Sensoranordnung zur Erfassung von Lage- und
Positionsveränderungen eines Probanden in einem
Neuronavigationssyste
Beschreibung
Die Erfindung betrifft eine Sensoranordnung zur Erfassung von Lage- und Positionsveränderungen eines Probanden in einem Neuronavigationssystem, welches zur Durchführung und Unterstützung von chirurgischen Eingriffen dient, wobei die Anord- nung am Kopf des Probanden fixierbar ist und die Ausgangs- signale als Korrekturdaten einem Systemrechner zugeführt sind, gemäß Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
Aus der PCT WO96/08209 ist ein Neuronavigationssystem sowie eine Tracking-Einrichtung für medizinische Anwendungen vorbekannt. Dort ist eine Bilddatenbank für präoperativ angefertigte Kernspin- oder Computertomographieaufnahmen vorhanden und ein Personal -Computer oder Steuerrechner steht mit einem Monitor zur Bilddatenverarbeitung und -darstellung in Verbindung. Eine Tracking-Einrichtung dient dem Bestimmen der momentanen Position eines Instruments und Ableiten von Darstellungen der Patientenanatomie anhand der in der Bilddatenbank abgelegten Aufnahmen. Weiterhin sind dort Mittel zum Extrahieren von anatomischen Strukturen aus den Rohdatensätzen der präopera- tiven Aufnahmen und Bereitstellen dieser Strukturen in Form von visualisierbaren 3D-Bilddatensätzen vorgesehen. Ein Transmitter erzeugt ein magnetisches Feld in der Navigationsumgebung, wobei das Zeigernavigationsinstrument einen Magnetfeldsensor besitzt. Die Position des Instruments kann durch eine entsprechende Feldstärkebestimmung ermittelt werden.
Zur Bestimmung einer Bezugslage ist ein weiterer Sensor vorgesehen, welcher mit Hilfe einer Klammer am Kopf des Patienten im Bereich der Nase fixiert wird. Eine solche Befestigungsart für
einen Korrektursensor, der Lageveränderungen des Kopfes des Probanden aufnimmt, ist jedoch unzuverlässig und stört insbesondere dann, wenn neurochirurgische Eingriffe oder chirurgische Maßnahmen im Hals-Nasen-Ohrenbereich vorgesehen sind.
Bei einer älteren, auf die Anmelderin zurückgehenden Lehre wird bei einem Navigationssystem zur Durchführung und Unterstützung von chirurgischen Eingriffen auf einen speziellen Gleichfeld- Transmitter zurückgegriffen, wobei im Zeigernavigationsin- strument ein integraler Magnetfeldsensor vorgesehen ist . Der Transmitter zum Erzeugen des magnetischen Gleichfelds der Tracking-Einrichtung ist dort am Operationstisch oder einer dort vorgesehenen Kopfaufläge, jedoch außerhalb des Operationsfelds angeordnet, wodurch sich eine feste, reproduzierbare Lagebeziehung zwischen dem zu navigierenden Organ des Patienten und dem Transmitter unabhängig von der Lage des Operationstisches im Raum ergibt. Der Magnetfeldsensor gemäß der bereits vorgeschlagenen Lehre liefert Signale zum Ableiten von Position und/oder Bewegungsrichtung des Zeigernavigations- instruments anhand des definierten magnetischen Gleichfelds und dessen Feldorientierung, wobei diese Signale sowohl auf einem PC-Monitor darstellbar sind, als auch zur Steuerung der Nachlade- und Aktualisierungsvorgänge eines Bildbearbeitungsmoduls dienen .
Ebenfalls wurde dort vorgeschlagen, einen weiteren Magnetfeldsensor anzuordnen, wobei dieser unmittelbar am Probanden, bevorzugt am Kopf befestigbar ist, um Lage- und Positionsveränderungen bezogen auf den Gleichfeld-Transmitter zu erfassen. Die Ausgangssignale dieses zweiten Magnetfeldsensors werden als Korrekturdaten dem Steuerrechner zugeführt, um ein quasi dynamisches oder bezogen auf die Ursprungsänderung veränderliches Koordinatensystem festzulegen.
Es hat sich jedoch gezeigt, daß die Befestigung des weiteren Sensors am Kopf eines Probanden bzw. Patienten nicht unproblematisch ist, da ein sicheres Fixieren erforderlich wird und
andererseits aber der Operateur in seiner Tätigkeit durch diesen weiteren Sensor nicht behindert werden darf.
Aus dem Vorgenannten ist es daher Aufgabe der Erfindung, eine Sensoranordnung zur Erfassung von Lage- und Positionsveränderungen eines Probanden in einem Neuronavigationssystem anzugeben, welches der Durchführung und Untersützung von chirurgischen Eingriffen dient. Die zu schaffende Anordnung soll sicher am Kopf des Probanden fixierbar sein, ohne daß der Operateur in seiner Arbeit behindert ist . Darüber hinaus muß die Sensoranordnung präoperativ leicht und ohne Aufwand angebracht werden können und darf bezüglich der Befestigungsart nicht zu unnötig hohen Kosten oder Aufwendungen führen.
Die Lösung der Aufgabe der Erfindung erfolgt mit einer Sensoranordnung gemäß den Merkmalen des Patentanspruchs 1, wobei die Unteransprüche mindestens zweckmäßige Ausgestaltungen und Weiterbildungen umfassen.
Der Grundgedanke der Erfindung liegt demnach in einer zweiteiligen Sensoranordnung, die einerseits eine profilierte Zahnschiene und andererseits eine Sensorkapsel um aßt. Zahnschiene und Sensorkapsel sind mit Mitteln zum lösbaren gegenseitigen Halten versehen. Die Zahnschiene selbst dient der Aufnahme einer Befestigungshaftmasse, z.B. einer üblichen Zweikomponenten-Zahnabdruckmasse . Mit Hilfe dieser Haftmasse wird die Zahnschiene an einer Zahnreihe des Patienten im Mundraum fixiert.
Die Sensorkapsel kann bevorzugt mittels einer Prismen-, insbesondere Flach- oder Schwalbenschwanzführung mit einem Abschnitt der profilierten Zahnschiene verbunden werden. Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit, die Sensorkapsel in üblicher Weise durch Schrauben oder in ähnlicher Art kraftschlüssig an der profilierten Zahnschiene zu befestigen.
Die Sensorkapsel selbst besitzt bei einem Ausführungsbeispiei eine im wesentlichen rechteckige Gehäuseform, wobei an der Gehäuselängsseite das zur Zahnschiene komplementäre Führungs- mittel ausgebildet und weiterhin am Gehäuse eine Befestigungs- einrichtung für ein Sensorkabel vorgesehen ist. Diese Befestigungseinrichtung kann eine feuchtigkeitsgeschützte Steckverbindung sein, die mit einer zugehörigen Steckeinrichtung am Kabelende wechselwirkt .
Die Zahnschiene weist bevorzugt eine leicht gekrümmte Form auf, die im wesentlichen einem Abschnitt einer Zahnreihe entspricht. Die Fläche zwischen Innenkreis und Außenkreis besitzt Durchbrüche oder Aussparungen, die dem Fixieren der Befestigungs- haftmasse dienen, so daß ein Verrutschen der an der Zahnreihe befestigten Zahnschiene ausgeschlossen wird.
Das Profil der Zahnschiene ist bei einem Ausführungsbeispiei U- förmig ausgebildet, wobei ein Profilschenkel eine erste geringere Dicke und der weitere Profilschenkel eine zweite, größere Dicke aufweist. Der Profilschenkel größerer Dicke dient der Aufnahme des Mittels zum lösbaren Halten der Sensorkapsel. Zum Beispiel kann in diesem Profilschenkel mit größerer Dicke eine Nut zur Aufnahme einer Schwalbenschwanz- oder Flachführung, d.h. eines entsprechend am Sensorkapselgehäuse geformten Steges eingebracht sein.
Im Gebrauchszustand wird die Anordnung im Mundraum des Probanden mittels der vorerwähnten Haftmasse an einer Zahnreihe befestigt, wobei der Profilschenkel größerer Dicke mit der dort angebrachten Sensorkapsel zur Außenseite der Zahnreihe in Wangenrichtung orientiert ist. Auf diese Weise ist sichergestellt, daß die Mundhöhle des Probanden im wesentlichen frei bleibt, so daß hier keinerlei Einschränkungen für den Chirurgen gegeben sind. Insbesondere kommt es zu keinen Behinderungen mit anderen medizinischen Gerätschaften, z.B. einem Tubus der Anästhesie. Die unmittelbare Nähe der Anordnung zum Opera-
tionsfeld sichert weiterhin ein hohes Maß an Genauigkeit durch Minimierung der Fehlervektoren.
Die Bildregistrierung für die Neuronavigation kann bereits bei freier Kopfbewegung des Probanden ohne weitere Mittel als die beschriebene Sensoranordnung erfolgen.
Die von der Sensoranordnung erhaltenen Daten, z.B. Magnetfelddaten, werden bei der Berechnung der Position des eigentlichen Neuronavigations-Zeigerinstruments entsprechend berücksichtigt und einem im System vorhandenen Rechner zugeführt .
Selbstverständlich sind abweichend von der beschriebenen Flach-, Prismen- oder Schwalbenschwanzführung auch rastende, d.h. sogenannte Snap-in-Verbindungen zwischen Sensorkapsel und Zahnschiene denkbar, ohne daß das vorgestellte Prinzip der Erfindung verlassen wird.
Die Zahnschiene kann aus hygienischen Gründen als Einwegteil ausgebildet sein, wobei aber auch die Möglichkeit besteht, diese aus einem sterilisierbaren Material zum Zwecke der Mehrfachnutzung zu fertigen.
Die Erfindung soll nachstehend anhand eines Ausführungsbei- spiels sowie unter Zuhilfenahme von Figuren näher erläutert werden.
Hierbei zeigen:
Fig. 1 eine Ansicht von Sensorkapsel und profilierter Zahnschiene vor dem Verbinden;
Fig. 2 eine Ansicht einer Sensorkapsel, die mit der Zahnschiene über eine geeignete Führung rastend verbunden ist;
Fig. 3 eine im Mundraum eines Probanden eingesetzte Sensoranordnung; und
Fig. 4 eine Darstellung der Sensoranordnung mit Befestigungs- haftmasse nach Entfernen aus dem Mundraum des Probanden.
Gemäß den Figuren umfaßt die Sensoranordnung eine profilierte Zahnschiene 1 mit einem Profilschenkel größerer Dicke 2 und einem Profilschenkel kleinerer Dicke 3. Der die Schenkel verbindende Abschnitt 4 weist beim gezeigten Ausführungsbeispiei kreisförmige Durchbrüche 8 oder Bohrungen auf, die der besseren Aufnahme der Befestigungshaftmasse 9 dienen, so daß ein unerwünschtes Verschieben der Anordnung ausgeschlossen wird.
Im Bereich des Schenkels größerer Dicke 2 ist eine Längsnut eingebracht, die komplementär zu einem Führungsvorsprung 5 am Gehäuse 6 der Sensorkapsel ausgebildet ist.
Beispielsweise kann die Führung als Flach-, Prismen- oder Schwalbenschwanzführung realisiert werden, wobei selbstverständlich der Führungsvorsprung 5 auch am Schenkel größerer Dicke 2 und die hierzu komplementäre Nut an der Sensorkapsel bzw. dem Gehäuse 6 ausführbar ist.
Am Gehäuse 6 ist eine nicht gezeigte Steckbuchse zum mechanischen Befestigen und elektrischen Kontaktieren eines Kabels 7 vorhanden .
Die Form des Gehäuses 6 ist beim Ausführungsbeispiei im wesentlichen rechteckig und langgestreckt, so daß die Sensorkapsel im Raum zwischen Zahnreihe und Wangeninnenbereich Platz findet .
Die Art der Befestigung der Sensoranordnung ist in der Fig. 3 illustriert, wobei auch deutlich wird, daß die Mundhöhle frei bleibt, um z.B. einen Tubus aufzunehmen.
Die Zahnschiene 1 weist eine leicht gekrümmte Form auf, die dem Verlauf eines Abschnitts einer Zahnreihe entspricht.
Im Gebrauchszustand wird die Zahnschiene 1 mit Hilfe der Haft- masse 9 an einer Zahninnenseite des Probanden befestigt, wobei der Profilschenkel größerer Dicke 2 mit der dort angebrachten Sensorkapsel zur Außenseite der Zahnreihe in Wangenrichtung orientiert ist. Als Haftmasse 9 wird bevorzugt Zweikomponenten- Zahnabdruckmasse verwendet.
Die Zahnschiene, welche von der Sensorkapsel trennbar ist, kann als Einwegteil in besonders preiswerter Form gefertigt oder zur Mehrfachnutzung aus einem sterilisierbaren Material hergestellt werden.
Alles in allem gelingt es mit der vorgestellten Erfindung, den Patientenkopf beweglich zu halten, was im Vergleich zu einer bisher erforderlichen starren Fixierung operative Vorteile nach sich zieht. Darüber hinaus kann durch das einfache und sichere Fixieren des Sensors im Mundraum des Probanden eine Korrekturdatenerfassung erfolgen, so daß Lage- und Positionsveränderungen des Kopfes ohne weiteres online erfaßt und bei der Bestimmung der Lage des Zeigerinstruments berücksichtigt werden können .
Es liegt im Sinne der Erfindung, daß die Profilierung der Zahnschiene auch von einer U-Form abweichen kann, solange diese sicher haftend an einer Zahnreihe befestigbar ist. Das Anbrin- gen des Sensoranordnung mit Hilfe der Zahnschiene und der schnell abbindenden Abdruckmasse geschieht zum Zeitpunkt der Patientenvorbereitung im Operationsraum nach der Entubation des Patienten.
Bezugszeichenliste
1 Zahnschiene 2 Schenkel größerer Dicke
3 Schenkel kleinerer Dicke
4 Verbindungsabschnitt der Schenkel
5 Führungsvorsprung
6 Gehäuse 7 Kabel
8 Durchbrüche im Verbindungsabschnitt
9 Haftmasse