Beschreibung
Verwendung quaternärer Stickstoffverbindungen zur Prophylaxe und Behandlung des superinfizierten atopischen Ekzems
Die gesunde menschliche Haut ist mit einer Vielzahl nichtpathogener Mikroorganismen besiedelt. Diese sogenannte Mikroflora der Haut ist nicht nur unschädlich, sie stellt einen wichtigen Schutz zur Abwehr opportunistischer oder pathogener Keime dar.
Bei bestehendem Primärinfekt, d.h., der normalen Keimbesiedeiung der Haut, eintretende Neuinfektion mit hohen Keimzahlen eines oder mehrerer oft physiologischer Erreger, beispielsweise Staphylokokken, oft aber auch unphysiologischer Erreger, beispielsweise Candida albicans, kann bei Zusammentreffen ungünstiger Einflüssen eine "Superinfektion" der befallenen Haut auftreten. Die normale Mikroflora der Haut (oder eines anderen Körperorgans) wird dabei von dem Sekundärerreger regelrecht überwuchert.
Solche Superinfektionen können sich, in Abhängigkeit vom betreffenden Keim, in günstig verlaufenden Fällen in unangenehmen Hauterscheinungen (Juckreiz, unschönes äußeres Erscheinungsbild) äußern. In ungünstig verlaufenden Fällen können sie aber zu großflächiger Zerstörung der Haut führen, im schlimmsten Falle sogar im Tode des Patienten gipfeln.
Derartige Superinfektionen werden bei einer Vielzahl dermatologischer Erkrankungen wie insbesondere dem atopischem Ekzem, auch Neurodermitis beobachtet. Das ato- pische Ekzem beginnt im allgemeinen mit Juckreiz, Rötung, Schuppung, Nässen und Krustenbildung, wobei der Befall der Hautpartien je nach Lebensalter des Patienten gewisse charakteristische Häufungen annimmt. Komplikationen beim Erscheinungsbild des atopischen Ekzems stellen oftmals Superinfektionen mit verschiedenen Kei-
men dar, insbesondere Staphylococcus aureus, von denen ca. 90 % aller Atopiker mit ekzematöser Ausprägung betroffen sind.
Herkömmliche Behandlungsmethoden umfassen daher neben entzündungshemmenden Wirkstoffen (z.B. Hydrocortison) auch Externa wie verschiedene Antibiotika im engeren Sinne oder Wirkstoffe mit antimikrobiellen bzw. antimycotischen Eigenschaften im weiteren Sinne (z.B. Gentianaviolett).
Die herkömmlich verwendeten Wirkstoffe haben aber zumeist den Nachteil, daß sie entweder mehr oder weniger schwerwiegende Nebenwirkungen, Resistenzbildung oder Unverträglichkeiten zeitigen, oder daß sie unkosmetische Anmutungen mit sich bringen (z.B. starke Hautverfärbung mit Gentianaviolett).
So ist es im Einzelfalle ohne weiteres möglich, Superinfektionen mit Antibiotika zu bekämpfen, meistens haben solche Substanzen aber den Nachteil unangenehmer Nebenwirkungen. Oft sind Patienten beispielsweise gegen Penicilline allergisch, weswegen eine entsprechende Behandlung sich in einem solchen Falle verbieten würde. Ferner haben topisch verabreichte Antibiotika den Nachteil, daß sie die Hautflora nicht nur vom Sekundärerreger befreien, sondern auch die an sich physiologische Hautflora stark beeinträchtigen und der natürliche Heilungsprozeß auf diese Weise wieder gebremst wird.
Die Reduktion eines klinisch ausgeprägten atopischen Ekzems indes war mit Wirkstoffen und Zubereitungen des Standes der Technik bisher - wenn überhaupt erreichbar - stets mit erheblichen Unannehmlichkeiten verbunden.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung war, die Nachteile des Standes der Technik zu beseitigen und Substanzen und Zubereitungen, solche Substanzen enthaltend, zur Verfügung zu stellen, durch deren Verwendung Superinfektionen geheilt werden können, wobei die physiologische Hautflora keine nennenswerte Einbußen erleidet.
Darüberhinaus war es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, Substanzen und kosmetische bzw. dermatologische Zubereitungen, solche Substanzen enthaltend, zur Verfügung zu steilen, die prophylaktisch gegen Superinfektionen wirken.
Es wurde überraschend gefunden, und darin liegt die Lösung dieser Aufgabe, daß die Verwendung quaternärer Stickstoffverbindungen zur Prophylaxe und Behandlung des superinfizierten atopischen Ekzems den Nachteilen des Standes der Technik abhilft.
Im Rahmen der Offenbarung zur vorliegenden Erfindung wird der Begriff „quaternäre Ammoniumverbindungen" gelegentlich synonym für „quaternäre Stickstoffverbindungen" angewandt.
Gemäß der Erfindung sind quaternäre Ammoniumverbindungen bzw. Zubereitungen, quaternäre Ammoniumverbindungen enthaltend, hervorragend geeignet, superinfizierte atopische Ekzeme zu reduzieren bzw. die Symptome superinfizierter Ekzeme zu lindern.
Quaternäre Ammonium-Verbindungen zeichnen sich durch mindestens ein quaternä- res Stickstoff-Atomen aus und folgen den nachstehenden Grundschemata:
(1) (2) (3)
(1) Alkylammonium-Verbindungen
(2) Imidazolinium-Verbindungen
(3) Pyridinium-Verbindungen.
Quaternäre Ammoniumverbindungen mit mindestens einer langen Alkyl-Kette, wie beispielsweise das Distearyldimethylammoniumchlorid (DSDMA), besitzen oberflächenaktive Eigenschaften und werden daher als Kationtenside, z. B. als Netzmittel, Emulgatoren, Antistatika und als Weichmacher eingesetzt. Vorwiegend kurzkettige quaternäre Ammoniumverbindungen weisen mikrobizide Eigenschaften auf und finden daher Verwendung in fungiziden und bakteriziden Desinfektionsmitteln oder als Algizide.
Die erfindungsgemäß verwendeten quaternären Ammoniumverbindungen können vorteilhaft aus der Gruppe der quaternären Tenside gewählt werden. Vorteilhaft sind beispielsweise Alkylbetain, Alkylamidopropylbetain und Alkyl-amidopropylhydroxy- sulfain. Die erfindungsgemäß verwendeten kationischen Tenside können femer bevorzugt gewählt werden aus der Gruppe der quaternären Ammoniumverbindungen, insbesondere Benzyltrialkylammoniumchloride oder -bromide, wie beispielsweise Ben- zyldimethylstearylammoniumchlorid, ferner Alkyltriaikylammoniumsalze, beispielsweise beispielsweise Cetyltrimethylammoniumchlorid oder -bromid, Alkyldimethylhydro- xyethylammoniumchloride oder -bromide, Dialkyldimethylammoniumchloride oder - bromide, Alkylamidethyltrimethylammoniumethersulfate, Alkylpyridiniumsalze, beispielsweise Lauryl- oder Cetylpyrimidiniumchiorid, Imidazolinderivate und Verbindungen mit kationischem Charakter wie Aminoxide, beispielsweise Alkyldimethylaminoxi- de oder Alkyiaminoethyldimethyiaminoxide. Vorteilhaft sind insbesondere Cetyltrime- thylammoniumsalze zu verwenden, wie auch Polyaminoalkylbiguanide, z.B. Poly- aminopropylbiguanid.
Die erfindungsgemäßen Zubereitungen sind besonders vorteilhaft dadurch gekennzeichnet, daß die die quaternären Stickstoffverbindungen in Konzentrationen von 0,001 - 99,00 Gew.-%, bevorzugt 0,01 - 50,00 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,1 - 10,00 Gew.-%, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht der Zusammensetzung, vorliegen.
Erfindungsgemäße dermatologische Zubereitungen können in Form von Aerosolen, also aus Aerosolbehältern, Quetschflaschen oder durch eine Pumpvorrichtung versprühbaren Präparaten vorliegen oder in Form von mittels Roll-on-Vorrichtungen auftragbaren flüssigen Zusammensetzungen, jedoch auch in Form von aus normalen Flaschen und Behältern auftragbaren W/O- oder O/W-Emulsionen, z.B. Cremes oder Lotionen. Weiterhin können die Zubereitungen vorteilhaft in Form von Tinkturen, Shampoos, Wasch-, Dusch- oder Badezubereitungen oder Pudern vorliegen.
Als übliche kosmetische Trägerstoffe zur Herstellung der erfindungsgemäßen dermatologischen Zubereitungen können neben Wasser, Ethanol und Isopropanol, Glycerin und Propylenglykol hautpflegende Fett- oder fettähnliche Stoffe, wie Ölsäure- decylester, Cetylalkohol, Cetylstearylalkohol und 2-Octyldodecanol, in den für solche
Präparate üblichen Mengenverhältnissen eingesetzt werden sowie schieimbiidende Stoffe und Verdickungsmittel, z.B. Hydroxyethyl- oder Hydroxypropylcellulose, Polyacrylsäure, Polyvinylpyrrolidon, daneben aber auch in kleinen Mengen cyclische Silikonöle (Polydimethylsiloxane) sowie flüssige Polymethylphenylsiloxane niedriger Viskosiät.
Die Lipidphase kann vorteilhaft gewählt werden aus folgender Substanzgruppe: Mineralöle, Mineralwachse
Öle, wie Triglyceride der Caprin- oder der Caprylsäure, vorzugsweise aber Rizinusöl;
Fette, Wachse und andere natürliche und synthetische Fettkörper, vorzugsweise Ester von Fettsäuren mit Alkoholen niedriger C-Zahl, z.B. mit Isopropanol, Propylenglykol oder Glycerin, oder Ester von Fettalkoholen mit Alkansäuren niedriger C-Zahl oder mit Fettsäuren; Alkylbenzoate;
Silikonöle wie Dimethylpolysiloxane, Diethylpolysiloxane, Diphenylpolysiioxane sowie Mischformen daraus.
Die Ölphase von als Ölen, Emulsionen, Oleogelen bzw. Hydrodispersionen oder Lipo- dispersionen vorliegenden Zubereitungen gemäß der Erfindung wird vorteilhaft gewählt aus der Gruppe der Ester aus gesättigten und/oder ungesättigten, verzweigten und/oder unverzweigten Alkancarbonsäuren einer Kettenlänge von 3 bis 30 C-Atomen und gesättigten und/oder ungesättigten, verzweigten und/oder unverzweigten Alkoholen einer Kettenlänge von 3 bis 30 C-Atomen, aus der Gruppe der Ester aus aromatischen Carbonsäuren und gesättigten und/oder ungesättigten, verzweigten und/oder unverzweigten Alkoholen einer Kettenlänge von 3 bis 30 C-Atomen. Solche Esteröle können dann vorteilhaft gewählt werden aus der Gruppe Isopropylmyristat, Isopropyl- palmitat, Isopropylstearat, Isopropyloleat, n-Butylstearat, n-Hexyllaurat, n-Decyloleat, Isooctylstearat, Isononylstearat, isononylisononanoat, 2-Ethylhexylpalmitat, 2-Ethylhe- xyllaurat, 2-Hexyldecylstearat, 2-Octyldodecylpalmitat, Oleyloleat, Oleylerucat, Erucyl- oieat, Erucylerucat sowie synthetische, halbsynthetische und natürliche Gemische solcher Ester, z.B. Jojobaöl.
Ferner kann die Ölphase vorteilhaft gewählt werden aus der Gruppe der verzweigten und unverzweigten Kohlenwasserstoffe und -wachse, der Silkonöle, der Dialkylether,
der Gruppe der gesättigten oder ungesättigten, verzweigten oder unverzweigten Alkohole, sowie der Fettsäuretriglyceride, namentlich der Triglycerinester gesättigter und/oder ungesättigter, verzweigter und/oder unverzweigter Alkancarbonsäuren einer Kettenlänge von 8 bis 24, insbesondere 12 - 18 C-Atomen. Die Fettsäuretriglyceride können beispielsweise vorteilhaft gewählt werden aus der Gruppe der synthetischen, halbsynthetischen und natürlichen Öle, z.B. Olivenöl, Sonnenblumenöl, Sojaöl, Erdnußöl, Rapsöl, Mandelöl, Palmöl, Kokosöl, Palmkernöl und dergleichen mehr, insbesondere Nachtkerzenöl und Borretschöl.
Auch beliebige Abmischungen solcher Öl- und Wachskomponenten sind vorteilhaft im Sinne der vorliegenden Erfindung einzusetzen. Es kann auch gegebenenfalls vorteilhaft sein, Wachse, beispielsweise Cetylpalmitat, als alleinige Lipidkomponente der Ölphase einzusetzen.
Vorteilhaft wird die Ölphase gewählt aus der Gruppe 2-Ethylhexylisostearat, Octyldo- decanol, Isotridecylisononanoat, Isoeicosan, 2-Ethylhexylcocoat, C12-1 -Alkylbenzoat, Capryl-Caprinsäure-triglycerid, Dicaprylylether.
Besonders vorteilhaft sind Mischungen aus Cι2-ιs-Alkylbenzoat und 2-Ethylhexyliso- stearat, Mischungen aus Cι2-ιs-Alkylbenzoat und Isotridecylisononanoat sowie Mischungen aus C12-i5-Alkylbenzoat, 2-Ethylhexylisostearat und Isotridecylisononanoat.
Von den Kohlenwasserstoffen sind Paraffinöl, Squaian und Squaien vorteilhaft im Sinne der vorliegenden Erfindung zu verwenden.
Vorteilhaft kann die Ölphase ferner einen Gehalt an cyclischen oder linearen Silikonölen aufweisen oder vollständig aus solchen Ölen bestehen, wobei allerdings bevorzugt wird, außer dem Silikonöl oder den Silikonölen einen zusätzlichen Gehalt an anderen Ölphasenkomponenten zu verwenden.
Vorteilhaft wird Cyclomethicon (Octamethylcyclotetrasiloxan) als erfindungsgemäß zu verwendendes Silikonöl eingesetzt. Aber auch andere Silikonöle sind vorteilhaft im Sinne der vorliegenden Erfindung zu verwenden, beispielsweise Hexamethylcyclotrisi- loxan, Polydimethylsiloxan, Poly(methylphenylsiloxan).
Besonders vorteilhaft sind ferner Mischungen aus Cyclomethicon und Isotridecylisononanoat, aus Cyclomethicon und 2-Ethylhexylisostearat.
Die wäßrige Phase der erfindungsgemäßen Zubereitungen enthält gegebenenfalls vorteilhaft Alkohole, Diole oder Polyole niedriger C-Zahl, sowie deren Ether, vorzugsweise Ethanol, Isopropanol, Propylenglykol, Glycerin, Ethylenglykol, Ethylenglykolmo- noethyl- oder -monobutylether, Propylenglykolmonomethyl, -monoethyl- oder -mono- butylether, Diethylenglykolmonomethyl- oder -monoethylether und analoge Produkte, ferner Alkohole niedriger C-Zahl, z.B. Ethanol, Isopropanol, 1 ,2-Propandiol, Glycerin sowie insbesondere ein oder mehrere Verdickungsmrttel, welches oder welche vorteilhaft gewählt werden können aus der Gruppe Siiiciumdioxid, Aluminiumsilikate, Poly- saccharide bzw. deren Derivate, z.B. Hyaluronsäure, Xanthangummi, Hydroxypro- pylmethylcellulose, besonders vorteilhaft aus der Gruppe der Polyacrylate, bevorzugt ein Polyacrylat aus der Gruppe der sogenannten Carbopole, beispielsweise Car- bopole der Typen 980, 981 , 1382, 2984, 5984, jeweils einzeln oder in Kombination.
Erfindungsgemäß verwendete feste Stifte enthalten z.B. natürliche oder synthetische Wachse, Fettalkohole oder Fettsäureester.
Als Treibmittel für erfindungsgemäße, aus Aerosolbehältern versprühbare dermatologische Zubereitungen sind die üblichen bekannten leichtflüchtigen, verflüssigten Treibmittel, beispielsweise Kohlenwasserstoffe (Propan, Butan, Isobutan) geeignet, die allein oder in Mischung miteinander eingesetzt werden können. Auch Druckluft ist vorteilhaft zu verwenden.
Natürlich weiß der Fachmann, daß es an sich nichttoxische Treibgase gibt, die grundsätzlich für die vorliegende Erfindung geeignet wären, auf die aber dennoch wegen bedenklicher Wirkung auf die Umwelt oder sonstiger Begleitumstände verzichtet werden sollte, insbesondere Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW).
Als Emulgatoren zur Herstellung der erfindungsgemäßen dermatologischen Zubereitungen, haben sich nichtionogene Typen, wie Polyoxyethylen-Fettalkoholether, z.B. Cetylstearylalkoholpolyethylengiykolether mit 12 bzw. 20 angelagerten Ethylenoxid- Einheiten pro Molekül, Cetostearylalkohol sowie Sorbitanester und Sorbrtanester- Ethylenoxid-Verbindungen (z.B. Sorbitanmonostearat und Polyoxyethylensorbitan-
monostearat) und langkettige höhermolekulare wachsartige Polyglykolether als geeignet erwiesen.
Auch Reingungsmittel können vorteihafte Verkörperungen der vorliegenden Erfindung darstellen. Dies ist insbesondere daher vorteilhaft, da manche quaternäre Stickstoffverbindungen tensidische Eigenschaften aufweisen.
Tenside sind amphiphile Stoffe, die organische, unpolare Substanzen in Wasser lösen können. Sie sorgen, bedingt durch ihren spezifischen Molekülaufbau mit mindestens einem hydrophilen und einem hydrophoben Molekülteil, für eine Herabsetzung der Oberflächenspannung des Wassers, die Benetzung der Haut, die Erleichterung der Schmutzentfernung und -lösung, ein leichtes Abspülen und -je nach Wunsch - für Schaumregulierung.
Bei den hydrophilen Anteilen eines Tensidmoleküls handelt es sich meist um polare funktioneile Gruppen, beispielweise -COO", -OSO3 2", -SO3 ", während die hydrophoben Teile in der Regel unpolare Kohlenwasserstoffreste darstellen. Tenside werden im allgemeinen nach Art und Ladung des hydrophilen Molekülteils klassifiziert. Hierbei können vier Gruppen unterschieden werden:
• anionische Tenside,
• kationische Tenside,
• amphotere Tenside und
• nichtionische Tenside.
Anionische Tenside weisen als funktionelle Gruppen in der Regel Carboxylat-, Sulfatoder Sulfonatgruppen auf. In wäßriger Lösung bilden sie im sauren oder neutralen Milieu negativ geladene organische Ionen. Kationische Tenside sind beinahe ausschließlich durch das Vorhandensein einer quarternären Ammoniumgruppe gekennzeichnet. In wäßriger Lösung bilden sie im sauren oder neutralen Milieu positiv geladene organische Ionen. Amphotere Tenside enthalten sowohl anionische als auch kationische Gruppen und verhalten sich demnach in wäßriger Lösung je nach pH- Wert wie anionische oder kationische Tenside. Im stark sauren Milieu besitzen sie eine positive und im alkalischen Milieu eine negative Ladung. Im neutralen pH-Bereich hingegen sind sie zwitterionisch, wie das folgende Beispiel verdeutlichen soll:
RNH2 +CH2CH2COOH X" (bei pH=2) X' = beliebiges Anion, z.B. Cl"
RNH2 +CH2CH2COO" (bei pH=7)
RNHCH2CH2COO" B+ (bei pH=12) B+ = beliebiges Kation, z.B. Na+
Typisch für nicht-ionische Tenside sind Polyether-Ketten. Nicht-ionische Tenside bilden in wäßrigem Medium keine Ionen.
A. Anionische Tenside
Diese sind in der Regel schwer kompatibel mit kationischen Tensiden, weswegen ihre Mitverwendung gemäß der vorliegenden Erfindung erschwert, wenngleich, z.B. in geringen Mengen, nicht ausgeschlossen ist. Vorteilhaft zu verwendende anionische Tenside sind Acylaminosäuren (und deren Salze), wie
1. Acylglutamate, beispielsweise Natriumacylglutamat, Di-TEA-palmitoylaspartat und Natrium Caprylic/ Capric Glutamat,
2. Acylpeptide, beispielsweise Palmitoyl-hydrolysiertes Milchprotein, Natrium Coco- yl-hydrolysiertes Soja Protein und Natrium-/ Kalium Cocoyl-hydrolysiertes Kollagen,
3. Sarcosinate, beispielsweise Myristoyl Sarcosin, TEA-Iauroyl Sarcosinat, Natri- umlauroylsarcosinat und Natriumcocoylsarkosinat,
4. Taurate, beispielsweise Natriumlauroyltaurat und Natriummethylcocoyltaurat,
5. AcylLactylate, lauroyllactylat, Caproyllactylat
6. Alaninate Carbonsäuren und Derivate, wie
1. Carbonsäuren, beispielsweise Laurinsäure, Aluminiumstearat, Magnesiumalka- nolat und Zinkundecyienat,
2. Ester-Carbonsäuren, beispielsweise Calciumstearoyllactylat, Laureth-6 Citrat und Natrium PEG-4 Lauramidcarboxylat,
3. Ether-Carbonsäuren, beispielsweise Natriumlaureth-13 Carboxylat und Natrium PEG-6 Cocamide Carboxylat,
Phosphorsäureester und Salze, wie beispielsweise DEA-Oleth-10-Phosphat und Di- laureth-4 Phosphat,
Sulfonsäuren und Salze, wie
1. Acyl-isethionate, z.B. Natrium-/ Ammoniumcocoyl-isethionat,
2. Alkylarylsulfonate,
3. Alkylsulfonate, beispielsweise Natriumcocosmonoglyceridsulfat, Natrium Cι2-14 Olefin-sulfonat, Natriumlaurylsulfoacetat und Magnesium PEG-3 Cocamidsulfat,
4. Sulfosuccinate, beispielsweise Dioctylnatriumsulfosuccinat, Dinatriumlaurethsul- fosuccinat, Dinatriumlaurylsulfosuccinat und Dinatriumundecylenamido MEA- Sulfosuccinat
sowie Schwefelsäureester, wie
1. Alkylethersulfat, beispielsweise Natrium-, Ammonium-, Magnesium-, MIPA-, TIPA- Laurethsulfat, Natriummyrethsulfat und Natrium Cι2-13 Parethsulfat,
2. Alkylsulfate, beispielsweise Natrium-, Ammonium- und TEA- Laurylsulfat.
B. Kationische Tenside
Vorteilhaft zu verwendende kationische Tenside sind
1. Alkylamine,
2. Alkylimidazole,
3. Ethoxylierte Amine.
Die große verbleibende Gruppe der quaternären Stickstofftenside wird durch die der Erfindung zugrundeliegende Wirkstoffgruppe repräsentiert.
C. Amphotere Tenside
Vorteilhaft zu verwendende amphotere Tenside sind
1. Acyl-/dialkylethylendiamin, beispielsweise Natriumacylamphoacetat, Dinatrium- acylamphodipropionat, Dinatriumalkylamphodiacetat, Natriumacylamphohydro- xypropylsulfonat, Dinatriumacylamphodiacetat und Natriumacylamphopropionat,
2. N-Alkylaminosäuren, beispielsweise Aminopropylalkylglutamid, Alkylaminopropi- onsäure, Natriumalkylimidodipropionat und Lauroamphocarboxyglycinat.
D. Nicht-ionische Tenside
Vorteilhaft zu verwendende nicht-ionische Tenside sind
1. Alkohole,
2. Alkanolamide, wie Cocamide MEA/ DEA/ MIPA,
3. Aminoxide, wie Cocoamidopropylaminoxid,
4. Ester, die durch Veresterung von Carbonsäuren mit Ethyienoxid, Glycerin, Sor- bitan oder anderen Alkoholen entstehen,
5. Ether, beispielsweise ethoxylierte/propoxylierte Alkohole, ethoxyiierte/ propoxy- lierte Ester, ethoxyiierte/ propoxylierte Glycerinester, ethoxyiierte/ propoxylierte Cholesterine, ethoxyiierte/ propoxylierte Triglyceridester, ethoxyliertes propoxy- liertes Lanolin, ethoxyiierte/ propoxylierte Polysiloxane, propoxylierte POE-Ether und Alkylpolyglycoside wie Laurylglucosid, Decylglycosid und Cocoglycosid.
6. Sucroseester, -Ether
7 Polyglycerinester, Diglycerinester, Monoglycerinester 8. Methylglucosester, Ester von Hydroxysäuren
Vorteilhaft ist erfindungsgemäß insbesondere die Verwendung einer Kombination von quaternären Stickstoffverbindungen mit einem oder mehreren amphoteren Tensiden und/oder mit einem oder mehreren nicht-ionischen Tensiden.
Je nach Kompatibilität der nicht-kationischen Tenside mit den erfindungsgemäßen quaternären Stickstoffverbindung kann ihre Konzentration in Zubereitungen gemäß der Erfindung bis zu 80 Gew.-% betragen, bezogen auf das Gesamtgewicht der Zubereitungen.
Zusätzlich zu den genannten Bestandteilen können den erfindungsgemäßen dermatologischen Zubereitungen, deren pH-Wert vorzugsweise z.B. durch übliche Puffergemische auf 4,0 bis 7,5 insbesondere 5,0 bis 6,5, eingestellt wird, Parfüm, Farbstoffe, Antioxidantien, Suspendiermittel, Puffergemische oder andere übliche kosmetische oder dermatologische Grundstoffe beigemischt werden.
Erfindungsgemäß können als günstige Antioxidantien alle für kosmetische und/oder dermatologische Anwendungen geeigneten oder gebräuchlichen Antioxidantien verwendet werden.
Es ist auch von Vorteil, den erfindungsgemäßen Zubereitungen Antioxidantien zuzusetzen. Vorteilhaft werden die Antioxidantien gewählt aus der Gruppe bestehend aus
Aminosäuren (z.B. Glycin, Histidin, Tyrosin, Tryptophan) und deren Derivate, Imida- zole (z.B. Urocaninsäure) und deren Derivate, Peptide wie D,L-Carnosin, D-Carnosin, L-Carnosin und deren Derivate (z.B. Anserin), Carotinoide, Carotine (z.B. α-Carotin, ß- Carotin, Lycopin) und deren Derivate, Chlorogensäure und deren Derivate, Lipon- säure und deren Derivate (z.B. Dihydroliponsäure), Aurothioglucose, Propylthiouracil und andere Thiole (z.B. Thioredoxin, Glutathion, Cystein, Cystin, Cystamin und deren Glycosyl-, N-Acetyl-, Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Amyl-, Butyl- und Lauryl-, Paimitoyl-, Oleyl-, γ-Linoleyl-, Cholesteryl- und Glycerylester) sowie deren Salze, Dilaurylthiodi- propionat, Distearylthiodipropionat, Thiodipropionsäure und deren Derivate (Ester, Ether, Peptide, Lipide, Nukleotide, Nukleoside und Salze) sowie Sulfoximinverbindun- gen (z.B. Buthioninsulfoximine, Homocysteinsulfoximin, Buthioninsulfone, Penta-, Hexa-, Heptathioninsulfoximin) in sehr geringen verträglichen Dosierungen (z.B. pmol bis μmol/kg), ferner (Metall)-Chelatoren (z.B. α-Hydroxyfettsäuren, Palmitinsäure, Phytinsäure, Lactoferrin), α-Hydroxysäuren (z.B. Cftronensäure, Milchsäure, Apfelsäure), Huminsäure, Gallensäure, Gallenextrakte, Bilirubin, Biliverdin, EDTA, EGTA und deren Derivate, ungesättigte Fettsäuren und deren Derivate (z.B. γ-Linolensäure, Li- nolsäure, Ölsäure), Folsäure und deren Derivate, Ubichinon und Ubichinol und deren Derivate, Vitamin C und Derivate (z.B. Ascorbylpalmitat, Mg-Ascorbylphosphat, As- corbylacetat), Tocopherole und Derivate (z.B. Vitamin-E-acetat), Vitamin A und Derivate (Vitamin-A-palmitat) sowie Koniferylbenzoat des Benzoeharzes, Rutinsäure und deren Derivate, α-Glycosylrutin, Ferulasäure, Furfurylidenglucitol, Carnosin, Butylhy- droxytoluol, Butylhydroxyanisol, Nordihydroguajakharzsäure, Nordihydroguajaretsäu- re, Trihydroxybutyrophenon, Harnsäure und deren Derivate, Mannose und deren Derivate, Zink und dessen Derivate (z.B. ZnO, ZnSO4) Selen und dessen Derivate (z.B. Selenmethionin), Stiibene und deren Derivate (z.B. Stilbenoxid, Trans-Stilbenoxid) und die erfindungsgemäß geeigneten Derivate (Salze, Ester, Ether, Zucker, Nukleotide, Nukleoside, Peptide und Lipide) dieser genannten Wirkstoffe.
Die Menge der Antioxidantien (eine oder mehrere Verbindungen) in den Zubereitungen beträgt vorzugsweise 0,001 bis 30 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,05 - 20 Gew.- %, insbesondere 1 - 10 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Zubereitung.
Sofern Vitamin E und/oder dessen Derivate das oder die Antioxidantien darstellen, ist vorteilhaft, deren jeweilige Konzentrationen aus dem Bereich von 0,001 - 10 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Formulierung, zu wählen.
Sofern Vitamin A, bzw. Vitamin-A-Derivate, bzw. Carotine bzw. deren Derivate das oder die Antioxidantien darstellen, ist vorteilhaft, deren jeweilige Konzentrationen aus dem Bereich von 0,001 - 10 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht der Formulierung, zu wählen.
Es ist für die vorliegende Erfindung vorteilhaft, daß der pH-Wert der erfindungsgemäßen dermatologischen Zubereitungen kleiner als 8 ist. pH-Werte, die leicht höher sind als 7, aber kleiner als 7,5 können dabei im allgemeinen toleriert werden. Jedenfalls ist für ein gegebenes Fettsäuregemisch im Einzelfalle durch einfaches Ausprobieren, ohne erfinderisches Dazutun, leicht zu ermitteln, welche exakte obere pH-Grenze zu beachten ist.
Vorteilhaft wird der pH-Wert der erfindungsgemäßen Formulierungen im sauren bis sehr schwach alkalischen Bereich kleiner als 8 eingestellt, bevorzugt von 4,0 - 7,5 , besonders bevorzugt von 5,0 - 6,5.
Die jeweils einzusetzenden Mengen an Hilfs- Zusatz- und Trägerstoffen und gegebenenfalls Parfüm können in Abhängigkeit von der Art des jeweiligen Produktes vom Fachmann durch einfaches Ausprobieren leicht ermittelt werden.
Die Herstellung der erfindungsgemäßen dermatologischen Zubereitungen erfolgt, abgesehen von speziellen Zubereitungen, die in den Beispielen jeweils gesondert vermerkt sind, in üblicher Weise, zumeist durch einfaches Vermischen unter Rühren, gegebenenfalls unter leichter Erwärmung. Sie bietet keine Schwierigkeiten. Für Emulsionen werden Fettphase und die Wasserphase z.B. separat, gegebenenfalls unter Erwärmen hergestellt und dann emulgiert.
Ansonsten sind die üblichen Maßregeln für das Zusammenstellen von galenischen Formulierungen zu beachten, die dem Fachmann geläufig sind.
Sollen die erfindungsgemäßen Kombinationen in Puder eingearbeitet werden, so können die Suspensionsgrundlagen dafür vorteilhaft gewählt werden aus der Gruppe
Kieselsäuregele (z.B. solche die unter dem Handelsnamen Aerosil® erhältlich sind), Kieselgur, Talkum, modifizierte Stärke, Titandioxid, Seidenpulver, Nylonpulver, Poly- ethylenpulver und verwandten Stoffen.
Es folgen vorteilhafte Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung. Die Mengenangaben beziehen sich stets auf Gewichts-%, wenn nichts Anderes angegeben wird.
Beispiel 1
W/O Creme
Gew.%
Paraffinöl (DAB 9) 10,00
Petrolatum 4,00
Wollwachsalkohol 1,00
PEG-7-Hydriertes Ricinusöl 3,00
Aluminiumstearat 0,40
Polyaminopropylbiguanid 0,20
Glycerin 2,00
Konservierungsmittel, Farbstoffe, Parfüm q.s.
Wasser ad 100,00
Beispiel 2
W/O Lotion
Gew.-%
Paraffinöl (DAB 9) 20,00
Petrolatum 4,00
Glucosesesquiisostearat 2,00
Aluminiumstearat 0,40
Cetyltrimethylammoniumchlorid 0,10 α-Tocopherylacetat 1 ,00
Glycerin 5,00
Konservierungsmittel, Farbstoffe, Parfüm q.s.
Wasser ad 100,00
Beispiel 3
O/W Lotion
Gew.-%
Paraffinöl (DAB 9) 8,00
Isopropylpalmrtat 3,00
Petrolatum 4,00
Cetylstearylalkohol 2,00
PEG-40 Ricinusöl 0,50
Natriumcetylstearylsulfat 0,50
Natrium Carbomer 0,40
Polyaminopropylbiguanid 0,20
Glycerin 3,00 α-Tocopherol 0,20
Octylmethoxycinnamat 5,00
Butylmethoxydibenzoylmethan 1,00
Konservierungsmittel, Farbstoffe, Parfüm q.s.
Wasser ad 100,00
Beispiel 4
O/W Creme
Gew.-%
Paraffinöl (DAB 9) 7,00
Avocadoöl 4,00
Glycerylmonostearat 2,00
Cetyltrimethylammoniumchlorid 0,10
Titandioxid 1 ,00
Natriumlactat 3,00
Glycerin 3,00
Konservierungsmittel, Farbstoffe, Parfüm q.s.
Wasser ad 100,00
Beispiel 5
O/W-Creme
Gew.-%
Quartβrnium-5 3,50
Paraffinöl, subliquidum 10,00
Cetearylalkohol 2,00
Hydrierte Kokosfettsäureglyceride 0,50
Dimethicone 0,75
Glycerin 20,00
Tocopherolacetat 0,50
Polyaminopropylbiguanid 0,20
Konservierungsmittel, Farbstoffe, Parfüm q.s. Wasser ad 100,00
Beispiel 6
O/W-Creme
Gew.-%
Quarternium-5 3,50
Paraffinöl, subliquidum 10,00
Cetearylalkohol 2,00
Hydrierte Kokosfettsäureglyceride 0,50
Dimethicone 0,75
Glycerin 20,00
Tocopherolacetat 0,50
Konservierungsmittel, Farbstoffe, Parfüm q.s.
Wasser ad 100,00
Beispiel 7
Liposomenhaltiges Gel
Gew.-%
Lecithin 6,00
Schibutter 3,00
Cetyltrimethylammoniumchlorid 0,10 α-Tocopherol 0,20
Biotin 0,08
Natriumeitrat 0,50
Glycin 0,20
Harnstoff 0,20
Natrium PCA 0,50
Hydrolysiertes Kollagen 2,00
Xanthan Gummi 1,40
Sorbrtol 3,00
Konservierungsmittel, Farbstoffe, Parfüm q.s.
Wasser ad 100,00
Beispiel 8
Gel
Gew.-%
Carbopol 934 P 2,00
Triethanolamin 3,00
Polyaminopropylbiguanid 0,20 α-Tocopherylacetat 0,20
Polyoxyethylensorbitanfettsäureester (Tween 20) 0,50
Glycerin 2,00
Natrium PCA 0,50
Hydrolysiertes Kollagen 2,00
Konservierungsmittel, Farbstoffe, Parfüm q.s.
Wasser ad 100,00