VERFAHREN ZUM STEUERN VON KRAFTSTOFFEINSPRITZVENTILEN
Stand der Technik
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Steuern von
Flüssigkeiten nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1, wie es aus der DE 198 26 339 AI bekannt ist. Die dazu verwendete Vorrichtung weist ein von einem Piezo betätigtes Ventilglied auf, das einen Steuerraum zu einem Abflußbehälter hin verschließt oder öffnet. Charakteristisch für eine derartige Vorrichtung sind stets eine dem Ventilglied vorgeschaltete Zulaufdrossel sowie eine in der Verbindung zwischen dem Ventilglied und einem Abflußbehälter angeordnete Ablaufdrossel . Über die geometrische Ausbildung der Zulauf- und Ablaufdrossel und deren Verhältnis zueinander lässt sich beim Entlasten des Steuerraums die Öffnungsgeschwindigkeit der den Kraftstoff dosierenden, über den Steuerraum mit dem Ventilglied mittelbar verbundenen Ventilnadel beeinflussen. Ferner wird durch die Ausbildung der Zulaufdrossel die Schließgeschwindigkeit der Ventilnadel bestimmt. Das
Ventilglied dient bei dem bekannten Verfahren zum Steuern von Flüssigkeiten im wesentlichen als Sperrglied zum Abflußbehälter hin, wobei das Ventilglied lediglich zwei Stellungen einnehmen muß, eine Öffnungs- und eine Schließstellung.
Vorteile der Erfindung
Das erfindungsgemäße Verfahren zum Steuern von Flüssigkeiten mit den kennzeichnenden Merkmalen des Anspruchs 1 hat demgegenüber den Vorteil, daß das Ventilglied als variable Drossel wirkt, die dazu dient, die Anstiegsflanke des Einspritzventilgliedhubes in Abhängigkeit von Betriebszuständen zu beeinflussen um somit optimale Hubverläufe des Einspritzventilgliedes zu erzeugen.
Weitere vorteilhafte Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahrens zum Steuern von Flüssigkeiten sind in den Unteransprüchen angegeben.
Besonders vorteilhaft ist das erfindungsgemäße Verfahren wenn es als geschlossener Regelkreis arbeitet, so daß ein Vergleich zwischen optimalem und tatsächlichem Hubverlauf ermöglicht wird.
Im Zusammenhang mit einem hydraulischen Übersetzer kann das erfindungsgemäße Verfahren dazu dienen, temperaturabhängige Leckagen des hydraulischen Übersetzers zu kompensieren.
Zeichnung
Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und wird nachfolgend näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1 eine schematische Darstellung einer Kraftstoffeinspritzvorrichtung, Figur 2 einen Teil eines Einspritzventils im Längs- schnitt und
Figur 3 eine Darstellung von Hubverläufen eines Ventilkörpers in Abhängigkeit von der Ansteuerspannung eines Piezos.
Beschreibung des Ausführungsbeispiels
Figur 1 zeigt ein Kraftstoffeinspritzventil 10 in vereinfachter Darstellung, das ein Einspritzventilgehäuse 12 mit einer gestuften Bohrung 13 aufweist, in der eine
Ventilnadel als Einspritzventilglied 15 geführt ist. Dieses weist an seinem einen Ende eine kegelförmige Dichtfläche 16 auf, die mit einem kegelförmigen Ventilsitz 17 am Ende der gestuften Bohrung 13 zusammenwirkt. Stromabwärts des Ventilsitzes 17 sind Kraftstoffeinspritzöffnungen 18 angeordnet, die beim Aufsetzen der Dichtfläche 16 auf dem Ventilsitz 17 von einem Druckraum 19 getrennt werden. Der Druckraum 19 erstreckt sich über einen um den sich an die Dichtfläche 16 stromaufwärts anschließenden, mit kleinerem Durchmesser versehenen Teil 21 des Einspritzventilgüeds 15 herum gebildeten Ringraum 22 bis zum Ventilsitz 17 hin. Der Druckraum 19 ist über eine Druckleitung 23 mit einer Kraftstoffhochdruckquelle in Form eines Kraftstoffhochdruckspeichers 24 verbunden, der zum Beispiel von einer mit variabler Förderrate fördernden Hochdruckpumpe 25 aus einem Vorratsbehälter 27 mit Kraftstoff, der auf Einspritzdruck gebracht ist, versorgt wird. Der Kraftstoffhochdruckspeicher 24 versorgt dabei mehrere der gezeigten Kraftstoffeinspritzventile 10. Es derartiges Kraftstoffeinspritzsystem wird als „Common-Rail-System" bezeichnet. Im Bereich des Druckraums 19 geht der im Durchmesser kleinere Teil 21 des Einspritzventilgüeds 15 mit einer zum Ventilsitz 17 weisenden Druckschulter 28 in einen im Durchmesser größeren Teil 29 des Einspritzventilgüeds 15 über. Dieser ist in der gestuften
Bohrung 13 dicht geführt und setzt sich auf der der Druckschulter 28 abgewandten Seite in einem Zwischenteil 30 bis hin zu einem kolbenförmigen Ende 31 des
Einspritzventilgüeds 15 fort. Im Bereich des Zwischenteils 30 hat dieses einen Federteller 32, zwischen dem und dem Einspritzventilgehäuse 12 eine Druckfeder 33 eingespannt ist, die das Einspritzventilglied 15 in Schließstellung beaufschlagt .
Weiterhin ist zwischen dem Federteller 32 und dem Teil 29 in Höhe des Zwischenteils 30 in der Bohrung 13 ein Weg- bzw. Hubsensor 26 angeordnet, der den Hub h des Einspritzventilgliedes 15 erfasst und einer Steuereinrichtung als Eingangswert zuführt.
Das kolbenförmige Ende 31 des Einspritzventilgüeds 15 begrenzt mit einer Stirnseite 34, deren Fläche größer ist als die der Druckschulter 28 im Einspritzventilgehäuse 12 einen Steuerraum 35. Der Steuerraum 35 ist über eine Zulaufdrossel 36 in ständiger Verbindung mit dem
Kraftstoffhochdruckspeicher 24. Gleichzeitig ist der Steuerraum 35 über einen Abflußkanal 38 und eine Ablaufdrossel 37 mit einem Entlastungsraum 39 verbunden, der zum Beispiel auch der Vorratsbehälter 27 sein kann. Der Durchgang des Abflußkanals 38 wird durch ein Steuerventil 40, das als 2/2 -Wegeventil ausgebildet ist, gesteuert.
In der Figur 2 ist das Kraftstoffeinspritzventil 10 näher dargestellt. Das Steuerventil 40 ist dabei wenigstens teilweise in das Einspritzventilgehäuse 12 integriert. Das Steuerventil 40 weist einen Ventilstößel 42 auf, der in einer zur Bohrung 13 fluchtenden Bohrung 43 gleitend geführt ist. Von der Bohrung 43 zweigt auch der Abflußkanal 38 ab. Das dem Steuerraum 35 zugewandte Ende des Ventilstößels 42 weist ein Ventilglied 44 mit einer kegelförmigen Dichtfläche
45 auf. Das Ventilglied 44 ist in einem Federraum 46 angeordnet, der über einen Verbindungskanal 47 mit dem Steuerraum 35 verbunden ist. In dem Verbindungskanal 47 ist auch die Ablaufdrossel 37 angeordnet. Zwischen dem Federraum 46 und der Bohrung 43 ist eine Sitzkante 48 (es ist auch eine kegelförmige Sitzfläche denkbar) ausgebildet, die mit der Dichtfläche 45 einen Dichtsitz bildet. Zwischen der dem Steuerraum 35 zugewandten Stirnseite des Ventilglieds 44 und dem dem Verbindungskanal 47 zugewandten Boden 49 des Federraums 46 ist eine Druckfeder 50 angeordnet, die das Ventilglied 44 in Richtung der Sitzkante 48 beaufschlagt.
Die dem Ventilglied 44 gegenüberliegende Stirnfläche 52 des Ventilstößels 42 mündet in einen als hydraulischen Übersetzer 53 wirkenden Druckmittelraum 54, der mit Kraftstoff gefüllt ist. In diesem Bereich ist der Ventilstößel 42 bis auf temperaturabhängige Leckagen dichtend in der Bohrung 43 geführt, während zwischen der Sitzkante 48 und dem Abflußkanal 38 zum Beispiel ein Spalt oder ein Ringraum 51 zwischen dem Ventilstößel 42 und der
Bohrung 43 ausgebildet ist, um das Abfließen von Kraftstoff zu ermöglichen. Der Druckmittelraum 54 weist einen Durchmesser auf, der größer ist als der Durchmesser der Bohrung 43. In die der Bohrung 43 gegenüberliegende offene Stirnseite des Druckmittelraums 54 taucht ein Stößel 56 ein, der mit einem Piezo 57 gekoppelt ist. Somit wird das Steuerventil 40 hauptsächlich gebildet aus dem Ventilglied 44, dem hydraulischen Übersetzer 53 und dem Piezo 57.
Die Ansteuerung des Kraftstoffeinspritzventils 10 über das Steuerventil 40 bzw. den Piezo 57 erfolgt über ein Steuergerät 58, das in Abhängigkeit von Betriebsparametern die Steuerventile 40 der einzelnen Kraftstoffeinspritzventile 10 ansteuert, ferner mit einem Drucksensor 59 den Druck p im Kraftstoffhochdruckspeicher 24
erfaßt und entsprechend der Abweichung von einem gewünschten Sollwert die variabel fördernde Hochdruckpumpe 25 steuert. Parallel zu dieser kann ein Druckbegrenzungsventil 60 vorgesehen sein, das auch als Drucksteuerventil in Abhängigkeit von Betriebsparametern steuerbar ist, je nach Konzeption der Kraftstoffhochdruckmengenversorgung . Auch kann die Hochdruckpumpe 25 ständig in gleicher Menge fördern und über das Druckbegrenzungsventil 60, das hier explizit als Drucksteuerventil anzusehen ist, der Druck p im Kraftstoffhochdruckspeicher 24 eingeregelt werden.
Die oben beschriebene Kraftstoffeinspritzvorrichtung, die insbesondere Bestandteil einer Dieselbrennkraftmaschine ist, arbeitet wie folgt:
Bei geschlossenem Steuerventil 40, d.h. nicht betätigtem Piezo 57 drückt die Druckfeder 50 das Ventilglied 44 mit seiner Dichtfläche 45 gegen die Sitzkante 48. Aufgrund der ständigen Verbindung des Steuerraums 35 mit dem Kraftstoffhochdruckspeicher 24 ist der im Steuerraum 35 herrschende Druck auf hohem Niveau. Weil die Fläche der Stirnseite 34 größer ist als die Fläche der Druckschulter 28, und der auf beiden Flächen wirkende Druck in dem Moment gleich groß ist, ergibt sich eine resultierende, durch die Druckfeder 33 unterstützte Kraft, die das
Einspritzventilglied 15 in geschlossener Stellung in bezug auf die Kraftstoffeinspritzöffnungen 18 hält.
Zur Auslösung einer Einspritzung wird der Piezo 57 vom Steuergerät 58 angesteuert. Diese Ansteuerung des Piezos 57 erfolgt mittels eines rechteckförmigen Spannungsimpulses U, dessen Dauer t beträgt. Die Ansteuerung des Piezos 57 bewirkt, daß der Stößel 56 stärker in den hydraulischen Übersetzer 53 bzw. den Druckmittelraum 54 eintaucht. Infolge dessen beginnt auch das Ventilglied 44 sich in Richtung des
Steuerraums 35 zu bewegen Beim Abheben der Dichtflache 45 des Ventilgüeds 44 von der Sitzkante 48 wird dabei ein Ringspalt gebildet Die Große des Ringspalts und somit die durch den Ringspalt zum Abflußkanal 38 abströmende Kraftstoffmenge ist dabei proportional zum Hub des Ventilgüeds 44. Durch den über den Federraum 46 abströmenden Kraftstoff kann der Steuerraum 35 zum Entlastungsraum 39 entlastet werden, so daß, abgekoppelt vom Kraftstoffhochdruckspeicher 24 durch die Zulaufdrossel 36, s ch im Steuerraum 35 ein Druck niedrigeren Niveaus einstellt. In diesem Fall überwiegen d e auf die Druckschulter 28 m Offnungsπchtung wirkenden Druckkräfte und das Kraftstoffemspπtzventil 10 wird zur Einspritzung geöffnet, indem das Emspritzventilglied 15 einen Hub h ausfuhrt und dabei von dem Ventilsitz 17 abhebt.
Wesentlich dabei ist, daß die Hubbewegung des Emspritzventilgliedes 15, d.h. der Hub h von dem Hubsensor 26 erfasst, und dem Steuergerat 58 als Eingangswert zugeführt wird. Weiterhin werden dem Steuergerat 58 andere Betriebsparameter, wie beispielsweise der Druck p im Kraftstoffhochdruckspeicher 24 (mittels des Drucksensors 59), die Drehzahl n des Motors, die Last 1 usw. als Eingangsgrößen zugeführt. Mittels dieser Eingangsgroßen ermittelt das Steuergerät 58 einen optimalen Hubverlauf h des Emspritzventilgliedes 15, wobei zur näheren Erläuterung auf die Figur 3 verwiesen wird: Dort sind zwei verschiedene Hubverlaufe hl und h2 des Emspritzventilgliedes 15 für jeweils einen Einspritzvorgang sowie die entsprechenden SpannungsImpulse Ul und U2 durch das Steuergerat 58 an den Piezo 57 dargestellt. Jeder Hubverlauf hl, h2 gliedert sich m drei Abschnitte a, b und c. Der Abschnitt a kennzeichnet die Anstiegstlanke wahrend des Öffnens des Emspritzventilgliedes 15, der Abschnitt b das vollständig geöffnete Emspritzventilglied 15 und der Abschnitt c die
Schließbewegung des Einspritzventilgliedes 15. Während die Größe des Hubes h im Abschnitt b sowie der Verlauf des Abschnitts c aus geometrischen bzw. strömungstechnischen Gründen (der Ablaufdrossel 37 wegen) nicht oder kaum veränderbar sind, ist der Verlauf des Abschnitts a über eine Variation der Spannung U und der Zeitspanne t veränderbar, wobei in der Figur 3 der Einfachheit davon ausgegangen wird, daß das Einspritzventilglied 15 bei den Hubverläufen hl und h2 jeweils vollständig öffnet. Es ist ersichtlich, daß beim Hubverlauf h2 , bei dem der Spannungsimpuls U größer ist und länger andauert, die Anstiegstlanke steiler verläuft und der Maximalhub früher erreicht wird und länger andauert. Dabei wird der jeweils erreichte Hubverlauf h, insbesondere der Abschnitt a, mittels des Hubsensors 26 erfasst und infolge des geschlossenen Regelkreises vom Steuergerät 58 auf den Sollverlauf eingeregelt .
Die Beeinflußungsmöglichkeit des Abschnitts a des Hubverlaufes h des Einspritzventilgliedes 15 ist besonders vorteilhaft anwendbar bei der Verwendung des hydraulischen Übersetzers 53. Dieser besitzt eine temperaturabhängige Leckage aufgrund der Toleranzen der in den hydraulischen Übersetzer 53 eintauchenden Stößel 56 und Ventilstößel 42. Daraus ergibt sich, daß bei einer größeren Leckage die Anstiegsflanke bzw. der Abschnitt a flacher verläuft. Dieser Effekt kann nunmehr durch eine Erhöhung des Spannungsimpulses U, und falls erforderlich durch eine Variation der Zeitdauer t, kompensiert werden. Wichtig dabei ist, daß über die Rückkopplung mittels des Hubsensors 26 an das Steuergerät 58 ein geschlossener Regelkreis ausgebildet wird. Somit können temperaturunabhängig optimale Abschnittsverläufe a erzeugt werden.
Die Beendigung des Einspritzvorganges wird durch ein Nichtbestromen des Piezos 57 eingeleitet (Ende des
Spannungsimpulses U) . Durch Wiederschließen des Steuerventils 40 bzw. des Piezos 57 stellt sich im Steuerraum 35 sehr schnell der ursprüngliche hohe Kraftstoffdruck wieder ein, da der Kraftstoff über die Zulaufdrossel 36 weiterhin zufließen kann. Dadurch gelangt das Einspritzventilglied 15 wieder in seine Ausgangsstellung bzw. Schließstellung zur Beendigung der
Hochdruckeinspritzung zurück (Abschnitt c) , bei der das Einspritzventilglied 15 auf dem Ventilsitz 17 aufsitzt.