Elektrischer Leiter mit Zündeinrichtung
Stand der Technik
Die Erfindung betrifft einen elektrischen Leiter mit einer Zündeinrichtung, die mit dem Leiter in thermischem Kontakt steht und vorgesehen ist, um bei- einer Überschreitung einer Grenztemperatur des Leiters zu zünden und den Leiter zu zerstören. Ein solcher Leiter ist aus DE 1 96 20 204 AI bekannt.
Dieser bekannte Leiter ist vorgesehen zum Anschließen eines Pols einer Kraftfahrzeugbatterie an das Bordnetz des Kraftfahrzeugs und soll sich selbst zerstören, wenn zum Beispiel in Folge eines Unfalls ein Kurzschluß im Bordnetz auftritt, der andernfalls zu einem Fahrzeugbrand führen könnte. Er umfaßt in einem Gehäuse eine elektrische Steckverbindung, bei der die Buchse der Steckverbindung eine Zündpille enthält, die sich, wenn ein Kurzschluß- ström durch den Leiter fließt, erhitzt und durch ihre Explosion den Stift der Steckverbindung aus der Buchse herausdrückt und so den kurzgeschlossenen Stromkreis auftrennt.
Infolge des Übergangswiderstands der Steckverbindung erhitzt sich die Steckverbindung bereits bei mäßigen Strömen stark. Dabei hängt das Ausmaß der Erhitzung von der Qualität des Kontakts zwischen Stift und Buchse der Steckverbindung ab und ist deshalb für verschiedene Exemplare einer gleichen Steckverbindung variabel . Dies ist zwar bei der Absicherung von Kurzschlußströmen unkritisch, es macht jedoch den bekannten Leiter ungeeignet zur Absicherung von Verbrauchern gegen elektrische Überlastung, wo es auf ein reproduzierbares Zündverhalten des Leiters ankommt. Selbst wenn es möglich wäre, einen für hohe Ströme ausgelegten Ver- braucher mit Hilfe des bekannten Leiters gegen Überströme abzusichern, wäre es dafür notwendig, eine sehr großformatige Steckverbindung zu verwenden, um so deren Erhitzung bei den für den Betrieb des Verbrauchers benötigten Strömen in den Grenzen zu halten, bei denen die Zündeinrichtung mit Sicherheit nicht zündet . Dies würde die Anwendung des bekannten Leiters für die Absicherung von Hochstromverbrauchern kostspielig, und, wenn nicht ausreichend Platz für die Anbringung des Steckverbin- ders zur Verfügung steht, mitunter sogar unmöglich machen.
Vorteile der Erfindung
Gemäß der Erfindung ist vorgesehen, daß ein Leiter der eingangs genannten Art ein oder mehrere sich kontinuierlich zwischen den Enden des Leiters erstreckende Adern umfaßt, und daß die Zündeinrichtung an dem Leiter angeordnet ist, um im Falle des Zündens diese Adern zu zerteilen. Dies ermöglicht zum einen einen kompakteren und wesentlich verein- fachten Aufbau des Leiters mit der Zündeinrichtung, da als Leiter schlicht und einfach ein herkömmliches, durchgehendes Kabel in Frage kommt, zum anderen wird ein wesentlicher Spannungsabfall innerhalb des Leiters durch Verzicht auf die Steckverbindung vermieden, was insbesondere bei der Versorgung von Verbrauchern mit hohen Strömen erwünscht ist .
Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung umfaßt die Zündeinrichtung ein ringförmig um das Kabel angeordnetes Zündmaterial. Dieses Zündmaterial muß nicht unbedingt eine große explosive Wirkung haben, wie sie zum Auftrennen des bekannten Leiters unabdingbar ist, es kann ausreichen, wenn es eine starke Hitze entfaltet, die, zusammen mit der durch den Stromfluß bewirkten Erhitzung des Leiters dazu führt, daß dieser im Bereich der Zündeinrichtung durchschmilzt und so der Stromfluß zum Verbraucher unterbrochen wird.
Das Zündmaterial kann dabei von einer gegen das Zünden beständigen Kapsel oder einem Gehäuse umgeben sein. Dieses Gehäuse hat zum einen die Wirkung, die Umgebung des Leiters vor abgetrenntem, glühend heißem Leitermaterial zu schützen, zum anderen kann es bewirken, daß die voneinander getrennten Abschnitte des Leiters aus verschiedenen Öffnungen der Kapsel durch den Druck des in ihr enthaltenen heißen Materials herausgepreßt werden und so die beiden Abschnitte besonders zuverlässig voneinander getrennt werden.
Gemäß einer zweiten bevorzugten Ausgestaltung ist die Zündeinrichtung von den Adern des Leiters umgeben. In diesem Fall werden beim Zünden der Zündeinrichtung wenigstens einige dieser Adern durch den entstehenden Explosionsdruck zerrissen, wodurch der Leitungsquerschnitt des Leiters deutlich verringert wird und diejenigen Adern, die eventuell noch nicht zerrissen sind, in kürzester Zeit durchschmelzen.
Um eine Beeinflussung des Leiters durch Wärmesenken, an die dieser angeschlossen ist, gering zu halten, ist die Zündeinrichtung vorzugsweise in etwa auf halber Länge des Leiters angeordnet .
Bei dem Leiter handelt es sich vorzugsweise um eine aus einer Vielzahl von Adern aufgebaute, flexible Litze.
Eine wichtige Anwendung des erfindungsgemäßen Leiters ist in der Kraftfahrzeugtechnik, und zwar insbesondere als Verbindung zwischen einem Starterre- lais und einem Startermotor eines Kraftfahrzeugs . Der Grund hierfür ist, daß in modernen Kraftfahr- zeugen immer leichtere Startermotoren zum Einsatz kommen, die infolge ihrer geringen Masse auch eine geringe Wärmekapazität haben und daher leicht überhitzen und beschädigt werden können, wenn sie dem Starterstrom zu lange ausgesetzt sind. Außerdem bringt die Hitze, die ein solcher überlasteter Startermotor und/oder seine Versorgungsleitungen entwickeln, die Gefahr von Motorbränden mit sich. Solche Überlastungssituationen können insbesondere auftreten, wenn ein Fahrzeug allein mit dem Star- termotor angetrieben längere Strecken zurücklegen und insbesondere Rampen hinauffahren muß, was zwar an sich ein unzulässiger Mißbrauch ist, aber dennoch beim Verladen von Fahrzeugen, zum Beispiel auf Bahn- oder Straßentransporter oder auf Schiffe, häufig vorkommt. In einem solchen Fall gewährleistet die Verwendung eines erfindungsgemäßen Leiters als Verbindung zwischen Starterrelais und Starter- motor einen wirksamen Schutz des letzteren und er-
möglicht darüber hinaus dem Besitzer des Fahrzeugs, der häufig nicht derjenige ist, der den Starter in der beschriebenen Weise mißbraucht, den Nachweis des Mißbrauchs .
Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen mit Bezug auf die Figuren.
Figuren
Es zeigen
Figuren 1,2 und 2a Ausführungsbeispiele eines er- findungsgemäßen Leiters und
Figur 3 einen herkömmlichen Leiter zum
Verbinden von Starterrelais und Startermotor eines Kraftfahr- zeugs .
Beschreibung der Ausführungsbeispiele
Figur 3 zeigt eine herkömmliche Anordnung aus einem Leiter 1 in Form einer Litze und einer Bürste 2 eines Startermotors, wie sie gegenwärtig in Kraftfahrzeugen verwendet wird. Je nach Polzahl des Anlassermotors hat ein Kraftfahrzeug in der Regel
zwei oder vier solcher Anordnungen. Der Leiter 1 besteht aus einer Vielzahl von flexiblen, zopfartig verflochtenen beziehungsweise verseilten Einzeladern, von denen ein Ende jeweils in der Bürste 2 mit hohem Druck und entsprechend geringem Übergangswiderstand verpreßt worden oder verlötet ist . Das in der Figur frei dargestellte zweite Ende 3 kann zum Beispiel mit einem Kabelschuh vercrimpt sein.
Figur 1 zeigt eine erste Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Leiters. Hier " ist der schlauchartig geflochtene äußere Mantel der Litze in einem Bereich 4 aufgeschnitten dargestellt und gibt den Blick frei auf eine Zündeinrichtung 5. Die Zündeinrichtung 5 besteht aus einem zu einer harten Pille verpreßten oder besser noch in eine Kapsel eingebetteten Explosivmaterial, das bei einer Temperatur zündet, die von der umgebenden Litze erreicht wird, wenn das Fahrzeug mit erhöhter Leistung oder über längere Strecken allein mit dem Startermotor angetrieben wird. Wie hoch diese Temperatur ist, ist durch geeignete Dimensionierung des Leitungsquerschnitts der Litze in Abhängigkeit von den Lei- stungseigenschaften des Startermotors in weiten Grenzen einstellbar. Ein zweckmäßiger Wert liegt zum Beispiel im Bereich von 400 bis 500°C.
Wenn die Litze diese Temperatur erreicht, zündet die Zündeinrichtung 5, und die Litze wird wenigstens auf einem wesentlichen Teil ihres Umfangs zerrissen. Der sich infolgedessen auf einem kleineren Leitungsquerschnitt konzentrierende Antriebsstrom des Startermotors führt binnen Sekundenbruchteilen zu einer Erhitzung der verbleibenden Adern der Litze bis zur Weißglut und zu ihrer Verdampfung.
Um zu vermeiden, daß nach der Explosion der Zündeinrichtung 5 glühende Teile der Litze im Motorraum des Fahrzeugs umherfliegen, kann die Litze - gegebenenfalls gemeinsam mit dem Starterrelais und dem Startermotor - in ein eigenes Gehäuse eingeschlossen sein, welches die glühenden Teile im Falle einer Explosion auffängt.
Figur 2 zeigt eine zweite bevorzugte Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Leiters. Bei dieser Ausgestaltung ist die Zündeinrichtung 5 nicht wie in Figur 1 im Innern des Leiters untergebracht, sondern umgibt diesen ringförmig. Ein Schnitt durch die Zündeinrichtung ist in Figur 2a gezeigt. Die Zündeinrichtung 5 hat ein festes äußeres Gehäuse 6 , das über zwei Muffen 7 an gegenüberliegenden Seiten des Gehäuses an dem Leiter 1 festgeklemmt ist. Im Innern definiert das Gehäuse 6 gemeinsam mit dem
Leiter 1 eine torusförmige Kammer, die mit einem Zündmaterial 8 gefüllt ist.
Beim Zündmaterial 8 kann es sich wie beim Beispiel der Figur 1 um ein Explosivmaterial handeln, das heißt ein Material, dessen Verbrennung hohe Drücke erzeugt, es kann sich aber auch um ein Material handeln, bei dessen Verbrennung extreme Hitze freigesetzt wird, wie zum Beispiel die unter der Be- Zeichnung Thermit bekannten Geraische oder andere Gemische, die insbesondere Sauerstoffabspalter und feine Metallpulver wie etwa Magnesium oder Aluminium enthalten. Selbstverständlich kann das Material auch ein Gemisch aus Explosivmaterial und hitzebil- dende Material sein.
Wenn die Temperatur des Leiters 1 die Zündtemperatur des Materials 8 überschreitet, verbrennt dieses unter je nach Zusammensetzung unterschiedlich star- ker Hitze- und Druckentwicklung. Durch die Hitze wird der Leiter bis auf den Schmelzpunkt seiner Adern oder zumindest in die Nähe des Schmelzpunkts erhitzt; der Druck bewirkt, daß von den Abschnitten des Leiters beiderseits des Zündmaterials wenig- stens einer aus seiner Muffe 7 herausgepreßt wird und die Abschnitte so voneinander getrennt werde . Dabei bleibt das beim Zünden schmelzende Material des Leiters 1 im wesentlichen in dem Gehäuse 6 ge-
fangen, dessen Material und Wandstärke in Abhängigkeit vom Zündmaterial 8 so gewählt sind, daß es die Zündung im wesentlichen unversehrt übersteht. Auf diese Weise wird vermieden, daß sich geschmolzenes Material in der Umgebung des Leiters 1 verteilt und dort zu weiteren Schäden führt.
Wenn der erfindungsgemäße Leiter für die Stromversorgung des Startermotors eines Kraftfahrzeugs ein- gesetzt wird, so genügt es in der Regel, nur eine der Bürsten des Startermotors mit einem erfindungs- gemäßen Leiter auszustatten, auch "wenn der Startermotor vier Pole und dementsprechend vier Bürsten besitzt. Der Grund dafür ist, daß bei der Zerstö- rung des erfindungsgemäßen Leiters ein wesentlicher Teil des von diesem geführten Stroms von einem Leiter eines anderen Pols übernommen wird, der dadurch einer drastisch erhöhten Stromstärke ausgesetzt ist und in Sekundenbruchteilen seinerseits durchbrennt, ohne daß dafür eine eigene Zündeinrichtung dieses anderen Leiters erforderlich ist.