BESCHREIBUNG
GASTURBINENANLAGE FÜR EIN ARBEITSMEDIUM IN FORM EINES KOHLENDIOXID/WASSER-GEMISCHES
TECHNISCHES GEBIET
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf das Gebiet der Technik von Gasturbinen. Sie betrifft eine Gasturbinenanlage für ein Arbeitsmedium in Form eines Kohlendioxid/Wasser-Gemisches gemäss dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
STAND DER TECHNIK
Aus dem Stand der Technik sind Gasturbinenanlagen bekannt, die in einem Kreislauf mit einem Arbeitsmedium in Form eines Kohlendioxid/Wasser-Gemisches arbeiten und sich dadurch auszeichnen, dass sie die Verbrennung von kohlenwasserstoffhaltigen Brennstoffen ohne Abgabe von Kohlendioxid an die
Atmosphäre ermöglichen. Eine solche Gasturbinenanlage ist beispielsweise in der Druckschrift US-A-5,247,791 beschrieben.
In Fig. 1 ist eine vergleichbare Gasturbinenanlage 16 mit einem zum grossen Teil geschlossenen C02-Gasturbinenkreislauf in einem Blockschema dargestellt. Die Gasturbinenanlage 16 umfasst einen Verdichter 1 und eine Turbine 3, die über eine gemeinsame Welle mit einem Generator 15 verbunden sind. Die Gasturbinenanlage 16 umfasst weiterhin eine Brennkammer 2, einen Kühler und/oder Ab- wärmeverwerter 4, einen Wasserabscheider 5 und eine Entnahmestelle 6 zur C02-Entnahme. In der Brennkammer 2 wird ein Brennstoff 7 in Form eines Kohlenwasserstoffes, z.B. ein Erdgas mit der Hauptkomponente Methan, in einer aus Sauerstoff 8, Kohlendioxid und ggf. Wasser aufbereiteten Atmosphäre einer inneren Verbrennung unterzogen. Die durch die Verbrennung entstehenden Komponenten Kohlendioxid und Wasser, sowie ggf. mit dem Sauerstoff oder dem Erdgas eingeführte Inertgase werden laufend entfernt, so dass ein Kreislauf mit weitgehend konstanter Zusammensetzung des Arbeitsmediums aufrechterhalten bleibt. Dabei kann das Wasser, wie in Fig. 1 dargestellt, in dem Wasserabscheider 5 auskondensiert werden. An einer anderen Stelle des Kreislaufs, bevorzugt hinter dem Verdichter 1 an der Entnahmestelle 6, kann das überschüssige Kohlendioxid weitgehend rein abgetrennt werden. Das Kohlendioxid kann dann in geeigneter Weise deponiert werden, so dass praktisch kein Kohlendioxid in die Atmosphäre abgegeben wird. Alternativ kann kein oder nur ein Teil des Wassers im Wasserabscheider 5 auskondensiert werden, so dass an der Entnahmestelle 6 ein Kohlendioxid/Wasser-Gemisch abgeführt wird.
Der für die Verbrennung des Brennstoffs 7 benötigte Sauerstoff 8 wird in einer Luftzerlegungsanlage 9 aus angesaugter Luft 10 erzeugt. Restgase 11 in Form von Stickstoff (N2) und Argon (Ar), die dabei als Abfallprodukt anfallen, können entweder in die Atmosphäre entlassen oder anderweitig genutzt werden.
Der im Kühler/Abwärmeverwerter 4 erzeugte Dampf 17 kann entweder in einem unabhängigen Prozess, z.B. in einer nachgeschalteten Dampfturbine, genutzt
werden, oder als Einspritzdampf 12 in die Brennkammer 2 eingespritzt werden, um den Massenstrom in der Turbine 3 und damit Leistungsausbeute und Wirkungsgrad des Prozesses zu erhöhen. Zusätzlich kann ein Teilstrom 13 des Dampfes zur effektiven Kühlung thermisch belasteter Bauteile in der Turbine 3 genutzt werden.
Werden Verdichter 1 und Turbine 3 speziell für die Erfordernisse des jeweiligen Arbeitsmediums konstruiert und ausgelegt, so besteht kein Zweifel an der technischen Machbarkeit eines solchen Prozesses. Allerdings wird es aus wirtschaftli- chen Gründen notwendig sein, entsprechende Gasturbinenanlagen 16 zumindest vorübergehend mit Verdichtern 1 und Turbinen 3 zu betreiben, die ausgehend von existierenden, für den Betrieb mit Umgebungsluft ausgelegten Maschinen möglichst wenig modifiziert wurden.
In diesem Zusammenhang wird in der Literatur die im Vergleich zu Luft sehr viel geringere Schallgeschwindigkeit in Kohlendioxid als wichtigste Herausforderung diskutiert. Fig. 2, in welcher die Schallgeschwindigkeit in Kohlendioxid/Wasser- Gemischen in Abhängigkeit vom Anteil des Wassers bei einem Druck von 3 MPa und zwei unterschiedlichen Temperaturen (700 K und 1400 K) aufgetragen ist, zeigt aber, dass sich durch Verwendung von Kohlendioxid/Wasser-Gemischen über weite Konzentrationsbereiche (z.B. 0.6 < xH2o 0.8) Schallgeschwindigkeiten einstellen lassen, die der Schallgeschwindigkeit in Luft hinreichend ähnlich sind (geht man davon aus, dass Verdichter grosser Gasturbinen typischer Weise mit Machzahlen von etwa 0.7 betrieben werden, so sollten bis zu etwa 20% niedrigere Schallgeschwindigkeiten tolerabel sein).
Ein erhebliches Problem ergibt sich dagegen aus dem unterschiedlichen Expansi- ons- und Kompressionsverhalten von Luft auf der einen und Kohlendioxid/Wasser- Gemischen auf der anderen Seite. Fig. 3, in welcher die Abweichung des Volu- menstroms in % bei der Expansion von Kohlendioxid/Wasser-Gemischen gegenüber Luft für drei unterschiedliche Wasseranteile x dargestellt ist, verdeutlicht diesen Zusammenhang am Beispiel einer von T = 1500 K und p = 3 MPa ausgehen-
den Expansion mit einem konstant angenommenen polytropen Wirkungsgrad von ηp0ι = 0.9. Aufgrund des von Luft verschiedenen Isentropenexponenten der Kohlendioxid/Wasser-Gemische ergeben sich auf der Niederdruckseite um ca. 30 bis 35% grössere Volumenströme und damit, bei unveränderten Strömungsquerschnitten, entsprechend grössere Axialgeschwindigkeiten. Dieser Effekt Iässt sich nur in geringem Masse durch Variation der Zusammensetzung beeinflussen. Im Verdichter 1 ergeben sich umgekehrt auf der Hochdruckseite deutlich kleinere Volumenströme und damit kleinere Axialgeschwindigkeiten als beim Betrieb mit Luft.
Erschwerend wirkt sich aus, dass sich im Kreislauf nicht kondensierbare Inertgase ansammeln, deren Konzentration im Gleichgewicht etwa gleich dem Anteil der entsprechenden Gase im verwendeten Erdgas ist. Damit ergeben sich in Abhängigkeit vom verwendeten Erdgas signifikant unterschiedliche thermodynamische Eigenschaften des Arbeitsmediums.
Der Aufwand für die Modifikation existierender Turbinen und damit ihre Erfolgschancen hängen wesentlich davon ab, ob es gelingt, diese Unterschiede im Expansionsverhalten zu kompensieren, ohne Läufer (Rotor) und Gehäuse der Turbi- nen drastisch modifizieren und die Beschaufelung komplett neu auslegen zu müssen.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
Es ist daher Aufgabe der Erfindung, eine mit einem Kohlendioxid/Wasser-Gemisch als Arbeitsmedium arbeitende Gasturbinenanlage zu schaffen, welche auf einfache und kostengünstige Weise von einem Verdichter und/oder einer Turbine Gebrauch macht, die für einen Betrieb mit dem Arbeitsmedium Luft ausgelegt sind.
Die Aufgabe wird durch die Gesamtheit der Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Der Kern der Erfindung besteht darin, einen Verdichter und/oder die Turbine (3)
mit einem Rotor und einem Gehäuse einzusetzen, welche weitgehend einem Rotor und einem Gehäuse eines für das Arbeitsmedium Luft ausgelegten Verdichters bzw. einer für das Arbeitsmedium Luft ausgelegten Turbine entsprechen. Die Anpassung an das von Luft verschiedene Expansionsverhalten des Arbeitsmediums wird dann im wesentlichen durch Modifikationen der Strömungskanäle und/oder der Laufschaufeln und/oder der Leitgitter bewirkt. Hierdurch ist es möglich, auf bereits vorhandenen Verdichtern bzw. Turbinen aufzubauen, die dann im Inneren mit vergleichsweise geringfügigen Änderungen an das neue Arbeitsmedium an- gepasst werden.
Gemäss einer ersten bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird die notwendige Modifizierung dadurch bewirkt, dass die freien Strömungsquerschnitte auf der Hochdruckseite von Verdichter und/oder Turbine durch Blockieren eines Teils der Strömungskanäle im Leitgitter in Form von blockierten Sektoren reduziert sind.
Gemäss einer zweiten bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird die notwendige Modifizierung dadurch bewirkt, dass die freien Strömungsquerschnitte auf der Hochdruckseite von Verdichter und/oder Turbine durch Einfügen ringförmiger Strömungshindernisse in den Leitgittern reduziert sind.
Gemäss einer dritten bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird die notwendige Modifizierung dadurch bewirkt, dass die freien Strömungsquerschnitte auf der Hochdruckseite von Verdichter und/oder Turbine durch verstellbare Leitgitter reduziert werden.
Es ist aber auch denkbar, dass die freien Strömungsquerschnitte in Verdichter und/oder Turbine unverändert bleiben und statt dessen die Beschaufelung des Verdichters bzw. der Turbine an die veränderten Axialgeschwindigkeiten ange- passt ist.
Weiterhin ist es vorteilhaft, wenn in Verdichter und/oder Turbine verstellbare Leitgitter vorgesehen sind, um durch Inertgase bedingte Variationen der thermodyna- mischen Eigenschaften des Arbeitsmediums zu kompensieren.
Weitere Ausführungsformen ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen.
KURZE ERLÄUTERUNG DER FIGUREN
Die Erfindung soll nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen im Zusammenhang mit der Zeichnung näher erläutert werden. Es zeigen
Fig. 1 ein Anlagenschema einer beispielhaften, mit einem Kohlendioxid/Wasser-Gemisch als Arbeitsmedium arbeitenden Gasturbi- nenanlage;
Fig. 2 die Schallgeschwindigkeit in Kohlendioxid/Wasser-Gemischen in
Abhängigkeit vom Anteil des Wassers bei einem Druck von 3 MPa und zwei unterschiedlichen Temperaturen;
Fig. 3 die Abweichung des Volumenstroms in % bei der Expansion von
Kohlendioxid/Wasser-Gemischen gegenüber Luft für drei unterschiedliche Wasseranteile;
Fig. 4 prozentuale Abweichungen zwischen Axialgeschwindigkeiten, die sich in einer für Luft optimierten Turbine einstellen, und Axialgeschwindigkeiten in einer mit verschiedenen Kohlendioxid/Wasser- Gemischen betriebenen, erfindungsgemäss modifizierten 5-stufi- gen Turbine;
Fig. 5 in einer schematisierten Darstellung den inneren Aufbau eines
Verdichters oder einer Turbine mit der zugehörigen Beschaufelung und einer Mehrzahl von Leitgittern; und
Fig. 6 in mehreren Teilfiguren in axialer Richtung gesehen ein beispielhaftes Leitgitter ohne Modifizierung (Fig. 6a), mit einer sektoriellen Teilbeaufschlagung gemäss einer Ausgestaltung der Erfindung (Fig. 6b), mit einer radialen Teilbeaufschlagung gemäss einer anderen Ausgestaltung der Erfindung (Fig. 6c) und mit verstellbaren Leitschaufeln gemäss einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung
(Fig. 6d).
WEGE ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
Der Verdichter 1 und die Turbine 3 der Gasturbinenanlage aus Fig. 1 haben den in Fig. 5 vereinfacht dargestellten inneren Aufbau, wobei sich die Hochdruckseite (beim Verdichter 1 die Auslassseite, bei der Turbine 3 die Einlassseite) auf der linken Seite der Darstellung befindet. Der Verdichter 1 bzw. die Turbine 3 haben einen um eine Achse 23 drehbaren Rotor 18 mit einer mehrstufigen Beschaufelung, die aus einzelnen Sätzen von Laufschaufeln 21 besteht. Der Rotor 18 mit der Beschaufelung ist von einem Gehäuse 19 umgeben. Zwischen den Sätzen von Laufschaufeln 21 sind jeweils ortsfeste Leitgitter 20 mit entsprechenden Leitschaufeln angeordnet. Zwischen den Leitschaufeln der Leitgitter 20 verlaufen in dem Zwischenraum von Rotor 18 und Gehäuse 19 Strömungskanäle 22 (siehe auch Fig. 6a).
Gemäss der Erfindung werden nun Rotor 18 und Gehäuse 19 eines für das Arbeitsmedium Luft ausgelegten Verdichters 1 und/oder einer für das Arbeitsmedium Luft ausgelegten Turbine 3 beibehalten. Zur Anpassung an das von Luft verschiedene Expansionsverhalten des Arbeitsmediums Kohlendioxid/Wasser werden im
wesentlichen Modifikationen der Strömungskanäle 22 und/oder der Laufschaufeln 21 und/oder der Leitgitter 20 vorgenommen.
Eine erste Möglichkeit zur Modifikation besteht darin, die freien Strömungsquer- schnitte auf der Hochdruckseite von Verdichter 1 und/oder Turbine 3 dadurch zu reduzieren, dass ein Teil der Strömungskanäle 22 im zugehörigen Leitgitter 20 durch über den Umfang verteilt angeordnete blockierten Sektoren 24 verschlossen sind (Fig. 6b; sektorielle Teilbeaufschlagung).
Eine zweite Möglichkeit der Modifikation besteht darin, dass die freien Strömungsquerschnitte auf der Hochdruckseite von Verdichter 1 und/oder Turbine 3 durch Einfügen von ringförmigen Strömungshindernissen 25 in den Leitgittern 20 reduziert sind (Fig. 6c; radiale Teilbeaufschlagung).
Eine dritte Möglichkeit der Modifikation besteht darin, dass die freien Strömungsquerschnitte auf der Hochdruckseite von Verdichter 1 und/oder Turbine 3 durch verstellbare Leitgitter 20 mit verstellbaren Leitschaufeln 26 reduziert werden (Fig. 6d; in der Figur ist der Einfachheit halber nur eine beispielhafte verstellbare Leitschaufel 26 eingezeichnet, deren Verstellbarkeit durch die gestrichelten Linien angedeutet ist).
Es ist aber auch denkbar, dass die freien Strömungsquerschnitte in Verdichter 1 und/oder Turbine 3 unverändert bleiben, und statt dessen die Beschaufelung (Laufschaufeln 21) des Verdichters 1 bzw. der Turbine 3 durch eine geänderte Ausgestaltung der Schaufelgeometrie an die veränderten Axialgeschwindigkeiten angepasst ist.
Am Beispiel einer fünfstufigen Turbine zeigt Fig. 4 prozentuale Abweichungen zwischen Axialgeschwindigkeiten, die sich in einer für Luft optimierten Turbine einstellen, und Axialgeschwindigkeiten in mit verschiedenen Kohlendioxid/Wasser- Gemischen betriebenen, erfindungsgemäss modifizierten Turbinen. Die weitgehende Angleichung der Axialgeschwindigkeiten wird in diesem Falle durch abge-
stufte Reduzierung der zur Verfügung stehenden Strömungsquerschnitte in den einzelnen Stufen der Turbine erreicht. Die nachfolgende Tabelle 1 fasst die für die verschiedenen Zusammensetzungen gewählten Querschnittsverhältnisse zusammen.
Tabelle 1. Bezogenes Verhältnis der freien Strömungsquerschnitte in den Stufen von für den Betrieb mit Kohlendioxid/Wasser-Gemischen modifizierten Turbinen
Beim Auftreten von Inertgasen im Arbeitsmedium ist es weiterhin von Vorteil, wenn in Verdichter 1 und/oder Turbine 3 verstellbare Leitschaufeln 26 des Leitgitters 20 vorgesehen sind, um durch die Inertgase bedingte Variationen der thermodynamischen Eigenschaften des Arbeitsmediums zu kompensieren.
Auch kann es bei der Gasturbinenanlage 16 der Erfindung von Vorteil sein, wenn die Wärmesenke 4 zur Erzeugung von Dampf ausgelegt ist , und wenn ein Teilstrom 13 des erzeugten Dampfes zur Kühlung thermisch belasteter Bauteile der Turbine 3 zugeführt wird. Diese Wärmesenke 4 kann auch zur Erzeugung einer Dampfmenge zum Betrieb einer in der Zeichnung nicht näher dargestellten Dampfturbine ausgelegt werden. Der benötigte Teilstrom 13 kann dann aus dieser Dampfmenge abgezweigt werden.
Schliesslich ist es aber auch möglich, dass in der Gasturbinenanlage 16 aus Fig. 1 Mittel zur Verflüssigung des Arbeitsmediums durch Wärmeabfuhr vorgesehen sind, und dass an Stelle des Verdichters 1 eine Pumpe eingesetzt wird.
BEZUGSZEICHENLISTE
1 Verdichter
2 Brennkammer
3 Turbine Kühler/Abwärmeverwerter Wasserabscheider Entnahmestelle (Kohlendioxid, Wasser) Brennstoff (Kohlenwasserstoff) Sauerstoff Luftzerlegungsanlage 0 Luft 1 Restgase (Stickstoff, Argon) 2 Einspritzdampf 3 Teilstrom (Dampf) 4 Wasser 5 Generator 6 Gasturbinenanlage 7 Dampf 8 Rotor 9 Gehäuse 0 Leitgitter 1 Laufschaufel 2 Strömungskanal 3 Achse 4 blockierter Sektor 5 Strömungshindernis (ringförmig) 6 verstellbare Leitschaufel