Verfahren und Vorrichtung zum Überwachen des Fahrverhaltens von Schienenfahrzeugen
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Überwachen des Fahrverhaltens von Schienenfahrzeugen und der Diagnose von Komponenten von Schienenfahrzeugen.
Bekannt ist, das Fahrverhalten von Schienenfahrzeugen während deren bestimmungsgemäßen Einsatz zu überwachen, indem das Fahrverhalten repräsentierende Betriebsparameter des Schienenfahrzeuges erfasst und ausgewertet werden. Hier ist beispielsweise bekannt, das Beschleunigungsverhalten einzelner Komponenten des Schienenfahrzeuges mittels an den Komponenten angeordneter Beschleunigungsauf- nehmer zu erfassen. Da aufgrund des bestehenden Rad/Schiene- Kontaktes der Schienenfahrzeuge eine Schwingungsanregung des Schienenfahrzeuges und somit der einzelnen Komponenten erfolgt, kann durch Überwachen des tatsächlichen Schwingungsverhaltens auf Unregelmäßigkeiten geschlossen werden. Bekannt ist, die einzelnen Beschleunigungssignale im Frequenz-, Statistik- und/oder im Zeitbereich auszuwerten. Bei den bekannten Verfahren ist jedoch nachteilig, dass es aufgrund unvorhergesehener äußerer und/oder innerer Einflüsse zu einer Veränderung des Beschleunigungsverhaltens einzelner Komponenten kommt, die dann zu einer entsprechenden Signalauslö- sung führen. Oftmals sind diese äußeren und inneren Einflüsse nicht identisch mit den eigentlich zu überwachenden Ereignissen, beispielsweise Schäden an einzelnen Komponenten, so dass bei den bekannten Überwachungsverfahren Fehlalarme nicht ausgeschlossen werden können. Aus Gründen der Systemakzeptanz muss jedoch jedem Alarm die maximal mögliche Bedeutung beigemessen werden, so dass hierdurch das Betriebsverhalten der Schienenfahrzeuge entsprechend der Anzahl von Fehlalarmierungen beeinträchtigt ist.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Vorrichtung der gattungsgemäßen Art zu schaffen, mittels denen eine sichere Überwachung des Fahrverhaltens von Schienenfahrzeugen bei minimaler Fehlalarmauslösung möglich ist.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch ein Verfahren mit den im Anspruch 1 und eine Vorrichtung mit den im Anspruch 16 genannten Merkmalen gelöst. Dadurch, dass in Abhängigkeit der Zuordnung zu Überwachungsebenen einer Überwachungshierarchie, zur Erzielung das Fahπterhalten charakterisierender, ereignisabhängiger Aussagen, die Betriebsparameter (Messsignale) wenigstens einer Überwachungsebene zugeführt werden, wobei je nach Zuordnung zu einer der Überwachungsebenen die Betriebsparameter (Messsignale) in den Überwa- chungsebenen gleichen und/oder unterschiedlichen Auswertealgorithmen unterzogen werden, ist vorteilhaft möglich, eine optimierte Überwachung und Diagnose des Schienenfahrzeuges durchzuführen. Es ist insbesondere möglich, durch die gegebenen Kombinationsmöglichkeiten der Auswahl der einzelnen Betriebsparameter (Messsignale) bezie- hungsweise der unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten hinsichtlich der Zuordnung zu den Überwachungsebenen - und damit der Auswahl der Auswertealgorithmen - sich anbahnende Schadensentwicklungen deutlich vor Erreichen kritischer Zustände zu erkennen und somit den sich hieraus ergebenen Zeitgewinn einerseits zur Einleitung von Gegenmaßnahmen und andererseits zur Selbstüberprüfung hinsichtlich des Ausschlusses von Fehlalarmen zu nutzen. In den unterschiedlichen Überwachungsebenen können hierbei gleiche Auswertealgorithmen und/oder unterschiedliche Auswertealgorithmen, beispielsweise im Frequenzbereich und/oder Zeitbereich und/oder im Statistikbereich, zum Einsatz kommen.
Insbesondere ist auch erfindungswesentlich, dass die den unterschiedlichen Betriebsparametern entsprechenden Signale in den unterschiedlichen Überwachungsebenen gegebenenfalls unterschiedlichen Auswertealgorithmen unterworfen werden können. Hierdurch kann eine Anpassung der Auswertung der Signale an die unterschiedlichen Überwachungsebenen in einfacher Weise erfolgen, wobei entsprechend einer notwendigen Reaktionszeit zur Erkennung relevanter Ereignisse entsprechend optimale Auswertealgorithmen herangezogen werden. Es ist insbesondere auch möglich, wenigstens zwei Betriebsparameter (Messsignale), die gleich oder unterschiedlich sein können, innerhalb einer Überwachungsebene miteinander zu verknüpfen.
Bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den in den Unteransprüchen genannten Merkmalen.
Die Erfindung wird nachfolgend in einem Ausführungsbeispiel anhand der zugehörigen Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
Figur 1 schematisch ein Überwachungssystem eines Schienen- fahrzeuges;
Figuren Blockschaltbilder der Signalverarbeitung innerhalb 2 bis 5 einzelner Überwachungsebenen des Überwachungssystems;
Figur 6 ein Gesamtblockschaltbild der Signalverarbeitungspfade und
Figur 7 schematisch den Datenfluss im Überwachungssystem innerhalb eines Schienenfahrzeuges.
Figur 1 zeigt schematisch ein Überwachungssystem 10 für ein Schienenfahrzeug. Bei dem Schienenfahrzeug kann es sich beispielsweise um einen Wagen eines Hochgeschwindigkeitszuges, beispielsweise einen Mittelwagen, einen Steuerwagen, einen Restaurantwagen oder einen Triebkopf, handeln. Selbstverständlich lässt sich der Gegenstand der Erfindung auch auf andere Schienenfahrzeuge, beispielsweise Güterwagen, Reisezugwagen, Triebfahrzeuge oder dergleichen, übertragen.
Das Überwachungssystem 10 umfasst drei Überwachungsebenen 12, 14 und 16. Die Überwachungsebenen 12, 14 und 16 bauen hierarchisch aufeinander auf. Die erste Überwachungsebene 12 beinhaltet allgemeine Diagnosen zur Erfassung von Schäden, Fehlern oder dergleichen im Anfangsstadium, die im Rahmen von Wartungen, Reparatu- ren und/oder Instandhaltungen zeitlich unkritisch behoben werden können.
In der Überwachungsebene 14 werden fortgeschrittene Schäden und/oder Fehler erkannt, die gegebenenfalls zu risikobehafteten Fahr- Situationen des Schienenfahrzeuges führen könnten.
Die Überwachungsebene 16 beinhaltet einen so genannten Aggregateschutz, der beispielsweise Kontaktverluste zwischen Rad/Schiene erkennt, wobei hierbei der Extremfall einer Schienenfahrzeug-Entgleisung eingeschlossen ist.
Dem Überwachungssystem 10 werden hier insgesamt mit 18 bezeichnete Signale zur Verfügung gestellt. Die Signale 18 werden unter anderem von an einzelnen Komponenten des Schienenfahrzeuges angeord- neten Beschleunigungssensoren geliefert. Hierbei können die Beschleunigungssensoren beispielsweise Radsatz, Radsatzlager, Drehgestell, Wagenkasten, Feder-/Dämpfersystemen zugeordnet sein. Die-
se Beschleunigungssensoren detektieren die auf die jeweiligen Komponenten infolge des Rad/Schiene-Kontaktes einwirkenden Beschleunigungen. Hierbei können die Beschleunigungen in allen drei Raumrichtungen, also in Fahrtrichtung, vertikal zur Fahrtrichtung und quer zur Fahrtrichtung, erfasst und ausgewertet werden.
Die Signale 18 umfassen ferner eine Ist-Geschwindigkeit v des Schienenfahrzeuges, eine Kilometerlauf leistung des Schienenfahrzeuges und Temperatursignale, die proportional gemessener Radsatzlagertempe- raturen sind. Gegebenenfalls können dem Überwachungssystem auch weitere physikalische Größen, die Betriebsparameter des Schienenfahrzeuges charakterisieren, zugeführt werden. Die Signale 18 stellen somit allesamt momentane dynamische Messgrößen des überwachten Schienenfahrzeuges dar.
In jeder der Überwachungsebenen 12, 14 und 16 werden die dem Ü- berwachungssystem 10 zugeführten Signale 18 unterschiedlichen Auswertealgorithmen unterzogen. Dies betrifft sowohl die Art der Auswertung als auch die Zeitspanne der Auswertung. Hierauf wird im Einzel- nen anhand der nachfolgenden Figuren noch näher eingegangen. Die Auswertung der Signale 18 erfolgt dahingehend, ob den Überwachungsebenen 12, 14 oder 16 zuzuordnende Ereignisse erkannt werden. In der unkritischsten Überwachungsebene 12 ist beispielsweise eine Verarbeitungszeit bis zu einer Zeitspanne t* von beispielsweise 300 s vorgesehen. Bei Erkennen eines relevanten Ereignisses in der Überwachungsebene 12, erfolgt eine Meldung 12' an die Instandhaltung oder dergleichen. Die Meldung 12' kann beispielsweise mittels Datenfernübertragung abgesetzt werden.
In der Überwachungsebene 14 erfolgt die Bearbeitung der Signale 18 mit einer Verarbeitungszeitspanne t2, die beispielsweise bis 30 s beträgt. Aufgrund der der Überwachungsebene 14 zuzuordnenden kriti-
scheren Schadensentwicklung ist hier die Verarbeitungszeit schneller. Bei Erkennen eines der Überwachungsebene 14 zuzuordnenden Ereignisses erfolgt zusätzlich eine Meldung 14', die beispielsweise in eine Onboard-Meldung im Schienenfahrzeug, beispielsweise an einen Zug- führer, eine Zugleitstelle oder dergleichen, auslöst.
In der kritischsten Überwachungsebene 16 erfolgt die Bearbeitung mit einer entsprechend angepassten Verarbeitungszeit t3, die beispielsweise bis 0,1 s beträgt. Wird ein der Überwachungsebene 16 zuzuordnen- des Ereignis erkannt, erfolgt eine Meldung 16', die direkt oder indirekt einen Eingriff in den Fahrbetrieb des Schienenfahrzeuges, beispielsweise eine Schnellbremsung oder dergleichen, auslöst.
Es wird deutlich, dass aufgrund unterschiedlicher Schadenseskalati- onsgrade entsprechend der Überwachungsebenen 12, 14, 16 gestaffelte Meldungen 12', 14' beziehungsweise 16' vorgesehen sind. Während die der Überwachungsebene 12 zuzuordnenden Ereignisse zeitlich unkritisch sind, führen der Überwachungsebene 14 zuzuordnende Ereignisse unmittelbar zu Meldungen an ein internes Kommunikations- netz des Schienenfahrzeuges (bei dem Zugverband an das Kommunikationsnetz des Zuges) mit eventuellen Vorschlägen für durch das Zugpersonal einzuleitende Gegenmaßnahmen. Die Meldungen 16' hingegen lösen sofortige Gegenmaßnahmen aus.
Dem Überwachungssystem 10 werden noch Steuer- beziehungsweise Führungsgrößen zugeführt, die beispielsweise eine Mindestgeschwindigkeit Vmin des Schienenfahrzeuges und ein Verknüpfungsalgorithmus 20 (Verknüpfungslogiken 44, 68, 82, Figuren 2 bis 6) der Signale 18 entsprechend der Verarbeitung der Signale in den einzelnen Überwa- chungsebenen 12, 14 beziehungsweise 16 vorgeben.
Hinsichtlich der in den einzelnen Überwachungsebenen 12, 14 und 16 anzuwendenden Auswertealgorithmen ist Folgendes festzuhalten. In der Überwachungsebene 12 zur Einleitung von Wartungsmaßnahmen sind Verfahren im Frequenzbereich zielführend. Diese besitzen auf- grund der durch Mittelungsprozeduren verbesserten Signalstatistik das Potential, Eigenfrequenzen von Fahrwerken und Schienenfahrzeugen im Fahrbetrieb zu verfolgen und schädigungs- oder verschleißbedingte Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Die vom Gleisoberbau herrührenden Anregungseinflüsse stören dabei die Erkennung und Beurtei- lung der Frequenzlage nicht.
Für die Erkennung von risikobehafteten Fahrsituationen in der Überwachungsebene 14 werden beispielsweise statistische Verfahren eingesetzt, die insbesondere bei periodisch auftretenden Stoßimpulsen Aus- sagen zu Fehlern an Radsatz, Radsatzlagern, Dämpfersystemen oder dergleichen liefern. Mittels dieser Auswertealgorithmen können eskalierende Entwicklungen kurzfristig erkannt werden, um entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten (Meldung 14').
Die in der Überwachungsebene 16 eingesetzten Auswertealgorithmen sind in der Lage, spontan eintretende Entgleisungen zu detektieren. Hierbei werden Zeitreihenanalysen (Histogrammanalysen) in verschiedenen Geschwindigkeitsklassen durchgeführt.
Figur 2 zeigt in einem Blockschaltbild die Auswertealgorithmen der Signale 18 in der Überwachungsebene 12. Als Ausgangssignale liegen sechzehn Beschleunigungssignale einzelner Komponenten des Schienenfahrzeuges vor. Dies können beispielsweise Beschleunigungssignale vom Radsatzlagergehäuse, Drehgestell oder dergleichen sein. Die Beschleunigungskanäle werden mit einer Abtastrate eingelesen, die an die höchste interessierende Frequenz bei der Zeitverarbeitung ange- passt ist, zum Beispiel 32 kHz. Anschließend werden sie digital gefiltert
und downgesampelt (Schritt 21). Hierdurch wird das Frequenzband begrenzt und der Rechenaufwand für die Auswertealgorithmen minimiert. Anschließend erfolgt die Bewertung mit einem Hanning-Fenster (Schritt 22), um Verzerrungen im Frequenzbereich zu reduzieren. Anschließend werden mittels einer Spektralanalyse 22 die Amplituden- und Phasenspektren der Signale ermittelt. Dies erfolgt beispielsweise mittels einer Fast-Fourier-Transformation (FFT) mit einer Auflösung von 0,5 Hz. Dies führt bei einem interessierenden Frequenzbereich von 0 bis 1024 Hz zu 4096 erforderlichen Stützstellen für die Fast-Fourier-Transformation, so dass sich ein Erfassungsfenster von 2 s (4096 Stützstellen durch fsampie = 2 s) für eine Einzel-Fast-Fourier-Transformation ergibt. Über einen Zeitraum von 20 s werden Einzelspektren im Zeitbereich überlappend generiert, beispielsweise mit einem Überlappungsgrad von 50 %, so dass die Anzahl der zu mittelnden Einzelspektren neunzehn beträgt. Dieser Vorgang wird mit einem Erfassungstakt von 30 s neu gestartet. Der Überlappungsgrad der Einzelspektren kann hierbei, beispielsweise abweichend von den vorzugsweise 50 %, in den Grenzen zwischen 30 % bis 70 % variiert werden. Im Ergebnis der Spektralanalyse 22 stehen für die Kanäle 16 jeweils zum Beispiel neunzehn Spektren zur Verfügung, von denen durch geeignete Kombination (Schritt 30) die spektralen Auto- und Kreuzleistungen bestimmt (Schritt 24) und anschließend gemittelt (Schritt 26) werden. Auf Basis der Kreuzleistungen werden die gemittelten Phasenspektren 34 bestimmt. Auf Basis der Auto- und Kreuzleistungen werden gemittelte Kohärenzspektren 32 be- stimmt. Im Ergebnis dieser Auswertung stehen somit acht Merkmale Mi (entspricht den Kohärenzspektren 32), acht Merkmale M2 (entspricht den Phasenspektren 34) und sechzehn Merkmale M3 (entspricht den Amplitudenspektren 28) zur Verfügung. Somit stehen insgesamt zweiunddreißig Merkmale 36 (8 x Mi + 8 x M2 + 16 x M3) zur Verfügung.
Die Spektren 28, 32 und 34 werden über einen Zeitraum von beispielsweise 120 s (oder wahlweise 180 s, 240 s, 300 s oder 360 s) ermittelt
und zwischengespeichert. Die Fahrtgeschwindigkeit v des Schienenfahrzeuges wird einmal zu Beginn und einmal zum Ende eines jeden 20s-Erfassungsfensters gemessen und ebenfalls zwischengespeichert. Eine möglichst geringe Geschwindigkeitsveränderung wird als Kriterium für eine endgültige Archivierung eines aus dem eingestellten Zeitfenster stammenden Spektrums verwendet.
Über eine Auswahlschaltung 38 können innerhalb der einzelner vorliegenden Amplitudenspektren 28, Phasenspektren 34 und Kohärenz- spektren 32 durch Definition unterer und oberer Bandgrenzen zu überwachende Frequenzbänder (Überwachungsbänder) definiert werden. Innerhalb dieser definierten Frequenzbänder erfolgt eine Auswertung hinsichtlich verschiedener Parameter. Zunächst wird die Frequenz des Maximums (Peak) innerhalb des Frequenzbandes ermittelt. Anschlie- ßend wird geprüft, ob der Peak innerhalb der oberen und unteren Frequenzgrenze liegt (Parameter 1 und 2). Verlässt der Peak diesen Frequenzbereich, so wird ein Alarmbit gesetzt. Der Amplitudenwert des Peaks muss innerhalb der definierten Amplitudengrenze liegen (Parameter 3 und 4). Wird der durch die obere und die untere Amplituden- grenze eingestellte Bereich verlassen, so wird ebenfalls ein Alarmbit gesetzt. Im Amplitudenspektrum wird auch der -3dB-Punkt überwacht. Dies ist die Frequenzlinie, die in ihrer Amplitude um 3 dB über dem Peak gedämpft ist. Dieser -3dB-Punkt tritt im Spektrum sowohl links als auch rechts vom Peak auf. Für beide -3dB-Punkte lassen sich die unte- re und die obere Frequenzgrenze einstellen (Parameter 5 bis 8). Hierdurch wird eine Aussage über die Kurvenform rund um den Peak- Bereich gewonnen. Verlässt der -3dB-Punkt den durch die Grenzen definierten Bereich, so wird ebenfalls ein Alarmbit gesetzt.
Wie dem Blockschaltbild in Figur 2 zu entnehmen ist, ist somit eine Ü- berprüfung 40 der gemittelten Spektren möglich, wobei für die Kohärenzspektren 32 und die Phasenspektren 34 lediglich die Parameter 1
bis 4 aktiviert sind, während für die Amplitudenspektren 28 die Parameter 1 bis 8 aktiviert sind. Die Überwachung 40 auf Grenzwertüberschreitung wird nur auf die für die Archivierung vorgesehenen Amplitudenspektren 28 angewandt. Die aus der Überprüfung der Parameter maximal resultierenden Alarmsignale (Alarmbits) 42 (256 Alarmsignale Ai, 256 Alarmsignale A2, 1024 Alarmsignale A3) werden einer Verknüpfungslogik 44 zugeführt, die die Alarmsignale 42 miteinander verknüpft und bei erfüllten Bedingungen zu einer Alarmgebung 46, beispielsweise im eingestellten 300s-Takt, führt.
Es wird deutlich, dass bei den in der Überwachungsebene 12 zum Ansatz kommenden Auswertealgorithmen insbesondere Spektralanalysen und Korrelationen eingesetzt sind.
Figur 3 zeigt in einem Blockschaltbild die Auswertealgorithmen der Signale 18 in der Überwachungsebene 14. Als Ausgangssignale liegen wiederum die Beschleunigungssignale einzelner Komponenten des Schienenfahrzeuges vor. Hierbei werden vorzugsweise die jeweils vier Lagersignale von Drehgestellen eines Schienenfahrzeuges ausgewer- tet, so dass acht der Beschleunigungssignale 18 zur Auswertung gelangen. Diese werden über einen Filter (Splitter) 48 in zwei Subbänder aufgespalten. Das untere Subband (low) 50 geht über einen Bereich von zum Beispiel 0 bis 400 Hz während das obere Subband (high) 52 den Frequenzbereich von zum Beispiel 0,4 bis 16 kHz abdeckt. Von den in den jeweiligen Subbändern 50 und 52 liegenden Samples wird über eine Zeitspanne von 1 s der Mittelwert und die Varianz (Schritte 51 beziehungsweise 53) berechnet. Hieraus wird dann der jeweilige 1- Sekunden-Kurtosiswert errechnet (Schritte 54 beziehungsweise 56). Diese 1 -Sekunden-Kurtosiswerte werden über eine Zeitspanne von 30 s anschließend gemittelt (Schritte 58 beziehungsweise 60). Im Ergebnis dieser Auswertung stehen somit acht Merkmale M4 (Kurtosis- werte im Low-Subband) und acht Merkmale M5 (Kurtosiswerte im High-
Subband) zur Verfügung. Somit stehen hier weitere sechzehn Merkmale 36' (8 x M4 + 8 x M5) zur Verfügung.
Anschließend erfolgt für jeden der gemittelten Kurtosiswerte eine Über- prüfung auf das Überschreiten von Grenzwerten (Schritte 62 beziehungsweise 66). Überschreitet einer der Kurtosiswerte den vorgebbaren Grenzwert, kann jeweils ein Alarmbit 42' generiert werden. Somit stehen hier acht Alarmsignale A4 und acht Alarmsignale A5 zur Verfügung. Diese werden über eine Verknüpfungslogik 68 geführt, die die Alarmsignale 42' miteinander verknüpft und bei erfüllten Bedingungen zu einer Alarmgebung 46', beispielsweise im eingestellte 30s-Takt, führt.
Es wird deutlich, dass bei den in der Überwachungsebene 14 zum An- satz kommenden Auswertealgorithmen insbesondere statistische Verfahren, wie beispielsweise Kurtosis, zur Anwendung kommen.
Figur 4 zeigt in einem Blockschaltbild die Auswertealgorithmen der Signale 18 in der Überwachungsebene 16. Als Ausgangssignale liegen wiederum die sechzehn Beschleunigungssignale einzelner Komponenten des Schienenfahrzeuges vor. Für acht dieser Beschleunigungssignale erfolgt die Ermittlung eines Crestfaktors und für weitere acht (die gleichen oder die anderen) Beschleunigungssignale eine Histogrammanalyse. Die Signale sind wiederum, wie bei den vorhergehenden Auswertealgorithmen, mit einer Samplefrequenz von 32 kHz gesampelt.
Bei der Ermittlung des Crestfaktors (Schritt 70) erfolgt die Erfassung der Einzelwerte in 10ms-Zeitfenstem, das heißt in Schüben von 320 Einzelwerten. In diesem Zeitfenster wird jeweils der betragsmäßige Spit- zenwert und der RMS-Wert ermittelt und der Quotient aus Spitzenwert und RMS-Wert (Crestfaktor) gebildet. Im Ergebnis dieser Auswertung
stehen somit acht Merkmale Mβ (entspricht den Crestfaktoren) zur Verfügung.
Parallel erfolgt die Histogrammanalyse (Schritt 72) für acht Beschleuni- gungssignale, insbesondere für die jeweils vier Lagersignale der Drehgestelle des Schienenfahrzeuges. Die Erfassung erfolgt ebenfalls in 10ms-Zeitfenstem, das heißt in Schüben von 320 Werten. Aus diesen 320 Werten pro Zeitfenster wird der größte positive und kleinste negative Wert selektiert (Schritt 74) und in das Histogramm 76 eingetragen. Somit fallen pro 10ms-Zeitfenster je überwachtem Beschleunigungssignal zwei Werte an. Bei der Histogrammanalyse wird die Häufigkeit von bestimmten Beschleunigungswerten in vier Geschwindigkeitsklassen überwacht. Pro Geschwindigkeitsklasse und Signal wird ein Histogramm 76 erstellt.
Durch die Crestfaktoranalyse stehen somit acht Merkmale M6 und durch die Histogrammanalyse zweiunddreißig Merkmale M7 zur Verfügung. Somit stehen in der Überwachungsebene 16 insgesamt vierzig Merkmale 36" (8 x M6 + 32 x M7) zur Verfügung.
Die einzelnen Merkmale werden auf Überschreitung eines Schwellwertes überwacht. Die infolge der Histogrammanalyse erzielten Merkmale werden auf das Überschreiten eines symmetrischen Schwellwertes ü- berwacht. Dieser symmetrische Schwellwert ist als Parameter einstell- bar. Da die Erfassung der Geschwindigkeit in 1s-Schritten erfolgt, gehören jeweils die in diesen 100x1 Oms-Zeitfenstem erfassten Werte zur gleichen Geschwindigkeitsklasse. Die Beschleunigungswerte werden geschwindigkeitsklassenabhängig in ihrer Größe überwacht. Wird ein einstellbarer Maximalwert überschritten beziehungsweise wird der Schwellwert des Crestfaktors überschritten, liegt ein Signalalarm vor. Die aus dieser Überprüfung 78 beziehungsweise 80 maximal resultierenden Alarmsignale (Alarmbits) 42" (acht Alarmsignale Ae, zweiund-
dreißig Alarmsignale Aγ) werden einer Verknüpfungslogik 82 zugeführt, die die Alarmsignale 42" miteinander verknüpft und bei erfüllten Bedingungen zu einer Alarmgebung 46", beispielsweise im eingestellten 10ms-Takt, führt.
Es wird deutlich, dass bei den in der Überwachungsebene 16 zum Ansatz kommenden Auswertealgorithmen insbesondere Crestfaktor- beziehungsweise Histogrammanalysen eingesetzt sind.
Figur 5 zeigt in einem Blockschaltbild die Auswertealgorithmen der Temperatursignale, die in der Gesamtmenge der Signale 18 zur Verfügung stehen. Die Überwachung der Temperaturen erfolgt in der Überwachungsebene 14, da über die Temperaturüberwachung so genannte Heißläufer erkannt werden können, die infolge von Lagerschädigungen entstehen können.
Die der gemessenen Temperatur der einzelnen Lagerhalbschalen entsprechenden Temperatursignale werden in 1s-Schritten erfasst und in einem Zeitfenster von 30 s gemittelt (Schritt 84). Diese somit zur Verfü- gung stehenden acht gemittelten Temperaturwerte bilden die Merkmale M8. Ferner werden Differenzen (Schritt 86) zwischen den gemittelten Temperatursignalen eines Drehgestells und der jeweiligen Temperatur einer einzelnen Lagerhalbschale ermittelt, so dass weitere vier Merkmale Mg (Drehgestell 1) und weitere vier Merkmale Mio (Drehgestell 2) jeweils einer Grenztemperatur ΔT = Tindividueii - Tmittei entsprechend zur Verfügung stehen. Somit stehen insgesamt weitere sechzehn Merkmale 36' in der Überwachungsebene 14 zur Verfügung.
Die Merkmale 36' werden anschließend auf eine Grenzwertüberschrei- tung einer drehgestellspezifisch vorgebbaren Maximaltemperatur geprüft. Als weiteres Überwachungskriterium dient die Differenz der Indi- vidualtemperatur eines Lagers und der gemittelten Temperatur aller
Lagerhalbschalen eines Drehgestelles, die ebenfalls einen bestimmten Grenzwert nicht überschreiten darf. Die in der Signalverarbeitung ermittelte lagerspezifische Temperaturabweichung ΔT wird auf einen Schwellwert überwacht, der als Parameter einstellbar ist. Ferner ist die drehgestellspezifische Maximaltemperatur Tmaχ als Alarmparameter programmierbar. Entsprechend dieser vorgebbaren Schwellwerte erfolgt die Überprüfung 88 dahingehend, ob die Temperatur Tindi idueii > Tmax oder die Temperatur Tindividueii > Tmittei + ΔTgrenz ist. Die aus der Ü- berprüfung der Parameter maximal resultierenden Alarmsignale 42' (acht Alarmsignale As, vier Alarmsignale Ag, vier Alarmsignale A10) werden der Verknüpfungslogik 68 zugeführt, die die Alarmsignale miteinander verknüpft und bei erfüllten Bedingungen zu einer Alarmgebung 46', beispielsweise im eingestellten 30s-Takt, führt.
Figur 6 zeigt in einem Blockschaltbild das gesamte Überwachungssystem 10 mit den Auswertealgorithmen in den Überwachungsebenen 12, 14 und 16. Insgesamt ergibt sich somit folgende zusammengefasste Signalverarbeitung beziehungsweise Ermittlung von Merkmalen, A- larmbits und über die Verknüpfungslogiken ausgelöste Alarme. Im Ein- zelnen sind diese Vorgehensweisen bereits anhand der vorhergehenden Figuren erläutert worden.
Bei zwei Drehgestellen pro Waggon mit jeweils acht Kanälen ergeben sich sechzehn Beschleunigungskanäle pro System. Die Geschwindig- keit v wird für das Gesamtsystem einmal erfasst. Pro Drehgestell existieren vier Temperaturkanäle, das heißt pro Waggon acht Temperaturkanäle. Die Zusammenstellung in Figur 7 setzt sich aus den bereits beschriebenen Diagnoseaufgaben der Figuren 3 bis 6 zusammen und zeigt nochmals die gewählte Form des Meldekonzepts über logische Verknüpfungen in den drei unterschiedlichen Signalverarbeitungs- Szenarien mit an die Aufgabenstellung angepassten Reaktionszeiten.
Die Überprüfung auf Grenzwertverletzungen erfolgt bei der Frequenzbereichsüberwachung nach erfolgter Spektrenselektion in einstellbaren Zeitfenstern (120 beziehungsweise 180/240/300/360 Sekunden). Angewandt wird die Überwachung auf sechzehn Beschleunigungssignale sowie acht Kohärenz- und Phasenkombinationen je Fahrzeug. Bei den Amplitudenspektren sind acht Überwachungsbänder und acht Parameter (2 x Amplitude, 2 x Frequenz, 4 x Dämpfung), das heißt 1024 Alarmbits pro Fahrzeug, bei den Kohärenz-/Phasensignalen (2 x Amplitude / 2 x Frequenz) entsprechend 256 Alarmbits pro Fahrzeug vor- handen. Maximal können bei der Frequenzüberwachung acht frei wählbare Alarmbits verknüpft werden und lösen nach Abprüfung durch ein Zeitglied eine externe Alarmgebung aus. Das Zeitglied stellt sicher, dass nur über das Verknüpfungsergebnis zweier aufeinander folgender abgespeicherter Messungen (Spektrenermittlungen) eine Alarmbedin- gung erfüllt ist, um einen Alarm nach extern weiterzugeben.
Bei der Messdatenerfassung im Zeitbereich erfolgt die Datenerfassung und Signalalarmüberprüfung für Histogramm und Crestfaktor alle 10 ms. Angewandt wird diese Vorgehensweise auf die acht Lagersignale eines Fahrzeuges. Pro Fahrzeug werden vierzig Alarmbits gesetzt.
Bei der Kurtosisüberwachung stehen alle 30 Sekunden neue Wertepaare zur Überwachung bereit. Bei Anwendung auf die beiden Frequenzbereiche (high/low) der acht Lagersignale eines Fahrzeuges stehen sech- zehn Alarmbits zur Verfügung.
Im direkten Zusammenhang mit der Lagerschwingungsüberwachung mittels Kurtosis steht die Überwachung der Lagertemperaturen. Jede Lagertemperatur wird auf zwei Alarmbedingungen hin abgeprüft (Tmaχ und ΔTgrenze)- Somit stehen pro Fahrzeug sechzehn Alarmbits zur Verfügung. Das Ergebnis der Lagertemperaturüberwachung liegt dabei ebenfalls im 30s-Zeittakt wie die Kurtosisüberwachung vor, das heißt,
bei der Verknüpfung von Kurtosis und Temperaturalarmen wird keine Verwaltung unterschiedlicher Zeittakte notwendig. Die ermittelten A- larmbits werden in ein Kurtosis-Temperatur-Signalalarmfile geschrieben, welches alle 30 Sekunden aktualisiert wird. Die Signalalarme wer- den im Logikeditor verknüpft und führen bei erfüllter Bedingung zur A- larmgebung.
Figur 7 zeigt schematisch den Aufbau des Überwachungssystems 10. Das Überwachungssystem 10 ist modular aufgebaut, so dass eine se- parate Inbetriebnahme (der einzelnen Überwachungsebenen 12, 14 und 16) sowie ein schneller Austausch einzelner der Komponenten sowie die Möglichkeit einer individuellen Anpassung an andere Bedingungen möglich ist. Die Signale 18 der nicht dargestellten Sensoren werden über eine Signalkonditionierung 100 an die Eingangsbereiche von Analog/Digital-Umsetzern 102 angepasst. Die Analog/Digital-Umsetzer 102 sind entsprechend der erforderlichen Kanalanzahl der zu verarbeitenden Signale und der Umsetzrate von 32 kSamples pro Sekunde realisiert. Die Analog/Digital-Umsetzer sind an einen digitalen Signalprozessor (DSP) 104 angeschlossen, in dem die Signalverarbeitung bezie- hungsweise -bearbeitung, die Merkmalsextraktion, die Grenzwertevergleiche sowie die Alarmgebung - entsprechend der Erläuterung zu den vorhergehenden Figuren - realisiert ist. Dem digitalen Signalprozessor 104 ist ein Flash-Speicher 106 zum Laden des Programmes und ein externer Speicher 108 zum Ablegen der Daten zugeordnet. Die Ab- laufsteuerung des digitalen Signalprozessors 104 erfolgt durch ein Rechensystem 110, dem für eine temporäre Speicherung der Messdaten eine Flash-Speicherdisc 112 zugeordnet ist. Ferner ist dem Rechensystem 110 ein Festplattenspeicher 114 zugeordnet. Durch diese Ausstattung wird ermöglicht, während des bestimmungsgemäßen Einsat- zes des Schienenfahrzeuges die Daten während der Fahrt auf den Flash-Speicher 112 zu schreiben und erst im Stillstand des Schienenfahrzeuges eine Umschreibung der Daten (Kopieren) auf den Festplat-
tenspeicher 114 vorzunehmen. Hierdurch wird die Datensicherheit des Überwachungssystems 10 erhöht. Die Größe des Flash-Speichers 112 muss hierbei der maximalen Fahrzeit des Schienenfahrzeuges angepasst sein und kann nach jedem erfolgten Überspielen auf den Fest- plattenspeicher 114 neu beschrieben werden.
Es wird deutlich, dass durch die Systemlösung ein sicherer Betrieb des Überwachungssystems 10 im mobilen Bereich unter Einhaltung erhöhter Anforderungen an Robustheit, Stabilität und Energieeffizienz mög- lieh ist.