Verfahren und Anlage zur Abtrennung von Holzinhaltsstoffen aus bei der Holzverarbeitung entstehenden Gasen
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Abtrennung von Holzinhaltsstoffen aus bei der Holzverarbeitung entstehenden Gasen sowie eine Anlage zur Durchführung dieses Verfahrens.
Bei der Schnittholztrocknung, bei der Defibration von Holzpartikeln sowie bei der Trocknung von Holzpartikeln zur Fertigung von Holzwerkstoffen werden Holzinhaltsstoffe freigesetzt, die zu geruchsintensiven Abgasemissionen führen. Als besonders umweltrelevant sind die geruchsintensiven Aldehyde und Carbonsäuren anzusehen. Vermehrt in den Vordergrund der Diskussionen treten auch die Terpene, da deren sensibilisierende Eigen- schatten insbesondere aus Innenraum- sowie Arbeitsplatzuntersuchungen in der Holzverarbeitung bekannt wurden.
In der Vergangenheit wurde die Abgasreinigung durch die Forderung bestimmt, Emissionsgrenzwerte für partikelförmige Stoffe zu unterschreiten. Aerosole und geruchsbelästigende organische Stoffe werden durch die nachgeschalteten Verfahren nicht oder nur in geringem Maße beseitigt.
Nach dem Stand der Technik werden diese geruchsintensiven Trocknergase vornehmlich durch Kombination verschiedener in Reihe geschalteter Sekun- därabscheider gereinigt. Es gibt einige Neuentwicklungen in der Abgasreinigung, die auch die Geruchsemissionen reduzieren. Hierzu gehören thermische, chemische und biologische Oxidationsverfahren, wobei die chemischen und biologischen Verfahren häufig mit Wäschern und/oder Nasselek- trofiltem kombiniert werden. Bei den Oxidationsverfahren werden die ge- ruchsintensiven organischen Stoffe weitgehend zu Kohlendioxid und Wasser oxidiert. Die genannten Abgasreinigungsverfahren werden üblicherweise bei konventionellen Spänetrocknern eingesetzt, d.h. als Trocknungsgas werden
bei direkt beheizten Systemen Mischungen aus Rauchgas und Frischluft und bei indirekt beheizten Systemen ausschließlich Frischluft eingesetzt.
Neben diesen konventionellen Trocknungstechniken wird für die Spänetrocknung seit kurzem auch die Trocknung mit geschlossenem Gaskreislauf eingesetzt. Untersuchungen zur konvektiven Spänetrocknung in überhitztem Wasserdampf haben zur Entwicklung eines emissionsfreien und energetisch günstigen Holzspänetrocknungssystems im geschlossenen Gaskreislauf ge- führt. Dabei muss die den Holzspänen entnommene Feuchte entweder durch Kondensation abgetrennt oder als Sekundärgas in einer Nachverbrennung verbrannt werden. Technische Anlagen mit geschlossenem Gaskreislauf existieren bereits in Deutschland, Holland, Canada und den Vereinigten Staaten von Amerika.
Die im Trocknungsgas enthaltenen Terpene sind für die chemische und Duftstoffindustrie von erheblicher Bedeutung. Ein Abbau der Terpene durch biologische, chemische oder thermische Oxidation ist daher aus ökonomischen und ökologischen Gründen nicht sinnvoll.
In dem polnischen Patent PL 156 404 B1 ist ein Verfahren zur Terpenge- winnung beschrieben. Demnach werden die aus dem Prozess austretenden Dämpfe zunächst mit einem Partikelfilter gefiltert und anschließend einer nahezu vollständigen Kondensation (1. Kühlstufe) unterworfen. Das Kon- densat der ersten Kühlstufe fließt in eine zweite Kühlstufe, in der eine weitere Abkühlung des Kondensates stattfindet. Das aus der zweiten Stufe austretende Kondensat wird anschließend in einem Separator behandelt, wobei sich das Kondensat unter dem Einfluss der Schwerkraft in drei Schichten aufteilt: obere Schicht = Mischung aus Terpenen, mittlere Schicht = stabile Emulsion von Terpenen in Wasser, untere Schicht = Wasser. Die stabile Emulsion löst sich nach ausreichend langem Warten auf,
so dass die zuvor emulgierten Terpene dann ebenfalls zu der oberen Flüssigkeitsschicht aufschwimmen. Die obere Flüssigkeit wird abgetrennt und Rohterpentinöl genannt. Das Rohterpentinöl wird in einer Rektifikationsstufe so aufbereitet, dass es den hiesigen Qualitätsanforderungen ent- spricht. Die Ausbeute betrug dabei ca. 85 % bezogen auf das Rohterpentinöl.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Anlage zur Abtrennung von Holzinhaltsstoffen aus Gasen der Holzverarbeitung, ins- besondere der Schnittholz- und Holzspänetrocknung sowie der Defibration zu entwickeln, das bzw. die insbesondere zu einem verbesserten Umweltschutz führt und wirtschaftlich durchführbar ist.
Hinsichtlich des Verfahrens wird diese Aufgabe erfindungsgemäß durch fol- gende Verfahrensschritte gelöst:
a) Das aus der Holzverarbeitung kommende Rohgas wird bei einer Temperatur > 40°C und einem Druck > 0,5 bar in intensiven Kontakt mit einer Flüssigkeit gebracht und so ein Stoffaustausch zwischen Gas- und Flüssigkeitsphase bewirkt, der zu einer Anreicherung von Harzen, organischen Säuren und Staubpartikeln in der Flüssigphase 1 führt;
b) anschließend wird das teilgereinigte Rohgas um eine Temperaturdifferenz > 10°C gekühlt unter gleichzeitiger Kondensation der sich noch in dem teilgereinigten Rohgas befindlichen Inhaltsstoffe zur Bildung einer Flüssigphase 2 bestehend aus Wasser und verschiedenen Holzinhaltsstoffen wie Verbindungen der Stoffgruppe Terpene, Methanol, Ethanol und Carbonsäuren, die sowohl in gelöster Form als auch als aufschwimmende, zum Teil emulgierte Phase vorliegt;
c) die Terpene sowie die aufschwimmende Phase werden aus der Flüssigphase 2 abgetrennt (Fraktion 2), aus der eine nur gering belastete Wasserphase (Fraktion 3) übrig bleibt.
Hinsichtlich einer zur Durchführung dieses Verfahrens geeigneten Anlage wird die vorstehend genannte Aufgabe durch folgende Merkmale gelöst:
a) Eine erste Stufe wird gebildet durch einen Kontaktapparat, z.B. durch eine Waschkolonne mit einem kühl- und/oder beheizbaren Kolon- nensumpf, für die Vermischung und den Stoffaustausch von der durch das Rohgas gebildeten Gasphase und einer Flüssigkeitsphase, mit einem Kreislaufsystem für die Flüssigphase 1 und einem An- schluss an das Kreislaufsystem zur Abzweigung eines Teilstromes (Fraktion 1 );
b) eine nachgeschaltete zweite Stufe wird durch einen Kühlapparat gebildet, z.B. durch einen Kondensator zur Kühlung des teilgereinigten Rohgases mit gleichzeitiger Kondensation der kondensierbaren Gasinhaltsstoffe, und einen kühlbaren Vorlagebehälter zur Sammlung des Kondensats mit einem Ablauf für die Flüssigphase 2 und einem Gasaustritt für das Reingas;
c) dem Ablauf für die Flüssigphase 2 ist ein eine dritte Stufe bildender Trennapparat, z.B. ein kühlbarer Leichtstoffabscheider, zur Abtren- nung von Terpenen aus der Flüssigkeitsphase 2 nachgeschaltet.
Die weitgehende Abtrennung der Harze und Stäube führt zu einem großen Vorteil bei der nachgeschalteten Kondensation. Denn hier bildet das Kondensat nunmehr zwei klare Phasen aus, nämlich eine Mischung aus Terpe- nen und eine wässrige Phase. Die bei dem in dem vorstehend zitierten polnischen Patent beschriebenen Verfahren auftretende stabile Emulsion als
dritte Phase liegt bei dem erfindungsgemäßen Verfahren nicht vor, so dass eine Trennung unter Schwerkrafteinfluss erheblich erleichtert wird. Überflüssig wird zudem der bei dem Verfahren gemäß dem polnischen Patent notwendige Partikelfilter.
Von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist zudem die durch die Kondensation entstehende Wärme, die rückgewonnen und energetisch genutzt werden kann.
Zusätzlich kann es erfindungsgemäß vorteilhaft sein, wenn der intensive Kontakt zwischen dem Rohgas und der Flüssigkeit bei einer Flüssigkeitstemperatur in der Nähe des Taupunktes, z.B. bei 75°C, erfolgt, um so die anfallende Kondensatmenge zu vermindern.
Als Kontaktapparat für die Vermischung und den Stoffaustausch von Gasphase und Flüssigphase 1 kann eine Waschkolonne mit einem beheizbaren und/oder kühlbaren Kolonnensumpf vorgesehen werden. Grundsätzlich geeignet sind insbesondere eine Absorptionskolonne als Gegenstromwäscher oder Gleich- Stromwäscher mit oder ohne Einbauten, ein Sprühwäscher mit Sprühdüsen für Flüssigkeitsverteilung, ein Niederdruck-Venturi-Wäscher, eine Blasensäule mit Gasverteilung innerhalb der Flüssigkeit und ein Schlaufenreaktor.
In einer Weiterentwicklung des Verfahrens ist es möglich, dass aus der mit Harzen und Staubpartikeln angereicherten Flüssigphase 1 ein Teilstrom (Fraktion 1 ) abgezogen und einer Nachverbrennung oder einer stofflichen Nutzung, z.B. als Leimersatzwasser, zugeführt wird. Alternativ besteht die Möglichkeit, dass aus der mit Harzen und Staubpartikeln angereicherten Flüssigphase 1 ein Teilstrom (Fraktion 1 ) abgezogen und durch Abtrennung
der Inhaltsstoffe aufgearbeitet wird. Dabei können die abgetrennten Inhaltsstoffe durch Einleitung in eine Feuerung energetisch verwertet, oder aber durch nachfolgende Abtrennung der Harze und/oder organischen Säuren stofflich genutzt werden.
Als Kühlapparat zur indirekten Kühlung des Gases mit gleichzeitiger Kondensation der kondensierbaren Gasinhaltsstoffe können Rohrbündel-, Plattenoder Fallfilmkondensatoren verwendet werden. Alternativ ist auch eine Direktkondensation durch mit dem sich bildenden Kondensat möglich.
Als Kühlapparate zur direkten Kühlung kann eine Waschkolonne mit einem kühlbaren Kolonnensumpf vorgesehen werden. Grundsätzlich geeignet sind auch hier insbesondere eine Absorptionskolonne als Gegenstromwäscher oder Gleichstromwäscher mit oder ohne Einbauten, ein Sprühwäscher mit Sprühdüsen für Flüssigkeitsverteilung, ein Niederdruck-Venturi-Wäscher, eine Blasensäule mit Gasverteilung innerhalb der Flüssigkeit oder aber ein Schlaufenreaktor.
In dieser zweiten Aufbereitungsstufe sind Harze und Staubpartikel praktisch nicht mehr vorhanden. Um nennenswerte Terpenkonzentrationen in der
Flüssigphase 2 zu erreichen, müssen die Kondensationstemperaturen zumindest 10°C unterhalb der Temperatur der vorhergehenden Stufe liegen.
Als Trennapparat zur Abtrennung der Terpene aus der Flüssigphase 2 lassen sich Leichtstoffabscheider, Tellerseparatoren, Zentrifugen, Röhrenzentrifugen, Dekanter und als Ergänzung zu diesen Vorrichtungen auch eine Pervaporation einsetzen. Da die Emulsion in der Flüssigphase 2 nicht stabil ist, reicht ein Leichtstoffabscheider zur Abtrennung der aufschwimmenden Phase als Fraktion 2 aus. Für die Abtrennung der Terpene kann z.B. zusätzlich die vorstehend genannte Pervaporation eingesetzt werden, bei der eine Aufkonzentrierung der Terpene dadurch erfolgt, dass die Terpene gegenüber
Wasser deutlich schneller durch eine Membran diffundieren. Auf der Per- meatseite liegt nach Kondensation der Dämpfe ein Zweiphasengemisch vor, aus dem die Terpene ebenfalls durch Einsatz eines Leichtstoffabscheiders abgetrennt werden können. Nach Abtrennung der Fraktion 2 bleibt als Frak- tion 3 eine Wasserphase übrig, die nur sehr gering belastet ist, da Harze und Staubpartikel sowie der größte Teil der Terpene bereits abgetrennt wurden. Die restlichen im Wasser enthaltenen Komponenten sind vornehmlich gelöste Terpene (sofern keine Pervaporation eingesetzt wird) sowie organische Säuren. Aufgrund der geringen Belastung der Fraktion 3 ist für den Zweck einer weiteren Nutzung eine kostengünstige Aufbereitung möglich.
In der Zeichnung sind einige als Beispiele dienende Ausführungsformen der Erfindung schematisch dargestellt. Es zeigen
Figur 1 ein Verfahrensfließbild zur Abtrennung von Holzinhaltsstoffen aus bei der Holztrocknung entstehenden Gasen und
Figur 2 eine Anlage zur Durchführung des Verfahrens gemäß Figur 1.
Gemäß dem Verfahrensfließbild wird das aus einer Holztrocknung kommende Rohgas in einer ersten Stufe 1 in einen intensiven Kontakt mit einer Flüssigkeit gebracht, die in Figur 1 als im Kreis geführte Flüssigphase I dar- gestellt ist, die mit Harzen, organischen Säuren und Staubpartikeln angereichert wird, und aus der als Teilstrom eine Fraktion 1 abgezogen wird, die einer Nachverbrennung zugeführt oder durch Abtrennung der Inhaltsstoffe aufgearbeitet und in die Flüssigphase zurückgeführt werden kann.
Das aus der ersten Stufe 1 austretende, teilweise gereinigte Rohgas wird in einer zweiten Stufe 2 gekühlt und einer Kondensation unterworfen, die zur
Bildung einer Flüssigphase II führt, die aus Wasser und verschiedenen Verbindungen der Stoffgruppe Terpene besteht. Aus dieser Stufe 2 kann das Reingas unmittelbar in die Atmosphäre abgeleitet oder einer weiteren Behandlung unterzogen werden.
Die Flüssigphase II wird in einer nachgeschalteten Stufe 3 weiter aufbereitet, indem die gelösten Terpene sowie die aufschwimmende Phase als Fraktion 2 abgetrennt werden, wobei eine nur gering belastete Wasserphase als Fraktion 3 übrig bleibt.
Die Figur 2 zeigt für den in Figur 1 dargestellten Verfahrensablauf ein konkretes Ausführungsbeispiel. Das Rohgas wird mit einer Temperatur von 120°C und einer Belastung von 600 ppm Ges.-C in einen Kontaktapparat für die Vermischung und den Stoffaustausch von Gasphase und Flüssigpha- se I eingeleitet. Vorgesehen ist hierfür eine Waschkolonne 4 mit einem kühl- und/oder beheizbaren Kolonnensumpf 5. Die sich zunehmend mit Harzen, organischen Säuren und Staubpartikeln anreichernde Flüssigphase I wird über eine Pumpe 6 im Kreislauf umgepumpt; aus der Flüssigphase I wird als Fraktion 1 ein Teilstrom abgezogen und zwar ein Volumenstrom von ca. 0,09 I je m3 Gas bei 76°C (der pH-Wert liegt zwischen 3 und 4).
Das aus der Waschkolonne 4 austretende, teilweise gereinigte Rohgas weist bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel eine Temperatur von etwa 76°C auf und wird einem Kondensator 7 zugeführt, der von Kühlwasser mit einer Eintrittstemperatur von etwa 38°C beaufschlagt wird. Das Kondensat wird als Flüssigphase II in einem Vorlagebehälter 8 aufgefangen und weist einen pH-Wert von 4 - 5 und bei dem gewählten Ausführungsbeispiel 85 mg Ter- pene/l bei ca. 50°C auf; der Volumenstrom beträgt ca. 0,3 I je m3 Gas bei
50°C. Aus dem Vorlagebehälter 8 wird das vorstehend bereits erwähnte Reingas abgezogen, das eine Temperatur von etwa 50°C aufweist.
Die Flüssigphase II wird dann einem kühlbaren Trennapparat 9 zugeführt, wo die gelösten Terpene sowie die aufschwimmende Phase als Fraktion 2 abgetrennt und die übrig bleibende, nur noch gering belastete Wasserphase als Fraktion 3 abgeführt werden.