugegeben
werden und nach erfolgter Aktivierung der Basisschicht(en) die zu koppelnden Moleküle zugegeben werden. Wenn die Moleküle in der Lage sind, selbständig an die adressierte Schicht zu binden, kann auf das Kopplungsreagenz verzichtet werden, z.B. beim Avidin- Biotin-System, Ni-His-tag, hydrophoben-hydrophoben Wechselwirkungen von Liposomen mit unfunktionalisierten Alkanthiolketten. Nach erfolgter chemischer oder physikalischer Bindung mit der/den Basisschichten wird mit flüssigem Elektrolyt gespült, um nicht verbrauchtes oder deaktiviertes Kopplungsreagenz und/oder nicht gekoppelte Moleküle aus der Zelle zu entfernen. Dieser Vorgang kann je nach Einsatzgebiet des Detektorsystems mehrmals wiederholt werden, bis schrittweise die gewünschte Sensorstruktur erreicht wird.
.Analog zu dieser Anwendung können zwei oder mehrere Elektroden des Multisensorsystems (,,Arrays") mit Hilfe des Adsorptionspotentials beschichtet werden und gegebenenfalls mit einer anschließenden physikalischen oder chemischen Adsorption oder Kopplung mit einer oder mehreren identischen oder verschiedenen Molekülschichten modifiziert werden. Legt man nun an bestimmten Elektroden das Desorptionspotential an, kann/können nach Desoφtion und Auswaschen der desorbierten Moleküle eine andere Beschichtung dieser Elektroden, nach dem oben beschriebenen Verfahren, vorgenommen werden. Dieser Vorgang kann solange wiederholt werden, bis die gewünschte Multisensoranordnung hergestellt ist.
Als Kopplungsreagentien eignen sich insbesondere Carbodiimide und deren Derivate sowie N-Succinimide und deren Derivate.
Mit den oben beschriebenen Systemen ist es möglich, in einem Nachweisverfahren verschiedene Test auf einmal durchzuführen und so eine Möglichkeit zur schaffen, die bisher durchgeführten langwierigen Einzelnachweise zu umgehen.
Als Träger eignet sich jedes feste dielektrische Substrat, insbesondere Silizium, Glas, nichtleitender Kunststoff, wie Teflon, PVC, PE, sowie leitendes oder halbleitendes Substrat, das durch eine dielektrische Schicht von der/den Elektrode(n) isoliert ist.
Als Elektroden werden dünne leitende Materialien verwendet, die fest an den Träger gebunden sind. Es eignen sich insbesondere Au, Pd, Pt, Ag, Legierungen, wie Au/Pd, Au/Ag, Ag/Pd, GaAs, und dergleichen, dotierte Halbleiter und jedes andere leitende oder halbleitende anorganische oder organische Material, wie TCNQ, TTF.
Als Referenzelektroden werden die allgemein in der Elektrochemie verwendeten Elektroden wie Ag/AgCl usw. mit und ohne Salzbrücke verwendet.
Als Rezeptoren, die mittels dem erfindungsgemäßen Verfahren zur elektrisch adressierbaren Immobilisation an Elektroden gebunden werden, werden Moleküle verwendet, deren Bindung mit den Elektroden durch das Elektrodenpotential gesteuert werden kann. Diese Moleküle weisen mindestens eine Thiolgruppe auf oder sind mit mindestens einer Thiolgruppe gekoppelt oder weisen eine Sulfid- oder Disulfidgruppe auf. Sie werden aus der Gruppe, bestehend aus HS-(CH2)n-X, wobei n für eine Zahl von 2 bis 24 steht ist und X für H. OH, SH, CH3, COOH, NH2, sowie jedes andere Molekülfragment stehen,
X-(CH2)n-S-S-(CH2)m-Y oder X-(CH2)n-S-(CH2)m-Y, wobei m, n für eine Zahl von 2 bis 24 stehen und X, Y für H, OH, SH. CH3, COOH, NH2, sowie jedes andere Molekülfragment stehen, insbesondere ω-Mercapto säuren, n-Alkanthiole, wie Octanthiol. sowie Toxinen, Hormonen. Hormonrezeptoren, Peptiden. Proteinen. Enzymen, Enzymsubstraten. Cofaktoren, .Arzneimitteln, Lektinen. Zucker. Oligonukleotiden, DNA, RNA, Viren, Bakteriophagen, Prionen, Oligosacchariden, natürlichen und künstlichen Rezeptoren, redox-aktiven Substanzen, Farbstoffen, Säuren. Basen, Epitopen, Antigenen oder Antikörpern, die mindestens eine Thiolgruppe aufweisen oder mit mindestens einer thiolhaltigen Verbindung gekoppelt sind, ausgewählt. Ebenso können diese Rezeptoren Sulfid- oder Disulfidgruppen aufweisen. Die Thiolgruppen können in derartigen Molekülen entweder schon ursprünglich vorhanden sein oder aber erst durch chemische Modifikation eingeführt werden. Darüber hinaus kann in allen oben genannten Verbindungen das S-Atom der Thiolgruppe durch ein Se- Atom ersetzt sein.
Die Moleküle, die zusätzlich auf den Rezeptoren angeordnet sein können, werden ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus Toxinen. Hormonen, Hoπnonrezeptoren, Peptiden, Proteinen, Enzymen, Enzymsubstraten, Cofaktoren. Arzneimitteln, Lektinen, Zucker. Oligonukleotiden, DNA, RNA, Viren, Bakteriophagen, Prionen, Oligosacchariden, natürlichen und künstlichen Rezeptoren, redox-aktiven Substanzen, Farbstoffen, Säuren, Basen, Epitopen, aAntigene oder Antikörpern, die mindestens eine funktioneile Gruppe aufweisen oder in der Lage sind, mit dem adsorbierten Rezeptor Wechselwirkungen einzugehen, wodurch sie chemisch und/oder physikalisch an der/den Elektrode(n) adsorbiert und/oder immobilisiert werden können.
Unter einem Adsorptionspotential versteht man eine elektrisches Potential, bei dem die Bindung der Elektrode mit dem Molekül unterstütz und/oder aufrechterhalten wird. Für die Adsorption von Thiolen an Elektroden liegt das Adsorptionspotential bei pH-Werten innerhalb eines Bereichs von 4,0 bis 8,0 im Bereich von 0 mV bis +600 mV gegenüber der Ag/AgCl-Elektrode in 100 mM KCI, vorzugsweise bei ca. +300 mV. Bei alkalischem pH wird dieser Potentialbereich verschoben.
Unter dem Begriff Desorptionspotential versteht man ein Potential außerhalb des oben definierten Stabilitätsbereichs. Das Desorptionspotential muß ausreichend hoch sein, um die Adsorption von Molekülen, die während des Immobilisierungsverfahrens eingesetzt werden. zu verhindern. Das Desorptionspotential liegt bei einem pH- Wert innerhalb eines Bereichs von 4,0 bis 8.0 im Bereich ab -300 mV oder niedriger gegenüber des Ag/AgCl-Elektrode in 100 mM KCI. vorzugsweise im Bereich von -600 mV bis -1800 mV, insbesondere im Bereich von -800 mV bis -1400 mV.
Als Elektrohtlösungen können alle wäßrigen Lösungen, organischen Elektrolyte sowie deren Mischungen als auch Mischung aus wäßrigen Elektrolyten und organischen Lösungsmitteln oder organischen Elektrolyten und organischen Lösungsmitteln verwendet werden.
Die im folgenden beschriebenen Figuren zeigen die erfindungsgemäße Vorrichtung und Meßdaten des erfindungsgemäßen Verfahrens.
Figur 1 zeigt schematisch die Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens zur elektrisch adressierbaren Immobilisierung.
Figur 2 zeigt die Vorgehensweise der elektrisch adressierbaren Beschichtung eines Chemo- und/oder Biosensors, insbesondere eines Multisensorsystems („Arrays") mit n Einzelelektroden, wobei n eine ganze Zahl ist.
Figur 3 zeigt die Kapazitätserniedrigung (in Abhängigkeit von der Zeit) einer unbeschichteten Goldelektrode bei der Adsoφtion von 6-Mercaptohexansäure bei einem Elektrodenpotential von +300 mV gegenüber einer Ag/AgCl-Elektrode in 100 mM KCI.
Durch die folgende Spülung mit Elekrolytlösung wird nur ein geringer Teil des adsorbierten Thiols wieder entfernt.
Figur 4 zeigt die Kapazitätsänderungen einer unbeschichteten Goldelektrode bei mehreren Zyklen der Adsoφtion/Desoφtion von Octanthiol bei einem Elektrodenpotential von -1400 mV gegenüber einer Ag/AgCl-Elektrode in 100 mM KCI. Eine abschließende Spülung entfernt das adsorbierte Thiol vollständig.
Figur 5 zeigt die Kapazitätsänderung einer unbeschichteten Goldelektrode, an die nacheinander das Desoφtions- (-1400 mV) und Adsoφtionspotential (+300 mV) gegenüber einer Ag/AgCl-Elektrode in 100 mM KCI angelegt wurde. Bei beiden Potentialen wurde die Adsoφtion von 6-Mercaptohexansäure verfolgt.
Figur 6 zeigt die Kapazitätsänderungen einer Anordnung bestehend aus zwei Goldelektroden, bei der die elektrisch adressierbare Immobilisierung von 6-Mercaptohexansäure und Octanthiol bei Elektrodenpotentialen von +300 mV bzw. -1400 mV gegenüber einer Ag/AgCl-Elektrode in 100 mM KCI durchgeführt wurde.
Figur 7 zeigt die Kapazitätsänderung von HSA-Immunosensoren bei Zugabe des Antigens, wobei jeder Symboltyp einen Sensor darstellt.
Die in Figur 1 gezeigte Vorrichtung besteht aus einer Wechselvorrichtung (1) für Probenbehälter und einer Pumpe (2), die die gewünschten Moleküle oder Rezeptoren in die Durchflußzelle (3) transportiert. In der Durchflußzelle (3), in der sich eine Elektrolytlösung befindet, sind n Elektroden auf einem Träger (5) angeordnet. An diesen Elektroden wird separat entweder ein Adsoφtionspotential (8) oder ein Desoφtionspotential (9) mittels eines Multiplexers (6), der durch einen Adreßbus (7) gesteuert wird, gegenüber einer Referenzelektrode (10) angelegt. Nach erfolgter Immobilisierung werden mittels der Pumpe (2) die überschüssigen Moleküle in ein Auffanggefäß (4) gepumpt.
In Figur 2 sind detailliert die Einzelschritte der elektrisch adressierbaren Immobilisierung von x Molekülen auf n Elektroden dargestellt. In dieser Figur stellt (11) die Zugabe eines thiolhaltigen Moleküls, (12) die Adsoφtion dieses Moleküls und (13) die Spülung mit Elektrolytlösung dar. Über die Pumpe (2) wird Molekül A in die Zelle (3) transportiert. Dort adsorbiert das Molekül A auf die Elektrode El, an die das Adsoφtionspotential angelegt ist. Gleichzeitig wird die chemische Adsoφtion auf die Elektroden E2 bis En durch das dort angelegte Desoφtionspotential verhindert. Die Adsoφtion wird mittels Kapazitätsmessungen verfolgt. Stellt sich ein konstanter Kapazitätswert für die El ein, ist die Adsoφtion von Molekül A abgeschlossen und die Zelle kann mit Elektrolytlösung gespült werden. Nach dem Auswaschen von Molekül A werden die Elektrodenpotentiale in der Weise geändert, daß an El das Adsoφtionspotential und an den Elektroden E3 bis En das Desoφtionspotential beibehalten wird. Bei Elektrode E2 verändert man das elektrische Potential unter Anlegen des Adsoφtionspotentials. Über die Pumpe (2) wird aus dem Wechselvorrichtung (1) das Molekül B in die Zelle transportiert. Dort absorbiert Molekül B nur auf E2, weil El bereits mit Molekül A beschichtet ist und an den Elektroden E3 bis En das Desoφtionspotential angelegt ist. Die Reinigung erfolgt wie oben beschrieben. Die Beschichtung der Elektroden E3 bis En mit den Molekülen C bis X wird analog zu den Elektroden El und E2 durchgeführt.
Die Figuren 3 bis 5 zeigen die Kapazitätsänderungen, die bei der elektrisch adressierbaren
Immobilisieinng mit Einzelelektroden auftreten. Mit (14) ist die Zugabe von Octanthiol, mit (16) die Zugabe von 6-Mercaptohexansäure und mit (15) das Spülen bzw. Waschen der
Elektroden mit Reinstwasser und Chloroform bezeichnet. Als Elektrolyt wurde eine wäßrige
phosphatgepufferte KCl-Lösung (100 mM) von pH 6,7 verwendet. In den Figuren sind zusätzlich die spezifischen Kapazitätswerte angegeben. Die vollständige Entfernung der bei - 1400 mV adsorbierten Thiole bei der Spülung zeigt, daß diese Moleküle nur physikalisch auf der Goldelektrode adsorbiert waren (Figur 4). Im Gegensatz dazu war der größte Teil der bei +300 mV adsorbierten Thiole chemisch adsorbiert und aus diesem Grund gegenüber der Spülung stabil.
Figur 6 zeigt analog das Ergebnis mit einem Zweielektrodensystem. Als Elektrolyt wurde wäßrige phosphatgepufferte KCl-Lösung (100 mM) von pH 6,7 verwendet. Die Zugabe von 6- Mercaptohexansäure (16) sowie die Spülung (15) erfolgten bei Elektrodenpotentialen von +300 mV (Adsoφtionspotential) für Elektrode El und -1400 mV (Desoφtionspotential) für Elektrode E2. Die Zugabe von Octanthiol (14) wurde bei Elektrodenpotentialen von +300 mV für beide Elektroden durchgefülrt.
Die elektrisch adressierbare Immobilisierung ermöglicht den Aufbau eines Multisensorsystems, das beispielsweise in der klinischen Diagnostik oder der chemischbiologischen Analyse, z.B. High-Throughput-Screening, eingesetzt werden kann. Durch den gezielten Aufbau von Einzelelektroden kann ein auf den Anwender abgestimmtes Ensemble hergestellt werden.
Mit diesem Multisensorsystem können u.a. Enzymaktivitäten in Elektrolytlösungen oder biologischen Flüssigkeiten, z.B. Blut, Urin und dergleichen, bestimmt werden. Beispielsweise kann die Aktivität der Phospholipase A2 dadurch bestimmt werden, daß man eine Liposomenschicht durch hydrophobe-hydrophobe Wechselwirkungen an eine unmodifizierte Alkanthiolmonoschicht. z.B. Hexadecanthiol oder Octanthiol bindet. Ist nun Phospholipase A2 in der Zelle vorhanden, werden die Lipide abgebaut. Dies kann durch die Erhöhung des Kapazitätssignals nachgewiesen werden.
Ein weiteres Multisensorsystem kann die Kombination verschiedener Affinitätssensoren darstellen. Beim Nachweis eines Überschusses Human Serum Albumin (HSA) im Urin, einem
Anzeichen für Mikroalbuminurie, kann man Sensoren verwenden, die wie folgt aufgebaut sind.
Nachdem zuerst ein ω-funktionalisiertes Alkanthiol, z.B. 16-Mercaptohexadecansäure, 11- Mercaptoundecansäure, 6-Mercaptohexansäure, 16-Mercaptohexadecanamin an die Elektrodenoberfläche adressiert wurde, erfolgt die kovalente Kopplung von monoklonalem anti-HSA an diese Monoschicht. Diese Sensorstruktur ermöglicht die Detektion von HSA im klinisch relevanten Bereich von 1 bis 30 μg/ml Flüssigkeit, z.B. Urin, Pufferlösung. Die Ergebnisse sind in Figur 7 dargestellt.
Weitere Anwendungsbeispiele der erfindungsgemäßen Anordnung sind die Verwendung als Sensoren für Bakteriophagen, als Sensoren für Antigen-Antiköφer-Nachweise, als DNA- Sonden und als immobilisierte LDL-Rezeptoren.
Zusammenfassend läßt sich also feststellen, daß die Ergebnisse, die mit Hilfe der erfindungsgemäßen Sensoren erhalten wurden und die in den Figuren 3 bis 7 dargestellt sind, zeigen, daß es gelungen ist, verschiedene Moleküle durch elektrisch adressierbare Immobilisierung gezielt auf bestimmten Elektroden zu adsorbieren und/oder zu desorbieren und/oder zu immobilisieren. Weiterhin konnte gezeigt werden, daß die Elektronden in einem System als Multisensor einsetzbar sind. Es ist außerdem gelungen, ein Nachweissystem bereitzustellen, mit dem sowohl quantitativ als auch qualitativ Stoffe detektiert werden können.
Die folgenden Beispiele beschreiben die Vorgehensweise und die Bedingungen zur Herstellung der erfindungsgemäßen Anordnungen mit elelctrisch adressierbaren immobilisierten Molekülen auf einer Elektrode.
Beispiele
Beschichtung von Einzelelektroden
Vorbereitung der Elektroden
Silizium- Wafer Stückchen mit einer Größe von 3,20 mm x 10,02 mm und einer Stärke von 450 μm wurden in einem allgemein üblichen Sputteφrozeß mit einer Goldelektrode der Größe 1,56 mm x 1,56 mm (reaktive Oberfläche) und einer Zuleitung von 10 μm Breite und 6,65 mm Länge versehen. Die Elektrode wurde aus einer Titan- und Palladiumschicht (Haftvermittler, jeweils 50 um dick) und einer deckenden Goldschicht (200 nm) aufgebaut. Als Kontaktstelle für das Meßsystem wurden am oberen Ende der Zuleitungen ein versilberter Draht angelötet. Die Wafeφlättchen wurden vor dem Reinigungsprozeß optisch mit einem Auflichtmiakroskop auf Beschädigungen übeφrüft. Die Reinigung erfolgte in mehreren Schritten. Zuerst wurden die Wafer 30 Minuten vollständig in Chloroform getaucht. Nach dem Trocknen im Stickstoffstrom wurden die Wafer in eine 1 :1 (v/v) Mischung aus Chloroform und Methanol getaucht und 10 Minuten im Ultraschallbad behandelt. Analog zu dem verwendeten Chlorofoπn kann man bei diesen Reinigungsschritten auch Ethanol (99%) und eine Mischung aus Ethanol und Methanol benutzen. Die Wafer wurden getrocknet und für 5 Minuten in eine heiße 3:1 (v/v) Mischung aus konzentrierter Schwefelsäure und 30 %iger Wasserstoffperoxidlösung getaucht. Bei den letzten beiden Schritten wurde darauf geachtet, daß nur die reaktive Elektrodenfläche und maximal 4,50 mm der Zuleitung in die Mischung eintauchten. Die Elektroden wurden gründlich mit Reinstwasser (Millipore: Mili.Qpιus-185; 18.2 MΩ cm"1) gespült und getrocknet. Alle Glas- und Teflongeräte wurden vor ihrer Verwendung entsprechend der vorangegangenen Beschreibung sorgfältig gereinigt.
Durchführung der Messung
Die Wafeφlatte mit der aufgesputteten Goldelektrode wurde gemeinsam mit einer Ag/AgCl- Referenzelektrode (Oberfläche ca. 1 cm2) an einem Teflonhalter befestigt, der als Deckel für die Meßzelle (Schnappdeckelglas, 40 mm x 19 mm) diente und eine Öffnung für die Zugabe und Entnahme von Flüssigkeiten besaß. Die Zelle wurde mit Elektrolyt (100 mM KCI; pH 6,7; ca. 3 ml) soweit gefüllt, daß die reaktive Oberfläche der Goldelektrode und die Referenzelektrode (Ag/AgCl) vollständig eintauchten. Für eine gleichmäßige Durchmischung sorgte ein Magnetrührer. Ein Lock-in-Verstärker mit integriertem Sinus-Generator erzeugte
ein konstantes Sinussignal mit einer Frequenz von 20 Hz und einer Amplitude von 10 mV. Alle Messungen wurden bei Raumtemperatur (22°C) durchgeführt. Der Lock-in-Verstärker wurde auch zur Registrierung des kapazitiven Stroms verwendet. Zusätzlich zu der Wechselspannung wurde eine Gleichspannung über einen Spannungsgeber zugegeben. Erfolgte die Adsoφtion von Molekülen auf die Elektrodenoberfläche wurde dieses als Kapazitätsänderung gemessen. Das Meßsignal wurde auf einem x-t Schreiber aufgezeichnet und über einen 16 Bit A-D Umwandler in den Rechner übertragen. Zu Beginn der Messung wurde die absolute Kapazität der unbeschichteten Goldelektrode bei einem elektrischen Potential von +300 mV bestimmt. Man erhielt Werte von mindestens 12-14 μF/cm2.
Adsoφtionspotential
Nachdem die Elektrode einen stabilen Kapazitätswert erreicht hatte, wurde das Adsoφtionspotential (+300 mV) beibehalten und soviel 6-Mercaptohexansäure in Elektrolyt gelöst zugegeben, das in der Meßzelle eine Konzentration von 50 μmol/1 vorlag. Die Adsoφtion setzte sofort ein und war nach ca. 2,5 Stunden abgeschlossen (vergleiche Figur 3). Die Halbwertszeit der Beschichtung betrug ca. 10 Minuten und der absolute Kapazitätswert war mit 4,3 μF/cm2 vergleichbar mit dem einer in Chloroform oder Ethanol (1 mM 6- Mercaptohexansäure) beschichteten Goldelektrode. Nach dieser Beschichtung wurde die Meßzelle geöffnet, die Goldelektroden mit Reinstwasser gespült und ca. 5 Sekunden in Chloroform getaucht, um physikalisch adsorbiertes Thiol von den Elektroden zu entfernen. Die Referenzelektrode, die Meßzelle und der Rülirer wurden gründlich mit Reinstwasser, Chloroform, Ethanol und Aceton gereinigt, um 6-Mercaptohexansäure zur entfernen. Anschließend wurde die Qualität der Beschichtung durch erneute Messung der Kapazität übeφrüft. Es wurde nur eine geringfügige Kapazitätserhöhung (1-2%) gegenüber den zuvor erhaltenen Werten gemessen.
Desoφtionspotential
An die Goldelektrode wurde ein Desoφtionspotential von -1400 mV angelegt und die Stabilität des Kapazitätswerts abgewartet. Anschließend wurde soviel Octanthiol zugegeben,
daß in der Zelle eine Konzentration von 250 μmol/1 vorlag. Die folgende Kapazitätserniedrigung betrug nach 2 Stunden ca. 30% bei einer Halbwertszeit von 45 Minuten (vergleiche Figur 4). Der absolute Kapazitätswert war mit 7,8 μF/cm2 deutlich größer als bei der Goldelektrode, die unter .Anlegen des Adsoφtionspotentials beschichtet worden war. Nach der Reinigung der Elektrode mit Reinstwasser und Chloroform (5 Sekunden) zeigte sich, daß die Kapazitätserniedrigung nur auf physikalisch adsorbiertes Thiol zurückzuführen war, weil die Startwerte von 12-14 μF/cm2 wieder erreicht wurden. Die physikalische Adsoφtion und der darauf folgende Reinigungsschritt wurden mehrmals wiederholt und lieferten stets das gleiche Ergebnis.
Desoφtions-/Adsoφtionspotential
An die Goldelektrode wurde ein Desoφtionspotential von -1400 mV angelegt und die Einstellung eines stabilen Kapazitätswertes abgewartet. Anschließend wurde soviel 6- Mercaptohexansäure in Elektrolyt gelöst zugegeben, daß in der Meßzelle einen Konzentration von 50 μmol/1 vorlag. Die Kapazitätserniedrigung betrug nach 1 Stunde ca. 7% (vergleiche Figur 5). Das angelegte Desoφtionspotential wurde jetzt durch das Adsoφtionspotential (+300 mV) ersetzt. Die Kapazitätserniedrigung, die durch die Potentialänderung verursacht wurde, wurde von der sofort beginnenden Adsoφtion überlagert und konnte nicht bestimmt werden. Nach ca. 2 Stunden war die Adsoφtion abgeschlossen (Halbwertszeit 8 Minuten) und die absolute Kapazität (4,9 μF/cm2) mit einer in organischer Lösung beschichteten Goldelektrode vergleichbar. Durch die Reinigung der Elektrode mit Reinstwasser und Ethanol (10 Sekunden) wurde kein adsorbiertes Thiol mehr entfernt.
Beschichtung eines Multisensorsystems
Vorbereitung der Elektroden
Silizium- Wafer Stückchen mit einer Größe von 3,20 mm x 10,02 mm und einer Stärke von 450 μm wurden in einem allgemein üblichen Sputteφrozeß mit zwei Goldelektroden der
Größe 1,56 mm x 1,56 mm (reaktive Oberfläche) und einer Zuleitung von 10 μm Breite und
6,65 mm Länge versehen. Die Elektrode wurde aus einer Titan- und Palladiumschicht (Haftvermittler, jeweils 50 nm dick) und einer deckenden Goldschicht (200 nm) aufgebaut. Der Abstand der Elektroden voneinander betrug 1,56 mm. Das .Anbringen der Kontaktstelle und der Reinigungsprozeß wurden analog dem oben beschriebenen Verfahren durchgeführt.
Messung
Die Wafeφlatte mit den zwei Goldelektroden wurde gemeinsam mit einer Ag/AgCl- Referenzelektrode (Oberfläche ca. 1 cm2) an einem Teflonhalter befestigt, der als Deckel für die Meßzelle (ein Schnappdeckelglas. 40 mm x 19 mm) diente und eine Öffnung für die Zugabe und Entnahme von Flüssigkeiten besaß. Die Zelle wurde mit Elektrolyt (100 mM KCI; pH 6,7; ca. 3 ml) soweit gefüllt, daß die reaktive Oberfläche der Goldelektroden und die Referenzelektrode (Ag/AgCl) vollständig eintauchten. Für eine gleichmäßige Durchmischung sorgte ein Magnetrührer. Ein Lock-in-Verstärker mit integriertem Sinus-Generator erzeugte ein konstantes Sinussignal mit einer Frequenz von 20 Hz und einer Amplitude von 10 mV. Alle Messungen wurden bei Raumtemperatur (22°C) durchgeführt. Der Lock-in-Verstärker wurde auch zur Registrierung des kapazitiven Stroms verwendet. Zusätzlich zu der Wechselspannung wurde eine Gleichspannung über einen Spannungsgeber zugegeben. Die zwei Potentialgeber ermöglichten das separate Anlegen von elektrischen Potentialen (Ul, U2) an die Goldelektroden (El, E2) vs. Ag/AgCl-Referenzelektrode. Die Adsoφtion von Molekülen auf die Elektrodenoberfläche wurde als Kapazitätsänderung gemessen. Das Meßsignal wurde auf einem x-t Schreiber aufgezeichnet und über einen 16 Bit A-D Umwandler in den Computer übertragen. Vor der Zugabe des ersten Thiols wurde die Kapazität der unbeschichteten Goldelektrode bei einem Elektrodenpotential Ul = U2 = +300 mV geprüft. Man erhielt Werte von mindestens 12-14 μF/cm", die typisch für unbeschichtete Goldelektroden sind.
Nachdem beide Elektroden stabile Kapazitätswerte erreicht hatten, wurde die Kapazität der
Elektrode El gemessen. Das an Elektrode E2 angelegte Potential von +300 mV wurde nach - 1400 mV verschoben. Es wurden Kapazitätsänderungen an Elektrode El auf Grund dieser
Potentialverschiebung abgewartet. Dann wurde soviel 6-Mercaptohexansäure in Elektrolyt
lo
gelöst zugegeben, daß eine Konzentration von 50 μmol/1 in der Zelle vorlag. Die Adsoφtion setzte sofort ein und war nach ca. 2,5 Stunden abgeschlossen. Die Halbwertszeit der Beschichtung betrug ca. 15 Minuten und der absolute Kapazitätswert war mit 4 bis 5 μF/cm2 vergleichbar mit dem einer in Chloroform (1 mM 6-Mercaptohexansäure) beschichteten Goldelektrode. Nach dieser Beschichtung wurde die Meßzelle geöffnet, die Goldelektroden mit Reinstwasser gespült und ca. 5 Sekunden in Chloroform getaucht, um physikalisch adsorbiertes Thiol von den Elektroden zu entfernen. Die Referenzelektrode, die Meßzelle und der Rührer wurden gründlich mit Reinstwasser, Chloroform, Ethanol und Aceton gereinigt, um 6-Mercaptohexansäure zu entfernen. Die Meßzelle wird, wie bereits oben beschrieben, aufgebaut und mit frischem Elektrolyt befüllt. Bei einem Potential von Ul = U2 = +300 mV wurden erneut die absoluten Kapazitätswerte gemessen. Die mit 6-Mercaptohexaansäure beschichtete Elektrode El hatte einen Wert von 4,2 μF/cm2. die zweite Elektrode wurde während des zweiten Beschichtungsschrittes verfolgt. Bei Zugabe von Octanthiol (Konzentration in der Zelle 150 μmol/1) erfolgte eine sofortige Adsoφtion, die nach ca. 3 Stunden beendet war (Halbwertszeit 10,5 Minuten). Die absoluten Kapazitätswerte der beiden Goldelektroden betrugen nach einem erneuten Reinigungsschritt 1,4 μF/cm2 für Elektrode E2 und 4J μF/cm2 für Elektrode El.
Der Vergleich der bisher bekannten Immobilisierungsverfahren mit dem erfindungsgemäßen Verfahren und der damit erhaltenen erfindungsgemäßen Anordnung zeigt, daß Chemo- und/oder Biosensoren bereitgestellt werden können, mit denen quantitative und qualitative Bestimmungen von unterschiedlichen Stoffen und Verbindungen durchgeführt werden können. Darüber hinaus gelingt der Nachweis der zu bestimmenden Substanzen in einfacher Weise über die Messung von Kapazitätsänderungen, vorzugsweise direkt im Medium.