Gummilager mit in Umfangsrichtung unterschiedlichem Kennungsverhalten
Beschreibung:
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Gummilager mit in Umfangsrichtung unterschiedlichem Kennungsverhalten, welches zur Montage in eine zylinderförmige Aufnahme vorgesehen ist.
Insbesondere im Automobilbau werden Gummilager unterschiedlichster Ausfuhrung vielfach eingesetzt. Ihr Einsatz erfolgt insbesondere in Bauteilen für die Radaufhängung, beispielsweise zur Lagerung der Querlenker. Im allgemeinen bestehen die Lager aus einem rohrförmigen Innenteil, welches von einem Elastomer umgeben und durch Nulkanisation mit diesem verbunden ist. Die Aufnahme des Lagers erfolgt in einem äußeren, ebenfalls zylinderförmigen Rohrabschnitt.
Vielfach ist es wünschenswert, die Lager so auszubilden, daß sie, bezogen auf ihre Umfangsrichtung, Bereiche mit unterschiedlichem Kennungsverhalten aufweisen. Um dies zu erreichen, werden in dem Elastomer Ausnehmungen vorgesehen. In den Bereichen dieser Ausnehmungen weist das Lager dann eine weichere Kennung auf. Allerdings ist hierdurch in den besagten Bereichen die Beanspruchung des Elastomers durch radial eingetragene Kräfte besonders hoch. Mit dem Ziel einer gleichmäßigen Kraftübertragung und damit der Vermeidung eines Verdrückens des Gummis sowie zum Schutz des Elastomers gegen einen vorzeitigen Verschleiß durch Überbeanspruchung, ist es daher erforderlich, das Elastomer
durch geeignete Maßnahmen zu stabilisieren. Hierzu ist es üblich, das Elastomer mit einem als zylindrische Hülse ausgebildeten Außenteil zu verbinden, welches beispielsweise aus Aluminium oder Kunststoff besteht. Dies bedingt einen erhöhten Fertigungsaufwand und wirkt sich daher nachteilig auf die Herstellungskosten aus. Verzichtet man hingegen auf ein solches stabilisierendes Außenteil, so bestehen jedoch bei Lagern herkömmlicher Ausbildung hinsichtlich des zu erreichenden Kennungsverhältnisses, also des Verhältnisses zwischen weicher und harter Kennung, relativ enge Grenzen. Dabei werden dann im allgemeinen höchstens Kennungsunterschiede von bis zu 20 % erzielt.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, ein Gummilager zu schaffen, bei welchem, bezogen auf unterschiedliche Richtungen, vergleichsweise hohe Kennungsunterschiede realisierbar sind und dessen Aufbau gegenüber den bisher bekannten Lagern mit großen Unterschieden zwischen weicher und harter Kennung vereinfacht ist.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch ein Gummilager gelöst, welches die Merkmale des Hauptanspruchs aufweist. Vorteilhafte Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Lagers sind durch die Unteransprüche gegeben.
Das mit der vorliegenden Lösung vorgeschlagene Gummilager mit in Umfangsrichtung unterschiedlichem Kennungsverhalten, welches zur Montage in ein zylinderförmiges Aufnahmeauge vorgesehen ist, besteht in bekannter Weise aus einem Innenteil und einem das Innenteil umgebenden, mit ihm durch Vulkanisation verbundenen Elastomer mit im wesentlichen zylinderförmiger Außenkontur, das zum Erhalt von Umfangsabschnitten mit einer weicheren Kennung bereichsweise Ausnehmungen aufweist. Zur Lösung der Aufgabe weist die Außenkontur der Querschnittsfläche des Innenteils im Gegensatz zu seiner Innenkontur eine von der Kreisform abweichende Ausbildung auf. Die Gummihöhe des Elastomers des unter Fortfall eines stabilisierenden Außenringes in dem Aufnahmeauge montierten Lagers variiert entsprechend dem Querschnitt des Innenteils, wobei im Bereich der Ausnehmungen das Innenteil jeweils seine größte radiale Ausdehnung und das in diesen Bereichen eine erhöhte Vorspannung aufweisende Elastomer seine geringste Gummihöhe besitzt.
Gemäß einer Ausgestaltung der Erfindung weist das Innenteil eine rechteckähnliche Querschnittsform auf, wobei die jeweils kurzen Seiten dieser rechteckähnlichen Form abgerundet und in radialer Richtung nach außen gewölbt als Kreissegment ausgebildet sind. Hierdurch ergibt sich für das Innenteil eine große, durch die Längsmittenachse des Lagers verlaufende Hauptachse und im rechten Winkel dazu eine Nebenachse. Bei einer anderen möglichen Ausbildungsform weist das Innenteil die Form einer Ellipse auf, welche an den Enden ihrer Hauptachse abgeflacht ist.
Das Achsverhältnis von Haupt- zu Nebenachse beträgt dabei gemäß praxisrelevanter Ausbildungen des erfindungsgemäßen Lagers 3 : 2 bzw. 26 : 17, wodurch ein Kennungsverhältnis von 2 : 1 erhältlich ist. Durch die Bemessung des Verhältnisses zwischen der Haupt- und der Nebenachse des Innenteils und eine darauf abgestimmte Außenkontur des Elastomers sind im Sinne der Erfindung unterschiedlichste Kennungsverhältnisse für das Lager erhältlich.
So ist unter Beibehaltung des erfindungsgemäßen Grundprinzips eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung des Gummilagers dadurch gegeben, daß zusätzlich zu der veränderten Form des Innenteils eine geringfügige Modifizierung der Außenkontur des Elastomers vorgenommen wird, bei der die Gummihöhe des Elastomers so vergrößert wird, daß das Innenteil mit dem Elastomer einen Außendurchmesser aufweist, der vor der Montage des Lagers größer ist als der Innendurchmesser des Aufnahmeauges. Zusätzlich ist es möglich, die Kennungsverhältnisse zu beeinflussen, indem man in der Nähe der Ausnehmungen lokal begrenzte, radial nach außen gerichtete Ausformungen im Elastomer ausgebildet. Im Bereich dieser Ausformungen ist die Gummihöhe dadurch vor der Montage des Lagers noch zusätzlich erhöht. Durch die Montage im Aufnahmeauge wird das Elastomer im Bereich der Ausnehmungen zusammengeschoben, so daß sich die Ausnehmungen verkleinern und das Elastomer in diesem Bereich wiederum seine geringste Gummihöhe besitzt. Während des bestimmungsgemäßen Einsatzes des Lagers wirken dabei die vor der Montage sichtbaren Ausformungen im Elastomer gegenüber radial auftretenden Belastungen als wegbegrenzender Puffer. In Anbetracht dessen, daß sich hierdurch auch gewisse Auswirkungen auf das Kennungsverhalten ergeben, ist es somit denkbar das
Kennungsverhalten des Lagers durch die Ausbildung derartiger Puffer und ihre Bemessung gezielt zu beeinflussen. Erfindungswesentlich ist es in jedem Falle, daß die Ausnehmungen unabhängig von Außenkontur des Elastomers und von der Formgestaltung des Innenteils im montierten Zustand erhalten bleiben und zwischen dem Elastomer und der Aufnahme einen Hohlraum ausbilden.
Soweit sich hierdurch bei der Belastung des Lagers in einem durch eine Ausnehmung gebildeten Hohlraum ein erhöhter Druck wegen der darin befindlichen Luft aufbaut, erfolgt über einen gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung vorgesehenen Kanal zwischen diesem Hohlraum und der jeweils gegenüberliegenden Ausnehmung ein Druckausgleich. Es ist somit bei entsprechender Abdichtung des Lagers auch denkbar in die gebildeten Hohlräume zusätzlich ein flüssiges Dämpfungsmittel einzubringen, welches durch die Kanäle ebenfalls entsprechend der jeweiligen Belastung ausweichen kann.
Das erfindungsgemäße Gummilager weist durch den Fortfall des Außenteils einen deutlich vereinfachten Aufbau auf. Hierdurch ergibt sich auch ein erheblicher Kostenvorteil des erfindungsgemäßen Lagers gegenüber bisher bekannten vergleichbaren Gummilagern. Weiterhin ist die sich ergebende Gewichtsverringerung als vorteilhaft anzusehen.
Durch entsprechende Gestaltung des Innenteils und eine möglicherweise zusätzliche Modifizierung der im wesentlichen zylinderförmigen Außenkontur des Elastomers, wird hinsichtlich der Kennungsverhältnisse eine sehr hohe Variabilität erreicht. Damit läßt sich beispielsweise ein Kennungsverhältnis von 2 : 1 erreichen, was mit Lagern nach dem Stand der Technik bisher nur unter Einsatz eines Außenteils realisierbar war. Darüber hinaus läßt sich das jeweilige Kennungsverhältnis in günstiger Weise sehr einfach und fein abstimmen.
Nachfolgend soll die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispieles näher erläutert werden. In der zugehörigen Zeichnung zeigen:
Figur 1 : Die Prinzipdarstellung des erfindungsgemäßen Lagers,
Figur 2a: Eine Variante des erfindungsgemäßen Lagers mit einer in der Nähe der
Ausnehmungen vergrößerten Gummihöhe, Figur 2b: Das Lager gemäß Figur 2 nach der Montage in der Aufnahme,
Figur 3 : Das erfindungsgemäße Lager in einer Seitenansicht
Figur 4 : Ein Lager mit unterschiedlichem Kennungsverhalten gemäß dem Stand der
Technik.
Die Figur 1 verdeutlicht den grundsätzlichen Aufbau des erfindungsgemäßen Lagers in einer Schnittdarstellung. Um ein Innenteil ist das Elastomer 4 angeordnet und mit diesem durch Vulkanisation verbunden. Das Elastomer 4 weist zum Erhalt einer in y-Richtung weicheren Kennung Ausnehmungen 6 auf. Die das Lager ausbildenden Teile werden vor ihrer bestimmungsgemäßen Verwendung in einem zylinderförmigen Aufhahmeauge 10 montiert. Die Montage erfolgt entgegen den bisher bekannten Lagern mit großen Kennungs- unterschieden, wie beispielsweise eines durch das Lager gemäß Figur 4 veranschaulicht wird, unter Fortfall eines das Lager umgebenden Außenringes 13. Aufgrund der erfindungsgemäßen Ausbildung ist eine solche Stabilisierungsmaßnahme nicht erforderlich. Durch die Gestaltung des Innenteils werden im Elastomer nach dessen Montage im Aufnahmeauge 10 vorgespannte Bereiche erzeugt und dadurch eine Relativbewegung zwischen Elastomer und Aufhahmeauge unter Belastung, insbesondere durch Verdrehung des Bauteils verhindert. Das Elastomer 4 kann sich bei entsprechender Belastung allenfalls im geringen Maße in sich selbst verdrehen. Vorliegend weist das Innenteil 1, wie zu erkennen, eine rohrförmige Innenkontur 2 und eine Außenkontur 3 mit einer ellipsenförmigen Ausbildung auf. An den Enden ihrer Hauptachse 7 ist diese Ellipse abgeflacht ausgebildet. Durch die beschriebene Ausbildung des Innenteils 1 wird die nach der Montage in dem Aufnahmeauge 10 resultierende Gummihöhe im Bereich der Ausnehmungen 6 verringert. Das Elastomer 4 weist dabei durch die Gestaltung des Innenteils 1 in diesen Bereichen eine erhöhte Vorspannung auf. Zum Erhalt einer in der y- Richtung weicheren Kennung ist es dabei wichtig, daß das Innenteil 1 und das mit ihm verbundene Elastomer 4 so gestaltet sind, daß die Ausnehmungen 6 auch nach der Montage im Aufhahmeauge 10 oder Aufhahmerohr erhalten bleiben.
In dem dargestellten Beispiel stehen die Haupt- und die Nebenachse 7, 8 des Innenteils 1 in einem Längenverhältnis von 3 :2. Hierdurch wird bei Verwendung eines Elastomers 4 üblicher Materialbeschaffenheit ein Verhältnis der Kennungen zwischen der y- und der x- Richtung von 2: 1 erreicht. Im Bereich der Ausnehmungen 6 führt die getroffene Maßnahme zu einer deutlich weicheren Kennung, ohne daß das Elastomers 4 in diesem Bereich überbeansprucht wird. Unter Verzicht auf ein stabilisierendes Außenteil ist ein solches Kennungsverhältnis bei einer herkömmlichen Ausbildung des Lagers entsprechend dem Stand der Technik nicht zu erzielen. Ohne Außenteil wird bei Lagern nach dem Stand der Technik im Bereich der Ausnehmungen in der Regel eine höchstens um 20 % weichere Kennung erreicht.
In der Figur 2a ist eine Variante des erfindungsgemäßen Lagers dargestellt, bei welchem neben der vorgenommenen Formänderung des Innenteils 1 zusätzlich eine Modifizierung der Außenkontur des Elastomers 4 vorgesehen ist. Die Gummihöhe 5 des Elastomers 4 ist dabei derart vergrößert, daß das Elastomer 4 mit eingeschlossenem Innenteil 1 vor der Montage einen Außendurchmesser aufweisen, der über dem Innendurchmesser des Aufnahmeauges 10 liegt. Bei dier dargestellten Ausführungsform weist die Außenkontur 11 des Elastomers 4 außerdem in lokal begrenzten Bereichen in der Nähe der Ausnehmungen jeweils eine Ausformung 9 auf, durch welche die Gummihöhe 5 in diesem Bereich vor der Montage im Aufhahmeauge 10 zusätzlich vergrößert ist. Hierdurch entsteht in diesen Bereichen ein Puffer, welcher wegbegrenzend wirkt und dadurch zu einer zusätzlichen Stabilisierung des Elastomers 4 führt. Es ist aber auch denkbar, auf diese Weise das Kennungsverhalten des Lagers fein abzustimmen. Im montierten Zustand weist jedoch das Elastomer 4 auch im Bereich der Puffer 9 durch das notwendige Stauchen eine geringere Gummihöhe 5 auf als dies in den 90° gegenüber den Ausnehmungen versetzten Bereichen der Fall ist. Das erfinderische Prinzip bleibt, soweit darauf geachtet wird, daß die Ausnehmungen auch nach der Montage vorhanden sind, dabei voll erhalten.
In der Figur 2b ist das Lager gemäß der Figur 2a nochmals nach der Montage in das Aufhahmeauge 10 dargestellt. Wie zu erkennen ist, weist die Anordnung in etwa eine zur
Figur 1 gleiche Erscheinungsform auf. Lediglich die Ausnehmungen 6 sind aufgrund des in den Bereichen vergrößerter Gummihöhe gestauchten Elastomers 4 etwas kleiner.
Die Figur 3 vermittelt eine Darstellung des erfindungsgemäßen Lagers in einer Seitenansicht. Deutlich zu erkennen ist hierbei die Ausbildung des Elastomers 4 mit den darin eingearbeiteten Ausnehmungen 6. Da die in den Ausnehmungen 6, auch nach der Montage in das Aufhahmeauge 10, enthaltene Luft bei einer radialen Krafteinwirkung in diesem Bereich zusammengepreßt wird, sind zur Vermeidung des Aufbaus eines erhöhten Drucks im Randbereich des Lagers Kanäle 14 vorgesehen, über welche die Luft zu der jeweils gegenüberliegenden Ausnehmung 6 ausweichen kann. Das dargestellte Lager ist in seiner axialen Erstreckung über die axiale Länge des in der Figur nicht dargestellten Aufhahmeauges 10 verlängert. Die nach der Montage aus dem Aufhahmeauge 10 herausragenden Außenbereiche 15 des Elastomers 4 besitzen einen gegenüber dem eigentlichen Lagerkörper vergrößerten Durchmesser. Hierdurch wird das in das Aufhahmeauge 10 eingebrachte Lager gegen von außen eindringenden Schmutz nach Art einer Dichtung geschützt. Prinzipiell läßt diese Ausbildungsvariante die Möglichkeit zu, zur Beeinflussung des Dämpfungsverhaltens zusätzlich in die Ausnehmungen 6, welche nach der Montage in dem Aufnahmeauge 10 durch dessen Innenkontur 12 begrenzte Hohlräume ausbilden, ein flüssiges Dämpfungsmittel einzubringen. Auch dieses kann dann - eine hinreichende Abdichtung des Lagers nach außen ist natürlich Voraussetzung - bei auftretenden Belastungen zwischen den Ausnehmungen 6 über die Kanäle 14 hin- und herfließen.
In der Figur 4 ist zu Vergleichszwecken die Ausbildung eines Lagers mit variablem Kennungsverhalten gemäß dem Stand der Technik dargestellt. Wie zu erkennen ist, sind auch bei diesem Lager in dem Elastomer 4 zur Beeinflussung des Kennungsverhaltens Ausnehmungen 6 vorgesehen. Aufgrund der zylindrischen Form des Lagerinnenteils 1 ist jedoch das Elastomer im Bereich der Ausnehmungen im Einsatzfall einer verstärkten Beanspruchung ausgesetzt. Um ein Verdrücken und eine Herabsetzung der Standzeit des Elastomers 4 zu vermeiden, ist das Elastomer 4 daher von einem stabilisierenden Ring 13 umgeben.
Bezugszeichen:
Innenteil
Innenkontur des Innenteils
Außenkontur des Innenteils
Elastomer, Gummi
Gummihöhe
Ausnehmung
Hauptachse
Nebenachse
Ausformung, Puffer
Aufhahmeauge
Außenkontur des Elastomers
Innenkontur des Aufnahmeauges
Außenteil
Kanal
Randbereich des Elastomers axiale Richtung